Maske im Atelier (6), mit Draperie und Besen

Mir gehen langsam die Requisiten aus, um die aus der Zeichenschule entliehene antike Theatermaske angemessen zu begleiten. Heute positionierte ich sie auf dem Sofa und nahm zur Hilfe das türkisfarbene Sommerkleid von gestern, einen Bettbezug, ein Kissen und einen Besen. Ein klassischer Arbeiter der Stadtreinigung, von der Hitze erschöpft, geköpft.

Das Zeichnen mit Kohle auf dem glatten Papier machte mir wieder Schwierigkeiten, da die Kohle kaum haftet, auch war mir der Zeichenbogen zu klein. Um dennoch die Gesichtszüge einigermaßen wiederzugeben, musste ich den Kopf vergrößern und das Umfeld verkleinern.

Zwecks Überblendung schnitt ich die Zeichnung auseinander.

Wenn ich keine Zeichenpappen finde, werde ich wieder auf Leinwand wechseln (No 1 und 2). No 3 habe ich auf der Rückseite einer großen billigen Pappe gezeichnet, No 4 auf der Rückseite eines guten Zeichenkartons, No 5 und 6 auf dünnem glattem Papier. Hier die Übersicht über die bisherigen Zeichnungen mit der Maske. Anklicken = größer sehen.

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Maske im Atelier (5) Mit Draperie und Clownsmaske

Gestern kam ich nicht zum Zeichnen, doch heute habe ich die antike Theatermaske aus Gips, die ich aus der Zeichenschule zu Übungszwecken mit nach Hause nahm, erneut gezeichnet. Ich suchte, dem Vorschlag von Frau Wildgans folgend, nach einer Draperie in Türkis, fand auch ein altes Handtuch und eine Clownsmaske aus Plastik, und voila!

Die Zeichnung machte ich mangels Zeichenpappe auf dünnem glattem Papier, das die Kohle kaum hält. Es hat den Vorteil, dass man alles Gezeichnete fast spurlos wieder auslöschen kann. Eigentlich ist das ein Nachteile, aber mir kam das zupasse, als das Tageslicht verlosch und das von oben kommende Deckenlicht ganz neue Schattenverhältnisse hervorbrachte.

Die Überblendung machte ich stückweis, da die Masken auf der Zeichnung näher zueinander angeordnet sind.

Die bisherigen Zeichnungen mit der Maske im Überblick:

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Klarer Himmel, klares Meer

Ich habe nichts Ungewöhnliches oder gar Bedrohliches zu melden – und das ist doch eine Meldung wert, finde ich. No news, good news. Nach den roten Himmeln, die von fernen Feuern kündeten…

kamen Tage mit Wolkenbergen, die sich auflösten. Nun ist der Himmel wieder nichts als blau.

Am Morgen, wenn der blaue Himmel das Meer überspannt, ist auch dieses blau.

Oder grünblau, dort wo der waldige Hang sich spiegelt.

Oder durchsichtig blau dort, wo es den kieseligen Strand berührt.

Noch liegt der Strand im Schatten. Ein paar Schritte nur, und ich schwimme im klaren lichtfunkelnden Meer. Das Bötchen, das auf dem Panorama-Foto oben im Zentrum schaukelt, tuckert nun hinaus und verschwindet um das waldige Kap. Die ersten Strandbesucher erscheinen, breiten ihre Tücher aus, spannen ihre Sonnenschirme auf, kontrollieren die Schwimmwesten der Kleinsten, lassen den Hund nach einem Ball schwimmen. Ich steige wieder an Land und bilde mir ein, dass Frieden auf Erden herrscht – den Menschen ein Wohlgefallen.

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Von Wolken und Menschengesichtern (Kleine Beobachtungen)

Heute war viel Betrieb in „unserer“ Taverne, denn morgen ist der 15. August – der Höhepunkt des griechischen Sommers. Da feiert man die Grablegung der Panagia, der Allerheiligsten, der Theotokou – Gottesgebärerin – Maria. Die Großstädte leeren sich, das Volk begibt sich ans Meer oder auch in die Berge. Es ist eines der ganz großen Feste der Orthodoxie. Maria – das ist Anknüpfung an die uralten Mutterkulte, an die Verehrung der Großen Göttin. Die Anrufungen der „Himmelskönigin“, der Gebährenden, Nährenden, der Herrlichen ….gleichen denen, die aus der Zeit Homers überliefert wurden.

Aber warum vorgreifen? Heute ist heute, der 14. August. Die Tavernen sind voll, und ich habe reiche Auswahl zum Beobachten. Doch schließlich wende ich mich dem Himmelsausschnitt zu, der zwischen Ziegeldach und Hauswand sichtbar wird. Und beobachte die Wolke, die dort steht.

Ich sehe eine Menge Wolkengesichter und schaue ihnen zu, wie sie sich verwandeln.

 Zwischen Bild 1 und 2 liegt eine halbe Minute, zwischen Bild 2 und 3 liegen 13 Minuten.

Kann man die Wolkengesichter auf dem Foto erkennen? Vielleicht hilft es, die Fotos mit einem Schwarz-Weiß-Filter zu übergehen?

Sicher kannst du einige Köpfe entdecken. Denn du kennst das ja: in jedem Wolkengewimmel gibt es sie, eben noch waren sie sehr deutlich, und schon verschwimmen sie, Neues bildet sich. Festhalten geht nicht.

Aber wäre ich ein Mensch, wenn ich nicht jedenfalls versuchen würde, das ewig sich Wandelnde, Vergängliche festzuhalten? Diesen Wolkenkopf zum Beispiel….Wenn es denn überhaupt ein Kopf und nicht irgendwas ganz anderes ist…

Schließlich aber wende ich mich doch wieder den Menschen zu und kann es nicht unterlassen, die junge Bedienerin zu fotografieren, weil ich meine, in ihr Züge der altgriechischen Skulpturen wiederzufinden, …

deren gipsene Abgüsse ich mich zu zeichnen bemühe, wenn ich in die Zeichenschule gehe.

 

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Dienstagsdrabble No 2: Blüten, Muscheln

 

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Meeresschnecken-Gehäuse, Kugelschreiber-Zeichnung

 

Blüten, Muscheln

 

Muschelsammeln ist wie Blumenpflücken

So wie wenn du still durch Wiesen gehst

Und dich nach der Allerschönsten drehst

Und bereit bist, dich nach ihr zu bücken

 

Muschelsammler zieh’n an allen Küsten

Über Steine, Schlick, Geröll und Sand

Und sie nehmen forschend Muscheln in die Hand

So als ob sie ihr Geheimnis wüssten.

 

Wissen sie’s? Von welchen Geistern kommen

Diese Formen, dieser Perlmuttglanz?

Solche Fragen sind wohl Firlefanz,

Nichts für Forscher, höchstens für die Frommen.

 

Ruhig liegen, seit die Flut gewichen

Herzensmuscheln zwischen Schlick und Schlamm

Was im Meere quicklebendig schwamm

Tot ist es, gestorben und verblichen,

 

Gehäuse nur

Der Allnatur.

 

 

Dies ist mein zweites Drabble zur heutigen Runde mit Wörtern, die Heide vom Puzzleblumen-Blog ausgesucht hat. Die Wörter sind: Muschelsammler, liegen, ruhig. Der Text muss genau 100 Wörter umfassen (der Titel zählt nicht mit).

 

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Dienstagsdrabble: In Steinen tuschelt Muschelkalk

Wir sind nur Steine, ganz banal,

den Muschelsammlern piepegal.

Die schaun nur nach den angeschwemmten

von Wellen flüchtig eingeklemmten

intakten Muscheln, und sie bücken

sich eifrig nach den besten Stücken.

Wir Steine liegen nur so rum

Sind schwer und rund und meistens stumm.

 

Vielleicht meinst du, dass du uns hörst

Wenn du mit Schritten uns aufstörst?

Doch was du hörst, ist nur das Kollern

Wenn unterm Fuß wir dir wegrollern.

Nur wenn du völlig ruhig bist

Und Zeit und Raum, dich selbst vergisst

Hörst Muscheln

Leis tuscheln

Hörst Muschelkalk in uns wohl raunen

Und was du hörst, wird dich erstaunen.

 

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Dies ist ein Beitrag zum Dienstagsdrabble, das Heide von der Puzzleblume ausrichtet. Zu erstellen war ein Text von genau hundert Worten, unter denen drei von Heide aus einem Buch ausgewählte sein müssen. Die drei Wörter sind:  Muschelsammler – liegen – ruhig

 

 

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Maske im Atelier (4) mit Hut und Mme Kolokytha

Dies ist nun meine vierte Kohlezeichnung der Gips-Theatermaske, die ich von der Zeichenschule mit heimnahm. Bisher konnte ich meine Vornahme, jeden Tag eine Zeichnung davon zu machen, verwirklichen.

Die an den drei Vortagen gezeichneten

Heute zeichnete ich auf der Rückseite eines Zeichenkartons im Format 50 x 60 cm. Die Maske bekam einen Hut, und ihm zur Seite stand Mme Kolokytha. Manche von euch kennen sie vielleicht noch, sie hatte einige große Auftritte Anfang 2018 und führt seither ein beschauliches Leben auf der Fensterbank.

Ihre heutige Rolle war eher bescheiden, doch wusste sie sich charmant in Pose zu setzen. Und so warf der Griesgram unter seinem Sonnenhut einen begehrlichen Blick auf sie. 

Mit verstärkten Restfarben stellt sich die Szene so dar:

und als Foto so:

 

 

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Maske im Atelier (3) mit Puppe und Widderkopf

Heute machte ich meine dritte Zeichnung „mit der Maske“. Wie ich erzählte, lieh ich sie am Donnerstag in der Zeichenschule aus, fest entschlossen, jeden Tag eine Zeichnung mit stets anderem Aufbau davon zu machen.

Die beiden schon gezeigten Zeichnungen (Kohle auf Leinwand)

Heute nahm ich keine Leinwand, sondern zeichnete auf der Rückseite einer großen schon bemalten Zeichenpappe (70×100 cm). Zu Hause arbeitete ich im Stehen, in der Zeichenschule im Sitzen. Dort ist das Format 50×70. Bei größeren Formaten geht es im Sitzen nicht.

Vor den Erfolg ist der Schweiß gesetzt. Meinen ersten Entwurf hatte ich nach zwei Stunden fertig – mit schmerzenden Füßen und schweißüberströmt. Denn wir haben hier mittags um die 36 Grad – im Atelier zwar weniger, aber es reicht auch so.

 

Ich machte eine Pause, kümmerte mich um einen Mittagsimbiss, und wir aßen. Für die Siesta aber nahm ich mir keine Zeit, denn ich wollte die Zeichnung bei Tageslicht zuende bringen. Tatsächlich war sie gegen 5 Uhr fertig.

Auf der Pappe sind nicht so große Kontraste möglich wie auf der Leinwand. Die Pappe nimmt die Kohle nicht so gut an.  Dadurch wirkt die Zeichnung lyrischer, nicht so dramatisch wie die anderen beiden.

Ein Blick auf die fotografierte Szene.

Die Überblendungen mit dem Foto brachten keine guten Ergebnisse. Hingegen gibt die Verstärkung der Restfarben des Fotos der Zeichnung einen altmodischen Touch, was gut passt.

Schließlich gab ich der Puppe noch ihre blauen Haare.

Und wer erzählt nun das Märchen zur Zeichnung?

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Maske im Atelier (2) mit Puppe (tägliches Zeichnen)

Am Donnerstag nahm ich eine Gispsmaske aus der Zeichenschule mit nach Hause. Die will ich nun täglich in einem anderen Kontext zeichnen. Die gestrige Zeichnung – Maske mit Vase – zeigte ich schon.Heute zeichnete ich auf derselben Leinwand, nachdem ich die gestrige grob abgewischt hatte. Zur Maske setzte ich die blauhaarige Puppe, die ich vor vielen Jahren fand und die mir seither manchmal als Modell diente.

Daraus wurde folgende Zeichnung:

a) erstes Stadium  b) zweites Stadium

 

Die erste Zeichnung habe ich mit dem Foto überblendet. Dabei entstanden interessante Effekte.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Den Marathonlauf in Paris anschauen

Die Technologie hat schon eine große Verführungskraft. Gestern noch las ich mit ziemlichem Entsetzen von einer bei Moskau geplanten Smart City, wo die Familie nicht nur in vollkommen überwachter Bequemlichkeit lebt, sondern auch, ohne sich von der Stelle zu rühren, in tropischem Klima einen Coctail am Palmenstrand trinken kann, wann immer es ihnen beliebt.

Heute sitze ich selbst, freilich nach einer realen Schwimmrunde im Meer, bequem vor der Mattscheibe und renne virtuell durch das in morgendliche Sommersonne getauchte Paris. Und bin fasziniert. Schön ist Paris aus dieser Perspektive, und der Marathonlauf ist sowieso die Königin aller Disziplinen.

Der Rhythmus der Läufer geht mir ins Blut, ihre Leichtfüßigkeit, fast scheinen sie zu fliegen.

Aber nein, sie fliegen nicht, sie kämpfen, Schritt für Schritt auf der schier endlosen Strecke von über 42 Kilometern kämpfen sie sich voran …

geben nicht auf, laufen hinein in die Schatten, ins Licht der Straßen, tauchen in einen Tunnel ein…

laufen vorbei an rufenden Menschen, die ihnen zuwinken, ergreifen Flaschen wie im Flug, sprühen sich Wasser in den Mund, aufs Haar, laufen.

Zwei Stunden laufen sie in atemberaubendem Tempo, dann erscheint in der Ferne die Ziellinie. Einer wird sie als erster überqueren, da ist er schon, winzig klein auf der blauen Fläche.

Er ist für das Land seiner Geburt gelaufen, für Äthiopien, dessen schöne Fahne er sich nun über die Schultern legt. Tamirat Tola heißt er. Er bewältigte die Strecke in 2:06,26 Stunden und stellte einen neuen olympischen Rekord auf.

Schon überquert der zweite die Ziellinie. Bashir Abdi aus Belgien. Er ist ebenfalls ein großartiger Läufer, ein Kämpfer. Doch er läuft nicht für das Land seiner Vorfahren, sondern für ein anderes, das seine Vorfahren versklavte.

Der Sieger im Marathonlauf der ersten modernen Olympischen Spiele 1896 war übrigens Spyridon Louis aus Maroussi – Schafhirte, Rekrut und Wasserträger unter Oberst Papadiamontopoulos, der ihn bewog, am olympischen Marathonlauf teilzunehmen. Die beiden Nächte vor dem Rennen betete Louis und am Tag vor seinem Start fastete er. Die Strecke von Marathon bis zum neu erbauten Marmor-Stadion Panathinaiko in Athen betrug  40,234 km und war natürlich nicht asphaltiert. „Hitze, staubige Straßen, die hügelige Strecke (…) forderten ihren Tribut“. 17 bis 25 Athleten aus fünf oder mehr Ländern nahmen teil, aber viele gaben vor dem Ende auf. Spyros Louis lief die volle Strecke, die der des Boten entsprach, der den Athenern den Sieg über die Perser im Jahre 490 v. Chr. verkündete, in knapp drei Stunden (2:58:50 h). (zitiert nach Wikipedia)

 

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Trainingsfoto April 1896 von Burton Holmes, published 1901, in der Mitte der zweite im Marathonlauf Harilaos Vasilakos
 
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