Ich habe mich, wie vielleicht der eine und die andere erinnert, im vergangenen Dezember der Raunacht-Tradition angeschlossen. Zu diesem Zweck zog ich jede Mitternacht eine Tarotkarte, die mir für den entsprechenden Monat des kommenden Jahres einen Leitgedanken mitgeben sollte. Die erste Karte war der „König der Kelche“. Daraus entnahm ich folgende Mahnung: „Der König der Kelche steht für die Beherrschung des Wassers bzw der oft chaotischen Gefühlswelt. Was sagt mir das? Im Januar tue ich gut daran, meine häufigen Stimmungsschwankungen unter Kontrolle zu bringen und aufzupassen, dass mich das, was mir aus dem Unterbewussten oder gar aus dem kollektiven Unbewussten ins Tagesbewusstsein schwappt, nicht verstört und aus den Gleisen wirft. Immer gut das Steuer halten!“
Zur Unterstützung machte ich eine neurografische Zeichnung.
Bei allen Ups und Downs des vergangenen Monats stand mir diese Karte zur Seite. Sie half mir, meine Reaktion auf die kaputte Heizung und das verrußte Atelier zu mäßigen, die Fehler des Klempners gelassen hinzunehmen, schnell getroffene Entscheidungen zu überdenken, mich bei persönlichen Spannungen zurückzunehmen … Immer, wenn Emotionen in mir hochkochen wollten oder ich mich in schwarze Gedanken zu verlieren drohte, wenn enttäuschte Erwartungen mich pisackten und sich dunkles Gewölk am Horizont sammelte, erinnerte ich mich, richtete mich auf, hob die Schultern und nahm Zepter und Kelch selbstbewusst in die Hand.
Zwei Mal zeichnete ich die Karte neu: am 6. Januar (Heiligung der Gewässer, Taufe)
und am 17.1., als ich in einer Phase guten inneren Gleichgewichts war.
Gestern Nacht machte ich eine weitere Zeichnung, in der ich die Emotionen des vergangenen Monats noch mal Revue passieren ließ, und verabschiede mich damit vom „König der Kelche“ und vom Januar.


























