Dora interviewt die Kandidaten (zehntes Interview: Weltraumforscher)

Ich schaue sorgenvoll in den Nachthimmel. Wo steckt Dora nur? Die Zeit rennt, und wir haben noch so viele Kandidaten, die sie befragen muss. Heute hat sie noch niemanden….

„Bloß kein Stress“, ertönt es da aus der Höhe. Ich reibe mir die Augen. Das ist doch…! Hallo, das ist ja der Weltraumforscher – ein forscher Knabe im blauen Luftschiff! Und wer sitzt bei ihm? Na, Dora natürlich, der fliegende Reporter!

„Ich hab mein Interview fertig!“, kräht sie fröhlich. „Der Weltraumforscher hat alles auf Band gesprochen, kannst du so, wie es ist, übernehmen.“ – „Wie lang ist es denn?“ – „Och, so an die 350 Lichtjahre wohl“, sagt Dora und lacht übers ganze Gesicht. „Aber genau kann ich es dir nicht sagen. Die Messungen sind schwierig, die Gelehrten streiten sich, und mein Freund hier mag sich nicht festlegen, bevor er sich mit seinen Kollegen besprochen hat.“

„So ein langes Interview kann ich hier wirklich nicht posten“, gebe ich zu bedenken. „Kannst du mir nicht ne Kurzfassung geben?“ –

Dora entsteigt dem Gefährt, sagt ihrem Gefährten Gute Nacht und gähnt. „Na gut, eine Kurzfassung. Also: Wir waren bei der Beteigeuze, um mal nachzusehen, wie es dort aussieht. Es gibt nämlich einen Haufen Geschichten über diesen Stern.  Hör zu, ich habs auf Band: In Douglas AdamsPer Anhalter durch die Galaxis ist Beteigeuze das Heimatsystem von Ford Prefect und Zaphod Beeblebrox. Auf einem Planeten im Sonnensystem des Beteigeuze spielt die fiktive Handlung von Pierre Boulles Buch Der Planet der Affen, welches bereits mehrfach verfilmt wurde. Arno Schmidt bezieht sich in …seiner Erzählung Leviathan auf Beteigeuze. 1982 erschien in der DDR der Science-Fiction-Roman Zielstern Beteigeuze von Karl-Heinz Tuschel. Der Stern ist unter seinem französischen Namen Betelgeuze Schauplatz der gleichnamigen Comic-Reihe des brasilianischen Comic-Zeichners Léo. … Das System des Sterns Beteigeuze ist zentraler Handlungsort in Heft 48 – Rotes Auge Beteigeuze – der Science-Fiction-Roman-Serie Perry Rhodan. Beteigeuze taucht in einigen Philip-K.-Dick-Romanen bzw. -Kurzgeschichten auf. In der Verfilmung Blade Runner spricht am Ende der Android Roy Batty die Worte: „Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet: gigantische Schiffe, die brannten draußen vor der Schulter des Orion (Beteigeuze)…“.  Auch Ijon Tichy beginnt im von Stanisław Lem verfassten Buch Sterntagebücher seine abenteuerliche Zeitreise auf dem Weg zu diesem Stern…. (Quelle: Wikipedia)

„Halt! Langsam, du machst mich ganz wirr, Dora! Wie war der Name? Und was haben all diese Geschichten damit zu tun?“ – „Beteigeuze heißt er. Solltest du eigentlich kennen, ist der alte Rote Riese da oben, der auf der linken Schulter vom Orion hockt.  Da waren wir. Bald wird er wohl zur Supernova, er implodiert oder explodiert, was weiß ich, jedenfalls schmeißt er, was er ist und hat, durchs Weltall, und zurück bleibt ein großes Schwarzes Loch. Da würde ich dir dann nicht raten, in seiner Gegend aufzutauchen. Schon jetzt ist er ziemlich furios. Ist alles auf Band. Gute Nacht!“

„Aber ich hab doch nicht so lange Zeit, 350 Lichtjahre, das schaffe ich nie!“ beklage ich mich. Es hilft nichts. Dora schläft schon tief und fest, sie schnarcht sogar ein wenig.

 

 

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Statt-Christbaumkugeln

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Statt-Schnee

Kein Schnee in diesen Breiten. Aber müssen wir deshalb auf die weiße Pracht verzichten? Nein, es gibt Statt-Schnee in Fülle!

Weiße Bougainvillea, weiße Wolkenberge

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Ein bisschen Farbe (tägliches Zeichnen)

Ich hatte immer schon einen Heidenrespekt vor der Farbe. Einen Moment wie Paul Klee erlebte ich nie, als er begeistert notierte: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“

In den ersten Jahren habe ich frisch und freudig farbig gemalt. Doch je älter ich wurde, desto mehr problematisierten mich die Farben. Zu einer systematischenBeschäftigung wie bei Klee kam es nicht, und so ging ich immer mehr zu Grautönen mit gelegentlichen starkfarbigen Einschlägen über, bis ich zuletzt fast nur noch schwarz-weiß zeichnete. Bei den Legebildern freilich kann ich mich in Formen und Farben austoben, ohne mich durch Bedenken hemmen zu lassen. Manchmal benutze ich auch alte farbenfrohe Hintergründe dafür, so wie hier zuletzt bei Doras Befragung des Paars:

Nun aber habe ich mal wieder Farben gekauft. Kindliche Farben. Ölkreiden, die man mit Wasser vermalen kann, steht auf der Packung. Auf meiner letzten Zeichnung (Was so auf dem Tisch steht) sieht man sie, offen, aber noch unbenutzt. Farbigkeit stellte ich durch elektronische Überblendung mit einem Foto her.

Am Abend aber begann ich, zaghaft, zögerlich, die Zeichnung mit den neu erworbenene Stiften zu kolorieren. Nun freue ich mich an dem zartgoldenen Dezemberlicht, das die Dinge in der Stube umschwebt und sich nur in den Schatten ein wenig verdichtet. 

 

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Was so auf dem Tisch steht (tägliches Zeichnen)

Die Kandidatenkür für 2023 hält mich in Atem. Da ist das tägliche Zeichnen zu kurz gekommen. Nun wieder in Maroussi (nördlicher Vorort von Athen), habe ich mich hingesetzt und gezeichnet, was dort auf dem hellholzigen Couchtisch herumsteht und liegt: eine elegante Keramikschale mit einem Sammelsurium aus Hölzern, Muscheln und Kerzen, eine hohe Zinnvase, ein rundes Väschen und ein Set Untersetzer für Gläser, der unvermeidliche Kaffeebecher (weiß mit Grundriss des Parthenon), eine Webdecke und eine Schachtel mit neu erworbenen Wachsstiften, die man mit Wasser vermalen kann. Ausprobiert habe ich sie noch nicht, dafür fehlte mir der Mut. Ich blieb beim gewohnten Kugelschreiber. – Im Hintergrund tummeln sich ein Schaukelstuhl, ein großer Arbeitstisch, ein Eulenschrank, Fenstertüren mit Gardinen und ein Benjamin im Topf.

Die fotografische Abbildung aus einem etwas anderen Blickwinkel habe ich dann darübergelegt, mit der hohen Vase als Zentrum. So kommen auch die Farben des Raums ins Spiel, und die Atmosphäse wirkt beinahe weihnachtlich-festlich.

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Dora interviewt die Kandidaten (Neuntes Interview: der Macher)

Vorrede für seltene Besucher (auf Anregung von Petra P):
Doras Jahr geht zu Ende. Daher veranstaltete ich Ende November eine Ausschreibung, um geeignete Kandidaten fürs Jahr 2023 zu finden. Meine Leserinnen und Leser halfen bei der Kandidatenkür: Hier das Ergebnis der Abstimmung. Dora interviewt die Kandidaten seither, da man sich nicht auf die schriftlichen Bewerbungen allein verlassen könne. Bisher hat sie folgende Kandidaten interviewt: den Angstmacher, die Wissenschaft hinter dem Neuen Menschen, die Hilfesuchende, das spielende Kind, den Überlebenskünstler, das Paar (2x), die Fragende.

Seit gestern wieder in Athen, gehe ich heute im Stadtwald spazieren. Da erblicke ich in der Ferne einen Mann, der einen Hund zu dressieren versucht. Jedenfalls ist es das, was ich glaube. Dora springt von meiner Schulter und huscht hinüber, um zu sehen, worum es sich wirklich handelt.

Collage aus Kohlezeichnung-Legefiguren

Beim Näherkommen sehe ich, dass es sich um den „Macher“ handelt. Wie schrieb er doch in seiner Bewerbung?

„Den Stier bei den Hörnern und die Gelegenheit am Schwanz packe ich. Manchmal geht es auch darum, Drachen zu töten und Ungeheuern den Garaus zu machen. Die Welt ändert sich nicht, wenn du träumst. Ich will dich gern im kommenden Jahr lehren, nicht nur zu schwätzen, sondern zur Tat zu schreiten. Auf gehts!“

Damit ist er in guter Gesellschaft. „Der Worte sind genug gewechselt, Laßt mich auch endlich Taten sehn!“ forderte schon der Theaterdirektor im Vorspiel zu Goethes Faust. 

Das war im Jahr 1808. Seither sind 214 Jahre vergangen, und Taten sahen wir reichlich, gute wie schlechte, denke ich. Aber auf das, was ich denke, kommt es hier grad nicht an. Wollen wir lieber hören, was Dora denkt, und was der Macher (Täter?) von sich gibt. 

„Hi“, schreit Dora. „Das ist ja gar kein Hund. Ein Drachen ist es auch nicht, und auch kein Stier. Was ist es dann?“ -„Pst!“ macht der Macher, „sei leise, mach es nicht scheu, sonst verschwindet es noch. Es ist eine Gelegenheit, mich im Machen zu üben.“ – „Und was willst du machen, wenn du sie am Schwanz gepackt hast?“ flüstert nun Dora. „Dann mache ich sie zu meiner Sklavin.“ -„Wie bitte?“ – „Dann muss sie tun, was ich ihr befehle. Schau, so: ‚Sitz!‘ und schon sitzt sie. ‚Steh!‘, ‚Geh!‘, ‚Beiß jeden, der auf die Straße geht! Hol mir meine Schuhe! Erkläre einen Krieg! Mach Frieden! Mach mich zum reichsten Mann der Erde!‘ Egal, sie muss es tun.“

„Das alles kann sie machen?“ wundert sich Dora. „Kann ich ihr auch Befehle geben?“ 

„Im Prinzip kann es jeder, der das Monster gezähmt hat,“ sagt der Macher, nun ganz vertraulich sich zu Dora hinunterneigend. „Worauf es ankommt, ist, es soweit zu kriegen, dass es nur dir gehorcht. Es gibt viele, die es versuchen, aber bisher ist es niemandem gelungen.“ 

Dora legt ihr Köpfchen schief und denkt nach. „Und wenn es dir auch nicht gelingt?“ fragt sie dann. „Legst du dich dann aufs Ohr und bist kein Macher mehr?“ – „Das geht nicht!“ verkündet der Macher im Brustton der Überzeugung. „Ich bin ein Prinzip!“

Während die beiden so schwätzen, hat sich die Gelegenheit heimlich entfernt. Weg ist sie. Doch sicher wird sie sich anderswo erneut bieten. Immer, überall kann sie plötzlich auftauchen, und dann gilt es, sich nicht mit Reden aufzuhalten, sondern sie am Schwanz zu packen. Alles weitere wird sich dann finden. Nur nicht locker lassen!

 

 

 

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Dora interwievt die Kandidaten (Achtes Interview: die Fragende)

„Es kommt also“, so Doras nachdenkliche Schlussfolgerung aus den drei Interviews mit dem Paar, „darauf an, wo man jemanden fragt. Fragt man ihn in einem Tempel oder vor einer Kirche, wird nichts draus, aber am Strand geht es prima. Ich geh gleich mal die Fragende interviewen, ob sie das auch schon bemerkt hat.“

Es klingt ja vielleicht verrückt, aber Dora hat recht. Es ist überhaupt nicht egal, wo du jemanden befragst. Frag mal ein und denselben Menschen im Wartezimmer des Arztes und vor einem Wettbüro. Beide Male weiß er nicht, was ihm bevorsteht, aber seine Psyche ist ganz verschieden eingestellt.

Während ich noch über diese neue Erkenntnis nachsinne, eilt Dora hinaus, um die Fragende vor Sonnenuntergang zu erwischen. Sie findet sie auf einem weiten Feld unter dem großen Himmel. Tief gebeugt steht sie da und scheint etwas zu untersuchen.

„He, du, Fragezeichen!“ spricht Dora sie an. „Was untersuchst du da?“ – „Wer bist du, dass du mich beim Untersuchen störst?“, fragt jene zurück. – „Ich bin Dora und befrage die Kandidaten fürs Jahr 2023“, antwortet Dora. „Du hast dich ja auch beworben. Da muss ich dich befragen, ob ich will oder nicht. Ich frage dich also: Was untersuchst du da?“ – „Ich frage mich, ob unsere Erde uns noch lange tragen wird? Zu diesem Zweck untersuche ich den Boden?“ – „Wäre es nicht klüger, mal nach oben zu schauen? Vielleicht gibts da die Antwort?“ schlägt Dora im fragenden Tonfall der Alten vor. – „Ist da oben Erde, die ich untersuchen kann, ob sie uns noch lange trägt, kleines Klugscheißerlein? Da oben ist doch wohl Luft?“

Dora legt ihr Köpfchen schief und denkt nach. „Vielleicht ist dies nicht der richtige Ort, um dich zu befragen?“, sagt sie schließlich. „Ich denke, wir sollten das Interview an einem anderen Ort fortsetzen? Wie wäre es am Meer?“ – „Und was wäre damit gewonnen? Ist das Meer nicht unruhig wie die Luft? Wird mich das nicht bei meinen Forschungen stören?“ – „Nun, wie du meinst,“ flötet Dora. „Dann eben nicht. Ich möchte dich aber daran erinnern, dass du in deinem Bewerbungsschreiben schreibst:

„Zu viele behaupten, Antworten zu haben auf Fragen, die sie niemals stellten. Und sie verordnen und befehlen mit einer Sicherheit, die nur in die Irre führen kann. Lernt, die richtigen Fragen zu stellen!“

„Vielleicht solltest du deine Fragen mal überprüfen?“ – „Da hast du womöglich einen Punkt?“, murmelt die Fragende, „habe ich das wirklich geschrieben? Nun möchte ich es aber in Frage stellen: Die richtigen Fragen müsste ich finden, nicht wahr?“

Dora seufzt. „Du bist ein schwieriger Fall. Wenn du die richtigen Fragen gefunden hast, komm einfach bei uns vorbei und sag uns Bescheid, ja?“

Später finde ich Dora und die Fragende eifrig im Garten beschäftigt.

„Na, wie gehts?“, frage ich neugierig.

„Ist das nicht eine dumme Frage?“,  zischelt die Alte. „Sollten wir nicht besser nach klugen Fragen suchen?“

„Richtige Fragen, soweit sind wir schon, gibt es nicht“, kräht Dora fröhlich. „Falsche gibt es vielleicht auch nicht. Aber viele viele dumme Fragen. Schau mal, wie viele dumme Fragen wir schon rausgeschnitten haben! Bald ist die ganze Zeitung leer.“

‚Und du meinst, wir sollten im nächsten Jahr nur kluge Fragen zulassen?‘ bin ich versucht zu fragen, beiße mir aber auf die Lippen. Denn das ist ja womöglich eine ganz und gar dumme Frage?

 

 

 

 

 

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Dora interviewt die Kandidaten (siebtes Interview, nochmal das Paar)

„Dora“, sage ich zu Dora, „ich finde, du solltest das Paar noch mal befragen. Eine Leserin meint, dass du vorschnell geurteilt hast. Du hast einfach einen schlechten Moment erwischt. Versuch es doch noch mal.“

Collage aus frühem Aquarell und Schnipselfiguren

„Na gut“, kräht Dora. „Eine zweite Chance sollen sie haben!“ Und weg ist sie. Schon bald ist sie zurück. „Dasselbe in Grün! Diesmal erwische ich sie vor der Kirche, vielleicht, denke ich, haben sie da mehr Lust auf Interviews. Ist aber nicht. Sie unterhalten sich über die Predigt und wohin sie nun zum Essen gehen wollen. Ich tanze um sie herum, ziehe sogar am Regenschirm der Frau, aber sie nimmt mich nicht zur Kenntnis. Als wäre ich Luft. Was soll ich nun tun?“

Ich weiß auch keinen Rat. „Machen wir einen Spaziergang ans Meer!“ schlage ich vor. „Beim Gehen fällt mir manchmal was ein.“

Und tatsächlich! Unten am Meer sehen wir die Dame herumspazieren – allein! 

Dora segelt hinab und positioniert sich vor ihr. „Guten Tag, liebe Dame. Wo ist denn ihr Paar-tner?“ Die Dame lächelt Dora an. „Der Dieter? Der ist da hinten bei den Felsen, er hat da ein paar hübsche Einschlüsse gefunden, die er fotografieren will.“- „Einschüsse?“ fragt Dora. Ach, Dora, deine Bildung ist leider immer noch bedauernswert unvollkommen! Jetzt lacht die Dame: „Nein, Kleines, zum Glück ist der Krieg hier fern. Es sind Einsch-l-üsse, Einschlüsse von Urtieren, die versteinert sind. Wie heißt du überhaupt und woher kommst du?“

Und so entspinnt sich ein lebhaftes Gespräch. Dora ist noch da, als der Mann wieder auftaucht. Jetzt wird die Dame ihm sicher alles verklickern, was sie zuvor mit Dora besprochen hat, denke ich, und er wird ihr und Dora zeigen, was er fotografiert hat. Also mache ich mich auf ein längeres Warten gefasst.

„Die sind richtig nett!“ kräht Dora, als sie sich wieder bei mir einfindet, und funkelt vor Vergnügen. „Die haben mich gefragt, wie ich heiße, woher ich komme, wo ich wohne, was ich esse, ob ich Katzen mag oder lieber Hunde, und noch tausend Sachen. Oder eigentlich hat mich die Frau gefragt, und dann hat sie mich ihrem Paartner vorgestellt, und er hat zugehört, obgleich er eigentlich lieber von seinen Steinen berichtet hätte, glaub ich, und an mir nicht so interessiert war.“

 

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Dora interviewt die Kandidaten (Sechstes Interview: das Paar)

Dora hat nun schon fünf Bewerber befragt, und drei davon sind durchgefallen. Weder der Angstmacher noch der Überlebenskünstler noch der Neue Mensch haben bei ihr Punkte machen können. Der Hilfesuchenden wollte sie gern helfen, doch gelang es ihr nicht recht wegen all der Figuren, die dazwischen traten, und das Spielende Kind half seinerseits Dora, ihre Kraft, ihre Geschenkedose und vor allem das Licht in ihrer Latüchte zurückzugewinnen. 

Nun schaut Dora den Haufen mit den Bewerbungsschreiben an. „Das Paar – was ist denn das?“ fragt sie. „Was soll ich dir sagen,“ druckse ich herum, denn mir ist schon klar, dass Dora ein Einzelwesen ist und nicht versteht, wie ein Paar fühlt. Am besten, wir lesen noch mal, was es sagt!“

„Wir sind ein Wir. Uns ist bewusst, dass unsere Lebensform manchem veraltet erscheint. Wir aber bleiben überzeugt: ein Paar. Was den einen betrifft, ist auch für den anderen wichtig. Als Paar erleben wir die Welt. Als Paar lernen wir, die Welt aus der Perspektive eines Du zu erleben. Das ist manchmal schwierig, auch schmerzhaft, aber es ist das, was uns vor allem anderen interessiert.“

Dora guckt mich mit großen Augen an. „Sind wir ein Paar – du und ich?“ fragt sie. Ich muss lächeln. Liebe Dora. „Nein, nicht wirklich“, sage ich. immer noch lächelnd. „Wir sind ja zwei unabhängige Wesen. Du und ich haben uns getroffen, haben uns eine Weile gut miteinander vertragen, ich habe dich lieb gewonnen und du magst mich, glaube ich, auch. Aber ein Paar sind wir deshalb noch nicht. Ein Paar, das ist, das ist….“

„Ich glaube, ich geh mal hin und frage selbst so ein Paar, bevor deine Zunge Knoten kriegt“, kräht Dora. Sie findet das Paar beim Besuch eines Tempelbezirks. „Im Jahre 345 vor Christus befanden sich hier noch uralte Reste einer früheren Tempelanlage“, hört Dora die Dame sagen, und „Das stimmt nicht genau, Schatz, das war 345 nach Christus,“ meint die männliche Stimme.  – „Ich bitte dich, das ist ganz unmöglich!“ Das sagt die Frau. – „Meine Liebe, im Jahr 345 vor Christus war hier eine ganz andere Zivilisation, die dann allmählich….“ sagt der Mann. „Also ich habe es eben noch nachgelesen, du irrst dich, mein Lieber, hier war, genau, ich lese es dir vor, hier war im Jahre 345 nach Christus…“ sagt die Frau. „Na siehste“, sagt der Mann. „Sag ich doch“. „Sag ich doch auch …“

„Pardon, unterbricht Dora die angeregte Unterhaltung. „Sie haben sich ja fürs Jahr 2022 als Repräsentanten beworben. Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?“ – „… „354, nein, 345, du machst mich ganz konfus, immer musst du mich unterbrechen und korrigieren.“ –  „Pardon“, versucht es Dora noch einmal. Doch das Paar hat kein Ohr für Dora. Es ist mit sich selbst beschäftigt. Ich-du, du-ich. Ein Dritter hat da keine Chance. Man ist sich selbst genug.

„Ein Glück, dass wir kein Paar sind“, fasst Dora ihre Erfahrung zusammen.

Vielleicht hat sie ihr Urteil zu schnell gefällt. Es gibt ja solche und sone Paare, oder?

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Montag ist Fototermin: Lichtschrift

Fotografieren ist ein Kunstwort aus dem Griechischen und heißt in wörtlicher Übersetzung: Lichtschreiben (φως, του φωτός – fos. tu fotos, Licht, des Lichts) γράφω – grafo, ich schreibe). Die Fotografie ist also ein Lichtgeschriebenes.

Damit das Licht schreiben kann, braucht es, wie wir ja auch, wenn wir Gedanken notieren wollen, eine materielle Grundlage. Alles kann ihr als Schreibfläche dienen. Unendlich sind die Bilder, die es erzeugt. Heute war mir nach Wasser- und Sand-Lichtbildern.

(Die Lichtbilder habe ich dem Archiv entnommen. Gleich gehe ich und suche neue in der Natur auf)

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