Vom Liebesleben der Schildkröten und anderen ihnen zustoßenden Begebenheiten (Impulswerkstatt, Bild 1)

Schildkröten haben schon was. Wenn ich ihnen begegne – was gelegentlich im Stadtwald Syngrou, auf einer Landstraße in Arkadien oder auch im antiken Friedhof von Athen vorkommt -, ist mein Tag gemacht. Manchmal werde ich erst durch das aufgeregte Klacken, mit dem der Schildkrötenmann den Panzer der begehrten Madame anstößt, auf sie aufmerksam. Diese und andere hier im Blog berichtete Schildkröten-Begebnisse will ich, schön bebildert und manchmal auch gereimt, für deine neu gestartete Impulswerkstatt zusammenstellen, liebe Myriade.

Die Liebe der Schildkröten: Schildkröter besteigt Schildkröte, damit ihrer viele werden.

Eine abc-etüde erzählt von der Werbung eines verliebten Schildkröters, die weniger erfolgreich verlief.

„Was willstu, schwarzer Schabernack?
Glaubst du mit deinem Klick und Klack
Mit Stoßen und mit Rumparlieren
Ne Schildkrötdame zu verführen?
Ein armer schwarzer Strolch wie du
lässt Damen besser ganz in Ruh.“

„Ach so, du willst nicht? Besser so
Mit deinem breiten Panzerpo
Mit deiner alten Rumpelnas
Die vorne mal, mal hinten saß
Was soll ein Kavalier wie ich
Sich mühn und jammern gar um dich!

Mir sind die jungen Weiber recht
Die zieren sich zwar auch nicht schlecht,
doch wenn sie sich dann doch ergeben
und ihren hübschen Po erheben
dann bin ich Strolch, wie du mich nennst
weit besser als was du so kennst!“

Die Dame hörts mit halbem Ohr
Wie kam der Wicht ihr albern vor!
Kannt sie der Liebe schöne Seiten
doch länger als der Strolch, beiweitem.
Kam nur der Rechte durch das Gras,
dann hätte sie schon ihren Spaß.

Dem schwarze Elfer blieb die Flucht
Die mancher Abgewiesne sucht,
wenn die, die er erobern wollte
sich ungerührt vondannen trollte.
Ich schau euch nach mit heiterm Blick
Und wünsch euch beiden Liebesglück.

Ebenfalls im Rahmen von Christianes abc-etüden entstand folgendes Lehrgedicht über die Erfindung der Lyra durch den neugeborenen Hermes  (Ausschnitt, hier)

 

Alsdann fühlt er Lust auf fröhliche Weisen, gespielt auf der Lyra.

Doch freilich die Lyra ist damals noch gar nicht erfunden.

Klein Hermes erkennt gleich die Lösung, als eine Schildkröte den Weg kreuzt.

„Komm her, ich brauch deinen Panzer, die Lyra zu bauen“, so spricht er.

Die Schildkröte fleht: „Ach lass mich am Leben, du göttlicher Knabe

Ich möchte noch hundert Jahre und mehr am grünenden Gras mich erquicken.“

Doch Merkur hat Eile, er tötet die Arme und nimmt sich den Panzer

Drauf spannt er die Sehnen des Rinds und fertig ist schon die Leier.

Dora und bemalter Schildkrötenpanzer (Werk von Karen)

Es gibt so Stunden, da ist es, als wollten die Dinge zu dir reden. Alles wird dir Stimme und Zeichen. Dein Herz bebt, deine Ohren lauschen. Du zählst die Markierungen auf dem Panzer der Schildkröte, die deinen Weg kreuzt, nass ist ihr Schild und dunkel. Eins zwei drei vier – fünf? – vier drei zwei eins, und in der Mitte andere Zeichen, eins zwei drei vier – fünf? Du zählst – schon wandert sie fort. 

In der Vorweihnachtszeit beglückte mich eine Schildkröte, wie ihr vielleicht noch erinnert. Auch diese Begebenheit habe ich in einer abc-etüde präsentiert:

Verzauberte Nacht

Am Himmel leuchten hell die Sterne.

Am Horizont ganz in der Ferne

Erstrahlt das Licht vom Weihnachtsbaum.

Die Tiere dünkts, es wär ein Traum.

*

Sie ham sich auf den Weg gemacht

In dieser kalten Winternacht`

Sie wollen hin zum Lichte gehn

Und dieses Licht von Nahem sehn.

*

Die Schildkröt überholt den Hasen

Weil der fand schnell noch was zum Grasen

Die Biene summt, das Füchslein schleicht

Das Krokodil kommt auch vielleicht

*

Hat Zähne scharf wie Messer

Ist ein berühmter Fresser

Doch heute Nacht ist es ganz friedlich

Und findet selbst den Hasen niedlich

*

Man scherzt und lacht

Heut Nacht.

Unterwegs: Natürlich gibt es im Zaun ein Loch, groß genug, um hindurchzusteigen, und auch einen Trampelpfad, der von hier aus ins Waldgelände hinunterführt. Ein Raubvogel kreist darüber, später sehe ich einen zweiten. Unterwegs treffen wir eine Schildkröte, die haarscharf am menschlichen Schuh vorbeimarschiert auf ein uns nicht bekanntes Ziel zu.

In Arkadien mit dem Auto unterwegs (hier):

Jetzt aber bin ich allein mit den riesigen feierlichen Tannen, die ihre hellgrünen Triebe wie Lichter aufgesetzt haben. Meine Augen trinken das Grün, und wenn ich anhalte, verliert sich das Dröhnen in den Ohren und ich höre eine fast absolute Stille, durchzogen nur vom Gesang der Vögel. Zwei Schildkröten klaube ich vom Alphalt und trage sie ins Grüne, denn hier gibt es zwar keinen Verkehr – aber sicher ist sicher.

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Im antiken Friedhof von Athen (Oktober 2018): Und am Fluss Eridanos, das jetzt nur ein schwaches Bächlein ist, wanderten schön gemusterte Schildkröten ihres Wegs.

Ob es zutrifft, dass der Kater, der Magier, auch Schildkröten zum Tanzen bringen kann?

Auf Bällen balanzieren

Vögel domestizieren

Pappfigurinen beleben

so dass sie das Tanzbein heben

Schildkröte tanzt und Delphin

leichtes Kunststück für ihn!

Nach seinem Takt und Peitschenknall

jongliert man auch den Nasenball.

O werter Herr Kater, wo lern ich die Kunst

und gewinne knallend des Publikums Gunst?

So hörte ich manchen Politiker fragen

in alten und in neueren Tagen.

Wie sind Schildkröten überhaupt entstanden? Davon erzählte ich in einer Geschichte, die vom Planeten der Reptilien handelt (hier). Als nämlich Adam und Eva aus dem Paradiesgarten vertrieben waren, blieb die Schlange zurück….

Die Schlange paarte sich mit einer anderen, und ein Haufen Junge krochen aus dem Ei, die Jungen kriegten noch mehr Junge, es wurden immer mehr. Es wurden einfach zu viele. In ihrer Not erfuhren sie vom Darwinschen Gesetz, und so entschlossen sich einige zur Mutation, wurden Krokodile, Eidechsen, Geckos, Leguane, Schildkröten, ja einige entschlossen sich sogar, sich Flügel wachsen zu lassen und das unwirtlich gewordene Paradies zu verlassen….

Planet der Reptilien, Legebild, digital bearbeitet

War’s so? Oder war es anders? In dem in Russland sehr populären Märchen vom „Burattino“- einer Abwandlung des lügenhaften Pinocchio – ist es eine Schildkröte, die dem Helden das Mittel zur Freiheit gibt:

Der russische Schriftsteller Alexei Nikolajewitsch Graf Tolstoi (1882-1945) hat den Stoff 1936 aufgegriffen, aber den kleinen Kerl ganz anders interpretiert. Und ich muss sagen: diese Geschichte gefällt mir noch viel besser als das Original. Denn Pinocchio hat seine lange Nase gar nicht durchs Lügen, sondern durch einen Schnitzfehler des „Papas“ erhalten. Und am Ende seiner Abenteuer erhält er von der Schildkröte den verloren gegangenen goldenen Schlüssel zu einer geheimen Tür, die den Raum zu einer freien Puppenbühne öffnet, die nicht unter der tyrannischen Gewalt des Oberpuppenspielers Karabas Barabas steht und ihm und seinen Freunden ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung ermöglicht.

Was macht die Faszination der Schildkröten aus? Eine Skulptur des italienischen Künstlers Novello Finotti gibt eine mögliche Antwort:

 

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Jahresbeginn-Meeresspaziergang mit Sonnenuntergang

Mein ritueller Meeresspaziergang am 1. Januar fand erst am späten Nachmittag statt, denn am Vormittag machte ich mit meinen Besuchern (mein Neffe aus Deutschland und seine Frau kamen gestern zu Besuch) eine große Wanderung den Berg hinauf, während mein Mann derweil für uns ein Festmahl zubereitete.

Als wir uns vom Mahl erhoben, war es bereits fünf und Zeit, an die Sandovabucht zu eilen, um der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Sie gestaltete es auch heute zu einem prächtigen Spektakel, und ich fotografierte eifrig. Ein paar Bilder mögen euch erfreuen und davon überzeugen, dass dieses Jahr das Zeug dazu hat, eines der schönsten zu werden.

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Jahresende-Rundspaziergang mit Baustellen

Ein wenig Ritual ist jedem Menschen ein Bedürfnis. Da ich mir aus den allgemeinen Silvester-Baller- und Trinkvergnügen ebenso wenig mache wie aus dem weihnachtlichen o Tannebaum, habe ich meine eigenen kleinen Rituale ausgebildet. Eines davon ist der „letzte Spaziergang“ des Jahres, ein anderes „der erste Spaziergang des Jahres“. Der erste ist eine Art Inspektion und Bestandsaufnahme und geht bergauf, um einen Rundumblick zu gewinnen, der zweite wird morgen ans Meer gehen, um das Neue Jahr zu begrüßen.

Ich wanderte also am späten Vormittag unsere Straße bis zum Bergdorf Megali Mantinia (Groß-Mantinia) hinauf, nahm dort einem Höhenpfad über die Oliventerrassen, um auf einer anderen Straße hinunter nach Akrogiali („Glänzende Küste“) ans Meer und von dort auf der Küstenstraße zu unserem Dorf Paliohora (Altes Land) und auf einem steinigen steilen Pfad hinauf zu unserem Haus zu wandern. Das sind, wie mir der Schrittzähler verriet, 5,3 km und 9 „Treppen“.

Unterwegs hatte ich Gelegenheit, die Baustellen zu registieren. Für mich sind solche Baustellen ja eher traurige Anblicke, nicht aber für die Bauherren, die zwar auch Ärger genug haben, doch ebenso große Hoffnungen damit verbinden. Und so sind sie ein gutes Beispiel, über die Ambivalenz von Hoffnung zu meditieren. Wer hofft – und worauf?

Hier eine Bildersammlung von Baustellen, die ich gestern und heute fotografiert habe. Am 31.12.2026 kann ich, sofern ich hier und überhaupt lebe, den Stand der Dinge vergleichen.

So mancher Bauherr hat sich verkalkuliert. Tod, Krankheit, fehlende Finanzierung führen dazu, dass sie ihr Projekt halbfertig aufgeben.

Viele Häuser in den Dörfern haben „Ananmones“ (die Erwartenden) – das sind aus dem Zement herausragende Eisenstifte, die darauf warten, dass der nächste Stock draufgebaut wird. So, „in Erwartung“, bleiben die Bauten oft ein Leben lang, und was von Ferne durchaus hübsch aussieht, ist von Nahem oft ein architektonischer Alptraum, wie jeder Griechenlandreisende weiß.

Akrogiali

Am Rand der Küstenstraße fand ich ein paar blaue wilde Iris und die ersten roten Anemonen (nicht zu verwechseln mit den soeben erwähnten Anamones). Ein wenig kümmerlich sind sie freilich noch. Dass neue Jahr möge uns viele bunte Blumen bringen, um unser Herz zu erfreuen!

3. Januar 2020

5. März 2017

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Impulswerkstatt: Weintrauben

Das Jahr und mit ihm die Impulswerkstatt November-Dezember 2025 sind fast vorbei, und ich habe deinen Weintrauben- „Impuls“ noch gar nicht genutzt, liebe Myriade. Das fiel mir eben ein, als ich das Lesegerät, mit dessen Hilfe ich (zum dritten Mal) die „Brüder Karamasow“ lese, ausschaltete. Warum gerade da?

Die Erzählung war bei Aljoschas Erleuchtung angekommen, als er am Sarg seines geliebten Staroz einschlief und ihm dabei die „Hochzeit von Kanaa“ ins Ohr und in den Geist drang. Die Verwandlung von Wasser in Wein, damit die Hochzeitsgesellschaft nicht ohne einen guten Tropfen auseinanderginge, war das erste Wunder, das Jesus vollbrachte. Bei Aljoscha bewirkte es das Wunder, dass seine Trauer und Trübsal sich in Entzücken und helle Freude verwandelten und er das Kloster verließ.

Da dachte ich an dein Foto.

Bei dem Bild geht es freilich nicht um Wein, sondern um Weintrauben in unvergorenem Zustand und nicht um Entzückung und Außer-sich-Sein (Ekstase). Auch bei mir fehlt die geistige Zündung, und ich schaue im Archiv nach, was ich über Weintrauben vielleicht schon gesagt und gezeigt habe. Ein paar schrumpelige Trauben werden sich für eine Spätlese doch wohl finden lassen?

Als erstes stieß ich auf eine Notiz aus dem Jahre 2022:

Zu Dora sage ich: „Wo du schon mal da oben bist, sei doch so lieb und bring ein paar Trauben mit runter, ja? Die Wespen liegen schon auf der Lauer, wir müssen ihnen zuvorkommen, wenn wir Trauben ernten wollen.“

Sonnengereifte Weintrauben hinterm Haus (24. August 2020):

Gelb im Blau: „die letzten Trauben“ vom 10. September 2018.

Blau im Gelb: Diese Weintrauben fand ich im September 2020 im verwilderten Lehr-Rebenfeld des Stadtwalds Syngrou in Maroussi. Kaum noch lesbare Schildchen geben Auskunft, um welche Rebsorte es sich jeweils handelt.

Gezeichnet habe ich Weintrauben auch, zB im August 2019: Zum Nachtisch gab es sehr wohlschmeckende Weintrauben: dunkelblau, mit praller Haut. Was ich nicht sogleich aufaß, zeichnete ich zusammen mit meiner rechten Hand.

Blindgezeichnet:

Mit Filzstift

Durchgepauste und durchscheinende Originalzeichnung, leicht verschoben und farbverstärkt

 

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Die ganze Serie gibt es hier zu sehen.

 

Von der Weintraube zum Weinblatt: Farbexplosion.

Dies ist eine Bearbeitung deines Impulsfotos vom Oktober 2022, liebe Myriade. Ich schrieb dazu:

Ein tiefrotes Weinblatt nahm den Impuls auf, verschmolz mit dem rot-orange-blauen Grund. Mir scheint, etwa so lassen sich die Kräfte, die im abgefallenen Weinblatt wirken, sichtbar machen: sie strahlen hinaus ins Weltall, während die physische Gestalt welkt und schrumpft.

So strahlt auch das vergehende Jahr ins Weltall hinaus. O weh! Haben wir Menschen es gut gemacht?

Nun, wie auch immer. Ich hebe heiter mein Glas und begrüße das neue Jahr: Prosit! Es möge nützen.

Prost Neujahr

 

 

 

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Rund um Weihnachten: Ein Gänseblümchen kommt selten allein

Bei meinem heutigen Spaziergang erfreute mich vieles: der Raubvogel im Himmelsblau, die Hühner mit dem stolzen Hahn im schattigen Gehege, der grauweiße wildernde Kater, der mich stumm aus der Ferne betrachtete, die zwitschernen Vögel im Gebüsch, die Bienen und das Pfauenauge am gelb blühenden Hang, das Werkzeug der Olivenernter schön aufgereiht am Wegesrand … und eben auch die Gänseblümchen, die die grünen Hänge unter den Oliven überzogen haben und auch auf den Feldwegen gedeihen, als wären sie Schneeflocken.

Angesichts dieser paradiesischen Landschaft kann es natürlich auch nicht an Baustellen fehlen. Seit es wirtschaftlich wieder aufwärts geht im Lande, sprießen sie hervor fast wie die Gänseblümchen. Besonders die hochliegenden Stellen mit Weitsicht sind begehrt.

Ein Gutes haben die Baustellen: sie geben Gelegenheit, interessante Lehmstrukturen zu beobachten.

Dies ist mein heutiger Beitrag zu Jurickas „Rund um Weihnachten„-Challenge.

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Rund um Weihnachten: und noch ein letztes Portrait

Noch ein Portrait konnte ich heute malen, bevor mein Sohn die Heimreise nach Berlin antrat. Diesmal saß er vor einem meiner Bilder mit zwei Frauen Modell.

Ich freue mich sehr, dass ich in diesen wenigen Tagen seines Besuchs wieder ins Malen kam. Die Ernte ist ganz beachtlich, und ich bin hoch motiviert, weiter zu malen. Doch nun sind erst mal alle noch vorhandenen Leinwände verbraucht und neue nicht so leicht aufzutreiben.

Die zwei letzten Bilder sind stilistisch eine Neuerfindung. Ich hatte Salz in die Farbpigmente gemischt, was dazu führte, dass sie sich schwer mit dem Pinsel auftragen ließen und ich teils mit den Fingerkuppen zum Auftragen der Farbe, teils mit einem Tuch zum Abtragen arbeitete. Ich finde die Ergebnisse spannend.

 

Nun ist Weihnachten für mich vorbei, Neujahr darf kommen.

Dies ist mein heutiger Beitrag zu Jurickas „Rund um Weihnachten„.

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Rund um Weihnachten: Portraitstudien

Eine der Wohltaten dieser Weihnachtstage war das Zusammensein mit meinem Sohn. Etwa anderthalb Stunden verbrachten wir täglich im Atelier. Ich versuchte, ihn zu portraitieren, während wir ein paar Kapitel von Tolstois „Krieg und Frieden“, vorgetragen von einem guten Sprecher, anhörten. Es ist bisher das einzige Mal, dass ich ein Hörbuch wirklich genoss.

Ähnlichkeit mit dem Modell ist mir nur andeutungsweise gelungen. Aber das stört mich weiter nicht. Denn die Freude am Experimentieren ist wieder da. Seit sehr langer Zeit nahm ich wieder Pinsel und Farben zur Hand und probierte mehrere Techniken und Stile aus.

Die ersten Zeichnungen machte ich mit Kohle auf großem Zeichenkarton, die eine über die andere.

Dann versuchte ich es mit Akryllfarben aus der Tube, mit denen ich nicht vertraut bin, wechselte aber bald frustriert zu meinen gewohnten Farben – Pigmente und Kleister.

erster Versuch in Farbe:  Akryll, Pigmente, Kleister auf Leinwand

zweiter Anlauf in Pulverfarben und Kleister auf Leinwand

Dritter Anlauf in Pulverfarben und Kleister auf Leinwand

Vierter Anlauf in Pulverfarben, Kleister und Salz

Das letzte ist mein liebstes. Es ist gutgelaunt und voller Witz. Gerne würde ich weiter experimentieren, aber die Zeit ist abgelaufen. Morgen fahren wir nach Athen, damit er den Flieger zurück nach Berlin nimmt.

Dies ist ein Beitrag zu Jurickas Blog-challenge „Rund um Weihnachten

 

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Rund um Weihnachten mit Juricka: Krippe, Kerze und Ikonen (Geburt und Tod)

Immer noch befinden wir uns im Umkreis des Weihnachtsfestes. Gestern entdeckte ich vor einer Kirche eine regelrechte Krippe mit Mama, Papa und Kindlein, mit Lämmlein, Kamel und drei Königen. Es gab weder Engel noch Hirten. Insofern stimmt die Darstellung mit keiner der beiden Erzählungen der Evangelien überein. Denn dort gibt es entweder eine Szene im Stall mit Krippe, Engeln, Hirten und Tieren oder eine andere im Haus mit Weisen bzw Königen, die ihre Gaben darbringen, während die Tierwelt nicht durch Lämmer, sondern durch die Reittiere der Besucher repräsentiert wird.

Gut gefällt mir, dass Joseph ein junger Mann mit feinen Gesichtszügen und kein ehrwürdiger Greis ist und insofern mit seinem angetrauten Weib Maria ein durchaus passendes Paar bildet.

Über dem Ganzen gibt es eine Inschrift auf Kirchengriechisch. übersetzt etwa: „Ruhm sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden, den Menschen zum Wohlgefallen.“

Ich ging in die dunkle stille Kirche hinein, um eine Kerze anzuzünden für einen sehr lieben und wichtigen Menschen. Die Nachricht hatte mich am Morgen erreicht und ziemlich erschüttert: Die Vorsitzendes des Vereins der Behinderten war am Tag zuvor, also am Weihnachtstag gestorben. Genau einen Monat zuvor, am 25. November, hatte ich sie getroffen, es war ihr Namenstag, und ich freute mich, ihr einen Teil der Spenden aus der Aktion „Kunst hilft“ für eine bedürftige Familie überreichen zu können. Sie erzählte froh von der bevorstehenden Geburt ihres ersten Enkelkindes durch ihre Tochter und von der bevorstehenden Kunst-Ausstellung ihres (behinderten) Sohnes, zu der sie mich herzlich einlud. Und nun ist sie gestorben, ohne diese beiden frohen Ereignisse erleben zu können. Ich fühle den Kummer ihrer Kinder und all der Menschen, die durch sie Hoffnung schöpften und durch ihre Energie Hilfe erfuhren.

Schwer war mein Herz. Und so versuchte ich, mir Erleichterung zu verschaffen, indem ich, wie es die frommen Griechen tun und wie es der Verstorbenen angemessen war, mich der mit Blumen geschmückten Ikone der Mutter mit dem Kind näherte, mich vor ihr verneigte und bekreuzte.

Auch vor der traditionsreichen Ikone der Geburtsszene Jesu stand ich eine Weile und fand irgendwie Trost in der Betrachtung. Es ist eine erstaunliche Komposition, die alle Beteiligten am Weihnachtsgeschehen harmonisch vereinigt und darüberhinaus Hinweise auf das weitere Heilsgeschehen enthält:

Die Engel, die den erschrockenen Hirten die Geburt des Heilands verkünden, erscheinen wunderbar beflügelt und farbig gewandet über den Bergen. Das Zentrum wird beherrscht von der Figur der knienden Maria in rotem Gewand, vor sich das klitzekleine eng gewickelte Neugeborene, über das sich Rind und Esel beugen. Die Örtlichkeit ist unbestimmt, die Krippe ähnelt einem steinernen Sarkophag. Drei noch recht junge Könige knien auf der Ebene darunter und schauen, ihre Gaben in den Händen, ins unbestimmte Weite. Im Vordergrund sitzen zwei sinnende Männer: Der eine scheint ein Hirt zu sein, denn davor grasen zwei Schafe. Der andere ist Joseph. Der Baumstumpf mag eine Anspielung auf das Kreuz sein, das aus abgehauenen Bäumen gefertigt wird.

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Eulenphilosophie (für Christine Jendrijk)

Die Idee einer Eule gebiert die Idee eines Kreises und schwebt als heiliger Geist über den Begeisterten. 

Platon grüßt Michelle und ihre Zeichnerin! (https://wordpress.com/reader/blogs/245553829/posts/2833):

Die Idee der Eule gebiert die Idee des Kreises und schwebt als heiliger Geist über den Begeisterten. 

beglaubigte Nach- und Unterschrift:

Ich erhebe hiermit Begeisterung zur Kategorie der Erkenntnis. 

                                                                                                    Platon.

 

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Rund um Weihnachten mit Juricka: Hafen und Meer

Der zweite Weihnachtstag war wieder blendend schön:

Das Meer um 13.31 Uhr

Der Segelhafen mit Spielplatz und aufgebockten Booten, um 14.02 Uhr

Und vor dem dunklen Berg, 14.04 Uhr

Die Hafenausfahrt, um 14.05 Uhr

„Berlin“ aufgebockt

Das Meer um 16.31 Uhr

und um 16.32

oder doch lieber um 16.36 Uhr?

 

Herangezoomt:

und zum Abschied um 16.39 Uhr

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