9. Raunacht: Der Stern (auf dem Kopf stehend)

Um Mitternacht der 9. Raunacht zog ich für den September die schöne Tarotkarte „DER STERN“. Sie stand auf dem Kopf, aber soll mich das stören? Wir stehen ja, von unseren irdischen Antipoden aus betrachtet, alle auf dem Kopf. Wie unten so oben, sagten schon immer die Weisen, und ob wir nun das Wasser aus der Tiefe heraufpumpen oder es uns von oben herabströmt – es ist immer dasselbe Wasser, seit dem Beginn aller Tage.

Da mich der Prognose-Aspekt der Tarotkarten wenig interessiert, habe ich sowieso keine Angst vor „verkehrt herum“ liegenden Tarotkarten. Aber ich drehe sie auch nicht einfach „richtig herum“, sondern spüre nach, ob die umgekehrte Stellung mir  weitere Gedanken eingibt – zusätzlich zu der Bedeutung der Karte.

Der „Stern“ also soll meinem September leuchten, und das stimmt mich fröhlich. Denn wie auch immer im einzelnen interpretiert – der Stern strahlt klar, hell, verheißend, er visualisiert eine Zukunft, die als „Wasserfrau-Zeitalter“ wie ein Zauberbild über allem Heutigen schwebt. Hier liegt alles nackt und klar vor Augen, nichts braucht verhüllt und verschwiegen zu werden, nichts liegt miteinander im Streit. Ah, blauer September! Genau so kenne ich dich, genau so liebe ich dich vor allen anderen Monaten. Du bist Fruchtbarkeit und Ernte, Bläue und Licht. Tag und Nacht halten sich die Waage und beleuchten sich gegenseitig mit ihren Gestirnen.

Auch wenn ich noch nicht ganz in diese Harmonie hineingewachsen bin, auch wenn das Wasserfrauzeitalter bisher nicht viel mehr als eine Kopfgeburt ist – was tuts? Wir werden den Stern schon vom Kopf auf die Füße stellen, wir Menschenkinder! Aber beeilen wir uns nicht! Besser, wir lassen die Idee zunächst mal im Kopf und im Herzen reifen und dort ihre Wirkung entfalten, und wenn es an der Zeit ist, wird sie hinauf-(hinunter -)wachsen in unsere Gliedmaßen und uns bewegen, das Richtige zu tun.

Dann wird sich der Fluss vielleicht ganz von allein umkehren, und was eben oben war, wird in der Tiefe liegen.

 

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8. Raunacht: Bube der Münzen, oder doch der Kelche?

Vergangene Nacht zog ich die Karte für die 8. Raunacht oder den August. Aber den Buben hatte ich doch bereits für den Juli gezogen! dachte ich unwillig. Nochmal derselbe? Ich war drauf und dran, ihn in den Kartenhaufen zurückzuschieben, besann mich dann aber eines anderen: Ich würde die Karte ernst nehmen und eine neue neurografische Zeichnung machen. Die erste war sowieso arg kompakt. Und war es nicht richtig und gut, meine „Ressourcen“ auch im August sorgfältig zu überprüfen? Ich bin oft zu schnell, zu oberflächlich. Geh einmal gründlicher zu Werk, prüfe auch im August, was du hast und kannst.

Der Gedanke der Ressourcenüberprüfung begleitete mich heute den ganzen Tag, und als ich mich eben hinsetzte, um eine zweite Zeichnung zu machen, stand mir der hübsche Bursche mit der Münze vor Augen. Aber irgendwie kam ich nicht weiter. Also schaute ich nach der Tarotkarte, die ich in der Nacht gezogen hatte. Und wer schaut zurück? Der Bube der Kelche, den ich auch schon einmal, aber nicht für den Juli, sondern für den Juni gezogen hatte!

Was denn nun? Verwirrt halte ich in meiner Zeichnerei ein. Soll ich im August weiterhin prüfen, wie es mit meinen Ressourcen bestellt ist? Oder soll ich mir „die Weisheiten (seines Vetters) zuflüstern lassen, die mich auffordern, mich dem Wasser, der Kreativität und Sinnlichkeit sanft und widerstandlos hinzugeben“, wie ich zur Juni-Karte schrieb?

Die neurografische Zeichnung für den Buben der Kelche machte ich am letzten Tag des Jahres 2024, an dem ich völlig „neben der Kapp“ war und der uns am Ende noch eine böse Überraschung bescherte (Verrußung des Ateliers, kaputte Heizung). So richtig leichtfüßig-sommerlich geriet sie nicht. Und auch der gestern gezeichnete „Bube der Münzen“ war mir zu kompakt geraten.

Also ist es wohl das Beste, die beiden Buben in eins zu setzen und den angefangenen Buben der Münzen leichten Gemüts als Buben der Kelche zu beenden? Das tat ich dann auch.

Ja, so darf der August sein. Wer braucht schon viele Gedanken und Selbstprüfungen, wenn die Hitze zuschlägt und das Meer lockt?

Mit gefällt es sehr, dass diese beiden munteren Buben, die auch Pagen genannt werden, mich erst abwechselnd, dann gemeinsam in den drei Sommermonaten von Juni bis August begleiten werden.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Belebender Rundgang

Recht abgeschlafft bin ich heute am frühen Nachmittag losgegangen. Die Luft ist milde, sanft, also auf auf! Ich schleiche die Bergstraße hoch, nehme einen Feldweg, der weniger steil ist. Denke: zum zweiten Mal hast du heute die Tarotkarte „Bube der Münzen“ gezogen, die für dich bedeutet: Wie steht es mit deinen Ressourcen? Mit deinen körperlichen Kräften, um mal mit dem Wichtigsten zu beginnen? Na? Ist ja schön und gut, große Pläne zu schmieden, aber wenn du wie die Ameisen von Hamburg gleich nach ein paar Schritten schlapp machst, vergiss sie lieber jetzt als später.

Ich lehne mich, um auszuruhen, gegen die Mergelwand, die den Pfad begleitet. Voller kleiner Wunder ist sie. „Vor allem die Ressource der Geduld mit dir selbst fehlt dir,“ sage ich mir. „Mach einfach mal ein Päuschen mehr.“ Das gefällt mir. Was machen eigentlich die Mauerbienen um diese Jahreszeit?

Nichts los in der Bude, nehme ich an. Ich will ein Zweiglein wilde Minze, die ich zuvor abpflückte, in eins der Löcher stecken, um die Hände frei zu haben, bemerke dabei, dass die Bienen, diese Schlauberger, die Löcher nur am Anfang nach unten, dann aber nach oben graben.

Daneben bemerke ich ein Pflänzlein, das sich eng an die Wand anschmiegt und eins mit ihr wird. Doch auch wenn es nun eigentlich schon selbst Wand ist, wächst es wacker und grünend voran.(Draufklicken, dann siehst du es besser). Ein mich faszinierender Anblick.

Ein anderes Löchlein, fein ummauert, fällt mir auf. Wer sich da wohl eine Heimstatt geschaffen hat?

Sehr gefallen mir auch die langen dünnen Wurzeln, die sich über das lockere Gestein schlängeln und ihm ein bisschen Halt zu geben scheinen.

Vieles gibt es hier zu entdecken, aber nun gehe ich vielleicht doch noch ein Stück weiter? Die gepfropften Olivenbäumchen am Wegesrand haben sich prima entwickelt, ich freue mich. Wie sorgfältig hier gearbeitet wurde! Und gearbeitet wird, denn die Stämmchen sind ordentlich beschnitten und geweißt.

Und so gehe ich weiter und weiter, die Neugier (eine meiner Hauptressourcen) treibt mich voran, und auch die Beine fühlen sich wegen der vielen Päuschen nicht mehr überfordert.

Als ich zurück zur Straße hochsteige, um nach Hause zu gehen, leuchtet mir von Ferne ein Silberstreifen des Meeres entgegen.

Mit neuen Kräften stürme ich die Straße hoch, um einen besseren Ausblickspunkt zu erreichen. Besser ist er schließlich nicht, aber anders.

Jedenfalls zieht es mich jetzt mächtig hinunter zum Meer. Und so lande ich schließlich im Nachbardorf Akrogiali an der Küste. Meer und Himmel haben sich verfinstert, und während ich auf einem Steinwall ausruhe, ziehe ich die Jacke enger um mich. Es ist kalt. 

Es wird Zeit, nach Haus zu kommen. Ich nehme die bequemsten Pfade, begrüße das weiße Pferd, das gerne Grasbüschel von mir entgegennimmt, begrüße auch die neuen Hühner des Tierhalters (Bauer möchte ich ihn nicht nennen, denn er hält die Tiere nur für einige Zeit bis zur Schlachtung), doch die Hühner rennen weg, als ich sie fotografieren will, und so kommt nur die jetzt überall kräftig wuchernde Meereszwiebel aufs Bild.

Zu Hause lasse ich mich auf einem Stuhl vor der Haustür nieder. Letzte Sonnenstrahlen durchleuchten die verbliebenen Blätter des Aprikosenbaums und vergolden die Krone der riesigen Pinie.

Kein bisschen müde bin ich, ganz im Gegenteil. Ich stehe mit Leichtigkeit auf und hole mir eine kleine Säge, um endlich die verdorrten Zweige des weißen Rosenbusches abzusägen. Der verrusste Keller kann warten.

 

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7. Raunacht: Bube der Münzen

Leicht und genussreich verspricht mein diesjähriges Leben zu werden, wenn man den für  das erste Halbjahr gezogenen Karten glaubt. Da folgten auf den König der Kelche (Januar) das Ass der Münzen (Februar), die Vier der Stäbe (März), die Königin der Stäbe (April), die Zehn der Kelche (Mai) und der Bube der Kelche (Juni). Und in der Silvesternacht (7. Raunacht) zog ich nun noch den munteren Buben der Münzen (Juli).

Den Buben der Münze lese ich als Aufforderung, meine Ressourcen – die körperlichen, finanziellen und gesundheitlichen ebenso wie Begabungen, Beziehungen und Qualifikationen – sorgfältig in Augenschein zu nehmen. Sind sie den gesetzten Zielen angemessen? Reichen sie aus?  Brauche ich noch weitere Ressourcen, oder sollte ich meine Ziele besser nach unten korrigieren?

Das sind Fragen, denen ich nicht gern systematisch nachgehe. Aber es sind gute Fragen, nützliche Fragen. Denn was nützt es, großartige Pläne zu haben, wenn man sich nicht der Ressourcen versichert, um sie zu realisieren? Ja, ja, auch ich bin schon so manches Mal auf die Nase gefallen.

Die Zeichnung, die ich zustandebrachte, entbehrt der Leichtigkeit. Ich bin ja auch kein Jungspund mehr wie der Bube.  Aber das will nichts bedeuten. Im Juli wird man sehen, was mit ihr noch weiter anzustellen ist und ob ich ein Stückchen mit der Selbstvergewisserung weitergekommen bin. Wenn nicht, kann ich ja dran arbeiten.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Menschen am Strand kennenlernen

Nach den Steinmännchen (hier) wende ich mich nach rechts, wo ich in der Ferne ein Frau stehen sehe. Sie hat, wie ich beim Näherkommen sehe, lange dunkle Locken und liest in einem alten bebilderten Buch. Das ist nicht gerade alltäglich, und dass sie beim Lesen steht, auch nicht. Neugierig trete ich näher. Sie zeigt mir das Buch, hat es gefunden, blättert es erklärend durch. Es geht um die Naturgeschichte der Erde. „Vielleicht steht da auch was über die geologische Geschichte des Mittelmeerbeckens drin?“, frage ich sie, denn darüber hatte ich zuvor mal wieder nachgedacht, einen Stein aufhebend. 

„No, I dont think so“, antwortet sie bereitwillig und natürlich auf Englisch, obgleich ich sie auf Griechisch angesprochen hatte. Das tun sie fast alle. Und so ist das auch unser nächstes Thema: wie gut/schlecht können Deutsche, Engländer, Franzosen…, die lange Zeit in Griechenland leben, die Sprache? Als nächstes tauschen wir unsere Namen aus. Schnell erweitert sich der Themenkreis. Es stellt sich heraus, dass sie nicht allein ist. Ein schwarz-weißer Hund, der Sorte, die man hier überall sieht, kommt angewedelt. Glyka, Süße heißt sie, eine Hündin, gefunden und adoptiert. „Ich hatte auch einen, der hieß Tito,“ sage ich, und sie macht ein mitfühlendes Gesicht. Jetzt kommt ein großer ruhiger Junge mit einem kleinen an, der wild mit einem Holzschwert fuchtelt. Ich erfahre auch deren Namen. Ein kleines rosa Prinzesschen kommt angerannt, es ist die Schwester des wilden Ritters, der Große ist ihr Halbbruder von einem anderen Vater…

Ihr Mann liegt weiter weg unter einem Baum, auch er wird mir vorgestellt. Den kenne ich sogar, allerdings als Ex-Mann einer Nordeuropäerin, die in die Heimat zurückkehrte. Als ich Abschied nehme, bin ich über die formalen Familienverhältnisse bestens informiert, ich kenne ihren Beruf und ihre jetzige Tätigkeit, ich weiß, wo ihre Eltern gearbeitet (Zigarettenfabrik) und wohin sie ausgewandert (Venezuela) sind, dass sie nicht mehr leben, und wie sie, das einzige Kind, empfangen wurde, wir haben unsere gemeinsamen Freunde und Bekannten herausgefunden (es sind nicht wenige), und noch vieles mehr.  Lachend umarmen wir uns, sie wischt noch einmal ein paar Haare aus meinem Gesicht, winkt mir nach, als ich gehe.

Wie lange dauerte die Unterhaltung? Zehn Minuten? So ist das hier. So kann es sein. So liebe ich es.

Ich aber wandere am Strand entlang, mache ein paar Tanzschritte nach der Musik der Paneurhythmie, setze mich auf die Stufen einer Holztreppe und schaue zu, wie eine schön gefiederte Wolke diesen ersten Tag des Jahres 2025 auslöscht.

Der Bogen, den der Tag von den Rußbildern bis zur Federwolke bisher zog, gefällt mir sehr. Wie wird es wohl weitergehen? Es ist erstaunlich, was alles in einen solchen Ersten Tag hineinpasst, selbst wenn man eigentlich gar nichts tut. Oder vielleicht dann erst recht?

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König der Kelche (1) Von verrußtem Atelier und Steinmännlein am Sandova

Die Raunächte sind ja noch nicht vorbei, aber inzwischen hat, wie sich wohl herumgesprochen hat, auch der Januar begonnen, dem raunachtmäßig die Tarotkarte „König der Kelche“ zugefallen ist. (Hier  kann man nachlesen, wie ich die Beziehung der Tarotkarte zum Monat meine.) . In Anlehnung an die Tarotkarte machte ich in jener ersten Raunacht eine neurografische Zeichnung, die, so finde ich, heiter und gelassen wirkt. 

Außerdem gibt es die neurografische Zeichnung, die ich, in Anlehnung an die Tarotkarte für die 1. Raunacht zeichnete und die, so finde ich, heiter und gelassen wirkt. Sie werde ich als Avatar allen Einträgen beifügen, die mit der Beherrschung des Gefühlslebens zu tun haben.

König seiner Gefühlswelt sein! Nicht mehr heftig von Stimmungsschwankungen und äußeren Geschehnissen hin und her geschleudert werden!  Nicht mehr „anhaften“, sondern Gelassenheit üben! In seinem Lebensgefühl unababhängig sein von den Zu- und Abwendungen bzw dem guten Willen der Mitwelt! Wer möchte das nicht! Ich jedenfalls finde das erstrebenswert, aber schwer erreichbar.

Das nächtliche Malheur mit dem verrußten Atelier (hier) ist eine feine Übung in Gelassenheit. Und tatsächlich fühle ich mich, trotz der nicht unerheblichen Arbeit, die mir nun wieder mal bevorsteht, um das Atelier benutzbar zu machen, heiter und gelassen.  Was solls, sage ich mir. Hast du nicht im vorigen Jahr ständig damit geliebäugelt, das Atelier neu zu streichen? Nun hast du einen starken Schub bekommen und wirst es wohl tun, tun müssen, wenn du ein Atelier haben willst. Und ist es nicht großartig, dass du es noch nicht getan hast? Du würdest dich ärgern, wenn die frisch gestrichenen Wände nun schwarz wären. Also prima. Nema Problema!

Die Spinnenweben an den Decken haben anscheinend eine Menge Ruß gebunden und so größeren Schaden von den Bildern abgewendet.

Im übrigen eilt nichts. Der Besen darf ruhen.

Erstmal im heiteren Licht des Nachmittags spazieren gehen! Gesagt, getan. Ich nehme das Auto und fahre an die weite Bucht des Sandova. Eine Dreiergruppe von Steinmännchen zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich mag solche mit Gleichmut und Sorgfalt übereinandergeschichteten Figuren, bin aber selbst wenig fähig, sie zu bauen. Diese hier sind zudem besonders: sie stehen mit den Füßen im Wasser, und so sehen sie im Gegenlicht wie Seevögel aus, die dort am Meeressaum herumstehen und die letzten Strahlen der Sonne genießen.

Die erste Figur gefällt mir sehr, aber als das Handy zücke, um ein Portraitfoto vonihr zu machen, nimmt eine kleine Welle Anlauf und lässt sie einstürzen. Auf meinem Foto sieht man noch den Wellenkranz um die Einsturzstelle.

So ist das eben: alles ist nur für den kurzen Moment gemacht, schon nimmt das Leben es mit sich fort. Wie war das doch gleich? Ta panta rheei.

Gehe ich echts oder links? überlege ich nun. In der Ferne steht eine einsame Frauengestalt, und so gehe ich in ihre Richtung….

Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

 

 

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2025: Ein neuer Beginn. Soot-Art (Rußkunst)

Ich weiß ja nicht, wie ihr so das Jahr 2025 begonnen habt: ich jedenfalls begann es mit der Erfindung einer neuen Kunst-Art (doppelt gemoppelt), die ich, um internationale Anerkennung bemüht, als Soot Art in die Kunstgeschichte einführen möchte. Um sie ausüben zu können, muss man nichts weiter tun, als einen Raum mit den Abgasen eines Heizölbrenners tüchtig zu schwärzen, einen trockenen Besen zu nehmen und die gewünschten Zeichen in die Rußschicht hineinzuzeichnen. Gut ist, die Größe des Raums und die Länge des Besenstiels aufeinander abzustimmen und eine Atemmaske zu tragen. Als Anfängerin in dieser Kunst hatte ich das nicht bedacht, und so sind meine Zeichnungen etwas primitiv und hastig ausgefallen.

Dennoch, das Potential dieser Kunst-Art ist unverkennbar.

Oder auch

Frohes Beginnen!

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6. Raunacht: Bube der Kelche (und Kalikanzari)

Gestern um Mitternacht, zur 6. Raunacht nach meiner Zählung, zog ich den reizenden „Buben der Kelche“. Dem Gerücht nach wird er mir im Juni des nun gerade begonnenen Jahres seine Weisheiten zuflüstern und mich auffordern, mich dem Wasser, der Kreativität und Sinnlichkeit sanft und widerstandlos hinzugeben. Oder liest du etwas anderes aus der Karte? Ich bin keine Tarot-Expertin.

Jedenfalls freute ich mich, dass mir der Juni in so hübscher Gestalt entgegentrat, aber zum neurografischen Zeichnen kam ich nicht mehr.

Heute hatte ich, nach einem sehr merkwürdig-chaotischen Traum, Schwierigkeiten, zu mir zu kommen. Ich konnte zwar einigermaßen funktionieren, wir fuhren zum Einkaufen, ich schenkte mir einen schönen neuen Satz von Buntstiften zum Neuen Jahr, wir aßen am Segelhafen, es war auch ein wunderbar heller blauer Tag – alles bestens! Aber ich fühlte mich wie „neben der Kapp“, die Augen trübe und ständig den Tränen nahe. Am späten Nachmittag machte ich mich ans Zeichnen, in der Hoffnung, das würde meinen Zustand bessern. Ging auch ganz gut. Dies die erste Fassung.

Ich hatte dann aber doch das Bedürfnis nach größerer Dichte und Stabilität, nahm erneut auch zu farbigen Filzstiften Zuflucht. Obs nun ganz gelungen ist, weiß ich nicht. Mir gefällts soweit ganz gut. Blaues Wasser und feurige Sonnenkraft halten sich die Waage. Die Beine stehen fest im Wasser, der Kopf ist klar und leer von Grübeleien. Was sich zwischen Fuß und Kopf abspielt, ist fast schon ein bisschen zu viel. Genau das wird meine Aufgabe sein: wieviel freies Spiel, wieviel anstrengende Kreativität tun mir gut. So jedenfalls lese ich die Karte. Und wenn der Juni kommt, hole ich sie hervor und finde das rechte Gleichgewicht heraus.

Zum Posten kam ich nicht mehr, denn zuerst war das Prosten angesagt: Mitternacht, wir eilten auf die Turmterrasse, beide unser Weinglas in der Hand, wir hörten die Kirchglocken in der Ferne, stießen an, umarmten uns, sahen hinüber zu den vielen Feuerwerken … und sagten:  da stimmt was nicht mit der Heizung. Es roch schwer nach Abgas. Die Feuerwerke nicht weiter beachtend, raste ich in die Wohnung und schaltete erst mal die Heizung aus. Mein Mann stieg hinunter ins Untergeschoss …

Als ich etwas später nachkam, konnte ich ihn in der dicken Nebelsuppe aus stinkenden Abgasen, die mein Atelier füllte, kaum sehen. Ich kriegte einen Schreck, schrie, er solle sofort rauskommen, eine Rauchvergiftung kann man sich leicht holen. Die kleinen Lüftungsfenster hatte er inzwischen aufgestoßen und kam heraus. Uff! Wir vermuten, dass der Schornstein verstopft ist. Woher einen Schornsteinfeger nehmen? Anders als in Deutschland gibt es hier keinerlei Vorschriften zur Kaminreinigung, ergo sind Kaminreiniger rar.

Wir machten dann erstmal einen kleinen Spaziergang unter dem klaren Nachthimmel, um unsere Lungen mit Sauerstoff zu füllen. Der Orion leuchtete im Zenith. Die Plejaden waren da. Der Arcturos strahlte hell. Der große Wagen stand senkrecht auf seiner Achse. Alles gut. Die Kalikanzari können einem üble Streiche spielen, aber wirklich böse sind sie nicht. Wann wir wieder eine Heizung haben werden? Keine Ahnung. Wer arbeitet schon zu Jahresbeginn? Wahrscheinlich nur die Kalikanzari! Aber ob die sich zu Schornsteinfegern eignen?

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Good bye, liebes Jahr 2024!

Schnell, schnell, die Zeit rennt! Nur noch eine Viertel Stunde, und die Glocken läuten, die Feuerwerke werden gezündet, wir eilen gleich auf die Turmterrasse, um sie von weitem zu hören und zu sehen und anzustoßen auf das Neue Jahr und uns in die Arme zu fallen.

Zur Mittagszeit hatten wir mehr Muße, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Denn da saßen wir mal wieder am Segelhafen, aßen was und fütterten auch die dort beheimateten Katzen. Unsere bekamen auch eine zweite Mahlzeit, als wir heimkamen. Zum Glück ist das Rambazamba ziemlich weit weg, so brauchen unsere Katzen keine Angst auszustehen.

Ein Gutes Neues Jahr, ohne Kriegsangst und andere äußere Schocks wünsche ich uns allen. Wie das Private läuft – nun, das ist jedes Menschen eigene Sache und Schicksal, da wisst ihr besser als ich, was euch gut tut.

Alsdann: Prosit! wie die Römer schon sagten, womit sie meinten:

Es möge nützen!

 

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5. Raunacht: Zehn der Kelche

Es ist Mitternacht, zwischen dem 29. und 30. Dezember 2024, und ich ziehe eine Tarotkarte für die fünfte Raunacht, die mir einen thematischen Schwerpunkt für den Mai setzen soll.

Ich ziehe die Zehn der Kelche. Wieder eine sehr freudvolle Karte! 

Das einfache Glück eines Paares mit zwei spielenden Kindern, sie breiten weit ihre Arme aus, umarmen Himmel und Erde. Auf dem grünen Hügel ihr Häuschen mit rotem Dach. Und über allem erhebt sich ein Regenbogen aus Kelchen! Regenbogen – Versöhnung des Göttlichen mit dem Menschlichen, Schluss mit Sintfluten und anderen menschheitsvernichtenden Katastrophen! Ein Bächlein sprudelt munter über grüne Wiesen herab.

Und was bedeutet das für mich? Ich lebe auch in einem Paradies. Über uns wölbt sich Tag für Tag der blaue und Nacht für Nacht der sternenfunkelnde Himmel Griechenlands (außer es regnet, was ebenfalls gut ist).

Was also gibt es für mich bei dieser Karte zu bedenken? Soll ich mich einfach nur an den Früchten meines Lebens erfreuen?

Genau! Das ist es! Nichts gibt es zu bedenken. Freu dich einfach, von Herzen und ohne Wenn und Aber! Kannst du nicht? Dann lerne es im Mai!

Soweit kam ich in der vergangenen Nacht. Nun ist schon die nächste Mitternacht vorbei, und ich habe eine neurografische Zeichnung zu der Karte gemacht. Zuerst zeichnete ich uns Drei der inneren Familie als Kreise. Die Kelche verteilte ich in freiem Tanz um uns. Aber merkwürdig, sie gerieten mir zu spitzen Dreiecken = Schwertern der Gedanken! Entschlossen umkreiste ich all die Spitzen mit runden „Kelchen“, verband und rundete ab, so dass nichts Spitziges mehr blieb…

Aus dem Gewirr der Linien schälte sich die Gestalt eines Ölbaumes heraus. Und das freut mich sehr. Denn der Olivenbaum ist für mich Symbol geworden für tiefe irdische Verwurzelung, für Fruchtbarkeit auch aus steinigem Boden und in dürren Zeiten, für schwarze Bitternis, aus der köstliches goldenes Öl gepresst werden kann, das uns Menschen ernährt. Ölbäume – das bedeutet materielle Sicherheit, Heim, Familienglück.  10 Kelche eben.

 

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