112 Stufen: die ersten drei Treppenabsätze im Rückblick, 46 erlauben

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Diesen dritten Abschnitt der Holsteiner Treppe hinaufzusteigen, fand ich wegen der vielen negativen Konotationen beschwerlich, und ich erlaube mir ein Päuschen, um Atem zu schöpfen und zurückzuschauen, was ich da hinter mir gelassen habe, bevor ich mich wieder dem Aufstieg zuwende.

Zeitlich spannt sich der Bogen erneut von Homer bis zur Gegenwart. Dabei nehme ich oft einen politischen Blickwinkel ein. Ich bin eben das, was Aristoteles ein zoon politikon nannte – ein Lebenwesen/Tier, das ohne Polis/Gemeinschaft nicht existenzfähig wäre und sich dessen in jedem Augenblick bewusst ist. Ich glaube, das ist so, seit ich denken kann.

Dieses Mal habe ich hinter den Namen des Autors ein „Stichwort“ geschrieben, um mich zu erinnern, worum es bei der jeweiligen Stufe ging.

Der dritte Treppenabschnitt im Rückblick

45 Achtung (selbst, „nun trommeln sie wieder“) – 44 Besonnenheit (Ludwig Uhland, „Volksvertreter“) – 43 Lügen (Carlo Collodi, „Pinocchio“) – 42 Warnung (Heinrich Heine, „Zensur“) – 41 wirr (Christian Morgenstern, „Hausschnecke“) – 40 Trauma (selbst „Philoktet“, Valeria Petkova) – 39 betrübt (J.W. von Goethe, Ludwig van Bethoven, „Verliebtheit“) – 38 Beherrschung (Paul Fleming, „Selbstbeherrschung“) – 37 Beleidigt sein (Niccolò Macchiavelli, „Ratschlag an Herrscher“) – 36 Vorwurf (Wilhelm Busch „Unschuldig“) – 35 Neid (Friedrich Schiller, „Polykrates“) – 34 Wut (Homer, „Poseidon“) – 33 Beschimpfen (Arthur Schopenhauer, „Kunst des Beschimpfens“) – 32 Drohung (J. W. von Goethe, „Erlkönig“) – 31 bösartig (George W. Bush jr, „Achse des Bösen“)

Der zweite Treppenabschnitt im Rückblick

30 Aggressiv (F.T.Marinetti) – 29 Auslöser/Anlass (Helmut Heißenbüttel) – 28 friedlich (Bertold Brecht) – 27 beruhigen (Natur) – 26 Freude (Friedrich Schiller) – 25 Verbot (Anatole France) – 24 wappnen (Martin Luther) – 23 zur-Wehr-Setzen (Georg Herwegh) – 22 Zorn (Roman Herzog/Georg Trakl) – 21 Begeisterung (Hegel) – 20 Bruder (Karl König) – 19 Nähe (Christian Morgenstern) – 18 Ehrlichkeit (Ringelnatz) – 17 Lachen (Günter Grass) – 16 Sprechen (Schiller) –

Der erste Treppenabschnitt im Rückblick

15 Vergeben (Ricarda Huch, Leo Tolstoi, Matthäus) – 14 Gewissen (Franz Joseph Degenhardt) – 13 beschützen (Hermann Hesse) – 12 Jauchzen (Johann Sebastian Bach) – 11 Ehre (Johann Wolfgang von Goethe) – 10 Familie (David Cooper) – 9 Erschrecken (Lukas-Evangelium) – 8 Angst (Mascha Kaléko) – 7 Unschuld (Friedrich Nietzsche) – 6 Heimat (Theodor Fontane) – 5 Liebkosen (Leo Tolstoi) – 4 Wärmen (Wolfgang Borchert) – 3 Mutter (Kurt Tucholsky) – 2 Streicheln (John Steinbeck) – 1 Glück (Johann Wolfgang von Goethe).

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112 Stufen, 45: Achtung! (Gerda Kazakou)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Bei „Achtung“ fiel mir als erstes das gedoppelte „Achtung! Achtung!“ ein, gefolgt von „hier spricht die Polizei“, das mir als Kind immer ein wenig schaurig in den Ohren klang. Neuerdings aber wird uns auch das andere aus Wehrmachtszeiten bestbekannte „Achtung! Augen rechts! Gewehr über!“ wieder vorexerziert, und zwar an Orten, wo ich es nicht zu hören wünschte.  Ich hörte das menschliche Bellen bei der Parade der in Litauen installierten deutschen Brigade und mich schauderte.

Und mir fiel ein Text ein („Jetzt trommeln sie wieder!“), den ich 2015  (hier) vorahnend schrieb und der heute für das Wort „Achtung“ stehen mag. Achtung! Aufgepasst! Lasst euch nicht ein weiteres mal wie die dressierten Affen in einen Krieg mit den Nachbarn schicken! Achtung vor den Toten!  Achtung vor den Gefühlen und Erinnerungen der damals überfallenen Völker! Achtung! Fürchtet euch!

the descent of the drummers

Sie kommen von ihren Höhen herab und trommeln, und wer ihre Trommeln hört, kann nicht anders: Er muss tanzen. Sag JA, rufen die Trommeln, sag NEIN, sag JA, sag NEIN! – Der Rhythmus der Trommeln, er geht dir ins Blut. Tanz!

Wer sind sie, die Trommler? Wer kommt da herab aus den Höhen und trommelt? Hast du ihnen ins Gesicht gesehen? Hast du sie nach ihrer Herkunft gefragt? Ach was! Tanz! Sag JA!, Sag NEIN! Sag JA! Sag NEIN! Tanz! Tanz in ihrem Rhythmus, tanz!

Doch was ist das? Was geschieht da, mit ihnen, mit uns?

Ein Wind geht durch die flüchtigen Gestalten, der Wind der Geschichte!

Das sind die Trommler, die uns zum Tanz riefen? fragen erschrocken die Tänzer. Doch es ist schon zu spät. Zu spät.

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Ausstellen in Kardamili

Es galt, ein paar Hindernisse wegzuräumen, aber nun gehts los, und alles muss sofort geschehen. Eben machte ich ein i-Plakat, das ich euch nicht vorenthalten will. Ich habe es bereits an meine Freundinnenund Bekannten verschickt. Am Freitag werde ich die Ausstellung aufbauen, ab Sonntag dann auch noch einen Workshop mit Kindern machen.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Hellow!

Müde winkt Lin von seinem Lieblingsplatz in die Runde.

Für Weiteres war es zu heiß. Ich ging ans Meer, um mich abzukühlen und zu schwimmen, bin eben zurückgekommen.

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Dienstagsdrabbel: damals (närrische Kata-strophen)

Heute gilt es, für das Puzzle-Drabble die drei Wörter  Musiknarr – betreten – wenigstens in einem Text von genau 100 Wörtern unterzubringen. Wie ich so überlege, fällt mir Doras Begeisterung für zwei Stockpuppen ein („Hihi, ja!“ schreit Dora und reißt sie mir aus der Hand. „Ich führe sie mal spazieren, während du dich um deinen Besucher kümmerst!“ Und weg ist sie.) Sie führte damit einen Dialog am Meeresstrand auf. während sich der Blumennarr davonschlich. Jedenfalls behauptete sie das. … War’s so? War es anders? Ich weiß es nicht. Ich war ja nicht dabei. Auch hörte ich nicht, welche Reden die Puppen miteinander austauschten. siehe hier ) Weiterlesen

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112 Stufen, 44: Besonnenheit (Ludwig Uhland)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Noch einmal kehre ich zum „Vormärz“ zurück, diesmal aber handelt es sich nicht um den feurigen Heinrich Heine oder den umtriebigen Georg Herwegh, sondern um den besonnenen Ludwig Uhland (1787-1862), dessen Namen ich erst im Gymnasium und dann später in meinen Tübinger Studienanfängen begegnete.

Mein Verhältnis zu Uhland war nicht liebevoll, sondern eher kritisch-naserümpfend. Dieser Tübinger Dichter und Politiker schien mir der Inbegriff der bisslosen akademischen Republikaner, die sich 1848 in der Frankfurter Nationalversammlung mit den Fürsten und dem preußigen Königshaus um die Verfassung eines noch zu gründenden Deutschland balgten. Und seine zu seinen Lebzeiten und noch weit darüber hinaus so geschätzte volkstümliche Dichtkunst schien mir verdächtig. War es nicht Uhland, der das Lied „Ich hatt einen Kameraden“ dichtete, das der SA so lieb war und das auch heute noch vom deutschen und österreichischen Heer mit Inbrunst gesungen wird?

War er nicht besonders geehrtes Mitglied der Tübinger Schlagenden Verbindung „Germania“ (in der Nazizeit überführt in die Kameradschaft Ludwig Uhland), die mir samt all den anderen Burschenschaften, die ihre Häuser entlang des Neckar unterhielten, zutiefst verhasst war? Auch Carl Ludwig Sand (1795-1820), der den Dichter Kotzebue (1761-1819) – er hatte sich die Deutschnationalen und Antisemiten rund um den „Turnvater Jahn“ zu Feinden gemacht -, ermordete, gehörte dazu…

Kurzum, ein Rattenschwanz von Negativ-Gefühlen und Vorurteilen verband sich mir mit dem Namen Ludwig Uhland. Schade eigentlich, denn er selbst war ein ruhiger, besonnener Mann, der es gut mit Deutschland meinte und sich niemals fanatisierte. Ihm schwebte zwar eine „großdeutsche Lösung“ unter Einbeziehung von Deutsch-Österreich vor, aber ein gewaltsamer „Anschluss“ hätte ihm ferngelegen. Er stritt für die Abschaffung des Adels und wünschte sich, wenn sich das Königtum nicht ganz vermeiden ließ, das mittelalterliche Wahlkönigtum für das zu gründende Deutschland. Er vertrat diese seine Auffassungen in den Parlamenten, in die er von seinen Mitbürgern geschickt wurde, in ruhiger verständlicher Sprache und oft genug auch in Gedichtsform. Er war Jurist, ein wenig trocken und schüchtern und ziemlich wortkarg, vor allem aber war er ein Mediavelist, der sich der Mühe unterzog, das deutsche Mittelalter anhand der auf viele Orte verstreuten Dokumente ans Licht der Moderne zu ziehen. Seine Dichtung sprach zu den Deutschen seiner Zeit, und durch die Kompositionen von Franz Schubert, Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy wurden sie zu einem Bestandteil des deutschen Liederbes. Politisch steht er am Beginn des Gedankens der deutschen Einheit in demokratischer Verfassung, als Volksvertretung noch meinte, was das Wort sagte: Vertretung des Volks durch frei gewählte Repräsentanten. Kann man ihn verantwortlich machen für das, was weniger gemäßigte Nachgeborene mit seiner Dichtung anstellten? Sicher nicht.

Und so mag sein 1816 verfasstes politisches Gedicht „An die Volksvertreter“ hier für den Begriff „Besonnenheit“ stehen.

An die Volksvertreter (1816)

Ludwig Uhland

Schaffet fort am guten Werke
Mit Besonnenheit und Stärke!
Laßt euch nicht das Lob betören!
Laßt euch nicht den Tadel stören!

Tadeln euch die Überweisen,
Die um eigne Sonnen kreisen:
Haltet fester nur am echten,
Alterprobten einfach Rechten!

Höhnen euch die herzlos Kalten,
Die Erglühn für Torheit halten:
Brennet heißer nur und treuer
Von des edlen Eifers Feuer!

Schmähn euch jene, die zum Guten
Lautern Antrieb nie vermuten:
Zeigt in desto schönrer Klarheit
Reinen Sinn für Recht und Wahrheit!

Was ihr Treues uns erwiesen,
Sei von uns mit Dank gepriesen!
Was ihr ferner werdet bauen,
Sei erwartet mit Vertrauen!

Beerdigung Ludwig Uhlands auf dem Tübinger Stadfriedhof. Das Das Senken der Fahnen über dem Sarge, Zeitgenössischer Holzstich. (Abb bei Wikipedia)

 

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112 Stufen, 43: Lügen (Carlo Collodi, Alexej Tolstoi)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Wer kennt nicht Pinocchio? Er ist geradezu das Urbild kindlicher Helden, die zwecks Erziehung und Unterhaltung der Kleinen erfunden wurden. Die message: Lass das Lügen, es kommt eh raus. Denn dem Lügner wächst eine lange Nase, und so oft er sich auch daran greift, sie verschwindet nicht, bevor er nicht mit der Wahrheit herausrückt. Carlo Callodi hat mit diesem sympathischen Helden die Kinder und Eltern des ausgehenden 19. Jahrhunderts unterhalten – 1881 als Fortsetzungsgeschichte unter dem Titel Le Avventure Di Pinocchio: Storia Di Un Burattino (Geschichte eines Hampelmanns), woraus 1883 dann das Buch Le avventure di Pinocchio wurde.

Seither hat Pinocchio nicht nur unzählige Kinder in aller Welt, sondern auch viele Autoren, Puppenspieler und -schnitzer, Filmemacher, Schauspieler, Theaterleute, Komponisten inspiriert. Er ist wahrhaftig unsterblich.

Auch in unserer Athener Wohnung hängt er:

Mein Mann erwarb ihn einst in Palermo.

Dora, der Jahresgenius von 2022, liebte ihn besonders.

Pinocchio mit Dora, dem Jahresgenius von 2022

Auf Wahlzetteln, die ich mit nach Hause nahm, fand er seinen höchst passenden Platz.

 

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Der russische Schriftsteller Alexei Nikolajewitsch Graf Tolstoi (1882-1945) hat den Stoff 1936 aufgegriffen, aber den kleinen Kerl ganz anders interpretiert. Und ich muss sagen: diese Geschichte gefällt mir noch viel besser als das Original. Denn Pinocchio hat seine lange Nase gar nicht durchs Lügen, sondern durch einen Schnitzfehler des „Papas“ erhalten. Und am Ende seiner Abenteuer erhält er von der Schildkröte den verloren gegangenen goldenen Schlüssel zu einer geheimen Tür, die den Raum zu einer freien Puppenbühne öffnet, die nicht unter der tyrannischen Gewalt des Oberpuppenspielers Karabas Barabas steht und ihm und seinen Freunden ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung ermöglicht.

Dieser „Burattino“ von Alexej Tolstoi (nicht zu verwechseln mit Leo Tolstoi) ist in Russland immer noch sehr populär. Vier mal, in den Jahren 1939, 1959, 1975 und 2009 wurde seine Geschichte auf russisch verfilmt. Sein Ebenbild schmückt viele Stätten des alten Russland, des ehemaligen Sowjetreiches und der neuen daraus hervorgegangenen Staaten, so auch vier Orte in Kiev. In ganz Osteuropa (auch in Athen) gibt es Cafes, Theater, Bars mit seinem Namen, und 1992 hat sogar eine Briefmarke bekommen.

Über den Autor kann man bei Wikipedia wenig Schmeichelhaftes nachlesen. Es ist die Biografie eines Mannes, der erst die Weisrussische Armee gegen die Bolschewiki unterstützte, dann ins Exil ging, sich später mit der sowjetischen Führung arrangierte und kollaborierte. Die Gestapo führte ihn zusammen mit Stalin auf der Hauptliste der Feinde des Deutschen Reichs. Von seinen literarischen Werken geblieben ist vor allem die Geschichte von „Pinocchio mit dem goldenen Schlüsselchen“. Und das ist ja immerhin auch nicht wenig.

 

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Archivbild der Woche: 13. Juli 2017 (Feuerwellen, Wasserwellen)

Es macht Spaß, dank Heide von der Puzzleblume, ins Archiv hinabzusteigen und zu schauen, womit ich in früheren Jahren an einem Tag wie diesem befasst war. Diesmal ging ich ins Jahr 2017 zurück und fand unter dem 13. Juli eine Farbzeichnung mit dem Titel „Feuerwellen – Meereswellen“.

Pinsel, Pigmente und Kleister auf Pappe (13. Juli 2017)

Offenbar war der Juli 2017 viel heißer als der diesjährige, denn ich schrieb zum Bild: An Tagen wie diesen, an denen das Thermometer tagsüber um die 40-Grad-Marke herumschwankt, kühle ich mich in Meereswellen, sobald die Feuerwellen der Sonne meinem Organismus allzu heftig zusetzen. Im Bild stellte sich mir dieses Wechselbad so dar…

Und wie sind die Temperaturen in diesem Jahr? Sehr gemäßigt schwanken sie um die 30- Grad-Marke, und das soll auch so bleiben. Die nächste „Hitzewelle“ soll hier, in der südlichen Peloponnes, grad mal 33 Grad erreichen. In Athen werden es wohl 36 Grad, was, wenn man mich fragt, an der dichten Bebauung und den Orten, an denen gemessen wird, liegt. Hinzu kommt, dass jetzt Millionen Klimaanlagen laufen, die die Atmosphäre drinnen kühlen und draußen aufheizen. Klimaanlagen sind ja im Prinzip nichts anderes als Wärmetauscher.

Arbeitsprinzip des Platten-Wärmetauschers in Klimaanlagen: (Quelle)
Der Platten-Wärmetauscher ist ein entscheidendes Element im Betrieb eines Klimaanlagensystems. Sowohl der Verdampfer der Klimaanlage als auch der Verflüssiger der Klimaanlage, also die grundlegenden Geräte des Klimaanlagensystems, sind Platten-Wärmetauscher. Diese Wärmetauscher behandeln zwei Medien in unterschiedlichen Aggregatzuständen – Flüssigkeit und Gas.
Der Verdampfer der Klimaanlage ist für die Aufnahme von Wärme aus der Luft und die Verdampfung des Kältemittels verantwortlich, das durch seine Kanäle strömt. Auf diese Weise wird die Luft gekühlt und in den Raum geblasen.
Der Verflüssiger der Klimaanlage dagegen soll die im Gebäude aufgenommene Wärme nach außen ableiten. Dies ist durch physikalische Veränderungen im Verflüssiger möglich (die Verflüssigung des Kältemittels führt zu seiner Abkühlung, Änderung des Aggregatzustands von gasförmig zu flüssig und folglich zur Abgabe von Wärme an die Umgebung).

 

Wenngleich die Temperaturen angenehm gemäßigt sind,  werde ich mich jetzt zum Ausklang des Tages noch mal in die Meereswellen schmeißen. Kommt gut in die Woche!

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Mond und Meer im Zusammenklang

Bei diesem hellen Zusammenklang von Mond und Meer – wie soll ich da schlafen?

Nun, ganz so hell wie auf dem Foto ist es auf meinem luftigen Lager nicht, und der Mond verschwimmt nicht mit seinem Hof, sondern hat eine klare Kontur. Und so sind diese Sommernächte auf der Turmterrasse wirklich magisch.

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112 Stufen, 42: Warnung (Heinrich Heine)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Erstaunlich viele Dichter haben Warnungen an ihre Leser oder auch an im Gedicht Angesprochene ausgesprochen. Das stellte ich fest, als ich nach dem genauen Wortlaut eines Gedichts von Heinrich Heine, das in meiner Erinnerung aufschien, suchte. Da warnt der eifersüchtige Liebhaber die Liebste, sich ja nicht mit einem anderen erwischen zu lassen (Richard Dehmel), da warnt ein anderer vor dem „Tier in mir“ (F.W. Bernstein), eine warnt vor sich selber, dass sie, sobald sie alt und hässlich ist, einen lila Hut tragen und auch sonst allerlei Anstößiges treiben wird (Jenny Joseph), einer warnt, dass die Diskriminierung einer Thüringer Ortschaft böse Folgen fürs Commenwealth haben wird (Reinhard Lettau), Erich Kästner warnt davor, sich eine Kugel ins Hirn zu pflanzen, weil einem die Welt nicht gefällt, Goethe warnt sein Liebchen, ihn endlich zu erhören, da beim Jüngsten Gericht alle Wörter gerechtfertigt werden müssen, Karl May warnt vor der unvermeidlichen Reue im Moment des Sterbens, wenn man „ein Menschenherz gegrämt“ hat, Hilde Domin warnt vor dem Moment, wo

alles dich einläd,
das ist die Stunde
wo dich alles verläßt.

(Hilde Domin (2009) Sämtliche Gedichte, S. Fischer Verlag)

Ich aber bleibe beim Klassiker aller Warner, bei Heinrich Heine, der genaugenommen kein Warner, sondern ein ironischer Kommentator der Verleger ist, die oft genug nicht den Schneid hatten (und haben), „solche Bücher“ drucken zu lassen. Da weiß man doch, wovor er warnt, und hütet sich!

Legebild aus diversen eigenen Schnipseln und einer Zensur-Schere

Warnung

Solche Bücher läßt du drucken!

Teurer Freund, du bist verloren!

Willst du Geld und Ehre haben,

Mußt du dich gehörig ducken.

 

Nimmer hätt ich dir geraten,

So zu sprechen vor dem Volke,

So zu sprechen von den Pfaffen

Und von hohen Potentaten!

 

Teurer Freund, du bist verloren!

Fürsten haben lange Arme,

Pfaffen haben lange Zungen,

Und das Volk hat lange Ohren!

Legebild mit Schnipseln, die Hannah (Lyrikblog) mir schenkte.

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