Tagebuch der Lustbarkeiten: keine

Keine.

Ich starre Richtung Südosten, in das Gebiet, wo die Menschen nach den verheerenden Erdbeben Unsägliches erleiden. Was mich aber vollends fertig macht: Die Sanktionen gegen Syrien, die dafür sorgen, dass die Hälfte der dort lebenden Bevölkerung bereits hungert, sollen auch jetzt nicht aufgehoben werden. Der Transport von Hilfsgütern, die Überweisung von Spendengeldern wird dadurch sehr erschwert, fast verunmöglicht. Sollen sie krepieren, die Menschen, die das Unglück haben, rund um Aleppo zu leben.

 

Menschlichkeit, wo bist du? Wohin hast du dich verkrochen?

Keine Lustbarkeiten heute.

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Welttheater 4. Akt, 8.Szene: Recht gegen Recht.

Was zuletzt geschah: Domna fordert von Tschinn Rechenschaft für sein Handeln. Er beruft sich auf das Recht des Stärkeren und will die Gruppe verscheuchen. Da tritt Diaphania (Transparenz) auf.

Diaphania:

Sprich, guter Mann, was ist dein Argument

was dein Begehr, und was dein Dokument?

Tschinn:

Ich bin zwar keine Rechenschaft dir schuldig,

doch sag ichs gern noch mal: Dies ist Privatbesitz.

Ich habs den Damen eben schon geduldig

erklärt, dass ich hier baue einen Ruhesitz

für Menschen, die ihr Leben lang mit Fleiß

sich mühten und, am Ende von Erfolg gesegnet,

sich leisten können, müde vom vergossnen Schweiß,

dass Lust und Wohlsein ihnen hier begegnet.

Diaphania:

Sehr wohl, ich hab verstanden jetzt dein Argument.

Doch würde ich gern sehen auch das Dokument

das mir bezeugt, dass du zu Recht hier waltest

wenn du ein Wohngebiet für Reiche hier gestaltest. 

Tschinn:

Ein Dokument? O, das ist leicht gebracht.

(für sich) Denn wo das Geld ist, da ist auch die Macht.

Ich bring es euch, sobald ihr euch ausweiset

mir sagt, wer euch befugt und wie Ihr heiset.

Diaphania zieht mit einer sachten Bewegung den rechten Vorhang vor die Bühne.

Domna:

Nun hör auch mich, verehrte Frau.

Du siehst die Bucht, siehst auch das Meer, den Strand.

Du siehst den angefangnen Bau

den dieser Mann hier setzte in den Sand.

 

Ich sehs ja nicht mit Augen, weil ich blind,

doch in der Seele kann ich es erschauen,

wie hier ein freier Ort, an dem ein Kind

aus Sand wohl möchte Burgen bauen

 

nun abgesperrt nur noch die Reichen duldet.

Das ist nicht Recht. Die Erde dient uns allen

Und niemand ist, der ihr nicht Liebe schuldet.

Wer dürfte sich ein Stück für sich erkrallen?

Diaphania:

Nenn das Gesetz, auf das du dich berufst.

Domna:

Nicht ich wars, auch nicht du, die es erschufst

Es ist das Recht, das immer schon gegeben

und ohne das es gar nicht gäb das Leben:

Wer nimmt muss geben und der gibt, der nimmt.

Es wacht die Nemesis, das diese Rechnung stimmt.

Tschinn:

Was redst du da? wer ist schon Nemesis?

Die ist passee, auf die geb ich kein Schiss.

Inzwischen ist doch längst geklärt:

Nur ein Gesetz hat sich bisher bewährt.

Der Fitteste ist Herr, die anderen sind Knechte

Wer sich durchsetzt, der ist dann auch im Rechte.

Diaphania schließt nun mit einer sanften Gebärde den Vorhang auf der linken Seite der Bühne und öffnet ihn auf der rechten Seite. Dort sieht man Clara mit dem Biest Kairos in freundlicher Unterhaltung.

(wird fortgesetzt)

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Architektur und Finitektur

Architektur ist ein aus griechischen Wurzeln (αρχή – Anfang, Grundlage, τέχνη Kunst, Handwerk) zusammengesetztes Wort und bedeutet etwa „Erste der Künste“.

Ganz oben in der Wertschätzung stehen die Bauten, die für religiöse Zwecke entwickelt wurden – von den anzubetenden Felsen und Steinformationen in der offenen Landschaft über die Tempel als „Haus“ der Gottheit, bis hin zu den Synagogen, Kirchen und Moscheen als Versammlungs- und Anbetungshäuser.

Die Siedlungen und Häuser, Werkstätten und Stallungen, die von Menschen für Menschengebrauch gebaut werden, finde ich jedoch nicht minder interessant. Faszinierend der Formenreichtum, in dem sich nicht nur praktische Bedürfnisse, Vorhandensein und Erschwinglichkeit von Materialien und kulturell geprägte Vorstellungen vom guten Leben spiegeln, sondern manchmal auch des Erbauers Selbst.

Alleinstehende Häuser bilden so  etwas wie den Kontrapunkt zur Melodie einer Landschaft.

Vorgestern auf meiner Wanderung erblickte ich zwei bemerkenswerte Häuser in der Weite der Landschaft, das eine über dem anderen: das obere in jeder Hinsicht perfekt, das andere … Aber sieh selbst.

Zwei Häuser in der Landschaft:

Das obere ist ein „klassisches“ altes Steinhaus, wunderbar ausgewogen in seinen Proportionen, sinnvoll in seinen Details. Erstaunlich ist die große Stützmauer, die es nun schon so lange davor schützt, in die Schlucht hinunter zu rutschen.Es ist bewohnt und bewirtschaftet, wie ich bei einem früheren Spaziergang feststellte.

Das untere Gebäude herangezoomt.

Was soll es darstellen? Ein Haus? einen Tempel welchen Gottes? Etliche weiße Kuppeln, den Kirchen und Moscheen nachempfunden, bilden das Dach, darüber erhebt sich anstatt eines Minaretts oder Glockenturms ein leiterartiger Bogen. Die Fassade wird durch eine Reihe von „Säulen“ gebildet, darüber befindet sich eine Aussichtsterrasse. Dominant ins Auge fällt die Fotovoltaik-Anlage, die das Anwesen wohl strommäßig autonom macht. Das muss es auch sein, sofern es bewohnt wird, denn dort, wo es steht, kann es nicht ans Stromnetz angeschlossen werden.  Das Gebäude scheint ausschließlich aus recyceltem Material zu bestehen. Sein Erbauer – was hat er sich gedacht? Welches ist seine message? 

Finitektur – die letzte der Künste.

 

 

 

 

 

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Welttheater. Dritte Zwischenbilanz (25.1.-6.2.2023)

Die erste Zwischenbilanz  schrieb ich am 12. Januar. Dort findest du auch ein Personenverzeichnis und eine Revue, „wie alles begann“: Die „blinde Poetin“ (Domna) wurde Ende 2022 zur wichtigsten Repräsentantin des Jahres 2023 gewählt. Sie ist also der spiritus rector dieses „Welttheaters“. Dora (Repräsentantin des Vorjahres) darf, unsichtbar, als Assistentin helfen. Mithilfe von Eichendorffs „Wünschelrute“ (Zauberwort) findet Domna das Leitmotiv des Stücks, das aufgeführt wird: „Geben und Nehmen im Ausgleich“.

Die zweite Zwischenbilanz schrieb ich 12 Tage später, am 24. 1. Die endete mit dem Einbruch in Wilhelms Lager, wo sich die Gesellschaft (Wilhelm, Jenny, Domna, Danai, Trud, Clara) zum Frühstück („Symposion“) eingefunden hatte.

Nun sind 12 + 1 Tage vergangen, und ich schreibe die dritte Zwischenbilanz. Was geschah?  Jenny verdächtigt zwei im Wald versteckte Afrikaner des Einbruchs. Das „Geben und Nehmen“ wird weiter variiert. Trud fragt nach Motiven, Tatbeständen, Beweisen, Jenny und Wilhelm machen sich auf die Suche nach den Dieben und der Beute, Danai zeigt dem Kind Clara essbare Kräuter und Wurzeln, Domna formuliert, worin der Beitrag eines jeden und auch ihr eigener besteht, und Trud fragt u.a., ob es früher wirklich besser war.

Nachdem jeder seinen Beitrag geleistet hat, erscheint auch Hera, den Ihren zu leisten. Sie bringt die zwei gesuchten Afrikaner mit, die zugeben, Konserven eingesammelt zu haben, doch den Einbruch bestreiten. Sie haben jetzt dank Claras Nachfrage Namen: Hawi (der Kleine) und Abud (der Ältere), man fragt nach ihrer Geschichte – sie, die zuvor nur „schwarze Gesichter“ waren, werden zu Individuen. Hera hält eine Rede über die Verführbarkeit. Die Situation hat sich entspannt, man lässt sich zum gemeinsamen Essen nieder.

Danach ziehen alle ab, Wilhelm bleibt, von Heras Wein leicht betäubt, allein zurück. Das Traumwesen Luise erscheint und führt ihn an die Bucht, wo er Isolde (Hedonie) erblickt, doch kann er sie nicht halten. Sie wird von wilden Männern entführt und und als Trophäe auf den Bugsprit gepflanzt.

Um sich vom Traum zu befreien, geht Wilhelm auf die Jagd, sieht ein Kaninchen, springt ihm nach und stürzt in den Abgrund. Hera schickt nach der Gruppe Jenny-Danai-Domna-Clara, doch anstatt praktisch zu helfen, verheddern sie sich in Annahmen und Vorschlägen.  Erst Abud und Hawi erweisen sich als nützlich.

Wilhelm wird ins Lager transportiert, wo die kräuterkundige Danai mit Abud und Hawi bleibt, um den Kranken zu pflegen. Die „Hilfesuchenden“ werden also zu „Helfern“.

Domna, Trud und Clara ziehen unter Jennys Führung auf der kahlen Rückseite des Berges hinunter ins Tal, übernachten bei einer Schafherde. Jenny möchte am Morgen allein aufbrechen.  Domna erklärt ihr das Gesetz der Gemeinschaft (jeder ist wichtig), und Jenny ist bereit, die Gruppe erneut zu führen.  Sie gelangen  zur Bucht, wo sie auf den Macher Tschinn treffen, der dort mithilfe seines Biests Kairos einen Bau aufzieht. Trud erweist sich als sensible Dolmetscherin der blinden Poetin.

Domna stellt Tschinn zur Rede, der das „Recht des Stärkeren“ für sich in Anspruch nimmt. Trud fragt nach Rechtstiteln. Diaphania, die Verkörperung von Transparenz, erscheint und fordert dazu auf, ihr den Vorgang zu erklären.

 

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Welttheater, 4. Akt, 7. Szene: Das Recht des Stärkeren

Was zuletzt geschah: Dora, Trud und Clara sind unter Jennys Führung in der Bucht angekommen. Dort ist Tschinn dabei, einen Bau hochzuziehen.

Tschinn:

Was wollt ihr hier? Dies ist privat!

Ich hoff, dass ihr die Tafel saht

die groß und breit es euch verkündet:

auf Privatgrund ihr euch befindet!

Domna:

Ich sehe nichts, denn ich bin blind.

Doch höre ich und bin empört

Sagt an, mein Herr, und sagts geschwind

seit wann der Sand hier euch gehört?

 

Der Strand hat schon viele Geschichten gesehen

sah Schiffe und Räuber, sie kamen an Land

es landeten Frauen, um Hilfe zu flehen

und manch eine gab es, die Aufnahme fand.

 

Doch noch nie hat ein Mensch, so weit ich vernommen,

das Meer und den Sand in Besitz sich genommen.

Tschinn:

Was du da sagst, das stimmt genau!

Ich bin der erste, denn ich bin schlau!

Es gibt für dieses Sandgeglitzer

zum Glück noch keinen Vorbesitzer.

 

Ich bin der Erste mit Verstand,

nahm in Besitz mir diesen Strand.

Nun macht euch fort, sonst gehts euch schlecht

Auf meiner Seite ist das Recht.

Domna:

Das Recht? Von welchem Rechte sprichst du, Mann?

Tschinn:

Das Recht des Stärkeren, Madame.

 

Willst du mir etwa dieses Recht  bestreiten?

Versuchs, du wirst dir Ärger nur bereiten.

Das Recht, das ich am Schwanz gepackt

kennt nur Gewalt, und die ist nackt.

Jenny:

Was hast du vor, hier hinzubauen?

Tschinn:

Was gehts euch an, ihr dummen Frauen!

Jenny:

Ich will es wissen, kann ja sein

dass du nicht profitierst allein

Dass wir auch einen Nutzen haben

Ich schlaf nicht gerne in nem Graben

 

Wenn du hier baust, will ich hier wohnen

Tschinn:

Das würde sich für mich nicht lohnen.

Ihr habt kein Geld, ihr armen Strolche.

Ich bau doch Häuser nicht für solche!

 

Dies wird ne schicke Wohnanlage

Wo reiche Leut die letzten Tage

des Lebens sich vergolden können

was ihnen wirklich zu vergönnen.

 

Mit Wellness und mit jungen Damen

mit Jubel und mit Walzerklängen

wo selbst die Krüppel und die Lahmen

den Tod vergessen und verdrängen.

Trud

Ich hätte da doch ein paar Fragen?

Wie kam er in den Strandbesitz?

Kann man dagegen vielleicht klagen?

Tschinn

Du Alte bist mir ja ein Witz!

Wer bist du, Rechenschaft zu fordern?

Willst du am End ne Klage ordern?

Haut ab, es ist genug geschwatzt,

bevor mir noch der Kragen platzt.

Trud:

Er hat wohl keinen guten Stil?

von Transparenz hält er nicht viel?

Clara:

Da kommt sie schon! die hohe Dame!

Ich frag sie mal, ob das ihr Name.

Jenny, Trud und Clara rufen durcheinander

Jenny: Der Mann hat diesen Strand geraubt

Trud: Ist das denn rechtens, ist΄s erlaubt?

Clara: Wie heißt du, liebe Dame

Jenny: Er will für reiche Leute bauen…

Jenny: Der Arme kann in΄n Mond dann schauen.

Clara:  Ist Transparenz dein Name?

Diaphania

Was geht hier vor? 

Sprecht nicht im Chor!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Geschichtsklitterer (abc-etüde)

Schreibeinladung für die Textwochen 06*07*08*09**23 | Wortspende von Myriade

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Die Geschichtsklitterer

Ihr Arbeitsplatz liegt im Fast-Dunkel. Vor ihr und vor all den anderen, die hier sitzen, flimmert weißlich ein Screen, auf dem sich die neuesten Ereignisfolgen abbilden. Mit großer Konzentration schaut sie auf die laufenden Bilder, drückt zuweilen die Tasten cut und paste. „Schnitt“ und „Ankleben“. Nach jahrlanger Übung beherrscht sie ihr Handwerk ausgezeichnet. Manche der vorzunehmenden Schnitte sind winzig, betreffen nur ein Gesicht, eine Szene in einem Flughafen. Selten muss sie ganze Ereignisfolgen beseitigen. Das ist heutzutage kaum noch nötig, denn das hereinkommende Material ist bereits durch Algorithmen aufbereitet.

Zuvor hat sie in der historischen Abteilung gearbeitet. Das war mühsamer, aber weniger stressig. Es galt, sich durch schier endlose Reihen von Büchern, Pergamenten und Schriftrollen zu arbeiten, um die Stellen aufzufinden, die der Korrektur bedürfen. Die korrigierten Texte aus allen Ressorts laufen in digitalisierter Form in der IT-Abteilung zusammen, wo das historische Gesamtbild erzeugt wird. Als segensreich erwiesen sich die historischen Großschnitte, die eine Vielzahl von Quellen schlagartig beseitigten. Ein besonderer Glücksfall war die Zerstörung der Bibliothek von Alexandria –  erst durch Caesars Kanonen, dann durch den christlichen Mob und schließlich durch die moslemischen Gotteskrieger, die befanden, dass ein Buch genug sei, um die Wahrheit zu verkünden.

Sie steht kurz auf und dehnt ihren schmerzenden Rücken. Heute,  denkt sie zufrieden, gelingt es immer besser, das Chaos der Ereignisse schon an der Quelle zu erfassen. Ein dickes Rohr, ein Mainstream. Das erleichtert die Arbeit sehr.  Irgendwann wird man im Voraus wissen, was geschieht. Das wäre das Ideal:  die Ereignisse dem Skript anpassen….

Sie macht sich erneut an die Arbeit. Panzerkolonnen ziehen über die Computer-Oberfläche, Reden ertönen. Sie geht zurück an die Stelle, wo jemand sagt: „keine Waffen in Kriegsgebiete“. Ein kleiner Schnitt, weg damit. Da flammt eine rote Linie auf, es folgt eine Explosion, und das Licht erlischt.

300 Wörter

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Abkühlung (zu Steinegartens Fotoprojekt „Winter“)

Der Impuls, den „Steinegarten“ mit ihrem Winter-Projekt setzt, ist persönlicher Art. „Was ist Winter für mich?“ In der Weltecke, in der ich lebe, ist „Winter“ ein vollkommen anderes Erleben als das, das ich als Kind in Norddeutschland kannte. Es gibt hier in Meeresnähe keinen Schnee, frisches Grün sprießt aus der im Sommer trockenen Erde, die Orangenbäume tragen im tiefgrünen Laub goldene, die Zitronenbäume leuchtend gelbe Früchte, die Mandelbäume blühen, die Wiesen sind übersät mit Margariten, die Vögel singen im Gebüsch…. Kurzum, es ist eine Zeit, in dem alles sich öffnet, aufatmet nach langen Monaten der Hitze und Dürre.

Doch ab und an wird auch diese leuchtende Winterwelt von Kälte überzogen. So wie dieser Tage, als es in weiten Teilen Griechenlands zu schweren Schneefällen kam. Hier, im Südpeloponnes – am südlichsten Punkt von Festland-Europa – wurde diese Kältewelle als Abkühlung wahrnehmbar.

 

 

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Welttheater, 4. Akt, 6. Szene. Was geschieht in der Bucht?

Was zuletzt geschah: Unsere Truppe (Domna, Jenny, Trud, Clara) wacht zwischen Schafen auf. Jenny will weiter, bevor der Bauer sie erwischt. Domna rät ihr, nicht allein zu gehen, sondern in der Gemeinschaft zu bleiben, auch wenn sie dadurch langsamer vorankommt. Unter Jennys Führung geht es zurück zur Bucht.

Wenn ihr zum Aufbruch seid bereit:

Von hier ist es zur Bucht nicht weit

Am Strand ist Tschinn mit Kairos dabei, einen Bau hochzuziehen.

Trud:

Was ist denn dies? Was ist geschehn?

Wer kann die Barbarei verstehn?

War hier nicht noch vor wenig Tagen

ein heller Strand? so möcht ich fragen.

Domna

So sag doch, Trud, was ist geschehn?

Du weißt, dass meine Aug nicht sehn.

Was siehst du hier, das dich erschreckt?

Du hast mich doch nicht nur geneckt?

Trud

Wie soll ich nur die rechten Worte finden?

Wie dies beschreiben einer Blinden?

 

Riechst du den Meereswind mit Algenduft, dem Süßen?

Fühlst du den weichen Sand wohl unter deinen Füßen?

Hörst du den Möwenschrei durch Lüfte gellen?

Vernimmst das Meer auch, das mit seinen Wellen

den Strand bespült und kleckert klickert leise

auf seine unnachahmlich wunderbare Weise?

Schmeckst du wohl auch den salzig-bittren Wind

und fühlst die Böen, wenn sie stärker sind?

 

Warum sind Augen da, um dies zu sehen?

Solln wir nicht lieber wieder gehen?

Domna

Du sprichst in Rätseln, liebe Trud.

Ich seh den Strand, das Meer, die Möwen gut

und dank dir für die Bilder, die du schenkst.

Was siehst du noch, dass du an Umkehr denkst?

Clara:

Da ist ein Mann mit einem Tier

die Nase ist ganz schrecklich lang

Was machen diese beiden hier?

mir ist vor diesen beiden bang.

Domna:

Auch du, mein Kind, klingst sehr beklommen.

Hol mal die Jenny, sie soll kommen.

Doch sag zuerst, was dieser Mann dort macht?

Ich höre einen Lärm, es quietscht und kracht.

Clara:

Er geht da rum und baut ein Haus

das Haus das sieht ganz grauslich aus.

Die Jenny ist bei diesem Mann

ich glaub, sie legt sich mit ihm an.

Das Biest guckt bös und öffnet seinen Rachen.

Was soll ich, liebe Domna, machen?

Danai

Führ mich zu ihm, ich möchte gern erfahren

was dort geschieht des Unheil-Sonderbaren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wandern

Darf man sieben Kilometer bergauf-bergab-Gehen schon als Wandern bezeichnen? Nun, wie auch immer: Ich war heute mal wieder unterwegs, die Straße zum Nachbardorf hoch, dieses umrundend, und über Feldwege zurück. Das Schneegebirge lockte. Denn auch über Griechenland ist eine Kältewelle hingezogen und hat, welch Glück! unser Taygetos-Gebirge mit Neuschnee bedeckt.

Bis ins Gebirge hätte ich nicht wandern können, aber zum Glück hat das Handy ja eine Zoom-Einstellung, die das räumlich Ferne optisch naherückt.

Viele Lustbarkeiten sind mit solcher Sonntagswanderung im kalten Februarlicht verbunden. Zum Beispiel der Anblick von Blüten am verwilderten Mandelbaum, dessen vorjährige Früchte nicht geerntet wurden.

Oder die mit kleinen weißen Margariten überblühte Wiese zwischen alten Olivenbäumen, dahinter ein wildes Zypressenwäldchen …. 

und immer wieder, immer erfreulich, der weite Blick über Land und Meer.

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Was sehe ich, wenn ich aus der Haustür trete? Aprikosenbaum Februar 2023 (Fotoprojekt Royusch)

Heute ist ein kalter glänzender Tag. Ich öffne die Haustür und sehe natürlich als erstes …. die Katzen, die gefüttert werden wollen. Dann erinnere ich mich: ich wollte doch an jedem ersten Sonntag des Monats ein Foto vom Aprikosenbaum machen, der mich beim Hinaustreten als erstes begrüßt. Das Gezweig, sonnenüberglänzt, ist jetzt ganz kahl, allein ein vertrocknetes Blättchen hockt wie ein frierendes Winter-Vögelchen auf einem der Äste. Der weiße Rosenbusch trägt immer noch – immer wieder – Blüten, daneben ein paar rote Blüten am Hibiskusstrauch (Fotoprojekt Royusch).

Hier ist es (5.2.2023, 11.30 Uhr)

Sinnvoll wird so ein Foto natürlich erst innerhalb einer Galerie. Bisher sind es zwei Fotos, vom 10.1. und das heutige.

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