Faszination Geometrie

Als ich heute beim Mittagstisch aus dem Fenster sah, sprang mir ein Stück „konkrete Kunst“ ins Auge. Ich könnte auch sagen: ein vom Licht auf den angestrichenen Betonvorsprung gemaltes Dreieck.

Ich sprang auf und fotografierte es. Mein Mann wunderte sich nur: was siehst du da? Was ist daran so besonders?

Ich weiß es nicht. Als Foto gibt es ja nicht viel her. Viel besser ist das, was ich eben bei Lichtzeichen sah. Meins ist im selben Geist aufgenommen, aber eben nicht so eindrucksvoll.

Es ist die Faszination der Geometrie, die auch die „konkrete Kunst“ auszeichnet. Reine klare Formen, die das Gefühl auf andere Art berühren als die Bilder, die uns durch ihren Inhalt bestürzen. Wie etwa das Foto des Nachbar-Baumes, der gleich hinter dieser Wand steht und nur noch ein gräßlich zusammengesägter himmelhoher Stamm mit ein paar Astfransen ist. 

Da tut mir das Herz weh, und ich wende mich dem Lichtdreieck zu. Wäre da nicht der Riss im Anstrich und die etwas verwitterte untere Kante, könnte ich mich ganz von der kruden „Wirklichkeit“ ins Reich des reinen Geistes der Geometrie verabschieden, die mich heiter stimmt.  Dieses Dreieck meinte ich:

Nach Tisch legte ich mich aufs Sofa und ließ meinen Blick über ein anderes „konkretes“ Werk wandern:

Es ist ein Stückchen Gardine mit einer geometrischen Musterung, durch die die Außenwelt sanft hindurchschimmert.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Kälte und Licht.

Windig war es und eisig kalt, aber die Mandelbäume stehen in voller Blüte. Ich sah es, als ich heute in Maroussi (nördlicher Vorort von Athen) meine Runden drehte.

Das Licht wechselte ständig, je nach Wolkenstand. Als erstes schaute ich nach den „schwebenden Booten“ von Theodora Horafa, die bei meinem letzten Besuch im November über einem trockenen Becken schwebten (hier). Jetzt können sie sich wieder spiegeln.

Auch die Wand der Ummauerung spiegelte sich – in einer großen Pfütze. 

Pfützen haben für mich etwas Magisches, denn wann bekomme ich hier eine zu sehen? Und so stand ich und staunte über die Wellenmuster, die der Wind hineinblies…

ging auch um diePfütze herum, um von einer anderen Seite aus zu fotografieren. Sieht idyllisch aus, nicht wahr? Und ist doch nur eine gewöhnliche Pfütze.

Mein nächster Halt war schon die „Dexameni“, ein leeres Wasserreservoir. Die Wände sind mit stets wechselnden Spraybildern besprüht. Ich stieg hinunter, um sie mir von Nahem anzusehen. Sie sind sehr verschieden, technisch und im Ausdruck, wenngleich allen ein  gewisser Trotz, eine Art Rebellion anzufühlen ist.

 

Als ich auf dem Rückweg meiner Runde an einer Schule vorbeikam, fotografierte ich auch die dortigen Wandbilder. Die sind so, wie Pädagogen möchten, dass die Kinder sind und fühlen: Fröhliche Ballspieler, Naturschützer und Friedensfreunde. Sie folgen einem Stereotyp. Dynamischer und origineller sind die Spraybilder der Jugendlichen allemal.

Zwischen diesen beiden Stationen liegt der Spaziergang durch den Stadtwald, der mir, so licht und leer im kalten Wind, schöner als sonst erschien.

In den Mandelbäumen flatterten und zwitscherten Vögel. Ich lehnte mich an einen der alten Stämme und wartete. Würden sie sich mir zeigen? Nein. Nur ein Spinnchen, das ganz bewegungslos an der rauen Rinde hing, ließ sich fotografieren. Von ihr ging ein Faden abwärts. Ich fasste ihn zwischen den Fingern, um seine Spannkraft zu prüfen und vielleicht die Spinne in Bewegung zu setzen. Die aber blieb regungslos. Können Spinnen bei Kälte eigentlich laufen?

Der Rückweg führte mich an meinem früheren Atelier, das jetzt ein Büro für Installationstechnik ist, und an besagter Schule vorbei, in der sich, wenns ans Wählen geht, mein Wahllokal befindet. Damit hat es hier aber noch eine gute Weile.

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Tagebuch der Lustbarkeiten. Zeitgenössische Kunst begucken

Ein fantastisch lebendiger Traum, aus dem ich froh gestimmt aufwachte, befeuerte mich heute morgen. Ich packte einen Kanister Öl und ein Geschenk für meine „kleine Schutzbefohlene“ ein, um sie in Athen zu treffen und anschließend noch die eine oder andere Kunstausstellung zu besuchen. Die Freude des beschenkten Kindes und seiner Mutter schloss sich nahtlos an meinen frohen Traum an.

Anschließend besuchte ich eine Ausstellung in der großen Pinakothek der Theoharakis-Stiftung. Das Gefühl wurde da weniger bedient. Professionell einwandfreie Organisation, eine interessante Auswahl von Werken einiger bekannter und einige weniger bekannter zeitgenössischer griechische Künstler, darunter besonders vieler Frauen.  Malerei im engeren Sinne gabs nicht zu sehen. Materialien und neue Materialverbindungen und deren perfekte Verarbeitung dominieren.

Eine Ausnahme vielleicht Fotis Sagonas, „Epitaph“ von 2022. Es ist eine „gestische“ Zeichnung mit Graphit und wasserlöslicher Pastelkreide auf Papier.

Eindrucksvoll und rätselhaft-vieldeutig die Arbeiten des hier sehr bekannten Bildhauers Giorgos Lappas:

„Großer Buchstabe im Umschlag“ von 1999 – eine „mixed-media-Skulptur“ 

Eine überlebensgroße rote Figur im Handstand auf einem Sockel, daneben aus Eisen geschnittene rote Silhouetten.

Neonlicht als „Malmittel“ benutzen auch andere Künstler, so die durch ihre Neon-Installationen international bekannte Chryssa, hier mit „Cityscape Time Square“ von 1997 vertreten. (Über Chryssa berichtete ich schon hier und hier)

Yiannis Bouteas mit einer Arbeit aus seiner Reihe „Transformationen“ von 1976-1980, gefertigt aus Nägeln, Bindfaden und Neonröhre.

Ein großflächiges Diptychon von Dimitris Efeoglu stammt aus seiner Reihe „One last look“, gefertigt mit Ölpastell, Öl, Akryll, Papier auf aufgerauter Aluminiumplatte.

Von Nahem betrachtet:

„Am Golde hänget, zum Golde dränget doch alles“ (Faust), dachte ich bei den beiden goldglänzenden Kuben von Maria Hasapi. Der eine zeigt einen reliefartigen „Kopf“, der andere ein Bein, 2021. Gefertigt sind sie aus Farbe, Goldfolie, goldenem Spiegel und Holz. 

Zwei Künstlerinnen: Nikomachi Karakostanoglou mit einem „Sakralgefäß“ aus Marmor von der Insel Thassos (2024) und Evgenia Apostolou mit dem sechsteiligen Werk „Uovo Uovo“ (Kohle auf Papier, 2006)

 

Nachtrag für Gerhard:

Eine weitere Arbeit derselben Künstlerin.

Das sind einige der Arbeiten, die ich heute sah. In der Metrostation begrüßte mich dann erneut die Neonskulptur von Chrissa, die ich schon öfter fotografierte.

Betrachtet man sie von der Seite, verliert sich die Ordnung, die Schriftzeichen lösen sich auf und das rote Neonlicht tropft wie Kunstblut auf die weißen Marmorfliesen der Wand und des Bodens. 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: interessante Orte und Gespräche

Eine liebe Athener Freundin trägt am Sonntag Abend zum ersten Mal öffentlich ihre Gedichte vor und wird dabei begleitet von einem internationalen Musiker. Die Veranstaltung findet in einem neoklassischen Privathaus statt, das, so scheint mir, eine Art kultureller Hotspot in Maroussi ist. Ich kannte es nicht und bin sehr angetan.

Am Eingang klebten Ankündigungen von Theatergruppen und Veranstaltungen, darunter auch die meiner Freundin.

„We are vertical“ (senkrecht stehen wir) mit Joe Tornabene (Flöte) und Eleni Pagoni. Ich traf die beiden, als sie ihre Probe bereits beendet hatten, in einem hübschen Cafe. Bei einer heißer Schokolade (es ist sehr kalt und stürmisch) hatten wir eine lebhafte Kennenlern-Unterhaltung. Joe ist Musiker und Musiktherapeut, zudem ein sehr gedankenvoller Mensch. Ich freue mich über die Zusammenarbeit mit Eleni und bin gespannt, auch ihn näher kennenzulernen.

 

 

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Puzzles Dienstag-Drabble: Rülpser (kata-strophisch)

Das heutige Drabble, ausgerichtet von Heide (Puzzleblume), soll die Wörter Rülpser – trommeln – gleich enthalten. Nicht leicht fand ich es diesmal, die gewünschte message mit genau hundert Worten und in kata-strophischer Manier zu transportieren. Es geht um die Erdbeben rund um Santorini und die Erdgasbohrungen, die in der Ägais mit seismischen Methoden durchgeführt werden. (Zu den wirtschaftlichen Hintergründen: „Rettet Erdgas aus den Tiefen der Ägäis Europas Energiemarkt?“)

 

Ein leiser Rülpser! und die kleine Luft

Die sich in einem Magen hat verfangen,

Ist ganz glückselig, weil sie nun verpufft

Und zu den großen Lüften kann gelangen.

 

Zufrieden ist auch Mama, die das Kind

Sich auf die Schulter legt, auf dass sogleich

der oft beim Trinken aufgesaugte Wind

Das Bäuchlein nicht bedrückt und sanft entweich.

 

Doch wenn die Erde rülpst, dann trommelt man

Erdbeben!

Und alle schrei’n: Es rette sich, wer kann

Es geht ums Leben

 

Ists möglich, dass sich Luft verfangen

In Spalten tief, wo Erdgasbohrmaschinen

Den Meeresboden sich zu öffnen zwangen

Damit sie sich am Bodenschatz bedienen?

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Auf Knall und Fall (eine kata-strophische abc-etüde)

Eiswind, grundlos, wallen. Diese Wörter hat Stachelbeermond für die nächste abc-etüden-Runde ausgegeben, wie uns Christiane (Irgendwas ist immer) mitteilte. Neue Wörter bedeuten neue Lust und neues Leid. Heute rede ich mal von den Qualen einer Kata-strophen-Dichterin. Die rosafarbenen und transparenten Schnipsel stammen von Wortkünstlerin Sabine (Lyrifant), die anderen von mir selbst.

 

Klage einer Kata-Strophen-Dichterin

In meinem Kopfe wallt ein Wort,

es wallt und wallt und will nicht fort.

Es könnte mir durchaus gefallen,

reimt es sich doch auf Wandelhallen

 

und auch auf Korken, wenn sie knallen

bis die Besucher heftig lallen,

beim Gehen aufeinanderprallen

und schließlich übereinand‘ fallen

 

Doch soll ich grundlos Reime suchen

Wie Blitze die verflixten Buchen?

Soll ich im Reime-Eiswind stehen

Nur weil sich darauf reimt das Wehen?

 

Erbarmen! Doch wie soll ichs wenden?

Mir fehlt das Wort, es zu beenden!

Der Meister mag das Wort wohl kennen

doch ich muss mit den Eimern (Reimen) rennen.

 

Ach wäre ich ein Dichter-Meister,

dem stets zu Dienst die holden Geister

und dem die Wörter stets aufs Wort

gehorchen: Geh! schon sind sie fort.

 

Doch ich, die durch die Sprache tappt,

muss Reime suchen bis es klappt.

Sie lauern, spuken mir im Hirne

bis weichgeklopft die Denkerbirne.

 

Denn Wörter haben starke Krallen

Sie kralln sich fest bis wirklich allen

Verwandten ist ein Platz gegeben

sie wollen stets zusammenkleben

 

und sich zu Wortgebilden ballen.

Bist du davon erst mal befallen

wirst ruhlos du im Wortfeld wallen

wo all die Wörter widerhallen

die sinnlos sich zusammenleimen

weil sie sich nun mal leider reimen.

 

 

 

 

 

 

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Das „Ass der Münzen“ als Februar-Lernbegleiter (neurografisch)

Im vergangenen Dezember während der Raunächte habe ich jede Mitternacht eine Tarotkarte gezogen. Sie sollte mir für die entsprechenden Monate des Jahres 2025 eine Art Lernprogramm mitgeben. In der zweiten Raunacht zog ich das „Ass der Münzen“.

Die Münze wird dargestellt als Kreis (Erdkreis), darin eingeschlossen das Pentagramm (Mensch). Der Mensch als Erdling.

Februar: Ass der Münzen

 

Anders als das Wasser (Kelche) nehmen wir die Erde (Münze) als etwas Festes, Gestaltbares wahr, das wir in Besitz nehmen und formen können. Wie tun wir das? Was für eine materielle Wirklichkeit erschaffen wir uns? Pflanzen wir  einen Rosengarten, um darin zu lustwandeln? Wandern wir hinaus zu den blauen Bergen, um in der Einsamkeit klug zu werden? Missbrauchen wir die Kraft, die uns so großzügig aus den Wolken gereicht wird, um uns mehr anzueignen, als uns zukommt, und den Rest zu verderben? Es liegt in unserer Hand.

Als ich in der Nacht des 27. Dezember zeichnete, war mir nicht sehr klar, was die Aufgabe sei.

Februar: Ass der Münzen

In der vergangenen Nacht zeichnete ich eine neue Fassung, schwankend, wie weit ich die Möglichkeiten der materiellen Gestaltung und Aneignung der Erde überhaupt ergreifen möchte und kann. Ist eine kontemplative Haltung meinem Alter nicht viel angemessener? Ist sie nicht überhaupt vorzuziehen?

Dann aber entschloss ich mich auszuprobieren, wie es ist, mich tiefer zu verwurzeln in dem, was man „materielle Wirklichkeit“ nennt, und die damit verbundenen Lasten und Chancen auf mich zu nehmen. Ganz fremd ist mir diese Energie ja als geborener Stier nicht.

Mal sehen, was sich mir im Februar für Handlungsmöglichkeiten bieten und ob ich sie ergreifen mag.

 

 

 

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Muschel auf dem Tisch (kleine Beobachtungen)

Auf dem Balkon steht ein runder Kaffeehaustisch, der langsam vor sich hin verwittert. Mit ihm verwittert eine einsame Muschel, die ich irgendwann mal dort abgelegt habe. Heute drehte und wendete ich die Muschel, spielte mit ihrem Schatten.

Als ich die Fotos betrachtete, verwirrte sich mein Auge. Mir war, als würde der Tisch sich unter dem Gewicht der Muschel eindellen. Das ist natürlich Blödsinn. Es handelt sich wohl um eine optische Täuschung. Anscheinend stößt sich das Auge, das der Maserung des Tisches folgt, an der Kante der Muschel, folgt nun deren Rundform und erzeugt so eine kleine Mulde, in dem die Muschel absinkt.

Oder sehe nur ich das so?

Die Tischplatte ohne die Muschel:

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Archivbild der Woche: 1./3. Februar 2020

Vor nunmehr fünf Jahren, zu Beginn des Februar 2020, machte ich eine Reihe sorgfältiger Kopien mit Kugelschreiber von Dürers Kupferstich „Hieronymus im Gehäus“.

Als erstes zeichnete ich den Kürbis. Das war am 1. Februar jenen Jahres.

Albrecht Dürer, Hieronymos

Als nächstes nahm ich mir den Totenkopf vor.

Albrecht Dürer. Hieronymos

Noch in derselben Nacht zeichnete ich den Löwen

Albrecht Dürer, Hieronymos

und schließlich traute ich mich auch an den Heiligen selbst heran.

Albrecht Dürer, Hieronymos

Dürer zeichnete natürlich nicht, wie ich, mit dem Kugelschreiber, sondern ziselierte mit bewundernswerter Sorgfalt und Geduld die Gestalten und Objekte in eine Kupferplatte. Die Linien füllten sich dann mit Druckerfarbe, von wo aus sie den Weg aufs Papier fanden.

Albrecht Dürer: Hieronymus im Gehäus, Abb. bei Wikipedia

Meine damalige Serie stand unter dem Motto: „Kopieren = Lernen“.

„In den früheren Malerwerkstätten gehörte das Kopieren zum Handwerk, zu den Lehrjahren dazu und ich kenne fast keinen großen Maler, der nicht kopiert hat, weil er in die Bilder eindringen wollte, um für sein eigenes Schaffen etwas zu lernen. Selbst Hockney übte sich noch darin. In seinem grandiosen Buch Geheimes Wissen (verlorene Techniken der Alten Meister wieder entdeckt) schreibt er ausführlich darüber.“ So schreibt Karin in ihrem Kommentar zu meinem gestrigen „Löwen des Hl. Hieronymus“.

Noch etwas anderes fiel mir beim Kopieren auf:

„Man spürt, wie wertvoll diese Dinge den damaligen Menschen waren, die mit großer Sorgfalt und handwerklichem Geschick hergestellt wurden und schwer zu erwerben waren. Die Dinge, die uns heute umgeben, haben nichts von der Gediegenheit der damaligen. Und so huscht unser eiliger Blick meist über die Dinge hin, ohne sich um ihre besonderen Eigenschaften zu kümmern.“

Das Zurückblättern im Archiv hat mich heute besonders gefreut. Denn vieles von dem, was mich damals beschäftigt hat, ist mir auch heute wichtig und wertvoll. Danke, Heide, dass du durch dein Projekt „Archivbild der Woche“ den passenden Rahmen für solche Rückbesinnung geschaffen hast.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Ortsveränderung (von Sonnenaufgang bis -untergang)

Heute morgen begrüße ich das erste Morgenrot über den Ausläufern des Taygetos. Das Rot ist von Rauchschleiern durchsetzt, denn jetzt ist die Zeit, in der die Bauern das abgeschnittene Gezweig der Olivenbäume und leider oft genug auch sonstigen Müll verbrennen. (Foto 7.32 Uhr, Ausläufer des Taygetos-Gebirges, Messenien)

Als wir später mit voll gepacktem Wagen Richtung Norden fahren, begleiten uns diese Rauchsäulen noch eine Weile. Dann klart es völlig auf. Weiße Windräder krönen die arkadischen Gebirgskulissen, regungslos stehen sie gegen den hellen Himmel, denn es geht kein Lüftchen.

Es geht an Tripoli vorbei nach Nemea und weiter nach Korinth. In der Region gibt es ausgedehnte Weinfelder, viele wurden erst in den letzten Jahren angelegt, dazu auch Plantagen mit jungen Olivenbäumen. Die Felder sind ordentlich aus der Macchia, die die Hänge bedeckt, herausgeschnitten. Auf den fernen Gipfeln liegen Schneereste, der Himmel strahlt blau.

Vom Isthmos bis nach Athen begleiten uns die Berge als nackte, harte Kulissen, belebt nur von den Wolkenschatten, die drüber gleiten. Im hellblau glänzenden vollkommen stillen Saronischen Golf dümpelt eine Flotte von Erdgastankern – man erkennt sie an den hohen Aufbauten – und wartet auf neue Aufträge.

Angekommen in Maroussi, gehe ich gleich auf den Balkon.  Zwei zerbrochene Blumentöpfe liegen samt Erde am Boden, und der Blick hinüber zum Parnitha-Gebirge wird nicht mehr wie gewohnt von den Ästen der großen Pinie im Nachbarsgrundstück behindert. In unserer Abwesenheit wurden sie säuberlich abgesägt. An den neuen Anblick muss ich mich erst gewöhnen: einerseits ist die Küche heller und der Blick geht weiter hinaus, andererseits fehlt das schützende Gezweig, und die Ringeltauben, die ich dort so oft beobachtet habe – wo sind sie nun? (Foto 17.42 Uhr, Maroussi, rechts die beschnittene Pinie, Ausläufer des Parnitha-Gebirges)

Der verkrüppelte Wipfel der anderen Pinie ist uns erhalten geblieben (Sonnenuntergang 17.43 Uhr, Maroussi, Attika)

 

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