Ein Ausflug mit jungen Menschen – bei Bestwetter und mit Besichtigung mir bisher unbekannter antiker Stätten – gibt es etwas Schöneres? Nur wenige Stunden war ich unterwegs, kam aber voll von schönen Eindrücken und neuen Informationen zurück.
Wir fuhren in zwei Autos – eine „parea“. So nennt man Freundesgruppen. Es handelt sich dabei nicht um feste geschlossene Gruppen, sondern um offene Strukturen. Man kennt sich, man mag sich, man trifft sich hier und da, unternimmt auch etwas zusammen, ist für den anderen da, wenn es ihm schlecht geht oder er praktische Hilfe braucht, man wendet sich an sie, wenn man Kontakte oder Informationen sucht. Es ist ein sehr persönliches multipolares Netzwerk, das die Familie ergänzt und den Menschen über viele Lebensschwierigkeiten hinweghilft. Vor allem aber ist es für eine angenehme Freizeitgestaltung unerlässlich.
Wir waren heute zu siebt: Vier Frauen aller drei Lebensalter, eine Jugendliche und zwei Kinder.
- auf dem Weg zur Akropolis von Alt-Thouria
- Picknick bei den Römischen Bädern
N kennt sich aus, und führte uns zuerst zur Akropolis des antikes Thouria, wo seit 2009 Ausgrabungen stattfinden. Man fand die alte Stadt, die einst die bedeutendste der Region war, durch Zufall: ein uraltes Kirchlein gibt es dort, jährlich wird einmal ein Panijiri (Volksfest) zu Ehren des Heiligen gefeiert. Zu diesem Zweck wird das Gras rundum zurückgeschnitten. Einer der Besucher wunderte sich, dass unter einem Steintisch das Kapitel einer Säule hervorschaute, und erzählte einem befreundeten Archäologen davon. Seither wird gebuddelt…
(Alle Fotos werden durch Anklicken größer)
Die nächste Etappe war das antike Theater, das seit 2016 ausgegraben wird. Unterwegs machten wir bei einer antiken Bewässerungsanlage halt, deren tiefe Schächte von einer zentralen Dexameni (Wasserspeicher) in drei Richtungen führen. Beim Theater wurde gearbeitet: zwei Männer, deren einer sich als Archäologe vorstellte, waren dabei, riesige Ölbäume abzusägen. Ja, leider, darunter seien die alten Sitzreihen… Mir gefiel das nicht, die Sitzreihen waren mir egal, die Baumstümpfe taten mir weh. Immerhin erklärte uns der Archäologe bereitwillig den Ort und die Geschichte der Ausgrabungen. Er selbst arbeite als Freiwilliger. Geld für Ausgrabungen gebe es momentan nicht.
Und weiter ging es, zu den mykenischen Gräbern. Unterwegs musste ich unbedingt einen gewaltige Olivenbaum begrüßen und immer wieder Fotos von der reizvolllen Landschaft machen.
Die mykenischen Gräber befinden sich auf einem weiten Olivenfeld. Es gibt an die 25, Manche sind riesighoch, andere bescheidener, es gibt Doppel- und Dreiergräber (man sieht die leeren Ausschachtungen am Boden), manche hatten Nebenräume für die Schätze des Verstorbenen. Die Gräber wurden von oben nach unten in den weichen Muschelkalk hineingegraben, oben eng, unten erweitert. Lange Gräben wie Stollen, die nun mit Wellblech überdacht sind, führen in die Grabräume.
- mykenische Grabanlage
Diese erstaunliche Grabanlage ist den Anwohnern seit alten Zeiten bekannt, sonst aber kennt sie kaum jemand. Während der Türkenzeit und dann wieder während der deutschen Besatzung diente sie als Versteck. In die weichen mit einer Art Mörtel geglätteten Wände sind allerlei Schriftzeichen eingeritzt.
Eine weitere Überraschung waren dann die Römischen Bäder, die als eindrucksvolle Ruinen auf einer Schafweide zu finden sind. Bis hierher hatte sich das alte Thouria in römischer Zeit ausgedehnt und teilweise auch verlagert, denn ein starkes Erdbeben zerstörte den oberen Teil mit der Akropolis und dem Theater.
An diesem idyllischen Ort, der so manchen romantischen Maler inspirieren könnte, schlugen wir unseren Tisch auf, verspeisten die mitgebrachten Leckerbissen und prosteten uns zu mit Tripouro, dem klaren Schnaps aus den Rückständen weißer Trauben (Tresterbrand).



































