Verbessert oder totgezeichnet? Das ist eine Frage, die sich bei jeder Zeichnung und analog beim Malen stellt. Den richtigen Augenblick erwischen aufzuhören, das ist die eigentliche Kunst.
Gestern Nacht zeichnete ich den umgestürzten Bücherstapel auf dem Schreibtisch und postete das Ergebnis.
Danach mochte ich nicht schlafen gehen, sondern dachte: Mal sehen, wie sich diese Zeichnung in der Schreibtischserie ausnimmt. Also griff ich mir einen dicken schwarzen Filzstift und begann, die mit Kugelschreiber eingetragenen Umrisslinien nachzuziehen, füllte auch Schattenbereiche tiefschwarz aus. Voila:
Noch nicht fertig?
Nun passt es in die Schreibtischserie, die irgendwie darauf wartet, eine noch zu schreibende Geschichte zu illustrieren.
24.9.
25.9.
26.9.
30.9.
Danach ging ich schlafen und träumte davon, einem Braunbären einen ledernen Maulkopf anzulegen. Er wollte das, weil er sich so sicherer fühlte – vermutlich sicherer vor seinen eigenen wilden Instinkten. Er war sehr kooperativ, doch war es schwierig, das große Maul in dem engen Maulkorb unterzubringen, immer blieb ein Zahn draußen. Sind die schwarzen Umrisslinien so etwas wie ein Maulkorb für meine Zeichnungen? Das frage ich mich.
Gestern nachmittag gegen 5 machte ich bei klarstem Himmel einen Bummel durch Kalamatas Altstadt. Es ist ein merkwürdiges Konglomerat von zerfallender oder renovierter alter Bausubstanz und neuen mehrstöckigen Häusern und Beton-Skeletten. Die Spuren des Erdbebens vom 13. September 1986, das den größten Teil der Altstadt zerstörte, sind immer noch sehr sichtbar, obgleich es damals eine große Anstrengung gab, jedenfalls Teile der neoklassischen Architektur zu retten. Aber es blieb Stückwerk.
Ich machte viele Aufnahmen. Im Rahmen von Amoraks Blog-Challange möchte ich nur eine Wand in Goldocker zeigen – Reste des traditionellen Anstrichs eines neoklassischen Wohnhauses, das nun, wie viele Seinesgleichen, vor sich hin verfällt. Die Farbe findet sich auch im Rost der eisernen Beschläge und Balkongitter. Sie harmoniert ausgezeichnet mit dem blauen Himmel, der durch das zerbrochene notdürftig verschlossene Fenster scheint.
Wenn man sich unbedingt quälen will, sollte man sich zeichnend dem Durcheinander auf unserem gemeinsamen Schreibtisch widmen. Heute abend sah ich den umgestürzten Haufen von Büchern, Notizzetteln und Zeitungssausschnitten auf der Seite meines Mannes als geeignetes Folterinstrument an. Um dem Ganzen ein Zentrum zu geben, setzte ich ein dekoratives Bötchen aus Messing oder so auf den Papierstapel.
Das stark vergilbte auseinandergefallene Buch im Zentrum ist ein billiges neugriechisch-englisches Wörterbuch, das seit mindestens 60 Jahren seinen Dienst tut. Das solide gelbe deutsch-neugriechische Wörterbuch rechts oben kennt ihr schon.
Gezeichnet habe ich mit schwarzem Kugelschreiber, koloriert mit Buntstiften und Bleistift.
Endlich mal ein Foto, das man nicht enträtseln muss, liebe Myriade! 🙂 Denn jeder kennt natürlich Brotbacköfen und kann das Bild sogleich richtig bezeichnen.
Eine rudimentäre Vorstellung hat auch ein jeder davon, wie Backöfen funktionieren: unten ist ein Loch fürs Holz, das man entzündet, um Hitze zu erzeugen und so den in den eigentlichen Backraum reingeschobenen Teig zu backen. Rein- und rausschieben tut man das Backwerk mit einem langstieligen hölzernen Schieber.
Ich nehme an, der Ofen ist innen mit massiven Steinen, vielleicht mit Schamott ausgekleidet, um die Hitze ordentlich zu speichern und langsam abzugeben? Und wie ist es mit der Feuchtigkeit? Ein wenig davon braucht es doch auch zum Backen.
Zum Glück komme ich ohne solch praktisches Wissen zu meinem frisch auf Holzfeuer gebackenen Brot. Denn in meiner Welt gibts noch durchaus funktionsfähige Backstuben.
Eine Szene, wo mein Mann ein Brot bei einem Bäcker in Kalamata kauft, habe ich gezeichnet. Im Hintergrund Brotlaibe, jeder ein Individuum.
Natürlich sieht der Ofen, der übrigens auch mit Holz beheizt wird (große Haufen grob zersägter Bäume liegen vor dem Laden), ein bisschen anders aus als deiner.
Auch in Maroussi/Attika haben wir gleich um die Ecke eine traditionsreiche Bäckerei. Ein Blick in den Verkaufsraum gefällig?
Einen Backofen, sicher so alt wie der abgebildete und in vollem Betrieb, kann ich auch präsentieren. Wie ich (hier) berichtete, hatte ein dörflicher Brotbackverein zum Fest geladen, und viele viele Menschen kamen. Im Backofen brannte ein helles Feuer.
Aber kann man so backen? Das Feuer muss doch erst niederbrennen, die Asche ausgeräumt und der Backraum feucht ausgewischt werden, bevor der Brotlaib hinein kann, oder? So jedenfalls las ich, als ich eben, um mich für diesen Artikel fit zu machen, ein wenig im internet nachforschte. Ich habe nämlich nicht die geringste eigene Erfahrung mit Brotbacken. Nur mit Brotessen, da kenne ich mich aus, und ich freute mich auch an den künstlerischen Broten, die die Frauen des Vereins auf einem langen Tisch präsentierten.
Möge es stets gutes Brot für uns Menschen geben! Möge es genug für alle sein!
Gestern mittag – es hatte geregnet und tröpfelte noch ein bisschen – ging ich mal wieder am Segelhafen von Kalamata spazieren, um die Masten und ihre Spiegelungen zu bewundern. Unerwartet war, dass es auch starke Farben gab.
Der Rest der Spiegelungen bewegte sich im elegant Grau-Bereich.
Als ich heute bei Christoph (hier) seine Handstudien mit Kohle und weißem Stift auf farbigem Papier sah, bekam ich Lust, es auch mal so zu versuchen. Ich hatte freilich weder farbiges Papier noch einen weißen Stift zum Höhen. Also wurde es etwas Ähnliches, aber doch anders, nämlich Buntstift, um die weiße Fläche einigermaßen gleichmäßig einzufärben, weicher Bleistift für die Zeichnung und ein Radiergummi, um Helligkeiten einzutragen.
Ich sortiere diese Zeichnungen unter „gemeinsam zeichnen“, denn Christoph und ich saßen zwar nicht im selben Raum, wir kennen uns auch nicht persönlich, aber darauf kommt es ja nicht an. Worauf es ankommt, ist die Freude am gleichgerichteten Tun und an gegenseitiger Anregung.
Zwei mal mit Ocker auf geteiltem Zeichenbogen
Einmal mit Blau auf kleinerem Zeichenbogen
Danke, Christoph, für die Anregung. Es hat Spaß gemacht!
Beate Glücks Bild von einem froschähnlichen „Gritter“ ist großartig, eine Herausforderung. Mir kommt die seit Darwin sich verbreitende Überzeugung in den Sinn, dass sich die Arten eine aus der anderen entwickelt haben. Das ist wegen der aufgefundenen Artefakte, die irgendwelche nicht lebensfähigen Zwischenglieder dokumentieren, oder wegen der Stadien der Embryonalentwicklung, die eine Wiederholung der Phylogenese zu sein scheint, auch recht einleuchtend. Und doch: stimmt es? Ist es nicht eine Fehlinterpretation der Funde? wo hat man je gesehen, dass ein Fisch aufs Trockene hüpfte, Schwanz und Flossen ablegte und zum Landbewohner wurde?
Du sagst: du musst dir das mit Zeitraffer vorstellen. Da siehst du es dann. Vermutlich gibt es in naturhistorischen Museen tatsächlich solche Präsentationen, wo Jahrmillionen oder irgendwas in dieser unvorstellbaren Größenordnung in Minuten zusammengerafft werden. Ich aber kann es mir beileibe nicht vorstellen. Ich sehe stattdessen, wie ehemalige Fische als monströse sechsbeinige Frösche herumhüpfen, nicht ahnend, dass ihnen die Beine nur gewachsen sind, damit sie auf Festessen als Leckerbissen serviert werden – eine Sitte, die es einem italienischen Herr namens Luigi Galvani dann auch gestattete, die Elektrizität zu entdecken.
Ich warne sensible Menschen, den nachfolgenden (erfolgreichen) Versuch, das Experiment Galvanis (1737-1798) nachzuvollziehen, anzusehen.
Liebevoll, wie ein hübsches Märchen für Kinder, wird der „Zufallsfund“ von Galvani auch in einem Podcast des Museums für Energiegeschichte vorgetragen. Das kannst du dir, ohne dass es dich graust, gerne anhören. Ob es sich im Wortsinn um einen Zufallsfund handelte, kann man bezweifeln, denn Galvani war Arzt, Anatom und Naturforscher und also mit dem fachgerechten Zerlegen von Lebendem und Totem bestens vertraut. Überhaupt – immer diese Zufälle, die angeblich Natur und Geschichte steuern!
Die Elektrizität ist heute in der verwendbaren Form von Strom allgegenwärtig und gilt als „saubere“ Energie. Sie hat alle unsere Lebensbereiche durchdrungen. Eine Welt ohne Strom können wir uns nicht mehr vorstellen. Und doch gab es diese Welt vor wenigen Jahrzehnten und gibt sie noch gleich um die Ecke…. Das Verspeisen von Froschschenkeln ist immer noch Sitte in der gehobenen französischen Küche – und nicht nur dort. Da wir gesitteten Europäer inzwischen Bedenken haben, ob es sich dabei womöglich um Tierquälerei handeln könnte, fangen wir keine europäischen Frösche mehr, sondern führen sie massenhaft aus Indonesien ein.
Dies ist ein Beitrag zu Myriades „Impulswerkstatt“, den ich mit mulmigen Gefühl im Bauch schrieb. Denn wer weiß, in welche Welt wir uns hineinmanövriert haben, in der unser Wohlsein mit so viel Leid und Abstumpfung erkauft wird.
Fast vorbei ist der September, aber nun kann ich euch endlich auch ein griechisches September-Wolkengrau präsentieren. Die Katastrophen-Behörde hatte eine Unwetter-Warnung aufs Handy geschickt, aber was kam, war nur feiner sanfter Regen. Die ganze Nacht über regnete es sacht. Die ausgedörrte Erde nahm alles Wasser sofort restlos auf.
Nun hat der Regen bereits aufgehört, und die Wolken beginnen, sich zu lichten.
Als ich eben im Archiv nach einem Bild für Heides „Archivbild der Woche“ suchte, stieß ich auf Fotos des Tiber aus dem Jahre 2016, und die alte Rom- und Tibersehnsucht packte mich wieder.
Wir hatten nahe am Tiber Quartier bezogen, und so waren es diese Brücken, die mein Auge am Morgen als erstes suchte…
und am Abend als letztes verabschiedete.
Ich weiß, liebe Heide, dass wir nur ein Bild posten sollen, ich versuchte es auch, aber was soll ich machen? Es wollten wieder mal zwei werden.
Heute abend stellte ich eine Eule vor ein Glas mit Stiften und holte mir ein Glas Rotwein, um mich beim Zeichnen zu entspannen. Die Eule ist aus eingefärbten Glasstücken mithilfe einer metallischen Masse zusammengefügt, sieht aus wie bei Kirchenfenstern. Und so schien es mir angebracht, auch die anderen Formen mit dickem Filzstift zu rahmen. Kann sein, dass ich die Linien morgen noch verstärke und vereinheitliche, so dass eine Art gezeichnetes Vitreau entsteht.
Die Zeichnung passt stilistisch zu drei der vorangegangenen, ist aber die erste im Hochformat: