Zeichnung: Bei den alten Mandelbäumen

Ein schöner Juni-Abend. Wahlsonntag – schon wieder -, die Menschen entspannt. Ich setze mich bei den Mandelbäumen an einen Tisch aus einfachen Holzbrettern, zwei Herzen sind hineingeschnitten.

Ich zeichne die alten Bäume, deren Borke von gelben Flechten überzogen ist. Der eine hat eine üble Narbe, rot und schwarz.  Ich zeichne auch die langen Schatten, die auf die Wiese fallen. Auf die Bank vor mir setzt sich eine Frau, ihren Rücken skizziere ich schnell, bevor sie wieder aufsteht, und das junge Paar mit dem kleinen Kind und dem drolligen Hund auf einer anderen Bank in der Ferne halte ich mit ein paar Strichen fest. Die Schatten stellen Beziehungen her, die es in Wirklichkeit so nicht gibt, die aber doch „in der Luft liegen“. Von dem Rücken der Frau vor mir geht Traurigkeit aus, so als wäre die Wunde des Baumes ihre, und als wären die lustigen jungen Leute mit dem Kleinkind und dem Hund dort hinten auf der Bank ein Traum, den sie träumt, eine Sehnsucht und ein Kummer.

 

 

 

 

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Zeichnung: Frau und Baum beim Pythischen Apoll (Ergänzung zu gestern)

Die Zeichnung, die ich gestern zeigte, beschäftigt mich immer noch. Sie gefällt mir. Mir gefällt die tiefe Bezogenheit der beiden: die Frau schmal und aufgerichtet, der Doppelbaum in einer mächtigen Aufwärtsspirale sich windend und aus dieser heraus seine Zweige senkend. Zwischen den beiden, diese Bewegung aufnehmend, vermittelt das Rund des Theaters.

Einige Bearbeitungen habe ich versucht, am Ende blieb die eine, die ich rechts neben dem Original (links) zeige. Das Licht Apolls steht als Gloriole um den Baum, die meditierende Frau schaut es.

All das gibt es auch auf der Originalzeichnung, ich habe es nur durch einen Filter verstärkt, damit es auch der flüchtige Hinschauer wahrnimmt. (Zum Vergrößern bitte anklicken).

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Ausflug zum Pythischen Apoll von Oinoe, Attika (mit Skizze)

Beim Pythischen Apoll von Oinoe, 2019-06-01, Bleistift-Kugelschreiber-Skizze

Einen Ersten-Juni-Ausflug machte ich heute mit einer lieben Freundin. Die Straße über das Pendeli-Gebirge umgeben von leuchtenden Ginsterwänden. In der Tiefe das unendliche Athen.

Mithilfe eines hilfsbereiten Bewohners von Marathon, der uns vorausfuhr, fanden wir schließllich den gesuchten Ort, wo einst Apoll verehrt wurde. Hier opferten die Pilger, und ihre Priester deuteten ihnen die Eingeweide der Opfertiere. Von hier aus gingen sie los, um ihre Anliegen dem Orakel in Delphi vorzutragen. Ein weiter Weg – undenkbar weit für heutige Zeiten. Wir scheiterten schon nach einigen Kilometern, denn der Pfad verlor sich in Macchia, Wasserläufen und felsigen Abbrüchen.
Dort, wo einst das Apollon-Heiligtum stand, befindet sich heute eine schön gemauerte Anlage. Riesenhafte Platanen und ein kleines Theater, ein Torbogen und dahinter ein Gewässer mit zahllosen Libellen und einem undurchdringlichen Dschungel von rosa blühendem Oleander und Brombeeren. Dezent im Hintergrund ein Kirchlein, um dem Christentum diesen heiligen Platz zu sichern. In der Luft lag ein leichter Geruch nach Aas, und ich dachte an die Tieropfer, während ich eine gewaltige Zwilllings-Platane samt der meditierenden Freundin skizzierte.

Ein Foto-Collage-Potpourri mag einen kleinen Eindruck von unseren heutigen Erlebnissen geben. Für Einzelfotos reicht mein Speicherplatz nicht.

In der ersten Zeile: Pendeli mit Ginster, das Tor im Apollon-Bezirk, im Hintergrund das Kirchlein, eine wilde Akanthos-Blüte. – In der 2.-3. Zeile: ein Feld mit Wildgetreide, eine Wassermelonen-Plantage, Blüte einer Wassermelone, Ginsterblüte, die Freundin am Bach, 3 mal Ginster, Ikonen im Kirchlein, Oleander, Landschaft mit Felswand, 2 mal Apolllon-Anlage, Ikone. – In der letzten Zeile: ausgehöhlte Platane, noch mal wilder Akanthos, Auto eines Gärtners (er fotografierte seine Pflanzen dort, schenkte uns ein blühendes Myrtenbäumchen, das man auf dem Foto sieht), Landschaft mit Feldwirtschaft, noch mal Bach, Platane, Apollon-Anlage, Ikonen.

 

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Mit dem Pinocchio: Wahlzettel-Zeichnung No. 7

Der Pinocchio aus Palermo scheint mir ein geeignetes Motiv zu sein, um diese Reihe mit Wahlzettel-Zeichnungen vorerst abzuschließen. Die Wahlzettel dieses Formats sind mir ausgegangen, die anderen sind kürzer.

Am Sonntag ist wieder Wählen angesagt: Stichwahl zwischen Bürgermeister- bzw Regionalregierungskandidaten. Da kann ich keine neuen Wahlzettel ernten. Aber  am 7. Juli, bei den vorgezogenen National-Wahlen, werde ich hoffentlich ausreichend Papier nach Hause tragen.

Der Pinocchio schwebt im Raum und erinnert uns daran, welche Folgen das Lügen hat. Unschuldiger kleiner Kerl! Wenn er wüsste, was in der Welt zusammengelogen wird!

Damit ihr eine bessere Vorstellung vom recht winzigen Format habt, habe ich diesmal die Lichtschalter auf dem Foto nicht weggeschnitten. Rechts eine Ausschnitt-Fotografie. Zum Vergrößern bitte anklicken.

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abc-etüde: Der Mai geht – Sei mir Willkommen, Juni!

Malkasten, gleitend, torpedieren sind die diesmaligen Wörter der abc-etüden, gespendet von der dergl-Truppe. Bedankt sei mal wieder Christiane für ihre liebevoll-zuverlässige Betreuung.  Diesmal ist mein Text ungereimt und kurz – so kurz wie die Zeit, die uns noch vom Juni trennt. Die Aquarelle aber stammen aus der Zeit, als ich noch selbst mit dem Malkasten unterwegs war und sich die Farben meiner Ostsee-Heimat mit dem griechischen Licht zu vermischen begannen.

Der Mai geht – sei mir willkommen, Juni!

Farbfeld-Übung a la Klee, Aquarell, 80er Jahre. Aquarell

Der Mai hat seinen Malkasten eingesammelt, schon verblassen die bunten Blumen. Im Gras, über den Schutt hingespritzt noch das Mohn-Rot, bebend im Wind.

Der Juni kommt gleitend. In den Falten des Mai hält er sich verborgen, doch er lugt schon hervor mit Augen, so strahlend blau, dass das hohe Gras fahl wird und dürr. Junis ruhiger Atem fährt drüber hin, duftend nach Kiefern und Heu. Kein später Schnee kann seinen Auftritt mehr torpedieren, er kommt! Er kommt und leuchtet in Ocker und Gelb. Und blau wird die See wird der Himmel unter seinem leuchtenden Blick. Wer begänne da nicht zu träumen vom Meer und von Badefreuden?                                                        105 Wörter

Meer, gelbes Feld, roter Mohn. Aquarell 1992

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Ping Pong 037

Ping 036

Ulli  an Gerda: SYMBOLE SIND …

Pong 036

…DURCHSCHEINEND FÜR GEISTIGES, AUF DAS SIE VERWEISEN.

PING 037 Gerda an Ulli

UM EINEN DURCHBRUCH ZU ERZIELEN…..

Giessbild a copy

WAS BISHER GESCHAH → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerien/ping-pong/

DIE IDEE→ https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/05/ping-pong-001-2019/

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Avokado und Mandelbäumchen im Topf: Wahlzettel-Zeichnung No. 6

Neugierig geworden durch eure Kommentare, die auf das besondere Format dieser Zeichnungen abheben (Türspalt, Lücke im Vorhang….) und die daraus sich entwickelnde Diskussion im Kopf, setzte ich mich heute erneut auf den südlichen Balkon – nun aber ohne die Absicht, die Raumperspektive besonders zu betonen. Zwar zeichnete ich wieder das Balkongitter mit seinen in die Tiefe führenden Linien, aber als Hauptthema wählte ich eine raumfüllende Pflanze, die ich ins Mittelfeld setzte: den Avokado, der aus weggeworfenen Kernen zu einem kräftigen mehrstämmigen Baum herangewachsen ist. Den Blumentopf macht er sich mit einem Mandelbäumchen streitig, das ihn zwar noch überragt, aber wohl den Kürzeren ziehen wird, wenn ich nicht einschreite.

Ich zeige heute die ganze Zeichnung (links) zusammen mit drei Bildausschnitten, um zu vergleichen, wie die Formate die Wirkung des Themas beeinflussen.

Avokado und Mandelbäumchen im Topf – Wahlzettel-Zeichnung No. 6, mit Bildausschnitten. 2019-30-05

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Nochmal schmaler Balkon: Wahlzettel-Zeichnung No.5 („Wahllokal“)

Heute schaute ich, auf demselben schmalen Morgen-Balkon sitzend wie bei der ersten Zeichnung, in die entgegengesetzte Richtung. Um die die neue Zeichung No 5 aufzuhängen, erweiterte ich das „Wahllokal“ links durch ein leicht rötliches Feld. Eine politische Stellungnahme beabsichtige ich damit nicht, aber ich erleichtere den Vergleich von No 5 mit No 1. Und das ist mehr, als man bei den meisten Wahlzetteln sagen kann.

Auch diese Zeichnung fotografierte ich der besseren Sichtbarkeit halber in zwei Abschnitten. Wenn du nach links unten schaust, siehst du meine Hand, die den Wahlzettel, auf der sich die Zeichnung entwickelt, mit dem Daumen festhält. Auch bei No. 1 habe ich die entstehende Zeichnung in die Zeichnung integriert.

Du kannst selbstverständlich sowohl auf die Galerie oben als auch auf das Doppelbild unten klicken, um mehr zu sehen.

 

 

 

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Wohnungswinkel: Wahlzettel-Zeichnung No. 4 („Wahllokal“)

Ein schräger Blick vom Gäste-Zimmer durch mein Arbeitszimmer zum Flur war das Motiv für meine vierte Stimmzettel-Zeichnung. Ich suchte eine Weile, bis ich einen Ausschnitt der Wohnung fand, der einiges Interesse für das Extremformat der Stimmzettel hatte. Überall schnitt die  Zimmerdecke meinen Höhenflug ab.

Hier nun das Wahllokal, dekoriert auch mit der vierten Zeichnung.

„Wahllokal“, Vier Zeichnungen auf Wahlzetteln, digitale Galerie. 2019-05-28

In der Vergrößerung sieht man, dass die dicken Buchstaben der umseitigen Liste diesmal durchscheinen.

 

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Wohnzimmer-Ecke: Wahlzettel-Zeichnung No. 3 und „Wahllokal“

„Wahllokal“. Drei Zeichnungen auf Wahlzetteln der Gemeindewahlen von Maroussi, 2019-05-28, digital gerahmt.

Diesmal habe ich eine Ecke des Wohnzimmers gewählt. Das Motiv selbst ist, anders als die beiden vorigen, nicht schmal und hoch, sondern breitet sich aus. Durch das Format des Wahlzettels bestimmt, schneide ich quasi einen schmalen senkrechten Streifen aus dem Raum heraus und zeichne ihn. Um Einzelheiten zu erkennen, habe ich auch diese Zeichnung wieder in zwei Abschnitten fotografiert. Bitte anklicken.

 

 

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