Ihr habt mir mit euren Kommentaren so viel zum Nachdenken gegeben, herzlichen Dank! Am Ende wird, so hoffe ich, ein Kartendeck stehen, das wirklich stimmig ist. So weit bin ich aber noch lange nicht.
Heute möchte ich euch ein paar meiner Probleme darlegen, die mit dem Inhalt der Karte zu tun haben.
Zum Beispiel „Der Herrscher“. Was ist ein Herrscher? Wie muss man ihn heute darstellen? Einiges habe ich dazu schon geschrieben: https://gerdakazakou.com/2020/03/22/iv-der-herrscher-legebild-collagen/ . Auf den herkömmlichen Tarotkarten ist ein gekrönter bärtiger Mann abgebildet, der fest auf seinem Thron sitzt, umgeben von Symbolen und Tieren. Nun leben wir aber in demokratischen Zeiten. Kann ich da einen König Barbarossa im Kyffhäuser-Gebirge darstellen, auf den die Menschen wie auf einen Heiland warten? Etwa so?
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Herrscher-Typ Barbarossa
Ja, so mag wohl ein „Alleinherrscher“ ausschauen (griechisch Autokrator, Kaiser). Aber ist es das, was wir heute brauchen? Ein guter Herrscher, schrieb ich, „regiert mithilfe von Gesetzen, Verordnungen, Institutionen. Er ist ein Funktionsträger. Seine persönlichen Eigenschaften sind unerheblich. Ob weiß oder schwarz, Mann oder Frau, es ist gleich. Er ist austauschbar.“ Hm. Also vielleicht so?
Oder nehmen wir das Rad. Ich habe es als Glücksrad interpretiert, vergeichbar dem Roulette. Mein Bild zeigt Zwerge, die der unberechenbaren Glücksgöttin Opfergaben zutragen, die sie in mühsamer Arbeit errungen haben. So wie die armen Menschen, die hohe Einsätze bei Lotto und Toto oder auch bei verbotenen Glücksspielen spielen, um einmal aus dem Elend herauszukommen und auf die Pauke zu hauen.
Gewöhnlich wird die Karte als Rad des Schicksals interpretiert. Damit aber käme eine Deutung ins Spiel, der ich gar nichts abgewinnen kann. Denn das Schicksal ist, so meine ich, kein Rad, und wir sind ihm auch nicht ausgeliefert, sondern weben uns unser Schicksal selbst. Dennoch denke ich über eine bessere Lösung nach, denn die Karte, so wie jetzt ist, ist vielleicht schwer zu lesen.
Bei der „Hohepriesterin“ habe ich das Motiv überhistorisch-synkretistisch gestaltet – wie es bei Tarotkarten üblich ist: Die in sich gekehrte Figur ist meditativ mit dem Mondsymbol verbunden, aber ihr Herz schlägt ganz modern, als medizinisch dargestellte Pumpe. Wo soll ich sie ansiedeln? byzantinisch-christlich, archaisch-griechisch oder in der trockenen Welt Nordafrikas mit seiner monastischen Tradition?
Es ist ein spannendes Spiel, dessen Regeln ich nicht kenne. Am Ende steht hoffentlich ein reales Spiel mit 22 Karten.
Alle Hintergründe sind diesmal Ausschnitte von Gemälden, die ich wenig oder gar nicht bearbeitet habe.