Einen Olivenbaum verstehen.

Auf Nachbars Grundstück steht ein gewaltiger Olivenbaum. Er ist zerklüftet, fast hohl, trägt aber immer noch reiche Frucht. Oft stehe ich voller Bewunderung und Ehrfurcht vor ihm. Ja, Ehrfurcht vor großen alten Bäumen habe ich. Ich versuche, sie zu verstehen. Aber kann ich das?

Werde ich aus ihnen klüger, wenn ich um sie herumgehe, sie anfasse, ihr Inneres betrachte, das sie mir nun, im Alter, so schutzlos darbieten?

Ich kann da allerlei Gestaltungen entdecken, Gnome vor allem, klagend und fratzenhaft, aber sind es nicht nur meine Projektionen?

Natürlich sind es Projektionen. Was immer ich in der Außenwelt sehe, wird zu dem, was es zu sein scheint, erst durch meine Wahrnehmung. Was es allein „für sich“ ist, kann ich nimmer erfahren. Bäume stehen fest, geduldig und stumm, sie lassen es sich gefallen, dass ich allerlei in sie hinein- oder aus ihnen herauslese.

Nur so ist es zu verstehen, dass ich einst aus einem gütigen Olivenbaum einen Teufel herausspringen sah.

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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25 Antworten zu Einen Olivenbaum verstehen.

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Eine atemberaubende Zeichnung liebe Gerda, und ich bewundere alte Bäume ebenfalls und höre immer zu, was sie mir zu erzählen haben ❤

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  2. kowkla123 schreibt:

    das sieht echt toll aus, sei herzlichst gegrüßt vom Klaus von der Müritz

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  3. Christiane schreibt:

    „Gütig“ ist ebenso eine Projektion wie der Teufel, liebe Gerda, aber Foto und Zeichnung finde ich atemberaubend schön, hab Dank!
    Fast-Mittagskaffeegruß 😁🌧️☕🥐👍

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  4. lachmitmaren schreibt:

    Schöne Fotos, tolle Zeichnung und Geschichten dazu, die wie Gleichnisse wirken … . LG

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  5. Werner schreibt:

    Ich liebe alte Bäume und du hast hier ein wahre Prachtexemplar gezeigt. Er zeigt so viele Spuren seines Lebens. Ich denke wenn man sich in seinen Schatten setzt und genau hin hört, hat er sehr viel zu erzählen. Deine Zeichnung dazu ist ganz toll. 👍👍👍

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  6. Mitzi Irsaj schreibt:

    Beides, Zeichnung und Baum sind wunderbar. Auch ich mag alte Bäume. Olivenbäume sind besonders schön.

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  7. Olivenbäume sind sowieso etwas sehr besonderes, liebe Gerda.
    Nachbars Baum ist ein echter Traum von Baum. Ich sehe auch die Gnome und wenn sie ihr Inneres so offenbaren, das rühren sie mich sehr an.
    Der teufel ist eine wundervolle Zeichnung. Ich erinnere mich gut an Deine Olivenbaumzeichnungen.

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  8. gkazakou schreibt:

    Danke, Bruni, dieser Oliventeufel ist schon älter, mit Feder und Tinte gezeichnet. Hab ihn mal wieder aus der Versenkung geholt.

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  9. ele21 schreibt:

    Was für ein Baum- und was für eine wunderbare Zeichnung😍

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  10. Gisela Benseler schreibt:

    Frag ihn doch einfach mal, was der alte Olivenbaum Dir sagen möchte, Gerda. Ich glaube, daß seine Worte gütig sein werden, keineswegs teuflisch. D.h. ich glaube, daß es nicht der Baum selbst ist, sondern der betreuende Baumelf. Der wird sich entsetzt abwenden, wenn wir einen Teufel hineininterpretieren.

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  11. Ule Rolff schreibt:

    Motiv wie Zeichnung einfach hinreißend, Gerda, und die Fotos wie Pastelle. Dass diese Bäume dich faszinieren, ist wahrlich kein Wunder.

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  12. aquasdemarco schreibt:

    Ich mag Olivenbäume, bei mir wächst einer vor der Tür.

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  13. Sehr schön, diese knorrigen Ölbäume. Das waren meine beliebsten Motive auf meinen ersten Griechenlandreisen in den 70er Jahren.

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