Verblühen – erblühen (kleine Beobachtungen)

Vor zehn Tagen schrieb ich: „Heute vormittag dann betrachtete ich die Rose, die sich seit Tagen vorbereitete, um zu blühen. Ihre volle Blüte werde ich leider nicht miterleben, aber eine neue Knospe bereitet sich vor.“

Rosenblüte, 15.12.

Seit gestern bin ich wieder zurück. Die Rosenbüte hat ihren Höhepunkt überschritten, Wind und Regen haben ihr zugesetzt, aber ganz vergangen ist sie nicht.

Rosenblüte 23.12.

Ihre samtig-rosigen Blätter verströmen Sanftmut und Hingabe und einen feinen Duft.

Und die Knospe, die sich vorbereitete? Sie glüht jetzt von Innen heraus und will sich dem Licht öffnen.

Ja, komm, entfalte dich, zeig deine Schönheit, dein rotes Herz, du junge, neue Blüte! Und du, nun Alte, gib deine Schönheit hin in einem letzten rosigen Duft. Euer Verblühen und Erblühen – dies sanfte Gleiten durch die Zeit und ihre Gestaltungen-, wer davon lernen könnte! Wir Menschen hängen allzu sehr an unserer einmaligen Gestalt, klammern uns bis zum Äußersten fest, anstatt wie ihr in Sanftmut und Güte zu vergehen, wenn unsere Zeit abgelaufen ist.

 

 

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Fröhlicher Adventskalender, 24. Tag

DER VIERUNDZWANZIGSTE DEZEMBER

Das Ende der Adventszeit ist nun erreicht. Das letzte Türlein geht auf. Es ist der winzige Kopf des Neugeborenen, um dessenwillen die Geschichte ja überhaupt erzählt wurde und wird.

Dieses winzige Menschenkind hat unsere Erde umgewandelt. Etwas Neues hat es in die Welt gebracht. Und das heißt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ und dann sogar auch „Liebe deine Feinde“. Das ist eine unerhörte Botschaft –  un-erhört bis heute, aber sie ist da, und sie tönt einmal im Jahr, zu Weihnachten, leise im großen Schlachtengetümmel, in dem sich die Menschen gegenseitig die Köpfe einschlagen. Liebt euch, denn ihr seid EINS.

Hinter dem 24. Türchen kommt ein Bild der Sonne zum Vorschein. Frohe Weihnachten!

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Freisetzung des Blattes (kleine Beobachtungen)

Heute fuhren wir von Athen zurück in die Mani. Doch bevor es losging, musste ich noch das Blatt freisetzen.

Welches Blatt? Nun, dieses goldgelbe Blatt, das ich, um es beim Verwelken zu beobachten, mit einem Stein beschwert und festgelegt hatte.

Ein Wind bewegte das Blatt, das, so schien mir, an seiner Fessel zerrte. Es wollte wohl gern auf und davon fliegen, aber der Stein hielt es fest.

„Jetzt“, so sprach ich zum Blatt, „bist du frei!“  und hob den Stein an. „Du kannst hinfliegen, wohin zu willst!“ Da lag es ganz still, wie erstaunt, so als glaubte es nicht an seine plötzliche Freiheit.

Ich habs schon mal bei einer jungen Ziege gesehen, das war auf der Insel Samothrake. Die Ziege hatte man gebunden an den Straßenrand gelegt, um sie später zum Schlachten abzuholen. Ich nahm ein Messer und durchschnitt die Fessel. Das Tier schaute mich an und rührte sich nicht. „Hopp!“ sagte ich. „Du bist frei. Jedenfalls für den Augenblick. Mach schon! Ich kann hier ja nicht Wache halten, bis du dich besinnst! Jeden Moment kommen die Leute, die dich gebunden haben, ich möchte ihnen nicht gern begegnen!“ Schnell entfernte ich mich, schaute mich um: die Ziege lag noch immer dort neben dem Graben, als sei sie gebunden.

Und das Blatt? Nun, es wird schon ein Wind kommen und es ins Freie tragen.

Wie es bei den Menschen ist, wenn der Zwang oder die Bindung wegfällt und sie plötzlich frei sind  – ich kann es nicht vorhersagen. Werden sie noch wissen, dass sie einen freien Willen haben und geschaffen wurden, um ihn zu benutzen, oder werden sie einen kräftigen Wind brauchen, der sie aufstöbert und ins Freie trägt?

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Fröhlicher Adventskalender, 23. Tag

DER DREIUNDZWANZIGSTE DEZEMBER

Der glutrote Engelsflügel über Marias Haupt trägt die No 23.Er segnet nicht nur, er stellt auch eine mächtige Forderung auf, der Maria nicht widersprechen kann und darf. Du bist gesegnet – sagt der Engel. Du bist geopfert. Du musst es erleiden. Und Maria sagt: „Ja“. Darin besteht ihre Freiheit.

Ich fürchte mich nicht wenig, diese Tür zu öffnen. Die Unmöglichkeit, der Aufforderung der geistigen Welt zu widersprechen, schüchtert mich ein. Nun, unmöglich ist es natürlich nicht: Maria hätte sagen können: nein danke! Ich möchte nicht die Mutter des Heilands der Welt sein, ich möchte nicht zusehen müssen, wie mein Kind am Kreuz stirbt. Ich verzichte auf den Ruhm und die Lobgesänge, die man meinetwegen anstimmen wird. Ich will das alles nicht  Lasst mich einfach nur eine Mutter sein.

Sie hätte Nein sagen können, vor neun Monaten, als der Engel zu ihr kam und ihr ankündigte: „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“

Maria wehrt dieses Schicksal nicht ab. Sie sagt nur: Wie kann das möglich sein?“  Sie scheint zu ahnen, was es bedeutet, die Mutter dieses Kindes zu sein. Aber sie stimmt zu: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Das ist ihr „Ja“. Alles andere folgt daraus. Sie wird es durchtragen. Das wissen wir nun.

Als ich das Türchen schließlich aufmache, erblicke ich eine Szene aus Pompeji. Da sitzen im rot glühenden Licht des Himmels zwei Frauen, grübelnd. Sie versuchen die Zeichen zu deuten, aber es gelingt ihnen nicht. Unausweichlich ist ihr Schicksal, das sie nicht kennen.

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Der schreckliche Adventskalender: 22. Tag

DER ZWEIUNDZWANZIGSTE DEZEMBER

Leider muss ich nun doch noch mal ein Türchen dieses Kalenders  öffnen. Dabei wollte ich das so schwierig errungene vorweihnachtlichen Wohlgefühl nicht gefährden. Aber aktuelle Nachrichten über die zunehmende berufliche Vernichtung von Kritikern der Corona-Politik wollen ans Tageslicht. Zwei heutige Meldungen:

Prof. Dr. Alexander Kekulé, seit 20 Jahren Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum in Halle, wurde vorläufig von seinen Pflichten entbunden. Die nächsten Schritte sind dann in der Regel Disziplinarverfahren und endgültige Entlassung. Seine letzte Twitter-Nachricht vom 21.12. spricht sich gegen ein Weihnachts-Lockdown aus und schlägt eine Impfpause vor. Zur Begründung: https://twitter.com/AlexanderKekule.  Seine Buchveröffentlichung zum Thema und seine Auftritte in der Öffentlichkeit weisen ihn nicht gerade als einen „Radikalen“ aus.  Im Gegenteil,  er ist ein Befürworter von Impfungen, Lockdowns, Masken, Tests… Aber  er nennt die Versprechungen, die den Geimpften gegeben wurden, gefährlich und ist gegen die G2-Politik. Das Virus lasse sich nicht wegimpfen, Geimpfte seien leichtsinniger und trieben daher die Epidemie an.    Anscheinend ist jemand, der die heutige Politik nicht als völlig alternativlos ansieht, bereits zum Abschuss freigegeben.

Boris Reitschuster, einer der letzten unabhängigen Journalisten mit einer sehr großen Leserschaft, wurde aus formalen Günden aus der Bundespressekonferenz ausgeschlossen. Er hat die Regierungssprecher mit seinen Nachfragen wohl zu oft in die Enge getrieben.

Das Infame ist, dass ihre berufliche Strangulierung nicht mit ihrer kritischen Haltung zu Coronapolitik-Maßnahmen begründet wird. Woher denn auch!  Jeder darf seine Ansichten frei äußern, sofern sie nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen. EINE ZENSUR FINDET NICHT STATT! Es werden sich schon andere Gründe finden lassen. Man wird sie wegen irgendwelcher Formalien, wegen einer Dienstverfehlung vielleicht oder weil Kollegen schlecht über sie reden, drankriegen. Man wird sie durch Insinuierungen, dann auch durch Klagekosten und wirtschaftliche Vernichtung zur Strecke bringen. Sie sollen zu Un-Personen des Öffentlichen Lebens werden, eine Abschreckung für alle ordentlichen Bürger. Trau dich ja nicht, gegen den Strom zu schwimmen! Du siehst ja, was aus solchen Wichtigtuern wird!

Wenn jemand tatsächlich für seinen Beruf nicht tauglich ist, muss es selbstverständlich juristische Möglichkeiten geben, ihn zu entfernen. ZB Wirtschaftsminister, Gesundheitsminister … es gibt da eine Menge Anwärter.  Aber die bleiben gewöhnlich ungeschoren. Wenn aber, wie der SPIEGEL mutmaßt, ein Professor womöglich ein Praktikum im Vorjahr wegen der bestehenden Einschränkungen nicht ordentlich abgehalten hat, muss man ihn entlassen.

Ich bin allerdings sicher, dass Stimmen wie die von Reitschuster und vielleicht auch von Kekulé nicht zum Schweigen zu bringen sind. Und das ist die frohe Botschaft.

ps. Ich möchte gern noch eine dritte Meldung von heute anfügen, diesmal aus der Schweiz: https://corona-transition.org/solothurner-innendepartement-entzieht-naturheilpraktiker-berufsbewilligung. Solche Meldungen sind nun schon fast allltäglich.

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Langsames Verwelken (kleine Beobachtungen)

Vor ein paar Tagen habe ich zwei Feigenblätter gezeigt, die in der Wohnung trockneten. Mich wunderte und erschreckte das Tempo, mit dem sie sich in hart-brüchige dunkle Skulpturen verwandelten. Über die physikalischen Gründe dafür (geheiztes Zimmer) klärte mich Joachim Schlichting auf, nochmal Dank dafür.

Vorgestern nahm ich ein schönes gelbes Blatt von einem mir unbekannten Baum ab und mit nach Hause, doch legte ich es diesmal auf den gedeckten Balkon, mit einem Stein beschwert, damit es nicht wegfliege. Das Blatt ist leicht gewellt und gezackt, gleichmäßig goldgelb eingefärbt und endet in einer eleganten Spitze. (20.12., nachmittags)

Zwei Tage später, nämlich heute Mittag, fotografierte ich es erneut. Die Färbung hat sich ein wenig ins Braungelbe verschoben, das ganze Blatt hat sich nach links verlagert und an den Rändern gekrümmt und verhärtet. Die sanfte Wellung ist einer erstarrten Knitterung gewichen. (22.12., mittags)

Besonders auffällig ist die Veränderung an der Blattspitze, die nun traurig nach innen gebogen und bräunlich verfärbt ist. Nicht mehr strebt sie in die Weite, ins Licht, sondern sie hält Nabelschau. Die Welt ist ihr nun egal. Ihre eigenen Kümmernisse sind ihr mehr als genug.

Mir scheint, es leidet. Soll ich es vom nächsten Wind hinuntertragen lassen, damit es in der Gemeinschaft der vielen anderen Blätter und vom Regen durchweicht still vor sich hin verfaulen kann?

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Fröhlicher Adventskalender, 22. Tag

DER ZWEIUNDZWANZIGSTE DEZEMBER

Noch ein Türchen öffnet sich in Marias Gewand. Es ist schon das dritte.  Es erstaunt mich, wieviel Wert auf die Hülle der Gottesmutter gelegt wird. Dieses Mal  ist es das zurückliegende Bein. Was es uns wohl Neues zu berichten hat?

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Hinter dem Türchen erscheint…. eine Art Zwergenhaus mit blauer Eingangstür und blauem Giebel. Darauf wäre ich von selbst nie gekommen. Nun muss ich Vermutungen

anstellen, was es damit auf sich hat. Ist Maria, müde vom langen Marsch, ins Träumen gekommen und sieht vor sich einen Weihnachtsmarkt 2021 Jahre nach dem Ereignis? Und stellt sich vor, ihr Neugeborenes in diesem Zwergenhaus unterzubringen, fern von Volkszählungen und Kindermördern, obrigkeitlichen Anordnungen  und schrecklich-schönen Weissagungen? Einfach nur ein gewöhnliches Menschenkind geboren zu haben, das über die weißbärtigen Zwerge lacht? Ich würde es ihr nicht verdenken.

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Pinienwäldchen mit Boot (Aquarell)

Gibt es ein Gesetz der Serie? Gestern zeigte ich ein Tulpen-Aquarell, das ich in der Wohnung meines vor drei Jahren verstorbenen Schwagers fand. Heute zeigte mir mein Neffe Vassilis (ich schrieb schon mehrmals von ihm, zB hier: https://gerdakazakou.com/2016/05/26/ein-junger-kuenstler-stellt-aus-vasilis-botoulas/) ein anderes Aquarell, das sich beim Ausräumen derselben Wohnung fand und das er professionell hat rahmen lassen. Beide Aquarelle hatte ich einst meiner Schwiegermutter geschenkt.

Ich freute mich über das unvermutete Wiedersehen. Motivisch ist das liebevoll gemalte Bild ein Klassiker: Pinien, Boot, Meer. Damals sagte ich wohlgemut: ich fürchte keinen Hunger, denn solche Bilder werde ich immer malen und langsam perfektionieren können. Die lassen sich verkaufen.

Nun, ich brauchte dann doch nicht um des lieben Brots willen zu malen. Und übte mich nicht weiter in solchen Aquarellen.

 

Aber das Motiv der Pinien am Strand reizte mich immer wieder, zB hier auf der Insel Elafonisos, die ich voriges Jahr besuchte.

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Fröhlicher Adventskalender, 21. Tag

DER EINUNDZWANZIGSTE DEZEMBER

Die gold aufblitzende Flügelspitze des Engels über Maria  öffnet uns das 21. Türchen.

Heute ist Wintersonnenwende, und ein erster Strahl des wiederkehrenden Lichts hat sich  im Engelsflügel verfangen.  Es ist nur ein winziger Lichtsplitter. Noch weiß der Winter nichts davon, dass er bald dem Frühling weichen muss. Noch steht das Jahr auf der Schneide.

Und was steckt hinter dem Türchen? Ein doppeläugiges sonnenfarbiges Kätzchen!

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Tulpenstrauß

An einer Ampel, bei einem total verfrorenen Bangladeshi kaufte ich fünf Tulpen. Eine verschenkte ich, vier zeichnete ich und überblendete sie mit einem Foto der Tulpen.

Was habe ich gewonnen? Was verloren? Habe ich, dem Klee’schen Gebot folgend, durch Kunst sichtbar gemacht, was zuvor verborgen war? Oder was sonst?

Vor vielen vielen Jahren malte ich schon einmal einen Tulpenstrauß.  Das Aquarell gehörte zu meinen ersten, und ich war einigermaßen stolz darauf. Ich schenkte es meiner Schwiegermutter. Dort, in ihrer kleinen Wohnung, hing es, als sie starb. Es hing dort auch, als viele Jahre später ihr jüngerer Sohn, mein Schwager starb. Da räumten wir auf und fanden es. Ich berichtete davon.

Und nun betrachte ich die Bilder und frage mich wieder: was habe ich gewonnen? Was verloren? Habe ich durch Kunst sichtbar gemacht, was zuvor verborgen war? Oder was sonst?

Das „schön“ gemalte alte Aquarell und die Kugelschreiber-Skizze von heute: Ich möchte ihren ganz verschiedenen Ausdruck in einem Bild vereinen. Durch Überblendung vielleicht?

Vielleicht sollte ich die gemalten Blüten ausschneiden und sie an die Stelle setzen, wo die heutigen mit Kugelschreiber notiert sind?

Nun, wie auch immer. Ich  gehe jetzt erst mal spazieren. Die Sonne lacht, und auf den Bergen liegt eine dünne Schneedecke.

 

 

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