Archivbild der Woche, 4. Mai: Herr Paradeiser

Heide hat angeregt, an jedem Sonntag in die Archive hinabzusteigen und nachzusehen, was einem an einem Tag wie diesem zugefallen ist oder einen bewegt hat. Bei mir war es am 4.5.2017 der Herr Paradeiser, dem eine Katze beinahe den Garaus gemacht hätte.

Frau Jules Fisch, Herr Paradeiser:

Die beiden treten in einer abc-etüde auf. Und wie ich eben nachlas, fand Bruni es schade, wenn die beiden sogleich wieder vergehen würden. Sie schrieb:

„Frau Jules Fisch, Herr Paradeiser,
und ihre Katze mit fürchterlicher Tatze
und ebensolcher Teufelsfratze

gefallen mir sehr, liebe Gerda, und ich finde, sie sollten nicht gleich wieder in der Versenkung verschwinden, sondern weiterleben, denn die Geschichten von ihnen sind viel zu schön,um gleich wieder zu Ende zu geh´n…“

Frau Jules Katze:

Wer das ganze Poem nachlesen möchte: bitte hier entlang.

 

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Kopfbedeckungen und Denkstile (Impulswerkstatt Bild 3)

Diese Damen haben ihr Haar ordentlich unter einer Haube verborgen und die Augen niedergeschlagen. Jetzt dürfen wir sie betrachten, ohne dass die Gefahr besteht, dass sie zurückschauen. Also betrachten wir sie. Und was sehen wir? Nichts. Weiße verschlossene Gesichter. Brav, tugendhaft, glatt vermeiden sie jeden persönlichen Ausdruck, der als Initiative gedeutet werden könnte. Sie sind Erwartende, schlafende Prinzessinnen, und ein Mund wird ihnen erst erblühen, wenn ein Prinz mit dem Herrn Vater eine ordentliche Mitgift ausgehandelt hat.

So sollt ihr sein, ihr Mädchen und Frauen! Die Haube darf nur der Angetraute lüften, er wird das Haar fließen sehen – oder ist es kurz geschoren? Er wird einen Mund erschaffen, um ihn zu küssen. Wird der Mund dann auch reden? Kusch! Halts Maul!

O nein! Das Maul werden sie nicht halten, wenn sie erst entbunden sind. Sie werden ihre Augen aufreißen, funkelnd von Leben und Leidenschaft, von Gier und Schadenfreude! Ihre Männer werden nach ihrer Pfeife tanzen. Sie werden zischeln und raunen und keifen und tratschen was das Zeug hält. Und sich den Mund zerreißen über die, die unbehütet mit wilden Locken durchs Leben rennen. Hochmütig schauen sie auf die, die meinen, sich selbst helfen zu können. Sie sind die Herrinnen im Haus. Es ist ja so einfach, den Schein des Gehorsams zu wahren. Jouer le jeu de l’inferiositέ / das Spiel der Unterlegenheit spielen, das sei der Trick, um jeden Mann um den Finger zu wickeln – so riet mir einst eine nicht schöne, sehr erfahrene Französin, und nun, 65 Jahre danach, fiel es mir eben wieder ein.

Ihre ordentlich gescheitelten Köpfe, die langsam ergrauen, gestaltete der belgische Künstler Martin Margiela. Ich sah sie im April 2024 in der Galerie Bernier-Eliades.

Ein wenig gruselte es mich bei ihrem Anblick.

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Dies ist mein erster Beitrag zu Myriades neuer Runde der „Impulswerkstatt Mai-Juni“, Bild drei.

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Gingernillis 3: Schiffchen 1

Gingernilli ist ein Basler Kultwort, wie mich das internet informierte. Und da Juzicka-Jess (Amorak) diesen Ausdruck für ihr neues Projekt gewählt hat, werde ich es hier  benutzen, um überflüssigen und halb vergessenen Krimskrams ans Licht der Gegenwart zu ziehen.

Viele Schiffchen haben in unserer Wohnung einen letzten Hafen gefunden. Eines ist dieses Fischerboot, das vor einem in Kuba von einem Straßenkünstler einst erworbenen Portrait des zigarrerauchenden Che und gewichtigen Büchern dahintreibt.

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Woher es stammt? Ich weiß es nicht mehr, und die rote Flagge am Heck gibt auch keine Auskunft.

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o.T.

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Gingernillis 2: Osterhasen

Was dem Weihnachtsmann recht ist, ist den Osterhasen billig, meinen letztere. Sie wollen jetzt sofort im neuen  Projekt „Gingernillis“ aka Krimskrams von Juzicka-Jess (Amorak) ihren Auftritt haben. Meinen Einwand, Ostern sei doch grad erst vorbei, wischen sie mit einem hochmütigen  „Papperlapapp!“ weg.

Den ollen Computer soll ich bitte auch wegräumen und ihren Standplatz angemessen dekorieren.

Na also! Geht doch!

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Sei mir willkommen, Mai! „Zehn der Kelche“ als Monatsbegleiter

In der 5. Raunacht zwischen dem 29. und 30. Dezember zog ich eine Tarotkarte für den fünften Monat des kommenden Jahres. Es war die vielversprechende Karte „Zehn der Kelche“.

Dazu schrieb ich:

„Das einfache Glück eines Paares mit zwei spielenden Kindern, sie breiten weit ihre Arme aus, umarmen Himmel und Erde. Auf dem grünen Hügel ihr Häuschen mit rotem Dach. Und über allem erhebt sich ein Regenbogen aus Kelchen! Regenbogen – Versöhnung des Göttlichen mit dem Menschlichen, Schluss mit Sintfluten und anderen menschheitsvernichtenden Katastrophen! Ein Bächlein sprudelt munter über grüne Wiesen herab.

Und was bedeutet das für mich? Ich lebe auch in einem Paradies. Über uns wölbt sich Tag für Tag der blaue und Nacht für Nacht der sternenfunkelnde Himmel Griechenlands (außer es regnet, was ebenfalls gut ist).“

Für mich sind, ich sage es hier noch einmal, die Tarotkarten keine Profezeiungen, sondern Aufforderungen, mich mit bestimmten Aspekten meines Lebens einen Monat lang besonders intensiv zu befassen. Wenn nun so eine freudvolle Karte fällt, gibt es nichts zu bedenken, oder? Und ich notierte:

Soll ich mich einfach nur an den Früchten meines Lebens erfreuen? Genau! Das ist es! Nichts gibt es zu bedenken. Freu dich einfach, von Herzen und ohne Wenn und Aber! Kannst du nicht? Dann lerne es im Mai!

Das also ist die Aufgabe für diesen Monat: mich einfach und von Herzen des Lebens zu freuen und alles Wenn und Aber beiseite zu legen. Uff! Einfach wird das nicht sein! Aber ich trainiere ja schon seit langem in diesem Blog, wo ich alles das, was mein Herz bedrückt, weitgehend ausschalte, mir kaum mal Hinweise auf böse Entwicklungen gestatte und ansonsten Lustbarkeiten und hoffnungsfreudige Bilder poste. Da soll es mir wohl auch im Alltag gelingen, die Dunkelheiten und Schrecken auszuklammern … oder ihnen jedenfalls nur soviel Platz einzuräumen, dass das Fest des Lebens nicht durch sie erdrückt wird.

Zur Karte machte ich schon im Dezember eine neurografische Zeichnung. Und schrieb dazu:

Zuerst zeichnete ich uns Drei der inneren Familie als Kreise. Die Kelche verteilte ich in freiem Tanz um uns. Aber merkwürdig, sie gerieten mir zu spitzen Dreiecken = Schwertern der Gedanken! Entschlossen umkreiste ich all die Spitzen mit runden „Kelchen“, verband und rundete ab, so dass nichts Spitziges mehr blieb…

Aus dem Gewirr der Linien schälte sich die Gestalt eines Ölbaumes heraus. Und das freut mich sehr. Denn der Olivenbaum ist für mich Symbol geworden für tiefe irdische Verwurzelung, für Fruchtbarkeit auch aus steinigem Boden und in dürren Zeiten, für schwarze Bitternis, aus der köstliches goldenes Öl gepresst werden kann, das uns Menschen ernährt. Ölbäume – das bedeutet materielle Sicherheit, Heim, Familienglück. 10 Kelche eben.

So will ich nun leichten Herzens in den Mai starten. Und wünsche allen meinen Lesern:

Ευτυχισμένη Πρωτομαγιά!

Glückseliger Erster Mai

 

 

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Gingernillis 1: Weihnachtsmann

Juzicka-Jess (Amorak) hat eine neue Challange ausgerufen. Diesmal geht es um Krimskrams, oder genauer: jeden Tag im Mai ein unscheinbares Ding zu zeigen, das sich im Haushalt herumtreibt. Wir kennen sie alle: irgendwie irgendwann wurden sie angeschwemmt, aufgehoben, weggelegt, und nun sind sie da. Wegwerfen geht irgendwie nicht, brauchen tut man sie auch nicht.

Ich bin versucht, auch diesmal mitzumachen, da ich diese kleinen überflüssigen und meistens kitschigen Dinge gerne ehre. Wie manche von euch vielleicht erinnern, habe ich eine ganze Serie gezeichnet und sogar einen Kalender draus gemacht. Ich nannte die Serie: „Kleine Dinge ans Licht heben. Daraus werde ich in dieser Runde schöpfen und natürlich auch Neues präsentieren.

Heute zum Start und Ersten Mai ein Weihnachtsmann, der am Schlüsselbord hängt. Wielange schon? Wer hat ihn gebracht? Vergessen.

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In der Zeichenschule 38: drei mal Modell

Heute ging ich zum Zeichnen mit Modell. Drei Kohlezeichnungen entstanden in jeweils einer halben Stunde. Es ist immer dieselbe Position, aber ich probierte verschiedene Zeichenstile aus.

Im Laufe der letzten Monaten hatte ich insgesamt sieben mal Gelegenheit, dieses Modell zu zeichnen. Dabei entstanden vierzehn großformatige Kohle- und zwei Buntstiftzeichnungen.

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Der April und die Königin der Stäbe

Die Vornahme für den April 2025, wie ich sie mir in der Raunacht am 29. Dezember beantwortete:

„Mein Selbstbewusstsein als Frau stärken…

Im April also werde ich an meinem Selbstbewusstsein arbeiten: Kenne und anerkenne deine Kräfte! Denke dich nicht klein! …

Was die schwarze Katze betrifft, so sagt sie mir vielleicht, dass ich auch meine intuitiven Erkenntniskräfte, die in den Tiefenschichten des kollektiven Unbewussten wurzeln, schätzen und nähren darf.“

 

Damals, in der Rauhnacht, eignete ich mir diese Karte durch eine neurografische Zeichnung an. Dabei entdeckte ich, zu Recht oder zu Unrecht, eine Ähnlichkeit mit der Venus von Willendorf, was meinem Selbstbewusstsein gut tat.

28. Dezember 2024

Wie aber entwickelte sich die Erfahrung mit dieser Karte weiter? Am 13. April hatte ich den Eindruck: nicht besonders. „Ich brauche einen Durchbruch!“ formulierte ich und zeichnete die Karte erneut.

Kraftvoll, aber eingeschnürt das Ganze, empfand ich. Das Wort „Durchbruch“ kam mir plötzlich suspekt vor. Ich schrieb eine Liste von Assoziationen und merkte: Nicht nur positiv konnotierte ich diesen Begriff, sondern er war vor allem angstbesetzt. Denn er hallte mir aus dem Krieg, in dem ich geboren wurde, entgegen: Hatte meine Mutter nicht nachts am Volksempfänger gesessen und angstvoll gelauscht, ob der so oft versprochene und beschworene „Durchbruch“ gelungen sei? Fiel mein Vater nicht im Kessel von Stalingrad?

Angsterfüllt waren auch andere Assoziationen: das Kellerfenster zerbricht, die Wasser des plötzlich tauenden Schnees überfluten den Keller und die dürftigen Vorräte. … Mauern, Schutzwälle werden durchbrochen, und der „Feind“ kommt durch die Lücken herein und metzelt alles nieder. Es wurde eine lange Liste negativer und positiver Gefühle, an der ich mich dann neurografisch abarbeitete. Dabei stellte ich u.a. fest, dass die Zeichnung, die für mich ein in die Vergangenenheit (nach links) blickendes weibliches Profil darstellte, sich aus einem Punkt heraus spiralförmig entwickelte, und dieser Punkt, genannt „selbst“, saß im „Kleinhirn“, dem ältesten Teil des Hirns also, der noch kaum vom Bewusstsein durchdrungen ist. In ihm hocken die vorbewussten Informationen über Gefahren und glücklichen Ausgang.

Ein leichter, fröhlicher „Durchbruch“ gelang mir erst, als ich mich von meinem Inneren (meinen vorbewussten Prägungen) weg- und nach außen, also der Natur zuwandte. Draußen herrschte ein kräftiger Frühlingstag, und es galt, Zwiebeln zu setzen. Schon bald würden sie mit ihren Keimen das Erdreich durchbrechen und beginnen, unter Sonnenschein und Regen zu wachsen und zu spießen.

Ich freute mich sehr über diese Zeichnung. Sie brachte mich inEinklang mit dem Natürgeschehen. Und wie gings weiter? Am 24. 4. machte ich eine weitere von der „Königin der Stäbe“ geleitete neurografische Zeichnung, um mir den Übergang von der reproduktiven Phase der Weiblichkeit zur Altersphase mit ihren besonderen Anforderungen zu verdeutlichen.

Und schließlich fasste ich die Erfahrungen dieses Monats, geleitet durch die fünf chinesischen Elemente,  in einem neurografischen Baum zusammen. Grün (Holz) symbolisiert den Beginn, Zeugung und Kindheit,  Rot (Feuer) die Jugend und den frühen Sommer mit ihrer feurigen Kraft, Goldgelb (Erde) die Mitte des Sommers und das Reifen, Grau (Metall) den Herbst, in dem sich die Lebenskräfte langsam zurückziehen, Blau (Wasser) das Loslassen oder Bewahren, je nachdem. Die nicht eingefärbten Teile zeigen das Potential, das noch gelebt sein will.

Ich hoffe, dieser Durchgang hat ein wenig von meinem inneren Prozess, der in diesem Monat unter dem Zeichen der „Königin der Stäbe“ stand, verdeutlichen können. Aber natürlich sind die Zeichnungen und Worte nicht mehr als eine kleine Anregung.

 

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Zeigt her eure Tassen 30: Tasse mit Selfie und eine Übersicht

Dreißig Tage – dreißig Tassen. Das war wirklich ein Challange. Doch wenngleich ich gar nicht viele Tassen besitze, habe ich immer noch Zeichnungen mit Tassen in Reserve.

Heute steht eine schlichte weiße Tasse neben dem Arm meines Mannes. Davor habe ich einen runden Rasierspiegel platziert, um den Raum, den Arm, die Tasse und ein Selfie zu zeichnen.

So voll, wie es aussieht, ist es nicht, denn der Raum ist groß und die Rückwand mit dem Bücherregal etwa sieben Meter von meinem Platz entfernt. Doch die gewählte Perspektive vernichtet den Zwischenraum.

So, das wars mit den Tassen. Herzlichen Dank, Juzicka-Jess (Amorak), für deine Anregung! Hat Spaß gemacht!

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