Tagebuch der Lustbarkeiten: keine

Keine.

Ich starre Richtung Südosten, in das Gebiet, wo die Menschen nach den verheerenden Erdbeben Unsägliches erleiden. Was mich aber vollends fertig macht: Die Sanktionen gegen Syrien, die dafür sorgen, dass die Hälfte der dort lebenden Bevölkerung bereits hungert, sollen auch jetzt nicht aufgehoben werden. Der Transport von Hilfsgütern, die Überweisung von Spendengeldern wird dadurch sehr erschwert, fast verunmöglicht. Sollen sie krepieren, die Menschen, die das Unglück haben, rund um Aleppo zu leben.

 

Menschlichkeit, wo bist du? Wohin hast du dich verkrochen?

Keine Lustbarkeiten heute.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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27 Antworten zu Tagebuch der Lustbarkeiten: keine

  1. wildgans schreibt:

    Verständlicherweise. Kaum aushaltbar. Allein, davon zu hören!

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  2. afrikafrau schreibt:

    Finde keine Worte

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  3. rotewelt schreibt:

    Ja, man findet keine Worte mehr für das, was in der Welt geschieht.

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  4. hanneweb schreibt:

    Eine gute Frage, Menschlichkeit wo bist du und einfach unvorstellbar was da geschieht, liebe Gerda!
    All diese sinnlosen Kriege und auch Sanktionen unter welchen im Grunde immer daran schuldlose Menschen leiden!!!

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, Hanne. Der „Schwarze Kater“ oben im Kommentarstrang spricht mir aus der Seele, wenn er sagt: wenn die Sanktionen wenigstens im Sinne ihrer Erfinder funktionieren würden, dann könnte man sie zumindest rational nennen. Aber nicht einmal das ist ja der Fall. Sanktionen haben immer nur den einfachen Menschen das Leben schwer bis unmöglich gemacht – Menschen, die sowieso keine Möglichkeit haben, ihre Machthaber wegzujagen. Nicht mal wir, in unseren Demokratien, können ja unsere sog. „Eliten“ loswerden oder sie zwingen, ihre Politik zu ändern.

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  5. Melina/Pollys schreibt:

    Ja, wo ist sie geblieben – die Menschlichkeit. Wenn man einigermaßen unsere Vergangenheit beobachtet hat, dann wissen wir wo sie geblieben ist – sie wurde uns gezielt und langsam, so langsam, dass wir es gar nicht gemerkt haben ausgetrieben. Schon immer (man denke an die Kolonien) wurden Menschen ausgebeutet, Kriege geführt und Kinder dem Hungertod ausgeliefert…. jetzt ist es endlich sichtbarer geworden, deshalb merken es jetzt mehr – aber es sind noch lange nicht genug, die merken was los ist.

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    • gkazakou schreibt:

      Du hast natürlich recht, Melina, die Zeiten waren nie besser. Sie waren aber vielleicht weniger zynisch? Ich weiß nicht, vielleicht war Macht immer zynisch. Aber ich lebe jetzt und muss es jetzt aushalten.

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  6. Mitzi Irsaj schreibt:

    Sehr nachvollziehbar, dass der Sinn nicht nach Lustbarkeiten steht. Deine Gedanken teile ich.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Mitzi. Mir steht auch sonst selten der Sinn nach Lustbarkeiten, aber ich möchte doch immer den Kopf oben behalten und nicht verbittern. Drum werde ich morgen wieder antreten zum täglichen Bericht über Liebens- und Bemerkenswertes, das mir so unterkommt.

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  7. derschwarzekater schreibt:

    Ach ja. Ich fand das Vorhaben tapfer – tapfer, vernünftig und nachahmenswert – , dieses Jahr nur Lustbarkeiten zu veröffentlichen. Ärger und Wut sind ja doch zu nichts gut. Ich habe mir daraufhin vorgenommen, meine Wut für mich zu behalten, und die Folge ist seither: Schweigen.
    Nein, ich glaube, es kann nicht gelingen, das ganze Grauen, die Lügen, die Dummheiten, die Skrupellosigkeit, die Selbstgerechtigkeit, das alles einfach wegzulächeln. Wut mag ohnmächtig sein, aber sie muss irgendwohin.

    (Und der Rationalist in mir sagt: Wenn es wenigstens Grund zu der Erwartung gäbe, dass Sanktionen im Sinne der Verhängenden wirken, wenn es wenigstens EIN Beispiel der Vergangenheit gäbe, wo das geklappt hat, dann wären die Sanktionen zwar immer noch illegal, grausam, menschenverachtend, aber sie wären wenigstens VERNÜNFTIG. So aber sind sie nicht einmal das. Nicht einmal das.)

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    • gkazakou schreibt:

      so ist es. Ich möchte meinen Hass auf die, die Menschlichkeit in ihre Machtkalküle einsetzen und missbrauchen, nicht nähren. Das ist schwere Arbeit. In diesem Sinne werde ich weiter meinem Vorsatz folgen, den du „tapfer, vernünftig und nachahmenswert“ genannt hast. Ich danke dir sehr für dein Verständnis.

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      • derschwarzekater schreibt:

        Ich rufe mir immer wieder diese Weisheit in Erinnerung, die anscheinend Buddha zugeschrieben wird und die ich kürzlich las: „Wer hasst, ist wie einer, der Gift trinkt, um seinen Feind zu töten.“

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  8. Gisela Benseler schreibt:

    Alle diese kleinkarierten Regelungen sollten angesichts des ungeheuren Ausmaßes des Leides aufgehoben, die Kriege und Sanktionen und Grenzziehungen vergessen werden.

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  9. Nur zu trauern bin ich in der Lage. – Vergrabe mich in Haushaltsdingen…

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  10. Johanna schreibt:

    Ich bin sprachlos… nicht nur wegen des Erdbebens, sondern wegen dieser grausamen Verbortheit…

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  11. Ich hatte gehofft, daß es sich geändert hätte, vielleicht über Nacht?
    Sind die Grenzübergänge immer noch geschlossen? Das darf doch nicht wahr sein. Was soll das denn? Es gibt doch keinen echten Grund dafür. Wahnwitz ist das.
    Menschlichkeit ist für alle da, wenn es schon Grenzen sein müssen, dann sollten sie sich JETZ heben und ofen bleiben!

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    • gkazakoug schreibt:

      Liebe Bruni, es geht nicht um die Grenzübergänge, sondern um die Sanktionen, die Syrien nun schon seit Jahren verkrüppeln. Es geht auch darum, dass die Türkei die kurdischen, vom Erdbeben betroffenen Gebiete weiter bombardiert. Grenzübergänge kann man aufmachen, wenn Nachbarn entschlossen sind, Frieden zu halten und die Souveränität des anderen zu respektieren. Genau das ist nicht der Fall. Damaskus wird gehindert, den Opfern auf dem eigenen Landesgebiet zu helfen, und soll stattdessen fremder Hilfe unkontrolliert Zugang erlauben. Das ist empörend. Denn man benutzt eine Notlage, um Syrien zu erpressen, noch mehr seiner Souveränität abzugeben, als ihm sowieso schon verweigert wird.
      Leider wird wieder mal den Bürgern vorerzählt, dass der böse Assad die Grenzübergänge nicht aufmacht, und dass die bösen Russen keinen diesbezüglichen Druck auf ihrem Freund Assad ausüben (Außenministerin Baerbock). Dieselben Russen, mit denen man sich „im Krieg befindet“ (dieselbe) ….

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  12. olecordsen schreibt:

    Es ist wirklich himmelschreiend unmenschlich, dass selbst in dieser frappierenden Katastrophe die notleidenden Menschen kaum Hilfe erreichen kann und darf.

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