Dienstags-Drabble: Trinklied, kata-strophisch.

Dies ist ein Beitrag zum Drabble-Dienstag, nun mal wieder im beliebten kata-strophischen Stil. Die zu bedienende Wörter waren Schleier – ambulant – kleben. Hundert Wörter soll der Text umfassen – ohne Überschrift.  

Trinklied

Wir leben alle ambulant

Wer lebt schon stationär?

Sei froh, wenn sich mal jemand fand

Der gerne mit dir wär,

So mancher klebt sehr gern am Leben

Doch klebe nicht zu sehr

Trink lieber von dem Saft der Reben

Bald kriegst du keinen mehr.

Willst du denn ewig nüchtern sein

Und stets in Ängsten leben?

Komm her, mein Freund, ich schenk dir ein,

ein Schluck sei dir vergeben.

Der Wein ist wie ein sanfter Schleier

der weich macht was dich drinnen schmerzt

Nicht ewig währt des Lebens Feier

genieße, trink und sei beherzt.

Wer nicht trinkt, verdirbt

Bevor er stirbt.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Mit Oppenheimer, Tanz und Sonnenuntergang

Gestern waren mein Mann und ich erstmals im Kino-Palast von Kalamata. Ich hatte keine Ahnung, dass es ihn gab. Er hat sogar drei Säle. Um hinzugelangen, spazierten wir durch das Altstadtzentrum (Foto) und weiter durch eine wenig definierte Gegend: halb Neubau, halb Abbruch, dazwischen ein neues Schulgebäude aus rotem Klinker mit großem Spielplatz, ein paar Baulücken mit parkenden Autos, ein mit Planen verhängtes riesiges Fabrikgebäude im Zustand der Dauer-Renovierung. Wir wollten „Oppenheimer“ sehen. Mit uns saß eine Handvoll Menschen in dem riesigen Kinosaal. Es war ein recht nostalgischer Moment, als die große Leinwand zu leben begann. Wie anders ist doch dieses Kino-Erlebnis als das jammervolle TV oder gar der Computer!  Der Film mit seinen großartigen Effekten tat ein übriges, uns davon zu überzeugen, wieder öfter ins Kino zu gehen.

Heute trafen wir uns zum letzten Mal mit dem Lehrer zum paneurythmischen Tanzen. Die Schrittfolge haben wir nun intus und können auch ohne Lehrer klarkommen.

Eine schöne Erfahrung war es, an diesem Strand zu tanzen.

Als wir endeten, ging auch die Sonne unter.

Nun ist auch dieser kleine Zyklus beendet. Mal sehen, ob es mit der Fortsetzung ohne Lehrer klappt.

 

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Bilder aus der Mappe: Kratzbild „Erscheinung“

Ein mit Wachskreide gemachtes Bild in Kratztechnik steckte auch in der kürzlich aufgefundenen Mappe.

Eine Zeitlang machte ich viele solcher Bilder. Es ist spannend zuzuschauen, wie unter der schwärzlichen Oberfläche liegende Farbschichten erscheinen, wenn man mit einem spitzen Gegenstand kratzt. Was erscheint, hängt natürlich davon ab, was man vorher aufgetragen hat. Doch wer erinnert sich schon daran, wo das Blau, das Gelb und das Rot platziert wurden?

Diese Technik ist für Menschen mit schlechter Feinmotorik sehr angenehm zu handhaben. Man kann ruhig vor sich hinkratzen, Muster erfinden und sich in einen fast meditativen Zustand versenken. Es macht auch Kindern Spaß.

Viele Bilder in dieser Technik haben sich nicht erhalten. Zwei „Augen“ zeigte ich bereits früher.

Das neu hinzu gekommene noch einmal in feinem digitalem Silberrahmen:

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Tanzen, Schwimmen und Kaktusstern

Unsere Freundschaftsgruppe traf sich erneut am Meer, um mit dem Athener Lehrer das paneurhythmische Tanzen zu üben. Es geht schon etwas harmonischer und weniger angestrengt. Danach machte ich meinen diesjährig ersten Sprung ins Meer und schwamm eine kleine Runde.  Kalt war es, auf herrlich prickelnde Weise belebend.

Später schaute ich nach den riesigen Kakteen in der Bucht unterhalb unserer Lieblingstaverne. Ob sie wohl schon Knospen trieben? Nein, keine Spur von Knospen. Auch das freute mich, denn es zeigt mir, dass der Kaktus sich trotz der ungewöhnlichen Wärme nicht beeilt.

Und so schicke ich euch heute, wo das internet von Osterglocken und anderem Blühenden überschwemmt ist, einen „Kaktus ohne Blüten“. Denn bei uns ist ja noch lange nicht Ostern. Wir haben gerade erst mit der Fastenzeit begonnen.

Ein Spross war glatt abgeschnitten, vermutlich hat jemand ihn bei sich einpflanzen wollen. Und so sah ich auch den 7-Stern des Kaktus-Inneren mit der runden Marksäule im Zentrum. Er gleicht ein wenig unserem Rundtanz.

 

 

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Bilder aus der Mappe: Mäuselchen

Darf ich vorstellen? Das ist „Mäuselchen“, die schwarze Angorakatze, die in den ersten Athener Jahren bei uns lebte. Ich zeige euch diese Federzeichnungen hinter digitalem Silberrahmen. Denn ungeachtet ihres merkwürdigen Namens war sie eine sehr elegante Dame.

Tatsächlich hatte ich die Neigung, meine Katzen freundschaftlich mit der von ihr bevorzugten Nahrung zu identifizieren, und rief sie daher „Mäuselchen“ oder „Vögelchen“. Der anschmiegsame weiße Angorakater, der jetzt meinen Garten bewohnt, heißt offiziell Lin, ich aber nenne ihn zärtlich „mein Hase“. Keine Ahnung, woher mir der Name gekommen ist, denn er frisst keine Hasen, außer vielleicht als Bestandteil des Katzenfutters.

Eine Kohlezeichnung von Mäuselchen, leider auf inzwischen zerknittertem Papier, befand sich auch in der Mappe:

und eine Wachskreisezeichnung gibts auch. Tatsächlich hatte ihr schwarzes Fell einen rötlichen Schimmer.

Diese Katze lebte elf Jahre bei uns. Leider bekam ihr der dann notwendig werdende Umzug gar nicht. Sie konnte sich an die neue Umgebung nicht gewöhnen und starb wenig später.

Ich habe übrigens von ihr und anderen kätzischen Mitbewohnern noch mehr Kohlezeichnungen gemacht, die ich schon früher mal zeigte (schau hier).

Auch zwei Zeichnungen mit sehr weichem Bleistift zeigte ich schon.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: paneurythmisches Tanzen lernen

Orpheus unter den Tieren, frühchristlich, Byzantischisches Museum Athen

Seit gestern lerne ich die Anfänge paneurythmischen Tanzes. Eine Frau unserer Gruppe brachte einen Lehrer aus Athen zu uns, um uns diese Musik- und Tanzform zu zeigen. Sie stammt von Petar Danow, der in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Bulgarien lebte, wanderte beim Aufkommen des Kommunismus nach Frankreich aus, um schließlich zurück auf den Balkan und zu uns zu gelangen. Die Musik und tänzerischen Schritte sollen mitsamt der zugehörigen Philosophie ihren Ursprung bei Orpheus haben, der ja in diesem Raum zwischen dem heutigen Bulgarien und Griechenland (Thrazien) beheimatet ist.

Wie dem auch sei: es macht Spaß. Wir lernen Schritt um Schritt, tanzen dann paarweise und im Kreis. Im Zentrum des Kreises ertönt die Musik, und wir bewegen uns nach der erlernten Abfolge von Bewegungen um dieses Zentrum herum. Vielfältig sind diese Bewegungen, aber leicht zu erlernen, wenn man ihren Sinn versteht. Ziel des Tanzes ist, sich mit dem Kosmos und mit seinen Mittanzenden zu verbinden und zugleich bei sich selbst zu bleiben.

Gestern trafen wir uns in einem geschlossenen Raum, heute an einem Strand, was natürlich viel schöner war. Noch ist recht stümperhaft, was wir zustandebringen, aber was soll’s: morgen üben wir weiter. Es macht großen Spaß und transportiert tatsächlich eine uralte Weisheit, so scheint mir: wie der Mensch im Kosmos, in der Natur und in der Gesellschaft stehen soll oder vielmehr, sofern er sich auf sich selbst besinnt, tatsächlich steht.

Der Strand unterhalb unseres Tanzplatzes, mittags

Im frühen Christentum bis hin zur Renaissance wurde Orpheus übrigens als Vorprägung des Christus angesehen (der „gute Hirte“, wie in der obigen Skulptur), der den Weg in die Unterwelt antrat, und für die Unsterblichkeit der Seele steht. Und so ist unser Tanz zugleich eine Verbindung zu eurem Osterfest. (Wir feiern in diesem Jahr erst am 5. Mai).

Euch, lieben hier Mitlesenden,  ein Frohes Osterfest!

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Bilder aus der Mappe: It’s Greek! (Landschaften und Skulpturen)

Selten male ich Landschaften, die unmittelbar als „griechisch“ zu erkennen sind. Sie entsprechen nicht den Vorstellungen, die sich die meisten Menschen aufgrund der Werbefotos von Griechenland gebildet haben. Dabei ist diese Wachskreide-Zeichnung für mich sehr griechisch – und das nicht nur wegen der Buchstaben, die das ΣΙΝΕ ΑΣΤΡΑ (Kino Astra) anzeigen. Ich habe es im Dorf meiner Schwiegermutter gezeichnet – von unserer Terrasse aus.

Diese Szene mit bewachsener Bucht, dunkel-farbigem Meer und rundem Himmelskörper – Sonne oder Vollmond? -, könnte an vielen Küsten spielen.

Ebenso diese hügelige Landschaft mit baumbepflanzten Flächen, kleiner Siedlung im Vordergrund und kahlen blauenden Bergen ist nicht als „griechisch“ zu erkennen (Gegend von Korinth).

Oder schau dir diese Landschaft mit den hoch ragenden Pappeln an: ja, auch sie ist in Griechenland gemalt (auf der Insel Samothrake).

Die kürzlich aufgefundene Mappe enthält aber auch ein Aquarell, das  sofort als „griechisch“ zu erkennen ist. Ich habe es wohl unter dem Eindruck eine Besuchs auf einer Kykladeninsel, vermutlich Andros, gemalt. Es ist aus verschiedenen Ansichten zusammengesetzt, die jede für sich etwas „Typisches“ der Inseldörfer wiedergeben: ein geweißtes Kirchlein mit rotem Ziegeldach, einen verschatteten Innenhof, Treppen und gewölbte Durchgänge, Olivenbaum und Wand in gleißender Helle und darüber die riesige. Sonne.

Ein anderes Bild zeigt zwei marmorne Schönheiten, die ebenfalls sofort als „griechisch“ zu identifizieren sind. Ich zeichnete sie mit Bleistift und Wachskreiden.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Silbermeer

Das Meer ist ja immer schön, aber was es heute bot, überraschte mich doch sehr. Im leichten Wellenspiel funkelte und blitzte es, und dort, wo die Wellen sich brachen, bevor sie auf den Strand aufliefen, bildeten sich glänzende Abbruchkanten wie aus geschmolzenem Silber.

Die besonderen atmosphärischen Bedingungen spielten wohl bei diesem Wunderwerk mit. Rötlicher Wüstensand hatte seit gestern den Luftraum gefüllt, doch ein frischer Wind sorgte dafür, dass der Sand sich nicht konzentrierte. So bemerkte man ihn kaum, doch hatte die Luft eine andere Geschmeidigkeit als gewöhnlich. Genauer beschreiben kann ich es nicht. Die Fotos finde ich etwas enttäuschend, aber sie geben vielleicht doch eine Ahnung von der besonderen Schönheit dieses Tages.

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Im Atelier: Suchbewegungen

Ich habe vor einigen Tagen drei Leinwände in Betrieb genommen, um darauf mit Hilfe eines Stücks Kohle Ideen für mögliche Bilder zu notieren. Ich benutze sie wie Schiefertafeln: zeichnen und wegwischen, zeichnen und wegwischen. Die Notate halte ich manchmal mit dem Handy fest, manchmal auch nicht. Für mich ist dies Zeichnen besser, als vor einer leeren Leinwand zu stehen, zu der mir nichts einfällt.

Im Hintergrund sieht man eine Wand mit Aquarellen für die irgendwann hoffentlich stattfindende Ausstellung.

Die Skizze auf der kleinen Leinwand interessiert mich am meisten. Über sie denke ich nach.

Gleichzeitig wartet ein großes, vor einiger Zeit begonnenes Gemälde mit collagierten Papieren darauf, dass ich meine Unschlüssigkeit überwinde und mich entscheide, wie es weitergeht bzw ob ich alles übermale.

Auf dem Gemälde haben sich, außer dem schon früh entdeckten Bärtigen, noch weitere Köpfe in meine Wahrnehmung gedrängt. Ich habe ihnen mit Kohle etwas mehr Existenz verliehen, weiß aber nicht, was ich mit ihnen anfangen soll.

Dies war der erste Kopf: nach links gewendeter Kopf mit nachdenklich geschlossenen Augen und langem weißgrauem Bart

Als nächstes meldete sich dieser ebenfalls bärtige dynamische Kopf mit offenem Auge. Er wechselte sein Aussehen mehrmals.

Als nächster machte einer mit total bandagiertem Gesicht auf sich aufmerksam. Er schaut mit 3/4 Profil nach rechts.

und schließlich ist da noch einer mit Helm und Mundschutz, der blickt geradeaus, soweit man das seinem zerfetzten Gesicht entnehmen kann.

und ein fünftes blasses Gesicht trat links davon in Erscheinung.


Ich habe das Bild gegen die Wand gedreht, um es nicht immerzu ansehen und nachgrübeln zu müssen, was hier nach Ausdruck drängt.

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Bilder aus der Mappe: Federzeichnungen vom Schilfwurzelmännchen

Die unlängst aufgefundene Mappe enthält noch einige interessante Bilder, darunter vier Federzeichnungen, die ich von einem „objet trouve“ machte. Ein „gefundenes Objekt“ also, tatsächlich die Wurzel einer Schilfrohrs, die ich am Strand fand. Es war das erste „Schilfwurzelmännchen“, das ich zeichnete. Seine wunderliche Gestalt hat es mir sofort angetan, und so wurde es eine ganze Reihe.

Hier also die vier Federzeichnungen von 1985.

Viele weitere Schilfwurzelmännchen zeichnete ich später mit Bleistift…

in meiner Hand

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auch großformatig

auch mit Ölkreiden.

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