Das Fest der Panagia – ein heiterer Tag

Der 15. August ist nicht nur der Höhepunkt des Sommers, sondern auch eines der beiden höchsten Feste der griechischen Christenheit, das Ostern des Sommers. Heute wird die Panagia (die Allerheiligste) geehrt, auch Theotoko (Gottesgebährerin) genannt und mit vielen zärtlichen Beinamen belegt. Maria, Mutter der ganzen Welt, Quelle des Lebens,  Gnadenreiche, Trösterin und Helferin der Bedrückten … ist die würdige Nachfolgerin aller vorangegangenen Muttergottheiten, und ihre Verehrung ist sehr lebendig. In den Kirchen, allen voran in der Hauptkirche der Insel Tinos, wird ihre Grablegung mit großem Glanz gefeiert.

Umkehrung der Weihnachts-Darstellung: Der Sohn nimmt die Seele der Mutter als Baby in Empfang. Kloster Hora, Istanbul. Από © José Luiz Bernardes Ribeiro, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16825913

Es ist ein kirchliches, nationales, zugleich auch inniges familiäres Fest.. Am 15. August ist jeder Grieche, jede Griechin, wenn irgend möglich, in seinem oder ihrem Dorf, oder auch an der See. Die Tavernen sind voll, Alte und Junge, Kind und Kegel speisen an langen Tischen. Schön ist das, ich mag es, dass sich die Generationen nicht separieren, jedenfalls nicht an solchen Tagen.

Wir beide haben hier weder Kind noch Kegel, aber feiern können wir auch. Und so zogen wir schon früh morgens ins Nachbardorf, um zu schwimmen, später ließen wir uns am letzten noch freien Tisch in „unserer“ Taverne nieder, um zu speisen.

Mitgebracht habe ich ein paar Fotos und zwei Skizzen. Die Fotos sind vom Haus am Meer, das der „Verschönerungsverein“ von Akrogiali eingerichtet und bemalt hat. Hierbei geht es, wie Myriade heute aus ähnlichem Anlass feststellte, nicht um Kunst, sondern um Spaß an der Sache. Und um ein wenig Erziehung (Halte das Meer sauber).

Oder geht es doch um Kunst? Auf schlichten Tafeln sind Verse der größten griechischen Dichter festgehalten, die dem Meer gewidmet sind.

Übersetzung gewünscht?

Das erste Gedicht links oben ist von Kiki Dimoula (1931-2020), der einzigen Dichterin

„Rede, wir haben so viel Meer vor uns. Dort, wo wir enden, beginnt das Meer“

Das Gedicht rechts oben ist von Andreas Embirikos (1901-1945)

Ein Meer, weit und schäumend vom Seufzen der Versüßung vieler Engel.“

Das dritte links unten ist wieder von Embirikos.

„Der Rausch der Wellen ist Botschaft die der Seefahrer seiner Geliebten schickt.“

Das vierte rechts unten ist von Konstantinos Kavafis (1863-1933)

„Hier will ich stehenbleiben und auch ich die Natur sehen ein wenig das Meer am Morgen und das leuchtend mauve und gelbe Ufer eines wolkenlosen Himmels“

Es gibt noch eine zweite Tafel mit Gedichten

Odysseas Elytis: Θεέ μου τι μπλε ξοδεύεις για να μη σε βλέπουμε.. . – Mein Gott wieviel Blau verschwendest du damit wir dich nicht sehen

Nikos Gatsos: Φέρτε μου τη θάλασσα να την τραγουδήσω, φέρτε μου τον ήλιο της για να ζεσταθώ. Bringt mir die See, dass ich sie besinge, bringt mir ihre Sonne, dass ich mich wärme.

Kostis Palamas (1859-1943) Μια θάλασσα μέσα μου σα λίμνη γλυκόστρωτη
και σαν ωκιανός ανοιχτή και μεγάλη. Ein Meer in mir süß und ruhig wie ein See und wie ein Ozean offen und weit.

Mühsam und leider wenig überzeugend die Übertragung von Poesie in eine andere Sprache. Auch handelt es sich hier ja nur um kurze Ausschnitte aus größeren Werken der Dichter. Dennoch: Vielleicht nimmst du etwas davon mit. So wie ich, als ich heute morgen  diese Verse las.

Nikos Gatsos, Mikis Thedorakis: Bringt mir die See…..

Φέρτε μου τη θάλασσα να την προσκυνήσω,
φέρτε μου τον ήλιο της να προσευχηθώ.
Έθρεψα τα σπλάχνα σου, κύμα πελαγίσιο,
με χιλιάδες μνήματα μέσα στο βυθό.

Φέρτε μου τη θάλασσα να την προσκυνήσω,
φέρτε μου τον ήλιο της να προσευχηθώ.
Φέρτε μου τη θάλασσα να την τραγουδήσω,
φέρτε μου τον ήλιο της για να ζεσταθώ.

Οι νεκρές αγάπες μου δεν θα ‚ρθούνε πίσω,
βάλτε με στον κόρφο της ν‘ αποκοιμηθώ.
Φέρτε μου τη θάλασσα να την τραγουδήσω,
φέρτε μου τον ήλιο της για να ζεσταθώ.

Φέρτε μου τη θάλασσα να την προσκυνήσω,
φέρτε μου τον ήλιο της να προσευχηθώ.

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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16 Antworten zu Das Fest der Panagia – ein heiterer Tag

  1. Myriade schreibt:

    Die erste Zeile der offenbar vor kurzem verstorbenen Dichterin gefällt mir sehr gut “ Dort, wo wir enden, beginnt das Meer“ Damit kann ich viel anfangen …

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Das freut mich. Ich habe das ganze Gedicht rausgesucht und die zweite Strophe mit dieser Zeile übersetzt

      Sprich.
      Wir haben so viel Meer
      vor uns.
      Da wo wir
      enden
      beginnt
      das Meer.
      Sag etwas.
      Sag „Welle“, die nicht feststeht.
      Sag „Boot“, das sinkt
      wenn du es überlädst
      mit Absichten.
      Sag „Moment“,
      der um Hilfe ruft
      wenn du ertrinkst,
      rette ihn nicht,
      sag
      „Ich habs nicht gehört“.

      Gefällt 6 Personen

  2. “ Die Wellen sind der Rausch die der Seefahrer seiner Geliebten schickt‘ , wie wunderschoen und romantisch, danke dir fuer diesen wunderschoenen Beitrag. Hab eine inspiriende Woche.

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Danke, Cornellia. Ich habe nun für dich das ganze Gedicht ins Deutsche übertragen. Embirikos. Dichter und Psychoanalytiker, wird dem Surrealismus zugerechnet,

      Für Marakis

      Der Rausch der Wellen ist Botschaft
      die der Seemann seiner Geliebten schickt
      Friedliche Nacht der Samt der Stille
      In den Sternen die im Heck rollen
      Für die Reise der Segel für die Reise der Streitwagen
      Takelage eines Schoners
      Des Wagenlenkers der Quadriga, hinausziehend der Freude entgegen
      von Zigeunerlagern mit kleinen Mädchen
      Bezaubernder als ihre Augen
      Wenn sie vor Freude hüpfen.

      Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Ja, ich verstehe das, Cornelia, wenngleich ich keine Feministin bin. Auch ich stutzte und fühlte ein Unbehagen. Andererseits sind kleine Mädchen, die vor Freude hüpfen, das heiterste, das ich mir vorstellen kann. Dieser Tage stelle ich mir kleine afghanische Mädchen vor, die aufspringen, lachen und vor Freude hüpfen. Und es befällt mich mehr als nur ein Unbehagen.

      Gefällt mir

  3. wildgans schreibt:

    All die guten, positiven Dinge hier sauge ich regelrecht auf, besonders die Worte über die Trösterin und die Augen, die vor Freude hüpfen…
    Gruß von Sonja

    Gefällt 3 Personen

  4. Friedrich schreibt:

    Gerade wollte ich Dich um eine Fortsetzung des Gedichtes der Frau Dimoula bitten, da ist mir jemand zuvorgekommen – danke! Leider scheint es keine deutsche Ausgabe ihrer Gedicht zu geben. Aber Odysseas Elytis ist eine Entdeckung! Habe sofort die Suhrkamp-Ausgabe gekauft.

    Gefällt 1 Person

  5. Ein heiterer Tag, wie gut hört sich das an, Gerda.

    * Mein Gott wieviel Blau verschwendest du, damit wir dich nicht sehen? *

    Könnte man es nicht manchmal denken?*

    Gefällt 1 Person

  6. Johanna schreibt:

    Wunderschön, diese Gedichte… man kann den ‚Geschmack‘ ahnen.

    Gefällt 1 Person

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