Spielstunde mit D: gemeinsam Bildlegen, Kohlezeichnen,Theaterspielen

Du möchtest vielleicht Anregungen fürs Spielen mit Kindern oder Enkeln? Dann schau mal, was mein zehnjähriger Freund D und ich heute trieben.

Wir beginnen wieder mit dem abwechselnden Legen-Farberaten-Umdrehen. Die Dynamik unserer Koopation hat sich leicht verändert, wir reagieren nun spontan auf erkennbare Strategien des anderen, indem wir sie unterstützen oder zunichte machen – als Spaß und ohne Aggression. Es entstehen Verdichtungszonen und unabhängige Formen. D ist übrigens inzwischen weit besser als ich im Farberaten, er rät 17 Mal richtig, hat sich die Formen seit dem letzten Mal gemerkt. Die Fotos macht er mit meinem iphone: ich erkläre ihm, wie er es halten muss, wie man die Fotos beschneidet und Kontraste verstärkt.

Witzig finde ich, wie sich die zentrale Figur – ein Engel? – durchs Umdrehen verändert hat.

Als nächstes spannen und verkleben wir Papier, das ich von der Rolle abschnitt, auf einen Leinwand-Untergrund. Jeder nimmt sich ein Stück Kohle, und wir zeichnen abwechselnd. Wir wechseln, wenn die Bewegung abgebrochen wird. Ursprünglich hatte ich 10 Wechsel vorgeschlagen, aber im Eifer des Spiels vergessen wir das Zählen.

D hat noch nie mit Kohle gezeichnet, aber er lernt schnell, sie auf die unterschiedlichste Weise einzusetzen: mit der Spitze, mit der Seite …

und dann auch mit großem Vergnügen schwarz ausfüllend.

Unsere gemeinsame Zeichnung gefällt ihm sehr (und mir auch), und er stellt sie selbstbewusst auf die Staffelei, nachdem wir ihr noch einen Rahmen verpasst haben. Einen Titel gibt er nicht, findet aber, dass es sich um etwas Außerirdisches handele.

Inzwischen gewittert es draußen heftig. Die Blitze machen ihm etwas Angst, und wir stellen die Tür zu. D will jetzt noch eine Zeichnung machen und gibt einen Titel vor „Unwetter“. Diesmal schneidet er das Papier selbst zu, und wir verklammern es mit einer festen Unterlage. Wie schon zuvor liebt er besonders das Schwärzen. Ich setze Boot und Fisch hinein und gebe dem Bild dadurch einen „realistischen“ Anstrich.

Da ich seine Freude am Schwärzen bemerke, zeige ich ihm, wie er mit einem Pinsel eine einheitlich schwarze Fläche erzeugen kann. Ich zeige ihm auch, wie man mit einem Radierer ins Schwarze hineinzeichnen kann. Das Endprodukt – „Elpida“ = Hoffnung – findet er ganz gut, aber etwas „gewöhnlich“.  Das Abstrakte sagt ihm mehr zu. Diese Neigung zum Abstrakten habe ich auch bei meinem 11-jährigen Besucher festgestellt.

Und da wir noch etwas Zeit haben, improvisieren wir das „Unwetter“ als Stück in drei Akten:

1. Akt: der Seemann (D) liegt bequem in seinem Boot (Sofa), das Segel (ein weißer Rock) hängt schlaff vom Mast (Besen). 2. Akt: Ein Sturm (ich) fängt an zu tosen und zu brüllen,  das Licht flackert, dann wird es ganz duster, der Mast schwankt, das Segel treibt davon. 3. Akt: Der Sturm lässt nach, das Licht kommt wieder, die Sonne (Strahler) bricht durch die Wolken. Gerettet!  –

Wir spielen dasselbe dann nochmal mit vertauschten Rollen: D ist der Sturm und Wettermacher, ich der Seemann. Spontan füge ich einen 4. Akt hinzu: der Seemann (ich) jammert, das Meer sei sehr gefährlich, er wolle nie mehr zur See fahren. Nein, er wolle in Zukunft zu Haus bleiben. Das Segel wird zum weißen Rock, der Mast zum Besen – was sie ja in Wirklichkeit auch sind – und ich beginne, den Raum zu fegen.

Das ist ein gelungener Höhepunkt für einen Jungen, der die männlichen und weiblichen Stereotype doch sehr verinnerlicht hat. Sie anzuerkennen und spielerisch damit umzugehen, ist meines Erachtens der beste Weg, um sie langsam aufzulösen.

Das letzte Bild sieht farbverstärkt etwas freeundlicher aus:

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Fröhlicher Adventskalender, 10. Tag

DER ZEHNTE DEZEMBER

Der Schwanz des Kometen – hm, was sich dahinter wohl verbirgt? Wenn ich recht informiert bin, bildet sich der Kometenschwanz dann, wenn ein durchs Weltall fliegender vereister Gesteinsbrocken in unser inneres Sonnensystem eindringt und einen Teil seiner Masse verliert. Frag mich bitte nicht nach Einzelheiten, sondern schau im Bedarfsfall ins internet.  Ich mache derweil das Türchen auf.  O, dahinter zeigt sich die große Wollbiene, die sich, ich weiß nicht wie, in den nächtlicheen Himmel über der Krippe verirrt hat und nun im Kometenschweif mitreist, um uns zu erleuchten. Hörst du ihr Summen?

(Kugelschreiber-Zeichnung der Großen Wollbiene, digital bearbeitet.)

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Verwildertes und Geisterhaftes

Noch einmal habe ich mich aufgemacht, um wandernd die innere Unruhe zu besänftigen. Diesmal führte mich der Weg in eine verwilderte Schlucht und über kaum erkennbare Trampelpfade in die Höhe und Tiefe des Olivenlands.

Die Drahtgatter, die immer wieder den Weg versperrten, ließen sich  öffnen, doch war mir nicht recht wohl dabei; denn in der Ferne und auch manchmal näher hörte ich Hunde kläffen. Auch das Weinen von Schakalen meinte ich zu hören. Es wurde auch dunkel, und so suchte ich einen Weg zurück zum Asphalt.

Als ich den Fahrweg erreichte, atmete ich auf. Der Mond (Selene/Σελήνη), immer noch als Sichel, stand hoch am Himmel,  manchmal verschleiert durch ein Wölkchen. Nahebei erblickte ich  Jupiter (Dias/Δίας) und tiefer in Richtung des westlichen Horizonts, hellstahlend, Venus (Aphrodite/Αφροδιτή).

Eine große Ruhe geht von diesen Gestirnen aus. Und so wurde es auch in mir ruhig. Ich dachte, Will.i  könnte sich wieder zu mir gesellen, schaute mich um. Das einzige, was ich sah, war ein zerklüftetes Gesicht, das sich über den halben Himmel zog, den Mond als Auge, und dann wieder verlosch.

Gestern hatte Will.i mir von den Jahresgeisterwelten erzählt. Jedenfalls war es das, was ich verstand. Er selbst hatte die Gestalt eines Mannes angenommen, der im Jahr 79 mitsamt seinen beträchtlichen Gütern vom Vesuv verschüttet wurde. (Ich zeigte es gestern hier.) In jenem Jahre hätten die Menschen verstanden, dass Katastrophen gelegentlich über Nacht kommen und ganze Städte auslöschen. Aber selbst wenn alles zerstört sei: In der Geisterwelt werde nichts ausgelöscht, gehe nichts verloren.  Was immer Menschen gedacht, gefühlt, gewollt, getan hatten, sei mit jedem Detail in den himmlischen Büchern vermerkt. So auch jetzt. Er für seine Person trage alles Wissen dieses Jahres in sich und werde es, wenn er abtrete, den himmlischen Büchern anvertrauen. Er freue sich schon darauf, diese Last abgeben zu können. Mir riet er, dasselbe zu tun. Ich müsse nicht alles mit mir rumschleppen. Wenn ich Bedarf hätte, könnte ich ja immer auf die himmlischen Bücher zurückgreifen.

Manche Jahresvertreter, sagte er, mögen nicht alles abgeben, und das geistere dann weiter durch die Geschichte. „Schau mal diesen hier“ – und er wies in die Richtung der dunklen Zypressen -, das ist eine Reminiszenz vom vergangenen Jahr; kann sich nicht entschließen sich aufzulösen.

und jenes Doppelgesicht seien zwei Wesenheiten aus dem Jahr 1873, die immer noch herumspuken…  Er verstehe nicht, warum sie sich so wichtig nehmen….

Noch viele schattenhafte Wesenheiten wies er mir, und ich versuchte sie zu deuten. Aber sie entschwanden so schnell, wie sie entstanden, und eigentlich war es ja auch nicht wichtig. Sollten sich andere drum kümmern.

Zurück im Garten empfing mich der Rosenbusch, und ich steckte meine Nase in die duftenden Blüten.

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Fröhlicher Adventskalender: 9. Tag

DER NEUNTE DEZEMBER

Das Mondschaf hat einen weißen Leib, einverstanden, aber das Köpfchen des Tiers, das unterhab von Joseph Wache steht, ist kein Schafskopf, oder?

Mich erinnert es an die rosenfarbenen Finger der Eos, Schwester von Selene (Mond) und Helios (Sonne). Eos, Göttin der Morgenröte, von den Römern dann Aurora genannt. Ja, die Alten hatten für diesen wunderbaren Moment des Aufwachens aus dem tiefen Schlaf der Nacht eine eigene Gottheit. Und die steht nun hier an der Krippe, bescheiden zwar, aber doch deutlich wahrnehmbar mit den rosfarbenen Köpfchen, Ohr und Beinen, während der Leib dem Mond gehört.

Was aber ist hinter dem Türchen? O, ein rosafarbenes Löwenmäulchen! Na so was!

Die Löwenmäulchen beeindrucken mich sehr, denn sie wachsen und blühen unaufhörlich an den unmöglichsten Stelllen: wie hier in Mauernritzen, aber auch am Geröllstrand am Meer. Und insofern passen sie recht gut zu den genügsamen Schafen.

Und für Wissbegierige eine BR-Sendung über EOS: https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwi0pYaNv9b0AhUwS_EDHZ4_BKwQuAJ6BAgGEAU&url=https%3A%2F%2Fwww.br.de%2Fmediathek%2Fvideo%2Fmythen-eos-av%3A5d38781290678400131cea67&usg=AOvVaw0l8FLSK9ds9wgnrZRGij4X

 

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Kein „schrecklicher Kalender“ mehr

Heute machte ich – der Abend sank schon – einen großen Spaziergang. Ich ging von zu Hause weg, entschlossen, all die Misere der letzten Zeit, die mir das Herz zusammenschnürt, hinter mir zu lassen. Schnell ging ich die Steigung hoch, immer höher wollte ich hinauf, schnell.  Mir ging die Puste aus, aber die Gedanken wollten nicht weichen. Wie ein aufgeschreckter Mückenschwarm tanzten sie in meinem gemarterten Gehirn. „Schluss jetzt!“ sagte ich, und Schluss wars.

Nun verlasse ich die Straße und gehe auf weichen Wegen, feuchtes Gras unter den Sohlen. Große Pilze stehen darin. Der leicht modrige Geruch nach faulendem Laub nimmt zu, als ich in die dunkle Senke hinabsteige. Hierher reichen die Sonnenstrahlen nicht, selbst im Sommer bleibt es feucht und schattig, sumpfig der Boden. Die gegenüberliegende Seite der Schlucht ist von Zypressenwäldern bedeckt.

Zwischen den Zypressen nimmt die Dunkelheit zu, wird zur Schwärze, aber weiter unten, dem Meere zu, lichtet sich die Landschaft wieder. Alte Ölbäume auf den terrassierten Hängen, Klee, ein uralter Brunnen. Ich finde einen Pfad, der von Terrasse zu Terrasse abwärts führt. Dann aber geht es nicht weiter. Ich höre ein Hupen, ein klappriges landwirtschaftliches Auto wird sichtbar auf dem Feldweg unter mir, hält. Nein, hier sei kein Durchkommen, ich müsse zurück, den oberen Weg nehmen, er würde mich dort aufladen, ruft das Bäuerchen. Danke, rufe ich zurück, danke, aber ich schaffe es schon allein.

Und wandere, nun schon im Dunkel, den Weg zurück. Immer leichter wird mein Gemüt. Der Sichelmond steht über den schwarzen Zypressen, Jupiter und Venus rahmen ihn.  Alle Sorgen fallen von mir ab. Mag geschehen was will.

Da tritt jemand zu mir. Ich erkenne ihn gleich: es ist Will.i. Ich habe ihn schon lange erwartet, denn das Jahr neigt sich dem Ende zu. Seine Stimme ist leicht brüchig, als er zu reden beginnt.

Was wir bereden – darüber schreibe ich dann morgen.

Will.i erscheint wieder als der Alte aus Herculaneum,das im Jahr 79 unterging

 

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Fröhlicher Adventskalender: 8. Tag

ACHTER DEZEMBER

Dem Eselchen von No 7 stehen zwei weitere Tiere gegenüber. Das eine hat einen weißen Leib und rosa Gliedmaßen. Was könnte das wohl sein?

Ich weiß es nicht. Da hilft nur eins: Das Türchen öffnen. Dann wissen wir es. Aha, ein Schaf! Ja, Schafe fanden sich auch bei der Krippe ein, das weiß jedes Kind.

Dies ist freilich in besonderes Schaf: Morgensterns „Mondschaf“. Falls du es nicht auswendig weißt – hier kannst du es nachlesen:

Das Mondschaf

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.

Es harrt und harrt der großen Schur.

Das Mondschaf.

Das Mondschaf rupft sich einen Halm

und geht dann heim auf seine Alm.

Das Mondschaf.

Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:

„Ich bin des Weltalls dunkler Raum.“

Das Mondschaf.

Das Mondschaf liegt am Morgen tot.

Sein Leib ist weiß, die Sonn ist rot.

Das Mondschaf.

 

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Eine Hoffnung machende Rede: Wenn nicht wir, wer dann?

Die folgende Rede der kanadischen Ethik-Professorin Dr. Julie Ponesse (übersetzt von B. Barucker) fand ich bei Red Skies over Paradise. Ich zeige sie nicht als link, sondern in voller Länge, um möglichst viele Menschen zu ermutigen, sie jedenfalls teilweise zu lesen und über die Rede nachzudenken, vielleicht auch für sich selbst Stellung zu beziehen.

Julie Ponesse

Screenshot des Vortrags von Dr. Julie Ponesse. © thedemocracyfund.ca. Im Hintergrund das Foto einer NSDAP-Veranstaltung

Gerne würde ich diesen Beitrag, liebe Petra, unter dein Motto „Zündstoff Hoffnung“ stellen, denn Menschen wie diese Frau sind für mich der Inbegriff der Hoffnung,  doch weiß ich, dass das Thema kontrovers ist und überlasse es daher dir, ob du es verlinken möchtest oder nicht.

 

Warum entscheiden sich so viele für ein Leben in einem Käfig? | Dr. Julie Ponesse

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Anmerkung Bastian Barucker: Dr. Julie Ponesse ist Professorin für Ethik und lehrt seit 20 Jahren am Huron University College in Ontario. Aufgrund der Impfpflicht wurde sie beurlaubt und durfte ihren Campus nicht mehr betreten. Sie hielt am 22. November 2021 einen Vortrag im Rahmen der Faith and Democracy Series. Diese Rede habe ich übersetzt und freue mich sie hier veröffentlichen zu können. Ich hatte bereits ihre erste Rede “Geben Sie ihre Rechte nicht auf” übersetzt und veröffentlicht. Viel Vergnügen!


Vielen Dank für die Einführung, vielen Dank an den Demokratiefonds, vielen Dank an Charles McVey für die Bereitstellung eines Raums, in dem wir offen und frei Ideen austauschen können.

Ich fühle mich zutiefst geehrt, hier zu sein, und bin sehr dankbar für Ihren freundlichen Empfang; Gnade ist heutzutage Mangelware, und wir müssen sie fördern, wo wir können.
Heute habe ich Ihnen ein altes armenisches Volksmärchen zu erzählen. Es ist eine Geschichte, die meine Tochter gerne hört, und sie geht so…

Es war einmal ein Fuchs, der einer alten Frau Milch gestohlen hatte. Sie bestrafte ihn, indem sie ihm den Schwanz abschnitt. Ohne seinen Schwanz sieht er komisch aus, und alle seine Freunde lachen ihn aus. Er bittet die alte Frau, ihm den Schwanz wieder anzunähen, aber sie will das nur tun, wenn er ihr die gestohlene Milch zurückgibt. Aber die Milch ist weg, also geht er zu einer Kuh und bittet sie um Milch, um sich bei der alten Frau zu revanchieren, aber die Kuh gibt ihm ihre Milch nur, wenn der Fuchs ihr etwas Gras bringt, und das Feld gibt sein Gras nur her, wenn er ihm etwas Wasser bringt … und so geht die Geschichte weiter…

Zwei Dinge sind an dieser Geschichte interessant:

Erstens kann der Fuchs nur bekommen, was er will, wenn er zuerst tut, was ein anderer von ihm verlangt. Zweitens unternimmt der Fuchs so große Anstrengungen, um seinen Schwanz zurückzubekommen, und zwar nicht wegen des Wertes, den der Schwanz für ihn hat (z. B. weil er ihm hilft, Fliegen zu verscheuchen oder nachts warm zu bleiben), sondern weil sein Schwanz einen großen sozialen Wert hat. Er will dazugehören; ohne ihn, sagt er, “werden mich alle meine Freunde auslachen”.

Handelt der Fuchs aus freien Stücken?

Mag sein. Aber die Entscheidungen, die er über sein Leben trifft, die Art und Weise, wie er bestimmt, was gut für ihn ist und wie er es bekommt, werden stark davon beeinflusst, was er glaubt, dass andere von ihm verlangen und erwarten.

Wie frei ist der Fuchs Ihrer Meinung nach? Fühlen Sie sich von seinem Dilemma angesprochen?

Wie frei fühlen Sie sich? Heben Sie die Hand hoch, wenn Sie sich vor 2 Jahren freier gefühlt haben? Wie wäre es mit vor 10 Jahren?

Vielleicht kennen Sie das berüchtigte Foto aus dem Jahr 1936, auf dem ein einsamer Mann mit verschränkten Armen zu sehen ist, während Hunderte um ihn herum ihre Arme zum Gruß und zur Treue gegenüber der Nazi-Partei hochhalten.

Jedes Jahr zeige ich zu Beginn meines Ethikunterrichts dieses Bild und frage meine Schüler: “Was glaubt ihr, wer von diesen Menschen ihr sein würdet?”  Je nach Jahr sagten zwischen 80 und 85 % der Klasse, dass sie mit Sicherheit der einsame, abweichende Mann mit den verschränkten Armen sein würden. Aktuelle psychologische Studien zeigen jedoch, dass nicht einmal 10 % von uns wahrscheinlich dieser Mann sein werden. Aus diesen Studien geht hervor, dass unsere vorherrschende moralische Strategie in Wirklichkeit Fügsamkeit ist.

In einer Studie der Harvard Business Review aus dem Jahr 2016 wurden die Probanden zum Beispiel gefragt: “Was würden Sie tun, wenn sich jemand vor Ihnen in der Schlange vordrängt?”

Die meisten sagten, sie würden die Person sofort und höflich bitten, sich ans Ende der Schlange zu stellen. Was glauben Sie, wie viele haben sich tatsächlich gemeldet? Als die Forscher das Experiment durchführten, tat nur 1 von 25 Personen dies tatsächlich. Der Rest war entweder zu faul, um sich die Mühe zu machen, oder hatte zu viel Angst davor, was andere sagen oder tun würden.

Am 11. November dieses Jahres herrschte in einer Ingenieursklasse an der Western University wieder einmal Fügsamkeit, als ein Student verhaftet wurde, weil er der Impfpflicht der Universität nicht nachgekommen war.

Was mich überraschte, war nicht, dass der Student verhaftet wurde, sondern dass eine ganze Klasse von Studenten, seine Kommilitonen und vielleicht Freunde, schweigend daneben saßen und nichts taten, einschließlich der Person, die daran dachte, ein Video von der Verhaftung aufzunehmen.

Wenn Sie in dieser Klasse gewesen wären, was hätten Sie wohl getan?

Heutzutage werden wir für die Fügsamkeit erheblich belohnt. Wenn wir uns an die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Pandemie halten (Maskierung, Distanzierung, Abriegelung und jetzt die ständig zunehmende und nebulöse Einführung von Impfstoffen), wird uns das bedingte Privileg gewährt, wieder in die Gesellschaft einzutreten;

Und was sind die Strafen für die Nichteinhaltung? schikaniert, beschämt, ausgeschlossen, gekündigt, sogar mit einer Geldstrafe belegt oder verhaftet werden.

Als ich das letzte Mal hier war, hatte ich eine Reihe von Fragen. Die habe ich immer noch:
Warum behaupten unser Premierminister, die Beamten des öffentlichen Gesundheitswesens und sogar das elektronische Schild über der Autobahn auf meinem Weg hierher heute Abend, dass die Impfung ein notwendiger Schutz gegen COVID-19 ist, obwohl der Direktor des CDC, der leitende wissenschaftliche Berater der britischen Regierung, der israelische Direktor für öffentliche Gesundheit und sogar Dr. Fauci alle erklärt haben, dass die COVID-Impfstoffe die Übertragung nicht verhindern können?

Warum wird den doppelt Geimpften freier Zugang zu öffentlichen Räumen gewährt, wenn, wie eine kürzlich in The Lancet (an zweiter Stelle nach dem New England Journal of Medicine) veröffentlichte Studie zeigt, die Wirksamkeit des Impfstoffs am 15. Tag um 92 % abnahm und am 211. Tag keine Wirksamkeit mehr feststellbar war.

Warum werden wir, nachdem Dr. Fauci zugegeben hat, dass die Impfstoffe nicht so gut wirken, wie sie gedacht waren, nun dazu verleitet, zu glauben, dass wir umso mehr davon nehmen sollten, je weniger gut etwas wirkt?

Warum ignoriert Health Canada weiterhin die frühen ambulanten Behandlungsprotokolle, obwohl sie von mutigen kanadischen Ärzten jeden Tag mit einer Erfolgsquote eingesetzt werden, die Dr. Tam und Dr. Moore beschämen sollte?

Wann wird es nicht mehr sinnvoll oder möglich sein, von einer “Pandemie der Ungeimpften” zu sprechen? Wenn sie nur 10% der Bevölkerung ausmachen? 6% 1%? ein Bruchteil eines Prozents?

Handelt es sich hier um eine “Verschiebung der Zielsetzung” oder um ein nicht vorhandenes Ziel?

Warum wollen wir 5-Jährige impfen, wenn die Impfstoffe das absolute Risiko höchstens um 1 % senken und es KEIN wirksames Überwachungssystem gibt, um unerwünschte Ereignisse zu erfassen?

Würde es Sie überraschen zu hören, dass diese Frage nicht von einer extremistischen Randgruppe kommt, wie unser Premierminister zu sagen pflegt, sondern von Dr. Peter Doshi, dem Chefredakteur des British Medical Journal?

Und wie Christine Anderson vom Europäischen Parlament kürzlich sagte: “In der gesamten Geschichte der Menschheit hat es noch nie eine politische Elite gegeben, die sich aufrichtig um das Wohlergehen der normalen Menschen sorgt. Warum sollten wir glauben, dass es jetzt anders ist?

Wir befinden uns nicht nur in einem Zustand der wissenschaftlichen Verwirrung:
Wir sind eine verwirrte, verängstigte, moralisch erschöpfte, demoralisierte Nation.

Wir haben unseren moralischen Kompass verloren und damit auch die moralischen und staatsbürgerlichen Tugenden, auf denen wir unser Gesundheitssystem, unser Rechtssystem und unsere Demokratie aufgebaut haben.

Wir sind von unseren Führern angewiesen worden, zu hassen, zu spalten, zu beschämen und abzulehnen… und wir sind in diesen Dingen hervorragend. Das ist es, was es jetzt bedeutet, Kanadier zu sein.

Wer hätte vorhersagen können, dass wir uns so leicht dazu überreden lassen würden, unser Leben auf den Kopf zu stellen, uns vor allem und jedem zu fürchten und uns monatelang, jetzt fast zwei Jahre lang, zu isolieren?

Nun, während die neuen Impfstoffe auf den Markt kommen, wird jeden Tag ein weiteres Experiment durchgeführt, bei dem jeder von uns als Versuchsteilnehmer fungiert.
Erinnern Sie sich an den Werbespot, in dem COVID-19 als grüne Wolke dargestellt wurde, die sich schädlich über die Knöpfe in einem Aufzug ausbreitet?

Diese und viele andere Anzeigen wurden von der Abteilung für Verhaltensforschung des Privy Council erstellt, die charmant “Dräng”-Einheit genannt wird, um unser Verhalten zu verfolgen und zu beeinflussen.

Die Worte, die wir tagtäglich von unseren Gesundheitsbehörden hören, sind weniger organisch und spontan, als es den Anschein hat. Sie sind das Ergebnis einer Vielzahl kalkulierter Verhaltensdaten, die über alles Mögliche gesammelt werden, von der Angst vor Corona bis hin zu dem, was man so beleidigend als “Impfzurückhaltung” bezeichnet.

Erinnern Sie sich an die verhaltenspsychologischen Experimente, von denen ich Ihnen vorhin erzählt habe? Die führenden Köpfe der Verhaltenspsychologie arbeiten jetzt für unsere Regierung, und sie nutzen all ihre Studien, all ihr Wissen, um unser natürliches kritisches Denken zu manipulieren. Unsere geistigen Instinkte. Das, was uns menschlich macht. Sie entmenschlichen uns mit einer Plakatbotschaft nach der anderen.

Ich frage also noch einmal: “Wie frei fühlen Sie sich”? Wie frei sind wir?

Kennen Sie den Roman “The Life of Pi: Schiffbruch mit einem Tiger”? Der Autor spricht über den Kompromiss, der mit dem Leben in einem Zoo verbunden ist. Im Zoo ist man gut genährt und hat alles, was man braucht, um sicher und bequem zu leben, ohne ständig um sein Leben fürchten zu müssen, aber man ist eingesperrt. In der Wildnis ist man kalt, hungrig und hat ständig Angst, die Mahlzeit eines anderen zu sein. Aber Sie sind vollkommen frei. Was wäre Ihnen lieber: satt oder frei?

Warum scheinen sich heute so viele für das Leben im Käfig zu entscheiden?

Wenn man heutzutage über Rechte spricht, scheint man entweder auf taube Ohren zu stoßen oder als irrelevant abgetan zu werden… oder sogar als egoistisch. Es gibt eine erschreckende Mehrheit in diesem Land, die einfach nicht glaubt, dass etwas wirklich Wichtiges verloren geht.

Haben wir beschlossen, dass ein Leben in Komfort, Sicherheit und Konformität – wenn das überhaupt möglich ist – den Preis der Freiheit wert ist? Wie kann man ein Volk dazu bringen, für seine Rechte einzutreten, wenn es nicht glaubt, dass seine Rechte schwinden?

Welchen Sinn hat der Versuch, jemanden zu emanzipieren, der nicht erkennt, dass er nicht wirklich frei ist?

Was ist, wenn du blind bist für den Käfig, der um dich herum errichtet worden ist? Was ist, wenn Sie geholfen haben, ihn zu bauen?

Ich werde jetzt für einen Moment persönlich und ernst. Um ehrlich zu sein, wünschte ich, ich wäre heute Abend nicht hier bei Ihnen. Ich wünschte, wir lebten in einer Welt, in der wir uns nicht versammeln müssten, um darüber zu sprechen, dass unser Land nicht mehr wiederzuerkennen ist und dass wir Gefahr laufen, unsere Rechte und Freiheiten für immer zu verlieren.

Ich wünschte, wir würden in einer Welt leben, in der ich zu Hause bei meiner Tochter sein könnte, um ihr die Geschichte vom Fuchs vorzulesen und sie sicher ins Bett zu bringen, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob ich sie in den kommenden Monaten in Sicherheit bringen kann oder nicht. Ich wünschte, wir wären hier, um unsere Erfolge als die Nation zu feiern, um die uns die Welt einst beneidet hat. Aber ich glaube nicht, dass wir derzeit in dieser Welt leben, und ich bin mir auch nicht sicher, dass wir das schon seit einiger Zeit tun.

Wenn das, was wir bisher erlebt haben, so weitergeht, wird es, wenn die Impfstoffe für die 5-11-Jährigen eingeführt werden, Kinder geben, die jetzt Geschichten lesen und ins Bett gebracht werden, die ihren nächsten Geburtstag nicht mehr erleben werden.

Ich für meinen Teil werde jeden Tag für eine Welt kämpfen, in der wir uns darüber keine Sorgen machen müssen. In der unsere Kinder nur das fürchten müssen, was wirklich Angst macht.

In der sie wie Kinder leben können und nicht wie kleine Erwachsene, die die Last der Welt auf ihren Schultern tragen.

Machen wir unsere Fehler nicht zu ihrer Last. Belasten wir ihr Leben nicht mit Ungewissheiten, die wir besser hätten bewältigen können. Belasten wir sie nicht mit den Folgen unserer eigenen Selbstgefälligkeit.

Geben wir unseren Kindern ihre Kindheit zurück.

WENN wir nur sehen könnten, was wir verloren haben und wohin es uns führt. WENN wir nur erkennen könnten, dass es besser ist, Fragen zu haben, die nicht beantwortet werden können, als Antworten, die nicht hinterfragt werden können. WENN wir uns gegenseitig mehr Gnade als Scham gewähren könnten. Wenn du, wie Rudyard Kipling schrieb, deinen Kopf behalten kannst, wenn alle um dich herum ihren verlieren und dir die Schuld zuschieben;
Wenn du dir selbst vertrauen kannst, wenn alle Menschen an dir zweifeln, aber auch ihre Zweifel zulässt; Wenn du warten kannst und nicht müde wirst vom Warten. Oder, wenn man dich belügt, handle nicht mit Lügen. Oder, wenn du gehasst wirst, gib dem Hass nicht nach.
Und doch, sieh nicht zu gut aus, noch rede zu weise;

Kipling schrieb diese Worte 1895 für seinen einzigen Sohn, der nur 6 Wochen nach seinem 18. Geburtstag im Kampf gefallen war

Aber sie könnten genauso gut für uns heute geschrieben worden sein. Wir stehen vor einer Herausforderung von unvorstellbarem und unschätzbarem Ausmaß. Ich persönlich habe in den meisten Momenten eines jeden Tages Angst. Die Eltern in diesem Raum werden das wahrscheinlich verstehen. Aber ich werde kein Opfer dieses Schreckens werden; und ich werde mich nicht terrorisieren lassen. Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst; Mut bedeutet, durch die Angst hindurch zu gehen, trotz der Angst.

Schauen Sie einen Moment lang auf die Person, die vor Ihnen sitzt, auf die Person, die links und rechts von Ihnen sitzt, schauen Sie mich an. Wir sind Ihre Bürger, die Menschen, mit denen Sie ein Land aufgebaut haben, die Menschen, die von dem, was Sie heute tun, betroffen sein werden. Wir sind nicht die Feinde des anderen und wir sind nicht allein;  Und wir müssen uns nicht alles gefallen lassen oder uns in allem einig sein, um eine funktionierende Demokratie zu haben. Ein Chor, in dem alle das Gleiche singen, ist niemals so schön wie einer, in dem die Menschen unterschiedliche, aber sich ergänzende Stimmen singen; die Schönheit und Einheit in dieser Harmonie ist unvergleichlich.

Eine Gesellschaft, in der wir die Unterschiede zwischen den Menschen respektieren, ist eine echte Demokratie. Und diese Demokratie liegt zum Greifen nahe: …. Wir müssen nur die Hand ausstrecken und sie ergreifen.

Wie John F. Kennedy sagte: “Die Glut dieses Feuers kann wirklich die Welt erhellen”.
Lasst uns nicht wie der Fuchs sein. Verschränken wir unsere Arme. Sagen wir es laut. Weigern wir uns, uns zu fügen. Stellen wir Fragen. Brechen wir den Käfig auf. Was wir brauchen, um wieder frei zu sein, um unser Land zurückzubekommen, ist bereits in jedem von uns.
Es ist an der Zeit, sich für Mut zu entscheiden! (Trotz der Angst!)
Werden Sie sich mir anschließen? “Wenn nicht wir, wer dann?

Mit den Worten von Hillel dem Älteren: “Wenn nicht jetzt, wann dann?”

Ich danke Ihnen.


Quelle der Textfassung: https://brownstone.org/articles/why-are-so-many-choosing-a-life-in-a-cage-dr-julie-ponesse/

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Impulswerkstatt: Entfernt, entrückt

Einladung zur Impulswerkstatt November, Dezember 2021

Das Foto arbeitet weiter in mir, denn es gibt darin einen Aspekt, der mich sehr anzieht, aber gar nichts mit dem Meer als solchem zu tun hat. Ich meine die Mole, die in leichtem Sichelmondschwung vom Betrachter weg in die Ferne führt. Dort, wo die Mole endet, sind winzige Menschen zu sehen oder wohl eher zu erahnen.

Was mich beschäftigt, ist die „Entrückung“ dieser Menschen. Sie scheinen sich in einer Dimension aufzuhalten, zu der der Betrachter keinen Zugang hat. Ich weiß natürlich, dass es sich dabei um einen Effekt der Raumperspektive,  verstärkt durch den Sonnenglanz auf Mole und Meer, handelt. Aber mir kommt das Wort vom „Ende des Wegs“  und von „abgeschiedenen Seelen“ in den Sinn. Vielleicht sind es Caspar David Friedrich und andere Romantiker, die da in meinem Gemüt herumspuken.

Mit solchen Gedanken und Assoziationen im Herzen machte ich die folgende Aufnahme. Der Weg, auf dem sich ein Mensch von mir entfernt, führt weiter und weiter hinab, bis hinunter zum Meer. Noch ist der Mensch unterwegs, er wandert unter einem wolkenverhangenen Himmel auf ausgefahrener Straße. Noch hat ihn der Sonnenglanz über dem Meer nicht aufgenommen.

 

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Verwurzelter Baum

 

 

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Durchgestrichene Sonne

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