05.12. – Wieder ein Weihnachtsdilemma gelöst | Adventüden

Mit herzlichem Dank an Christiane für ihren Adventüden-Adventskalender! Heute bin ich dort mit ein paar Kata-Strophen über weihnachtliche Versöhnung vertreten.

Avatar von ChristianeIrgendwas ist immer

»Wie wirst du, Hinrich, dieses Jahr
(Bei uns wars letztens wunderbar!)
Das heilge Weihnachtsfest verbringen?
Hol schon mal raus den Weihnachtsputz!«
So spricht zu Hinrich sein Freund Lutz.

»Ich werde meinen Weihnachtsabend,
Mich an einem Eintopf labend,
In der Lichtung bei den Rehen
Unterm Sternenglanz begehen.«
So spricht der Hinrich und schweigt still
Weil er mehr nicht sagen will.

»Kreuzkümmelschock und zugenäht
Was ist, wenn Wind von Westen weht?
Der bringt dann Regen, oder Schnee
Du wirst arg friern, Herrjeminee!
Sei klug und mach’s wie alle Leute
Es allzeit tun und so auch heute:

Kauf euch eine hübsche Tanne
Hänge viel Lametta dranne
Fülle ein paar tolle Lose
In die olle Gebäckdose
Mach auch selbst den Weihnachtsmann
Damit dein Kind sich freuen kann.«

»Νee, ich brauch kein’ Weihnachtsputz«,
Sagt der Hinrich nun zum Lutz.
»Seit dem Krach im letzten Jahr
Sind Trud und ich nicht mehr ein Paar

Den Kleinen…

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Dora interviewt die Kandidaten (Fünftes Interview: Überlebenskünstler)

„Als nächsten interviewe ich den Lebenskünstler“, verkündet Dora. „Überlebenskünstler“, korrigiere ich sie. „Ihm geht es nicht um die Kunst des Lebens, sondern des Überlebens.“

Dora guckt mich fragend an. Anscheinend versteht sie den Unterschied nicht. „Überleben bedeutet, nicht zu sterben, wenn es hart auf hart geht“, erkläre ich ihr. „Hör mal, was er in seiner Bewerbung schreibt!“

„Auch unter extremen Bedingungen weiß ich zu überleben.  In der Stadt, im Wald, im Krieg oder auf dem Mond – es gibt kein „unmöglich“ für mich. Ich bin gewappnet, und du tätest gut daran, dir auch schon mal ein paar skills anzueignen. Weißt du denn, obs im nächsten Jahr nicht hart hergehen wird? Und was machst du dann, du Weichei? Pardon, ich möchte dir nicht zu nahe treten, nur warnen möchte ich dich: Bereite dich aufs Schlimmste vor – immer!

„Ich frag ihn am besten, was er mit bereite dich aufs Schlimmste vor meint, und warum das so wichtig ist“, überlegt Dora laut. „Wo finde ich ihn wohl? Auf dem Mond, im Wald, im Krieg oder in der Stadt?“

„Keine Ahnung“, gebe ich zu. „Versuchen wir es in der Stadt, da leben ja die meisten Menschen, also vermutlich auch die meisten Überlebenskünstler.“

Wir finden ihn in einem Lager an der städtischen Peripherie. Sein Outfit mit Baseballmütze, Gesichtsmaske, Ganzkörperisolieranzug in Tarnfarben und passenden Über- und Handschuhen zeigt, dass er wirklich gut für alle Eventualitäten gerüstet ist. Als Waffe trägt er eine Feder – nach manchen die gefährlichste Waffe der Welt.

Collage aus Gemälde und Legebildern

Dora tänzelt auf ihn zu, vergisst ihre Frage und kräht stattdessen: „Guten Tag, ich bin Dora, die Reporterin. Darf ich Sie fragen, was Sie hier treiben?“ – „Ich kontrolliere die Uhren“, antwortet der Befragte bereitwillig. „Und warum? Was sind das für Uhren?“ – „Es sind Anzeiger für die Lage im Katastrophensektor. Ich schaue nach, ob die Zeiger vor Mitternacht stehen oder schon drüber hinaus sind.“ – „Aha“, macht Dora. Ich sehe, wie sie ihre Stirn in Falten legt. Das tut sie immer, wenn sie etwas verstehen möchte, es ihr aber schwer fällt.  Schließlich räuspert sie sich und fragt: „Und? Wie stehen sie?“

Auf dieses Stichwort hat der Typ anscheinend nur gewartet. Jedenfalls strömen die Katastrophennachrichten nur so aus ihm heraus. „Die Uhr hier zeigt den Stand des Klimawandels an“, sagt er. „Da sind wir bei einer Minute nach Mitternacht. Und der Zeiger rückt jede Sekunde weiter vor. Diese Uhr zeigt den Ressourcenverbrauch. Da sieht es ein bisschen besser aus, aber nicht viel. Hier ist eine Uhr, die die atomare Bedrohung anzeigt. Die hat letzthin ein ziemlich rasantes Tempo vorgelegt. Diese Uhr hier zeigt die Welternährungslage an, und diese die Fluchtbewegungen. Ist alles in ziemlicher Eile. Und diese hier… “ –

„Geht’s ein bisschen langsamer, bitte?“ unterbricht Dora seinen Redeschwall. „Ich komme so schnell nicht mit.“ – „Langsamer geht’s nicht“, antwortet der Überlebenskünstler, „ich muss mich beeilen, um den Katastrophen zuvor zu kommen.“ – „Und wie machst du das?“ fragt nun Dora. Bravo! Genauso hätte ich auch gefragt.

Der Überlebenskünstler weist mit großer Geste auf die gestapelten Kisten, Kasten, und Transportbänder: „Hier hab ich alles, was ich für drei Jahre Überleben brauche. Dahinten siehst du den Eingang zu meinem persönlichen Atombunker, der ist voll ausgestattet mit Stromaggregaten, Batterien, Kerzen, Wasserfilteranlagen, die ganze Latte. Ich habe vorgesorgt und kann überleben, wenn alle anderen längst tot sind“

Dora beguckt sich die Sachen in der ersten Kiste, rümpft ihr Näschen und meint abfällig: „Also wirklich! All diesen Trockenmampf hast du angesammelt? Und mit wem willst du den teilen, wenn alle anderen weg sind? Das ist doch kein Leben!“ – „Es geht schon längst nicht mehr ums Leben, sondern nur noch ums Überleben“, doziert der Überlebenskünstler, aber Dora hat ihm bereits den Rücken gekehrt.

 

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Dora interviewt die Kandidaten (Viertes Interview: Das spielende Kind)

Inzwischen ist es Abend geworden. Ich finde Dora ziemlich zerrupft nahe am Kampfplatz wieder (siehe Interview 3). Sie ist empört.  „Eine arme Frau bittet um Hilfe“ kräht sie und plustert sich auf, „und denen fällt nichts anderes ein, als wie man sie am besten verwerten kann. Der eine will sie als Altenpflegerin, der andere für sein Bordell und der dritte als Nummer in seinen Versicherungsbilanzen. Denen hab ichs aber gegeben!“

Nun, ich bin mir nicht sicher, wer es wem gegeben hat, aber ich halte den Mund und frage auch nicht, was mit ihrer Latüchte passiert ist. Die Geschenkbox ist auch weg. Traurig, denn dann kriege ich wohl auch keine Geschenke mehr. Ausgerechnet jetzt zu Weihnachten hatte ich eigentlich fest damit gerechnet. Andererseits, wenn es der Hilfesuchenden geholfen hat…..

„Und wer kommt als nächstes dran?“ fragt Dora in meine trüben Gedanken hinein. „Wen soll ich als nächstes interviewen?“ Hach, sie ist voller Tatendrang und lässt sich nicht abschrecken! An ihr ist wahrlich eine Journalistin verloren gegangen!  „Das liegt ganz bei dir“, gebe ich bedächtig zur Antwort. Insgeheim denke ich: Tapfer ist sie und hart im Nehmen. Dennoch würde ihr das Spielende Kind jetzt sicher gut tun. „Ich befrage das Kind!“ verkündet Dora, kaum hab ich es gedacht. „Da drüben spielt es!“

Collage aus Gemälde und Legebildern

Dora hat recht: Aus einem Hafenlokal, vor dem sich einiges Volk gesammelt hat, ertönt Klavier-geklimper, und gleich daneben, unberührt und wie eingeschlossen in seine eigene Welt, spielt das Kind. In der Hand hält es eine goldene Kugel – ähnlich der Kugel der Prinzessin. die dann in den Brunnen fiel, und Froschkönig ….* , aber lassen wir das – , und eine Kerze erhellt die Szene mit reinem Licht.

„Hallo!“ ruft Dora. „Ich bin die Dora. Darf ich dich was fragen?“ – Das Kind lässt die Kugel ein wenig langsamer kreisen und nickt. „Was spielst du da gerade?“ fragt Dora – „Ich spiele mit der Sonne“, sagt das Kind. „Ich bin die Erde und lasse die Sonne um mich kreisen“. – „Die Sonne kreist aber nicht um die Erde!“, korrigiert Dora altklug. „Wer hat dir solchen Unsinn erzählt?“ – „Klar kreist sie!“ sagt das Kind. „Schau doch!“ Und im Nu dreht sie sich um die eigene Achse und die Sonne steht auf der anderen Seite. „Gib schon deine Lampe her, damit wir sie an der Sonne anzünden! Und aus dem Wachs der Kerze machen wir eine neue Geschenkbox.“

Ich stehe und staune. So was! Die Latüchte brennt wieder, und zu Doras Füßen rollt eine neue Geschenkbox, ganz genau wie die alte. Im Spiel wird alles heil, denke ich noch, bevor ich die beiden allein lasse, um sie nicht weiter zu stören.

——-

*Über Froschkönig habe ich schon öfter sinniert. In einem Beitrag von 2016 zum Valentinstag heißt es: „Da ist ein junges Mädchen, fast noch ein Kind, und spielt im Wald nahe einem Brunnen mit seiner goldenen Kugel.  (Die goldene Kugel ist die Vollkommenheit des Kindes, die unangefochtene, intakte Unschuld und Jungfräulichkeit). Und wie es so spielt, rollt die Kugel in den Brunnen, „der war tief, so tief, dass man keinen Grund sah“. Es ist untröstlich, denn es kann die Kugel nicht aus eigener Kraft zurückholen. Aber da ist ein Frosch, der aus dem tiefen Wasser emportaucht. Das Mädchen sieht, wie er seinen dicken, hässlichen Kopf aus dem Wasser streckt, und spricht ihn an:. Ach, du bist’s, alter Wasserpatscher? Sie kennt den alten Wasserpatscher durchaus, aber sie weiß noch nicht, was er von ihr will. Also verspricht sie ihm, was immer er haben will …“ (Die Fortsetzung findest du unter dem angegebenen link)

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Dora interviewt die Kandidaten (Drittes Interview: Hilfesuchende)

Dora ist nach den beiden ersten Interviews ziemlich geplättet. „Der Angstmacher“ wollte ihr weismachen, dass Mäuse ihr Leben am besten im Loch verbringen, und „die Wissenschaft“ probierte gleich mal aus, ob sie sich als Versuchskaninchen für die Züchtung des „Neuen Menschen“ eignet. „Wenn die anderen auch so sind…“ murmelt sie, „dann sehe ich schwarz.“ – „Du hast ja erst zwei gesehen, da kannst du nicht urteilen“, gebe ich zur Antwort. „Mach noch ein Interview, dann sehen wir schon klarer.“

Diesmal zieht Dora mit geschlossenen Augen eine Karte. Es ist die Hilfesuchende.“Wo finde ich die denn?“ fragt sie etwas hilflos. Steht da was in ihrer Bewerbung?“ Ich lese die Bewerbung vor:

„Ich fürchte, unsereins wird im kommenden Jahr nicht sehr beachtet werden. Doch werden wir immer mehr. Wo sollen wir hin? Wo finden wir eine sichere Bleibe? Während ihr euch über Geschlechter, Transparenz und die Temperatur der Erde zankt, haben wir kein Plätzchen, um unser Haupt hinzulegen. Ich bitte euch, uns nicht zu vergessen. Wenn ihr mich wählt, werde ich euch täglich zuschauen bei eurem Tun und sehen, ob ich ein bisschen Hoffnung daraus schöpfen kann.“

„Hm. Da steht nichts. Wahrscheinlich ist sie am Hafen.“ überlegt Dora. Und so machen wir uns auf den Weg zum Hafen. Dort lungern drei Gestalten herum – und die Hilfesuchende ist auch da.

Collage aus eigener Zeichnung, Papier von Susanne B, Schnipseln von Bruni, Susanne H und Jürgen Küster.

Dora will sich an einem schweren Typen vorbeidrücken, aber der blockt sie ab. „Was willst du hier? Die ist nichts für dich, du halbe Portion.“

„He“, kräht Dora mutig. „Lass mich durch! Ich hab hier nen Auftrag, ich muss die Hilfesuchende interviewen.“ – „Von der Presse, wa? Mach weg, sonst kriegst was in die Fresse!“ kommt die drohende Antwort.

Dora linst an dem schweren Kerl vorbei zu den anderen beiden. Der eine trägt ein großes Herz auf seinem Hemd, der ist sicher ein Guter. „Hej“, schreit sie,“könnt ihr mal den Dicken hier wegschubsen? Ich will zu der Frau hin!“ Die beiden aber haben anderes zu tun. „Die kommt auf unsere Station“, sagt der eine, und der andere sagt: „Keineswegs. Wir haben auch Personalmangel.“

Nun wäre Dora nicht Dora, würde es ihr nicht doch gelingen, sich an den Figuren vorbeizuschlängeln und sich vor der Frau aufzubauen. „Wie heißt du überhaupt?“ fragt sie  freundschaftlich. „Mayla“ flüstert die Frau. „Ich heiße Mayla.“ – „Und was bedeutet das?“ – „Hoffnung“, wispert die Frau. Bevor Dora ihre nächste Frage stellen kann, packt der Dicke sie am Schlawittchen. „Mach, dass du hier wegkommst, Kleiner. Ich hab dir gesagt, die ist nichts für dich!“

Ich höre noch, wie Dora ruft: „Behalt schon mal meine Geschenkebox!“, dann werde auch ich von der Bühne gefegt.

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Dora zum DrittenZwölften: Truthahnbegegnung

Gestern spazierten wir eine Runde durchs Zentraldorf Kampos, freuten uns am Sonnenschein, an den glänzenden Früchten im dunklen Bitterorangengrün, an den alten teils verfallenden, teils schön renovierten Häusern. Überall grünt und blüht, gluckert und glänzt es, denn tags zuvor hatte es tüchtig geregnet. Als wir an einem Zaun stehen bleiben, um glückliche Hühner und Puten zu betrachten, die auf einer weiten Wiese unter Bäumen picken und scharren, kommt mächtig aufgeregt und mit aggressivem Gekollere ein Truthahn auf uns zugeschritten. „Was wollt ihr, was wollt ihr?“ schreit er und  plustert sein Gefieder auf, dass es schimmert und funkelt. „Meine Zeit ist noch nicht da, ist noch nicht da!“

Ich verstehe die Truthahnsprache leider nicht, wohl aber Dora. Sie spricht ihn an und fragt ihn, wieso er sich so aufregt. „Thanksgiving ist vorbei und Weihnachten noch nicht in Sicht, also habe ich noch eine Frist!“ schreit er empört. Dora schlüpft durch den Zaun und nähert sich beruhigend dem Aufgeregten: „Schon gut! Schon gut, keine Sorge!“ kräht sie. „Wir wollen dich nicht essen.“

„Und wenn doch, wenn doch?“ kollert der Puter weiter, wenngleich nun nicht mehr ganz so heftig gesträubt. 

„Kein wenn-doch, mein Lieber. Wir stehen stets entschlossen auf der Seite der Truthähne und passen auf, dass euch kein Haar gekrümmt und kein Hals umgedreht wird, bevor eure Zeit gekommen ist. So wahr ich Dora heiße!“

Da beruhigt sich der Vogel, sammelt sein Gefieder ein, dreht sich noch ein paarmal um sich selbst, und kehrt zu seinen Damen zurück.

 

 

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Dora interviewt die Kandidaten 2023 (Zweites Interview: Neuer Mensch)

 

„Pu!“ Dora schüttelt sich. „Dieser Angstmacher ist ja ne ziemlich trübe Tasse. Wenn die anderen auch so sind, bleibt dir im nächsten Jahr das Lachen im Halse stecken!“„Die andern sind anders„, sage ich und täusche Zuversicht vor. „Willst du nicht noch wen interviewen, damit wir vorankommen?“

„Klar will ich“, tönt Dora, nun wieder bei Kräften. „Mal sehen, wen wir als nächsten nehmen. Dieser blaue Sprinter sieht lustig aus. Oder ist das eine Frau? Durchsichtig ist sie ja, aber die, hm, wesentlichen Unterscheidungsmerkmale erkennt man trotzdem nicht.  Und der Kopf mit dem Knopf, oder was auch immer da auf seinen Schultern sitzt, macht mir ein bisschen Sorge. Kann er überhaupt reden? Sag noch mal, was in seiner Bewerbung steht!“

Ich lese vor:

„Der alte Mensch ist unvollkommen. Neue Wege weist uns die Wissenschaft! Wir schreiten voran, lassen alte Vorurteile hinter uns. Der Mensch aus der Retorte – perfekt, störungsfrei, voller Kraft und Schönheit – entspringt der Retorte mit dem Samen und der Eizelle deiner Wahl. Sein Denken wird nicht mehr in die Irre gehen, sondern wundervoll zentriert um die gesetzten Ziele kreisen. Das Schönste aber: seine Gefühle sind vollkommen transparent. Schluss mit all dem Düsteren, mit den Schatten der Vergangenheit. Klar und heiter ist seine Seele. Komm, sei einer der Pioniere, die dieses herrliche Menschenziel realisieren! Auf in die Zukunft einer glücklichen Menschheit!“

„Komisch“, sagt Dora und kratzt sich am Köpfchen. „Der redet tatsächlich nicht. Jemand anderes redet über ihn. Wer ist denn dieser andere. der immer ‚Wir‘ sagt? Ich sehe ihn gar nicht auf dem Bild. Soll ich die Luft interviewen?“

In dem Moment ertönt eine joviale männliche Stimme aus dem Off. „Guten Abend. Du heißt Dora, nicht wahr? Darf ich dich in unser Labor einladen?“

Dora guckt herum, sieht aber niemanden. „Und wer bist du, wenn ich fragen darf?“ fragt sie. – „Ich bin die Wissenschaft“, antwortet dieselbe Stimme. 

„Also eine Frau?“ schlussfolgert Dora.

„Ja und nein“, sagt die Stimme, die nun ein bisschen hohler klingt. „Nimm jenen Kopf-Set-up, der vor dir erscheint. Exakt. Setz ihn dir auf. Exakt.  Jetzt sind wir verbunden und können kommunizieren. Was möchtest du wissen?“ 

Dora sieht mit den großen Kopfhörern ziemlich unglücklich aus, aber sie sagt tapfer: „Ist der Blaue lebendig?“ – „Ja, freilich, sogar lebendiger als du. Es ist ein neuer Mensch, den wir aus der Erbmasse der Menschheit entwickelt und optimiert haben. Ich schalte jetzt den Betrieb an, dann kannst du selbst sehen und fühlen, wie er funktioniert. Ich gebe dir die Impulse, dann kannst du ihn steuern, natürlich nach unseren Anweisungen, damit kein Unglück passiert.“

Und wie die Stimme noch redet, springen Lichter an und aus, hier strömt es grün, dort rötlich, sogar Dora ändert laufend die Farbe. „Was fühlst du, wenn du blau bist? Was denkst du jetzt? Exakt. Es macht Spaß, und es funktioniert,“ sagt die Stimme.

Doch Dora reißt sich empört die Kopfhörer von ihrem Köpfchen. „Sag mal, spinnst du?“ schreit sie. „Ich bin doch keine Maschine, die man an- und ausknipsen kann! Und von Leuten, die ich nicht kenne, lasse ich mich schon gar nicht herumkommandieren. Wenn du hier antreten willst, komm gefälligst persönlich vorbei!“

 

 

 

 

 
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Dora interviewt die Kandidaten: No 15

Ich konnte und wollte Dora nicht länger verheimlichen, dass ich in ihrer Abwesenheit einigen Bewerbern für 2023 Gehör geschenkt habe. Sie war übrigens kein bisschen sauer deswegen. Sie ist, scheints, frei von unserer menschlichen Empfindlichkeit, Nachfolgediskussionen schrecklich zu finden, solange wir noch selbst in Amt und am Leben sind.

Dora also besieht sich unsere gemeinsam erstellte Liste. „Habt ihr auch Einstellungsgespräche geführt?“ fragt sie dann. Nein, daran habe ich gar nicht gedacht. Dabei ist es ja vielleicht doch klug, die Kandidaten direkt zu befragen, anstatt sich  allein auf Bewerbungsschreiben zu stützen. Schließlich ist es keine kleine Verantwortung, ein ganzes Jahr zu repräsentieren.

Dora findet das auch, und so laden wir nun alle Bewerber zu einem persönlichen Gespräch. Ich überlasse Dora Termingestaltung und Gesprächsführung und bescheide mich mit der Rolle der Protokollantin.

Als erstes läd Dora den Kandidaten ein, der ganz unten auf der Liste steht: den Angstmacher. Als Befragungsraum wählt sie die Gute Stube des Heiligen Hieronimus, die ich von Dürers Original abgezeichnet habe.

Du schreibst hier, kräht Dora und liest mit gewichtiger Miene das Bewerbungsschreiben vor:

„Fürchte dich, Menschlein! Sieh dich vor! Der Tod lauert überall, er steckt schon in dir! Täusche dich ja nicht! Sei dir gewiss: Hier tobt schon ein Krieg, dort nehmen die Verbrechen zu, es wüten die Epidemien, wenn nicht jetzt, so doch morgen. Es kommt zu Umstürzen, Gewalt und üblen Exzessen! Die Meere verschlingen die Küsten, die Wüsten wachsen, Stürme decken dein Haus ab. Fürchte dich! Die Furcht wird dich schützen! Täglich werde ich dich füttern mit den schlimmen Nachrichten des Tages, denn leicht könntest du vergessen, wie schrecklich die Welt ist.“

„Was meinst du, wenn ich fragen darf, mit „Die Furcht wird dich schützen?“.

Der Angstmacher schaut Dora geradewegs ins Gesicht: „Du fürchtest dich wohl vor gar nichts, wie?“

Dora fällt auf diese bewährte  Technik, Fragen zu stellen anstatt Antwort zu geben, herein. „Natürlich fürchte ich mich nicht. Woher auch und wovor? Vor dir etwa? Du machst mir keine Angst.“

Der Angstmacher grinst. Er hat sie da, wo er sie haben will. „Du meinst also nicht, das es klug ist, sich vor Epidemien zu fürchten und Vorsorge zu treffen, indem man sich impfen lässt? Du bist der Meinung, dass man keine Waffen produzieren, sondern wehr- und waffenlos auf  einen Angriff von Feinden warten soll? Du findest es toll, seine Türen offen zu halten, obgleich jederzeit ein Räuber oder Mörder auftauchen kann?“

Dora ist verwirrt. Sie zieht ihre Stirn in Falten und denkt nach. Dann stammelt sie  „Also wenn so eine Epidemie oder ein Feind da ist, dann … Aber wenn sie nicht da sind, du sagst ja Vorsorge weil sie kommen könnten ….Also du machst mich ganz konfus. Warte mal. Ich glaube, ich bin hier die, die die Fragen stellen muss….“

Ich atme auf. Endlich hat sie die Falle erkannt. Ja, Dora, stell deine Fragen und lass dich nicht von einem raffinierten Filibuster ins Boxhorn jagen!

Meine Frage war: Was meinst du mit ΄Die Furcht wird dich schützen‘?

Der Angstmacher schaut hochmütig auf das unwissende Kind vor ihm: „Die Sache ist doch ganz einfach: Die Maus wird von der Katze gefressen, wenn sie sich nicht vor der Katze fürchtet. Sie tut also gut daran, sich zu fürchten. Die Furcht wird sie schützen.“

Dora ist diesmal um eine Gegenfrage nicht verlegen. „Und du meinst also, die Maus soll ihr Leben damit verbringen, sich vor Katzen zu fürchten, weil irgendwann eine Katze daherkommt und sie fressen will? Ist das nicht ein bisschen übertrieben? Vielleicht gibt es in der Gegend gar keine Katzen?“

„Die Maus“, doziert der Angstmacher, ohne sich auf Doras Argument einzulassen,  „kann auch in eine Mausefalle gehen, weil Speck darinnen ist. Sie tut also gut daran, sich vor Speck zu fürchten. Ein Bussard kann die Maus ergreifen, sie tut also gut daran, sich vor dem offenen Himmel zu fürchten. Viele Gefahren lauern auf die Maus. Sie tut gut daran, sich zu fürchten und Vorsorge zu treffen. Sie sollte den offenen Himmel, den Speck und jegliche Region vermeiden, in der Katzen vorkommen können.“

Dora ist baff. „Du bist gut!“ kräht sie. „Soll die Maus etwa ihr Leben in einem Loch verbringen?“ 

„Selbstverständlich würde ich ihr das raten!“, antwortet der Angstmacher. „Außerdem würde ich ihr raten, sich ein Fernsehgerät in ihr Loch zu stellen, damit sie jederzeit sehen kann, wo gerade Katzen oder Bussarde Mäuse den Garaus machen, wo es Speck gibt, den es zu meiden gilt, und wie ein offener Himmel aussieht. Dann braucht sie auch nicht rauszugehen, um ihn sich anzusehen, und läuft keine Gefahr.“

An dieser Stelle bricht Dora das Interview ab und kräht: „Mäuse brauchen kein TiWi, um ihnen den Himmel zu zeigen. Die gehen lieber selbst unter dem Himmel spazieren.“ 

 

 

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Abschied vom November

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Blick auf zu den Sternen (mit Dora, Sappho und anderen)

Der herbstliche Regen hat die Atmosphäre geklärt. Mondlos und sternklar ist die Nacht. Lange wirds nicht so bleiben, denn schon sind neue Unwetter angesagt, auch Massen von Saharastaub ziehen in höheren Lagen zu uns herüber. Sei es! Dem Boden tut es gut.

Ich bin froh, dass unsere Oliven vom Baum sind. Gestern kurz vor Mitternacht kam der Laster, um die Säcke abzuholen und in die Ölmühle zu fahren. Eine Rekordernte wurde es. Das Öl wird heute gepresst, vielleicht auch erst morgen, denn es gibt viel Arbeit und wenige Hände. Da muss ich dann hinauf ins Bergdorf und die Kanister abholen.

Nachthimmel 29-11-22

Als ich, in Erwartung des Lasters, nach dem Orion schaue, ist mir, als beginne der Nachthimmel sacht zu glühen. Feine Gestalten treten aus dem Dunkel hervor. Auch meine ich eine singende Stimme zu vernehmen. Von weit und nah kommt sie, inwendig und auswendig ist sie.

 

 

Δέδυκε μεν α σελάννα και
Πληιάδες· μέσαι δε
νύκτες, παρά δ‘ έρχετ‘ ώρα,
εγώ δε μόνα κατεύδω.

Ach wüsste ich nur, was es bedeutet!*

 

Da höre ich Dora von oben krähen: „Du willst wissen, was es bedeutet? Frag doch die blinde Dichterin, die wird es dir schon verklickern!“ – „Dora! Ach wie schön, Dora, ich hab dich vermisst!“ rufe ich hinauf in der Hoffnung, dass sie mich hört (ich bin letztens ziemlich heiser).

„Ich hab auch einen neuen Kumpel!“ schreit sie jetzt. „Den hab ich unterwegs aufgegabelt, hat sich bei den Plejaden rumgetrieben! Das sind sieben Schwestern, die ….“  Und tatsächlich, rechts von ihr erkenne ich jetzt, leicht vernebelt, einen blauen Flugfisch und darinnen einen lustigen roten Kerl. „Aber er kommt nicht sogleich, bleibt noch ein bisschen hier oben.“ – „Ach, bring ihn doch schon mit!“ krächze ich hinauf. Ein Freund für Dora, das wäre super!

„Da links von mir fliegt noch einer“, vernehme ich nun wieder Doras Stimme. „Der ist grad aus den Windeln gestiegen, aber schon ziemlich clever. Er will oben bleiben, hat die Nase voll von der Erde, sagt er. Ein Jahr hat er dort gelebt und fand es ziemlich höllisch. Er sagt, du kennst ihn. Stimmt das?“

Und ob ich den kenne! Es ist der Willi, wie er leibt und lebt. Oder doch eher, wie er leibte und lebte? Ich bin verwirrt. War? Ist? Wird?

Die Zeit ist oben anders als hier unten bei euch! höre ich jetzt sehr klar die Dora. Kein Wunder, denn sie sitzt nun auf meiner Schulter direkt neben meinem Ohr  So mag ich sie am liebsten. Kleine Dora, bleib doch noch ein bisschen länger bei mir, hier unten, murmele ich. Natürlich weiß ich, dass das nicht geht. Die Zeit läuft hier unten wie am Schnürchen immer geradeaus. Da oben hingegen…..

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*Falls du erfahren möchtest, was es bedeutet, schau mal hier nach.

Griechische Dichtung am Sonntag: Sappho

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Kandidatenkür 2023 / Auswertung

Eine vorläufige Auswertung eurer Präferenzen gefällig?

13 Leserinnen und 7 Leser haben ihre Stimmen abgegeben und ihre Wahl kommentiert! Danke, danke, danke!

(Bitte überprüft, ob ich jemanden übersehen und alles richtig eingetragen habe! Fehler sollen ja vorkommen, beabsichtigt sind sie nicht.)

 

14 Blinde Dichterin       103

( 20 Johanna 20 Random 18 Gerhard 20 Werner 15 Lyrifant  10 Elsbeth)

Die „Blinde Dichterin“, spät am Start, hat es auf den ersten Platz geschafft! Obgleich sie äußerlich keine Schönheit ist, haben ihre inneren Qualitäten je drei Teilnehmer und drei Teilnehmerinnen überzeugt. Ihre Selbstdarstellung hatte es ja auch in sich:

„Leichten Schrittes und poetisch beflügelt durchlebe ich unsere schwere Zeit. Himmel bin ich und Acker, Sonnenaufgang und Nebelschwaden. Die Toten grüße ich und lausche dem Nachtwind. Alles fließt durch mich hindurch. Manches verwundet, manches erfreut, manches glüht nach – dann bleiben Spuren zurück. Mein Haupt, eine lichte Kugel, ein stets leeres Gefäß, schwebt über allem, Meine Augen sind blind. Was brauche ich Augen, wenn alles, was draußen ist, auch in mir ist? Blind sind die großen Poeten. Mach es wie ich: Fühle! Dichte! Sei!“

 

1 Hera (Frauenrechte)  100 Punkte

20 Myriade 15 Alexander 15 Lyrifant 10 Andrea 10 Babsi 10 Elsbeth 10 Ulli 5 Beate  5 Bruni

Direkt auf dem Fuße folgt der Dichterin die Kämpferin: Hera. Sie führte die Kandidatenliste an. 9 Teilnehmende (8 Frauen, ein Mann) haben für sie gestimmt. Das von Hera vertretene Thema ist so uralt wie die Göttermutter selbst, die immer wieder den Aufstand gegen die neue patriarchale Ordnung versuchte. Zum Schluss ging sie als Karikatur ihrer selbst, als eifersüchtige zeternde Ehefrau in die Geschichte ein. Ihr Thema ist ja in unseren Breiten nicht mehr so aktuell, doch durch die Kämpfe der iranischen Frauen tritt ein weiteres Mal ins Bewusstsein, wie schwierig das Schicksal der Frauen in anderen Ländern ist. Hera hat aber auch noch eine andere Front im Auge. Wen oder was meint sie wohl damit?

„Nicht nur werden Frauen nach altbekannter patriarchaler Manier als Eigentum der Männer gehandelt, sondern sie werden nun auch von anderen neu erfundenen Geschlechtern in Frage gestellt. Wenn das so weiter geht, gibt es bald keine Frauen mehr.“

 

  7 Spielendes Kind  95 Punkte

20 Gisela 20 Sabine 15 Random  10 Alexander 10 Johanna 10 Elsbeth 5 Beate 5 Bruni

Gleich dahinter und an der dritten Stelle spielt das Kind. 8 Teilnehmer – 6 Frauen, 2 Männer – geben ihm eine Stimme. Das wird uns alle froh machen, denke ich, denn wo kämen wir hin, wenn neben Poesie und Kämpfergeist nicht auch das kreative Spiel geehrt würde?

„Das Leben ist ein Kinderspiel, wenn du es wie ein Kind spielst. Du nimmst eine Hand voll Erde, formst daraus einen Ball, und schon hast du die ganze Erde zu unendlichem Vergnügen zu deiner Verfügung. Reicht dir das nicht, nimmst du eine Flamme für die Kerze, Blätter vom Herbstbaum, das Licht der Sonne. Du brauchst sonst nichts, brauchst auch niemanden sonst, du bist dir selbst genug.“.

Nach diesem Triumfeminat (Pardon, frauenrechtende Männer, Dichter und spielende Knaben sind natürlich mitgemeint!) kommt eine andere kompakte Dreiergruppe gleichzeitig durchs Ziel: Transparenz, Hedonie (Lebens- und Liebeslust) und Hilfesuchende. Sehr schön finde ich, dass Lebenslust und Hilfsbereitschaft sich ausbalancieren. Zwei Beine hat der Mensch, das eine zum Tanzen, das andere, um herbeizuspringen, wenn jemand in Not ist. Und dass weniger Verlogenheit und mehr Offenlegung von Motiven und Tatbeständen angestrebt werden – wer würde das nicht begrüßen?

 2 Transparenz  90 Punkte                                                                                                                    

20 Ulli 20 Werner 15 Gerhard 10 Babsi 10 Elsbeth 5 Beate 5 Bruni  5 Joachim

Drei Männer, fünf Frauen wünschen mehr Transparenz. Wie heißt es in ihrem Bewerbungsschreiben?

„Was fehlt, ist Transparenz! Sie fehlt in allem: In der Politik, der Wissenschaft, den Medien, der Geldwirtschaft, sie fehlt auch in den Motiven der Menschen, die Besserung versprechen.“ Scheinheiligkeit-Verlogenheit- Täuschung sei das größte Gegenwartsproblem. Was also am meisten vonnöten sei, sei Transparenz in allen Angelegenheiten, damit die Menschen wissen, woran sie sind.

6 Hedonie 90  Punkte                                                                                                                   

20 Andrea 20 Maren 20 Myriade 10 Joachim 10 Jürgen 5 Beate 5 Bruni

„Lieben und Lust, Lebenslust! Das ist meine Devise!“

 

4 Hilfesuchende  90 Punkte

20 Bruni 20 Gisela 15 Lyrifant 15 Mitzi 10 Johanna 5 Beate 5 Joachim

„Ich fürchte, unsereins wird im kommenden Jahr nicht sehr beachtet werden. Doch werden wir immer mehr. Wo sollen wir hin? Wo finden wir eine sichere Bleibe? Während ihr euch über Geschlechter, Transparenz und die Temperatur der Erde zankt, haben wir kein Plätzchen, um unser Haupt hinzulegen. Ich bitte euch, uns nicht zu vergessen. Wenn ihr mich wählt, werde ich euch täglich zuschauen bei eurem Tun und sehen, ob ich ein bisschen Hoffnung daraus schöpfen kann.“

Eine Mittelposition haben der Fragende, das Paar, der Weltraumbegeisterte und die Spirits eingenommen. Es sind wichtige, aber offenbar nicht als dringlich empfundene Themen, die durch sie angesprochen werden. Immerhin 5 Teilnehmende finden, dass richtiges Fragen Voraussetzung für richtiges Antworten ist. Der Doppelweltsicht des Paares, der Weltensehnsucht des Erdflüchtlings und den inspirierenden Geisterchen möchten je drei Teilnehmende eine Stimme geben.

9 Der/die Fragende  55                                                                                                                                 20 Jürgen 15 Mitzi 10 Johanna 5 Beate 5 Bruni

„Das kommende Jahr möge ein Jahr der Fragen und des Hinterfragens sein. Zu viele behaupten, Antworten zu haben auf Fragen, die sie niemals stellten. Und sie verordnen und befehlen mit einer Sicherheit, die nur in die Irre führen kann. Lernt, die richtigen Fragen zu stellen! Werdet selbst zum Fragezeichen! Auch Delphi gäbe euch niemals richtigen Bescheid, hättet ihr nicht zuvor die richtige Frage gestellt.“

11 Das Paar 45

20 Andrea 20 Friedrich 5 Beate

 „Wir sind ein Wir. Uns ist bewusst, dass unsere Lebensform manchem veraltet erscheint. Wir aber bleiben überzeugt: ein Paar. Was den einen betrifft, ist auch für den anderen wichtig. Als Paar erleben wir die Welt. Als Paar lernen wir, die Welt aus der Perspektive eines Du zu erleben. Das ist manchmal schwierig, auch schmerzhaft, aber es ist das, was uns vor allem anderen interessiert.“

3 Weltraumforscher   40 Punkte

20 Sabine 15 Alexander 5 Myriade

„Die Erde ist ein unsicherer Ort geworden. Es wird Zeit, sich nach anderen Orten umzusehen. Der Himmel ist voller Sterne, Planeten sind auch in Fülle vorhanden, von Monden ganz zu schweigen. Ich verspreche euch, wenn ihr mich wählt, euch bei eurer Erd-Flucht zur Seite zu stehen“.

16 Spirits 35 Punkte

15 Random 10 Babsi 10 Alexander

„Du kennst uns nicht? Und doch! Ohne uns geschieht nichts, ohne uns bist du ein Holzkopf, ohne uns fällt dir nichts ein. Wir zeigen uns freilich nicht gern im Tageslicht des rationalistischen Zeitalters. …Heute gehen wir als Naturgeister durch, was nur teilweise stimmt. Man nennt uns auch abfällig Einbildungen und Hirngespinste und bestreitet unser Sein. Wie auch immer: wenn du uns wählst, werden wir uns herablassen und dann und wann materialisieren, damit du unser Wirken besser verstehst.“

Der Macher hat nur zwei Teilnehmende überzeugt. Vielleicht hat seine allzu robuste Art sensible Seelen abgeschreckt. Macher sind Täter. „Schmutzige Hände“ (Sartre) macht man sich da leicht.

5 Macher  31 Punkte

16 Gerhard 15 Beate

„Den Stier bei den Hörnern und die Gelegenheit am Schwanz packe ich. Manchmal geht es auch darum, Drachen zu töten und Ungeheuern den Garaus zu machen. Die Welt ändert sich nicht, wenn du träumst. Ich will dich gern im kommenden Jahr lehren, nicht nur zu schwätzen, sondern zur Tat zu schreiten. Auf gehts!“

The Kid – meine heimliche Liebe – hat zwei Liebhaber gefunden.  The Kid ist hartgesottener als das spielende Kind. Kein Wunder, es steht schutzlos, aber dennoch selbstbewusst in der Welt, ohne große Leitideen und Lebensziele, aber solidarisch, wenns drauf ankommt, es segelt hart am Wind oder lässt sich treiben. Oder, wie es selbst sagt:

12 The Kid   25 Punkte

20 Ulli 5 Myriade

Hallo, ihr Lieben! Einmal leben wir, machen wir was draus! Ist mir doch wurscht, was grad angesagt ist, oder? Ich jedenfalls hab mein eigenes Programm. Heute so, morgen anders. Es kommt wie es kommt. Mal regnet es, mal scheint die Sonne. Mal hab ich wen, mal bin ich alleen. Mal muss ich, mal will ich. Unterkriegen werden sie mich nicht. Mich nicht!! Ein Weg wird sich schon finden. Hab keine Angst. Wenn du für mich stimmst, machen wirs zusammen, das Jahr. Versprochen! Ich lass dich nicht im Stich, nur weil es bei dir mal nicht so läuft. Alles klar? Na also.

 

Drei Teilnehmende möchten das Traumwesen nicht vermissen, das völlige Freiheit verspricht. Eine Freiheit, die sich seelisch auslebt und gar nicht an der Wirklichkeit messen will, da die Wirklichkeit sowieso nur frustriert. Darin vor allem unterscheidet es sich von der Hedonie.

10 Traumwesen 25 Punkte

10 Babsi 10 Friedrich 5 Bruni

„In meinem Reich bist du frei. Willst du Engel sein oder Fisch in den Ozeanen? Sei es! Möchtest du wie ein Weib fühlen, auch wenn dein Körper männlich ist? Es sei! Was hindert dich! Schwebe, lebe, webe, hebe dich über die Niederungen der Welt. Die Not dessen, was sie Realität nennen, sei für andere. Wenn dich eine Fessel schmerzt, sprenge sie, wirf sie ab. Für uns sei, was wir wollen, was wir wünschen, was uns gut tut. Komm, teile mit mir den freien Genuss, ohne Grenzen und Verdruss!“

Nur ein Teilnehmender fühlt sich durch die Versprechungen des „neuen Menschen“ angesprochen.  Und was verspricht er? Dass durch Fortschreiten von Wissenschaft und Technik Realität werde, was das Traumwesen nur erträumt. Insofern sind die beiden Gegenpol und Ergänzung. In der Mitte aber steht der wirkliche, der liebende und kämpfende, der spielende, dichtende und denkende Mensch aus Fleisch und Blut.

8 Neuer Mensch 20 Punkte

20 Friedrich

„Der alte Mensch ist unvollkommen. Neue Wege weist uns die Wissenschaft! Wir schreiten voran, lassen alte Vorurteile hinter uns. Der Mensch aus der Retorte – perfekt, störungsfrei, voller Kraft undf Schönheit – entspringt der Retorte mit dem Samen und der Eizelle deiner Wahl. Sein Denken wird nicht mehr in die Irre gehen, sondern wundervoll zentriert um die gesetzten Ziele kreisen. Das Schönste aber: seine Gefühle sind vollkommen transparent. Schluss mit all dem Düsteren, mit den Schatten der Vergangenheit. Klar und heiter ist seine Seele. Komm, sei einer der Pioniere, die dieses herrliche Menschenziel realisieren! Auf in die Zukunft einer glücklichen Menschheit!“

So-wie-du sein, also nichts Besonderes, nichts Außergewöhnliches darstellen wollen – nur zwei Teilnehmende haben diesem bescheidenen Durchschnitts-Wesen mit „festen Überzeugungen“ eine Stimme geben wollen.

17 So-wie-du 20 Punkte

10 Gisela 10 Werner

„…Ich bin unauffällig und treu. Die Blicke der Welt ziehe ich nicht gern auf mich, ich melde mich selten zu Wort und mag nicht in Konflikt geraten. Gern stimme ich der Mehrheit zu. Im Inneren habe auch ich meine festen Ansichten, natürlich. Nicht alles finde ich gut – du etwa? Manche Farben mag ich mehr als andere – du sicher auch. Und auch die Menschen, klar, da gibt es angenehme und weniger angenehme Zeitgenossen. Da gibt es die, die immer meinen, ihre Ansichten seien die richtigen und wichtigen. Puh! Und die anderen, die unbedingt halb nackt herumlaufen müssen, um irgendwem zu imponieren oder zu provozieren. Das finde ich nicht so gut. Aber natürlich, wenn er oder sie meint…. Also bitte, hör mir mal zu. Lass dich auf mich ein. Denn es gibt mich ja, ich bin so wie die meisten. Jedenfalls wie die meisten anständigen Menschen. So-wie-du eben. Wie werde ich das nächste Jahr überstehen?“

Traritrara! In die Tür von Position 18, von mir offengelassen, hat Dora ihr Füßchen gestellt. Zwei Teilnehmende wollen sie einfach nicht gehenlassen. Ich weiß natürlich, dass es noch einige mehr gibt, die Dora ins Herz geschlossen haben. Ich zum Beispiel. Aber in die Abstimmung eingeflossen ist das nur durch zwei Teilnehmerinnen.

18 Dora  15 Punkte

10 Elsbeth 5 Lyrifant

 

 

Wer bereitet sich schon gern auf Gefahren vor, die in weiter Ferne zu sein scheinen? Der Überlebenskünstler erhielt nur Punkte von einer Teilnehmerin. Anscheinend fühlen die meisten noch nicht die Notwendigkeit, ans Überleben in Notzeiten zu denken – nach der Devise: Wird schon alles gut gehen. Das hoffe ich auch. Aber es beruhigt mich doch, dass es einige gibt, die die schwarzen Wolken am Horizont ernst nehmen.

13 Überlebenskünstler 10 Punkte

10 Babsi

„Auch unter extremen Bedingungen weiß ich zu überleben.  In der Stadt, im Wald, im Krieg oder auf dem Mond – es gibt kein „unmöglich“ für mich. Ich bin gewappnet, und du tätest gut daran, dir auch schon mal ein paar skills anzueignen. Weißt du denn, obs im nächsten Jahr nicht hart hergehen wird? Und was machst du dann, du Weichei? Pardon, ich möchte dir nicht zu nahe treten, nur warnen möchte ich dich: Bereite dich aufs Schlimmste vor – immer!

 

Vollkommen leer ging nur einer aus: der Angstmacher. Dabei beherrscht er unsere Medien in nie dagewesener Intensität. Wir seien von Gefahren umzingelt, und wenn wir überhaupt noch am Leben sind, so sei das unseren vorsorgenden Politikern und Wissenschaftlern zu verdanken. Was droht nicht alles, uns zu verschlingen! Epidemien, Kriege, Blackouts, Inflation, Überfremdung, Verbrechen, Zusammenbruch der Finanzmärkte, Erfrieren, Heimatverlust – hab ich was vergessen? Ach ja, die endgültige Zerstörung der Erde durch klimatische Veränderungenund/oder Atombomben und den Weltuntergang.  Solche angstmachenden Themen wollen wir im nächsten Jahr ausklammern – so beschließt ihr, meine lieben Leserinnen und Leser. Wir werden uns dran halten, nicht wahr, Dora? Wir werden einfach keine Zeitung und kein TV anschauen, und wenn doch: der Blog hier bleibt frei davon.

15 Angstmacher   Null Punkte

Fürchte dich, Menschlein! Sieh dich vor! Der Tod lauert überall, er steckt schon in dir! Täusche dich ja nicht! Sei dir gewiss: Hier tobt schon ein Krieg, dort nehmen die Verbrechen zu, es wüten die Epidemien, wenn nicht jetzt, so doch morgen. Es kommt zu Umstürzen, Gewalt und üblen Exzessen! Die Meere verschlingen die Küsten, die Wüsten wachsen, Stürme decken dein Haus ab. Fürchte dich! Die Furcht wird dich schützen! Täglich werde ich dich füttern mit den schlimmen Nachrichten des Tages, denn leicht könntest du vergessen, wie schrecklich die Welt ist.

———————————————————————————————————-Ist damit die Wahl der nächsten Leitfigur abgeschlossen? Wird es eine Leitfigur sein, oder ein Team aus drei oder sieben oder zwölf? Oder eine andere?

Morgen ist der 1. Dezember. Da habe ich noch einen Monat Zeit, dies Ei auszubrüten. Wer mag, hilft mir beim Brüten. Dora muss auch noch gefragt werden. Und ich selbst darf auch ein Wörtchen mitreden, finde ich.

Danke euch allen, die ihr mir bei der Kandidatenauswahl zur Seite standet, von ganzem Herzen! Danke!

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