Heute vormittag, zwischen zwei Regenschauern – die nasse Welt erglänzte im Sonnenlicht – eilte ich ans Meer und stürzte mich hinein, schwamm auch ein Stück hinaus, singend. Kein Mensch weit und breit, und das war mir recht. Denn mich quälten üble Gedanken, die ich abwaschen musste.
Gestern hatte ich einen wunderschönen Tag mit Menschen. Eingeladen bei einer Großfamilie tafelten wir, spielten, redeten, lachten. Drei Kinder, Großeltern, Großmutter, Eltern, Hund, wir – so unbeschwert wie in Zeiten, als uns noch kein Damoklesschwert überm Haupt hing.
Damoklesschwert? Welches? Ich fühle keine Bedrohung durch Krankheit und Tod. Sie sind, was sie sind: nicht willkommen, natürlich, aber irgendwie auch nicht vermeidlich. Sie beschäftigen mich nicht, solange ich am Leben und einigermaßen gesund bin. Und dass ich einigermaßen gesund bin – dafür versuche ich Sorge zu tragen.
Was mich bedrückt, ist etwas ganz anderes.
Nach dem fröhlichen Familientreffen ging ich noch ein bisschen in den Blogs spazieren. Leider. Denn da traf ich auf einen bisher befreundeten Blogger, dessen Charakterisierung derjenigen, die den Maßnahmen kritisch gegenüberstehen, mir die Galle hochtrieb: „Querdenkergesindel, Ewiggestrige, Vergnügungssüchtige, Konsumabhängige und Faschisten von rechts und links … Verblendete und willige Werkzeuge .. „Denkende“ nur in Anführungszeichen, Unwissende im besten Fall. Ein totalitärer Geist wehte mich an, der durch flankierende Kommentare verstärkt wurde. Und ich schrieb einen geharnischten Kommentar, der mir dann als „übergriffig“ um die Ohren gehauen wurde. Na schön, dachte ich, recht geschieht dir, was kümmerst du dich auch um Dinge, die dich nichts angehen. Erinnere dich mal daran, warum du immer schon aus Deutschland weg wolltest…
Ich weiß nicht, ob totalitäre Tendenzen, wie in diesem NZZ-Kommentar behauptet, tatsächlich besonders stark in Deutschland ausgeprägt sind. Ich weiß es nicht, denn ich kenne ja nur einen kleinen Ausschnitt aus der deutschen Wirklichkeit. Und da scheint mir eine genauso große Vielfalt zu existieren wie in anderen Ländern auch. Vor allem aber kenne ich einige wunderbare Deutsche, die allerdings ebenfalls das beklemmende Gefühl haben, dass freie Meinungsäußerung zunehmend mit sozialer Ächtung bestraft wird.
Auf den NZZ-Kommentar stieß ich gestern, als ich bei xeniana über Monika Marons neuestes Buch „Bonnie Propeller“ las. Die Autorin, Jahrgang 1941, wünschte sich noch einmal einen letzten Hund – und machte sich bei der griechischen Adoptionsstelle um 10 Jahre jünger, um einen Hund zu bekommen. Ich ringe mit demselben Wunsch, habe aber Skrupel, denn ein junger Hund würde mich vermutlich überleben. Auch ist Tito noch sehr sehr präsent.
Jedenfalls war ich neugierig auf die Autorin und das Buch geworden. Also googelte ich und stieß auf den NZZ-Artikel:
„Noch feindseliger geht nicht – Der Fall Monika Maron und das alternativlose deutsche Meinungsklima“.
Ein weiteres Kapitel im deutschen Roman: „Die Rechtgläubigen und die anderen“.


































