Kunst für die Tonne (tägliches Zeichnen)

Heute machte ich mich mal wieder ans Kohlezeichnen auf Leinwand. Ich wollte ungegenständlich zeichnen. Viel Zuversicht hatte ich nicht, dass Gescheites dabei herauskam.

Wenn du ein Problem hast, mach es zum Thema. Das ist eine meiner Devisen. Und so ist das Thema dieser Zeichnung: „Kunst für die Tonne“. Wobei die „Tonne“ ein verbeulter eiserner Müllcontainer ist, wie sie hier verwendet werden. Neben den Container stellt man, was man nicht reinkriegt, zB eine Skulptur, die die Erben nicht haben wollen.

Als Extra-Kick malte ich den Hintergrund rosarot an.

In die Tonne werde ich dies Werk nicht befördern. Dann ist es in seiner verqueren Logik vergleichbar dem berühmten Bild von René Magrittes „Ceci n’est pas une pipe“ (Dies ist keine Pfeife) von 1929 (schau hier).

File:MagrittePipe.jpg

Vielleicht sollte ich auch meine Zeichnung sorgfältig in Öl ausführen und mit ordentlicher Unterschrift zieren – „Dies Bild ist für die Tonne“ – um es zu einem bahnbrechenden Kunstwerk zu machen…

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Kunst, Leben, Malerei, Meine Kunst, Philosophie, Skulptur, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , | 12 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Kätzchenzähmung und Feder

Er lässt nicht locker, bis er das Kätzchen zu fassen kriegt. Da liegt bzw hängt es nun fragend in der großen Hand: was bist du für einer? hast du Gutes oder Böses im Sinn?

Lieber Mann,  lass mich doch runter

wenn ich frei bin, bin ich munter

 Oben, hier, von dir gefangen

muss ich um mein Leben bangen.

 

Kleiner Kater, sei nicht bange

wenn ich dich freundschaftlich fange.

Eine kleine Streicheleinheit

nimmt dir nichts von deiner Freiheit!

Kommst gleich wieder auf die Beine.

Böse Folgen? Welche? Keine.

Die beiden Kleinen Lin und Lan werden zutraulicher, kommen ins Haus, untersuchen den Kamin und andere dunkle Ecken – vielleicht nach Spinnen? – und tönen im zärtlichen Doppelgesang, wenn sie noch mal fressen wollen. Ob dieser nun Lin oder Lan ist? Ich weiß es nicht. Die beiden spielen immer im Double.

Gestern haben sie wieder ein anderes Lebewesen umgebracht, ich sah nur die Reste von Gedärmen neben unserem Bett.  Auf dem Boden flog auch eine Feder herum. Doch die ist schon älter, war nur vom Schreibtisch gesegelt.

Von welchem Vogel die wohl ist?

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Leben, Natur, Psyche, Tagebuch der Lustbarkeiten, Tiere | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 10 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Wassos Schmuckstand besuchen (und Reminiszenzen )

Samstag Abend verabredete unsere Gruppe sich (wir treffen uns seit November 2020 einmal wöchentlich*) bei Freundin Wasso, die einen Schmuckstand an der Strandpromenade unterhält. Sie lebt davon. Eigentlich ist sie Schauspielerin, war sogar am besten Athener Theater engagiert, aber nun lebt sie schon lange davon, Schmuck, den sie aus fertigen Teilen montiert, auf Basaren zu verkaufen.  Das ist ein harter Job, denn sie muss den Stand aufbauen, bewachen, bei Regen schützen, abbauen, und meistens schläft sie auch dort, wo grad ihr Stand ist. Im Sommer ist das nicht weiter problematisch, denn die Stände sind direkt an der Meerespromenade aufgebaut, und es gibt ein Stück Strand, wo man schlafen kann.

Wasso (rechts) und Besucherinnen ihres Stands

Ich bin ganz gern dort. Denn es gibt vieles zu beobachten. Ich dachte schon daran, mich mal mit einem Zeichenblock einzuquartieren, aber der Weg ist doch recht weit. Gestern, Samstag Abend, musste ich die 10 km von meinem Haus dorthin in Stop-and-Go Tempo bewältigen und dann noch mal so viel Zeit für die Parkplatzsuche aufwenden.

An den Ständen ist kein Menschengedränge, der Umsatz ist gering. Aber es reicht für die Standmiete und fürs Leben. Wasso ist keine von denen, die sich beklagt oder aufgibt, sie ist eine lebenserprobte Kämpferin, voll Witz und Charme und unendlich großzügig. 

Während ich zuschaue, denke ich an die Zeit, als wir unsere Selbsthilfegruppe gründeten. Das war im November 2020.  Gerade war ein erneutes Lockdown verhängt worden. Für viele meiner Bekannten und Freundinnen war das existenzbedrohend. Zunächst trafen wir uns im Freien, auch bei Regen und Kälte, da Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen verboten waren. Als der allgemeine Lockdown gelockert wurde, blieb das Problem für die Ungeimpften – und das waren die meisten von uns – weiter bestehen.  Aber wir hielten durch und sind immer noch da, nun mit anderen Schwerpunkten.

Ich habe eine Reihe von „updates“  zusammengestellt, die deutlich machen, wie schwer bis unmöglich die Lebensplanung damals für viele viele Berufsgruppen war, und welche Folgen das bis heute hat. Der Trubel in einer heißen Sommernacht am Meer lässt das leicht vergessen (siehe auch hier oder hier oder hier oder hier)

Quelle: hier

Update 15.11.2020: Seit Sonntag (15.11.) gilt ein landesweites Verbot für Versammlungen von mehr als vier Personen bis zum 18.11.2020.

Update 26.11.2020: Medienberichten vom Donnerstag (26.11.) zufolge hat Griechenland seinen landesweiten Lockdown bis zum 07.12. verlängert. 

Update 03.12.2020 (1): Der landesweite Lockdown in Griechenland wird bis mindestens zum 14.12. verlängert.

Update 07.12.2020 (2): Am Montag (07.12.) verlängerten die griechischen Behörden den Lockdown bis mindestens zum 07.01.2021. Reisen über Regionsgrenzen sind weiter nur aus triftigen Gründen möglich, zahlreiche Unternehmen mussten schließen und auch die nächtliche Ausgangssperre bleibt bestehen. Aufenthalte außerhalb der eigenen Wohnung müssen bei den Behörden via SMS angemeldet werden.

Update 02.01.2021: Bis mindestens zum 11.01. gilt die nächtliche Ausgangssperre wieder zwischen 21:00 Uhr und 05:00 Uhr (Ortszeit). Waren bei Händlern zum abholen zu bestellen ist dann ebenfalls nicht mehr gestattet. Weiterhin muss das Verlassen des Hauses via SMS beim griechischen Zivilschutz angemeldet werden und ist nur aus triftigen Gründen erlaubt.

Update 08.01.2021 (3): Der Lockdown in Griechenland wird bis mindestens zum 18.01. verlängert.

Update 16.01.2021: Die nächtliche Ausgangssperre, inländische Reiseeinschränkungen und die Anweisung an die Bevölkerung, zuhause zu bleiben, wurden am Freitag (15.01.) auf unbestimmte Zeit verlängert.

Update 18.01.2021: Das Aufsuchen eines wesentlichen Geschäftes oder anderer Einzelhandelsgeschäfte ist für bis zu 2 Stunden pro Tag erlaubt.

Update 29.01.2021 (2): Die griechische Regierung hat einige kürzliche Lockerungen der COVID-19-Maßnahmen zurückgenommen

Update 09.02.2021 (2): Ab Donnerstag (11.02.) gilt in der Region Attika für mindestens zwei Wochen wieder ein harter Lockdown. Geschäfte müssen schließen. Das Verlassen des eigenen Hauses muss im voraus via SMS angemeldet werden.

Update 26.02.2021 (1): Ab Sonntag (28.02.) wird auch die Region Peloponnes von deutschen Behörden als Risikogebiet eingestuft.

Update 03.03.2021: Am Mittwoch (03.03.) verlängerten griechische Behörden den Lockdown in weiten Teilen des Landes bis mindestens zum 16.03. Ab Donnerstag (04.03.) um 06:00 Uhr (Ortszeit) sollen zudem Reisen über Gemeindegrenzen bzw. weiter als zwei Kilometer von zu Hause untersagt werden. Dies gilt für Freizeitaktivitäten und Einkäufe.

Update 16.03.2021: Nach Angaben deutscher Behörden wurde der landesweite Lockdown in Griechenland bis mindestens zum 22.03. verlängert.

Update 19.03.2021: Ab Montag (19.03.) dürfen archäologische Stätten in Griechenland wieder öffnen. Die meisten Geschäfte müssen jedoch weiter geschlossen bleiben. Zugleich wird die nächtliche Ausgangssperre verkürzt und tritt erst um 21:00 Uhr (Ortszeit) in Kraft.

Update 29.03.2021: Aktuellen Meldungen des Auswärtigen Amtes zufolge bleibt der Lockdown in Griechenland noch bis mindestens 05.04. in Kraft.

Update 06.04.2021: Deutsche Behörden berichteten am Dienstag (06.04.), dass der landesweite Lockdown in Griechenland bis mindestens Montag (12.04.) verlängert wurde.

Update 12.04.2021 (1): Angaben vom Montag (12.04.) zufolge wurde der landesweite Lockdown bis Montag (19.04.) verlängert.

Update 07.05.2021 (2): Laut Medienberichten vom Freitag (07.05.) dürfen Museen ab dem 14.05., Freiluftkinos ab dem 21.05. und Theater ab dem 28.05. wieder öffnen. 

Update 08.05.2021: Seit Samstag (08.05.) sind in Griechenland Strände wieder geöffnet. Ferner dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 500 Quadratmetern unter der Bedingung der Terminvereinbarung wieder öffnen.

Update 10.05.2021: Informationen des Auswärtigen Amtes vom Montag (10.05.) zufolge gilt der landesweite Lockdown und damit auch die regionalen Reisebeschränken noch mindestens bis zum Freitag (14.05.).

Update 25.05.2021: Wie das Auswärtige Amt am Dienstag (25.05.) informierte, wurde der Lockdown in Griechenland bis Montag (31.05.) verlängert.

Update 07.06.2021: Der landesweite „Lowckdown“ wurde bis zum 14.06. verlängert. Touristenunterkünfte wie Campingplätze, Ferienwohnungen und Hotel dürfen öffnen.

Update 20.06.2021: Laut dem Auswärtigen Amt ist die Einreise nach Griechenland derzeit mit einem gültigen negativen PCR-Test, einem Schnelltest, die Bescheinigung einer überstandenen Genesung oder einem Impfnachweis möglich.

Update 22.06.2021: Deutschen Behördenangaben zufolge wurde der Lockdown von griechischen Behörden bis mindestens 28.06. verlängert.

Update 28.06.2021: Informationen des Auswärtigen Amtes zufolge wurde der Lockdown in Griechenland bis mindestens zum Montag (05.07.) verlängert.

Update 29.06.2021: Ab dem 15.07. werden die Einschränkungen in Griechenland für Personen, die vollständig gegen COVID-19 geimpft sind, weiter gelockert. Bei einigen Veranstaltungen dürfen dann nur geimpfte Personen anwesend sein, während es in der Gastronomie möglich sein soll, mehr Gäste zuzulassen, wenn alle Gäste geimpft sind. Hierzu soll zwischen „gemischten Räumen“ und Räumen ausschließlich für Geimpfte und Genesene unterschieden werden. Ungeimpfte Personen sollen unter Vorlage eines aktuellen, negativen Tests jedoch auch Zugang zu den anderen Räumen erhalten.

Update 06.07.2021 (2): Ab Donnerstag (08.07.) dürfen in Athen Gäste in Bars nur noch sitzen. Nicht gestattet ist in Gruppen zusammenstehen oder tanzen. Gleichzeitg gelten Kapazitätsgrenzen. Den Betreibern drohen hohe Strafen.

Update 13.07.2021: Medienberichten zufolge dürfen von Freitag (16.07.) bis Ende August nur vollständig geimpfte Personen geschlossene Veranstaltungsorte wie Unterhaltungseinrichtungen, Bars, Kinos und Theater besuchen. Außerdem gilt bis Ende August ein landesweites Tanzverbot. Eine App soll es den Betrieben erleichtern, die QR-Codes auf den Impfausweisen zu überprüfen.

Update 16.07.2021 (1): Das Robert Koch Institut (RKI) hat am Freitag (16.07.) die Liste der weltweiten Risikogebiete aktualisiert. Das ganze Land gilt ab Sonntag (18.07.) als Risikogebiet. 

Update 01.08.2021 (2): Wegen des Wegfalls der Kategorie „einfaches Risikogebiet“ wird das gesamte Land ab Sonntag (01.08.) vom Robert Koch-Institut (RKI) nicht mehr als Risikogebiet eingestuft.

Update 24.08.2021 (2): Die Testpflicht für ungeimpfte Reisende bezieht sich auf Reisen per Flugzeug, Zug, Boot, oder Fernbus innerhalb Griechenlands.

Update 25.08.2021: Laut Medienberichten von Dienstag (24.08.) wurde in Messinia mit Gültigkeit ab Freitag (27.08.) ein regionaler Lockdown verhängt.

Update 03.09.2021: In dem Regionen Messinia, Achaia und Illia auf dem Peloponnes und in den Gemeinden Ikaria und Iraklio auf der Insel Kreta gelten noch bis mindestens 10 September ein Lockdown.

Update 10.09.2021 (1): Laut Medienberichten von Freitag (10.09.) wurde der Lockdown in den Regionen Iraklion, Archaia, Illia und Messinia bis mindestens 16.09. verlängert.

….

Veröffentlicht unter Allgemein, ausstellungen, Ökonomie, die griechische Krise, Fotografie, Leben, Projekt Alternativen, Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 11 Kommentare

Tavernen-Gekritzel (tägliches Zeichnen)

Heute, da Sonntag, war „unsere“ Taverne voller als sonst. Zu beobachten gab es viel: Paarbeziehungen, Mutter-Oma, einen gelangweilten Knabe, einen langen Tisch mit drei Generationen etc. Leider hatte ich nicht den Mut, viel zu zeichnen, es entstanden nur drei heimliche schnelle Skizzen im winzigen Reklameblock einer Apotheke.

Junge Frau mit Kinderwagen (das reizende Baby wurde später hervorgeholt) und später hinzukommendem Mann

Frau mit ältlicher Mutter (Rückenansicht)

gelangweilter Knabe (Sohn der obigen Frau)

Veröffentlicht unter Allgemein, Leben, Meine Kunst, Psyche, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , | 4 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Sonnenaufgang (Kleine Beobachtungen)

Raffael

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang (….)

Gabriel

Und schnell und unbegreiflich schnelle
Dreht sich umher der Erde Pracht;
Es wechselt Paradieseshelle
Mit tiefer, schauervoller Nacht (…)

J.W. Goethe, Faust I, „Prolog im Himmel“.

Eigentlich bin ich ja ein Morgenmuffel. Anders als der Sonnenuntergang gehört der Sonnenaufgang daher zu meinen eher seltenen Lustbarkeiten. Doch wenn ich, wie jetzt, draußen auf der Turmterrasse schlafe, kommt es nicht selten vor, dass ich der Sonne beim Aufgehen zuschaue. Oder eigentlich nicht der Sonne, denn die ist schon riesig und gleißend hell, wenn sie über den Bergkamm steigt. Da hinzuschauen ist ganz unmöglich. Aber ich kann zuschauen, wie die ersten Strahlen das Olivenland erreichen.

Dann geht es schnell. Eine breite Lichtspur erfasst einen Hang mit Oliven und Zypressen. Das Meer und die Stadt gegenüber leuchten auf.

Beim Fotografieren ist es halb acht Sommerzeit, eine Stunde nach dem astronomischen Sonnenaufgang (6.30 Uhr). Der Sonnenuntergang wird um 20.42 eintreten. Ich freu mich schon drauf, diesem „Untergang“ zuzuschauen.

Eine Bemerkung zum Wechselgesang der Erzengel aus Faust I: Erstaunlich finde ich, wie Goethe hier die alte und die neue Sicht auf die Himmelskörper nebeneinander bestehen lässt:

Die Sonne „vollendet ihre Reise“ – das entspricht der ptolemäischen Weltsicht und dem Eindruck, den wir Menschen haben, denn wir sehen ja die Sonne „reisen“ und spüren nicht die Erdbewegung. 

„…dreht sich umher der Erde Pracht“ – das entspricht der kopernikanischen Weltsicht und tatsächlichen Bewegung der Erde, die sich in rasender Geschwindigkeit unter der Sonne wegwälzt,  vom Licht ins Dunkel und wieder ins Licht. Wie schnell dreht sie sich? Nun, so um die 1000 km/h sind es bei euch, bei uns gehts noch ein bisschen schneller, und am Äquator sind es ca 1600 km/h. Dagegen sind die schnellsten Autos langsame Schnecken.

Veröffentlicht unter Allgemein, events, Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Natur | Verschlagwortet mit , , , , , | 13 Kommentare

Dreiviertelmond (kleine Beobachtungen)

„Siehst du den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön.“ (M. Claudius)

Diese Aufnahme machte ich vergangene Nacht kurz vor ein Uhr. Tatsächlich ist der Mond noch 5 Tage weit davon entfernt, sich zu runden. Doch auf dem Foto scheint er bereits vollmondig zu sein. Das ist natürlich eine optische Täuschung, was sofort klar wird, wenn man den Glanz zurückfährt…

Wie auch immer: der Anblick von Mond und Spiegelung ist immer köstlich, so wie hier auf dem  früheren Gemälde „Mit dem Mond“.

1919050_1454078593350_5600892_n

 

Veröffentlicht unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Malerei, Meine Kunst, Natur, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 6 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Sommerwind.

Gestern noch sahen Himmel und Meer aus wie einbalsamiert. Nichts regte sich. Dichter Dunst lag über allem. Am Abend erschienen ein paar schmutzige Schlierenwolken. Gegen elf  Uhr nachts legten wir uns, erschöpft von der Hitze, unter unser Moskitonetz auf der Turmterrasse. Und schliefen ein.

Gegen zwei Uhr wachte der Wind auf und zerrte am Moskitonetz, blies es auf zu einem Segel. An Schlaf war erstmal nicht zu denken, aber das war schon ok. Denn nun war es besser aufzustehen und den erwachten Wind auf der Haut zu spüren.  Die Küstenlichter blinkten hell und zeichneten die Linie der weiten Bucht von Kalamata nach. Die Sterne hatten ihre Leuchtkraft, die ihnen im Dunst der heißen Nächte abhanden gekommen war, wieder erlangt.

Der Wind wurde immer stärker, und so holte ich das Netz ein. Mein Mann verzog sich ins Hausinnere, aber ich mochte mich nicht von dem freien Atem der Nacht trennen. Und tatsächlich schlief ich, nachdem ich die Laken festgezurrt hatte, in meinem windigen Bett wie ein glückliches Kind. Die Jungkatzen turnten über meinem Kopfe herum, aber auch das störte mich nicht.

Als ich am Morgen die Augen aufmachte, blickte ich in einen blauen Himmel und hinunter zu einem dunkelblauen Meer mit kleinen Schaumkronen. Es ist weiterhin heiß, aber das Leben ist zurück. Auch die großen Feuer auf Korfu, Rhodos und Euböa scheinen vorerst gelöscht zu sein.  

Ein früheres Wind-Legebild, leicht bearbeitet. 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, elektronische Spielereien, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Natur, Psyche | Verschlagwortet mit , , , , , | 25 Kommentare

Legebild des Tages: der Maler (aus dem Archiv)

Eben holte ich ein paar Pinsel aus dem Atelier, um sie dem Handwerker zu übergeben, der die Eingangsstufen mit einem einfachen Geländer abgesichert hat, das er nun anstreicht.

Die Pinsel in der Hand dachte ich: Malen, ja. Wie geht das doch gleich? Wie hat man als Maler überhaupt auszusehen, damit man nicht mit einem Handwerker oder gar mit einem Faulpelz verwechselt wird? Jeder Berufszweig hat ja seine Standesmerkmale. Der Maler hat nen Hut, eine Palette, einen Pinsel und vielleicht auch einen Kittel. Na, wer ist hier der Maler? Die Frau mit dem Kinderwagen? der Junge mit dem Flügel, der nach der Sonne greift? Der Mensch im Strandkorb, der seine nächsten schrittew im Leben genau überdenkt, bevor er sie macht? Also nein, ich tippe auf den dünnen Kerl mit der blauen Joppe. Wenn du genau hinschaust, siehst du, dass er Dora inmitten von Farbgekleksel abgebildet hat. Das also ist ein Maler.

Ist ein Maler so? Auch John der Maler, Juttas Geschichtengenerator entsprungen, hat die nötigen Merkmale, die ihn als Maler ausweisen. Hier sieht man ihn in großer Pose vor seiner Staffelei. Ihm zur gesellschaft hat sich seine liederliche Kumpanei eingefunden, denn die gehört genauso zum Malerdasein wie die fehlende Inspiration.

 

John der Maler braucht ein Modell. Ein weibliches, das ihm posiert. Egal, was ihm einfällt, sie hat es mit ihrem Körper nachzubilden, damit er es vor Augen hat und damit seine Einfälle zum Bild machen kann.

Inspiration. Um sie zu finden, greift er zu Mitteln, die ihm nicht guttun. Er macht seine Palette zum Dreifuß, entzündet ein paar duftende Kräuter – und schon erscheint die Sphinx vor ihm….

Hier sieht man ihn im psychedelischen Rausch. Die Palette ist ihm sein Schild, der Pinsel sein Schwert.

IMG_6627John glaubt eigentlich nicht an Geister und Gespenster. Aber das nützt ihm nicht viel. Sie respektieren seinen Glauben nicht, sein Glauben ist ihnen egal. Sie dringen auf ihn ein, sie provozieren ihn am Tag und in der Nacht, sie verhöhnen ihn und stechen ihn ins Herz. Von seinem Pinsel tropft gelbe Farbe. Ja, John ist verrückt geworden. Das, so sagt man, sei bei Künstlern ein Zeichen von Genie.

Und? Ist das schon alles, was sich über Maler sagen lässt?

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein | 18 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Im Atelier faulenzen und sinnieren

Es ist immer noch so heiß, dass das klügste ist, sich mittags ins Atelier zu verziehen, um nichts zu tun. Das Atelier liegt im Untergeschoss, hat eine Fenster-Tür-Front nach Norden und ansonsten nur winzige Fensteröffnungen, denn das Haus ist an einem Hang gebaut. Hier ist es deutlich kühler als im Haus. Außerdem bin ich gern hier, die Duftmischung aus Farben und Staub mag ich sehr. Wenn ich sie in der Nase habe, bilde ich mir immer ein, dass ich gleich, jedenfalls morgen oder übermorgen malen werde.

Ich lege mich auf die schwarze Ledercouch mit den geschwungenen Lehnen, die wir mal bei einem griechischen Trödler erstanden. Der hatte sich auf bayrische Secondhand-Möbel spezialisiert. Von ihm haben wir auch ein rundes Holzschränkchen mit vielen Schubfächern, das einem Kanonenofen nachgebildet ist, und einen Holzschrank in Form eines altmodischen Herdes, auf dem unser TV steht.

(Pardon, Abschweifung).

Vor mir in Reichweite steht mein Drehstuhl mit Kaffeebecher, Wasserflasche, Büchlein, Ladekabel fürs Telefon. Ich schaue in den Raum und mache ein Foto mit Weitwinkel. Da ist dann alles drauf, was in meinem Blickwinkel liegt, und der große Raum sieht riesig aus. Der blaue Flokati ist übrigens das „Feld“, auf dem sich beim Aufstellen die Dramen entfalten.

Die schwarze Ledercouch ist mit einem orange Tuch bedeckt, denn auf dem Leder kann man nicht liegen, da klebt man fest. Mein Blick streift die Bilder, die da herumstehen, meistens ältere Portraits. Die Menschen habe ich mal gekannt, habe sie gemalt,gezeichnet. An jeden erinnere ich mich, zu allen gibt es Geschichten zu erzählen.

Es gibt auch ein Fernrohr, das ich in Zeiten, als ich für meinen Roman „Schwanenwege“ den Himmel beobachten wollte, bei einer Sonderaktion von Lidl ergatterte. Leider blieb es beim Vorsatz. Ich fand niemanden, der mir das Ding justierte, und allein schaffte ich es nur, den Mond durchs Fernrohr zu finden.

Ich finde es übrigens gar nicht so schlimm, wenn manches, oder meinetwegen auch das meiste, Vorsatz bleibt. Vorsätze haben den Vorteil, nach vorne, zur Zukunft hin, offen zu sein. Was ich noch nicht getan habe, kann ich ja noch tun, vielleicht, irgendwann in diesem oder einem anderen Leben. So bleibt alles im Fluss, der dem großen Ozean zuströmt, während draußen vor der Tür die Hitze brüllt.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Architektur, Fotografie, Kunst, Leben, Philosophie, Psyche, Zimmerreise | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 8 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Schlangen-Hieroglyphen (wer kann sie lesen?)

In meinem Atelier fand ich vor einiger Zeit zwei winzige Schlänglein, die offenbar verdurstet waren. Ich hob sie vorsichtig vom Boden auf, fotografierte und zeigte sie hier, zusammen mit früheren Schlangenbildern.

Nun fand ich ein drittes Schlänglein, so dass mein Schlangen-Alphabet nun aus drei Zeichen besteht. Und schon entsteht ein Text, je nachdem, wie man die Zeichen ordnet. Kannst du die Texte lesen? Und welcher sagt dir am meisten zu?

Dieser, No 1?

oder doch eher No 2?

oder vielleicht No 3?

Die rätselhaften Wesen warten auf eure Deutung.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Leben, Legearbeiten, Natur, Schrift, Tiere | Verschlagwortet mit , , , , | 20 Kommentare