Zwei Impulse empfinde ich beim Betrachten deines ersten Fotos, liebe Myriade. Der eine ist formal und betrifft die durch Langzeitbelichtung erzeugte Unschärfe und Illusion von Bewegung, der zweite ist inhaltlich und betrifft die vorwärtsdrängende Menschenmasse.
Zur Unschärfe: Mit meinem Handy kann ich nur ansatzweise den Effekt erzeugen. Ich versuchte es gestern abend, indem ich eine dunkle Ecke des Raumes als Focus wählte und dann das Handy schnell bewegte. So entstand eine Reihe unscharfer Raumbilder.
Ähnliches habe ich auch schon früher auf der nächtlichen Terrasse ausprobiert und ganz interessante Ergebnisse erzielt (hier und hier). Voraussetzung ist, dass der Raum dunkel und daher die automatische Belichtung länger ist. Zwei Beispiele:


Zum „Menschen in Vorwärtsbewegung“: Heute fuhr ich ins Zentrum von Athen, um eine Ausstellung zu besuchen. Und da ich offenbar noch mit dem Thema befasst war, fiel mir sofort ein Ölgemälde auf: „Die Mönche“ (1953) von Perikles Byzantios (1893 – 1972).

Dem Maler gelingt es, mit wenigen Pinselstrichen und unter Ausnutzung der Perspektive eine Gruppe von Mönchen in Bewegung zu setzen. Anders als die gestikulierende, zwischen Laufen und Gehen sich fortbewegende Gruppe deiner Fotografie schreiten sie. Wir nehmen dieses Schreiten deutlich wahr, obgleich wir keine Beine und nur zwei Füße sehen, dazu auch noch zwei gelbliche Striche für Hände. Mehr braucht es nicht.
Spannend finde ich den Vergleich zwischen den beiden Bildern. Noch kann ich die unterschiedliche Wirkung von Foto und Gemälde auf mich nicht in Worte fassen.
