Oft wird der 13. ja als Unglückszahl angesehen. Das hat mit dem Schicksal des Mannes zu Zeiten des Matriarchats zu tun. Aber das ist eine andere Geschichte.
Wie ein großer grüner Daumen kommt mir Josephs Arm vor, mit dem er die Krippe wiegt. Es ist kein Frischgrün wie bei jungen Sprossen, sondern gleicht der beruhigenden unaufdringlichen Hintergrundsfarbe der Natur, die sich selbst nicht wichtig nimmt, sondern demütig das Besondere trägt und hervorhebt. So wie der Mann Joseph selbst, der im Hintergrund sorgt und arbeitet, pflegt und hegt und seinen so besonderen kleinen Sohn durch alle Fährnisse bringt. Ein verlässlicher Vater ist er und da, wenn es drauf ankommt. Und so mache ich voller Vertrauen das Türchen zur Dreizehn auf.
Mittags am Meer. Am Himmel wildes Gewölk, manchmal reißt es auf, dann strahlt die Sonne mit unverminderter Kraft.
Dann wieder zieht es sich zu. Drüben an der gegenüberliegenden Küste regnet es.
Das Meer unter dem Himmel scheint in der Ferne nur leicht bewegt. Doch wie sich die Bewegung dem Ufer nähert, bäumt sich das Wasser auf, wird zur Welle, brandet an Land, rollt zurück. Die nächste Bewegung nährt sich vom zurückfließenden Wasser, die Welle wird größer, brandet an Land, rollt zurück. Die übernächste Bewegung nährt sich vom zurückfließenden Wasser beider Wellen, die dritte Welle wird noch größer, brandet an Land, rollt zurück. Ich zähle mit. Die siebte Welle ist die mächtigste. Hoch wölbt sich das Wasser unter der glatten Wasserhaut, noch höher, jetzt bricht die Haut, schäumend und brüllend nähert sich die Welle dem Ufer. Brandet an Land, rollt zurück.
Die mächtige Welle ist zerstoben, eine neue flache Welle baut sich auf, und so fort und fort. Woran bricht sich die Welle? Sie bricht sich an der Bodenwelle, die sie und ihre Vorläufer sich selbst geschaufelt haben. Sie haben sich in den Grund gewühlt und Gestein vor sich aufgehäuft. Dadurch entstand eine Art unterseeischer Wall, der das Festland schützt. Die Wellen können es nicht überfluten, denn sie brechen sich zuvor an dem Schutzwall, den niemand anderes als sie selbst aufgerichtet haben.
Mit einem gewissen Recht wirst du mir einwenden: Brechen sie sich nicht an den Felsen oder den ins Meer hineingebauten Molen? Ja, sicher, das tun sie auch, und wenn sie dort mit voller Wucht aufprallen, ist das Spektakel sehenswert. Es kracht und schäumt gewaltig, wenn sich Hartes der weichen Bewegung des Meeres entgegenstellt. Da sind dann auch alle Kameras griffbereit, grad wie bei Demonstationen, wenn der bis dahin friedliche Zug auf eine Mauer aus Polizisten trifft.
Wie war das doch damals, als wir in Paris gegen den Vietnamkrieg demonstrierten? Wir waren extra aus Berlin angereist. Der Demonstrationszug war gewaltig, rollte durch die Straßen, winkend begrüßt und flankiert von Paris-Bewohnern. Er schwoll so sehr an, dass er sich in zwei große Züge teilte. Dort, wo ich mich befand, wogte es noch ein Weilchen weiter mit Ho-ho-ho-chi-minh Rufen und Hallo, dann verlief sich die ehemals große Welle sachte und jeder ging seines Wegs. Der andere Teil des Zuges aber stieß mit der Polizei zusammen, da wurde geschlagen und Fliehende wurden bis in die höchsten Stockwerke der Häuser verfolgt. Stories fürs Leben und auch für die Tagespresse spielten sich ab. Grad so wie hier an den Felsen.
Und wärend ich dies und vieles andere bedachte, fiel mir auch die Liedzeile ein, die Demonstranten damals, 1967, als die Junta in Griechenland ihre siebenjährige Tyrannei begann, auf ihr Transparent geschrieben hatten:
„Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne – es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt“.
Es tut doch ganz gut, sich solche Erlebnisse in Erinnerung zu rufen. Auch die heutige Tyrannei wird sich noch mehr aufhäufeln, von Welle zu Welle, aber am Ende wird auch sie sich verlaufen. Das will ich doch stark hoffen.
Die folgende Nachricht ist nicht eigentlich schrecklich. Ich fand sie hinter dem Fensterchen des heutigen Tages und wunderte mich. Wieso hier? Ist doch eine erfreuliche Nachricht, wenn der Erfinder der mRNA-Impfstofftechnologie so eindringlich vor einer Politik der Impfpflicht und der Lockdowns warnt?! Aber wir leben halt in einer verrückten Zeit, in der gute Nachrichten vielen Menschen Angst machen. Daher hat sie sich wohl in diesen Kalender verirrt.
Worum also geht es? Um ein Interview, das eben jener „Erfinder“ der mRNA-Technologie, die den „neuartigen Impfstoffen“ zugrunde liegt, Dr. Robert Malone*, mit einer Bloggerin geführt hat.
Dieses Interview ist umfangreich. Im Text gibt es ausschnittweise Übersetzungen. Eingebettet gibt es ein kleineres Video mit einem Statement von Dr. Malone (ab 1.47), mit dem er auf einen Aufruf von Erzbischof Vigano reagiert. Ich habe das meiste, so gut ich konnte, ins Deutsche übertragen.
„So kam ich zu der Überzeugung, dass es hier um etwas jenseits von Impfung und Öffentlicher Gesundheit geht, und es ist etwas, wohin ich intellektuell nicht gehen wollte, und doch ist es unmöglich, in dem, was die Welt grad durchmacht, einen Sinn zu finden, sofern es um antivirale und Gesundheitspolitik ginge, und so bin ich also zu der Überzeugung gelangt, dass es eine größere Macht jenseits davon gibt, die uns alle unsere Rechte erodiert. … Es gibt ein wachsendes Gefühl bei vielen, dass etwas fundamental Böses im Werden ist. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass wir es im wesentlichen mit dem Wachsen und der Ausbreitung einer globalen Tyrannei zu tun haben. Dies ist harmonisiert, gemanagt und abgestimmt über die Nationalstaaten hinweg, und es scheint abgestimmt zu sein mit den ökonomischen Interessen eines kleinen Clusters von Investmentfonds, die den Hauptanteil des globalen westlichen Kapitals vertreten.“
Was empfiehlt Dr. Malone als Gegenmaßnahme? Viel ist es nicht. Es ist dasselbe, was auch wir versuchen zu tun: in Kontakt zu beiben und vor Ort Netzwerke aufzubauen, um uns gegenseitig zu helfen und nicht unterzugehen!
„Was also kann man angesichts der staatlichen Disfunktionalität tun? Man muss Kontaktlisten zusammenstellen, besonders von den älteren Menschen der Gemeinde. egal ob es sich bei der Gemeinde um eine Kiche oder ein Rathaus, oder andere soziale oder politische Strukturen handelt – macht Kontaktlisten, bleibt in Kontakt, besonders auch mit den Älteren, sie repräsentieren die Weisheit und sind am meisten gefährdet. Für mich ist das größte Verbrechen, dass ältere Menschen, die vom Virus befallen werden,… allein sterben, völlig unnötigerweie sterben sie, denn es gibt Möglichkeiten der Frühbehandlung.
Es beginnt alles mit der Frage: was geht weltweit vor. Wir müssen lokale Gemeinschaften bilden. So können wir ausbrechen aus der Massenpsychose. Wie Matthias (Desmet) betont: wir müssen die Leute dahin bringen zu erkennen, dass der globale Totalitarismus eine größere Gefahr darstellt als das Virus“.
* Wikipedia: „Als Doktorand am Salk Institute for Biological Studies in La Jolla war er einer der Hauptautoren und treibende Kraft einer Studie, in der erstmals beschrieben wurde, wie Proteinexpression in einer Fremdzelle über durch in Fettkügelchen (Liposomen) verpackte DNA bzw. RNA angestoßen werden kann, damals noch im Rahmen der Hoffnungen zur Gentherapie. Diese Studie gilt als erste wissenschaftliche Veröffentlichung zu den grundlegenden Prinzipien, zum Beispiel von RNA-Impfstoffen, die bei der Covid-19-Pandemie 2020/21 verimpft wurden.[2][4] Ko-Autoren der grundlegenden Arbeit von 1989 waren Philip Felgner und Inder Verma“
….
In einer vom Biologen Bret Samuel Weinstein am 11. Juni 2021 als Podcast gehosteten Diskussionsrunde distanzierte sich Robert Malone von der mRNA-basierten Impfung und warnte vor ihrer Verwendung im Zuge der COVID-19-Pandemie. Er gab an, die US-amerikanische FDA schon vor „vielen vielen Monaten“ über existierende „Risiken und gesundheitschädigende Wirkungen“ dieser auf „Gentherapie“ basierenden Methoden informiert und davor gewarnt zu haben.[10] Den Bewertungen von Malone wurde von der FDA und Wissenschaftlern widersprochen, unter anderem in einem Faktencheck der Nachrichtenagentur Reuters und der Faktencheck-Website Politifact.[11][12] In den Artikeln widersprachen Experten der von Malone aufgestellten Behauptung, die von den mRNA-Impfstoffen erzeugten Spike-Proteine seien zytotoxisch (zellschädlich) und würden außerhalb der Impfstelle selbst „biologisch aktiv“.2
**Die obige Argumentation von wiki lässt mich bitter lachen. “ …. wurde von Wissenschaftlern widersprochen, unter anderem in einem Faktencheck der Nachrichtenagentur Reuters und der Faktencheck-Website Politifact „.
Ganz unten im Wiki-Eintrag findet sich auch: https://www.rwmalonemd.com/ Wirf einen Blick hinein. Dann verrsteehst du Malones Engagement gegen die laufende Impfolitik besser.
Und was steht für dieses besondere Datum 12.12.2021 an? Es ist etwas Gewichtiges: der Kopf des Joseph.
So mancher hat sich Gedanken gemacht darüber, was in diesem Kopf vorging, als er erfuhr, dass seine Frau schwanger war. „Wie soll das zugehen?“ fragte sich Maria (in Luthers Übersetzung) bestürzt, „sintemal ich von keinem Manne weiß“? Und nun gar ihr Mann, der Joseph! Ein einfacher Zimmermann war er, ein Mann des Volkes, und was das Volk in solchen Fällen denkt, das wissen wir ganz gut. Aber dachte Joseph genauso? Nun, wir erfahren darüber nichts. Joseph war ein Schweiger. Nicht ein Wort kam über seine Lippen, und wenn doch eins kam, so wurde es nicht kolportiert. Wir wissen nur, dass er im Traum eine Offenbarung hatte, die ihn verpflichtete, sich um Weib und Kind zu kümmern, egal was die Leute sagten. Und das tat er dann auch, besonnen und pflichtbewusst. Was noch aus ihm wurde, wissen wir leider nicht, er verschwindet irgendwann aus der Geschichte.
Ich bin ein neugieriger Mensch und hatte die heimliche Hoffnung, hinter dem Türchen etwas von Josephs heimlichen Gedanken zu finden. Das wäre eine Weltsensation! Aber ich fand nichts als ein kräftiges bis die Tiefen aufgewühltes Blau.
Heute stecken wir in einer Regenwolke fest, Unwetter ist angesagt. Gestern aber machte ich einen ausgedehnten Spaziergang bei hellem Tageslicht. Wenn du magst, begleite mich ein Stück Wegs.
Los gehts auf unserer ausgefahrenen Landstraße, die noch nass vom letzten Schauer ist. Die Umfassungsmauer unseres Grundstücks ist festgefügt, die Anbindung ans öffentliche Stromnetz ziemlich wackelig.
Nun verlasse ich den Asphalt und wandere bequem auf einem landwirtschaftlichen Erschließungsweg, den der Olivenbauer angelegt hat, um seine Bäume zu erreichen.
Das Vorgebirge des Taygetos, eine unter den Wolkenschatten immer neu sich gestaltende Skulptur.
Nun geht es durch eine kleine Schlucht, feucht ist es, und die Regenpfützen nötigen zu kleinen Sprüngen. Auf der anderen Seite gehts steil hinauf und über einen grasbewachsenen Pfad zu einer Pforte, die heute offensteht. Dieses Grundstück kommt mir immer vor wie ein Stück vom Garten Eden. Es ist eine breite Terrasse, auf der einen Seite von einer Wand aus gelblichem Mergel, auf der anderen von der Schlucht begrenzt. Hier wachsen zwei wunderbare Orangenbäume und ein Zitronenbaum, ein uralter zweistämmiger Feigenbaum und Ölbäume, den Boden bedecken Klee und Kräuter jeder Art. An einem Baum lehnt eine hölzerne Leiter.
Zitronenblüte
Orangenknospen
Feigenbaum
Die tonige Wand zieht mich an. Seltsame Strukturen zeigen sich auf der grau-ockrigen Oberfläche. Ich versuche, sie mit dem Bleistift aufs Papier durchzuzeichnen (frottage nennt man das Verfahren), aber es wird nicht Rechtes daraus, weil die Wand zu weich und der Bleistift zu hart ist. Aber den Versuch war es wert.
Ein an vielen Stellen wucherndes Kraut fällt mir auf, leider weiß ich den Namen nicht und wüsste ihn gern.
wer weiß den Namen?
hier im Vordergrund, eingebettet in die Lndschaft
Der Feigenbaum hat noch erstaunlich viele Blätter, die alle Schattierungen des Verfalls aufweisen. Ich sammele eine kleine Kollektion und nehme zwei intakte Blätter mit heim, um sie später zu zeichnen. Aber als ich sie nach ein paar Stunden zur Hand nehme, sind sie schon stark eingerollt. Dabei sind die Temperaturen draußen und drinnen gar nicht so unterschiedlich. Es scheint die Feuchtigkeit zu sein.
Feigenblatt-Sammlung vor Ort
zwei Blätter 5 Stunden später zu Haus
Draußen stürmt und regnet es immer noch. Die feinen Zitronen- und Orangenblüten werden das Wetter wohl nicht unbeschadet überstehen. Aber es werden neue Blüten aufgehen und neue Früchte ansetzen. Da bin ich ganz zuversichtlich-hoffnungsfroh.
Zwei Skizzen im winzigen Skizzenbuch entstanden, als ich mal wieder warten musste. Angelehnt an die noch warme Motorhaube meines Autos zeichnete ich den Oleander, der den Parkplatz des Supermarkts säumt. Und dachte an einen Essay, den ich zuvor gelesen hatte. In ihm ging es um „Orwells Rosen„, ein Buch von Rebecca Solnit. Im Frühling 1936 – Orwell notierte erste Gedanken zur „Farm der Tiere“ und zu „1984“ und quälte sich mit der Entscheidung, ob er sich im spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner rekrutieren lassen sollte (seine Hochzeit stand nahe bevor) – pflanzte Orwell Rosen in seinem Garten. Dreieinhalb Jahre später blühten sie zum ersten Mal – der Zweite Weltkrieg hatte gerade begonnen – und sie blühen bis heute.
Die Pflanzen vor mir waren keine Rosen, es waren zerzauste, von niemandem wertgeschätzte verblühte Oleanderbüsche, doch schienen sie mir das einzig Beachtenswerte des Parkplatzes, das einzige, was Leben in sich trug und es weiter tragen würde bis zur nächsten Blüte. Und so immer fort.
Da schien es mir doch nicht zu viel verlangt, jedenfalls ein paar der Blätter und der Schoten („Balgfrüchte“ wäre wohl richtiger) , in denen sich die Samen sammeln und reifen, zu zeichnen.
Wenig verspricht das Türchen für den 11. Dezember. Nichts als ein blauer Fleck unter den rosa Füßen des Schafs mit dem Sonnenaufgangsköpfchen? Was wird sich dahinter schon groß verbergen.
Doch soll man sich vom Äußeren nicht abschrecken lassen. Das gilt sowohl bei Menschen wie bei Adventskalendern. Also öffne ich beherzt das Türchen, und siehe! Ein Schwarm blauer Vögel und Schmetterlinge kommt ans Licht geflattert! Wer hätte das gedacht!
Nun ging heute doch noch ein Türchen des schrecklichen Kalenders auf – ich habe es nicht gewollt und nicht gesucht. Aber hinschauen muss ich.
Die Nachricht: Ein Londoner Berufungsgericht hat das Verbot, Julian Assange an die USA auszuliefern, gekippt. Das ist schlimm. Denn was Assange bisher schon hat erleiden müssen, wurde nur erträglich durch die Hoffnung, dass er bald auf freien Fuß kommt. Und nun das.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und ist sie tot, stirbt auch der Mensch. Diese junge duftende Zitronenblüte von meinem heutigen Spaziergang schicke ich dem armen Mann in sein Hochsicherheitsgefängnis, in dem er schon so lange willkürlich festgehalten wird.
Du möchtest vielleicht Anregungen fürs Spielen mit Kindern oder Enkeln? Dann schau mal, was mein zehnjähriger Freund D und ich heute trieben.
Wir beginnen wieder mit dem abwechselnden Legen-Farberaten-Umdrehen. Die Dynamik unserer Koopation hat sich leicht verändert, wir reagieren nun spontan auf erkennbare Strategien des anderen, indem wir sie unterstützen oder zunichte machen – als Spaß und ohne Aggression. Es entstehen Verdichtungszonen und unabhängige Formen. D ist übrigens inzwischen weit besser als ich im Farberaten, er rät 17 Mal richtig, hat sich die Formen seit dem letzten Mal gemerkt. Die Fotos macht er mit meinem iphone: ich erkläre ihm, wie er es halten muss, wie man die Fotos beschneidet und Kontraste verstärkt.
Witzig finde ich, wie sich die zentrale Figur – ein Engel? – durchs Umdrehen verändert hat.
Als nächstes spannen und verkleben wir Papier, das ich von der Rolle abschnitt, auf einen Leinwand-Untergrund. Jeder nimmt sich ein Stück Kohle, und wir zeichnen abwechselnd. Wir wechseln, wenn die Bewegung abgebrochen wird. Ursprünglich hatte ich 10 Wechsel vorgeschlagen, aber im Eifer des Spiels vergessen wir das Zählen.
D hat noch nie mit Kohle gezeichnet, aber er lernt schnell, sie auf die unterschiedlichste Weise einzusetzen: mit der Spitze, mit der Seite …
und dann auch mit großem Vergnügen schwarz ausfüllend.
Unsere gemeinsame Zeichnung gefällt ihm sehr (und mir auch), und er stellt sie selbstbewusst auf die Staffelei, nachdem wir ihr noch einen Rahmen verpasst haben. Einen Titel gibt er nicht, findet aber, dass es sich um etwas Außerirdisches handele.
Inzwischen gewittert es draußen heftig. Die Blitze machen ihm etwas Angst, und wir stellen die Tür zu. D will jetzt noch eine Zeichnung machen und gibt einen Titel vor „Unwetter“. Diesmal schneidet er das Papier selbst zu, und wir verklammern es mit einer festen Unterlage. Wie schon zuvor liebt er besonders das Schwärzen. Ich setze Boot und Fisch hinein und gebe dem Bild dadurch einen „realistischen“ Anstrich.
Da ich seine Freude am Schwärzen bemerke, zeige ich ihm, wie er mit einem Pinsel eine einheitlich schwarze Fläche erzeugen kann. Ich zeige ihm auch, wie man mit einem Radierer ins Schwarze hineinzeichnen kann. Das Endprodukt – „Elpida“ = Hoffnung – findet er ganz gut, aber etwas „gewöhnlich“. Das Abstrakte sagt ihm mehr zu. Diese Neigung zum Abstrakten habe ich auch bei meinem 11-jährigen Besucher festgestellt.
Und da wir noch etwas Zeit haben, improvisieren wir das „Unwetter“ als Stück in drei Akten:
1. Akt: der Seemann (D) liegt bequem in seinem Boot (Sofa), das Segel (ein weißer Rock) hängt schlaff vom Mast (Besen). 2. Akt: Ein Sturm (ich) fängt an zu tosen und zu brüllen, das Licht flackert, dann wird es ganz duster, der Mast schwankt, das Segel treibt davon. 3. Akt: Der Sturm lässt nach, das Licht kommt wieder, die Sonne (Strahler) bricht durch die Wolken. Gerettet! –
Wir spielen dasselbe dann nochmal mit vertauschten Rollen: D ist der Sturm und Wettermacher, ich der Seemann. Spontan füge ich einen 4. Akt hinzu: der Seemann (ich) jammert, das Meer sei sehr gefährlich, er wolle nie mehr zur See fahren. Nein, er wolle in Zukunft zu Haus bleiben. Das Segel wird zum weißen Rock, der Mast zum Besen – was sie ja in Wirklichkeit auch sind – und ich beginne, den Raum zu fegen.
Das ist ein gelungener Höhepunkt für einen Jungen, der die männlichen und weiblichen Stereotype doch sehr verinnerlicht hat. Sie anzuerkennen und spielerisch damit umzugehen, ist meines Erachtens der beste Weg, um sie langsam aufzulösen.
Das letzte Bild sieht farbverstärkt etwas freeundlicher aus: