Tagebuch der Lustbarkeiten: Rotgoldene Erde, goldgelber Kater

Im Olivenhain schräg gegenüber ist ein Bagger unterwegs und schachtet eine Grube fürs Fundament eines Hauses aus, das dort entstehen soll. Eine gewaltige Menge rotgoldener Erde hat sich zwischen den Oliven angehäuft. Ich kletterte vorhin den Hang hoch, um einen Blick auf die Baustelle zu werfen. Erfreulich ist, wie sorgfältig die Grabung die Olivenbäume umgeht. Schon zuvor hatte ich gesehen,  dass die Kronen der wenigen Bäume, die dem Neubau im Wege sind, abgesägt wurden. Die Wurzelstöcke mitsamt einem Stück Stamm können so umgesetzt werden und wieder sprießen bzw gepfropft werden.

Der dicke Kater und seine Nachkommen haben dieselbe goldgelbe Tönung wie die hiesige Erde…

 

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Jahresthemen zur Wahl: a) Diaphania aka Transparenz

Das Welttheater des Jahres 2023 verabschiedete sich mit einem Themenbild, das von der Dame Transparenz aka Diaphania dominiert wurde (Diaphania ist griechisch, Transparenz lateinisch).   Sie hat im laufenden Drama nur wenige Auftritte gehabt, aber im Schlussbild stand sie plötzlich da.

 Am 1. Januar überlegte ich dann:

„Ob mir noch eine neue Leitfigur einfällt, um dem Neuen Jahr eine Form zu geben? Das wäre vielleicht eine Idee: Transparenz ist kein so schlechtes Motto.“

Johanna kommentierte zustimmend: „Ja, Transparenz ist gut, so klar wie das Wasser da bei Euch“. 

Lyrifant bestärkte mich: „Transparenz wäre doch ein schönes Thema – sowohl philosophisch-gesellschaftlich wie auch in Hinblick auf die Materialien …“

Dieses „wie auch in Hinblick auf die Materialien …“ elektrisierte mich. Genau! Hatte ich nicht schon mit „Überblendungen“ experimentiert? Aus dem „philosophisch-gesellschaftlichen“ und politischen Thema ließe sich sicher auch künstlerisch was machen. Wie? Was? Das weiß ich noch nicht. Aber mein Hirn fing an zu rattern. Danke, Sabine!

Ich weiß noch nicht, ob es dieses Thema wird, denn es stehen noch weitere zur Auswahl.

Wer war diese „Transparenz“ des Welttheaters? Einiges erfahren wir im Vorstellungsgespräch, das Dora noch vor Beginn mit der Dame Diaphania führte.

12.12.2022 (Dora interviewt die Kandidaten)

Dora: „Ich glaub, ich nehm heute die Transparenz, die sieht so durchsichtig aus, da wird es leicht sein.“

Nachdem sie Diaphanias Bewerbungsschreiben durchgelesen hat, ist sie nicht mehr so sicher:

„Was fehlt, ist Transparenz! Sie fehlt in allem: In der Politik, der Wissenschaft, den Medien, der Geldwirtschaft, sie fehlt auch in den Motiven der Menschen, die Besserung versprechen.“ Scheinheiligkeit-Verlogenheit- Täuschung sei das größte Gegenwartsproblem. Was also am meisten vonnöten sei, sei Transparenz in allen Angelegenheiten…

„Klingt überhaupt nicht leicht“, seufzt Dora. „Sie sagt nur, wo sie nicht ist. Wie soll ich jemanden befragen, der fehlt? Aber egal, ich werde diese Transparenz schon auftreiben.“

Tatsächlich findet Dora sie in der Abteilung Stadtplanung, wo ich sie am wenigsten vermutet hätte. Fast hätte sie sie übersehen, da sie sich perfekt in die komplizierten Entwürfe für den neuen Stadtteil einpasste.

„Hallo, Transparenz, wie gut, dass ich Sie antreffe!“ kräht Dora los. „Ich möchte Sie wegen Ihrer Bewerbung fürs Jahr 2023 befragen. Was meinen Sie damit, dass Sie überall fehlen?“ – „Nun, hier bin ich am Werk, aber wie du siehst: Es ist kompliziert. Ich muss die vielen Verbindunglinien, Knoten, Kreise und Überschneidungen des Planungsbüros mit anderen Abteilungen und Interessenten überprüfen. Du darfst mich übrigens gern duzen.“ – „Könntest du mir bitte erklären, wie du das mit dem Überprüfen machst?“

Die Transparenz überlegt kurz und meint dann: „Dies ist eine zu komplizierte Materie für einen jungen Menschen wie dich. Ich werde dir meine Arbeit in einem anderen Sektor erläutern. Es handelt sich um den Sektor „Mythos und Geschichtsfälschung“…..

Den Rest kannst du bei Bedarf nachlesen (hier). 

………………

„Transparenz ist das, was fehlt“. Deshalb also hatte sie im abgelaufenen Jahr auch kaum Auftritte. Schon bei ihrem ersten Auftritt  (2. Januar 2023) kommt sie erstmal nicht zu Worte (hier). 

Am nächsten Tag hat sie dann doch ihre Chance  (https://gerdakazakou.com/2023/01/03/welttheater-2023-2-januar-debuet-fortgesetzt/) :

Unter dicken Schichten der Täuschung

liegt Wahrheit verborgen,

Kratzt du, riskierst du Enttäuschung

und ernsthafte Sorgen.

 

Doch das soll dich nicht erschrecken

die Wahrheit ist’s wert

Zu suchen, was sie verstecken

ist niemals verkehrt.

Das klingt ja … nun … wie aus einem Ratgeberbuch. „Niemals verkehrt“, „Enttäuschung riskieren“ .. also ich weiß nicht. Es muss doch noch einen etwas handfesteren Beitrag von ihr geben. Aha, ja! Sie legt sich mit Schurigel, dem Angstmacher an.

Schurigel:

„Der Mensch versuche die Götter nicht
und begehre nimmer und nimmer zu schauen,
was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen“.

So sprach schon Schiller, so spreche auch ich!

Was hinter dem Vorhang, ist fürchterlich

Was kommt, ist schrecklich, ist Krankheit und Not,

 Und wenn du nicht aufpasst, dann holt dich der Tod!

 

Diaphania hebt ihre Lupe und beäugt Schurigel:

Du bist ein aufgeblasener Wicht,

das seh ich klar

Du glaubst selbst deine Worte nicht

sie sind nicht wahr.

———

Also, das imponiert mir. Ich erkenne selten so schnell, was an Worten, Menschen oder einer Sache dran ist. Diaphania hat diese Gabe. Vielleicht lohnt es sich wirklich, sich näher mit ihr anzufreunden.

Was hat sie denn sonst noch zu sagen?

Am 8. Februar des Jahres 2023 sind sich die Dichterin Domna und Tschinn der Macher in die Haare geraten. Tschinn will am Strand einen Bau hochziehen und beruft sich auf das Recht des Stärkeren. Er beleidigt Domna, Jenny und auch Trud, die irritiert fragt:

Trud:

Er hat wohl keinen guten Stil?

von Transparenz hält er nicht viel?

Clara:

Da kommt sie schon! die hohe Dame!

Ich frag sie mal, ob das ihr Name.

 Wenn es dich interessiert, wie die Dame Diaphania argumentiert und handelt, dann kannst du bei Recht gegen Recht nachlesen. Hier der wesentliche Auszug:

Diaphania:

Sprich, guter Mann, was ist dein Argument

was dein Begehr, und was dein Dokument?

Tschinn:

Ich bin zwar keine Rechenschaft dir schuldig,

doch sag ichs gern noch mal: Dies ist Privatbesitz.

Ich habs den Damen eben schon geduldig

erklärt, dass ich hier baue einen Ruhesitz

 

für Menschen, die ihr Leben lang mit Fleiß

sich mühten und, am Ende von Erfolg gesegnet,

sich leisten können, müde vom vergossnen Schweiß,

dass Lust und Wohlsein ihnen hier begegnet.

Diaphania:

Sehr wohl, ich hab verstanden jetzt dein Argument.

Doch würde ich gern sehen auch das Dokument

das mir bezeugt, dass du zu Recht hier waltest

wenn du ein Wohngebiet für Reiche hier gestaltest. 

Tschinn:

Ein Dokument? O, das ist leicht gebracht.

(für sich) Denn wo das Geld ist, da ist auch die Macht.

Ich bring es euch, sobald ihr euch ausweiset

mir sagt, wer euch befugt und wie Ihr heiset.

Diaphania zieht mit einer sachten Bewegung den rechten Vorhang vor die Bühne.

Domna:

Nun hör auch mich, verehrte Frau.

Du siehst die Bucht, siehst auch das Meer, den Strand.

Du siehst den angefangnen Bau

den dieser Mann hier setzte in den Sand.

 

Ich sehs ja nicht mit Augen, weil ich blind,

doch in der Seele kann ich es erschauen,

wie hier ein freier Ort, an dem ein Kind

aus Sand wohl möchte Burgen bauen

 

nun abgesperrt nur noch die Reichen duldet.

Das ist nicht Recht. Die Erde dient uns allen

Und niemand ist, der ihr nicht Liebe schuldet.

Wer dürfte sich ein Stück für sich erkrallen?

Diaphania:

Nenn das Gesetz, auf das du dich berufst.

Domna:

Nicht ich wars, auch nicht du, die es erschufst

Es ist das Recht, das immer schon gegeben

und ohne das es gar nicht gäb das Leben:

Wer nimmt muss geben und der gibt, der nimmt.

Es wacht die Nemesis, das diese Rechnung stimmt.

Tschinn:

Was redst du da? wer ist schon Nemesis?

Die ist passee, auf die geb ich kein Schiss.

Inzwischen ist doch längst geklärt:

Nur ein Gesetz hat sich bisher bewährt.

Der Fitteste ist Herr, die anderen sind Knechte

Und wer sich durchsetzt, ist dann auch im Rechte.

 


Jetzt bleibt nur noch die Frage offen, wie Diaphania das Rechtsproblem löst. Im Welttheater kann man es nachlesen.

Diaphania (zu Tschinn):

Ich sehe, verstehe nun gut, wie ihr euch die Dinge

erklärt und was euch bedeutet das Recht.

Wenn es allein nach eurer Meinung nur ginge

Herr Tschinn, dann stünde es schlechter als schlecht

 

um unsere Welt, wo was ihm gefällt, sich jeder gleich raubt

Und wer als Erster erscheint, der nimmt was er will.

Ein solches Verhalten ist nicht mehr erlaubt

und war es schon nicht, als einstens Achill

 

die Tochter des Chryses, die schöne Chrisseis

von Agamemnon forderte, die dieser selber begehrte.

Apoll bestrafte sie beide, und auf sein göttlich Geheiß

schon bald die wütende Pest das Lager der Griechen verheerte.

 

So begann die Geschichte, die die Alten erzählten

und die bis heute noch nicht ist beendet

Begierden sind Räuber, sie plagen und quälten

die Menschen, so wurde die Erde geschändet.

 

Ich frag dich noch mal, hast du ein Dokument

das dich als Käufer und Besitzer nennt?

Hast du es nicht, so soll dies Haus verschwinden

Ein andres Urteil kann ich nicht erfinden.

 

Tschinn:

Ich habs nicht hier, ich bringe es dir morgen

nur keine Angst, ich werd es schon besorgen.

Wo ist Kairos, mein Biest, der wird gleich laufen

und ein paar Politbonzen kaufen.

 

Kairos? Kairos? wo bist du hin?

Ich bins, der ruft, ich bins, der Tschinn!

 

Er kommt nicht, er gehorcht mir nicht?

Was tu ich da, ich armer Wicht?

Was ich begonnen, ist zerronnen

und gar nichts habe ich gewonnen!

 

Das Gebäude löst sich in Luft auf.


Eine interessante Persönlichkeit, diese Diaphania des Welttheaters. Doch die ist nun mitsamt der ganzen Truppe abgetreten….

Aber vielleicht lässt sich ein neues Stück aufziehen, in der Diaphania die Hauptrolle spielt? Sie ist allerdings ziemlich blutleer und abstrakt.

Oder ich vergesse das Theater und die Poesie und behandle das Thema Transparenz nach Aspekten politisch-wissenschaftlich-künstlerisch in unterschiedlichen Kapiteln…. Mal sehen.

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Rose grüßt Aprikosenbaum

Die Rubrik „Lustbarkeiten“ werde ich weiter führen, denn es ist wichtig, sich gegen Negativnachrichten entsprechend zu wappnen.

Heute wars die neu erblühte Rose, die den Aprikosenbaum grüßte und mich erfreute.

Als Zugabe der Natur eine weitere Knospe am Rosenbusch.

Der weiße Rosenbusch kanns auch.

Na also!

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Dora, hilf! Auf der Suche nach einer Idee.

Lamento (ich)

Das Neue Jahr hat zwar erst grade angefangen

Doch habe ich bereits begonnen sehr zu bangen.

Warum? Die Dora fehlt, um mir, wie sonst geschehen,

beim Finden von Geschichten beizustehen.

Mir fällt nichts ein! Und niemand gibt mir Tipps.

Soll ich denn ganz allein jetzt quälen meinen Grips?

 

Lass dir mal Zeit, so rät der liebe Jürgen mir

Der hat gut reden, denn er kennt ja sein Revier.

Ich aber nicht! Soll ich den dunklen schweren Dingen

mit denen heutzutage viele Menschen ringen

mich ernsthaft widmen und sie transparent beschreiben?

Nein, lieber nicht! es würde mich zum Wahnsinn treiben.

 

Ich liebe es viel mehr, den schönen Schein zu wahren

Die Transparenz ist herrlich, wenn im Meer, dem klaren,

die Steine dir vom Grunde weiß entgegenfunkeln.

Doch manche Dinge bleiben besser ganz im Dunkeln.

Die Wahrheit ist nur schön, wenn schön ist, was sie zeigt.

In vielen Fällen ist man gut beraten, wenn man schweigt.

 

Wie wärs mit Katzen? wie mit Blumen, Bäumen?

Wie wärs mit Wetter, wie mit Träumen?

Mit Einkaufsbummeln, Essen und Berichten

von Kummer, Freuden, Alltagspflichten?

Wie wärs mit Reisen, Künsten und Genuss?

mit Unglück, Trauer und Verdruss?

 

Gewiss, die Themen sind ja alle noch vorhanden!

wenngleich inzwischen schon ein bisschen abgestanden.

Ich tät gern wirklich Neues, Ungesagtes mir ausdenken

und nicht auf Altbekanntes oft Gesagtes mich beschränken.

Was soll ich tun,

ich armes Huhn!

Mir fällt so gar nichts ein, ist alles schon gesagt.

Ich hätte allzu gern die Dora mal gefragt.

 

Aus dem Off (Dora)

Was ist denn das für ein Gejammer!

Grad wie aus einer Folterkammer!

Wo fehlt es, Frau, was hast du bloß!

Seit wann bist du denn einfallslos?

 

Nimm doch zur Hand ein Stück Papier

Komm her zu mir, ich reich es dir,

reiß es in viele Stücke nun

und schon hast du genug zu tun.

 

Du kannst, du weißt es, Welten bauen

mit dummen Menschen und mit schlauen

kannst Flügel geben den Kaninchen

und Flossen auch den Honigbienchen.

 

Was geht dich an die Wirklichkeit!

Was wichtig ist, ist Heiterkeit.

Ich

Lass sehn, gib her mir das Papier

wer weiß, vielleicht, gefällt es mir,

vielleicht kommt meine Fantasie zurück

und mir fällt ein ein neues Schelmenstück…

Doch was für eins? wie sollen die Figuren sein?

 

Dora

Egal, machs wie du willst, ich lass dich jetzt allein.

Ich

Ich weiß nicht recht, denn ist das wirklich neu?

Und reicht es aus, dass es den Mensch erfreu?

Ich schau mal, was ich schon an Typen habe,

wenn ich ein bisschen im Archive grabe.

Jetzt erstmal zehn, und morgen seh ich weiter.

Vielleicht bin ich bis dann auch schon gescheiter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Erster Januar Zweitausendvierundzwanzig

Noch habe ich keinen Einfall, was dieses „Neue Jahr“ charakterisieren wird bzw soll. 2021 war es der willensstarke Willi, der sich im Laufe der Zeit in Willie wandelte und schließlich ganz verschwand. 2022 war es Dora, die liebenswerte Schenkerin mit der Latüchte. 2023 brachte uns das Welttheater, mit Domna, der blinden Poetin, als Leitfigur, mit Clara, Jenny, Danai, Trud und all den anderen Darstellern.

2024? Gestern kamen mir nur düstere Assoziationen. Der Nachthimmel sah auch merkwürdig aus, und kein Stern war zu sehen.

Nein, sagte ich, kommt gar nicht in Frage, dass ich dem Angstmacher zu Diensten bin. Bevor ich das Jahr aufs falsche Gleis setze, warte ich lieber ab und sehe, wie es sich zeigen will.

Und siehe da: Es zeigte sich bisher in allerbester Stimmung! Nach dem Aufstehen, Katzenfüttern, Frühstücken … machte ich mich auf den Weg zum Meer. Unterwegs hielt ich bei den alten Oliven..

machte bei einer Blüten überrankten Pforte halt und plauderte mit Herr und Hund ,,,,

und wanderte entlang der Akrogiali-Bucht…

bis zur Sandova-Bucht, hier mit Blick zurück auf Akrogiali.

Bei Hobos Bar, deren Sonnenschirme und Sommerinstallationen wie jedes Jahr Wind und Wetter überlassen blieben, machte ich halt, um ein wenig zu zeichnen. Ich mag diese chaotische Welt von sinnlosen Formen und habe mich schon früher mal an ihnen abgemüht (Fotos hier. Fotos und Zeichnungen hier). Ich mag auch die Symbolik.

Dies mein heutiger Versuch.

Doch dann zog es mich ins Meer. Schwimmen am 1. Januar, wie lange hatte ich das nicht mehr getan? Kalt war das Wasser, ja, aber sehr erfrischend, und ich hatte es gar nicht sehr eilig, wieder rauszukommen.

Dann über den Felsvorsprung spazieren, weitere Fotos machen, einen salzigen Salat sammeln …

und über Akrogiali zurück. Am Minimarkt eine Blüte bewundern, die zusammen mit einer Katze und einem gelben Abfalleimer ein hübsches Stillleben bildete.

Der Anstieg durch den Olivenhain fiel mir heute leicht. Und als ich in unseren Garten trat, das goldrote Laub des Aprikosenbaums, die weißen Rosenblüten, den roten Hibiskus und die Katzenmeute begrüßend, dachte ich:

Ein schönes Jahr wird dieses 2024. Ist ja auch eine schöne harmonische Zahl…

Mein Mann hatte inzwischen einen Braten im Backofen vorbereitet und den Tisch gedeckt (im weißen Schälchen der Salat, den ich an der Küste gesammelt hatte).

Eine Wassilopita – den traditionellen Kuchen, den man am 1. Januar anschneidet – hatten wir gestern schon bei Freundin Nena besorgt. Der Glückspfennig steckte im Stück „fürs Haus“. Auch das ist ein gutes Omen. Denn wenn es dem Haus gut geht, geht es auch allen darin Wohnenden gut.

Nun darf es also beginnen, das neue Jahr. Ob mir noch eine neue Leitfigur einfällt, um diesem Jahr eine Form zu geben?

Im Welttheater war es die Figur der Transparenz, die zuletzt die Szene beherrschte. Das wäre vielleicht eine Idee: Transparenz ist kein so schlechtes Motto.

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Welttheater: 5. Akt (Schluss)

In Kürze wird sich der Vorhang des kleinen Welttheaters 2023 endgültig schließen und seine Kulissen abbauen. Die meisten Darsteller sind bereits abgereist. zwei aber sind zurückgeblieben: Trud, die immer noch Fragen hat, und So-wie-du, die natürlich auch ein paar Fragen hat und gerne die Antworten wüsste.

Trud ist freilich nicht die richtige Person dafür, Antworten zu liefern, aber So-wie-du lässt sich davon nicht abschrecken. Denn besser mit einer Fragerin zusammensein als ohne Frage und Antwort dazustehen.



So-wie-du:

Trud, was siehst du, sag mit bitte

wie wird dieses Neue Jahr?

Denn bei meinem ersten Schritte

wittere ich schon die Gefahr.

 

Beim ersten Schritte, sagte Goethe

da bist du frei und ungebunden

doch schon beim zweiten er geböte

die Richtung die du grad gefunden.

 

Drum sag mir, bitte, welche Richtung

die richtige für uns wohl sei?

Führt links uns gradwegs zur Vernichtung

führt rechts uns in die Barbarei?

Trud

Was soll ich dir sagen?

Ich kann ja nur fragen!

Hast du denn Angst? Und wenn wovor?

Wer Angst hat, der ist wohl ein Tor?

So-wie-du

Ja, ich fürchte mich gar sehr.

Schon allein dies große Meer …

Schaurig ists, mit dem Gefunkel

und gleich wird es auch noch dunkel

Kommt ein Sturm vielleicht gebraust?

Ach, vor Stürmen es mich graust!

 

Trud

Hilft die Angst dir, die Gefahr zu meiden?

Wird sie dir nicht jeden Spaß verleiden?

Wär es besser nicht, der Lust am Leben

sich genüsslich hinzugeben?

So-wie-du

Freilich, ich mag gerne lachen

und mit Männern Späße machen

und am liebsten tanz ich nackt

nach nem süßen Walzertakt.

Trud

Wenn es so ist, was hindert dich daran?

So-wie-du

Es fehlt mir dazu wohl der rechte Mann.

Der Mann ist irgendwie nicht gut erschaffen

es gibt die Rüden und es gibt die Schlaffen.

Die Wissenschaft hat noch nicht rausgefunden

wie man sie züchtet, so wie bei den Hunden.

Trud

Züchtet man nicht bereits den Menschen aus den Samen

die man entnimmt den Schönsten aller Damen?

Und nimmt dazu auch Spermen von den Herrn

die unvergleichlich sind wie von nem andern Stern?

So-wie-du

Du meinst das Menschlein, gleich aus der Retorte!

Humunculus genannt, der Goethe fasst’s in Worte!

Das wäre fein, vielleicht in diesem Jahr

das wäre toll und wunderbar!

 

Und wenn es mit der Züchtung nicht so geht

weil das Gesetz dagegen steht

so könnte doch ein Raumschiff einen bringen

der etwas taugt, das müsste doch gelingen.

 

Trud

Bist du dir sicher, dass du das Ergebnis

dann auch erfährst als fröhliches Erlebnis?

Kann es nicht sein, dass all die Kunstgestalten

am Ende uns und wir nicht sie verwalten?

 

Wer wird denn sorgen, dass die Transparenz nicht fehlt?

Und dieser Kunstmensch nicht den Rest der Menschheit quält?

 

So-wie-du

O schau, du hast die Transparenz gerufen!

und auch die andern sind nun plötzlich da!

Domna

So ist es, denn die uns erschufen

die wollten uns noch einmal sehn von nah.

 

Sie wollten, dass dies Welttheater

nicht endet wie ein Schelmenstück

Die Dichterin sowie auch ihr Berater

sie riefen uns ein letztes Mal zurück.

 

Um was zu tun?

Um ein Gedicht des Friedens, das, an Heutige gerichtet,

aus fernen Zeiten klingt, in denen es erdichtet.

 

Ich werde es euch sagen, es ist mein Geschenk

für wirre Zeiten, wenn ihr uns eingedenk,

nach Frieden, Freundschaft und ein wenig Glück

euch sehnt: die bringt es dann zurück.

 

Die Welt ist schön

Die Welt ist schön, die Welt ist gut, gesehn als Ganzes
Der Schöpfung Frühlingspracht, das Heer des Sternentanzes.

Die Welt ist schön, ist gut, gesehn im einzelst Kleinen
Ein jedes Tröpfchen Tau kann Gottes Spiegel scheinen.

Nur wo du Einzelnes auf Einzelnes beziehst
Oh, wie vor lauter Streit du nicht den Frieden siehst.

Der Frieden ist im Kreis, im Mittelpunkt ist er.
Drum ist er überall, doch ihn zu sehn ist schwer.

Es ist die Eintracht, die sich aus der Zwietracht baut,
Wo mancher, vom Gerüst verwirrt, den Plan nicht schaut.

Drum denke, was dich stört, daß dich ein Schein betört
Und was du nicht begreifst, gewiß zum Plan gehört.

Such erst in dir den Streit zum Frieden auszugleichen
Versöhnend dann soweit du kannst umherzureichen.

Und wo die Kraft nicht reicht, da halte dich ans Ganze;
Im ewgen Liebesbund steht mit dir Stern und Pflanze.

—————-

Friedrich Rückert (*1788  †1866). Ich danke von Herzen Ulrike Sokul, die dieses Gedicht zur Jahreswende am 29.12.2023 in ihrem Blog veröffentlichte.

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Warten auf…

Unser Mittagessen nehmen wir heute am Strand ein.

Auf den zusammengefalteten Sonnenschirmen haben drei Möwen Aufstellung genommen, vermutlich um des besseren Überblicks willen.

Unten auf dem steinigen Strand stehen noch mehr Möwen, dazu auch etliche Tauben. Eine Debattenrunde hat sich abgespalten. Was sie reden? Das kann ich von meinem Platz aus nicht verstehen.

Aha! Offenbar ist die Debatte beendet. Die Tauben stellen sich auf und blicken in Richtung Osten. Liegen da nicht die Dardanellen, durch die das Neue Jahr anrollen wird?

Auch die Jungmöwen blicken nun nach Osten. „Gleich kommt es, gleich kommt es“, krächst die eine. Sie ist unerfahren und weiß nicht, dass es noch eine kleine Ewigkeit braucht, bis das Neue Jahr anrollt. Wie viel kann da noch geschehen!

Ich aber weiß es, denn ich bin schon etliche Male in ihrer Situation gewesen, und so schaue ich ohne innere Aufregung zu, wie sich dieser 31. Dezember 2023  und mit ihm das ganze vergangene Jahr ohne Eile im Strome der Zeiten auflöst.

Inzwischen ist das Neue Jahr längst aus dem Chinesischen Meer aufgetaucht und rollt über den asiatischen Kontinent dahin. Den dort Lebenden ist es freilich ziemlich egal, sie brauchen es nicht, sie haben andere Sorgen und eine andere Jahreszählung. Wir aber freuen uns wie die Kinder vor der Bescherung: weg mit dem alten Plunder, her mit dem Neuen!

Na dann: Prosit! Es möge nützen.

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Welttheater. 5. Akt (Abschied der Truppe, Trud und So-wie-du bleiben noch)

Das Welttheater, das am Ersten Januar 2023 startete und zwischendurch eingeschlafen war, ist in den letzten Tagen des Jahres noch einmal aktiv geworden. Alle Mimen betreten ein letztes Mal die Bühne, sagen ihr Sprüchlein auf und gehen ab. Alle? Nun, ein paar glänzten durch Abwesenheit. Und einige sind noch nicht abgetreten, sondern harren der Dinge, die noch kommen wollen.

Was zuletzt geschah: Schurigel (Angstmacher) kam und ging,  Isolde (Hedonie) trat an seine Stelle, verbreitete statt Angst Lebensfreude und sang ein paar Verse ihres Lieblingsliedes – Schillers „Lied an die Freude“. Das Paar und So-wie-du traten auf. Jenny und Clara und Danai gaben ihre Kommentare ab. Wichtelboss Hobo mahnte zum Aufbruch, da bald der Vorhang des Jahres falle.

Und so geschieht es.

Domna

Nun wollen wir in Frieden scheiden

ein jeder finde seinen Pfad

Lasst uns den Abschiedsschmerz vermeiden

das ist vorerst mein letzter Rat.

 

Jenny

Auf, lasst uns dieses Schiff zerschneiden

so dass ein jeder eines hat

und niemand brauchts dem andern neiden.

Ich selbst brech auf nach Halberstadt!

Clara

Ich bleib bei Domna, sie zu führen

denn eine Führung braucht auch sie.

Ein Dichter öffnet viele Türen,

sich selber helfen kann er nie.

 

Jenny

Ein Kind als Führer – meinetwegen!

Mir selber wär ein Mann ganz recht

Ich brauch zwar niemand, mich zu pflegen

jedoch ne Stütze wär nicht schlecht.

 

Danai

Ich lebe schon zum vielten Mal

seit Angebeginn der Zeiten schon.

Ein Bötchen nehm ich meiner Wahl

Für mich ists keine Endstation.

Das Paar

Und wir? wohin willst du, mein Schatz?

Entscheide du die Wege und das Ziel.

 

O nein, ich folge dir an jeden Platz

und zieh im Strom von deinem Kiel.

 

Entscheiden mag ich nicht, so lass mich fragen,

wohin ich steuern soll, du mussts mir sagen.

 

dein Wunsch allein

soll mir mein Logbuch sein.

 

So wollen wir nur gleich vonhinnen gehn,

ich mag nicht gern mit vielen Menschen sein.

 

Hab für ne feine Wohnung in Athen

den Schlüssel schon, da sind wir dann allein.

(beide gehen ab)

Trud

Und ich? was wird aus mir jetzt werden?

Geh ich aufs Boot, bleib ich an Land?

Für eine Fragende ist jeder Ort auf Erden

ein Rätsel und im Wesen unbekannt.

 

Domna

Adieu, ihr Lieben, grüßt das Neue Jahr!

Clara

Mit euch zu reisen, war ganz wunderbar!

Jenny

Ich hoffe sehr, ihr habt stets was zu essen!

Danai

Ich hab dies kurze Jahr bereits vergessen.

Trud

Seid ihr auch sicher, dass das Jahr zu Ende?

Ist dies denn wirklich schon die Zeitenwende?

 

Ich bleibe noch, ich muss noch Fragen stellen

bevor das Jahr durchquert die Dardanellen.

(Trud verlässt das Boot und geht an Land. Die andern segeln davon)

So-wie-du

Du bleibst? Hast du denn keine Angst, so ganz allein?

Ich mag viel lieber in Gesellschaft sein.

Auch wüsst ich gerne, was das Neue Jahr so bringt.

und welches Glück und Unglück uns da winkt.

 

(Anmerkung: Die vielen Boote sind tatsächlich aus dem einen Gebilde, das die Wichtel gebaut und gestrichen haben, durch Zerschneiden entstanden.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbareiten: Kommentare lesen und Jahresbilanz verfassen

Wohlwollend-intelligente Kommentare zu den eigenen Einträgen zu lesen, gehört unbedingt zu den Lustbarkeiten des Bloggens. Weniger wohlwollende gibts natürlich auch, die stecke ich weg oder denke drüber nach, warum und wieso.

Die wohlwollenden-wohl formulierten, die ein Lächeln nicht nur ins Gesicht, sondern auch ins Herz zaubern, sind eine besondere Labsal. Ein solches Labsal ließ mir der geschätzte Bloggerfreund, Leseexperte und Buchausleger Alexander Carmele heute zukommen, indem er unter die „Welttheater“-Szene schrieb:

„Deine Reime lockern meine Gehirnwindungen auf. Stoisch auf den Reim bestehen, hat etwas sehr Lebensfrohes.“

Ich las es, noch im Bett liegend, auf dem Handy, lächelte zufrieden und tipselte meine Antwort. Sie ist zugleich Verabschiedung vom nun Alten Jahr 2023:

Stoisch auf den Reim bestehen,

mag die Welt auch untergehen –

das ist Kunst, ist auch Vergnügen,

wenn die Sätz sich trefflich fügen.

Tun sie’s nicht, ist’s minder schön,

doch auch so mag es mal gehn.

Wie in der Kunst so auch im Leben

muss man manches sich vergeben!

In diesem Sinne!

Leer den Becher bis zur Neige, auf dass sich der Goldgrund zeige.

Trink mit einem Schluck den Rest, denn beendet ist das Fest.

War es süß, so sage: Bleib!

und erwärme mir den Leib.

War es bitter, lass es gehn

denn es ist nun mal geschehn.

 

Willst du jetzt ein Schiff besteigen

musst zur Rechten du dich neigen.

Lockt dich mehr das Sternenreisen

um im All herumzukreisen

gehe links und fass den Schwanz.

 

So endet diese Jahr-Bilanz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater, 5 Akt. Angstmacher (Schurigel), Hedonie (Isolde), das Paar, So-wie-du

Was zuletzt geschah:

Nach Wiedereröffnung des Welttheaters am 10. Dezember haben sich zuerst die blinde Dichterin Domna und das Kind Clara eingefunden. Die Wichtel zimmerten unter der Leitung von Wichtelboss Hobo ein Gerüst und strichen es leuchtend gelb. Dann rief Hobo „die anderen“ der Truppe, die das laufende Jahr vertreten.Es erschienen

Jenny-the-Kid, Tschinn-der-Macher mit Kairos, Hera und die Spirits, Danai und Trud,  Wilhelm und das Traumwesen, das Wilhelm mit der wirklichen Isolde verwechselt. Jenny versucht vergeblich, ihn in die Realität zurückzubringen.

Wilhelm und das Traumwesen verblassen. Hera und die Spirits verschwinden. Auch Tschinn zieht mit Kairos ab. Auf  der Bühne sind jetzt noch Clara, Domna, Jenny, Danai, Trud und die Wichtel.

Wieder ruft Hobo, ob noch jemand  auftreten will.

Hobo:

Hört ihr den Ruf, so kommet prompt!“

Nun lasst uns sehen, wer noch kommt.

Nanu, das ist ja eine schreckliche Gestalt!

Ich würde fürchten mich, wär ich nicht alt.

                Danai    Schurigel   Trud      Jenny / Domna  Wichtel  / Clara            Hobo

Schurigel, der Angstmacher

Ihr sammelt euch jetzt an des Jahres Schwelle?

Das lob ich mir, da bin auch ich zur Stelle.

Denn schlimm war dieses Jahr, das nächste wird noch schlimmer

ich höre schon den Jammerton, das elende Gewimmer

der Menschen, die die Höllenqualen

des Kommenden sehr bunt ausmalen.

 

Es macht mich lustig, macht mich lachen

wenn überall die Bomben krachen.

Ja, habt nur Angst, recht so, denn ihr habt Grund dazu.

Im nächsten Jahr da findet ihr nicht Fried noch Ruh.

 

Und ist es nicht der Krieg, so kommt bestimmt ne Seuche

und niemand gibts der schwarzem Tod entfleuche.

Und lebt er doch, so wird er ganz verarmen

und noch den Tod anflehen um Erbarmen

dass er ihn nimmt und ihn erlöst von Pein.

O ja. das neue Jahr wird katastrophisch sein.

Jenny

Ich fürcht dich nicht

du blöder Wicht!

Mag kommen was da will!

und jetzt sei endlich still!

 

Denkst du, die Clara mag das hören?

Willst du die Lebenslust ihr stören?

Sprich du, Danai, du bist doch klug.

Sag du zu ihm: es ist genug!

Danai

Zu allen Zeiten wurde schwer gelitten

weil immer Menschen gegen Menschen stritten.

 

 

Des Menschen Herz ist sehr verletzlich.

Doch ach! der Menschen Taten sind entsetzlich.

Es gibt die, welche Hunde auf uns hetzen

die sich an unserm Schmerz, an unsrer Angst ergötzen.

 

Der Mensch ist oft des andern Menschen Feind

und durch viel Leid ist manches Herz versteint

Doch lebt gleichfalls so manches edle Herz

das fühlt des anderen Menschen Schmerz

 

und weint mit ihm und tröstet, wenn er kann.

Die Angst, die vorher war, erlischt sodann.

Und tobt die Unbill noch so arg

Wer hilft, der fürchtet nichts, denn er ist stark.

Schurigel

Mit dir hat man’s nicht leicht, du tapfre Frau

Ich hab’s gesehn, erinner mich genau.

Als man in schwachem Boote in die See einst stach

Als hoch die Wellen gingen und der Mast zerbrach

 

und als der andre fürchtete die Welle

 warst du als erste neben ihm zur Stelle

Die Welle nahm dein Kind, ich hört dich klagen

doch nimmer sah ich dich vor Angst verzagen.

 

Danai

Sprich nicht von meiner Not, es ist nicht deine.

Ich bitt dich, geh! und lass uns hier alleine.

Schurigel:

Ich geh ja schon, bin schon gegangen.

Mögst unverzagt ins Neue Jahr gelangen.

Auch wenn es mir bereitet Frust:

Ich mache Platz für Lebenslust.

Jenny

Was ist denn das?

Verstehst du was?

Wo eben noch der Schurigel gestanden

ist nun ne andere Figur vorhanden!

Das ist, so scheint mir, die Isolde,

des armen Wilhelm seine Süße Holde!

Clara

Und auch das Paar und die Ich-bin-wie-ihr!

Die sah ich beinah nicht im Spiele hier.

 

 

Das Paar

Wenn die Angst die arme Brust nicht verschnürt

das Glück man sogleich in den Adern verspürt.

Es fließt mit dem Blutstrom und macht uns gesund

und freudig findet zum Munde der Mund.

Hedonie (Isolde) singt:

Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod.
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott….

Freude heißt die starke Feder
In der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
In der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt….*

So-wie-du (zu Hobo)

Ich versteh nicht viel, doch möchte ich euch gleichen.

Wie kann ich das am einfachsten erreichen?

Hobo

Wem willst du gleichen? Denen oder mir?

So-wie-du

Am liebsten allen, doch zuerst nur dir.

Hobo

Wer allen gleichen will,  der wird ganz unerkennbar

ist ohne Namen und ganz unbenennbar.

Du gleichst vielleicht der Laus auf meinem Haupte

doch dort zu wohnen, ich dir nicht erlaubte.

So-wie-du

Du bist nicht nett, ich geh ein bisschen wandern.

und seh mich um, dann gleiche ich den andern.

Die Frau da drüben ist sehr elegant

der möcht ich gleichen, das wär amüsant.

Hobo

Genug! Ihr Wichtel, packt die Sachen ein

Wir lassen diese Menschen jetzt allein.

Ihr Jahr ist um, gleich lösen sie sich auf.

Kommt her und überlasst sie nun des Schicksals Lauf.

 

Hedonie (singt)

Freude sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmut Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmut – –
Brüder, fliegt von euren Sitzen,
Wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel sprützen:
Dieses Glas dem guten Geist.*

………..

 

*Schiller, Lied an die Freude

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schrecklich auch ist, was als Strafen den Taten stets folgte.

Einst, vor viel tausenden Jahren an eben demselben Strande

landeten Frauen, die zuvor am großen Strome wohl lebten

Fünfzig sind es gewesen, so erzählen die alten Geschichten.

Hier am argischen Strand, Schutz vor Verfolgung erflehend.

Dort, woher sie gekommen, sollten sie, ohne die Männer zu lieben

diesen gewaltsam gegeben und untertänig gemacht, sie bedienen.

Grausam das Schicksal, sie flohen und fanden auch endlich hier Zuflucht.

Denn die Götter geboten den Menschen, Asyl zu geben den Armen.

Wenig Zeit nur verstrich, da kamen die verfolgenden Männer

Drohten den Argos-Bewohnern und klirrten mit bronzenen Waffen:

Gebt uns die Frauen heraus, sie sind und bleiben die unsern!

Angst befiel die Bewohner, die Tore öffneten sie, und die Männer

Griffen sich welche der Frauen sie wollten und machten sie hörig.

Doch in der Nacht, noch ehe über dem Meere die Sonne

ihren Rundgang begann, erschlugen die Frauen die Männer.

Eine nur hatte den Mann, der sie nahm, mit Liebe umgeben

Einer wars nur, der dem nächtlichen Schlachten entkommen.

Von diesen beiden entstammen nun all unsere spätern Geschlechter

Danaiden genannt, und die Männer Danaer, Ägypter und Griechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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