Aus dem Archiv: „Herbsttag“

Ich schaute eben im Archiv nach, neugierig, was ich wohl an einem Tag wie diesem in einem anderen Jahr getrieben habe. Und da stieß ich unter dem Datum 21/11/2019 auf eine Zeichnung, die heißt: „Was die Rechte schreibt, radiert die Linke aus…“

Das, was ich dort schreibe und ausradiere, ist offenbar das berühmte Rilke-Gedicht „Herbsttag“ , denn ich lese “   jetzt kein Haus hat, baut     ehr. Wer jetzt allein ist   “ 

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Tägliches Zeichnen: Stillleben mit Schilfwurzel

Heute zeichnete ich wieder die Zinnvase und die langbeinige Eule. Davor aber legte ich eine Schilfwurzel, deren skurile Formen einen wilden Gegensatz zur klassischen Eleganz der anderen darstellt.

Ich machte eine blaue Kugelschreiberzeichnung, kolorierte sie und überging sie mit schwarzem Filzstift.

Als digital erstellte Schwarz-Weiß-Fassung finde ich sie fast besser.

 

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abc-etüde: Von toten Seelen (kata-strophisch, moralisch)

Die Wörter für Christianes abc-etüden hat diesmal Cynthia gespendet. Es sind

Seelenverkäufer
obskur
ergattern.

Als Ideengeber für meine kata-strophische Reimerei habe ich mich des Romans „Tote Seelen“ von Nikolai Gogol* bedient.

Tschinns Auftritt, Legebild-Collage aus dem Kleinen Welttheater (https://gerdakazakou.com/2023/01/17/welttheater-3-akt-7-szene-tschinns-auftritt-fortgesetzt/)

 

Von toten Seelen 

Tschitschikow – so hieß der Mann

Der, entschlossen, nicht zu darben,

Dachte, dass man kaufen kann

Arme Menschen, wenn sie starben.

 

Diese Menschen oder Seelen

Waren Waren ohne Rechte

Und da ihnen Rechte fehlen

Warn sie schlimmer dran als Knechte.

 

Mit der Zahl der Seelen prahlten

Ihre Herrn, es macht’ sie reich.

Doch welchen Sinn hat, dass sie zahlten

Für Menschen, wenn sie tot und bleich?

 

Herr Tschitschikow macht’ sich erbötig

Die toten Seelen aufzukaufen,

Die Steuern kosten, ganz unnötig!

Ihr Herr konnt’ den Entgelt versaufen.

 

Verwerflich ist, was Tschitschikov

Sich ausdenkt, um sich Geld zu schaffen?

Ach was! er ist nur klug, nicht doof.

Soll er den Reichtum nur begaffen?

 

Du findest sein Geschäft obskur?

Seelenverkäufer sollt‘ man hängen?

Warum? Sie woll’n ja auch das nur

Wonach sich alle Menschen drängen:

 

Sie wollen ihren Vorteil suchen

Das Glück an seinen Hörnern packen.

Ein Stück ergattern von dem Kuchen,

Den andre Menschen ihnen backen.

 

Das ist normal. Wer zahlt schon gerne

Die Rechnung, die ins Haus ihm flattert,

Wenn von den Früchten nur noch Kerne,

und nutzlos ihm, was er ergattert?

 

Wann kommt die Zeit, wo keine Seelen

Gekauft, verkauft, besessen werden?

Wo man nicht haben kann, nicht stehlen

Des andern Arbeit hier auf Erden?

 

Tschinn und Kairos, Legebild-Collage aus dem „Kleinen Welttheater“ (https://gerdakazakou.com/2023/01/20/welttheater-3-akt-8-szene-tschinn-zum-dritten-hotelanlage/)

 

 

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* Nikolai Gogol (1809–1852) veröffentlichte im Mai 1842 den ersten Teil eines als Trilogie geplanten Romans, den wir als „Tote Seelen“ kennen. Die Zensur ließ diesen Titel damals nicht zu, denn Seelen seien unsterblich und daher niemals „tot“. Nun wurden aber die Leibeigenen Russlands als „Seelen“ gezählt. Für diese „Seelen“ bezahlten die Gutsherren eine staatliche Kopfsteuer – und zwar lästigerweise bis zur nächsten Revision auch dann, wenn die Träger dieser Seelen verstorben, also „tote Seelen“ waren.

Land und Seelen dienten bei Kreditaufnahme als Sicherheit. Der schlaue Held in Gogols Roman – ein Aufsteiger – hatte nun die Idee, für wenig Geld „tote Seelen“ aufzukaufen und damit die Rechtstitel für Bankkredite zu erwerben, die ihm ein reiches Leben ermöglichten. Er war ein Seelenkäufer. Bereitwillige „Seelenverkäufer“ fand er unter den  Gutsbesitzern, die froh waren, wenn sie den Posten („tote Seelen“) aus ihren steuerlichen Verpflichtungen streichen konnten….

Ende der Vorrede.

 

 

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Novemberleuchten mit Steinegarten/tägliches Zeichnen: Zinnvase

Nun also Novemberleuchten. Der Titel von Steinegartens Blog-Challenge gefällt mir ebenso gut wie die beiden vorangegangenen von Juricka („Farben“ und „herbstzeitlos“), und ich möchte auch hier mitmachen.

Als ich heute am späten Vormittag ins Wohnzimmer in Maroussi trat (wo wir gestern ankamen), bot sich mir ein erfreuliches Bild: helle Sonne schien durchs Fenster und beleuchtete die Zeichnung mit der Zinnvase, die ich in der vergangenen Nacht fabrizierte. Breite Schattenstreifen überliefen die farbige Zeichnung und machten sie interessant.

In der Nacht hatte ich nicht schlafen können, und in solchen Fällen finde ich es besser zu zeichnen als zu lesen. Also suchte ich ein Blatt Papier und zeichnete das, was sich auf dem Couchtisch in meinem Blickfeld befand, sanft und freundlich mit Buntstiften.

Zeichnung + Foto nachts bei Lampenlicht

Dann aber überkam mich, wie so oft, das Bedürfnis nach mehr Festigkeit, und so nahm ich den schwarzen Filzstift zur Hand, um die Konturen und einige Felder damit nachzuziehen.

Zeichnung bei Lampen-, Foto bei Tageslicht

Bei hellem Sonnenschein schienen mir die Farben wie ausgeblichen, und ich verstärkte sie. Als ich das letzte Foto machte, hatte die Sonne sich verzogen, und so fehlen die Schattenlinien.

Tageslicht

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Novemberleuchten mit Steinegarten: rote Beeren in Arkadien

Nun also Novemberleuchten. Der Titel von Steinegartens Blog-Challenge gefällt mir ebenso gut wie die beiden vorangegangenen von Juricka („Farben“ und „herbstzeitlos“), und ich möchte auch hier mitmachen.

Heute fuhren wir von der Mani nach Athen. Unterwegs machten wir nur einen kurzen Halt, um eine Pita (ich mit Spinat, mein Mann mit Käse) zu essen und einen Schluck heißen Kaffee zu trinken. Die Gegend war, so schien uns, recht trostlos: aufgegebene Felder, ein bäuerliches Anwesen in Ruinen, eine Fotovoltaikanlage, ein himmelhoher Strommast mit Überland-Stromleitungen und natürlich auch ein paar weggeworfene Plastikflaschen und anderer Müll.

Doch egal, wie trostlos: die Natur weiß immer, einen schönen Akzent zu setzen.

Und so feierte sie sich an diesem verlassenen Ort mit unzähligen roten Beeren.

 

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Τägliches Zeichnen: Stillleben, Schenken („Kunst hilft“)

Gestern nachmittag wartete ich ich auf Besucher und vertrieb mir die Zeit damit, die Vase auf dem Tisch zu zeichnen. Es handelt sich um eine merkwürdige Vase mit fünf kurzen Hälsen, in die man Zweige stecken kann. Sie sieht aus wie eine organische Form, ist aber aus Ton geformt und mit leichten Farben bemalt.

Außer der Vase gerieten die kleine Thermoskanne mit dem Kaffee, mein Kaffeebecher, meine Brille. ein aufgeschlagenes Buch („Bildsprache der Märchen“ von Friedl Lenz, in dem ich zuvor gelesen hatte) und das Mäppchen mit den Buntstifen ins Blickfeld.

Die Besucher waren ein junges Ehepaar mit ihrem zweijährigen Töchterchen. Den Mann hatte ich bei meinem Interview mit dem staatlichen Rundfunk kennengelernt. Beide sind Tontechniker und wohnen hier um die Ecke. Ich gab ihnen die Zeichnung mit dem Granatapfel für den jungen Kollegen mit, der mir nach der Sendung spontan den Granatapfel geschenkt hatte. Heute erhielt ich als Dankeschön einen Luftkuss und freute mich. Spontanes Schenken und Beschenktwerden macht einfach Spaß.

 

 

 

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Novemberleuchten mit Steinegarten: Lins blaue Augen

Nun also Novemberleuchten. Der Titel von Steinegartens Blog-Challange gefällt mir ebenso gut wie die beiden vorangegangenen von Juricka („Farben“ und „herbstzeitlos“), und ich möchte auch hier mitmachen.

Wenn Lin sich zur Siestazeit zu mir auf die Couch gesellt…

schaut er mich mit seinen blauen Augen intensiv an, als wolle er mich hynotisieren. Ich versuche dann mit allerlei Fiesematentchen, seinen Blick abzulenken, und manchmal gelingt es mir auch.

Dann aber kehrt sein Blick zurück und ruht auf mir….

 

 

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Impulswerkstatt, Mosaikstück Pflanze: Trauer um meinen weißen Rosenbusch

Vorgestern habe ich abgesägt, was übrig war von meinem weißen Rosenbusch, der mir zwanzig und mehr Jahre so viel Freude machte. Jedesmal wenn ich aus der Tür trat oder wenn ich heimkam, begrüßte er mich mit seinen weißen Wunderblüten.

 

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Im letzten Herbst fing er an abzusterben. War der Sommer zu heiß gewesen? Im Januar trieben die Zweige, die noch nicht vertrocknet waren, erneut, und ich schöpfte Hoffnung, trug Dünger und neue Erde herbei, passte auf, dass er immer genug Wasser hatte…. Doch in diesem Herbst starb er vollständig ab. Und nun weine ich.

Der Busch blühte zu jeder Jahreszeit, mal mehr mal weniger. Ich bin keine gute Gärtnerin, aber ihm war ich sehr zugewandt, beschnitt ihn nach bestem Wissen und Gewissen, sorgte für ihn, liebte ihn. Warum starb er?

Einzelne seiner Blüten habe ich immer mal wieder gezeichnet.

An Weihnachten 22 blühte er noch voller Kraft, und ich verschickte diese Karte:

https://gerdakazakou.com/wp-content/uploads/2022/12/img_8134q-e1671736628211.jpg

Vergessen werde ich ihn nicht. Er ist mir ans Herz gewachsen und blüht dort weiter. Mit meinen Tränen will ich ihn begießen.

Dies ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt, Mosaikstück „Pflanze“.

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Impulswerkstatt, Bild 3. Geisterbahn

Ein paar Gedanken zum dritten Bild deiner laufenden Impulswerkstatt, liebe Myriade.

 

Geisterbahn

Ich seh das hier

und denk bei mir:

Wen kann denn das noch schrecken?

Ein Krokodil und noch ein Mann, die ihre Zähne blecken?

Sind wir nicht grad in diesen Tagen

geschreckt durch sehr viel schlimmre Plagen?

 

Und auch die Kinder, Mannomann

was so ein Kind nicht alles kann!

Mit seinen drei vier Jahren

ist es schon sehr erfahren

im spielerischen Morden

von ekeligen Horden

entseelter Monster, Automaten,

und wär es nicht mit seinen Taten,

die diesem Spuk ein Ende setzen,

so ginge gar die Welt in Fetzen.

 

Das also und noch dies und das dachte ich bei dieser altmodischen Grusel-Geisterbahn. Dann fiel mir noch auf, dass die menschenähnliche Maske sehr viel Ähnlichkeit mit dem „Islamisten“ hat, der sich in der angstbesetzten Welt so manchen Europäers herumtreibt. Und ich wunderte mich, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, sie als „Hass und Hetze“ anzuprangern und verbieten zu lassen.

Der „schwarze Mann“ und der „kindermordende Jude“ haben jahrhundertelang als Gräuelbilder gedient und nun hoffentlich für immer ausgedient. Für einen Jahrmarktbetreiber wird es immer schwerer, ein niemanden diskriminierendes Konterfei aufzustellen. Denn ehrlich: soll man den Kindern Angst vor Islamisten und Krokodilen einflößen? Brauchen nicht auch Krokodile unsere Empathie?

 

 

 

 

 

 

 

 

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Novemberleuchten mit Steinegarten: Gartenblumenleuchten

Nun also Novemberleuchten. Der Titel von Steinegartens Blog-Challange gefällt mir ebenso gut wie die beiden vorangegangenen von Juricka („Farben“ und „herbstzeitlos“), und ich möchte auch hier mitmachen.

Gestern leuchteten die Astern noch einmal besonders schön – wie zum Abschied. Denn wir fahren mal wieder für ein Weilchen nach Athen. Heute hat sich der Himmel eingetrübt.

Die rosa Rose habe ich dort hingestellt, wo mein wunderbarer weißer Rosenbusch stand. Er ist eingegangen, ich rätsele warum, und ich trauere um ihn. Ist der Boden verseucht? Denn auch die Rose daneben vertrocknete, obgleich es ihr nicht an Wasser fehlte. Ich lasse die rosa Schöne vorerst im Topf. Mir will scheinen, ihr gefällt dieser Platz nicht. Sie entwickelte sich gut, schwächelt aber, seit ich sie hierher stellte.

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