Dossier: „Wie wir diese Zeit erleben“

Wir waren in Kalamata, um Nahrungsmittel einzukaufen. Anderes gibt es nicht während des Shutdown. Sogar in den Supermärkten sind die Abteilungen, wo man Bücher oder Zeichenblöcke, Kochtöpfe oder Koffer, Unterwäsche, Hausschuhe oder Trainingsanzüge, Gartengeräte oder Gartenzwerge  erstehen konnte, mit Planen zugedeckt. Warum?  Um den Wettbewerb mit den entsprechenden kleinen Geschäften, die zumachen mussten, nicht zu verzerren. Inzwischen gewinnen die online-Verkäufer.

Während mein Mann die Einkäufe erledigte, schlenderte ich, als ginge der lockdown mich nichts an, hinüber zum Bahnhofsmuseum. Unterwegs fiel mein Blick auf einen Haufen Kartons, ich griff mir einen als Zeichenkartonersatz und setzte mich in den Schatten einer Lok, kritzelte ein bisschen auf dem welligen Pappstück.

So masken- und grundlos auf dem Treppchen einer Lok sitzend und zeichnend, wollte ich am liebsten nicht gesehen werden. Denn das ist verboten. Mach deine Erledigungen und begebe dich dann schnellstens heim. Aber da kam eine junge Frau vorbei. „Gerda?“ rief sie erfreut. Ah, es war Hara („Freude“), 21 ist sie und Studentin. Zusammen spazierten wir ein Stück durch den sonnigen Museumspark, tauschten uns darüber aus, wie wir diese Zeit erleben.

Nach dem Einkauf fuhren wir bei einer Garküche vorbei, die zwar nicht als Taverne öffnen, aber das gekochte Essen in Alufolien-Schälchen an Kunden abgeben darf. Auch mit dem befreundeten Tavernenbesitzer und Koch, etwa 50 und Vater dreier kleiner Buben, tauschten wir uns aus darüber, wie wir diese Zeit erleben.

Ich schlug vor, uns am nahegelegenen Hafen auf eine Bank zu setzen und dort die Speisen zu uns zu nehmen – um des Tapetenwechsels willen. Aber der Wirt riet uns ab: die Polizei kontrolliert dort am Hafen, und es ist verboten, sich auf die Bänke zu setzen

Auf dem Rückweg fuhr ich an unsere Tankstelle heran, tankte und … tauschte mich, während ich aufs Füllen wartete, mit der Tankstellenbesitzerin, einer etwa 68 gutmütigen Frau mit Kindern und Enkeln, darüber aus, wie wir diese Zeit erleben.

Dann hielten wir noch beim Bäcker, und während ich am Steuer des Autos wartete, parkte neben wir ein anderer Wagen ein. Eine Uraltbekannte stieg aus. Ihr Mann hat uns vor 20 jahren unser Haus gebaut. Sie ist ca 60, kürzlich verwitwet, mit drei halbwegs erwachsenen Kindern, führt jetzt das Unternehmen.  „Wie habe ich dich erkannt?“ fragte ich sie verblüfft, denn außer einer eng anliegenden Gesichtsmaske trug sie eine Sonnenbrille.  Sie lüftete die Maske, nahm die Brille ab und lachte mich an. Und … wir tauschten uns aus darüber, wie wir diese Zeit erleben.

Und so kam ich auf die Idee, ein Dossier anzulegen: „Wie wir diese Zeit erleben“. Keine eigene Spekulation, keine Interpretation, keine Zahlen, keine Theorien, sondern ein einfaches Hinschreiben dessen, was mir die anderen sagen.

Das also ist mein „neuer Weg“ hinsichtlich der Coronafrage: nicht  von mir und meiner Perspektive werde ich erzählen, sondern von dem, was andere mir über ihre Situation und ihr Lebensgefühl sagen.

Das Format dieser Protokolle ist denkbar einfach: Ich stelle den Sprecher, die Sprecherin vor nach Geschlecht, Alter, Familienverhältnissen, soziökonomischer Lage. Dann folgen ihre Aussagen in Ich-Form. Ich werde freilich nicht mit dem Mikrophon herumgehen, sondern in meinem Gedächtnis niederschreiben, was sie mir zu sagen haben. Was immer ich aufschreibe, ist kein wörtliches Zitat, sondern ein stark eingedampftes Extrakt von dem, was ich behalten und verstanden habe.

Beispiel A

Frau, ca 60, verwitwet, zwei Töchter, ein Sohn, die jetzt junge Erwachsene sind. Der Sohn und eine Tochter haben im Ausland studiert, die andere Tochter in Athen, alle wohnen jetzt bei der Mutter. Sie führt ein kleines Bungalow-Hotel als Familienbetrieb, vermittelt Grundstücke, nutzt Räume für Joga und andere Aktivitäten, besitzt sicher auch ein paar Grundstücke und hat einige Ersparnisse.

„Wir haben kein Einkommen jetzt, auch keine Unterstützung vom Staat. Nichts. Also schränken wir uns ein und warten auf bessere Zeiten. Uns geht es gut, denn wir sind eine fröhliche Familie, die zusammenhält“.

Beispiel B

Frau, 21 Jahre alt, studiert in Athen, lebt jetzt, wie auch ihr Bruder, der ebenfalls als Student in Athen eingeschrieben ist, bei ihren Eltern in Kalamata. Die Athener Wohnung wurde aufgegeben.

„Ich fühle mich eingeschlossen, wie in einem Käfig. Meine Mutter bekommt von der Situation nicht viel mit, denn sie arbeitet normal (Apothekerin), aber mein Vater ist übel gelaunt und manchmal unerträglich, weil er nichts zu tun hat (er ist Fußballtrainer  und arbeitet mit Jugendlichen) und kein Einkommen hat. Die Stimmung zu Hause ist sehr angespannt. Ich weiß oft nicht ein noch aus. Ich sitze herum, kann mich auf nichts konzentrieren. Um auf andere Gedanken zu kommen,  habe ich schon vier Zeichnungen angefangen, aber keine zu Ende gebracht. Ich habe keine Hoffnungen, keine Perspektive. Was soll aus uns noch werden?“

Beispiel C

Mann, ca 50, verheiratet, drei kleine Kinder, als Koch international ausgebildet, arbeitet zusammen mit seiner Frau in eigener kleiner Taverne-Garküche. Er ist Hauseigentümer, seine Herkunftsfamilie war recht wohlhabend.

„Manchmal weiß ich nicht weiter. Ich kämpfe gegen Depressionen. Unsere Arbeit deckt gerade die Unkosten – Strom, Wasser, Angestellte, Steuern und Versicherungen -, für uns bleibt nichts übrig. Hätten wir nicht noch andere Einkünfte, ginge es gar nicht. Die Situation der Kinder ist schwierig, weil wir beide arbeiten. Ich habe keine Zeit, mich um sie zu kümmern, bin nur am Rennen. Es ist wie beim Fahrradfahren – du strampelst den Berg hoch, pausenlos, und dann kriegst du einen Platten, darfst schieben, solange du eben Atem hast.“

Beispiel D

Geschäftsfrau,  ca 68, verwitwet, betreibt eine Tankstelle, ihre zwei Söhne arbeiten im Betrieb mit.

„Wir kommen hin, ich beklage mich nicht. Wir haben zu tun, nicht so viel wie vorher, aber immerhin. Von dieser Tankstelle leben mehrere Familien, und solange sie läuft, geht es. Aber wielange gehts noch? Den jungen Leuten gehts nicht gut, sie haben keine Perspektive, sie tun mir leid. Viele werden depressiv.“

Beispiel E:

Frau, 55, geschieden, Mutter zweier Söhne, arbeitslos, lebt von der Arbeitslosenunterstützung und von Zuwendungen ihrer Mutter. Der Ex-Mann lebt in Zypern und ist ebenfalls arbeitslos. Der ältere Sohn ist in einer mittelgriechischen Uni eingeschrieben, der andere geht aufs Gymnasium, 12. Klasse. Beide Söhne leben jetzt in ihrem Haushalt.

„Es ist schwierig, denn die Unternehmen, die größere Projekte in Angriff nehmen wollten, haben zurückgesteckt, niemand stellt ein (sie ist Agrarwissenschaftlerin).  Der ältere Sohn vertrödelt seine Tage, anstatt endlich seine Flügel zu öffnen, der jüngere leidet darunter, dass er seine Kumpels nicht sehen kann (auf der Oberstufe ist Fernunterricht), er kann keinen Sport betreiben, das Institut für den Nachmittagsunterricht, das er umsonst besuchen durfte, ist geschlossen. Ich bin sicher, dass es immer schlimmer wird. So viele Unternehmen gehen bankrott. Die Großen gewinnen zu und die Kleinen gehen zugrunde. „

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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36 Antworten zu Dossier: „Wie wir diese Zeit erleben“

  1. Linsenfutter schreibt:

    Nicht alles ist für uns nachvollziehbar. Eines ist mir klar. Mit den „Entscheidern“ möchte ich nicht tauschen. Was sie auch machen … keine Chance auf allgemeine Anerkenntnis.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Jürgen. Ich möchte dazu keine eigene Meinung äußern. Mir wurde auf einmal deutlich, dass ich, obgleich ich mich oft für andere einsetze, eigentlich gar nicht genau weiß, wie sich die Situation für sie darstellt. Immer schauen wir ja aus der eigenen Perspektive auf die Dinge. Nun mache ich einfach mal eine Sammlung von Perspektiven. Vielleicht ergibt sich daraus am Ende ja auch ein Bild, das hilft, zu guten Entscheidungen zu kommen.

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      • Linsenfutter schreibt:

        Liebe Gerda, es sind eben schwere Zeiten. Man möchte sich äußern, hat eine Meinung, aber weiß nicht wie man sie formulieren soll, ohne andere zu verletzen oder zu nahe zu treten. Mir geht es genau so.
        Schwierig. Bleibe gesund und einen schönen Abend.
        LG Jürgen

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Jürgen, ich lebe so gesund wie möglich und sehe mich vor. Ich finde, das reicht. ich finde es unerträglich, dass wir jetzt durch tägliche Meldungen gezwungen werden, immerzu an Krankheit und Tod zu denken, anstatt unsere ganze Aufmerksamkeit dem Leben zuzuwenden. Wenn ich jetzt dieses Dossier zusammenstelle, so will ich von den Lebenden und deren Bedürfnissen Zeugnis ablegen.

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  2. elsbeth weymann schreibt:

    Oh, ja, das ist Zeitgeschichte. Alltagsgeschichte. Lebensgeschichten. Danke, Gerda ! erst einmal zum Wahrnehmen– und dann auch gegen das Vergessen, später. Es regt mich an, ebenfalls solche Gespräche aus kleinen Begegnungen zu notieren. Wir haben(noch?)nur einen Teil-Lockdown. Maske in allen Läden und in allen öffentlichen Verkehrsmitteln. Schulen, Kindergärten, Kitas sind geöffnet. Ich bemerke, wie sehr mich lautes Kindergeschrei, lachende, rennende, sich balgende Schulkinder, an denen irgendwo eine Maske herumbaumelt, zutiefst erfreuen. Wenn man es mit nur kleiner Bemerkung anstößt, sind die meisten Menschen gesprächsoffen. Vor allem auch alte Menschen. Und die Meinungen, Haltungen, Gedanken zu diesem ganzen Corona-Wahnsinn sind SO verschieden wie die Menschen, mit denen ich spreche. Ein Priester sagte mir, dass ein Gemeindemitglied ihn scharf angriff “ Wenn Sie das Sakrament verweigern, verletzten Sie im tiefsten Kern ihr Priesteramt“. Und ein anderer:“ Wenn Sie die Kommunion jetzt aufgrund von Bitten ausgeben, zeige ich Sie an.“ (Es ging um das Sterbesakrament). Nur ein KLEINES Beispiel…Was mir noch auffällt : die lebhafte, lebendige Sprache der Augen über den Masken, in allen Schattierungen und „Aussagen“…. liebe Grüße !!! Elsbeth

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Elsbeth, für diese schöne Resonnanz. Wenn du auch solche kleinen Skizzen anfertigst, fände ich es Klasse. Ich wollte es bereits anregen, um auch deutsche „Bilder“ zu haben. Gerade die Unterschiede, die sich durch verschiedene Lebenssituationen und auch andere Maßnahmen erklären dürften, wären interessant.
      Im übrigen geht es mir wie dir, mit den Kindern, den Jugendlichen, ich bin so dankbar und froh, wenn ich offene lachende Gesichter sehe, und nie war mir lärmendes Kinderspiel lieber. (hab schon lange keins mehr gehört). Mit den Augen geht es mir etwas anders: in der Regel bitte ich, die Maske abzunehmen, weil ich sonst nicht verstehe, was mein Gegenüber sagt (schwerhörig). Das stimmt zwar, einerseits, ist aber eigentlich doch nur ein Trick, weil ich das ganze Gesicht sehen möchte. Und es ist so schön wie eine aufgehende Sonne, jedesmal, wenn die Maske abgezogen wird und ich Nase, Mund, Wangen und Kinn sehen kann.

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  3. felsenquell schreibt:

    Gefällt mir sehr, wie Du die Menschen zu Wort kommen lässt und den Leser an ihrer ganz konkreten Situation teilhaben läßt.Danke für die selbstlose Dokumentation.

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  4. TeggyTiggsT schreibt:

    …hier verlief heute alles wie vorher…mein Auto versagte, meine Nachbarin telefonierte für mich, der Kundige kam, untersuchte das Auto und sagte, es müsse abgeschleppt werden, die Nachbarin fuhr mich in den nächsten Ort, dort sprach ich mit der Werkstatt…alles ohne Maske, obwohl sie hier Pflicht ist…und wir vereinbarten, dass wir morgen gemeinsam das Auto holen…was eigentlich verboten ist, da wir uns nur innerhalb eines Kilometers bewegen dürfen…kein Unterschied zu normalen Zeiten…

    …ich muss aber anfügen, dass alle im Supermarkt und auf den Straßen mit Maske rumlaufen…Gendarmen habe ich jedoch die letzten Wochen nicht gesehen…

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  5. Verwandlerin schreibt:

    Eine sehr gute Idee, Corona so aufzuarbeiten.

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  6. Jules van der Ley schreibt:

    Ja, diese Dokumentation ist ein gute Idee. „Die im Dunkeln sieht man nicht“, war letztens ein ähnliches Projekt getitelt. Diese Leute ins Licht zu rücken, auch soweit se um ihre iExistenz ringen, ist wichtig, die allgemeine DIskussion zu entkrampfen. Erst letztens las ich bei einem Blogger, den ich mal sehr geschätzt habe, den Schimpf „Coviioten“, mit dem er rechte Verschwörungstheoretiiker und Menschen, die gegen die Maßnahmen protestieren, weil sie um ihre Existenz bangen, in einen Topf warf.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Jules, stimmt, das Differenzieren ist durch diese Epidemie nicht grad in Mode gekommen. Ich habe mich auch schon gelegentlich in einen Suppentopf mit anderen geworfen gefunden, denen nicht meine Sympathie gehört. Aber was solls. Meine Idee ist eigentlich, aus der Sackgasse der gegenseitigen Beschimpfung und des Falschzuordnens herauszukommen, indem ich einfach mal auf die Einzelpersonen und ihre Situation schaue, ohne gleich Theorien abzuleiten (die natürlich leicht abzuleiten wären). Ich fände es sehr schön, wenn viele kleine Dossiers mit solchen einfachen Daten zusammenkämen, um so die Schwierigkeiten und Verwerfungen, die uns diese Epidemie samt Maßnahmen gebracht haben, klarer zu erkennen.
      Vielleicht magst du auch mal umschauen unter deinen Bekannten? Ich fände es spannend.

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  7. Liebe Gerda,
    dieses Dein Dossier zeigt sehr deutlich welche Schäden diese ganze Situation anrichtet! Von der Gewalt und den Dramen, die sich ebenfalls in vielen Familien hinter verschlossener Tür abspielen, möchte ich garnicht sprechen! Dieser ideologische Wandel ist furchtbar, mehr möchte ich dazu hier auch nicht sagen!

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    • gkazakou schreibt:

      Alles richtig, Babsi, aber in diesem Moment ist mir danach, einmal hinzuschauen, wer sich wovon besonders betroffen fühlt und wie seine-ihre seelische Lage ist. ich möchte sie selbst sprechen lassen und nicht über sie reden. Selbstverständlich ist das, was ich da aufschreibe, nur ein winziges bisschen von dem, was ihre Realität ausmacht, aber jedenfalls gebe ich ihnen einmal eine Stimme. ,Wenn wir alle es täten, könnten wir sehr viele solche Portraits zusammenstellen.

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  8. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, die Verbote in Griechenland sind sehr viel härter als bei uns. Hier zeichnen sie sich eher durch nicht nachvollziehbare Paradoxe aus, Vernunft geht anders. Ich will das jetzt nicht analysieren, habe aber so meine Gedanken dazu. Schlimm für Griechenland finde ich, dass die Wirtschaft und das Leben sich gerade begonnen hatte aus der Krise heraus zu schälen und nun das!
    Immer mehr Menschen werden depressiv, rückfällig in vielerlei Hinsicht, psychisch krank auch. Ja. Auch hier. Die Psychokliniken sind voll, mein Sohn wurde letzte Woche gleich von zwei Klinken abgewiesen, schlimm. Näheres mag ich hier nicht dazu schreiben. Das Virus spült so vieles nach oben, was vorher eher im Dunkeln bis Halbdunkeln gelegen hat, eben auch auf seelischer Ebene. Es braucht viel Kraft den Kopf oben zu halten.
    Deine Initiative den Menschen aus deiner Umgebung zuzuhören und das hier einzustellen finde ich großartig! Weg von allen Medien, Theorien hier oder da.
    Herzlichst, Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Ulli, ich freue mich sehr, dass diese Blickwendung von allen so positiv aufgenommen wurde. Die griechische Situation ist sicher etwas anders als die deutsche. dieBelastungen sind andere und auch die zur Verfügung stehenden Hilfen, die Mentalität… .Vielleicht reizt es dich ja auch, ein paar kleine Portraits aufzunehmen? Ich würde gern eine möglichst breite Fallsammlung haben, aus der wir dann alle lernen können.
      Was du über die psychisch Belasteten sagst, ist leider voraussehbar gewesen. Und schlimm ist, dass man sich des Themas nicht mit demselben Eifer annimmt wie man es mit dem Virus tut. Fast nichts steht zu ihrer Hilfe bereit, und sogar das, was da war, ist häufig genug nun weggebrochen. Aber ich will da jetzt auch nicht weiter ausholen, sondern wirklich einmal beim Selbstdokument bleiben. Für deinen Sohn hoffe ich von ganzem Herzen, dass sich geeignete Hilfe findet. Von Herzen, Gerda

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      • Ulli schreibt:

        Beizeiten werde ich dir eine Mail in Bezug auf meinen Sohn schreiben.
        Ob ich mich dir anschließen werde, kann ich nih´cht versprechen, obwohl ich die Idee großartig finde, aber ich habe noch so viel anderes gerade. Schauen wir einmal. Du hast einen Samen gesät, er wird aufgehen, wie auch immer noch!

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. Und nicht das Luftholen vergessen 😉

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  9. Melina/Pollys schreibt:

    Gute Idee, mit den ‚Bestandsaufnahmen‘ einzelner Leute, da kann ja keiner was dagegen haben… und wirft wirklich einen guten Blick auf die im Dunkeln.

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  10. sylvieb61 schreibt:

    Ich lese und lese und fühle mich in den Geschichtsunterricht meiner Jugend zurückversetzt.
    Das gab es alles schon, nur in anderer Form.

    Ich fühle mich wie im Märchen des Kaisers mit den neuen Kleidern.

    Nachrichten zu hören/sehen ist wichtig, einmal am Tag, damit man auf dem Laufenden bleibt.
    Ansonsten sollte man jedes Körnchen, und sei es noch so klein, an Freude aufnehmen, um die Seele zu streicheln und „gerade“ zu halten.

    Ich selbst gebe gern anderen Halt und Möglichkeit zum Reden und zum Austausch.
    Das Wissen, dass man nicht allein ist mit all seinen Ängsten und Nöten, kann auch stärken.

    Es ist keine einfache Zeit, aber sie regt zu einer Metamorphosis an.

    Bleib stark und gesund.

    Liebe Grüße aus dem hohen Norden. Silvia

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    • gkazakou schreibt:

      Hab ganz herzlichen Dank, liebe Silvia für deine Gedanken und Grüße. Auch ich versuche zu stützen, wo ich kann, beruflich und privat, durch Zuhören, seelischen Rat und durch Geldzuwendungen. Ob diese Zeit wirklich zur Metamorphose anregt? Ich denke, dafür wären weniger belastende Bedingungen besser geeignet. Diese trocknen die verpuppte Raupe aus, und kein Schmetterling kann schlüpfen. Liebe Grüße aus dem dennoch immer herrrlichen Süden!

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  11. Leinwandartistin schreibt:

    Liebe Gerda, auch mir gefällt Deine Idee sehr sehr gut, den Menschen in Deiner Umgebung zuzuhören, ihren eine Stimme zu geben. Zusammen mit einer kleinen Skizze, ob Portrait oder etwas anderem, könnte hier vielleicht sogar ein kleines Büchlein als Zeitgeschichtliches Dokument im Entstehen sein.
    Liebe Grüße
    Ines

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ines. Meine erste Idee war, zu jedem Protokoll zwei Portraits hinzuzufügen: eins mit, eins ohne Maske. Als Foto geht es natürlich nicht, aber vielleicht als Zeichnung. Hättest du sonst noch Ideen, wie das zu illustrieren wäre?

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  12. lachmitmaren schreibt:

    Liebe Gerda, ich finde auch, das ist eine gute Idee, auf das zu schauen, was die Maßnahmen mit den Menschen machen. Leider halten die meisten Leute es nach meiner Wahrnehmung aber trotz des durchaus vorhandenen Bewusstseins, dass diese Maßnahmen großes Leid anrichten, für „alternativlos“ gegen das Virus zu „kämpfen“, statt für das Leben. Ich habe versucht, diese unterschiedlichen Weltanschauungen, die aus meiner Sicht dahinter stehen, in meinem letzten Beitrag zu Corona mal aufzuarbeiten (was naturgemäß etwas lang geraten ist …). Mir erscheint es wichtig aufzuzeigen, dass die vorherrschende Sicht vielleicht gar nicht „alternativlos“, also „zwingend“ ist. LG Maren

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  13. Melina/Pollys schreibt:

    Also was kann ich beitragen….? die meisten meiner Freunde und Bekannten sind nicht sehr ängstlich und offen für meine Meinung – ohne mich deshalb zu verunglimpfen 😉 und/oder denken ähnlich. Aber 2 von ihnen halten sich voll an die Regeln, also keine Treffen mit anderen Haushaltsangehörigen und haben Angst sich anzustecken und ich toleriere das natürlich auch. Ich treffe täglich in einer Morgenrunde vom Kurs in Wundern 5 bis 8 Leute regelmäßig per Video-Konferenz, und noch mehrere andere Videozusammenkünfte sporadisch in der Woche. Gestern habe ich bei einem Video-Workshop-Treffen mitgemacht, wo „Schreiberlinge“ sich treffen. Es gibt eine Fülle von digitalen Angeboten. Telefon gibt es ja auch, ebenso wie emails. Umarmt werde ich noch regelmäßig von meiner Tochter, meiner Physiotherapeutin und einigen Freundinnen, sofern wir uns sehen. In meinem Bekanntenkreis ist niemand an Corona erkrankt und hat auch keinen in den Familien oder Freundeskreis der an Corona erkrankt wäre. Ich leide nicht unter Kontaktmangel, ich habe viel Zeit – weil meine Ehrenamtsaktionen ja alle gestoppt sind – und das ist auch mal eine schöne Erfahrung. Aber ich bin Rentnerin und muss mir keine Sorgen um meinen Arbeitsplatz machen, habe keine kleinen Kinder, die in der Atmung eingeschränkt werden und fühle mich eher privilegiert in meiner Situation obwohl ich ja zur Risikogruppe gehöre. Angst habe ich nur um die Demokratie und Sorgen macht mir auch, wenn ich an die Impfungen denke, die ein enormes Machtmittel wären in den Händen diktatorischer Gesinnung (z.B. wer sich nicht impfen lässt darf nicht reisen, kann diesen Beruf nicht ausüben, diese Stelle nicht annehmen….)

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    • gkazakou schreibt:

      Nun hast du ein kleines Poertrait über dich sebst geliefert, danke dafür, Melina. Ich bringe es mal in die von mir vorgeschlagene Form:
      Rentnerin, Alter? Familie? Beruf? gehört zur Risikogruppe (?) „Ich leide persönlich nicht besonders unter den Einschränkungen, denn ich kommuniziere per Videokonferenz mit zwei Gruppen, habe auch persönlichen Kontakt mit anderen Personen. Was mich beunruhigt, ist, dass die Demokratie ausgehölt wird und die neuen Instrumente bei entsprechender Gesinnung zu Machtmissbrauch führen können“. Stimmt das so?

      Wozu ich dich und andere anregen wollte, ist, Portraits über deine Bekannten zu schreiben, egal wie sie zu dir stehen oder welche Ansichten sie vertreten. Ich möchte den jeweiligen, sehr grob beschriebenen sozioökonomischen Hintergrund und eine Aussage in Ich-Form, „wie ich die Situation erlebe“. Also: Wie ist ihr Hintergrund, und was sagen sie zur Situation?

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      • Melina/Pollys schreibt:

        Ah, ich dachte ich wäre auch jemand ;-)…. also ich Rentnerin, fast 70, und vom Alter her Risikogruppenzugehörigkeit, alleinstehend, früher Sekretärin, Erzieherin, Mutter, Autorin,
        Ach was, das bin ich doch gar nicht, lese auf meinem Blog Innenreisen, die Seite wo ich „Über“ schreibe wer ich bin oder lösch mich wieder 😍 Ich bin doch nicht mein Beruf, nicht so und so alt, nicht eine Bezeichnung…. Sorry, offensichtlich bin ich eine Themaverfehlung. Aber eigentlich bin ich ein spirituelles Wesen, das Erfahrungen in diesem Körper macht und auf der Suche nach Wahrheit ist und Kurs in Wundern Schülerin.

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  14. sonnenspirit schreibt:

    Ich würde das nicht gern öffentlich schreiben, was meine Bekannten tun und denken. Es ist sehr unterschiedlich, so wie mein Bekanntenkreis überhaupt. Aber ich bin ziemlich sicher, dass sie das nicht gut aufnehmen würden. Ich betätige mich schon oft besserwisserisch und analysierend, aber Menschen nahe bringt mich eher, wenn ich selbst auch mal ratlos bin und sie das Gefühl haben, sie können mir was gutes tun. Und das können sie! Jeder Kontakt ist in dieser Zeit freundlich, vorsichtig, und manche halten ihre eigenen Grundsätze einfach nicht ein, weil sie zu menschlich sind. Das finde ich die gute Nachricht: Ja, wir halten uns an die Masken im Supermarkt, nun sogar auf dem Parkplatz? aber in vielen anderen Momenten sind wir so froh, jemanden lächeln zu sehen, dass wir die ganze Geschichte kurz vergessen!

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  15. gkazakou schreibt:

    Das klingt gut, liebe Sonnenspirit, und ich kann es gut nachvollziehen. Danke! Ich hatte es als eine Art Sozialforschung gemeint,bei der die Menschen einmal zu Wort kommen und nicht wir selbst. Aber die Anonymität müsste natürlich unbedingt erhalten bleiben. Darum habe ich die kategorien so allgemein-formal gehalten. eine Lösung wäre viellleicht, wenn Blogger, die mitmachen möchten, mir ihr Material per mail schicken und ich würde es so zusammenstelllen, dass nicht erkenntlich ist, woher es stammt.
    Ich verstehe aber gut, wenn du auch das nicht möchtest, weil du deine Sozialkontakte nicht zum Gegenstand sozialpychologischer Forschung machen möchtest in einer Zeit, wo wir sowieso schon alle „Fälle“ geworden sind. Hab ich dich richtig interpretiert?

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