Ein bisschen Farbe (tägliches Zeichnen)

Ich hatte immer schon einen Heidenrespekt vor der Farbe. Einen Moment wie Paul Klee erlebte ich nie, als er begeistert notierte: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“

In den ersten Jahren habe ich frisch und freudig farbig gemalt. Doch je älter ich wurde, desto mehr problematisierten mich die Farben. Zu einer systematischenBeschäftigung wie bei Klee kam es nicht, und so ging ich immer mehr zu Grautönen mit gelegentlichen starkfarbigen Einschlägen über, bis ich zuletzt fast nur noch schwarz-weiß zeichnete. Bei den Legebildern freilich kann ich mich in Formen und Farben austoben, ohne mich durch Bedenken hemmen zu lassen. Manchmal benutze ich auch alte farbenfrohe Hintergründe dafür, so wie hier zuletzt bei Doras Befragung des Paars:

Nun aber habe ich mal wieder Farben gekauft. Kindliche Farben. Ölkreiden, die man mit Wasser vermalen kann, steht auf der Packung. Auf meiner letzten Zeichnung (Was so auf dem Tisch steht) sieht man sie, offen, aber noch unbenutzt. Farbigkeit stellte ich durch elektronische Überblendung mit einem Foto her.

Am Abend aber begann ich, zaghaft, zögerlich, die Zeichnung mit den neu erworbenene Stiften zu kolorieren. Nun freue ich mich an dem zartgoldenen Dezemberlicht, das die Dinge in der Stube umschwebt und sich nur in den Schatten ein wenig verdichtet. 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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9 Antworten zu Ein bisschen Farbe (tägliches Zeichnen)

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Wunderschöne Farben, so behutsam und zart aufgetragen.

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  2. alphachamber schreibt:

    Hallo! Ihr Talent wird immer groesser…(oder sagt man staerker?)

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  3. Jules van der Ley schreibt:

    Bei Farben geht es mir wie dir, liebe Gerda. Aber schön, dass du dich mal wieder herangewagt hast. Das frühe Aquarell und die neue Zeichnung gefallen mir ausnehmend gut.

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  4. Ach, wie schön und fein hast Du diesen goldenen Farbton hinbekommen, liebe Gerda!

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