Tagebuch der Lustbarkeiten: Vasilopita schneiden im Atelier

Heute schnitten wir in unserer Freundesgruppe die Vasilopita. Die Vasilopita (das Wassilios-Gebäck) ist ein besonderer Kuchen, der dem Heiligen Basileos, dem Schutzheiligen des Ersten Januar, geweiht ist. Er wird in der Familie, in Freundeskreisen und Vereinen bis gegen Ende Januar nach einem bestimmten Ritual „geschnitten“, und die Stücke werden verteilt. Im Kuchen versteckt ist eine Münze, und wem diese zufällt, der ist im laufenden Jahr besonders mit Glück gesegnet.

Außer dem Kuchen brachten die Frauen noch allerlei andere Speisen mit, alles natürlich selbstgemacht, selbstgebacken, die Zutaten zum Salat sogar selbst auf dem Balkon gezogen. Mein Tisch reichte nicht aus, um alles auszubreiten, ich musste mit einem Zeichenbrett anbauen.

Erstaunlich, was da so zusammenkommt. Von uns Feiernden gibt es auch ein Übersichtsbild.

Schön wars!

 

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25 Wochen – ein Objekt: Der Prinz und seine Fluchthelfer (Erklär mir Liebe)

Jeden Sonntag dasselbe Objekt in unterschiedlichem Surrounding fotografieren und posten – das ist der Vorschlag von Wortman. Ich habe als Objekt den „Kleinen Prinzen“ gewählt, der dieses Jahr 2026 inspirieren soll.

Der kleine Prinz floh mithilfe eines Schwarms wilder Vögel von seinem Planeten,  versichert uns der Erzähler. Bewiesen war das bisher freilich nicht, und auch der Autor setzt vorsichtshalber ein „ich glaube“ an die Stelle von „so war es“.  Er möchte ja glaubwürdig sein, wie er wiederholt versichert.

„Ich glaube, für seine Flucht diente ihm ein Schwarm wilder Zugvögel,“ schreibt er.

Nun aber ist der Beweis erbracht: einige Federn der Vögel wurden in einer großangelegten Recherche aufgefunden, identifiziert und mir zur Aufbewahrung übergeben.

Womit auch die Wahrheit der Geschichte von seiner Flucht nachgewiesen ist. Er floh vor der Liebe, als sich die Geliebte als kompliziert herausstellte.

Als ich Philippe drauf anspreche, druckst er herum: ja, ja, er bedaure das, er sei damals noch ganz unreif gewesen, habe überhaupt nicht gewusst, was Liebe ist. Die Situation habe ihn einfach überfordert.

Wäre Philippe mein Sohn, so würde ich vielleicht Verständnis für sein Verhalten zeigen – schon aus eigenem Interesse, als künftige Schwiegermutter. Da er aber nicht mein Sohn ist, sage ich naserümpfend zu ihm: „So geht das nicht. Man sollte eine Frau nicht verlassen, nur weil sie dumm, eitel und zimperlich ist.“

„Ich weiß“, seufzt er, „drum gehe ich ja auch zurück. Ich war nicht in der Lage, es zu verstehen. Ich hätte sie nach ihren Taten und nicht nach ihren Worten beurteilen sollen. Sie spendete mir Duft, sie strahlte für mich. Niemals hätte ich fliehen dürfen. Hinter den armseligen Boshaftigkeiten hätte ich ihre Zärtlichkeit erkennen müssen. Frauen sind voller Widersprüche! Aber ich war zu jung, um sie lieben zu können.

Philippe sagt freilich nicht „Frauen“, sondern „Blumen“ seien widersprüchlich. Ich habe da ein bisschen geschummelt. Aber wie sonst soll ich meine Position klarmachen? Gegen Blumen lässt sich kein Argument ins Feld führen, sie sind lieblich, sie duften. sie sind zärtlich und basta. Bei Frauen ist das freilich eine andere Sache….

Doch genug davon. Hier geht es ja nur um die Frage, ob sich der kleine Prinz eines Schwarms wilder Zugvögel bediente, um seine Freiheit zu gewinnen.

„Zugvögel – Bleibevögel“ heißt diese Legearbeit mit Maries Schnipseln.

Und ich gebe zu: Zugvögel haben was, was Bleibevögel nicht haben. Insofern…

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Kalenderblätter 7-10 (Christophs Zeichenchallenge)

Der Kalender hat sich mit vier weiteren Zeichnungen gefüllt, zwei mit Gebäuden, zwei mit Katzen. Ich poste sie im gleichen Rhythmus mit Christoph (hier).

Das Blatt zum 7.1. zeigt eine eindrucksvolle Kirche in dem kleinen Dorf, das wir mit der Tanzgruppe besuchten. Oberhalb des Dorfes befinden sich die Ausgrabungen des antiken Thouria, von wo aus ich die Kirche zeichnete.

Das Blatt zum 8.1. zeigt unser Haus, wie ich es jedesmal mit großer Freude sehe, wenn ich heimkomme. Das Haus wird überragt von einer riesigen Pinie, die ich vor ca 24 Jahren als Pflänzling kaufte und einsetzte.  Die anderen Bäume vor dem Eingang sind Oliven und ein Aprikosenbaum. Letzteren habe ich auch vor vielen Jahren selbst gepflanzt.

Das Blatt zum 9.1. zeigt Fritzi auf dem Sofa, und das zum 10.1. die beiden Kleinen in ihrem Haus. Beim ersten war ich bemüht, die ruhende Fritzi nicht zu stören, und so sieht man nicht viel mehr als ein dunkelgraues Knäuel mit einer weißen Flanke. Die Zeichnung zum 10.1. machte ich nach einem heutigen Foto, es ist starr und unbelebt und gibt nichts vom Liebreiz der Kätzchen wieder. Im Gegenteil wirken sie sogar ein bisschen gemein. Außerdem haben sich die mit Filzstift eingetragenen Linien aufs Vorblatt durchgedrückt. Wozu auch diese schwarzen Linien!! Nun, sie sind da und ich lerne…

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Rundgang im Paradies.

Ein kleiner Rundgang im Paradies gefällig?

Vorhin schrieb ich, dass ich Sellerie für die Bohnensuppe und noch dies und das vom Minimarket des Nachbardorfes holen sollte. Das Meer brauste und warf Geröll auf den leeren Strand.

Zu Hause lud ich die Einkäufe ab und beschloss, während mein Mann die Suppe kochen würde, einen Spaziergang zur anderen Seite der Schlucht zu machen. Denn dort gibt es ein Bäumchen mit sehr schmackhaften Mandarinen. Der Weg führt hinab und hinauf durch Olivenhaine, deren Terrassen jetzt von gelbem Klee überwuchert sind.

Das Mandarinenbäumchen hatte einen Teil seiner Früchte auf den Boden geworfen, aber auch an den Zweigen hingen noch viele. Ich stopfte die Taschen meiner Trainingshose voll, die zum Glück recht geräumig sind.

Auch vom Zitronenbaum gleich daneben erntete ich ein paar Früchte.

Heimkommend freute ich mich, dass der Katzennachwuchs es sich im Hundehaus bequem gemacht hatte. Ich hatte das regennasse Tuch durch ein altes Hemd meines Mannes ersetzt, so dass sie eine warme trockene Unterlage haben.

Die mitgebrachten Früchte legte ich in den Fruchtkorb, über dem ein weißbärtiger Weihnachtszwerg wacht.

Dann wurde die Bohnensuppe samt Schafskäse und Tomatensalat aufgetischt und verspeist.

Bei Tisch unterhalten wir uns gern. Diesmal versuchte ich, mir Klarheit darüber zu verschaffen, was mit Tokenisierung von Vermögenswerten und Blockchains gemeint ist und ob das eine neue Gemeinheit ist, um die Menschen um ihr Erspartes zu bringen. War diese Themenwahl klug? Wohl kaum. Viel besser wäre es gewesen, von den Mandarinen und vom Meer zu reden. Aber der Kopf! So schlich sich wohl auch die Schlange des Zweifels ins Paradies, damals….

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Hell und dunkel (Seemannshosen)

Nass und verhältnismäßig kalt ist es, und über den Bergen steht dichtes Gewölk. Doch immer wieder reißt die Wolkendecke auf, zerfledert sich in weiße Flocken, und gibt den hellblauen Himmel frei. „Seemannshosen“ nannte (nennt?) man in der alten Heimat solche blauen Wolkendurchblicke.

Wenn dann die Sonne durchbricht und ihre Strahlen das Gartenstück vor meinem Atelier berühren, leuchtet das Grün besonders prächtig auf.

Wohltuend und belebend ist dieser Wechsel zwischen Hell und Dunkel. Jetzt eile ich, bevor der Regen wieder einsetzt, Sellerie, der für die Bohnensuppe gebraucht wird, aus dem Minimarket im Nachbardorf zu holen. Auch Brot und Joghurt sind ausgegangen. Also los!

 

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Malerei: „Ein Pferd klagt an“ (Impulswerkstatt: „Kälte“)

Auch gestern habe ich wieder zu malen versucht, um mich mit meinen Alpträumen zu konfrontieren, vielleicht, dass ich sie so überwinden kann. Ich fotografierte vier Stadien der Bildentstehung, die zusammen gehören, wenngleich nur das letzte noch vorhanden ist. Das werde ich morgen auch zerstören und ein neues, hoffentlich freundlicheres Bild beginnen.

Diese Bilder sind meine Interpretation des Gedichtes von Bertold Brecht: „Ein Pferd klagt an. (Oh du Falladah, die du hangest)“. Brecht schrieb das Gedicht Anfang der 20er Jahre. Das Ereignis, auf das es sich bezieht, fand 1019 in Berlin statt. Ich sehe dies auch als einen Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt und zum Mosaikwort „Kälte“.

Triggerwarnung: Wem das alles zu sehr an die Nieren geht, blättere bitte gleich weiter. Ich möchte meine Alpträume nicht dadurch überwinden, dass ihr sie bekommt.

EIN PFERD KLAGT AN

Ich zog meine Fuhre trotz meiner Schwäche
Ich kam bis zur Frankfurter Allee.
Dort denke ich noch: O je!
Diese Schwäche! Wenn ich mich gehenlasse
Kann ’s mir passieren, daß ich zusammenbreche.
Zehn Minuten später lagen nur noch meine Knochen auf der Straße.

Kaum war ich da nämlich zusammengebrochen
(Der Kutscher lief zum Telefon)
Da stürzten aus den Häusern schon
Hungrige Menschen, um ein Pfund Fleisch zu erben
Rissen mit Messern mir das Fleisch von den Knochen
Und ich lebte überhaupt noch und war gar nicht fertig
mit dem Sterben.

Aber die kannt‘ ich doch von früher, die Leute!
Die brachten mir Säcke gegen die Fliegen doch
Schenkten mir altes Brot und ermahnten
Meinen Kutscher, sanft mit mir umzugehen.
Einst mir so freundlich und mir so feindlich heute!
Plötzlich waren sie wie ausgewechselt! Ach, was war
mit ihnen geschehen?

Da fragte ich mich: Was für eine Kälte
Muß über die Leute gekommen sein!
Wer schlägt da so auf sie ein
Daß sie jetzt so durch und durch erkaltet?
So helft ihnen doch! Und tut das in Bälde!
Sonst passiert euch etwas, was ihr nicht für möglich haltet!

4 Stadien eines Bildes: Klebestreifen, Pigmente, Kleister und Wellpappe auf Leinwand.

Das Bild in der ersten Phase ist ein wenig der Höhlenmalerei nachempfunden. Rechts geht ein Mensch, ihm folgt mit gesenktem Haupt das Pferd. Es hat längst seine wilde Kraft verloren, geht gefangen, gezähmt und demütig, bereit, jede Arbeit für den Menschen zu verrichten, wenngleich es viel stärker ist als er.

In der zweiten Phase ist das Blut zu sehen, das in den beiden Wesen kreist, das sie verbindet und ihr gemeinsames Schicksal andeutet.

In der dritten Phase ist das Pferd zusammengestürzt und zerfetzt.

In der vierten Phase sind vom Pferd nur noch die blutige Haut und das Gekröse übrig.

 

Eine Besprechung des Gedichts und des von Brecht gewählten Untertitels (Oh du Falladah, die du hangest) fand ich hier.

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Malerei: „Die Saat geht auf“

Ich habe heute noch mehr gemalt, darunter auch dieses Bild, wieder mit Erde, Salz, Pigmenten und Kleister auf Leinwand.

Ausschnitt:

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Malerei und Weltereignisse

Seit geraumer Zeit klammere ich mich beim Zeichnen an die unmittelbare dingliche Alltagswelt, da sie mir noch die meiste Eindeutigkeit und Verlässlichkeit zu versprechen scheint. Früher war das anders. Da konnte ich meine aktuellen Gefühle angesichts von Weltereignissen, die mich schockierten. direkt oder symbolisch malerisch zum Ausdruck bringen. Ich erwähne beispielhaft meine Bilder zum Jugoslawienkrieg (verbrannte Dörfer), zum 11/9 (Flug-Dämonen), zum Borbardement von Afganistan (shock and awe).

Heute gelingt es mir nicht mehr. Zu viel ist bereits seit der Jahrtausendwende geschehen, zuviel ist am Werden, und ich kann kaum noch einzelne Ereignisse ins Zentrum der Aufmerksamkeit bringen. Schwindel ergreift mich, die Ohren sausen. Wohin soll ich zuerst schauen?  Gestern aber nahm ich eine Leinwand und malte mit ockriger Erde, die ich zuvor in einer Baustelle gesammelt hatte, mit Salz, mit drei Farbpigmenten und mit Wasser, Kleister und dicken Pinseln auf eine Leinwand und ließ entstehen, was entstehen wollte.

 

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Stier-Gedanken (abc-etüde, kata-strophisch)

(abc-etüde, kata-strophisch)

Gewohnheitstier
absichtlich
einsetzen.

Das sind die drei Wörter, die Christiane uns für die erste abc-etüde des Jahres 2026 ausgesucht hat. Danke, Christiane. Ich habe sie zum Anlass genommen, mir ein paar Kata-Strophen zusammenzureimen, verbunden mit einer Vornahme fürs laufende Jahr: nicht auf jedes rote Tuch zu reagieren, nicht in jedes Messer zu rennen. Kurzum: mich nicht wie ein Stier zu verhalten, während die, die die Welt regieren, den Matador spielen.

Geboren bin ich zwar im Sternbild Stier,

der stets, so sagt man, gegen rote Tücher rennt

doch bin ich deshalb ein Gewohnheitstier

das unbeirrt stets folgt dem gleichen Trend?

*

Als Kind, gewiss, da konnte es geschehen

Dass wenn man mir ein rotes Tuch gezeigt

Ich gleich, geblendet wütend unbesehen

Protest erhob dort, wo man besser schweigt.

*

Nachdem ich mir den Kopf oft eingerannt

Und nichts erreichte, als ne blutge Stirn

Und man mich einen Dickkopf nur genannt

Da endlich fing zu denken an mein Hirn.

*

Wär es nicht besser, selbst sein Ziel zu suchen

Als reagieren auf das Tuch, das andre schwenken?

Was nützte es, der Übeltat zu fluchen

Wärs besser nicht, sich selbst zum Guten lenken?

*

Absichtlich hält man uns oft Themen hin

Die uns erregen, kränken, was uns wütend macht

Und wer hat, bitte schön, davon Gewinn?

Der Tücherschwenker wohl, der hinterhältig lacht.

*

Der lacht, weil wir in unsrem Zorne übersehen

Die wahren Pläne, die im Hintergrunde reifen

Ach, könnten wir die endlich gut verstehen

Ach könnten wir den Zeitgeist recht begreifen!

*

Den Zeitgeist, der mit Macht schon eingesetzt

Als Spielfiguren uns hat auf dem Weltenbrette.

Der eine schießt bereits, der andre wird zerfetzt

Gibt es denn nichts, was uns vorm Zeitgeist rette?

*

Wie wärs, wenn ich, anstatt dem Matador

Weil er ein Tuch hält, hilflos meine Flanken

Zur Schlachtung anzubieten, ach, ich Tor,

ganz bei mir bliebe und bei dem Gedanken:

*

Ich bin ein freier Mensch und niemand

Ist schuld an dem, was mir zuletzt geschieht

Nur ich allein, es liegt in meiner Hand

Welch Schicksal mir am Lebensende blüht.

*

Mich kümmern eure roten Tücher nicht

Ich renne nicht, nur weil ihrs wollt, ins Messer,

und wenns mir auch an Tapferkeit gebricht:

der wer zuletzt lacht, lacht noch immer besser


Mein  „Griechisches Alphabet des freien Denkens“, das ich im Dialog mit Ullis „Alphabet des mutigen Träumens“ entwickelte, beginnt mit dem Buchstaben A (Anthropos =  Mensch). Der Buchstabe stellte ursprünglich einen Stierkopf dar, wurde dann aber umgedreht und so zum Anfangsbuchstaben des Wortes Anthropos =  Mensch. Ich schrieb damals (hier):

Beginnen wir mit A – Alpha – Aleph. Aleph hieß der erste Buchstabe bei den Phöniziern. Aleph nannten die Phönizier den Stier, und so sah auch der Buchstabe aus: ein Stierkopf mit Hörnern. 64px-phoeniciana-01-svgDie Hellenen stellten es entschlossen auf die Füße: A. Und da steht es bis heute, kein Stierkopf mehr, sondern ein Mensch.

Picasso war bis ins hohe Alter vom Minotaurus fasziniert, der die menschliche Gestalt mit einem Stierkopf verband und so zu einem traurigen Monster wurde. Auch mich beschäftigte das Thema, zB hier.

Die umgekehrte Tier-Mensch-Kreatur ist der Zentaur, dessen Leib dem Pferd, dessen Kopf dem Menschen zugehört. Auch er ist ein wüster Geselle, kann aber, wie im Kentaur Chiron, auch zur höchsten Weisheit gedeihen.

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Impulswerkstatt Bild 2. Die schöne Welt des Scheins

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, das ich beim Betrachten dieses Fotos habe, liebe Myriade. Sind das wirkliche Menschen oder nur ihre Schattenrisse, die dahinwandern und sich vor dem hellen Blau des Gewässers scharf abheben? Hat sich zwischen die Landschaft und die Menschen eine Folie geschoben, auf der sich ihre Schatten abbilden, als wärs ein Schattentheater, wie wir es hier in Griechenland als Karagiosis-Theater kennen, oder das, mit umgekehrten Vorzeichen. als Prager Schwarzlichttheater bekannt ist?

Aber nein, all das ist natürlich Unsinn. Es sind wirkliche Menschen… Doch warum sind sie so schwarz und so scharf abgegrenzt, ohne die geringste atmosphärische Verschwommenheit? Es sind ja doch wohl flache schreitende Plastiken aus Holz oder aus Metall, die mich irreleiten wollen…

Nur. warum spiegeln sie sich auf der blauen Kante? Oder spiegeln sie sich nicht, sondern ein künstlerischer Schlaumeier hat sich diese schwärzlichen Flecken ausgedacht, um die Illusion perfekt zu machen?

Da fallen mir meine eigenen Schattenspiele ein, zB dieses:

1.12. Schatten 1

Na, was ist das? Ein Besenstiel, ein Putzlappen, eine helle Wand und eine starke Sonne – draus wird eine Eule. Doch die Augen? Wie kommen die da rein?

 

Selbstverständlich gehts auch ohne Putzlappen, wie diese beiden Wanderer verdeutlichen

Seit Platons Höhlengleichnis plagen sich die Menschen mit Fragen wie: ist die Katze aus Fleisch und Blut eigentlich nur ihr Schatten?

Dasselbe gilt natürlich auch für den Fuchs:

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Auch da fragt sich der Philosoph und seufzt: Ist es so, oder ist es vielleicht genau andersrum?

Wohl uns, wenn die Schatten schief auf die Projektionsfläche fallen: da ist dann ein Irrtum ganz ausgeschlossen.

 

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