Auf Knall und Fall (eine kata-strophische abc-etüde)

Eiswind, grundlos, wallen. Diese Wörter hat Stachelbeermond für die nächste abc-etüden-Runde ausgegeben, wie uns Christiane (Irgendwas ist immer) mitteilte. Neue Wörter bedeuten neue Lust und neues Leid. Heute rede ich mal von den Qualen einer Kata-strophen-Dichterin. Die rosafarbenen und transparenten Schnipsel stammen von Wortkünstlerin Sabine (Lyrifant), die anderen von mir selbst.

 

Klage einer Kata-Strophen-Dichterin

In meinem Kopfe wallt ein Wort,

es wallt und wallt und will nicht fort.

Es könnte mir durchaus gefallen,

reimt es sich doch auf Wandelhallen

 

und auch auf Korken, wenn sie knallen

bis die Besucher heftig lallen,

beim Gehen aufeinanderprallen

und schließlich übereinand‘ fallen

 

Doch soll ich grundlos Reime suchen

Wie Blitze die verflixten Buchen?

Soll ich im Reime-Eiswind stehen

Nur weil sich darauf reimt das Wehen?

 

Erbarmen! Doch wie soll ichs wenden?

Mir fehlt das Wort, es zu beenden!

Der Meister mag das Wort wohl kennen

doch ich muss mit den Eimern (Reimen) rennen.

 

Ach wäre ich ein Dichter-Meister,

dem stets zu Dienst die holden Geister

und dem die Wörter stets aufs Wort

gehorchen: Geh! schon sind sie fort.

 

Doch ich, die durch die Sprache tappt,

muss Reime suchen bis es klappt.

Sie lauern, spuken mir im Hirne

bis weichgeklopft die Denkerbirne.

 

Denn Wörter haben starke Krallen

Sie kralln sich fest bis wirklich allen

Verwandten ist ein Platz gegeben

sie wollen stets zusammenkleben

 

und sich zu Wortgebilden ballen.

Bist du davon erst mal befallen

wirst ruhlos du im Wortfeld wallen

wo all die Wörter widerhallen

die sinnlos sich zusammenleimen

weil sie sich nun mal leider reimen.

 

 

 

 

 

 

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Das „Ass der Münzen“ als Februar-Lernbegleiter (neurografisch)

Im vergangenen Dezember während der Raunächte habe ich jede Mitternacht eine Tarotkarte gezogen. Sie sollte mir für die entsprechenden Monate des Jahres 2025 eine Art Lernprogramm mitgeben. In der zweiten Raunacht zog ich das „Ass der Münzen“.

Die Münze wird dargestellt als Kreis (Erdkreis), darin eingeschlossen das Pentagramm (Mensch). Der Mensch als Erdling.

Februar: Ass der Münzen

 

Anders als das Wasser (Kelche) nehmen wir die Erde (Münze) als etwas Festes, Gestaltbares wahr, das wir in Besitz nehmen und formen können. Wie tun wir das? Was für eine materielle Wirklichkeit erschaffen wir uns? Pflanzen wir  einen Rosengarten, um darin zu lustwandeln? Wandern wir hinaus zu den blauen Bergen, um in der Einsamkeit klug zu werden? Missbrauchen wir die Kraft, die uns so großzügig aus den Wolken gereicht wird, um uns mehr anzueignen, als uns zukommt, und den Rest zu verderben? Es liegt in unserer Hand.

Als ich in der Nacht des 27. Dezember zeichnete, war mir nicht sehr klar, was die Aufgabe sei.

Februar: Ass der Münzen

In der vergangenen Nacht zeichnete ich eine neue Fassung, schwankend, wie weit ich die Möglichkeiten der materiellen Gestaltung und Aneignung der Erde überhaupt ergreifen möchte und kann. Ist eine kontemplative Haltung meinem Alter nicht viel angemessener? Ist sie nicht überhaupt vorzuziehen?

Dann aber entschloss ich mich auszuprobieren, wie es ist, mich tiefer zu verwurzeln in dem, was man „materielle Wirklichkeit“ nennt, und die damit verbundenen Lasten und Chancen auf mich zu nehmen. Ganz fremd ist mir diese Energie ja als geborener Stier nicht.

Mal sehen, was sich mir im Februar für Handlungsmöglichkeiten bieten und ob ich sie ergreifen mag.

 

 

 

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Muschel auf dem Tisch (kleine Beobachtungen)

Auf dem Balkon steht ein runder Kaffeehaustisch, der langsam vor sich hin verwittert. Mit ihm verwittert eine einsame Muschel, die ich irgendwann mal dort abgelegt habe. Heute drehte und wendete ich die Muschel, spielte mit ihrem Schatten.

Als ich die Fotos betrachtete, verwirrte sich mein Auge. Mir war, als würde der Tisch sich unter dem Gewicht der Muschel eindellen. Das ist natürlich Blödsinn. Es handelt sich wohl um eine optische Täuschung. Anscheinend stößt sich das Auge, das der Maserung des Tisches folgt, an der Kante der Muschel, folgt nun deren Rundform und erzeugt so eine kleine Mulde, in dem die Muschel absinkt.

Oder sehe nur ich das so?

Die Tischplatte ohne die Muschel:

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Archivbild der Woche: 1./3. Februar 2020

Vor nunmehr fünf Jahren, zu Beginn des Februar 2020, machte ich eine Reihe sorgfältiger Kopien mit Kugelschreiber von Dürers Kupferstich „Hieronymus im Gehäus“.

Als erstes zeichnete ich den Kürbis. Das war am 1. Februar jenen Jahres.

Albrecht Dürer, Hieronymos

Als nächstes nahm ich mir den Totenkopf vor.

Albrecht Dürer. Hieronymos

Noch in derselben Nacht zeichnete ich den Löwen

Albrecht Dürer, Hieronymos

und schließlich traute ich mich auch an den Heiligen selbst heran.

Albrecht Dürer, Hieronymos

Dürer zeichnete natürlich nicht, wie ich, mit dem Kugelschreiber, sondern ziselierte mit bewundernswerter Sorgfalt und Geduld die Gestalten und Objekte in eine Kupferplatte. Die Linien füllten sich dann mit Druckerfarbe, von wo aus sie den Weg aufs Papier fanden.

Albrecht Dürer: Hieronymus im Gehäus, Abb. bei Wikipedia

Meine damalige Serie stand unter dem Motto: „Kopieren = Lernen“.

„In den früheren Malerwerkstätten gehörte das Kopieren zum Handwerk, zu den Lehrjahren dazu und ich kenne fast keinen großen Maler, der nicht kopiert hat, weil er in die Bilder eindringen wollte, um für sein eigenes Schaffen etwas zu lernen. Selbst Hockney übte sich noch darin. In seinem grandiosen Buch Geheimes Wissen (verlorene Techniken der Alten Meister wieder entdeckt) schreibt er ausführlich darüber.“ So schreibt Karin in ihrem Kommentar zu meinem gestrigen „Löwen des Hl. Hieronymus“.

Noch etwas anderes fiel mir beim Kopieren auf:

„Man spürt, wie wertvoll diese Dinge den damaligen Menschen waren, die mit großer Sorgfalt und handwerklichem Geschick hergestellt wurden und schwer zu erwerben waren. Die Dinge, die uns heute umgeben, haben nichts von der Gediegenheit der damaligen. Und so huscht unser eiliger Blick meist über die Dinge hin, ohne sich um ihre besonderen Eigenschaften zu kümmern.“

Das Zurückblättern im Archiv hat mich heute besonders gefreut. Denn vieles von dem, was mich damals beschäftigt hat, ist mir auch heute wichtig und wertvoll. Danke, Heide, dass du durch dein Projekt „Archivbild der Woche“ den passenden Rahmen für solche Rückbesinnung geschaffen hast.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Ortsveränderung (von Sonnenaufgang bis -untergang)

Heute morgen begrüße ich das erste Morgenrot über den Ausläufern des Taygetos. Das Rot ist von Rauchschleiern durchsetzt, denn jetzt ist die Zeit, in der die Bauern das abgeschnittene Gezweig der Olivenbäume und leider oft genug auch sonstigen Müll verbrennen. (Foto 7.32 Uhr, Ausläufer des Taygetos-Gebirges, Messenien)

Als wir später mit voll gepacktem Wagen Richtung Norden fahren, begleiten uns diese Rauchsäulen noch eine Weile. Dann klart es völlig auf. Weiße Windräder krönen die arkadischen Gebirgskulissen, regungslos stehen sie gegen den hellen Himmel, denn es geht kein Lüftchen.

Es geht an Tripoli vorbei nach Nemea und weiter nach Korinth. In der Region gibt es ausgedehnte Weinfelder, viele wurden erst in den letzten Jahren angelegt, dazu auch Plantagen mit jungen Olivenbäumen. Die Felder sind ordentlich aus der Macchia, die die Hänge bedeckt, herausgeschnitten. Auf den fernen Gipfeln liegen Schneereste, der Himmel strahlt blau.

Vom Isthmos bis nach Athen begleiten uns die Berge als nackte, harte Kulissen, belebt nur von den Wolkenschatten, die drüber gleiten. Im hellblau glänzenden vollkommen stillen Saronischen Golf dümpelt eine Flotte von Erdgastankern – man erkennt sie an den hohen Aufbauten – und wartet auf neue Aufträge.

Angekommen in Maroussi, gehe ich gleich auf den Balkon.  Zwei zerbrochene Blumentöpfe liegen samt Erde am Boden, und der Blick hinüber zum Parnitha-Gebirge wird nicht mehr wie gewohnt von den Ästen der großen Pinie im Nachbarsgrundstück behindert. In unserer Abwesenheit wurden sie säuberlich abgesägt. An den neuen Anblick muss ich mich erst gewöhnen: einerseits ist die Küche heller und der Blick geht weiter hinaus, andererseits fehlt das schützende Gezweig, und die Ringeltauben, die ich dort so oft beobachtet habe – wo sind sie nun? (Foto 17.42 Uhr, Maroussi, rechts die beschnittene Pinie, Ausläufer des Parnitha-Gebirges)

Der verkrüppelte Wipfel der anderen Pinie ist uns erhalten geblieben (Sonnenuntergang 17.43 Uhr, Maroussi, Attika)

 

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Was wurde aus dem „König der Kelche“? Neurografischer Januarrückblick.

Ich habe mich, wie vielleicht der eine und die andere erinnert, im vergangenen Dezember der Raunacht-Tradition angeschlossen. Zu diesem Zweck zog ich jede Mitternacht eine Tarotkarte, die mir für den entsprechenden Monat des kommenden Jahres einen Leitgedanken mitgeben sollte. Die erste Karte war der „König der Kelche“. Daraus entnahm ich folgende Mahnung: „Der König der Kelche steht für die Beherrschung des Wassers bzw der oft chaotischen Gefühlswelt. Was sagt mir das? Im Januar tue ich gut daran, meine häufigen Stimmungsschwankungen unter Kontrolle zu bringen und aufzupassen, dass mich das, was mir aus dem Unterbewussten oder gar aus dem kollektiven Unbewussten ins Tagesbewusstsein schwappt, nicht verstört und aus den Gleisen wirft. Immer gut das Steuer halten!“

Zur Unterstützung machte ich eine neurografische Zeichnung.

Januar: König der Kelche

Bei allen Ups und Downs des vergangenen Monats stand mir diese Karte zur Seite. Sie half mir, meine Reaktion auf die kaputte Heizung und das verrußte Atelier zu mäßigen, die Fehler des Klempners gelassen hinzunehmen, schnell getroffene Entscheidungen zu überdenken, mich bei persönlichen Spannungen zurückzunehmen … Immer, wenn Emotionen in mir hochkochen wollten oder ich mich in schwarze Gedanken zu verlieren drohte, wenn enttäuschte Erwartungen mich pisackten und sich dunkles Gewölk am Horizont sammelte, erinnerte ich mich, richtete mich auf, hob die Schultern und nahm Zepter und Kelch selbstbewusst in die Hand.

Zwei Mal zeichnete ich die Karte neu: am 6. Januar (Heiligung der Gewässer, Taufe) und am 17.1., als ich in einer Phase guten inneren Gleichgewichts war. 

Gestern Nacht machte ich eine weitere Zeichnung, in der ich die Emotionen des vergangenen Monats noch mal Revue passieren ließ, und verabschiede mich damit vom „König der Kelche“ und vom Januar.

Ab morgen soll mir das „Ass der Münzen“ zur Seite stehen.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wanderung zum Dorf Megali Mantinia

Nach heftigem Regen gestern und milderen Güssen in der Nacht war der Morgen noch verhangen, lichtete sich dann aber zusehends. Als wir (besuchender Sohn und ich) zu einer kleinen Wanderung aufbrachen, hatte sich der Tag vollends aufgeheitert. Kühl und durchsonnt – ideale Bedingungen zum Wandern.

Ein paar Fotos habe ich mitgebracht aus dem Bergdorf, dessen alte Bausubstanz allmählich restauriert wird. Sehr hübsch ist es, wenn man sich ihm von oben her nähert.

Klassisch schön die einfachen Kuben der Häuser im Durchblick zwischen zwei Kirchen.

Die Hauptkirche. Daneben gibt es eine Menge kleinerer Kirchen und Kapellen.

Ein altes Tor zu einem Gehöft, das nicht mehr existiert. 1842, wenige Jahre nach der Gründung des neuen griechischen Staates.

Erste Mandelblüte, ein Kirchlein mit zwei Zypressen im Gegenlicht, ein Esel auf einer neuen Umfassungsmauer (Briten).

Ein unverstellter Blick aufs Meer, dem wir nun zuwandern.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Ciao Chow Chow!

Seinen Vater kannte ich sehr gut, denn jedesmal, wenn ich mit Tito am Kramladen Halt machte, um etwas einzukaufen, kam er an, kam sehr nah an meinen Hund heran, der vergebens versuchte, unsichtbar zu sein.

Dies ist nun ein Nachwuchs. Ihn empfinde ich als weniger bedrohlich, zumal ich jetzt hundelos vorbeikomme. Aber ganz geheuer ist er mir auch nicht. Dennoch freue ich mich, ihn zu sehen, und ich warte, wie weit er sich mir zu nähern geruht. Doch doch, er kommt, er schnuppert an meinen Hosen. Mag er meine Katzen? Er verzieht keine Miene. Wendet sich ab. Stellt sich noch mal in Fotopositur. Ist ein schöner Kerl!

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In der Zeichenschule (30): Drei antike Mannsbilder

Diese Zeichnung habe ich schon gestern gemacht, dann aber offenbar vergessen zu posten. Der zentrale Kopf ist neu, habe ihn zum ersten Mal gezeichnet.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Windwolken mit Drachenflieger und Tanz

Hell, kalt und windig war es heute am Meer. Ein Drachenflieger versuchte vergebens, den Drachen zu bändigen. Ich sah den Mann tänzeln, um das Biest zu zähmen, doch sank es zu Boden, und wurde schließlich eingesammelt.

Unsere Tanzgruppe hatte sich dort zum Paneurhythmie-Tanz verabredet. Heute waren wir zu siebt. Nach dem tanz machten wir das obligatorische Erinnerungsfoto (die Fotografin fehlt auf dem Foto).

Vielleicht ist dir die Wolkenformation im Hintergrund aufgefallen. Ich fand sie merkwürdig genug, um sie in alle Richtungen zu fotografieren. Ich weiß nicht, was ich von ihrem zerhackten Rhythmus halten soll. Übrigens verschwanden sie später, und am klaren Himmel grüßten mich die schönen Sterne.

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