Episode II: Berliner Barock

Nach Susannes Atelier steuerten wir das Humboldt-Forum neben der Museumsinsel an. Weder mein Sohn noch ich selbst kannten es und so  waren wir neugierig, wie sich dieses viel diskutierte und auch gescholtene Bauwerk anlassen würde.

Heute nur ein paar Fotoeindrücke vom Anmarsch, denn ich kränkele immer noch.

Panoramablick

König Friedrich II von Preußen in vollem kriegerischem Aufmarsch

Engel

Berlin, auch „Athen an der Spree“: die Göttin Athene ist omnipräsent.

Berlin wird schön durch seine Gewässer

Brückengitter: auch hier das griechische Mäanderband.

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Berlin – Episode No 1 (Atelierbesuch, Kaltnadelradierung)

Wir steigen eine nach altem gebohnertem Holz duftende Treppe hoch, gelangen schließlich, ich schnaufend, mein Sohn leichten Fußes, in den vierten Stock, die Tür zu einer Atelier-Wohnung öffnet sich, und wir begrüßen uns herzlich erfreut über ein Wiedersehen nach fast genau sieben Jahren. (hier)

Drinnen wandern meine Augen über die Wände mit Zeichnungen, die ich bisher nur als Abbildungen im Blog kannte. Der Ziegenkopf verbindet diesen Raum eng mit meinem eigenen Erleben zwischen Natur und Mythos.

Jetzt weißt du, wo ich mich befinde? Ja, richtig: im Wedding, im Atelier der befreundeten Künstlerin Susanne Haun! Durchs Fenster schaut man auf die Osram-Höfe, wo nun schon lange keine Glühlampen mehr produziert werden. Es ist ein großer denkmalgeschützter Gebäudekomplex, der heute allerlei Büros, Geschäfte und auch Ateliers beherbergt.

Susanne hat uns nicht nur Kuchen gebacken, sondern auch Material vorbereitet, um uns in die Kaltnadelradierung einzuführen: alte CD-Scheiben sind das Material, in das wir mit einer speziellen Nadel Zeichnungen einritzen, um sie dann nach ein paar weiteren Arbeitsschritten auszudrucken. Mit Schmunzeln und Konzentration machen wir uns ans Werk: Ich skizziere die Göttin der Gesundheit Hygeia und einen Jünglingskopf, denn mein Sohn ist stark erkältet (möge es nützen!). Er skizziert uns: Susanne, ihre Mitarbeiterin M, mich und sich. 

und unser Werk? Hehe, ja!

links: Wassilios, rechts: selbst

Danke, Susanne, für dein herzliches Willkommen und deine liebevolle Einführung in die Technik der Kaltnadelradierung. Es war eine wundervolle Episode meiner Stippvisite in Berlin. Wer weiß, vielleicht kann ich bei anderer Gelegenheit an einem richtigen Workshop teilnehmen. Träumen ist ja erlaubt.

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Drabble, Über das Glück

Draußen vor dem Panoramafenster wehen Blätter von den hohen Bäumen, lassen sich auf dem Rasen nieder. Krähen durchqueren den Raum zwischen den Baumkronen, Tauben kommen und gehen in Schwärmen. Sie steht und schaut und fühlt, wie das Glück in alle ihre Poren eindringt. Vorbei, verschwunden die Wunschvorstellungen, die sie zuvor in sich bewegte.

Diese drei Novembertage sind nur ein winziger Moment, berechnet auf das Ganze ihres Lebens, denkt sie. Und nun sind sie schon vorbei und verschwunden. Verschwunden? Kann reines Glück denn verschwinden? Hinterlässt es nicht seinen Goldglanz im Herzen, wirkt dort nach und erhellt alle Tage, die noch folgen?

 

Dieses Drabble, mit den Wörtern Wunschvorstellung – verschwunden – winzig , die Heide vom Blog Puzzleblume für uns aussuchte, widme ich Ullis „Momente des Glücks“ im November.

 

 

 

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Sendepause

Für ein paar Tage wird hier eine Sendepause eintreten, da ich ohne Computer verreise. Ziel: Berlin.

Habt gute Tage! Bis dann!

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Dienstagsdrabble: Dora und der Redestein (kata-strophisch)

Für das heutige Drabble, zu dem Heide von der Puzzleblume mit neuen Wörtern eingeladen hat, habe ich eine frühere Unterhaltung mit Dora (der Begleiterin des Jahres 2022) kata-strophisch umgeschrieben.

Die zu bedienenden Wörter sind Schweigen + packen + unfähig. Erlaubt und gefordert ist ein Text aus genau 100 Wörtern.

 

 „Dies ist ein Redestein“, so sag ich

„und reden darf nur, wer ihn hält“.

„Gib her den Stein, den mag ich!“

Schreit Dora, der der Stein gefällt.

 

 

Seither erlerne ich das Schweigen

Denn Dora gibt den Stein nicht her

Ich muss dem Selbst-Gesetz mich neigen

Das fällt mir ehrlich bitter schwer.

 

Ach könnte ich den Stein nur packen

Ich hätt ihn allzugern geraubt

Nun sitz ich hier und blas die Backen

denn andres ist mir nicht erlaubt.

 

Unfähig bliebe ich für immer

Zu reden, hätt die Dora nicht

Begraben sich und mit Gewimmer

Verflucht des Steines Schwergewicht.

 

Hauruck!

Ja, guck!

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Schlaflosigkeit und neurographisches Zeichnen

Gestern fuhren wir von der Mani nach Athen und fanden alles in bester Ordnung vor. Vom Vortag und der Fahrt zerschlagen, ging ich zeitig schlafen, aber der Schlaf wollte nicht kommen. Um halb vier Uhr nachts beschloss ich, aufzustehen und mich in Schlaf zu zeichnen. Wozu lerne ich das neurographische Zeichnen?

Als erstes machte ich eine spontane wirre Zeichnung mit „neurographischer“ Linie, dh einer Linie, die sich weich über das Blatt bewegt. Zwei spitzige Dreiecke – Symbol für Störungen – fuhren da hinein. Dann machte ich mich daran, die sich überschneidenden Linien abzurunden, ließ sie ineinander fließen, geduldig, aufmerksam. Und vergaß den Stress.

Abgebrochene Bewegungen führte ich fort …

Ich ließ mich in ein nachtblaues Ei hineinfallen, färbte auch die Nacht in beruhigende Blau-Violetttöne ein. Ich wurde ruhig, entspannte mich. Doch schien mir das Ganze noch unvollkommen.

Erst als ich rundum Himmelslichter aufgehen ließ, war ich zufrieden und ging zu Bett. Ich belebte und vertiefte das Bild in mir, ließ mich ins Nachtblaue fallen, behütet von den Himmelslichtern, und schlief selig ein.

Neurographische Zeichnungen fertige ich jetzt fast täglich an – manche gefallen mir, andere weniger. Es geht dabei weniger um ästhetische Urteile als um Selbsterkundung, Erkenntnisgewinn und neue Orientierungen auch im Verhalten.

Wenn ich grad kein eigenes Thema habe, ziehe ich eine Tarotkarte, um mich zu üben. Ich lese die Bedeutung der Karte nach und verbinde sie zeichnend mit meiner Lebenssituation. Für die in der Karte angelegten Herausforderungen, Probleme und Einseitigkeiten suche ich nach harmonischen Lösungen.

Vier Beispiele:

Königin der Münzen – Rad des Schicksals – Königin der Schwerter – Zehn Stäbe

 

Cynthia hat mir die Grundlagen vermittelt und berät mich weiterhin.

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Kleine Beobachtungen: άρτος / Brot

Auf dem Weg von unserem Haus nach Kalamata kommt man im Dorf Verga an einer sehr frequentierten Bäckerei vorbei. Der Parkplatz davor ist immer gerammelt voll, denn so ziemlich jeder hält dort an, um Brot und Gebäck zu kaufen. So auch wir.

Heute hielten wir mit vollgepacktem Auto, denn wir waren auf dem Weg nach Athen. Während mein Mann hineinging, um für sich eine Bugatsa (warmes süßes Gebäck mit Puderzucker und Zimt) und für mich eine Spanakopita (Spinatgebäck mit Schafskäse) zu kaufen, fiel mir das Firmenschild ins Auge.

„Brot, Süßes, Kaffee“ werden darauf angepriesen. Artos – das altgriechische Wort für Brot – mag ich besonders, und zwar nicht nur wegen der Lautähnlichkeit mit Art = Kunst, sondern wegen der Gebetszeile Τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον = Unser tägliches Brot gib uns heute.

Willst du in Griechenland Brot kaufen, so wirst du nach ψωμί (psomi) fragen, aber an dem Geschäft wirst du lesen: αρτοποιείον (artopoieion, Brotbäckerei). Darin hat das alte, sonst ungebräuchlich gewordene Wort artos/Brot überlebt. Und auch das altgriechische Wort ποιειν (poiein, machen, schaffen, komponieren) steckt darin. Poesie hat dieselbe Wortwurzel. Brotbäckerei = Kunst und Poesie….

Aufmerksam geworden, betrachtete ich auch noch das andere Firmenschild. Das wendet sich halbherzig an die internationale Kundschaft. Der griechische Name „Gebrüder B. Sourea“ wird ergänzt durch das Wort „Family bakery“. Und in Großbuchstaben darunter, wieder griechisch: seit 1918

Donnerwetter! Das war mir bisher nicht bewusst, dass diese Bäckerei schon 106 Jahre lang besteht und immer noch von derselben Familie geführt wird! Gebacken wird hier freilich nicht, es ist nur eine der vielen Filialen der Bäckerei, die ihren Sitz in Kalamata hat. (unbezahlte Werbung)

Nun bin ich wieder in Maroussi und habe einen anderen Bäcker, der noch selber in seiner Backstube backt.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Alt-Messene, mit Zeichnen, Paneurhythmietanzen und Tavernenbesuch

Die antike Stadt Messene, eingebettet in eine weite mit Oliven beplanzte Hügellandschaft, gründlich ausgegraben und dokumentiert, habe ich schon oft besucht. Berichtet habe ich zB hier.

Heute begab sich die Paneurhythmiegruppe dorthin, um an einer Führung teilzunehmen und danach an einem abseitigen Platz zu tanzen. Ich hatte keine Lust auf die Führung, da ich die Geschichte des Ortes gut genug kenne. Stattdessen machte ich endlich mal wieder ein paar Zeichnungen.

Fotografiert habe ich natürlich auch.

Zum Tanzplatz ging es durch wildere Natur. Die extreme Trockenheit ist überall zu spüren. Wolken zogen vor die Sonne, aber Regen kam nicht. Später in Kalamata  fielen ein paar Tropfen, kaum genug, um den Staub auf den Straßen zu binden.

Ein Erinnerungsphoto musste natürlich auch gemacht werden. Acht waren wir: ein Mann (der Lehrer) und sieben Frauen. Warum es meist Frauen sind, die sich an solchen Aktivitäten beteiligen? Und wenn es doch mal ein Mann ist, dann eher als Lehrer? Mich kümmerts nicht. Schön war es, stark.

Mit Freundin Wasso war ich dann noch in einer urigen Gaststätte essen. Wasso kennt die Besitzerin. Wen kennt sie eigentlich nicht? Seit zwanzig Jahren auf dem Basar – da ist der Bekanntenkreis riesig. Wir bestellten Schwarzaugenbohnen mit Spinat, geschmorte Auberginen, Backofenkartoffeln und Schafskäse und genossen das Essen und das Beisammensein.

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Kunst hilft: Ausstellung auflösen (zwei Seelenstimmungen)

Gestern löste ich die Ausstellung „Kunst hilft“ auf. Heute vormittag schleppte ich die verbliebenen Bilder hinunter ins Atelier und ordnete sie ein. Es sind immer noch sehr viele, aber eben doch etwa 50 weniger als zu Beginn der Aktion „Kunst hilft“ vor einem Jahr. Der Raumgewinn macht sich noch nicht sehr bemerkbar, zumal ich ja inzwischen auch Neues produziert habe. Aber ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Eine echte Win-win-Situation: mehr Raum, neue Besitzer, Geld für Hilfen, Zirkulation, Transformation, neue Verbindungen.

Zum Legebild: Zwei Seelenstimmungen

Schön ist das Loslassen und Freigeben. Der Sommerwind fährt hinein und trägt es davon.

Jetzt zu Winterbeginn ist es aber durchaus auch angebracht, anzuhäufen, zu sichten und zu bewahren, was noch nützlich ist, und für den nächsten Frühling vorzubereiten.

zwei Seelenstimmungen (Maries Schnipsel)

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abc-etüde und drabble: Was sonst noch am 6. November geschah (kata-strophische Zeitgeschichte)

abc-etüde: Ehrenamt – enthusiastisch – lesen

Dienstags-Drabble: vorkommen – Mittelalter – verschieden

Ob es wohl geht, einen Text von nur hundert Wörtern zu schreiben, der sowohl die Vorgaben von Christianes abc-etüden als auch die von Heides vorigem Drabble bedienen. Und sieh da: es geht sogar kata-strophisch.

 

Ein bisschen Zeitgeschichte

 

Ich habe heute nachgelesen

Was früher schon mal dagewesen

Am 6ten Tage des November

Und was uns zuruft: hey, remember!

 

Was vorkam, war nicht so verschieden:

Der eine hätt es gern vermieden

Der andre lobt es enthusiastisch

und findet’s outcome ganz fantastisch.

 

Die Briten haben, als er acht

Den Henry Six zum King gemacht*

War diesen Briten denn nicht klar

Dass King kein Ehrenämtchen war?

 

Vom Mittelalter bis nach Wien

Von dorten weiter nach Berlin**

So geht die Reise der Geschichten

Und ist zu Ende noch mitnichten.

 

Ob Lincoln, Eisenhower, Trump**

Der Zirkus pfeift und trötet: Jump!

Applaus!

Und aus.

 

* Henry VI  war König von England (1421 – 1471, mit Unterbrechungen) und König von Frankreich (1422 – 1461), u.a. verantwortlich für die Verbrennung von Jeanne d’Arc. Mit seinen Niederlagen endete der 100jährige Krieg zwischen England und Frankreich.

**Berlin: der enge Freund des Kronprinzen und späteren preußischen Königs Friedrich II, Hans-Hermann von Katte, wird vor seinen Augen auf Geheiß seines Vaters, König Friedrich Wilhelm I, am 6.11.1730 erschossen, weil er Friedrich bei der Flucht vor dem Wehrdient geholfen hat.

*** Diese und etliche andere amerikanischen Präsidenten wurden am 6. November gewählt, außer den Genannten zB auch Herbert Hoover 1928, Reagan 2. Amtszeit 1984, Obama 2. Amtszeit.

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