Christophs Zeichenchallenge: Kalenderblätter (1-4)

Christoph (hier) machte im vergangenen Dezember den Vorschlag, jeden Tag eine Zeichnung in einem Kalender anzufertigen, so dass am Jahresende 365 Zeichnungen wie in einem Erinnerungsbuch zusammengefasst sind. Die Idee gefiel mir. Ich kaufte sogleich einen dicken linierten Kalender in einem Format zwischen A4 und A5 (also etwas kleiner als Schreibmaschinenpapier), und am ersten Januar begann ich schüchtern mit meiner ersten Skizze. So ein Riesenprojekt schüchtert mich eben ein. Ich wollte ja den Kalender nicht gleich am Anfang versauen.

Doch dann fasste ich mir ein Herz. Nur frisch drauflos! sagte ich mir. Ich nahm meine Buntstifte und zeichnete den Kleinen Prinzen, den ich grad zum Jahresdämon erkoren hatte, als Fantasiegestalt. Am zweiten Januar machte ich einen weiten Spaziergang, dabei machte mir eine dicke Meereszwiebel mit kräftigem Blattgrün besonderen Eindruck. Am dritten Januar regnete es, und so kam der Plüschhund an die Reihe, der auf dem Schreibtisch Wache hält, und hinter ihm der kleine Prinz. Heute, am 4. Januar, war ich am recht wilden Meer, das neues Geröll an die Küste warf.

Diese vier Skizzen zeige ich heute, um im selben Rhythmus mit dem Ideengeber Christoph meine gezeichneten Kalendernotizen zu veröffentlichen.

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Wortmans Fotoprojekt: 25 Wochen – ein Objekt (1)

Wortmans Fotoprojekt: 25 Wochen – ein Objekt: An allen Sonntagen des Jahres denselben Gegenstand in verschiedenem Surrounding fotografieren? Da mache ich doch glatt wieder mit.

Ich wähle die Figur, die mich zum Jahres-Repräsentanten 2026 inspirierte: der kleine Prinz. Ein kretischer Künstler hat ihn aus verschiedenen Metallen geschaffen (sein Name ist mir leider entfallen). Ich sah das kleine Kunstwerk in einem Schaufenster und konnte nicht widerstehen.

Das Ausgangsfoto zeigt den kleinen Prinzen – wie könnte es anders sein – mit seiner Rose. Oder richtiger: gleich mit zwei Rosen, damit er eine Vergleichsmöglichkeit hat. Er behauptet zwar, dass er nur eine bestimmte Rose liebt, nämlich die, der er auf seinem Planeten beim Wunder der Entfaltung zuschaute, die er goss und mit dem Wandschirm vor dem Luftzug schützte, damit sie sich nicht erkälte…, ich aber glaube nicht an Exklusivität der Liebe, selbst wenn ich die besondere Stellung der „ersten Liebe“ gerne zugebe. Jeder Mensch entwickelt sich, geht durch verschiedene Lebensphasen, und nur in seltenen Ausnahmefällen wird die Kinderliebe zur dauernden Beziehung. Und das ist auch gut so! Denn wäre strikte Ausschließlichkeit nicht recht lieblos gegen die anderen Rosen, die ebenfalls lieben und geliebt werden wollen?

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Philippe oder Erklär mir Liebe: Eine Annäherung (plus ein wenig Impulswerkstatt)

Was hat mir Dora mit dem kleinen Prinzen Philippe, ihrem Fast-Bruder, nur für ein Ei ins Nest gelegt! Ich werde es bebrüten müssen und abwarten, was da am Ende herausschlüpft. So viel habe ich schon verstanden: Philippe = Viel-Liebe. Also geht es wohl um Liebe in all ihren Ausfaltungen und Erscheinungsformen?

„Warum fragst du ihn nicht einfach?“ fragst du mich vielleicht. Ich habe ihn gefragt, aber er antwortet ja nie auf Fragen. Er ist ein kleiner Prinz.

Ich habe ihn gefragt: „Um was für eine Art von Liebe handelt es sich eigentlich bei deiner Liebe zu der Rose? Ist es Fürsorge? Zärtlichkeit, weil sie so zart ist? Bist du einfach nur verliebt in ihre Schönheit? Bist du ihr Liebhaber oder ihr Papa oder ihr Freund? Alles zusammen? Und wieso bist du geflohen, weil sie stolz auf ihre Dornen und zuversichtlich war, dass sie damit selbst Tiger in die Flucht schlagen könnte? Magst du nur schwache hilflose Rosen und keine, die auf ihre Dornen vertrauen? Kannst du mir das bitte mal erklären?“

Er hat mich erst lange stumm von der Seite angesehen und dann gemurmelt: „Du fragst wie eine Erwachsene“.

Um von ihm Antworten zu bekommen, muss man Geduld haben. Vielleicht bekommt man nie eine Antwort, sondern muss ihn einfach in seinem Tun beobachten. Er ist halt ein Prinz.

Ich aber bin eine Bloggerin und erwachsen und sogar schon alt und habe keine Zeit, ewig zu warten. Also gehe ich vor, wie es unsereins halt tut: philologisch (wörtlich: „den Logos liebend“)

Im Deutschen gibt es die LIEBE – und basta.  Dazu kommen die abgeleiteten Verben  lieben und verlieben.

Im Griechischen ist die LIEBE vierfältig, man benennt sie je nachdem als: ΕΡΟΤΑΣ  / ΦΙΛΙΑ / ΣΤΟΡΓΗ / ΑΓΑΠΗ, dazu kommen die Verben  αγαπώ (lieben), ερωτεύομαι (verlieben).

‚ΕΡΟΤΑΣ (Erotas) ist göttlich, schlägt wie der Blitz ein und entzündet möglichst gleichzeitig zwei Menschen, die sich dann heftig zueinander gezogen fühlen. Erotas hat unbedingt eine körperliche Komponente, ist ein Streben, das sich in der Berührung und schließlich Vereinigung von zwei Körpern erfüllt. Davon abgeleitet ist das Verb ερωτεύομαι  (erotevome) – verlieben.

Vielleicht bereitete sich auch die Rose darauf vor, diese göttliche Kraft durch ihre Schönheit wirken zu lassen?

„Der kleine Prinz spürte, während er die Entwicklung einer riesigen Knospe beobachtete, dass eine wunderbare Erscheinung aus ihr hervorgehen müsse….“ 

ΕΡΟΤΑΣ

ΦΙΛΙΑ (Philia) ist die Liebe zwischen Freunden. Davon abgeleitet ist das Verb φιλώ (filo) – küssen. Es handelt sich um eine interessenfreie Liebes-Beziehung, charakterisiert von gegenseitigem Vertrauen, Ehrlichkeit und Unterstützung, in der Regel zwischen gleichgeschlechtlichen, nichtverwandten Personen bzw Lebewesen, zB zwischen dem kleinen Prinzen und dem Fuchs.

«Man versteht nur die Dinge, die man zähmt», sagte der Fuchs. «Die Menschen haben keine Zeit mehr, um etwas kennen zu lernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Da es aber keine Läden für Freunde gibt, haben die Menschen keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, dann zähme mich!»

Auch zwischen Saint-Exupery und dem kleinen Prinzen entstand diese Philia:  „Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst mit mir lachen. Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen, einfach so, zum Vergnügen … 

ΦΙΛΙΑ

Mit der Rose aber ist es etwas anderes. Der Prinz und die Rose sind keine Freunde. Was aber? Da bin ich auch schon bei einer Rätselfrage. Denn wie sagt der Prinz? «Man sollte den Blumen nie zuhören. Wir müssen sie betrachten und ihren Duft einatmen. Meine Blume erfüllte meinen ganzen Planeten mit ihrem Duft, aber ich wurde nicht glücklich darüber. Diese Geschichte von den Krallen, die mich so sehr reizte, hätte mich mehr berühren sollen …»

ΣΤΟΡΓΗ (Storji) ist die zärtliche, fürsorgliche und hingebende Liebe von Vater und Mutter, auch von Großeltern zu ihren Kindern und Enkeln oder auch zu anderen schutzbedürftigen Wesen, wie zum Beispiel einer Rose.

«Weißt du … meine Blume … Ich bin für sie verantwortlich! Und sie ist so schwach! Und sie ist so einfältig. Sie hat vier Dornen, die sie nicht gegen die Welt schützen können …»  (Der kleine Prinz, S.37)

ΣΤΟΡΓΗ

Agape ist die göttliche Liebeskraft, die die Welt durchwaltet und an der alle Lebewesen jeglicher Gestalt teilhaben. Fühlen kann sie, wer sein Herz dafür öffnet. Dieses rote blutdurchströmte Organ ist es, das die göttliche Liebeskraft am deutlichsten wahrnehmen kann. Das ist auch der Grund, warum es stimmt: „Nur mit dem Herzen sieht man gut“.

ΑΓΑΠΗ

Agape ist der Lebenshauch, der das kalte All zum Leben erweckt und es am Leben erhält. Liebe Myriade, diesen Satz habe ich geschrieben, um damit auch die Impulswerkstatt und das Mosaik-Wort „Kälte“ in meine Überlegungen einzuschließen. Ich schaue hinaus ins Weltall und erschauere vor der Eiseskälte des leeren Raums und der toten Materie. Dann betrachte ich eine Blume und empfinde sogleich die Wärme der Liebe und des Lebens. Sowie ich diese Wärme spüre, belebt sich mir auch das All. Nun werden auch die toten Sterne lebendig, ihr Pulsieren ist nun wie Atem und ihr Funkeln wie Lächeln, Gesang und Glockengeläut. Oder, mit den Worten Saint-Exuperys: „Schaut den Himmel an. Fragt euch: Hat das Schaf die Blume gefressen oder nicht? Ja oder nein? Und ihr werdet sehen, wie sich alles verwandelt…“

Auf Agape berufen sich alle wahrhaft Liebenden, wenn sie flüstern: „Ich liebe dich“. Da spüren sie diesen warmen Strom in sich wie etwas Heiliges. Sie scheuen sich fast, es zu sagen, zu groß ist das Wort, zu heiß und heftig die Bewegung im Herzen. Und die Angesprochenen können aus diesen geflüsterten Worten, aus diesem „ich-liebe-dich“ die ganze himmlische Seligkeit empfangen.

Doch warum ist es dem kleinen Prinzen so wichtig zu betonen, dass diese seine Rose einzigartig und ganz anders als alle anderen ist?

Das ist eine zweite Rätselfrage…

Wenn jemand eine Blume liebt, die es nur ein einziges Mal gibt auf all den Millionen und Millionen Sternen, dann macht es ihn glücklich, nur wenn er sie ansieht… 

Und als er auf den Rosengarten stößt, verzweifelt er:  «Ich dachte, ich wäre reich mit einer einzigen Blume, doch ich habe nur eine gewöhnliche Rose. Sie und meine drei Vulkane, die mir kaum bis zu meinem Knie reichen, von denen einer vielleicht für
immer erloschen ist, das macht aus mir keinen großen Fürsten …» Er legte sich ins Gras und weinte.

Ist Liebe denn ausschließlich und ausschließend? Ist der-die-das Geliebte nicht mehr als eine Zierat, ein Plus an Bedeutung? Vielleicht gar ein Besitz?

Rätsel über Rätsel.

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Erklär mir Liebe! Philipp oder Vom Auffinden des Jahresthemas 2026

In der Silvesternacht –  die  Feuerwerke über Kalamata waren  verlöscht und Mann und Besucher hatten sich schlafen gelegt – blieb ich noch auf, um nachzudenken. Mir fehlte eine zündende Idee, ein Leitgedanke, eine Figur vielleicht,  fürs gerade geborene Jahr.

Die Idee einer Jahres-Leitfigur kam mir 2021, und so wurde Willi geboren. Sein Name verwies auf das Thema der Jahres: Wille, Wollen, Willensstärke. Willi wuchs und wandelte sich, wurde jeden Tag drei Monate älter und wäre am Jahresende 100 gewesen.  Doch er – bzw sie, denn Willi war nun zu Willie geworden – verschwand im August irgendwo in den Tiefen Afrikas, vermutlich in der Sahelzone… Wollen ist wichtig, es gibt dem Handeln eine Richtung. Aber wenn die Umstände dem Wollen entgegenstehen – nützt es etwas, sich den Kopf einzurennen? Nein. Vor allem aber: Macht es glücklich?Hier siehst du Willi am 3.1.2021 als Dreimontagkind.

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Im nächsten Jahr, 2022, sprang Dora* voller Übermut und Witz ins offene Tor des Jahres. Das Thema des Jahres war, wie ihr Name („Geschenke“) sagt: lass dich vom Leben beschenken, nimm das Leben mit Freuden an, empfange!

2023 ließ ich eine ganze Theatertruppe aufmarschieren und ein „kleines Welttheater“ aufführen. Die Figuren hattet ihr, liebe Mitlesende, in eine Prioritätenliste gebracht. Die erste Rolle fiel der blinden Dichterin Domna zu, die zweite der Dame Diaphania, sprich: Transparenz. Hier seht ihr sie im Abschlussbild des Jahres 2023.

2024 rief ich in meiner Verzweiflung – denn ich fand kein Thema – Dora an, die inzwischen längst in anderen Welten ihr Wesen trieb. Denn Transparenz ist zwar ein wichtiges Thema – aber wird man damit glücklich? Hier der Text vom 1. Januar 2024:

Dora, hilf! Auf der Suche nach einer Idee.

Lamento (ich)

Das Neue Jahr hat zwar erst grade angefangen

Doch habe ich bereits begonnen sehr zu bangen.

Warum? Die Dora fehlt, um mir, wie sonst geschehen,

beim Finden von Geschichten beizustehen.

Mir fällt nichts ein! Und niemand gibt mir Tipps.

Soll ich denn ganz allein jetzt quälen meinen Grips?

Lass dir mal Zeit, so rät der liebe Jürgen mir

Der hat gut reden, denn er kennt ja sein Revier.

Ich aber nicht! Soll ich den dunklen schweren Dingen

mit denen heutzutage viele Menschen ringen

mich ernsthaft widmen und sie transparent beschreiben?

Nein, lieber nicht! es würde mich zum Wahnsinn treiben.

Ich liebe es viel mehr, den schönen Schein zu wahren

Die Transparenz ist herrlich, wenn im Meer, dem klaren,

die Steine dir vom Grunde weiß entgegenfunkeln.

Doch manche Dinge bleiben besser ganz im Dunkeln.

Die Wahrheit ist nur schön, wenn schön ist, was sie zeigt.

In vielen Fällen ist man gut beraten, wenn man schweigt.

Wie wärs mit Katzen? wie mit Blumen, Bäumen?

Wie wärs mit Wetter, wie mit Träumen?

Mit Einkaufsbummeln, Essen und Berichten

von Kummer, Freuden, Alltagspflichten?

Wie wärs mit Reisen, Künsten und Genuss?

mit Unglück, Trauer und Verdruss?

Gewiss, die Themen sind ja alle noch vorhanden!

wenngleich inzwischen schon ein bisschen abgestanden.

Ich tät gern wirklich Neues, Ungesagtes mir ausdenken

und nicht auf Altbekanntes oft Gesagtes mich beschränken.

Was soll ich tun,

ich armes Huhn!

Mir fällt so gar nichts ein, ist alles schon gesagt.

Ich hätte allzu gern die Dora mal gefragt.

Aus dem Off (Dora)

Was ist denn das für ein Gejammer!

Grad wie aus einer Folterkammer!

Wo fehlt es, Frau, was hast du bloß!

Seit wann bist du denn einfallslos?

Nimm doch zur Hand ein Stück Papier

Komm her zu mir, ich reich es dir,

reiß es in viele Stücke nun

und schon hast du genug zu tun.

Du kannst, du weißt es, Welten bauen

mit dummen Menschen und mit schlauen

kannst Flügel geben den Kaninchen

und Flossen auch den Honigbienchen.

Was geht dich an die Wirklichkeit!

Was wichtig ist, ist Heiterkeit.

Ich

Lass sehn, gib her mir das Papier

wer weiß, vielleicht, gefällt es mir,

vielleicht kommt meine Fantasie zurück

und mir fällt ein ein neues Schelmenstück…

Doch was für eins? wie sollen die Figuren sein?

Dora

Egal, machs wie du willst, ich lass dich jetzt allein.

Ich

Ich weiß nicht recht, denn ist das wirklich neu?

Und reicht es aus, dass es den Mensch erfreu?

Ich schau mal, was ich schon an Typen habe,

wenn ich ein bisschen im Archive grabe.

Jetzt erstmal zehn, und morgen seh ich weiter.

Vielleicht bin ich bis dann auch schon gescheiter.

Ich bat euch, liebe Mitlesende, erneut um Hilfe, um eine von mehreren vorgeschlagenen  Figuren zur Jahresrepräsentantin zu machen. Eure Wahl fiel auf Diaphania/Transparenz (hier). 

Im Jahr 2025 hatte ich keine Leitfigur, dafür aber die Raunächte und Tarotkarten, die mir monatliche Themen vorgaben.

Nun aber, zu Silvester 2025/6, stand ich erneut auf dem Schlauch. Tarotkarten hatte ich gezogen, aber mir gefiel die Idee nicht, das Schema von 2025 zu wiederholen. Etwas Neues brauchte ich. Doch was? Woher einen Einfall nehmen? Und ich seufzte:

„Wo bist du, süße Dora? Braucht unsereins etwa keine Geschenke mehr?“

Da hörte ich ihr geliebtes Stimmchen ganz nah an meinem Ohr.

„Ich hab dir doch ein Geschenk geschickt!“

Offenbar hatte sich beim Jahreswechsel ein Spalt im Zeitenlauf aufgetan und sie war, wenngleich unsichtbar, hindurchgeschlüpft. Wie freute ich mich!

„Du hast ein Geschenk für mich, kleine Dora?“ fragte ich verzückt in die Nacht hinein. „Ja, ja, den Philipp“, krähte sie vergnügt. „Der ist fast mein Bruder!“„Wen?“ fragte ich begriffsstutzig. „Philipp„, kam die Antwort, es klang ganz weich und mit gelängtem ii, wie Fielliebe. „Und wo ist er?“ – „Den musst du schon selbst finden„, kam die schnippische Antwort. „Schau dich mal um! Er ist ja schon bei dir und will das ganze Jahr bei dir bleiben, damit ihr zusammen Spaß habt. Ich versorge solange seine Rose und seine Vulkane, das macht mir nichts aus.

Vulkane? Rose? Der kleine Prinz! Ein Fast-Bruder von Dora? „Na klar, sieht man doch!“ „Und er heißt Philipp?“ fragte ich erstaunt. „Genau! Vielliebe„.

Mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Die Ähnlichkeit mit Dora war ja unverkennbar. Ich hatte das Geschenk gesehen, aber zwischen all dem Krimskrams fast vergessen.

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Da stand er ein wenig schüchtern, mit hängenden Armen und glänzte still vor sich hin.  „Philipp, verzeih!“ murmelte ich beschämt. „Ich habe mich so an Dora gewöhnt. Ihr seht euch ja sehr ähnlich, aber ….“ Mehr fiel mir nicht zu sagen ein. Und er schaute mit blassem Gesicht vor sich hin, ohne zu antworten.

Nun, es wird schon werden. Wir müssen uns nur erst kennenlernen, müssen Zeit miteinander verbringen. Philipp heißt er, und es klingt wie Viel-Liebe.

Ja, ein Liebender der besonderen Art ist der kleine Prinz. Er liebt eine Rose und ist bereit zu sterben, um zu ihr zu kommen. Denn, so meint er, sie sei so zerbrechlich und habe seine Fürsorge nötig.

Alle Menschen lieben, jeder auf seine Art. Und das ist also das Jahresthema: Viel Liebe. Schwierig. Anspruchsvoll und spannend. Was ist Liebe? Wie liebt der Schildkrötenmann (siehe hier), wie lieben der Pfau und die Taube, der Käfer und der Skorpion? Wie liebe ich und wie liebst du? Ja, was ist Liebe? Und wieviele Arten von Liebe gibt es? So viele wie fühlende Herzen? Oder sogar noch viel mehr?

Ich bin gespannt, was sich daraus ergibt. Und wenn ihr Lust habt, schreibt doch im Laufe des Jahres auch etwas dazu:

„Viel-Liebe“ ist das Thema des Jahres.

Ingeborg Bachmann

Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube schlägt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn …
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

© Piper Verlag GmbH, München 1978
Aus: Anrufung des Großen Bären 1956.

 

—–

*Anmerkung für neuere Mitleser: Der Name des Jahres 2022 war Dora (ΔΩΡΑ).  Dora ist griechisch. Es ist nicht nur ein schöner Frauenname, sondern hat auch eine schöne Bedeutung, nämlich „Geschenke, Gaben“. Als Name ist es eine Abkürzung von Theodora (Gottesgeschenk), männlich auch als Theodor, oder auch in umgekehrter Reihenfolge Dorothea (Geschenkgöttin).

Und da kommt nun das neue Jahr heraufgezogen und verkündet: „Ich heiße Dora. Hör auf zu wollen; empfange!“ Als ich das hörte, zog eine Seligkeit in mich ein. Wie schön! Alles wird sich von selbst schön richten. Ich muss nicht mehr wollen und mir den Kopf einrennen, ich darf empfangen. Ein Jahr des Segens. Aber schon kamen Zweifel auf: Geschenke – ist das nicht auch ein zweischneidiges Schwert? Ich bekomme zwar gern Geschenke, aber einfach so, unbesehen, in Empfang nehmen, was kommt? Was steckt im wohlverschnürten Päckchen drin?  Wenn mir das Geschenk nicht zusagt – kann ich es zurückgeben? Und grundsätzlich: Ist Empfangen nicht entsetzlich passiv? Ich mag die Kontrolle über mein Leben und seine Umstände nicht an ein unbekanntes Wesen abgeben…. (So schrieb ich damals)

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Vom Liebesleben der Schildkröten und anderen ihnen zustoßenden Begebenheiten (Impulswerkstatt, Bild 1)

Schildkröten haben schon was. Wenn ich ihnen begegne – was gelegentlich im Stadtwald Syngrou, auf einer Landstraße in Arkadien oder auch im antiken Friedhof von Athen vorkommt -, ist mein Tag gemacht. Manchmal werde ich erst durch das aufgeregte Klacken, mit dem der Schildkrötenmann den Panzer der begehrten Madame anstößt, auf sie aufmerksam. Diese und andere hier im Blog berichtete Schildkröten-Begebnisse will ich, schön bebildert und manchmal auch gereimt, für deine neu gestartete Impulswerkstatt zusammenstellen, liebe Myriade.

Die Liebe der Schildkröten: Schildkröter besteigt Schildkröte, damit ihrer viele werden.

Eine abc-etüde erzählt von der Werbung eines verliebten Schildkröters, die weniger erfolgreich verlief.

„Was willstu, schwarzer Schabernack?
Glaubst du mit deinem Klick und Klack
Mit Stoßen und mit Rumparlieren
Ne Schildkrötdame zu verführen?
Ein armer schwarzer Strolch wie du
lässt Damen besser ganz in Ruh.“

„Ach so, du willst nicht? Besser so
Mit deinem breiten Panzerpo
Mit deiner alten Rumpelnas
Die vorne mal, mal hinten saß
Was soll ein Kavalier wie ich
Sich mühn und jammern gar um dich!

Mir sind die jungen Weiber recht
Die zieren sich zwar auch nicht schlecht,
doch wenn sie sich dann doch ergeben
und ihren hübschen Po erheben
dann bin ich Strolch, wie du mich nennst
weit besser als was du so kennst!“

Die Dame hörts mit halbem Ohr
Wie kam der Wicht ihr albern vor!
Kannt sie der Liebe schöne Seiten
doch länger als der Strolch, beiweitem.
Kam nur der Rechte durch das Gras,
dann hätte sie schon ihren Spaß.

Dem schwarze Elfer blieb die Flucht
Die mancher Abgewiesne sucht,
wenn die, die er erobern wollte
sich ungerührt vondannen trollte.
Ich schau euch nach mit heiterm Blick
Und wünsch euch beiden Liebesglück.

Ebenfalls im Rahmen von Christianes abc-etüden entstand folgendes Lehrgedicht über die Erfindung der Lyra durch den neugeborenen Hermes  (Ausschnitt, hier)

 

Alsdann fühlt er Lust auf fröhliche Weisen, gespielt auf der Lyra.

Doch freilich die Lyra ist damals noch gar nicht erfunden.

Klein Hermes erkennt gleich die Lösung, als eine Schildkröte den Weg kreuzt.

„Komm her, ich brauch deinen Panzer, die Lyra zu bauen“, so spricht er.

Die Schildkröte fleht: „Ach lass mich am Leben, du göttlicher Knabe

Ich möchte noch hundert Jahre und mehr am grünenden Gras mich erquicken.“

Doch Merkur hat Eile, er tötet die Arme und nimmt sich den Panzer

Drauf spannt er die Sehnen des Rinds und fertig ist schon die Leier.

Dora und bemalter Schildkrötenpanzer (Werk von Karen)

Es gibt so Stunden, da ist es, als wollten die Dinge zu dir reden. Alles wird dir Stimme und Zeichen. Dein Herz bebt, deine Ohren lauschen. Du zählst die Markierungen auf dem Panzer der Schildkröte, die deinen Weg kreuzt, nass ist ihr Schild und dunkel. Eins zwei drei vier – fünf? – vier drei zwei eins, und in der Mitte andere Zeichen, eins zwei drei vier – fünf? Du zählst – schon wandert sie fort. 

In der Vorweihnachtszeit beglückte mich eine Schildkröte, wie ihr vielleicht noch erinnert. Auch diese Begebenheit habe ich in einer abc-etüde präsentiert:

Verzauberte Nacht

Am Himmel leuchten hell die Sterne.

Am Horizont ganz in der Ferne

Erstrahlt das Licht vom Weihnachtsbaum.

Die Tiere dünkts, es wär ein Traum.

*

Sie ham sich auf den Weg gemacht

In dieser kalten Winternacht`

Sie wollen hin zum Lichte gehn

Und dieses Licht von Nahem sehn.

*

Die Schildkröt überholt den Hasen

Weil der fand schnell noch was zum Grasen

Die Biene summt, das Füchslein schleicht

Das Krokodil kommt auch vielleicht

*

Hat Zähne scharf wie Messer

Ist ein berühmter Fresser

Doch heute Nacht ist es ganz friedlich

Und findet selbst den Hasen niedlich

*

Man scherzt und lacht

Heut Nacht.

Unterwegs: Natürlich gibt es im Zaun ein Loch, groß genug, um hindurchzusteigen, und auch einen Trampelpfad, der von hier aus ins Waldgelände hinunterführt. Ein Raubvogel kreist darüber, später sehe ich einen zweiten. Unterwegs treffen wir eine Schildkröte, die haarscharf am menschlichen Schuh vorbeimarschiert auf ein uns nicht bekanntes Ziel zu.

In Arkadien mit dem Auto unterwegs (hier):

Jetzt aber bin ich allein mit den riesigen feierlichen Tannen, die ihre hellgrünen Triebe wie Lichter aufgesetzt haben. Meine Augen trinken das Grün, und wenn ich anhalte, verliert sich das Dröhnen in den Ohren und ich höre eine fast absolute Stille, durchzogen nur vom Gesang der Vögel. Zwei Schildkröten klaube ich vom Alphalt und trage sie ins Grüne, denn hier gibt es zwar keinen Verkehr – aber sicher ist sicher.

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Im antiken Friedhof von Athen (Oktober 2018): Und am Fluss Eridanos, das jetzt nur ein schwaches Bächlein ist, wanderten schön gemusterte Schildkröten ihres Wegs.

Ob es zutrifft, dass der Kater, der Magier, auch Schildkröten zum Tanzen bringen kann?

Auf Bällen balanzieren

Vögel domestizieren

Pappfigurinen beleben

so dass sie das Tanzbein heben

Schildkröte tanzt und Delphin

leichtes Kunststück für ihn!

Nach seinem Takt und Peitschenknall

jongliert man auch den Nasenball.

O werter Herr Kater, wo lern ich die Kunst

und gewinne knallend des Publikums Gunst?

So hörte ich manchen Politiker fragen

in alten und in neueren Tagen.

Wie sind Schildkröten überhaupt entstanden? Davon erzählte ich in einer Geschichte, die vom Planeten der Reptilien handelt (hier). Als nämlich Adam und Eva aus dem Paradiesgarten vertrieben waren, blieb die Schlange zurück….

Die Schlange paarte sich mit einer anderen, und ein Haufen Junge krochen aus dem Ei, die Jungen kriegten noch mehr Junge, es wurden immer mehr. Es wurden einfach zu viele. In ihrer Not erfuhren sie vom Darwinschen Gesetz, und so entschlossen sich einige zur Mutation, wurden Krokodile, Eidechsen, Geckos, Leguane, Schildkröten, ja einige entschlossen sich sogar, sich Flügel wachsen zu lassen und das unwirtlich gewordene Paradies zu verlassen….

Planet der Reptilien, Legebild, digital bearbeitet

War’s so? Oder war es anders? In dem in Russland sehr populären Märchen vom „Burattino“- einer Abwandlung des lügenhaften Pinocchio – ist es eine Schildkröte, die dem Helden das Mittel zur Freiheit gibt:

Der russische Schriftsteller Alexei Nikolajewitsch Graf Tolstoi (1882-1945) hat den Stoff 1936 aufgegriffen, aber den kleinen Kerl ganz anders interpretiert. Und ich muss sagen: diese Geschichte gefällt mir noch viel besser als das Original. Denn Pinocchio hat seine lange Nase gar nicht durchs Lügen, sondern durch einen Schnitzfehler des „Papas“ erhalten. Und am Ende seiner Abenteuer erhält er von der Schildkröte den verloren gegangenen goldenen Schlüssel zu einer geheimen Tür, die den Raum zu einer freien Puppenbühne öffnet, die nicht unter der tyrannischen Gewalt des Oberpuppenspielers Karabas Barabas steht und ihm und seinen Freunden ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung ermöglicht.

Was macht die Faszination der Schildkröten aus? Eine Skulptur des italienischen Künstlers Novello Finotti gibt eine mögliche Antwort:

 

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Jahresbeginn-Meeresspaziergang mit Sonnenuntergang

Mein ritueller Meeresspaziergang am 1. Januar fand erst am späten Nachmittag statt, denn am Vormittag machte ich mit meinen Besuchern (mein Neffe aus Deutschland und seine Frau kamen gestern zu Besuch) eine große Wanderung den Berg hinauf, während mein Mann derweil für uns ein Festmahl zubereitete.

Als wir uns vom Mahl erhoben, war es bereits fünf und Zeit, an die Sandovabucht zu eilen, um der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Sie gestaltete es auch heute zu einem prächtigen Spektakel, und ich fotografierte eifrig. Ein paar Bilder mögen euch erfreuen und davon überzeugen, dass dieses Jahr das Zeug dazu hat, eines der schönsten zu werden.

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Jahresende-Rundspaziergang mit Baustellen

Ein wenig Ritual ist jedem Menschen ein Bedürfnis. Da ich mir aus den allgemeinen Silvester-Baller- und Trinkvergnügen ebenso wenig mache wie aus dem weihnachtlichen o Tannebaum, habe ich meine eigenen kleinen Rituale ausgebildet. Eines davon ist der „letzte Spaziergang“ des Jahres, ein anderes „der erste Spaziergang des Jahres“. Der erste ist eine Art Inspektion und Bestandsaufnahme und geht bergauf, um einen Rundumblick zu gewinnen, der zweite wird morgen ans Meer gehen, um das Neue Jahr zu begrüßen.

Ich wanderte also am späten Vormittag unsere Straße bis zum Bergdorf Megali Mantinia (Groß-Mantinia) hinauf, nahm dort einem Höhenpfad über die Oliventerrassen, um auf einer anderen Straße hinunter nach Akrogiali („Glänzende Küste“) ans Meer und von dort auf der Küstenstraße zu unserem Dorf Paliohora (Altes Land) und auf einem steinigen steilen Pfad hinauf zu unserem Haus zu wandern. Das sind, wie mir der Schrittzähler verriet, 5,3 km und 9 „Treppen“.

Unterwegs hatte ich Gelegenheit, die Baustellen zu registieren. Für mich sind solche Baustellen ja eher traurige Anblicke, nicht aber für die Bauherren, die zwar auch Ärger genug haben, doch ebenso große Hoffnungen damit verbinden. Und so sind sie ein gutes Beispiel, über die Ambivalenz von Hoffnung zu meditieren. Wer hofft – und worauf?

Hier eine Bildersammlung von Baustellen, die ich gestern und heute fotografiert habe. Am 31.12.2026 kann ich, sofern ich hier und überhaupt lebe, den Stand der Dinge vergleichen.

So mancher Bauherr hat sich verkalkuliert. Tod, Krankheit, fehlende Finanzierung führen dazu, dass sie ihr Projekt halbfertig aufgeben.

Viele Häuser in den Dörfern haben „Ananmones“ (die Erwartenden) – das sind aus dem Zement herausragende Eisenstifte, die darauf warten, dass der nächste Stock draufgebaut wird. So, „in Erwartung“, bleiben die Bauten oft ein Leben lang, und was von Ferne durchaus hübsch aussieht, ist von Nahem oft ein architektonischer Alptraum, wie jeder Griechenlandreisende weiß.

Akrogiali

Am Rand der Küstenstraße fand ich ein paar blaue wilde Iris und die ersten roten Anemonen (nicht zu verwechseln mit den soeben erwähnten Anamones). Ein wenig kümmerlich sind sie freilich noch. Dass neue Jahr möge uns viele bunte Blumen bringen, um unser Herz zu erfreuen!

3. Januar 2020

5. März 2017

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Impulswerkstatt: Weintrauben

Das Jahr und mit ihm die Impulswerkstatt November-Dezember 2025 sind fast vorbei, und ich habe deinen Weintrauben- „Impuls“ noch gar nicht genutzt, liebe Myriade. Das fiel mir eben ein, als ich das Lesegerät, mit dessen Hilfe ich (zum dritten Mal) die „Brüder Karamasow“ lese, ausschaltete. Warum gerade da?

Die Erzählung war bei Aljoschas Erleuchtung angekommen, als er am Sarg seines geliebten Staroz einschlief und ihm dabei die „Hochzeit von Kanaa“ ins Ohr und in den Geist drang. Die Verwandlung von Wasser in Wein, damit die Hochzeitsgesellschaft nicht ohne einen guten Tropfen auseinanderginge, war das erste Wunder, das Jesus vollbrachte. Bei Aljoscha bewirkte es das Wunder, dass seine Trauer und Trübsal sich in Entzücken und helle Freude verwandelten und er das Kloster verließ.

Da dachte ich an dein Foto.

Bei dem Bild geht es freilich nicht um Wein, sondern um Weintrauben in unvergorenem Zustand und nicht um Entzückung und Außer-sich-Sein (Ekstase). Auch bei mir fehlt die geistige Zündung, und ich schaue im Archiv nach, was ich über Weintrauben vielleicht schon gesagt und gezeigt habe. Ein paar schrumpelige Trauben werden sich für eine Spätlese doch wohl finden lassen?

Als erstes stieß ich auf eine Notiz aus dem Jahre 2022:

Zu Dora sage ich: „Wo du schon mal da oben bist, sei doch so lieb und bring ein paar Trauben mit runter, ja? Die Wespen liegen schon auf der Lauer, wir müssen ihnen zuvorkommen, wenn wir Trauben ernten wollen.“

Sonnengereifte Weintrauben hinterm Haus (24. August 2020):

Gelb im Blau: „die letzten Trauben“ vom 10. September 2018.

Blau im Gelb: Diese Weintrauben fand ich im September 2020 im verwilderten Lehr-Rebenfeld des Stadtwalds Syngrou in Maroussi. Kaum noch lesbare Schildchen geben Auskunft, um welche Rebsorte es sich jeweils handelt.

Gezeichnet habe ich Weintrauben auch, zB im August 2019: Zum Nachtisch gab es sehr wohlschmeckende Weintrauben: dunkelblau, mit praller Haut. Was ich nicht sogleich aufaß, zeichnete ich zusammen mit meiner rechten Hand.

Blindgezeichnet:

Mit Filzstift

Durchgepauste und durchscheinende Originalzeichnung, leicht verschoben und farbverstärkt

 

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Die ganze Serie gibt es hier zu sehen.

 

Von der Weintraube zum Weinblatt: Farbexplosion.

Dies ist eine Bearbeitung deines Impulsfotos vom Oktober 2022, liebe Myriade. Ich schrieb dazu:

Ein tiefrotes Weinblatt nahm den Impuls auf, verschmolz mit dem rot-orange-blauen Grund. Mir scheint, etwa so lassen sich die Kräfte, die im abgefallenen Weinblatt wirken, sichtbar machen: sie strahlen hinaus ins Weltall, während die physische Gestalt welkt und schrumpft.

So strahlt auch das vergehende Jahr ins Weltall hinaus. O weh! Haben wir Menschen es gut gemacht?

Nun, wie auch immer. Ich hebe heiter mein Glas und begrüße das neue Jahr: Prosit! Es möge nützen.

Prost Neujahr

 

 

 

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Rund um Weihnachten: Ein Gänseblümchen kommt selten allein

Bei meinem heutigen Spaziergang erfreute mich vieles: der Raubvogel im Himmelsblau, die Hühner mit dem stolzen Hahn im schattigen Gehege, der grauweiße wildernde Kater, der mich stumm aus der Ferne betrachtete, die zwitschernen Vögel im Gebüsch, die Bienen und das Pfauenauge am gelb blühenden Hang, das Werkzeug der Olivenernter schön aufgereiht am Wegesrand … und eben auch die Gänseblümchen, die die grünen Hänge unter den Oliven überzogen haben und auch auf den Feldwegen gedeihen, als wären sie Schneeflocken.

Angesichts dieser paradiesischen Landschaft kann es natürlich auch nicht an Baustellen fehlen. Seit es wirtschaftlich wieder aufwärts geht im Lande, sprießen sie hervor fast wie die Gänseblümchen. Besonders die hochliegenden Stellen mit Weitsicht sind begehrt.

Ein Gutes haben die Baustellen: sie geben Gelegenheit, interessante Lehmstrukturen zu beobachten.

Dies ist mein heutiger Beitrag zu Jurickas „Rund um Weihnachten„-Challenge.

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Rund um Weihnachten: und noch ein letztes Portrait

Noch ein Portrait konnte ich heute malen, bevor mein Sohn die Heimreise nach Berlin antrat. Diesmal saß er vor einem meiner Bilder mit zwei Frauen Modell.

Ich freue mich sehr, dass ich in diesen wenigen Tagen seines Besuchs wieder ins Malen kam. Die Ernte ist ganz beachtlich, und ich bin hoch motiviert, weiter zu malen. Doch nun sind erst mal alle noch vorhandenen Leinwände verbraucht und neue nicht so leicht aufzutreiben.

Die zwei letzten Bilder sind stilistisch eine Neuerfindung. Ich hatte Salz in die Farbpigmente gemischt, was dazu führte, dass sie sich schwer mit dem Pinsel auftragen ließen und ich teils mit den Fingerkuppen zum Auftragen der Farbe, teils mit einem Tuch zum Abtragen arbeitete. Ich finde die Ergebnisse spannend.

 

Nun ist Weihnachten für mich vorbei, Neujahr darf kommen.

Dies ist mein heutiger Beitrag zu Jurickas „Rund um Weihnachten„.

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