Impulswerkstatt Bild 4: Gefräßigkeit – eine kata-strophische Moritat

Dies ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt.

Was soll ich von dieser Wespe halten, liebe Myriade, die sich kopfüber ins süße Vergnügen stürzt? Mir fiel dazu eine Moritat ein, die ich mir soeben in kata-strophischer Manier  zusammenreimte.

 

Der Wespe schmeckt das Marzipan

Ich kanns ihr nicht verdenken.

Doch diese hier, mein lieber Schwan

Tut übel sich verrenken.

 

Den Kopf zuerst, so stürzt sie sich

Ins süße Fressvergnügen

Und überfrisst sich fürchterlich

Nichts will ihr je genügen.

 

Sie bleibt, so fürcht ich, drinnen stecken

Das Maul verstopft, der Atem schwer

Bald wird sie elendig verrecken

Auch  fliegen kann sie dann nicht mehr.

 

Noch immer hat, wer ohne Maß

und ohne abzugeben

vom Marzipan alleine fraß

bald eingebüßt sein Leben.

 

So merke, Kind, wenns dich gelüstet

Nach Marzipan und sieben Sachen

Weil du dich damit gern gebrüstet

Und willst die andern neidisch machen

 

Und willst all das, was du erblickst

Für dich allein, und willst nicht teilen

Bedenk, dass du am End erstickst

Und musst den Tod erleiden.

 

Und stirbst du nicht, so wird dir übel

der Magen stöhnt, es stöhnt der Bauch

Du kotzt Gefressnes in den Kübel

und mit ihm andres auch.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Kaffee trinken mit Skitsofrenis

Allen Kaffeetrinkerinnen zum Gruß!

Gestern nachmittag, als ich mir vor der langen Sitzung in der Zeichenschule noch einen stärkenden Espresso holen wollte, ging ich in ein Straßen-Cafe (Kafeteria) von der Art, wie es sie hier an fast jeder Ecke gibt: Eine Bar, drei-vier Tische drinnen und draußen, ein hoher langer Holztisch mit Barhockern und in der Bar eine junge Person, die der Vorbeikommenden das gewünschte Getränk in einem Pappbecher zubereitet und mit einem Plastikeckel verschließt. Doppelter Espresso metrio  (mittelsüß) 2 Euro.

Ich habe noch etwas Zeit, denn ein Termin zuvor (Reifenwechsel) ist geplatzt (zum Glück nicht der Reifen). Stattdessen war ich schwimmen und habe feuchtes Haar. Also setze ich mich auf einen der Barhocker, um mir den Pelz an der späten Sonne zu wärmen, und den schwarzen süßen heißen Saft runterzuschlucken, der mich über die nächsten Stunden wachhalten soll. Da fällt mein Blick in die Ecke des Raums, wo die Kühlanlage für die Erfrischungsgetränke, Getränkekästen und ein Zeitungs-Tischchen mit Sofa stehen. Gemütlich ist es nicht, aber an den Wänden hat sich Skitzofrenis verewigt. Ich habe schon oft von ihm erzählt, ich bewundere diesen Spraykünstler, der in einem Dorf nahe Kalamata zu Hause ist, und habe in meinem Blog alle Bilder versammelt, denen ich bisher begegnete. Sie sind zu finden unter den Stichwörtern Skitzofrenis oder Skitsofrenis oder auch Costas Louzis.

Hier sind es Kaffeetrinkerinnen wie ich. Hallo!

Die eine spielt die junge Intellektuelle und beobachtet mich durch ihre großen Brillen…

die andere, eine hübsche Blondierte, interessiert sich nicht für mich alte Frau. Ihr Blick geht über den Rand ihrer Herztasse hinweg in eine unbestimmte Ferne.

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In der Zeichenschule (6): Kouros

Nach der gestrigen Spielerei war heute wieder Schufterei angesagt: Vier Stunden lang bemühte ich mich um die korrekte Darstellung eines Kouros-Kopfes. Ich liebe die Kouroi – diese lächelnden Jünglinge, die älter sind als die späteren klassischen Werke. Die Kouroi entstanden ab 650 v.Chr., die klassische Epoche begann gegen 490 v.Chr.

Obgleich der Kopf klare Linien hat, ist die Wiedergabe sehr kniffelig. Eine zusätzliche Schwierigkeit ist, dass das Licht zwischen 5 und 9 Uhr abends stark wechselt. Anfangs ist der Raum zusätzlich zum Kunstlicht noch vom Tageslicht erhellt, später nur noch vom Kunstlicht. Dann treten die Kontraste viel stärker hervor.

Das Ergebnis ist nicht schlecht, die Abmessungen des Gesichts stimmen recht gut, doch ist mir der Kopf zu breit und das Ohr zu hoch geraten. Ich bin zufrieden, obgleich mir die Zeichnung nicht wirklich gefällt. Aber es ist eine gute Übung in Beobachtung und Disziplin. Und ich finde es immer gut, etwas dazuzulernen.

Zur Kontrolle hier mit Fotoüberblendung.

Ich habe dann die Farben dieser überblendeten Zeichnung noch verstärkt, um die Überschneidungen von Zeichnung und Foto deutlicher zu erkennen.

 

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abc-etüde: Vom Erwachen der kleinen Marie (mit gereimter Belehrung)

Dies ist ein Beitrag zu den abc-etüden, die Christiane in ihrem Blog „Irgendwas ist immer“ organisiert. Es ist ein Text von höchstens 300 Wörtern zu schreiben, der die Wörter Fingerhut, süßlich, fluchen enthält. Die Wörter stammen diesmal von Christiane selbst, ebenso das Bild

 

Der Knopf der Bluse ist ab. Peng, abgerissen, gleich beim ersten Schülerball. Mama braucht nicht zu wissen, wie es dazu kam. Marie holt das Nähkästchen, das Mama neben ihrem Fernsehsessel stehen hat, sucht und findet einen beinah passenden Knopf und auch eine Nadel mit Faden. Soll sie auch, wie Mama, wenn sie näht, den Fingerhut aufsetzen? Ach was.

Stich durch den Stoff, suche das Loch im Knopf, geh zum nächsten Loch, stich durch und durch den Stoff, und nun wieder von unten, stich durch den Stoff und das nächste Loch, aha, ja, zieh den Faden nach und nun durchs dritte…

Au! Verdammt! Marie flucht und lutscht am Finger. Das Blut, das aus der Fingerspitze quillt, schmeckt süßlich. Ihr wird leicht schwindelig von diesem Geschmack. Sie zieht den Finger aus dem Mund und schaut dem Blutstropfen zu, der langsam aus dem Finger quillt, einen kleinen Hügel bildet, platzt und zerrinnt. Das also ist in mir, denkt sie. So rot. Und leckt nun ganz vorsichtig dran. Süßlich, ja, und irgendwie geheimnisvoll schmeckt es, dieses Blut. Ihr eigenes Blut.

Schneewittchen, denkt sie, und tupft mit der blutenden Fingerspitze der Linken einen kleinen roten Fleck auf ihre weiße rechte Hand. Schwarz ist ihr Haar. Aber der Karl ist kein Prinz, und sie will nicht schlafen und von ihm geweckt werden. Wieder lutscht sie am Finger und spürt dem Geschmack nach. Und sinnt und vergisst die Bluse, den Knopf. Die Wege ihres Lebens sieht sie vor sich, sie führen ins  Weite, ins Unbekannte. Ins süße, wilde Leben. Ohne Fingerhut, ja, so will sie leben. Lass die Mama reden!

Marie, Marie! Gib acht!

Schon manche hat gelacht

als sie am Blut geleckt.

Hat ihre Lust entdeckt.

Doch so ein Fingerhut

tut deinem Finger gut!

Sonst bist du schnell entzwei

und ist der Spaß vorbei.

298 Wörter

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Tändeln mit Kohle (Tägliches Zeichnen)

In letzter Zeit genieße ich es, ein Stück Kohle in die Hand zu nehmen und auf einer Leinwand damit herumzutändeln. Du kennst das Wort „tändeln“ nicht? Ich hab es gleich mal im Netz nachgeschaut und fand die dort gegebene Definition passend: etwas mehr in spielerisch-leichter als in ernsthafter Weise tun, ausführen, „mit dem Ball tändeln, statt aufs Tor zu schießen“.

Das erste, was entstand, war eine „Begrüßung“. Welcome, welcome, sei unser guest!

Es folgte ein gehöriges Festmahl, es wurde getrunken, getanzt …

 

und man kam sich in jeder Hinsicht näher.

Dann fiel mir das heutige Foto von Myriade ein, und ich machte davon eine Variante. Donausteine und Kiesel.

 
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Tagebuch der Lustbarkeiten: Blumen und Menschen

Die einen prangen mit Farben…

aber um recht zu wirken, brauchen sie starke Farben neben sich.

Andere, wie dieser Flieder, möchten in der Gesellschaft der anderen nur einen leichten eigenen Akzent setzen.

und manche leuchten ganz für sich allein vor sich hin, kleine Sonnenspiegel im Grün.

Blumen sind eben auch nur Menschen.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: mit Katzen in der Abendsonne sitzen

Ich setze mich gern mit einem Kissen auf die Steinstufen unseres Hauses. Die Katzen mögen das. Manchmal beobachten sie mich, dann wieder tun sie so, als sei ich ihnen gänzlich gleichgültig. Mal schauen sie liebenswürdig, dann wieder arrogant über mich hinweg. Heute habe ich von jeder ein Portraitfoto gemacht. Es fehlen freilich zwei: unsere beiden Lieblinge Fritzi und Lin. Fritzi ist jetzt Hauskatze, Lin, einer der beiden grauweißen Kater, ist beim Arzt, um kastriert zu werden. Das musste jetzt geschehen, denn er und sein Bruder Lan haben böse Wunden im Nacken, Lan auch über dem Auge (No 5). Sie sind viel kleiner als der Riesenkater, der sich bei uns eingenistet hat und den ich Apoll getauft habe (No 1). Der wird sie wohl hauen. Ich habs nicht beobachtet, aber so reime ich mir zusammen, warum die beiden Kleinen in schlechtem Zustand sind. Mama Prinkipessa (No 8) muss ich auch erwischen, sie braucht ärztliche Hilfe. Irgendetwas ist mit ihr passiert, an der einen Seite ist sie nackt, das Fell ist wie rausgeschnitten.

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Dienstag-Drabble: Naturgesetz, kata-strophisch

 

Grinsekatz lädt wieder zum Dienstag-Drabble ein, d.h. zum Schreiben einer Geschichte aus 100 Wörtern. 97 Wörter kann ich frei wählen, aber drei sind vorgegeben:
wild, Ofen, ausbaden.

Was hat den Kater nach draußen getrieben?

Wär er doch hinterm Ofen geblieben

Dort ist es warm und gemütlich

Und der Vögel Welt war noch friedlich.

Doch leider ist er nach draußen geschlichen

Und schon ist die schöne Amsel verblichen.

 

Wild ist der Kater, es liegt ihm im Blut

Und predigst du ihm auch: mein Kater, sei gut!

So wird er nur lachen und schnurrt auch ein wenig

Denn er ist im Haus und im Garten der König.

Ausbaden müssen die Kleinen, die Zarten

Was immer gelüstet die Großen und Harten.

So war es schon immer

Und ändert sich nimmer.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: den Möwen zuschauen

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Metamorphose einer Zeichnung in 6 Phasen (Tägliches Zeichen)

Eine neue Leinwand hat für meine Kohlezeichnungen herhalten müssen, weil ich die anderen drei nicht auslöschen mochte. Es sind die folgenden sehr unterschiedlichen Bilder:

Heute nahm ich eine mittelgroße Leinwand und machte, nach gerade beendeter Lektüre eines Textes von Wassili Kandinsky, eine abstrakte Kohle-Zeichnung.

Gar nicht so schlecht, befand ich. Aber so schnell mochte ich die Leinwand nicht freigeben. Also zeichnete ich weiter.

Auch nicht schlecht. Assoziationen kommen zu hauf. Erträgt das Bild eine weitere Intervention?

Mehr geht nicht, also wische ich die Zeichnung halbwegs mit einem weichen Lappen aus. Das Auswischen ist ein Vorgang, der genauso durchs Auge gesteuert wird wie das Zeichnen. Es geht mir dabei nicht um inhaltliche Aspekte, sondern um ästhetische Entscheidungen.

Ich drehe das Bild und mache eine neue Zeichnung.Auch sie könnte ich stehen lassen.

Doch ich will noch ein wenig zeichnen, drehe das Bild um 90 Grad und zeichne weiter. Und so entsteht mal wieder eine Hafenszene. Wie könnte es auch anders sein (siehe hier)

Diese Zeichnung lasse ich vorerst stehen.

Zeichnen ist wie reisen. Du wanderst von Anblick zu Anblick, schaust, fühlst, denkst, gehst weiter. Ein jedes hat seinen Reiz. Irgendwann aber bist du müde und sagst: hier verweile ich ein bisschen. Und so verweile ich nun bei diesem Hafenbild mit Booten.

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