Dienstags-Drabble: Die Geschichte vom Knoten, den es zu lösen galt.

Das Seil, das Deichsel und Zugjoch des Streitwagens des phrygischen Königs Gordios verband, war aus dem Bast der Kornelkirsche. Es war auf eine so kunstvolle Weise verknotet, dass niemand es lösen konnte.

Ein Mythos besagte, dass der, der es dennoch zustande brächte, Herr über ganz Kleinasien würde.

Vierhundert Jahre später kam ein junger entschlossener Mann und zerschlug den Knoten mit einem Schwertstreich. Den Vorderteil Kleinasiens hatte er da schon erobert, nun aber war der Weg frei, um auch den Rest zu unterwerfen. Das gelang ihm.

Doch dann starb er an einer Krankheit.

Seine Nachfolger teilten das eroberte Gebiet untereinander auf.

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Dies ist mein Beitrag zum heutigen Drabble, zu dem Heide von Blog Puzzleblume einlud.

2024-07-26 3 Wörter-Bild Drabble-Einladung f. Di 30.07.2024 Handarbeiten Jutenetz -  Vorderteil, knoten, untereinander

 

 

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Tagenbuch der Lustbarkeiten: Schattenspiel

Wenn nach einem glühheißen Tag die Nacht kommt, beginnt das Leben auf der Turmterrasse. Die Tür zum dortigen Zimmer steht offen, und an der Wand gegenüber zeichnen sich Schatten ab – geworfen von den beiden Lichtquellen, die die Nacht erhellen: Mond und Straßenlaterne.

 

Mit verstärkter Beleuchtung. Ja, es handelt sich um Schatten an der weißen Innenwand: Schatten der provisorischen Vorhänge und des Gitters mit meinen Händen. Nur das Bett im Vordergrund ist „real“ und drinnen, alles andere befindet sich draußen.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Ausflug mit Meeresblicken

Fährt man von uns nach Kardamili, dem Hauptort unserer sehr ausgedehnten Gemeinde „West-Mani“, öffnet sich unvermittelt das gebirgige Gelände und vor dir liegt eine weite Bucht. „Das blaue Auge des Meeres“, denke ich unwillkürlich. „Und die fransigen Ausläufer des Gebirges sind seine Wimpern.“ Viele halten hier an, um den Ausblick zu bewundern und zu fotografieren.

Herangezoomt entpuppen sich die „Wimpern“ als bewaldete Riffs. Kardamili breitet sich auf einem mit Olivenbäumen bepflanzten Zwickel aus.

Es ist eine der schönsten Strecken auf dem an Schönheiten nicht eben armen Peloponnes. Kardamili ist ein alter auch für die griechische Geschichte bedeutender Ort, aber gestern war er nicht unser Ziel. (In Alt-Kardamili machte ich mal diese Zeichnungen, Hier auch ein paar Fotos)

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Wir wollten weiter nach Ag. Demetrios, eine junge Freundin besuchen, die dort mit ihrer Mutter ein Cafe betreibt und versucht, einige meiner Aquarelle unter die Leute zu bringen (ich berichtete hier davon).

Es beginnt zu dunkeln, als wir zurückfahren, Einen letzten Blick auf das Meer genießen wir schon fast wieder zu Hause, in der Bucht von Akrogiali,

Dann kommt die Nacht, und das Meer macht sein Auge zu.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Lesen, vergleichen (Anmerkungen zum Glasperlenspiel)

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Als Willi das „Glasscherbenspiel“ erfand (hier, dazu die obigen Bilder), kannte ich Hermann Hesses späten Roman nur dem Titel nach. Er ruhte ungelesen auf einem Regal im Keller. Nun zog ich ihn heraus, um ihn als Einschlafhilfe während der Mittagspause zu lesen.

Dumm ist nur, dass er mir gar nicht beim Einschlafen hilft. Denn trotz seiner altmodisch-umständlichen Sprache (oder vielleicht gerade deshalb?) bin ich in seinen Sog geraten. Inzwischen habe ich mich schon fast durch die Hälfte des 613-seitigen Wälzers (suhrkamp taschenbuch) gefressen, quasi mit der Nase am Boden schnüffelnd, wohin mich die Erzählung mitnehmen will. Welche Hinweise auf die Gegenwart des Autors (das Buch wurde 1943 veröffentlicht) und vor allem: auf unsere aktuelle Gegenwart finden sich? Wo versteckt sich der Autor mit ironischem Lächeln hinter dem braven Erzähler – der übrigens kein Einzelner, sondern ein „wir“ und „uns“ ist, denn das Individuum mit seinem subjektiven Streben und Schnickschnack hat in der geistigen Welt von Kastalien keinen Platz. Sein Wert wird ausschließlich durch seinen Dienst in der Hierarchie bestimmt.

Und so verfolge ich den für mich ganz fremden Werdegang einer von Anfang an schon der „Privatheit“ entkleideten Persönlichkeit (Joseph Knecht) mit Spannung. Die Handlung spielt in der fernen Zukunft, aber diese Zukunft ist wie in eine ideale Vergangenheit eingekleidet: der Bildungskanon beginnt in der Vorzeit und bricht im 19. Jahrhundert ab, die Musikgeschichte endet mit Schubert – gefolgt von einer Niedergangszeit und einem fast völligen Zusammenbruch von Kultur und Zivilisation, in der das Subjekt mit seinen Leidenschaften und seiner undisziplinierten bodenlosen Kreativität triumphierte und die im Chaos endete…. Diese Zeit liegt nun schon viele Generationen zurück, eine strenge geistige Elite hat sich des alten Kulturerbes bemächtigt und wendet es um und um in geistreichen Spielen und vor allem im Meisterspiel: dem Glasperlenspiel, das „einst, vor Generationen, begonnen (hatte) als eine Art von Ersatz für die Kunst, und es war, für viele wenigstens, im Begriffe, allmählich zu einer Art von Religion zu werden…“ (S. 144)

Viele Textpassagen unterstreiche ich. Es sind die Stellen, die mich, wenn auch völlig anders zugeordnet, an Aktuelles erinnern. Zum Beispiel die Besitzlosigkeit, die fast gleichlautend vom World Economic Forum im „Great Reset“ angedacht wurde: „Du wirst nichts besitzen und glücklich sein.“ Bei Hesse ist das raffinierter eingebaut und gilt nur für die geistige Elite. Gerade für hohe Begabungen wäre Freiheit „eine schwere Gefahr und müsste vielen zum Verhängnis werden, wie es in den Zeiten, vor unserer Ordnung, in den vorkastalischen Jahrhunderten, unzähligen hohen Begabungen gewesen“ sei. (S- 115) Keine Freiheit, also sind auch die traurigen „Schiffbrüche eines ungezügelten Dilettantismus“ Vergangenheit. Der Hochbegabte wird durch weise Anordnungen vor „Verlockungen und Gefahren“ , vor „Trunksucht“ und „sportlichen Exzesse(n)“ bewahrt (116). „Da es für den Kastalier kein Geld und so gut wie kein Eigentum gibt, existiert auch die Käuflichkeit der Liebe nicht“. (S. 116).

Oder eine andere Passage, wo es um die Faszination der Macht geht  „Es war schön und hatte etwas Verlockendes, Macht über Menschen zu haben und vor anderen hervorzuglänzen, aber es hatte auch eine Dämonie und Gefahr, und die Weltgeschichte bestand ja aus einer lückenlosen Reihe von Herrschern, Führern, Machern und Befehlshabers, welche mit unendlich seltenen Ausnahmen alle hübsch begonnen und übel geendet, welche alle, jedenfalls angeblich, um des Guten willen nach der Macht gestrebt hatten, um nachher von der Macht besessen und betäubt zu werden und sie um ihrer selbst willen zu lieben.“ (S. 143) Und was ist die Antwort von Kastalien? Sich „in den Dienst der Hierarchie“ zu stellen!

Nun, das vorerst. Vielleicht schreibe ich später noch ein wenig mehr dazu.

(Das Foto nahm ich imfebruar 2022 im „„NEW HUMANITY CENTRE“ auf, das wohl so was Ähnliches wie das Hesse’sche Kastalien zu werden hoffte und scheiterte)

 

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Etüdensommerpausenintermezzo (4): Olympiade – ein kata-strophischer Balkon-Dialog

Olympiade-Eröffnungsfeier   

Ein kata-strophischer Dialog zweier Balkonbewohner*innen.

 

Die Feier gestern, Junge Junge

Mir liegt ein Wörtchen auf der Zunge

Das werd ich besser mir verkneifen.

Ich kann die Welt nicht mehr begreifen.

 

Da hast du recht, mein lieber Schatz!

Das gestern war die reinste Hatz.

Was die da an Belustigung boten

War höchstens was für Vollidioten.

 

Da lob ich mir die Fallobstwiese

Wo faules Obst fällt, wenn die Brise

Die Bäume schüttelt, und man sammelt

Das Gute auf, der Rest vergammelt.

 

Paris, das warn mal Blütenträume,

das ist vorbei, jetzt sind’s Abschäume

für Trans, Vestiten und so weiter.

So mancher fand es trotzdem heiter.

 

Doch ernsthaft jetzt, was die wohl dachten

Die all den bunten Schnickschnack machten

Während im Regen hundert Kähne

Vorüberglitten auf der Seine?

 

Was wollten sie? Vielleicht Vergebung

Für ihre Sünden, ihr’n Verfall?

Versuchten sie ne Neubelebung

Von Olympias Geist kurz vor dem Knall?

 

Ich weiß nicht, wars nur Bluff und Tarnung

Für ihre primitiven Launen?

Vielleicht auch wollten sie ne Warnung

An alle Völker rausposaunen?

 

Denn wenns so weitergeht wie eben

Dann seh ich schwarz, dann kommts zum Fall

Dann wird’s vorbeisein mit dem Leben

Auf unserm schönen Erdenball.

 


Dies ist mein vierter Beitrag zu Christianes Etüdensommerpausenintermezzo.

Es war ein beliebig langer Text zu schreiben, in dem sieben der folgenden Wörter vorkommen müssen:

Balkonbewohner
Blütentraum
Gewitterfront
Lampenfieber
Portrait
Schnickschnack
Streuobstwiese
Unzulänglichkeiten
Vergebung
Vollidiot
Warnung
Wünschelrute

 

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Transparenz (20): ein Fenster – zwei Tageszeiten/zwei Fenster – eine Tageszeit (kleine Beobachtungen)

Es ist halb neun Uhr abends. Der Westhimmel ist golden vom Abendrot, die Lichtblende des Fensters ebenfalls.  Schattenhaft treten aus dem Gold das Gewebe der Lichtblende und das Gestänge des Eulengitters hervor. Dahinter ist nichts erkennbar.


Dasselbe Fenster. Es ist halb zwölf mittags. Die Lichtblende ist nun transparent für das blaue Gestänge der Weinlaube, und das Violett und Goldgrün der Bougainvillea dahinter.

Ich sehe diesen Wechsel sehr oft, denn wenn ich  an meinem Computer sitze und meinen Blick nachdenklich schweifen lasse, fällt er auf dieses Fenster. Ich sehe es, ich registriere es, aber ich kann mir das Phänomen nicht erklären. Wieso verändert sich die Transparenz so stark? Es ist ja in beiden Fällen hell da draußen.

Während ich dies schreibe, blicke ich, Aufklärung heischend, in die entgegengesetzte Richtung. Da gibt es ein fast identisches Fenster mit gleicher Jalousie. Es schaut nach Osten. Jetzt ist Mittag und die Sonne steht hoch im Süden.


Das Eulengitter hinter der Jalousie zeichnet sich scharf ab. Aber die Mauer und die Bäume  dahinter sind unsichtbar geworden. Hm.

 

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Kleine Beobachtungen: Katzen mit Farbsinn

Die Tage schmelzen dahin zwischen Schwimmen – Lesen – Essen – Schlafen … und noch dem und jenem. Zu Letzterem gehören die Katzen und Kater,  die ein ständiges Schauspiel liefern. Wenn sie nicht fressen oder sich – auch gegenseitig – sauber lecken oder streiten, ruhen sie in malerischen Posen und machen uns vor, wie man sich an heißen Tagen am klügsten verhält.

Die Türhüter Lin und Lan kennt ihr ja schon zur Genüge. Sie lieben den Schattenstreifen und die kühlende Marmorschwelle vor der Haustür, die einst von Tito zerkratzt wurde (es war seine Art anzuklopfen).  Witzig finde ich, dass der Marmorboden und die Farbe der Kater fast identisch sind. Dazu ein bisschen Braun der Tür…

Dieser Kleine – ein noch namenloses Katerchen – hat heute die plastizierte Schutzdecke auf unserem Bett als Lager entdeckt. Auch er scheint einen besonderen Sinn für passende Farbkombinationen zu haben. Gold und Grün ergänzen sich vortrefflich.

Oder etwa nicht?

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Transparenz (19): Unser täglich Wasser…

Unser täglich Wasser gib uns heute. In griechischen Lokalen wird immer und als erstes kühles Wasser auf den Tisch gestellt. Unentgeltlich natürlich. Natürlich? Ich empfinde es immer als großes Geschenk, zumal es in anderen Ländern längst nicht mehr usus ist.

 

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In der Zeichenschule (18): Arrangement mit Papprollen und Göttin Hygeia

Gestern war ich wieder in der Zeichenschule. Die Arrangements sind bunt geworden, um den Aspiranten der Kunsthochschule Gelegenheit zu geben, sich in Farbe zu üben.

Ich blieb bei Schwarzweiß und Kohle. Mein Blick wurde von den Papprollen angezogen. Warum mich nicht mal an denen versuchen? Nach einer Stunde hatte ich die Szenerie skizziert.

Ich brauchte dann noch zwei weitere Stunden, um die Zeichnung fertigzustellen. Den Platz vor mir hatte inzwischen ein anderer Teilnehmer, der an einem Querformat arbeitete, eingenommen (s. Foto), aber ich beließ es bei der ursprünglichen Anordnung. Hier kannst du auch die Große der Zeichenpappen einschätzen, auf denen gemalt und gezeichnet wird.

Die Zeichnung solo. An Genauigkeit lässt sie nichts zu wünschen übrig.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Morgenschwimmen in Akrogiali

Vor dem Frühstück die erste Runde schwimmen – genau, das ist das Rezept, um bei den anhaltend hohen Temperaturen fit zu bleiben. Neuerdings kommt auch mein Mann mit, und so fahren wir an einen gemütlichen Strand, den der „Verschönerungsverein“ des Nachbardorfes hübsch hergerichtet hat. (ich zeigte hier schon mal Fotos davon). Die Bänke, Wände und Blumenkästen sind neu  gestrichen und bemalt, das Bücherregal neu bestückt. Heute brachten auch wir ein paar ausgelesene Bücher und stellten sie dazu.

Der weite Strand ist zu dieser frühen Stunde noch fast leer, das Meer transparent. Der waldige Hang gegenüber färbt das Wasser hübsch grün ein, und es macht große Freude, hier zu schwimmen und, nun ja, dabei auch leise zu singen.

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