Antike Stätte Thouria besuchen (mit Paneurhythmietanz)

Mit unserer kleinen Tanzgruppe und unserem Athener Lehrer fuhren wir heute zur antiken Stadt Thouria. Wenn gestern strahlender Himmel und Sturm herrschten, so heute mildes wattiges Licht. In der Nacht hatte es geregnet, und die Landschaft leuchtete in saftigem Grün.

Von Thouria habe ich schon einmal erzählt (hier). Dort findet ihr auch mehr und bessere Fotos, vor allem auch von den mykenischen Grabanlagen, die wir heute nicht besuchten.

Man fand die alte Stadt, die einst die bedeutendste der Region war, durch Zufall. Dort, wo einst das Asklepiosheiligtum war, steht heute ein uraltes byzantinisches Kirchlein. Beim jährlich stattfindenden Panijiri (Volksfest) zu Ehren des Heiligen wird das Gras rundum zurückgeschnitten. Einer der Besucher entdeckte unter einem Steintisch das Kapitel einer Säule und erzählte einem befreundeten Archäologen davon. Das war im Jahr 2009 und der Startschuss zum Buddeln.

Inzwischen ist der ganze Hügel aufgegraben. Zwischen den Oliven sind Mauern, Säulenglieder, Wasserrohre zum Vorschein gekommen. Die wichtigsten Teile – insbesondere das große Theater – ist mit Plastikbahnen gegen Witterung geschützt, eingezäunt und abgesperrt, das Asklepiosheiligtum zusätzlich mit Schutzdächern versehen, das Kirchlein hat ein neues Dach und einen frisch gemauerten Vorplatz erhalten… ein wunderbarer Ausflugsort, denn all dies liegt auf der Höhe eines grünen Hügelzugs mit weitem Ausblick auf die messenische Ebene.

Leider sind solche Orte schlecht zugänglich, und betreten darf man sie auch nicht. Die Archäologen haben ihre Arbeit getan, solange das Geld (übrigens vom EU-Programm ESPA) reichte, und sind dann abgezogen. Die Zäune sind mit Vorhängeschlössern gesichert, und große Tafeln verbieten das unbefugte Betreten. Ich finde das sehr schade, denn hat die bildungsbereite Menschheit kein Recht, ein wenig von der Geschichte zu erfahren, die Steine anzuschauen und zwischen den alten Mauern spazieren zu gehen? Wozu die ganze Arbeit?

Asklepiosheiligtum

Nun, wir behalfen uns für unser Tanzen mit einem Wiesenplatz neben dem abgesperrten Gelände. Auch dort gibt es überall Grabungen, und am niedrigen Gras erkennt man, dass darunter gemauerte Steine ruhen. Die ganze Stadt aber konnte man wohl nicht ausgraben.

 

 

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Paneurhythmietanzen am stürmischen Meer (Epiphanias)

Heute stürmte es sehr, und die Wellen gingen hoch. In der Nacht hatten sie viel Sand gebracht, den sie jetzt glatt leckten. Sie umspülten die Tamarisken und holten sich einmal auch meine Jacke samt Schal, die ich unter der Treppe deponiert hatte, damit der Wind sie nicht fortwehte.

Sonst tanzen wir da unten. Heute aber mussten wir mit Zement vorliebnehmen.

Durch den Lärm von Wind und Wellen die Musik zum Tanz hören, den frischen Wind im Gesicht spüren, das gleißende Meer und die Berge abwechselnd im Rundtanz sehen – all das war mir eine großes Freude. Und so fühlte ich mich trotz Übermüdung fantastisch. Heute waren auch unser Lehrer aus Athen und zwei Neue dabei. Das Familienfoto zum Abschluss durfte natürlich nicht fehlen.

Licht, Sturm und Meer wirken nun weiter in mir, und ich fühle mich wunderbar  gekräftigt.

Heute war ja der Tag der Wassersegnung. An den kirchlichen Ritualen nahm ich nicht teil. Mir reichte es, Sturm und Wellen zu erleben, die das Meer von allen Verunreinigungen des Jahres befreiten und es neu belebten.

Morgen treffen wir uns erneut zum Tanzen, diesmal in einem antiken Theater. Ich freu mich drauf.

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Kalenderblätter 5-6 (Christophs Zeichenchallenge)

Heute hat Christoph, der Ideengeber für diese Kalenderzeichnungen, zwei neue Zeichnungen veröffentlicht, und ich eile, meine ebenfalls zu posten, um mit ihm gleichzuziehen. Beide Zeichnungen handeln vom Kaffeetrinken.

Nach dem Meer vom 4. folgt die Skizze, die ich am Mittag des 5. in einem kleinen Straßencafe machte. Mein Mann besorgte derweil die Einkäufe im Supermarkt AB.

Man sieht die einfache Bar, die im unteren Teil mit einem vergrößerten bunten Foto von Toasts verkleidet ist, darüber die unbeleuchtete Präsentiertheke, wo sich ein paar undefinierbare Schachteln befinden. Auf der Abstellfläche gibt es einen Ständer mit Schokoriegeln etc, dahinter geschlossene Wandschränke und einen Feuerlöscher. Rechts geht es in einen dunklen Raum mit einem Grill für Toasts, von einer Schiebetür halb verdeckt. Die blondierte Serviererin und eine einsame Kundin saßen hinter mir an einem Tischchen, und so bleibt die Szenerie unbelebt. Ich trank einen doppelten Espresso für 2.70 E.

Heute machte ich eine etwas schlappe Zeichnung beim Morgenkaffee. Ich hatte sehr wenig geschlafen, las bis sechs Uhr morgens eine Novelle von Tschechov.

Der Eulenbecher steht auf dem runden schwarzen Metalltisch vor dem erloschenen Kamin, daneben die dicke gelbe Kerze vom Vorabend und das Brillenetui. Mein Mann hat schon am Schreibtisch Position bezogen, man sieht seinen Rücken, dahinter das Eulenfenster, das auf den hinteren Garten blickt. In der braunen Bücherschrankwand spiegelt sich schwach das Licht aus dem vorderen Garten. Fürs gründliche Kolorieren hatte ich weder Zeit noch Lust, denn ich war zum Paneurhythmietanzen am Meer verabredet.

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Frohe Weihnachten – oder Epiphanias?

Die Schaufenster in Kalamata sind immer noch weihnachtlich geschmückt, als stünde das Weihnachtsfest bevor. Aber nein, Weihnachten wird in Griechenland seit langem genau wie im Katholischen am 25. Dezember gefeiert. Am 6. Januar feiert man hier Epiphanias und die Taufe, nebenher auch die Heiligen drei Könige … , vor allem aber segnet man die Gewässer. Junge Menschen springen ins kalte Wasser und bemühen sich, ein vom Popen hineingeworfenes Kreuz herauszufischen. Früher erwarteten den Glücklichen dann allerlei Geschenke, heute ist es wohl vor allem der Ehrgeiz, der befriedigt wird. Und vielleicht bringt es ja auch Glück.

Weihnachten feiern freilich die Orthodoxen des alten Kalenders, und das sind vor allem die Russen, dazu auch die Altgläubigen hier und anderwärts. Sie richten sich nach dem Julianischen Kalender, haben die Gregorianische Kalenderreform nicht mitgemacht, deshalb.

Mit diesen witzigen Schaufensterpuppen, die ich gestern sah, wünsche ich Frohe Weihnachten allen, die heute das Fest der Feste feiern!

Весёлого Рождества! Веселого Різдва! Весела Коледа!

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Gleißendes Licht auf dem Meer

Nichts erfreut mehr, als wenn an einem düsteren Tag die Wolken aufreißen und das Meer zu einem gleißenden Spiegel wird.

Ich habe versucht, dies Aufleuchten und Verlöschen des Lichtes fotografisch festzuhalten – natürlich völlig unzureichend. Denn in Wirklichkeit ist das Licht so hell, dass es unmöglich ist hinzuschauen, ohne jedenfalls kurzzeitig zu erblinden.

Wie schnell sich diese gleißende Fläche ausbreitet!

Genauso schnell verlischt sie wieder, wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt.

 

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Erklär mir Liebe: Dionysis Savvopoulos

„Hach, Dionysis Savvopoulos!“ – rief ich gestern abend, als ich einen Blick in Richtung auf den laufenden Fernsehapparat riskierte. „Den liebe ich!“

Philippe schaute zwischen mir und dem Film im TV mit großen Augen hin und her, aber er fragte nichts. Er fragte nicht: „Wieso liebst du ihn? Was hat er, dass du ihn liebst?“ Er ließ die Musik, die Reden und die Bilder auf sich wirken, das war alles. Und ich bin froh, dass er nicht fragte. Denn was hätte ich ihm zur Antwort geben können? Was kann man überhaupt über die Liebe sagen?

Ein paar Bilder kann ich euch zeigen. Sie waren auf einer sich drehenden Trommel aufgemalt, und ich fotografierte sie vom Bildschirm ab.

Dann drehte sich die Trommel ins Nichts. Savvopoulos, der „letzte große Barde“, starb im vergangenen Oktober

Du kennst ihn nicht? Nun, du bist ja auch nicht von hier. Allerdings war er auch international bekannt. Hier kannst du ein wenig nachlesen, Fotos anschauen und links folgen, falls du mehr wissen willst.

„Alle die Lieder, die wir liebten“ ist der Titel dieses Videos, das anlässlich seines Todes veröffentlicht wurde.

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Christophs Zeichenchallenge: Kalenderblätter (1-4)

Christoph (hier) machte im vergangenen Dezember den Vorschlag, jeden Tag eine Zeichnung in einem Kalender anzufertigen, so dass am Jahresende 365 Zeichnungen wie in einem Erinnerungsbuch zusammengefasst sind. Die Idee gefiel mir. Ich kaufte sogleich einen dicken linierten Kalender in einem Format zwischen A4 und A5 (also etwas kleiner als Schreibmaschinenpapier), und am ersten Januar begann ich schüchtern mit meiner ersten Skizze. So ein Riesenprojekt schüchtert mich eben ein. Ich wollte ja den Kalender nicht gleich am Anfang versauen.

Doch dann fasste ich mir ein Herz. Nur frisch drauflos! sagte ich mir. Ich nahm meine Buntstifte und zeichnete den Kleinen Prinzen, den ich grad zum Jahresdämon erkoren hatte, als Fantasiegestalt. Am zweiten Januar machte ich einen weiten Spaziergang, dabei machte mir eine dicke Meereszwiebel mit kräftigem Blattgrün besonderen Eindruck. Am dritten Januar regnete es, und so kam der Plüschhund an die Reihe, der auf dem Schreibtisch Wache hält, und hinter ihm der kleine Prinz. Heute, am 4. Januar, war ich am recht wilden Meer, das neues Geröll an die Küste warf.

Diese vier Skizzen zeige ich heute, um im selben Rhythmus mit dem Ideengeber Christoph meine gezeichneten Kalendernotizen zu veröffentlichen.

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Wortmans Fotoprojekt: 25 Wochen – ein Objekt (1)

Wortmans Fotoprojekt: 25 Wochen – ein Objekt: An allen Sonntagen des Jahres denselben Gegenstand in verschiedenem Surrounding fotografieren? Da mache ich doch glatt wieder mit.

Ich wähle die Figur, die mich zum Jahres-Repräsentanten 2026 inspirierte: der kleine Prinz. Ein kretischer Künstler hat ihn aus verschiedenen Metallen geschaffen (sein Name ist mir leider entfallen). Ich sah das kleine Kunstwerk in einem Schaufenster und konnte nicht widerstehen.

Das Ausgangsfoto zeigt den kleinen Prinzen – wie könnte es anders sein – mit seiner Rose. Oder richtiger: gleich mit zwei Rosen, damit er eine Vergleichsmöglichkeit hat. Er behauptet zwar, dass er nur eine bestimmte Rose liebt, nämlich die, der er auf seinem Planeten beim Wunder der Entfaltung zuschaute, die er goss und mit dem Wandschirm vor dem Luftzug schützte, damit sie sich nicht erkälte…, ich aber glaube nicht an Exklusivität der Liebe, selbst wenn ich die besondere Stellung der „ersten Liebe“ gerne zugebe. Jeder Mensch entwickelt sich, geht durch verschiedene Lebensphasen, und nur in seltenen Ausnahmefällen wird die Kinderliebe zur dauernden Beziehung. Und das ist auch gut so! Denn wäre strikte Ausschließlichkeit nicht recht lieblos gegen die anderen Rosen, die ebenfalls lieben und geliebt werden wollen?

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Philippe oder Erklär mir Liebe: Eine Annäherung (plus ein wenig Impulswerkstatt)

Was hat mir Dora mit dem kleinen Prinzen Philippe, ihrem Fast-Bruder, nur für ein Ei ins Nest gelegt! Ich werde es bebrüten müssen und abwarten, was da am Ende herausschlüpft. So viel habe ich schon verstanden: Philippe = Viel-Liebe. Also geht es wohl um Liebe in all ihren Ausfaltungen und Erscheinungsformen?

„Warum fragst du ihn nicht einfach?“ fragst du mich vielleicht. Ich habe ihn gefragt, aber er antwortet ja nie auf Fragen. Er ist ein kleiner Prinz.

Ich habe ihn gefragt: „Um was für eine Art von Liebe handelt es sich eigentlich bei deiner Liebe zu der Rose? Ist es Fürsorge? Zärtlichkeit, weil sie so zart ist? Bist du einfach nur verliebt in ihre Schönheit? Bist du ihr Liebhaber oder ihr Papa oder ihr Freund? Alles zusammen? Und wieso bist du geflohen, weil sie stolz auf ihre Dornen und zuversichtlich war, dass sie damit selbst Tiger in die Flucht schlagen könnte? Magst du nur schwache hilflose Rosen und keine, die auf ihre Dornen vertrauen? Kannst du mir das bitte mal erklären?“

Er hat mich erst lange stumm von der Seite angesehen und dann gemurmelt: „Du fragst wie eine Erwachsene“.

Um von ihm Antworten zu bekommen, muss man Geduld haben. Vielleicht bekommt man nie eine Antwort, sondern muss ihn einfach in seinem Tun beobachten. Er ist halt ein Prinz.

Ich aber bin eine Bloggerin und erwachsen und sogar schon alt und habe keine Zeit, ewig zu warten. Also gehe ich vor, wie es unsereins halt tut: philologisch (wörtlich: „den Logos liebend“)

Im Deutschen gibt es die LIEBE – und basta.  Dazu kommen die abgeleiteten Verben  lieben und verlieben.

Im Griechischen ist die LIEBE vierfältig, man benennt sie je nachdem als: ΕΡΟΤΑΣ  / ΦΙΛΙΑ / ΣΤΟΡΓΗ / ΑΓΑΠΗ, dazu kommen die Verben  αγαπώ (lieben), ερωτεύομαι (verlieben).

‚ΕΡΟΤΑΣ (Erotas) ist göttlich, schlägt wie der Blitz ein und entzündet möglichst gleichzeitig zwei Menschen, die sich dann heftig zueinander gezogen fühlen. Erotas hat unbedingt eine körperliche Komponente, ist ein Streben, das sich in der Berührung und schließlich Vereinigung von zwei Körpern erfüllt. Davon abgeleitet ist das Verb ερωτεύομαι  (erotevome) – verlieben.

Vielleicht bereitete sich auch die Rose darauf vor, diese göttliche Kraft durch ihre Schönheit wirken zu lassen?

„Der kleine Prinz spürte, während er die Entwicklung einer riesigen Knospe beobachtete, dass eine wunderbare Erscheinung aus ihr hervorgehen müsse….“ 

ΕΡΟΤΑΣ

ΦΙΛΙΑ (Philia) ist die Liebe zwischen Freunden. Davon abgeleitet ist das Verb φιλώ (filo) – küssen. Es handelt sich um eine interessenfreie Liebes-Beziehung, charakterisiert von gegenseitigem Vertrauen, Ehrlichkeit und Unterstützung, in der Regel zwischen gleichgeschlechtlichen, nichtverwandten Personen bzw Lebewesen, zB zwischen dem kleinen Prinzen und dem Fuchs.

«Man versteht nur die Dinge, die man zähmt», sagte der Fuchs. «Die Menschen haben keine Zeit mehr, um etwas kennen zu lernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Da es aber keine Läden für Freunde gibt, haben die Menschen keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, dann zähme mich!»

Auch zwischen Saint-Exupery und dem kleinen Prinzen entstand diese Philia:  „Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst mit mir lachen. Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen, einfach so, zum Vergnügen … 

ΦΙΛΙΑ

Mit der Rose aber ist es etwas anderes. Der Prinz und die Rose sind keine Freunde. Was aber? Da bin ich auch schon bei einer Rätselfrage. Denn wie sagt der Prinz? «Man sollte den Blumen nie zuhören. Wir müssen sie betrachten und ihren Duft einatmen. Meine Blume erfüllte meinen ganzen Planeten mit ihrem Duft, aber ich wurde nicht glücklich darüber. Diese Geschichte von den Krallen, die mich so sehr reizte, hätte mich mehr berühren sollen …»

ΣΤΟΡΓΗ (Storji) ist die zärtliche, fürsorgliche und hingebende Liebe von Vater und Mutter, auch von Großeltern zu ihren Kindern und Enkeln oder auch zu anderen schutzbedürftigen Wesen, wie zum Beispiel einer Rose.

«Weißt du … meine Blume … Ich bin für sie verantwortlich! Und sie ist so schwach! Und sie ist so einfältig. Sie hat vier Dornen, die sie nicht gegen die Welt schützen können …»  (Der kleine Prinz, S.37)

ΣΤΟΡΓΗ

Agape ist die göttliche Liebeskraft, die die Welt durchwaltet und an der alle Lebewesen jeglicher Gestalt teilhaben. Fühlen kann sie, wer sein Herz dafür öffnet. Dieses rote blutdurchströmte Organ ist es, das die göttliche Liebeskraft am deutlichsten wahrnehmen kann. Das ist auch der Grund, warum es stimmt: „Nur mit dem Herzen sieht man gut“.

ΑΓΑΠΗ

Agape ist der Lebenshauch, der das kalte All zum Leben erweckt und es am Leben erhält. Liebe Myriade, diesen Satz habe ich geschrieben, um damit auch die Impulswerkstatt und das Mosaik-Wort „Kälte“ in meine Überlegungen einzuschließen. Ich schaue hinaus ins Weltall und erschauere vor der Eiseskälte des leeren Raums und der toten Materie. Dann betrachte ich eine Blume und empfinde sogleich die Wärme der Liebe und des Lebens. Sowie ich diese Wärme spüre, belebt sich mir auch das All. Nun werden auch die toten Sterne lebendig, ihr Pulsieren ist nun wie Atem und ihr Funkeln wie Lächeln, Gesang und Glockengeläut. Oder, mit den Worten Saint-Exuperys: „Schaut den Himmel an. Fragt euch: Hat das Schaf die Blume gefressen oder nicht? Ja oder nein? Und ihr werdet sehen, wie sich alles verwandelt…“

Auf Agape berufen sich alle wahrhaft Liebenden, wenn sie flüstern: „Ich liebe dich“. Da spüren sie diesen warmen Strom in sich wie etwas Heiliges. Sie scheuen sich fast, es zu sagen, zu groß ist das Wort, zu heiß und heftig die Bewegung im Herzen. Und die Angesprochenen können aus diesen geflüsterten Worten, aus diesem „ich-liebe-dich“ die ganze himmlische Seligkeit empfangen.

Doch warum ist es dem kleinen Prinzen so wichtig zu betonen, dass diese seine Rose einzigartig und ganz anders als alle anderen ist?

Das ist eine zweite Rätselfrage…

Wenn jemand eine Blume liebt, die es nur ein einziges Mal gibt auf all den Millionen und Millionen Sternen, dann macht es ihn glücklich, nur wenn er sie ansieht… 

Und als er auf den Rosengarten stößt, verzweifelt er:  «Ich dachte, ich wäre reich mit einer einzigen Blume, doch ich habe nur eine gewöhnliche Rose. Sie und meine drei Vulkane, die mir kaum bis zu meinem Knie reichen, von denen einer vielleicht für
immer erloschen ist, das macht aus mir keinen großen Fürsten …» Er legte sich ins Gras und weinte.

Ist Liebe denn ausschließlich und ausschließend? Ist der-die-das Geliebte nicht mehr als eine Zierat, ein Plus an Bedeutung? Vielleicht gar ein Besitz?

Rätsel über Rätsel.

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Erklär mir Liebe! Philipp oder Vom Auffinden des Jahresthemas 2026

In der Silvesternacht –  die  Feuerwerke über Kalamata waren  verlöscht und Mann und Besucher hatten sich schlafen gelegt – blieb ich noch auf, um nachzudenken. Mir fehlte eine zündende Idee, ein Leitgedanke, eine Figur vielleicht,  fürs gerade geborene Jahr.

Die Idee einer Jahres-Leitfigur kam mir 2021, und so wurde Willi geboren. Sein Name verwies auf das Thema der Jahres: Wille, Wollen, Willensstärke. Willi wuchs und wandelte sich, wurde jeden Tag drei Monate älter und wäre am Jahresende 100 gewesen.  Doch er – bzw sie, denn Willi war nun zu Willie geworden – verschwand im August irgendwo in den Tiefen Afrikas, vermutlich in der Sahelzone… Wollen ist wichtig, es gibt dem Handeln eine Richtung. Aber wenn die Umstände dem Wollen entgegenstehen – nützt es etwas, sich den Kopf einzurennen? Nein. Vor allem aber: Macht es glücklich?Hier siehst du Willi am 3.1.2021 als Dreimontagkind.

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Im nächsten Jahr, 2022, sprang Dora* voller Übermut und Witz ins offene Tor des Jahres. Das Thema des Jahres war, wie ihr Name („Geschenke“) sagt: lass dich vom Leben beschenken, nimm das Leben mit Freuden an, empfange!

2023 ließ ich eine ganze Theatertruppe aufmarschieren und ein „kleines Welttheater“ aufführen. Die Figuren hattet ihr, liebe Mitlesende, in eine Prioritätenliste gebracht. Die erste Rolle fiel der blinden Dichterin Domna zu, die zweite der Dame Diaphania, sprich: Transparenz. Hier seht ihr sie im Abschlussbild des Jahres 2023.

2024 rief ich in meiner Verzweiflung – denn ich fand kein Thema – Dora an, die inzwischen längst in anderen Welten ihr Wesen trieb. Denn Transparenz ist zwar ein wichtiges Thema – aber wird man damit glücklich? Hier der Text vom 1. Januar 2024:

Dora, hilf! Auf der Suche nach einer Idee.

Lamento (ich)

Das Neue Jahr hat zwar erst grade angefangen

Doch habe ich bereits begonnen sehr zu bangen.

Warum? Die Dora fehlt, um mir, wie sonst geschehen,

beim Finden von Geschichten beizustehen.

Mir fällt nichts ein! Und niemand gibt mir Tipps.

Soll ich denn ganz allein jetzt quälen meinen Grips?

Lass dir mal Zeit, so rät der liebe Jürgen mir

Der hat gut reden, denn er kennt ja sein Revier.

Ich aber nicht! Soll ich den dunklen schweren Dingen

mit denen heutzutage viele Menschen ringen

mich ernsthaft widmen und sie transparent beschreiben?

Nein, lieber nicht! es würde mich zum Wahnsinn treiben.

Ich liebe es viel mehr, den schönen Schein zu wahren

Die Transparenz ist herrlich, wenn im Meer, dem klaren,

die Steine dir vom Grunde weiß entgegenfunkeln.

Doch manche Dinge bleiben besser ganz im Dunkeln.

Die Wahrheit ist nur schön, wenn schön ist, was sie zeigt.

In vielen Fällen ist man gut beraten, wenn man schweigt.

Wie wärs mit Katzen? wie mit Blumen, Bäumen?

Wie wärs mit Wetter, wie mit Träumen?

Mit Einkaufsbummeln, Essen und Berichten

von Kummer, Freuden, Alltagspflichten?

Wie wärs mit Reisen, Künsten und Genuss?

mit Unglück, Trauer und Verdruss?

Gewiss, die Themen sind ja alle noch vorhanden!

wenngleich inzwischen schon ein bisschen abgestanden.

Ich tät gern wirklich Neues, Ungesagtes mir ausdenken

und nicht auf Altbekanntes oft Gesagtes mich beschränken.

Was soll ich tun,

ich armes Huhn!

Mir fällt so gar nichts ein, ist alles schon gesagt.

Ich hätte allzu gern die Dora mal gefragt.

Aus dem Off (Dora)

Was ist denn das für ein Gejammer!

Grad wie aus einer Folterkammer!

Wo fehlt es, Frau, was hast du bloß!

Seit wann bist du denn einfallslos?

Nimm doch zur Hand ein Stück Papier

Komm her zu mir, ich reich es dir,

reiß es in viele Stücke nun

und schon hast du genug zu tun.

Du kannst, du weißt es, Welten bauen

mit dummen Menschen und mit schlauen

kannst Flügel geben den Kaninchen

und Flossen auch den Honigbienchen.

Was geht dich an die Wirklichkeit!

Was wichtig ist, ist Heiterkeit.

Ich

Lass sehn, gib her mir das Papier

wer weiß, vielleicht, gefällt es mir,

vielleicht kommt meine Fantasie zurück

und mir fällt ein ein neues Schelmenstück…

Doch was für eins? wie sollen die Figuren sein?

Dora

Egal, machs wie du willst, ich lass dich jetzt allein.

Ich

Ich weiß nicht recht, denn ist das wirklich neu?

Und reicht es aus, dass es den Mensch erfreu?

Ich schau mal, was ich schon an Typen habe,

wenn ich ein bisschen im Archive grabe.

Jetzt erstmal zehn, und morgen seh ich weiter.

Vielleicht bin ich bis dann auch schon gescheiter.

Ich bat euch, liebe Mitlesende, erneut um Hilfe, um eine von mehreren vorgeschlagenen  Figuren zur Jahresrepräsentantin zu machen. Eure Wahl fiel auf Diaphania/Transparenz (hier). 

Im Jahr 2025 hatte ich keine Leitfigur, dafür aber die Raunächte und Tarotkarten, die mir monatliche Themen vorgaben.

Nun aber, zu Silvester 2025/6, stand ich erneut auf dem Schlauch. Tarotkarten hatte ich gezogen, aber mir gefiel die Idee nicht, das Schema von 2025 zu wiederholen. Etwas Neues brauchte ich. Doch was? Woher einen Einfall nehmen? Und ich seufzte:

„Wo bist du, süße Dora? Braucht unsereins etwa keine Geschenke mehr?“

Da hörte ich ihr geliebtes Stimmchen ganz nah an meinem Ohr.

„Ich hab dir doch ein Geschenk geschickt!“

Offenbar hatte sich beim Jahreswechsel ein Spalt im Zeitenlauf aufgetan und sie war, wenngleich unsichtbar, hindurchgeschlüpft. Wie freute ich mich!

„Du hast ein Geschenk für mich, kleine Dora?“ fragte ich verzückt in die Nacht hinein. „Ja, ja, den Philipp“, krähte sie vergnügt. „Der ist fast mein Bruder!“„Wen?“ fragte ich begriffsstutzig. „Philipp„, kam die Antwort, es klang ganz weich und mit gelängtem ii, wie Fielliebe. „Und wo ist er?“ – „Den musst du schon selbst finden„, kam die schnippische Antwort. „Schau dich mal um! Er ist ja schon bei dir und will das ganze Jahr bei dir bleiben, damit ihr zusammen Spaß habt. Ich versorge solange seine Rose und seine Vulkane, das macht mir nichts aus.

Vulkane? Rose? Der kleine Prinz! Ein Fast-Bruder von Dora? „Na klar, sieht man doch!“ „Und er heißt Philipp?“ fragte ich erstaunt. „Genau! Vielliebe„.

Mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Die Ähnlichkeit mit Dora war ja unverkennbar. Ich hatte das Geschenk gesehen, aber zwischen all dem Krimskrams fast vergessen.

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Da stand er ein wenig schüchtern, mit hängenden Armen und glänzte still vor sich hin.  „Philipp, verzeih!“ murmelte ich beschämt. „Ich habe mich so an Dora gewöhnt. Ihr seht euch ja sehr ähnlich, aber ….“ Mehr fiel mir nicht zu sagen ein. Und er schaute mit blassem Gesicht vor sich hin, ohne zu antworten.

Nun, es wird schon werden. Wir müssen uns nur erst kennenlernen, müssen Zeit miteinander verbringen. Philipp heißt er, und es klingt wie Viel-Liebe.

Ja, ein Liebender der besonderen Art ist der kleine Prinz. Er liebt eine Rose und ist bereit zu sterben, um zu ihr zu kommen. Denn, so meint er, sie sei so zerbrechlich und habe seine Fürsorge nötig.

Alle Menschen lieben, jeder auf seine Art. Und das ist also das Jahresthema: Viel Liebe. Schwierig. Anspruchsvoll und spannend. Was ist Liebe? Wie liebt der Schildkrötenmann (siehe hier), wie lieben der Pfau und die Taube, der Käfer und der Skorpion? Wie liebe ich und wie liebst du? Ja, was ist Liebe? Und wieviele Arten von Liebe gibt es? So viele wie fühlende Herzen? Oder sogar noch viel mehr?

Ich bin gespannt, was sich daraus ergibt. Und wenn ihr Lust habt, schreibt doch im Laufe des Jahres auch etwas dazu:

„Viel-Liebe“ ist das Thema des Jahres.

Ingeborg Bachmann

Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube schlägt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn …
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

© Piper Verlag GmbH, München 1978
Aus: Anrufung des Großen Bären 1956.

 

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*Anmerkung für neuere Mitleser: Der Name des Jahres 2022 war Dora (ΔΩΡΑ).  Dora ist griechisch. Es ist nicht nur ein schöner Frauenname, sondern hat auch eine schöne Bedeutung, nämlich „Geschenke, Gaben“. Als Name ist es eine Abkürzung von Theodora (Gottesgeschenk), männlich auch als Theodor, oder auch in umgekehrter Reihenfolge Dorothea (Geschenkgöttin).

Und da kommt nun das neue Jahr heraufgezogen und verkündet: „Ich heiße Dora. Hör auf zu wollen; empfange!“ Als ich das hörte, zog eine Seligkeit in mich ein. Wie schön! Alles wird sich von selbst schön richten. Ich muss nicht mehr wollen und mir den Kopf einrennen, ich darf empfangen. Ein Jahr des Segens. Aber schon kamen Zweifel auf: Geschenke – ist das nicht auch ein zweischneidiges Schwert? Ich bekomme zwar gern Geschenke, aber einfach so, unbesehen, in Empfang nehmen, was kommt? Was steckt im wohlverschnürten Päckchen drin?  Wenn mir das Geschenk nicht zusagt – kann ich es zurückgeben? Und grundsätzlich: Ist Empfangen nicht entsetzlich passiv? Ich mag die Kontrolle über mein Leben und seine Umstände nicht an ein unbekanntes Wesen abgeben…. (So schrieb ich damals)

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