Tagebuch der Lustbarkeiten: Vollmondnacht und Gurrelieder mit Legebild

Nicht nur der 3. Advent steht uns ins Haus, sondern auch die letzte Vollmondnacht dieses Jahres. Vorhin wanderte ich ein wenig in ihrem Zauberlicht herum.

Es ist sehr hell, denn der Himmel ist bewölkt und reflektiert die elektrische Beleuchtung der Siedlungen. Zwischen den Wolken tritt dann und wann der Mond mit einem großen Hof hervor. Da ich zuvor im „Cabinet des Christian Erdmann“ Schönbergs „Gurrelieder“ verlinkt sah, höre ich sie mir nun, an die Steinmauer unseres Hauses gelehnt, an, während die Katzen um meine Beine streichen und ich den Blick zwischen der schwarzen Krone der riesenhaften Pinie, dem silbrig glänzenden Olivenlaub und dem dunstigen vom Mondlicht durchstrahlten Tal wandern lasse.

Ein zuvor entstandenes Legebild passt ganz gut dazu.

Vollmondnacht

Das Legebild ist aus demselben Schreibmaschinenblatt entstanden, aus dem auch das Bild für den Adventskalender hervorging. Die Stücke sind etwas größer. Ich habe sie dann für das Adventskalenderbild kleiner gerissen. Beide Bilder entsprechen jeweils genau einem DINA4-Blatt.

15.12., 3. Advent

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Adventskalender (15.12., Dritter Advent)

Schon ist der Dritte Advent und das nächste Türchen geht auf … Nanu? Keine Zeichnung?

Entstanden ist dies Wichtel-Legebild, als ich in trüber Stimmung im Atelier stehe und missmutig ein Blatt Schreibmaschinenpapier zerreiße. Lauter weiße Fetzen. Ich lege sie auf eine große schwarze Pappe, und meine Finger beginnen, sie zu ordnen. Je weiter sie damit kommen, desto mehr hellt sich meine Stimmung auf. Zum Schluss bekommt die Lütte mit dem feschen Hut, die die drei Adventskerzen hochleben lässt, noch ein lächelndes Gesicht. Ihr Gefährte lässt lauter Sterne als Friedenstauben über den nachtschwarzen Himmel fliegen, und die Wichtel lassen sich auch nicht lumpen. Wie immer stehen sie mit Werkzeugen und Geschenken bereit, um uns Menschen zu helfen, das, was wir grad zerstört haben, wieder aufzubauen und in eine harmonische Ordnung zu bringen.

Aus mutwillig Zerrissenem und schwarzer Nacht möge uns allen ein helles Bild der Freude, der Heilung und des Friedens aufsteigen! Ich wünsche allen hier Mitlesenden einen gesegneten Dritten Advent!

 

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Adventskalender (14.12.)

Das nächste Türchen geht auf. Und es erscheint: ein Tintenfass.

Dass außerdem auch Kabel im Bild rumliegen, ist ein Hinweis darauf, dass das Zeichnen oder Schreiben mit Tinte heute eher zu den ungewöhnlichen Tätigkeiten gehört. Schade, eigentlich. Wenn ich denke, wie lange die Menschen herumgeforscht und herumgeknobelt haben, bis sie eine lichtbeständige schwarze Tinte zustande brachten.

„Die ersten Anzeichen für die Verwendung von Tinte fand man in den alten Hochkulturen der Ägypter und Chinesen. Ca. 3000 vor Christus existierten schwarze und rote Tinten im Alten Ägypten – sie wurden aus Ruß oder eisenoxydhaltigen Erden, Wasser und einem gummiähnlichen Bindemittel (Gummi arabicum) hergestellt. In Ägypten hat man Tintenschrift aus Ruß auf Papyrusrollen gefunden, die trotz des Alters von mehreren Tausend Jahren noch ihre Schwärze und vollen Glanz behalten hat, auf Mumiengewändern aber entdeckte man auch Schriften, die silber- und platinhaltig waren.

Auch die Chinesen haben schon früh geschrieben: Um 2600 vor Christus trugen sie dazu eine Art Lack mit einem Bambusstab auf. In Stangen gepresst rieb man diese Trockenfarbe so lange in Wasser, bis man damit schreiben konnte. Nach M. Jametel (L`encre de chine, X) ist der Erfinder der chinesischen Tinte Tien-Tschen, der unter der Regierung des Kaisers Houangti (2697 bis 2597 vor Christus) lebte. Der Hauptbestandteil dieser Schreibflüssigkeiten war in beiden Ländern Ruß. Erst um 1000 vor Christus wurde dieser Schreibstoff in Fernost durch Tusche (indische Tinte) ersetzt. Diese wurde aus dem Ruß von verbrannter Nadelholzkohle und Lampenöl hergestellt und, mit einem Leim aus Gelatine vermischt, in Stangen gepresst und getrocknet. Die Tuschestange wurde bei Gebrauch so lange mit Wasser verrieben, bis die gewünschte Deckkraft erreicht war, eine Methode, die sich bis heute in der Kalligrafie erhalten hat.“ (Quelle: hier).

Die bisher geöffneten Türchen:

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Lichtkringelsteine: neurografisch-meditativ

Als ich sinnend vor den Lichtkringelspielen sitze (hier), fällt mir ein, dass sich in meiner Tasche mein Zeichenbuch befindet. Warum nicht versuchen, dieses Spiel zu zeichnen? Aber nicht als realistische Wiedergabe, sondern meditativ-neurografisch?

Nun, ich versuchte es. Und es tat mir sehr gut, denn ich konnte das Gleiten des Lichts und der Wellen, die leichten Brechungen an den runden Steinen, das unermüdliche Abschleifen und Abrunden der Steine, aber auch den Widerstand der Felsen mitempfinden.

Die Schwarz-Weiß-Fassung bearbeitete ich dann zu Hause mit Buntstiften und schwarzen Filzstiften.Das Ergebnis ist ziemlich nah an dem, was ich angesichts des unruhig spielenden Wassers empfunden hatte. Doch nun störte mich die Unruhe. Ich fasste größere Bereiche in Kreisen zusammen und betonte einige Linien noch stärker. Dadurch brachte ich mehr Ruhe ins Bild, ohne die innere Bewegung abzuschwächen.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Lichtkringelbestickte Steine (kleine Beobachtungen)

Wann man die Gelegenheit hat, dem Spiel der Lichtkringel auf den Steinen im Meer zuzuschauen, kann es einem vorkommen, als werde man Zeuge der Entstehung neuer Steinmuster.

Tatsächlich gibt es hier überall graue runde Steine mit weißen Lineamenten. Diese Linien aber sind Lichtkringel, die über das flache Meereswasser hinspielen und den Steinen bewegliche Lichtmuster verpassen.

Diese Muster beobachtete ich heute an einem Küstenabschnitt, wo dicke Felsbrocken ins Meer gestürzt sind und sich die hereinströmenden Wellen, spielerisch hin und her schwappend, einen Ausweg suchen.

 

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Gleiches Motiv – unterschiedlicher Zeichenstil: die kleine weiße Kugelvase

12.12.

Auch die gestrige Kugelvase mit ihrem künstlichen Ilexzweig und getrockneten Gräsern hat mir schon öfter als Modell gedient. Ihre weißliche Kugelform findet sich auf vielen Zeichnungen, manchmal als Hauptmotiv, dann wieder als hübsche Nebensache. In meinem Archiv suchte und fand ich einige  Beispiele. Außer Zeichnungen sind es Bearbeitungen und Überblendungen mit Fotos.

Viel Spaß beim Gucken (und Suchen)!

 

 

 

 

 

 

Hier sieht man die kleine Kugelvase gleich dreimal – inmitten von Eulen und Tigern (Januar 2020)

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Adventskalender (13.12.)

Was heute wohl hinter dem Türchen steckt? Ich mache es auf und sehe: eine Hand hält ein Keramik-Kunstwerk. Die Zeichnung ist so la la, ziemlich bunt und stumpf, die Buntstifte konnten die glänzende Glasur nicht wiedergeben. Und das Nachhelfen mit Filzstiften machte die Sache auch kaum besser.

Die Schwarz-Weiß-Zeichnung, die sich hinter den Farben verbirgt, finde ich diesmal fast gelungener

Ich hoffe, lieber Gerhard, du hast deine Keramik erkannt. Manche sagen ja, es sei blöd, ein Kunstwerk abzuzeichnen. Ich aber tue das gern, um es mir genauer zu betrachten und seine Schönheiten tiefer zu begreifen. So war es auch heute, selbst wenn das Ergebnis nicht ganz meinen Erwartungen entspricht. 

Die bisher geöffneten Türchen des Adventskalenders:

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Steine mit Lochmustern

Bestwetter heute, und da ein verabredeter Termin ausfiel, trolle ich allein zur weiten Bucht, wo der Sandova ins Meer mündet. Vom Sandova ist freilich nichts zu bemerken, selbst der Brackwassersee, der sich sonst im Winter zwischen Schilfwald und Steinwall bildet, ist vollkommen ausgetrocknet. Nur der Schilfwald ist noch da.

Der Brackwassersee im November vorigen Jahres

Ich setze mich auf die Kante des ehemaligen Brackwassersees und lausche den Vögeln, die hier wohnen. Sehen lassen sie sich nicht. In der Ferne plätschern Meereswellen gegen den Steinwall.

Beim Bummeln nehme ich immer mal wieder einen Stein in die Hand, möchte ihn mit nach Hause schleppen, lege ihn dann aber brav wieder zurück zu seinen Genossen.

Heute haben es mir die mit einem Lochmuster angetan.

Ich weiß immer noch nicht, wie es zu diesen unterschiedlichen Lochmustern kommt. Nur beim dritten Stein habe ich eine überzeugende Erklärung dafür. Du?

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Adventskalender (12.12.)

Und was steckt heute hinter dem Türchen des Adventskalenders? Ich öffne es und sehe meine kleine Kugelvase mit etwas kümmerlicher Befüllung, dazu auch das Buntstiftchaos auf meinem Schreibtisch.

Die Buntstifte und Filzstifte habe ich mir fürs neurografische Zeichnen besorgt, aber nun dienen sie mir auch bei der Gestaltung dieses Adventskalenders. Ich fand es angemessen, sie auch mal aufs Bild zu bringen.

Die offenen Türchen bisher:

 

 

 

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Gleiches Motiv – unterschiedlicher Zeichenstil: die Knochenvase

Im heutigen Türchen des Adventskalenders erschien eine Knochenvase mit Federn. Eine Knochenvase? fragte Bruni irritiert. Ja, antwortete ich ihr. „Warum gruselt es dich? Ich fand den schönen Knochen, vermutlich eines Rinds, und bemerkte, dass er stehen und als Vase dienen konnte. Knochen sind wie Federn, Muscheln, Schneckenhäuser, nur dass sie den Organismus von Innen stützen. Wir sehen sie bei lebendigen Organismen nicht, drum gruselt es uns, denn wir können bei ihrem Anblick nicht umhin, an den Tod zu denken. Aber beim Schneckenhaus oder der Austernschale denken wir es nicht.“

So brav wie im Adventskalender ist der Knochen freilich nicht auf allen Bildern. Es ist doch wahr, dass Knochen etwas gruselig wirken, weil sie ja nur in Erscheinung treten, wenn ihr Eigentümer tot ist. Vielleicht erinnerst du dich an das eine und andere Bild: Da gibt es einen „danse macabre“ von vier mal Knochenvase  in verschiedenen Bearbeitungen, und es gibt die „Hand mit Knochen“, die ich für Myriades Impulswerkstatt als Collagen gestaltet habe.

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