Was wurde eigentlich aus dem Besuch des Poseidontempels, den ich Philippe versprochen hatte? So fragst du vielleicht. Ich hatte dem kleinen Prinzen ja vom Theseion, dem Tempel des Hephistos, erzählt, leider mit dem Ergebnis, dass ihm seine Vulkane einfielen und seine Besorgnis wegen seiner geliebten Rose zunahm (hier). Um ihn zu trösten, versprach ich ihm einen wunderschönen Sonnenuntergang am Poseidontempel von Sounion. Der dortige Sonnenuntergang sei weltberühmt, viele Menschen reisten extra seinetwegen nach Athen.
Am nächsten Tag reisten wir nach Athen. Aber zum Poseidontempel wollte ich nicht. Zu weit. Zu müde. Außerdem fürchtete ich, dass Philippe, wenn er dort die Sonne untergehen sähe, vor Sehnsucht mit der Sonne im Meer versinken würde.
Gestern, als er hörte, dass wir heute in die Mani zurückfahren würden, verschwand er. „Wenn du nicht mitkommen magst, gehe ich eben allein!“ hatte er noch zum Abschied gerufen. „Du kannst doch nicht …. Es ist weit!“ rief ich ihm hinterher. Aber das hörte er wohl schon nicht mehr.
Die Stunden vergingen und Philippe kam nicht zurück. Was sollte ich tun? Die Polizei zu verständigen, hätte wohl wenig Sinn. Was sollte ich auch sagen? „Ein kleiner Prinz von einem anderen Planeten ist bei uns aufgetaucht, er heißt Philippe. Nun ist er verschwunden. Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass er sich nach Sounion begeben hat, um dort den Sonnenuntergang zu betrachten.“ Na, ich weiß nicht. Die Polizei ist ja sehr hilfsbereit, aber sie würde mich sicher fragen: „Wollen Sie eine Vermisstenanzeige aufgeben? Wer sind seine Erziehungsberechtigten? Das wissen Sie nicht? In welcher Beziehung stehen Sie zu dem Kind? Wieso haben Sie das Auftauchen das Kindes nicht schon längst gemeldet? Wir werden Sie benachrichten und die Fürsorge einschalten, sobald wir… etc pp“
Unsinn! Ich musste die Fahrt nach Sounion selbst anzutreten und ihn zu suchen.
Um es kurz zu machen: Ich fand ihn tatsächlich, auf einer Steinplatte unterhalb des Tempels. Die Sonne war längst untergegangen, aber er konnte sich nicht entschließen, den Ort zu verlassen. „Lass mich hier!“, bat er mich. „Morgen geht die Sonne wieder unter. Und da muss ich doch hier sein.“
„Aber du bist ganz allein!“ rief ich. „Du kannst doch nicht ….“ – Er sah mich mit seinen lieben Augen an und lächelte. „Mach dir keine Sorgen. Überall gibt es liebevolle Menschen. Sie werden mir weiterhelfen. Fahr du nur in die Mani. Ich komme dann irgendwann nach.“
Und das tat ich dann auch. Denn habe ich ein Recht, ihn festzuhalten? Er wird seinen Weg schon finden. Oder was meinst du?







































