Tagebuch der Lustbarkeiten: den Führerschein verlängern

Gluhheiß wars heute, dazu auch sehr stickig. Da möchte man am liebsten zu Hause bleiben. Doch half alles Klagen nicht: ich musste mich um die Verlängerung meines Führerscheins kümmern, dessen Gültigkeit übermorgen abläuft. Hier macht man nämlich den Führerschein nicht „für immer“, sondern muss ihn, wenn man 65 ist, jedes 3. Jahr, und wenn man 80 ist, jedes zweite Jahr erneuern. Das bedeutet: neue Fotos und vier ärztliche Bescheinigungen besorgen, dann mit dem ganzen Kram zum Verkehrsministerium fahren, dort noch einmal eine Gebühr bezahlen, den alten Führerschein abgeben und einen provisorischen ausgehändigt bekommen, schließlich, nach etwa drei Monaten Bearbeitungszeit den neuen Führerschein abholen.

Sechsmal habe ich diese Prozedur schon durchlaufen, dies ist der 7. Durchlauf. Mögen es noch viele werden! Drei Ärzte – einen Internisten, einen HNO-Arzt und einen Neurologen – konnte ich besuchen, die Augenärztin gab mir einen Termin für morgen vormittag.

Und wo ist da das Vergnügen? wirst du vielleicht fragen. Nun, das ist leicht erklärt: erstens fand ich mir unbekannte Ärzte, die mir spontan einen Termin gaben, zweitens fanden sie nichts an meiner Gesundheit zu bemängeln, drittens schaffe ich es daher aller Voraussicht nach, rechtzeitig fertig zu werden. Außerdem lernte ich Ärzte kennen, die sich als angenehme Zeitgenossen herausstellten. Der eine war ungefähr im Alter meines Sohnes, in Berlin geboren und sprach flüssig deutsch. Und so erzählten wir uns unsere halben Lebensläufe, während er die Befunde ins Blatt eintrug. Der andere, im ähnlichen Alter, ist mütterlicherseits aus der Mani, also tauschten wir Namen von Dörfern und Stränden aus und bestätigten uns gegenseitig, welch schöne Weltecke das ist. Der dritte ist schon alt und kommt mit der Elektronik nicht recht klar, weshalb es mit dem elektronischen Antrag nicht klappte und alles handschriftlich auf Papier ausgefüllt werden musste. Das ergab reichlich Stoff für einen Informationsaustausch über die Segnungen und den Fluch der Automatisierung. Nebenher erhielt ich eine Säuberung meiner Ohren von Ohrenschmalz, einen gründlichen Hörtest, machte eine Reihe von neurologischen Reaktionstests und freute mich, als der letzte Arzt im elektronischen Gesundheitsblatt erstaunt und anerkennend feststellte, dass ich keine Medikamente einnehme. 

Kurzum: ein zwar grässlich anstrengender, aber ziemlich erfolgreicher Tag.

 

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Impulswerkstatt. Stichwort: Abgründe

 

Während sich rundum Abgründe auftun, tue ich mein Bestes, mein Vertrauen zu stärken. Nein, sage ich, das sind keine Abgründe, sondern nur Wiesen und Weiden, schau doch, sie senken und heben sich in leichtem Wechsel, von Abgründen keine Spur. Mal sind es 7 % Steigung, oder auch 5%, dann wieder leichte Absenkungen, nichts Dramatisches.

Tun sich Abgründe auf, und ich weigere mich nur, sie zu sehen? Kann sein. Das für mich wahrnehmbarste Droh-Szenario ist der alles verschlingende Krieg. Den, so hoffe ich inbrünstig, können wir vermeiden. Der andere viel beschworene Abgrund wäre eine nationalistische Renaissance in Europa mit entsprechenden unmenschlichen Auswüchsen. Den sehe ich eigentlich nicht. Europa wird nicht in neue Kriege, Vertreibungen und endlose Zwietracht versinken, nur weil ein Ungar oder ein Deutscher oder eine Französin sagt, ihm oder ihr sei das eigene Land wichtiger als der Rest der Welt. Die Konservativen haben eine Renaissance – so what?

Andere Abgründe, etwa eine noch tödlichere Epidemie, heftigere Eingriffe ins Klima  – nein, die sehe ich nicht, es sei denn, wir hätten vollends den Verstand verloren. Die Herrschaft durch kleine „Eliten“ via KI und die Entmenschlichung des Menschen zum Roboter? Ja, davor fürchte ich mich: dass wir uns selbst in einer technischen Kunstwelt verlieren, und da sehe ich auch die eigentliche Gefahr für die Zukunft der Menschheit.

Bliebe das eigene Lebensende, über das du, Myriade, letzthin schriebst, es sei ein Abgrund (hier). Die Betrachtung des Alterns als zunehmendes Organversagen, wie du es tust, ist mir fremd. Ich schaue nicht angstvoll auf Herz, Niere, Darm oder Lunge als Teil eines Organismus – oder Mechanismus -, der nicht mehr tut, was er/sie/es soll. Nein, mein Leben geht zuende, sobald meine Zeit gekommen ist. Wann das sein wird? Ich weiß es nicht. Aber ich habe die merkwürdige Vorstellung, dass dieser Zeitpunkt längst festliegt, nämlich schon seit meiner Geburt. Und dass ich dem kein Quäntchen zufügen kann. Was ich kann, ist, es durch meine eigene Hand verkürzen, aber dazu habe ich gegenwärtig gar keine Neigung. Das kann sich natürlich ändern.

Wenn mein Leben zuende geht, sei es natürlicherweise, sei es durch Gewalt, muss ich durch die Todespforte. Das ist unausweichlich. Und danach? Darüber gibt es eine Vielzahl von Ansichten. In unserer Welt herrscht die Ansicht vor, dass danach „nichts“ ist. Man kann daher dem kaum Verstorbenen seine Organe rausnehmen und sie einem anderen einpflanzen, der dadurch länger lebt. Ich bin davon nicht begeistert, denn ich gehöre zu der großen Mehrheit der Menschen, die der Vorstellung „danach ist nichts“ misstrauen. Die materialistische Vorstellung des „Danach-ist-nichts“ ist in unserem Kulturkreis noch nicht wirklich gefestigt. In der übrigen Welt ist sie gar nicht vorhanden. „Etwas“ ist danach, denken die meisten.

Die „alten“ Griechen waren sehr diesseitig, sie liebten das Leben auf der Erde und mochten den Tod gar nicht. Einer – Sisyphos – suchte ihn sogar zu betrügen – ein Abenteuer, das für ihn einen sehr unangenehmen Ausgang nahm: er rollt bis zum heutigen Tag einen Felsen hoch, der, sobald er oben ist, zurück in den Abgrund rollt. Ein anderer – Orpheus – brachte es nicht fertig, dem Schicksalsspruch zu vertrauen, und so musste Eurydike zurück in die Schattenwelt. Lieber ein armseliger Diener auf der Erde, als ein Herrscher in der Unterwelt – das war die gängige Meinung in der klassischen Periode.  Sokrates, der alte Skeptiker, war sich nicht schlüssig, ob der Tod einfach Tiefschlaf bedeutete oder ob er im Jenseits mit den bedeutendsten Philosophen weiterparlieren könnte. Beide Perspektiven fand er annehmbar und hatte daher keine Bedenken, das ihm gereichte Gift zu tinken. Besser als ein armseliges Leben in der Verbannung fand er das Jenseits allemal.

Hamlet war schon übler umgetrieben. denn auch er fände zwar einen Todesschlaf höchst angenehm, war sich aber nicht sicher, ob der Tod  ein traumloser Schlaf sei, oder ob ihn da womöglich allerlei Alpträume heimsuchen würden. Also traute er sich nicht, den „stings and arrows of outrageous fortune“ ein Ende zu setzen, und lebte weiter.

Was sich die diversen Kulturen zu diesem Thema gedacht haben, variiert stark. Wenn man unsere  westliche Welt anschaut, so hat sie insgesamt wenig Vorstellungskraft in das Leben nach dem Tode investiert: Himmel mit den musizierenden Engelein, Hölle mit den plagenden Teufeln, Fegefeuer für die Bußfertigen. letztes Gericht und Auferstehung von den Toten – das ist das ganze Repertoire. Die Hebräer hatten eigentlich keinen ausgeprägten Jenseitsglauben, die Himmel-Hölle-Version kam erst durch die Christen dazu. Woher sie sie genommen haben, weiß ich nicht.

Die Inder und erst recht die Tibetaner sind vollkommen anders orientiert. Das, was während und nach dem letzten Atemzug geschieht, ist von außerordentlicher Bedeutung, während das Leben davor eigentlich wenig Gewicht hat. Im „Totenbuch“ haben wir eine ausführliche Anleitung darüber, worauf man beim Sterben zu achten hat. Wenn ich daran denke, wie unsereiner in klinischen Sterberäumen und unter Schmerzmitteln dahindämmernd stirbt, wird mir mulmig zumute.

Obgleich ein Mensch der westlichen agnostischen Kultur, fühle ich keinen Abgrund, wenn ich an meinen Tod denke, sondern meine, dass es nach dem Lebensende eine Fortsetzung in anderen Dimensionen gibt. Und dass ich irgendwann in anderer Gestalt, unter anderen Bedingungen, erneut auf der Erde sein werde. Und wenn die Erde nicht mehr sein wird, dann eben auf dem Himmelskörper, der dann der Menschheit als Heimat dient. Ob das auch stimmt? Wer will das wissen! Aber die Vorstellung ist stark und sorgt dafür, dass ich mein Leben bis zum letzten Moment auf eine Zukunft hin ausrichten kann und mich nicht an das klammern muss, was vergangen ist. Und sie gibt mir einen starken praktisch-moralischen Impuls: Was ich jetzt lebe, ist nicht beliebig und folgenlos, sondern trägt sich fort, bildet sich um und wird zur neuen Realität, der ich mich dann stellen muss.

Nichts endet, alles ist Wandlung.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Calvinos Kosmokomika, Wahltag und Kinderzeichnungen

Vorgestern kamen die Kosmokomika, 28 Erzählungen von Italo Calvino in griechischer Übersetzung von Antaios Chryssostomides (Antaios Goldmund). Alexander Carmele hatte  meine Erzählungen geistesverwandt mit diesen Calvino-Geschichten gefunden, was mir so schmeichelte, dass ich das Buch gleich bestellte. Zwei Seiten konnte ich schon lesen, und so erfuhr ich, dass ein Herr George (sic!) Darwin einst behauptete, der Mond habe sich früher sehr viel näher an der Erde befunden – was für deren Bewohner, darunter auch das erzählende Ich Kfbfk – beachtliche Folgen hatte.

Mit dieser kosmisch erweiterten Perspektive im Kopf reiste ich gestern abend Richtung Athen, um mein Wahlrecht auszuüben.

Heute vormittag steuerte ich die zuständige Grundschule an. Es war ein ziemlicher Betrieb, denn obgleich neuerdings auch Briefwahl möglich ist, scheinen die meisten Wahlberechtigten ihr heiliges Recht doch lieber persönlich auszuüben. Ich begrüße das. Vor ein paar Jahren wurde leider das ebenso heilige persönliche Wahlbüchlein, in dem alle Wahlbeteiligungen durch die Wahlhelfer mit Stempel und Unterschrift dokumentiert wurden, abgeschafft und durch ein zentrales elektronisches Wahlregister ersetzt. Ersetzt wurde auch die Wahlpflicht durch das Wahlrecht. Und nun also die persönliche Wahl durch die Briefwahl? Das ist wie die Ersetzung des Bargelds durch die elektronische Währung. Da bin ich ganz altmodisch und sage: Nein, danke. Ich bin ein Wesen aus Fleisch und Blut, und die zu Wählenden ebenfalls. Schlimm genug, dass ich sie nicht persönlich befragen kann, bevor ich mein Kreuz setze.

Ich warte also geduldig in der  Schlange vor der offenen Tür zum Klassenzimmer, durch die ich die Wahlhelfer* beobachten kann, wie sie die Listen kontrollieren und die Wahlurne bewachen. Auch den Kinderzeichnungen neben dem Eingang gönne ich einen Blick.

Dann bin ich an der Reihe: Ich lege meinen Personalausweis vor, mein Name wird auf der Liste gesucht, gefunden (lächelnde Nachfrage: „Vater Hans? Sind Sie aus Deutschland?“) und mithilfe eines Lineals durchgestrichen. Dann händigt man mir einen Stapel Wahlzettel aus, die ein anderer Wahlhelfer* inzwischen zusammengesucht hat. Es sind 36! Und auf jedem Wahlzettel steht eine lange Kolonne von Namen!

Einen Teil des Stapels stecke ich nach getätigter Wahl ein. Vielleicht nutze ich die Rückseiten wie bei früheren Wahlen für Zeichnungen. Hier eine Pinocchio-Zeichnung, die den Geist der Wahlversprechen ganz gut illustriert.

Sechsunddreißig Gruppierungen also mit je vierzig bis fünfundvierzig Bewerbern, denen du deine vier Kreuze geben kannst. Donnerwetter! Zugegeben, das Ziel, einen Posten im Europaparlament zu ergattern, lohnt den Versuch. Außerdem kann man, ob rechts, mittig oder links, endlich mal seine hehren Ziele verkünden und Präsenz zeigen. Ich ziehe blind einen Zettel heraus, verwerfe das Ergebnis aber und wähle doch lieber sehenden Auges.

Das wars. War es das? Mal schauen, was uns die Kinder zum Wahltag zu sagen haben. Da ist der Panagiotis, der ein gestreiftes Katzenwesen mit vier kräftigen Beinen unter strahlender Sonne aufmarschieren lässt. Das Wesen heißt ΧΩΧΑΡΟΥΠΑΚΙ (Chocharupaki)**, nicht Kfbfk wie das von Calvino. Χω-χα (cho-cha. ho-ha) ist starkes Lachen, -aki ist eine Verkleinerungsform wie -chen, -lein. Also offenbar ein nettes Lachwesen.

Chocharupaki heißt auch das Wesen, das Mary gezeichnet hat, aber irgendwie sieht es doch trotz seiner vier kräftigen Beine anders aus als das vom Panagiotis. Ein helles Auge blickt aus rotem bestirntem Gesicht („bestirnt“ Stern/Stirn). Ein bisschen kätzisch ist sie freilich auch mit ihren gelben Öhrlein und dem Schnurrbart

Offenbar haben alle diese kleinen Künstler eine unterschiedliche Auffassung davon, wer oder was dieser Chocharupaki ist. Für Emmanuela ist es klar erkennbar eine Regenbogenkatze. Die weist mit forderndem Blick und Regenbogenschwanz auf einen Baum, der …, ja, was? Trägt der einen Babybaum in der Hand? Und warum versteckt sich ein anderer Regenbogen hinter ihm?

Auch Stefania hält es mit den Regenbogenfarben, und so bin ich versucht anzunehmen, dass die Lehrerin/der Lehrer den Kindern von einem Regenbogen erzählt hat, der als Katze Chochasupaki oder auch Chocharupaki daherkommt. Diese Malerin lässt die Erde zum Ball werden. Die Beine des Katzenwesens machen einen Regen-Bogen,und rechts und links davon wachsen Blümelein auf der gekrümmten Oberfläche der Erde, die Gewitterwolkenfarbe hat, während eine Sonne vom wolkenlosen Himmel strahlt.

Rührend zart mit rotem Näschen und roten Öhrlein schwebt der Chachorupaki von Wassilis Angelos daher. Sein Schwanz gleicht eher einem Flügel (der Zweitname Angelos bedeutet Engel). Seine winzigen Füßlein berühren nicht die Erde mit den zwei blassen Blümchen.

Das rätselhafteste Bild hat Angelos beigesteuert. Ich gebe zu, ich bin einigermaßen verliebt darein, zumal es mich ein  bisschen an den Herrn Kfbfk von Italo Calvino erinnert, der über Zeiten zu erzählen weiß, als das Weltall noch gar nicht entstanden war. Und wie das dann alles gekommen ist bis heute, bis zum Wahltag des Jahres 2024.

*“Der Tag eines Wahlhelfers“ ist übrigens eine fabelhafte Erzählung von Calvino, jedem ans Herz zu legen. Da erzählt er, wie es beim Wählen im katholischen Pflegeheim zugeht. 

**Das Chocharupaki ist offenbar ein Kindern der 2. Grundschulklasse bekanntes Wesen. Ich schaute im Internet nach,  fand dort noch viele Abbildungen und auch ein bebildertes Lesebuch dazu.

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In der Zeichenschule (11): Aphrodite

Der Kopf, den ich heute zeichnete, gehört der Aphrodite (Göttin der Liebe). Es ist ein schöner klassischer Frauenkopf mit reichem Haar, das in sanften Wellen zum Hinterkopf geführt wird. Ich zeichnete aus zwei Positionen: in der ersten war noch ein wenig von der anderen Gesichtshälfte zu sehen, in der zweiten nur das klassische Profil.

Natürlich war ich mal wieder überfordert. Immerhin machte ich zwei Zeichnungen, und die zweite fand unser junger Zeichenlehrer recht gelungen. Wie auch immer: ich habe wieder etwas dazu gelernt und habe inzwischen auch eine etwas leichtere Hand.

Zeichnung No 1: So weit kam ich mit meiner ersten Zeichnung. Der Frauentyp ist zwar nicht ganz getroffen, doch ist die Zeichnung nicht zum Wegschmeißen, finde ich. 

 

Hier noch mal eine frühere Phase, im Ausschnitt:

In der Zeichenschule aber ist korrekte Wiedergabe gefragt. Unser junger Lehrer nahm die Kohle und zeigte mir, wo die Fehler sind, zeigte mir seine Schraffiertechnik, korrigierte hier und da. Ich schaute gerne zu, um zu lernen und mich auszuruhen. Hier siehst du das Ergebnis.

Die reine Profil-Zeichnung machte ich dann, so gut ich konnte, im gerade abgeschauten Stil.

Natürlich machte ich am Computer dann noch Überblendungen, um zu sehen, ob die gezeichnete mit der fotografierten Skulptur zur Deckung kommt. Nun, es geht doch! Die zweite ist, was das angeht, fast perfekt. Irgendwann wird es mir auch gelingen, eine sowohl richtige als auch schöne und ausdrucksvolle Zeichnung zustande zu bringen. Ich bin halt eine unverbesserliche Optimistin,wenn es ums Zeichnen geht.

Auch die anderen Zeichenschüler waren fleißig bei der Arbeit. Ab nächster Woche bereiten  sich einige intensiv auf die Aufnahmeprüfung der Kunsthochschule vor.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: eine Honigmelone essen

Den bei Myriade angekündigten Eintrag („ich hatte vor, heute als „Lustbarkeit“ über die Beschäftigung mit Sterben, Tod und nachtodlichem Leben zu schreiben“) konnte ich nicht wie geplant verfassen, zu viel kam mir dazwischen. Erst waren wir in Kalamata einkaufen (Sonnenschutz für die Dachterrasse, Sitzkissen, Stangen für die Tomaten und natürlich Wein), dann besuchten wir unsere Taverne und ich schwamm eine Runde, bevor das Essen kam (Artischocken und Erbsen mit Karotten und Kartoffeln), danach fiel ich in einen schweren Schlaf, denn die Tage sind heiß und schwül. Kaum war ich wach, klingelte es, eine Freundin war mit ihrer Mutter (87) und deren Schwester (80) auf einen Sprung vorbeigekommen. Die jüngere Schwester fliegt nächste Woche nach Peking, wo ihr ältester Sohn beschäftigt ist. Sie ist vor zwei Jahren verwitwet und macht nun die großen Reisen. Ihre dunklen Augen blitzten unternehmungslustig.

Die Honigmelone kaufte ich am Vormittag, schnitt sie eben auf und löffelte die Hälfte aus. Köstlich, süß-fruchtig. Die andere Hälfte ist noch ungegessen. Insofern ist von der Melone deutlich mehr geblieben als von meinem Leben. Doch hat sie was davon? Nein. Ich aber hatte und habe den Genuss …

Die Kerne der Melone gehen in den Kompost und werden dort womöglich zu neuen Melonen heranwachsen. Das hat die Melone mir voraus. Denn ich werde, sobald mein Leben zuende ist, wohl kaum zu neuen Menschlein heranwachsen. Muss ich deshalb betrübt sein?

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Haus am Meer und mehr (tägliches Zeichnen)

Bei uns ist der Sommer ausgebrochen, und seit gestern wieder mal mit schwüler schwerer Atmosphäre. Da bewegt man sich ungern, außer im Meer. Dennoch ließ ich die Kohle ein paarmal über die Leinwand wandern, die ich als eine Art Whiteboard behandle: zeichnen und auswischen und wieder zeichnen. So entstanden vier Skizzen.

Diese Skizzen habe ich dann am Computer überarbeitet – teils mit Fotoüberblendung, teils mit Filtern und/oder Restfarben-Verstärkung. Letzteres bedeutet, dass ich die Restfarben, die beim Fotografieren der Zeichnungen entstehen, am Computer verstärke.

Die erste Skizze -Plastikwasserflaschen – ist die einzige, die ich vor dem Motiv machte, die anderen sind der Erinnerung entsprungen.

1. Wasserflaschen mit Fotoüberblendung. Die Federzeichnung links gehört zum Foto.

2. Durchgang, mit „Fresco-Filter“.

3.Haus in der Bucht (mit Fotoüberblendung)

dasselbe (Restfarbenverstärkt)

4.Küste mit Häusern (Restfarben-verstärkt und Ölfilter)

 

 

 

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In der Zeichenschule (10)

Als ich heute in die Zeichenschule kam, war ich positiv überrascht von den farbigen Arbeiten, die inzwischen entstanden sind. Da ist nicht mehr viel zu spüren von der ängstlichen Bemühtheit der akademischen Zeichnung, da herrscht Freude an Farbe und Ausdruck. Ein paar habe ich fotografiert.

Das dritte ist noch nicht weit gediehen, das vierte ist eine Kopie eines Werks von Picasso.

Ausdrucksstark fand ich auch die Zeichnung der Göttin Hygeia (Gesundheit) von Freundin Magda, die manche von euch wohl noch kennen aus Zeiten, als wir gemeinsam in meinem Atelier zeichneten. 

Meine heutige Zeichnung ist unvollständig geblieben, da ich nach zwei Stunden weg musste. Das Thema ist immer dasselbe: der Jünglingskopf im Profil, mit seinem Spiegelbild. Diesmal ist der gespiegelte Kopf tatsächlich der dunkle Bruder des Jünglings und keine weibliche „anima“ geworden. Die prächtig geflochtene Frisur wurde zur helmartigen Kopfbedeckung.  Den ägyptischen „Pharao“ habe ich nur angedeutet. Es ist dies mein vierter Anlauf.

Zum Vergleich die vorigen Anläufe. Das letzte ist die mit einem Foto überblendete vierte Zeichnung.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: nach den Strandkakteen schauen

Über die riesigen in weißen Töpfen an einer weißen Wand direkt am Ende des Geröllstrandes stehenden Kakteen habe ich schon gelegentlich berichtet (hier) oder (hier). Nicht nur sind sie eindrucksvolle Skulpturen, sondern sie blühen auch mit wunderbaren zärtlichen Blüten. Mein Problem ist, dass ich diese Blüten noch nie wirklich fotografieren konnte, denn entweder waren sie noch halb geschlossen oder sie hingen schon, schlaff von der Tageshitze, herab.

(Fotos von Juli/Augusgt 2020 bis 2023)

In diesem Jahr haben sich bereits eine Menge vielversprechender Knospen gebildet

und ganz unten, am Fuße des einen Giganten, sind auch zwei noch geschlossene Blüten zum Vorschein gekommen. Beim Öffnen habe ich sie nicht erwischt. Ich weiß nicht, um welche Tageszeit sie genau aufgehen, vermutlich am späten Vormittag. Ich werde aufpassen und genau timen müssen, um ihrem Erblühen beizuwohnen.

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Dienstag-Drabble: Sicherheitssysteme (3)

Heide von der Puzzleblume lädt ein:

„Für den heutigen Drabble-Dienstag gelten die Wörter Sicherheitssystem + aufblasen + unheilverkündend. Diese sind in einem Text mit exakt 100 Wörtern einzubauen, wobei Überschriften und Erklärungen nicht mitzählen, man sie beugen darf, aber nicht durch Synonyme ersetzen. Ausserdem soll ihre Wortart als Substantiv, Verb und Adjektiv unverändert bleiben.“

Triggerwarnung! Dies ist eine leider überhaupt nicht fiktive Etüde. Ich überlegte, ob ich die grässliche Wahrheit dahinter in diese kleine Form packen dürfe. Es gäbe ja so viel mehr dazu zu sagen. Aber im Grunde spielt es keine Rolle, so mag es auch dies wenige tun.

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Die unheilverkündenden Nachrichten überschlagen sich.  

Werden gerade die letzten Sicherheitssysteme beseitigt, die uns vor dem Atomkrieg schützen sollen? Ziele in Russland wurden für westliche Langstreckenraketen freigegeben. Zeitgleich setzten Ukrainer das russische Frühwarnsystem teilweise außer Kraft. Warum? Soll Moskau nicht erkennen, wenn es atomar angegriffen wird? Schon einmal schlitterten wir haarscharf an einer Totalkatastrophe vorbei. Damals war es ein Fehlalarm, den ein sowjetischer Oberstleutnant 1983 selbstverantwortlich als solchen einstufte und so die atomare Katastrophe verhinderte.

Ich möchte die Gefahren nicht künstlich aufblasen, doch greife ich mich verzweifelt an den Kopf.  Ruft denn niemand: Haltet ein!? Gibt niemand dem Frieden eine Chance?

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Dienstags-Drabble: Sicherheitssysteme (1)

Heide von der Puzzleblume lädt ein:

„Für den heutigen Drabble-Dienstag gelten die Wörter Sicherheitssystem + aufblasen + unheilverkündend. Diese sind in einem Text mit exakt 100 Wörtern einzubauen, wobei Überschriften und Erklärungen nicht mitzählen, man sie beugen darf, aber nicht durch Synonyme ersetzen. Ausserdem soll ihre Wortart als Substantiv, Verb und Adjektiv unverändert bleiben.“

Drabble (1)

Nacht. Er fühlte, wie die Bedrohung wuchs. Unheilverkündende Nachrichten füllten das Abendprogramm. Natürlich, die Journaille blies jede Mücke zum Elefanten auf, dennoch war es möglich, dass eines der Sicherheitssysteme, mit denen er sein Leben überschaubarer gemacht hatte, zusammenbrach.  

Was nützten Aktienpakete, Alarmanlagen, Überwachungskameras und Freunde in der Politik, wenn das Chaos ausbrach? Die Menschenmeute würde die Geschäfte leerfegen, in seine Besitzungen einbrechen, seine sorgfältig angelegten Vorräte plündern.

Liebevoll betrachtete er seine letzte Sicherheit, wog sie in der Hand, entsicherte sie. Ein Schuss, und keine Sorgen mehr.

Am Morgen. Die Sonne bescheint heiter und sorgenfrei den toten Mann auf seinem Lehnsessel.

 

 

 

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