Fröhlicher Adventskalender, 23. Tag

DER DREIUNDZWANZIGSTE DEZEMBER

Der glutrote Engelsflügel über Marias Haupt trägt die No 23.Er segnet nicht nur, er stellt auch eine mächtige Forderung auf, der Maria nicht widersprechen kann und darf. Du bist gesegnet – sagt der Engel. Du bist geopfert. Du musst es erleiden. Und Maria sagt: „Ja“. Darin besteht ihre Freiheit.

Ich fürchte mich nicht wenig, diese Tür zu öffnen. Die Unmöglichkeit, der Aufforderung der geistigen Welt zu widersprechen, schüchtert mich ein. Nun, unmöglich ist es natürlich nicht: Maria hätte sagen können: nein danke! Ich möchte nicht die Mutter des Heilands der Welt sein, ich möchte nicht zusehen müssen, wie mein Kind am Kreuz stirbt. Ich verzichte auf den Ruhm und die Lobgesänge, die man meinetwegen anstimmen wird. Ich will das alles nicht  Lasst mich einfach nur eine Mutter sein.

Sie hätte Nein sagen können, vor neun Monaten, als der Engel zu ihr kam und ihr ankündigte: „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“

Maria wehrt dieses Schicksal nicht ab. Sie sagt nur: Wie kann das möglich sein?“  Sie scheint zu ahnen, was es bedeutet, die Mutter dieses Kindes zu sein. Aber sie stimmt zu: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Das ist ihr „Ja“. Alles andere folgt daraus. Sie wird es durchtragen. Das wissen wir nun.

Als ich das Türchen schließlich aufmache, erblicke ich eine Szene aus Pompeji. Da sitzen im rot glühenden Licht des Himmels zwei Frauen, grübelnd. Sie versuchen die Zeichen zu deuten, aber es gelingt ihnen nicht. Unausweichlich ist ihr Schicksal, das sie nicht kennen.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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9 Antworten zu Fröhlicher Adventskalender, 23. Tag

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Ahnen die zwei Frauen den Untergang Pompejis? Vor rotem Himmel. Die Blicke der Frauen sagen sehr viel aus.
    Was die Ankündigung des Engels an Maria betrifft, so ging es aber um eine Frohe Botschaft!💖✋

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Aber dies Ja-Sagen von Maria war etwas Großes. (Ein Nein-Sagen kam für sie nicht in Frage. Und für JESUS ebenfalls nicht. Hätte er „nein“ gesagt, hätte er sein Leben retten können. Das aber wäre für ihn undenkbar gewesen.)

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    • gkazakou schreibt:

      wenn du sagst, Gisela; „Ein Nein-Sagen kam für sie nicht in Frage“ was meinst du?. Dass sie kein Mensch war mit ihren Wünschen, Zweifeln, Hoffnungen? Für mich ist sie groß, weil sie hätte Nein sagen können und aus freiem Willen „Ja“ sagte,

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      • Gisela Benseler schreibt:

        Sie war „erfüllt vom Heiligen Geiste“ heißt es. Jedenfalls war sie es von dem Zeitpunkte an, als der Engel erschien. Das war wohl um die Mitte der Schwangerschaft. Nun, das scheint wahr zu sein. Auch die Empfängnis stand unter hoher Einstrahlung.🌞🌹🍀

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  3. Weder die Frauen von Pompeji, noch Maria kannten ihr Schicksal. Wie gut, daß sie es nicht kannten. Unter der Last wären sie zusammengebrochen … und das Schicksal hätte das Nachsehen gehabt …

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  4. Johanna schreibt:

    Unglaublich bewegend, Gerda. Da ist viel Wahrheit und viel Weihnachten drin !

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