Zimmerreise : L wie Lampen

https://puzzleblume.wordpress.com/2021/05/28/einladung-zu-den-zimmerreisen-06-2021/

In der Wohnung taste ich mich von Lampenschalter zu Lampenschalter, um meinen Weg zu erleuchten, oder, im umgekehrten Vorgang, ihn hinter mir zum Erlöschen zu bringen. Als Nachtmensch ist mir die Lampe vertrauter als die Sonne, so kommt es mir manchmal vor. Auch jetzt beleuchtet eine Lampe, während ich tippe, die Oberfläche meines Schreibtisches, meine Hände, sowie die Tastatur des Computers. Es ist eine wohlgeformte Lampe aus schwerem Messing, der Schirm aus dickem grünem Glas.  So angefressen wie auf dem nächtlichen Foto sieht sie nicht aus, vielmehr ist sie schön durchgefärbt.

Hier noch mal im Detail: der Schirm von hinten, um die Farbe zur Geltung zu bringen, und der Ständer, der ein wenig an eine griechische Säule erinnert. Aber das täuscht, die Lampe wurde in Italien gefertigt.

Selbstverständlich reicht eine Lampe nicht aus, um den nächtlichen Lichthunger zu stillen. Über dem Esstisch, der meinem Mann als Schreibtisch dient (wir essen in der Küche), hängt eine feine Deckenlampe,  der Rahmen aus gerundetem Holz, die Bespannung aus einem halbdurchsichtigen festen Material, das wie sehr fein gegerbtes geschliffenes Leder oder Pergament aussieht. Von Nahem sieht man die Schleifspuren.

Doch diese beiden Lampen reichen natürlich nicht aus, um den Raum für jeden Bedarf zu erhellen. Um auf dem Sofa ausgestreckt zu lesen, ist noch eine weniger edle, dafür aber um so praktischere metallene Lampe vorhanden, deren Schirm man nach Bedarf drehen und wenden kann.

Nun aber ist es genug? Ach was! Natürlich hat mein Mann außer der Hängelampe über dem Tisch noch eine Leselampe auf dem Tisch, langgestreckt und elegant über einen langen Stiel aus Messing gebeugt …

und in der Zimmerecke thront auf einem Extratischchen ein ganz besonderes Prunkstück: Eine Freundin hat den schweren runden Fuß aus Ton geformt und einen dunkelroten Seidenschirm darauf montiert. Sie gab mir dieses einmalige Stück im Tausch gegen eines meiner Gemälde. Ich glaube, es war dieses, das ich bei einem Besuch in Deutschland an ihrer Wand wiedersah und fotografierte.

 

Und wenn das Licht aus all diesen Lampen nicht reicht, so gibt es noch die Led-Leuchten, die an langen Stielen von der Decke hängen. An einem Stiel baumelt ein Pinocchio aus Sizilien … aber das ist eine andere Geschichte.

Als ich zu dieser Zimmerreise aufbrach,  war mir nicht bewusst, dass ich allein in diesem einen Raum, den ich täglich benutze, auf sechs Lampen stoßen würde, die alle mit einer eigenen Geschichte gesegnet sind. Ich denke, ich mache sie jetzt alle aus und gehe schlafen. Danke, Heide, für die schöne Anregung!

 

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Projekt ABC bei Wortman: K wie Kuba (viva la Revolucion)

Projekt ABC: K wie Knochenhand

Kuba: ViVa La Revolucion

 

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Weitsprung Mani-Maroussi.

Nicht den Kopf-, wohl aber den Weitsprung übte ich heute: erneut hüpften wir von der Mani nach Attika. Punktgenau landeten wir vor unserer Haustür. Wo eben noch Meeresgefunkel, rahmt mein Rückspiegel nun die regennasse Straße in Maroussi.

Eben noch sonnenschwerer trockener Garten, plattert nun schwerer Regen auf Auto und Straße.

Wohltuend ist der Regen, der leider nicht auf unseren Garten fiel, auch hier in Attika, der ausgedörrte Boden beginnt wieder zu leben. Die Blumen auf dem Balkon haben unsere diesmal kurze Abwesenheit gut überstanden, zumal die Gießanlage nicht ausfiel. Und so begrüße ich voller Freude, was ich vor einer Woche verließ: das großblättrige Basilikum hat einen hellvioletten Blütenstand getrieben…

der vor zehn Tagen gepflanzte Oleander blüht kräftiger…

und die reizende Blume mit dem rotweißen Doppelröckchen (der Name will mir partout nicht einfallen), den eine Nachbarin vorbeibrachte, hat unsere kurze Abwesenheit nicht verübelt.

Auch der Straßenbaum – ein Akazie („Akakia“ auf griechisch heißt die Milde, die nichts von Bosheit weiß) ist über und über mit rötlichen Blüten bedeckt, etwas zerzaust freilich vom Regen. Hier habe ich sie mitsamt dem rot überblüten Balkon des gegenüberliegenden Hauses herangezoomt.

Ja, ja, der Himmel war zwischenzeitlich schon wieder blau. Dauerregen ist hier äußerst selten. Und in zehn Tagen bin ich, so der Himmel es will, wieder am Meer.

 

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#Juniverse 12.6.2021: Sandaletten oder Pantöffelchen? (Geschmacksfragen)

Geschmacksfragen

Zu Lauras schicker Toilette

Was passt dazu?

Nimmt sie die flache Sandalette

Oder den geschlossnen Schuh?

Ach wer die Wahl hat zwischen den Modellen

Und hat auch nicht den sichersten Geschmack

Braucht einen Rat in allermeisten Fällen

Sonst trägt er Wanderschuh zum Frack.

Drum halte dich an den Experten

Der hat studieret das Sujet

Doch suche dir nicht den Verkehrten

Sonst ist der mauvais goût complet.

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Das Bild habe ich aus Leelas Schnipseln gelegt und den Hintergrund in der zweiten Version digital eingefärbt.

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#Juniverse 11.6.2021: Kopfsprung (Narziss und Echo)

Erblickt Narziss

Sich selbst

Im Spiegelbild

Kopfsprung!

Sein Kopf zerspringt

Narziss versinkt 

Echo seufzt und klagt:

Ηättest du mich geliebt, wär ich nicht körperloser Schall

Ηättest du mich geliebt, ich sänge süßer als Frau Nachtigall.

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Geerdetes Denken: Interview mit einem Blumenhändler in Berlin

Ich habe dieses Interview sehr gerne gelesen!

https://www.epochtimes.de/meinung/gastkommentar/trotz-lockdown-berliner-ladenbesitzer-haelt-blumengeschaeft-waehrend-corona-pandemie-geoeffnet-a3529437.html/

Dieser Blumenhändler strahlt so viel Unaufgeregtheit, natürliche Harmonie und Alltagsvernunft aus, das mir beim Lesen das Herz aufging und die Nerven sich beruhigten. Ist das die Wirkung der Blumen? Als wir hier in Griechenland in unserem ersten Lockdown waren, suchte ich verzweifelt nach einem offenen Blumenladen – es gab keinen. Selbst die Friedhofsgärtnerei war geschlossen. Das betrübte mich sehr. Und ich fragte mich nach dem Sinn von Maßnahmen, die uns sogar den Trost der Blumen nicht gönnten.

Da du vielleicht keine Zeit und Lust hast, das ganze Interview zu lesen, hier ein paar Kostproben:

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Herr Thesing, Sie betreiben in Berlin einen Blumenladen. Wer diesen betritt, der kann etwas geschenkt bekommen, wenn er „Gesicht zeigt“, wie Sie sagen. Was ist damit gemeint und warum tun Sie das?

Thesing: Das passiert aus dem Inneren heraus. Das ist gar kein System. In dieser Zeit ist es nun mal so, dass angenehme Menschen einen anlächeln. Und so verschenken wir auch ganz gern immer mal wieder Blumen.

(…)

T.G.: Was sagt Ihnen Ihr normaler, gesunder Menschenverstand?

Thesing: Der sagt mir, dass wir zu leben haben, wie wir bisher gelebt haben. Dass in Krisen Familien zusammenhalten müssen und nicht auseinandergerissen werden dürfen. Dass für alte Menschen das Allerwichtigste ist, Kontakt zu den Kindern und Enkeln zu haben. Daraus wird meines Erachtens die allergrößte Lebensenergie gezogen.

Für jeden sollte es vollkommen klar sein, dass Kinder miteinander spielen wollen in großen Gruppen. Und wenn man in die Beobachterrolle geht und sich das ganze Treiben anguckt, dann merkt man diese Unmenschlichkeit, das Brutale.

T.G.: Nun begründet Angela Merkel die Politik damit: Wir müssen mal streng sein, weil wir Euch alle schützen müssen. Das Virus Sars-CoV-2 ist eine große Gefahr. Und weil wir alle schützen müssen, müssen wir uns alle erst einmal einschränken.

Thesing: Das glaubt sie ja selber nicht und das weiß sie auch, dass dies so nicht stimmt. Für jeden normal denkenden Menschen ist es klar, dass wir untereinander sein müssen, damit unser Immunsystem stark wird, stark bleibt. Es ist eine glatte Lüge.

(….)

T.G.: Ein Barbetreiber in der Kollwitzstraße hat seine Haltung und seinen Widerstand in politische Form zu bringen versucht, indem er eine Partei mitgegründet hat. Würden Sie so etwas machen?

Thesing: Nein. Ich glaube, diese Zeit ist inzwischen vorüber gegangen. Ich denke, dass wir uns durch die Parteien – auch neue – immer weiter spalten. Man kann es in der Historie sehen. Egal, wie man zu den neuen Parteien steht: Sie werden alle aufgesogen. Wenn man sich die Geschichte der Grünen als Friedens- und Umwelt-Partei anguckt.

Das hat glaube ich, keine 100 Tage gedauert, dass die Grünen in der Bundesregierung das erste Mal einen völkerrechtswidrigen Krieg mitgetragen haben, mit einer Holocaust-Relativierung als Begründung. Jeder, der aktiv etwas macht, ist gut. Aber es ist nicht meins. Ich selber bin ein wenig ratlos, wie wirklich der perfekte Weg aussehen soll.

(…)

T.G.: Viele wie dieser Barbetreiber in der Kollwitzstraße erleben Anfeindungen, wenn sie Gesicht und Haltung zeigen, ihre andere Sicht auf diese Krise. Haben Sie so was erlebt oder ist das relativ ruhig?

Thesing: Das hält sich ruhig. Ich glaube, wir haben als Blumenladen auch so eine natürliche Ausstrahlung. Das ist mehr ein Fragezeichen bei den Leuten. Ich meine, dass da mehr ein Fragezeichen im Kopf der Leute entsteht, als dass sie uns direkt ansprechen. Wir haben vereinzelt mal Fragen, warum wir denn hier keine Maske tragen müssen.

So eine natürliche Ausstrahlung

(…)

T.G.: Wird das aber nicht ein bisschen teuer auf Dauer, wenn Sie Ordnungswidrigkeiten kassieren?

Thesing: Wir haben aus dem letzten April zwei harte Anzeigen bekommen, wo sich aber das Gericht gleich geweigert hat, die Sache zu verhandeln, was ich sehr schade finde. Ansonsten glaube ich, dass wir so eine natürliche Ausstrahlung haben. Wir haben Polizisten, die bei uns einkaufen. Wir kriegen Lächeln geschenkt. Irgendwie läuft das einfach bei uns. Allerdings muss ich sagen, hätte ich auch einen schwereren Stand mit einem Club oder einer Bar als mit einem Blumenladen.

wir kriegen ein Lächeln geschenkt

T.G.: Warum macht das einen Unterschied? Wo kommt das her? Helfen Blumen gegen Pandemie, gegen alle Ängste und Sorgen?

Thesing: Blumen sind sehr speziell. Wenn man sich das mal bewusst macht, fällt einem auf, dass man selber Blumen gar nicht anfassen möchte. Selbst Blumen in der eigenen Vase lässt man lieber stehen, bevor man sie nochmal richtet. Blumen passen in keine Kategorie rein. Die Politiker wissen nicht, ob sie zu den Waren des täglichen Bedarfes gehören oder nicht. Sie wissen nicht, ob sie systemrelevant sind oder nicht.

φάκελο = Akte άνθρωπος = Mensch

(…)

T.G.: Sie haben auf die Geschichte hingewiesen und von Geschichtsvergessenheit gesprochen. Wie erklären Sie sich, dass das, was wir da seit einem Jahr erleben, überhaupt möglich ist, wo doch so vieles darauf hindeutet, dass das, was uns erzählt wird, nicht stimmt? Inzwischen geht das alles ein Jahr. Haben Sie für sich eine Erklärung, warum das möglich ist?

Thesing: Ja, ich habe eine. Die ist recht profan. Ich glaube, die Masse der Menschen guckt zu viel Fernsehen und ist sich dessen nicht bewusst, wer das Fernsehen macht, wie das Fernsehen aufgebaut ist, und denken wirklich, was in der Tagesschau kommt, ist von Relevanz.

(…) Man braucht sich mit den Sachen gar nicht zu beschäftigen. Ein Mensch, der normal geerdet ist, in seinen sozialen Strukturen eingebettet ist, der würde auf so seltsame Sachen gar nicht kommen, dass man andere durch irgendwelche Masken schützt. Wir werden so beschallt von morgens bis abends. (…) Selbstbestimmt, ohne darauf zu gucken, wie andere denken. Dann hat man ein normales, gesundes Weltbild…

(…)

T.G.: Und wie sehen Sie den weiteren Gang der Dinge? Gibt es Hoffnung, dass das mal aufhört in absehbarer Zeit?

Thesing: Natürlich gibt es die Hoffnung. Das ist auch recht klar, dass das aufhört. Meiner Meinung nach wird das zuerst einen Zusammenbruch geben. (…)  Dann müssen wir wieder von Neuem anfangen. Und ich gehe definitiv davon aus, dass wir auch eine gute Zukunft haben.

T.G.: Sehen Sie einen bestimmten Zeitpunkt, etwa die Bundestagswahl im Herbst, wie manche meinen?

Thesing: Ich habe keinen Zeitplan. (…) Unser Schicksal ist, dass wir diese Zeit jetzt durchleben müssen. Ich habe keinen Zeitpunkt. Ich glaube auch nicht, dass es hier um Gesundheit und Corona geht, und erst recht nicht um eine Bundestagswahl.

Schwierige Wahl

 

 

 

 

 

 

 

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Juniverse 10.6.: Himmelblau (Farbenpracht)

 

Juniverse 10.6.

Farbenpracht

Blendendes verschwendendes Sonnengelb

Brummelndes bummelndes Hummelbraun

Glosendes tosendes Klatschmohnrot

Staunendes raunendes Himmelblau

……

Alle Kinder der Nacht

geboren durch das gleißende weiße Licht.

Ursprung: Unbekannt.

 

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Juniverse 1-9, fein bebildert

Eben fand ich beim Wortverdreher einen Hinweis auf die Lyrikseite Silbenton

Juniverse

täglich ein Gedicht.    Warum nicht?    dacht ich mir    und danke dir,   lieber Silbenton – im Voraus schon.

Ich fange mal, weil ich verspätet bin, kleinklein an. Heute die Wörter 1-9,  von Himbeerbrause bis Tango. Zu jedem Gedichtchen habe ich eins meiner Bilder gesetzt: Legebilder, Zeichnungen, Gemälde… Auf gehts!

 

1.6. Schon bald

Sommerkino,

Himbeerbrause –

Passt.

 

2.6. Abend

Sonne sinkt

Stern geht auf

Herz träumt.

 

3.6. Erträumtes Gereimtes

Das Abenteuer

fand statt in der Nacht

Als er am Morgen erwacht

war alles nur erdacht.

Hat ihm aber

nix ausgemacht.

 

4.6. Hitze

Sirius herrscht

Bei ihm liegt der Hund.

Hundstage.

 

5.6.Vor der Ausfahrt

Setz die Segel

Warte nicht auf Wind!

Wind wartet schon.

 

6.6. Kreislauf

Am leeren Haus

hing einst ein Balkon.

der blickte aufs Meer.

Die Fenster sind leer

was war, das zerronn

es blieb nur das Haus.

 

7.6. Hühnergott

Der Stein, schau, der Stein

Er hat ein Loch, schau!

Ein Hühnergott!

8.6. Sommerfreuden

Sie kamen

gebleicht von der Stadt

Sommerfrische zu suchen.

 

9.6. Tanzstunde

Tan-go, yes! Go! Go!

Tan-go! Yes!

Got it?

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abc-etüde plus Impulswerkstatt: Nickis Reise nach Tipsiland (Ballade)

Schreibeinladung für die Textwochen 23.24.21 | Wortspende von nellindreams

Die Geschichte von Nick oder Nicki oder Nickilein, die ich für die abc-Etüden schrieb, verlangt nach Fortsetzung. Denn Christa Hartwigs Mutterherz bangt („Ganz toll – auch wenn meinem Mutterherz angst und bange dabei wird!“ schrieb sie im Kommentar). Darf ich sie mit ihren Sorgen allein lassen, ohne jedweden Trost? Nein.

Außerdem ist Nicki ja nun nach Tipsiland aufgebrochen, und auch ich möchte allzugern wissen, was ihr so widerfährt (das Wort ist outdated, aber ich mag es noch immer). Neugierig machte mich vor allem mein eigenes Unbewusstes: warum heißt Nicki so? Warum bricht sie nach Tipsiland auf? Niki ist nämlich griechisch und bedeutet Sieg  (die Nike von Samothrake wirst du kennen) und Tipsis ist auch auch griechisch und bedeutet …. Gewissensbisse. Als ich die Namen runterschrieb, dachte ich nicht daran, erst nachträglich fiel es mir auf.

Das ist Nicki also: Eine Siegerin mit Gewissensbissen.

Aber nun wollen wir doch erst mal ihre Reiseroute betrachten, die mir Myriade mit der Impulswerkstatt vorgibt:

Nickis Reise nach Tipsiland.

Eine Ballade

https://laparoleaetedonneealhomme.files.wordpress.com/2021/05/img_8300.jpg

Sehr groß ist das Meer  und nicht immerfort blau

Doch Nick segelt weiter und weiter

Am Bosporus wird auch der Himmel schwergrau

Und das Wetter ist durchaus nicht heiter.

Doch das Kind das segelt mit heiterem Sinn

Und fürchtet nicht Meer und nicht Wetter

Auf Silberstreifen gleitet es hin

Und überall finden sich Retter.

 

Sehr groß ist das Meer  und es endet auch nie

Und die Nick segelt weiter und weiter

Recherchiert, wo sie ist, das Wohin und das Wie

Wird jeden Tag etwas gescheiter.

So kommt sie auch hin zu Australiens Land

Wo seltsame Tiere hausen

Und Menschen gibt’s dort, ihr unbekannt

Mit denen es Spaß macht zu schmausen.

Fast will sie dort bleiben

Ihr gefällt es so sehr

Sie fragt sich: soll immerfort weiter ich treiben?

Hab ich denn niemals genug von dem Meer?

Da hört sie in einem verwunschenen Garten

Ne Harfe, die klingt zum Verzaubern so schön

Und sie denkt an die Ihren, die warten

Und ersehnt nun heißest ein Wiedersehn.

Ach, Mutter, denkt sie, und lauscht den Akkorden

Bist du, so allein,

vielleicht schon zu Stein

Vom Bangen und Warten geworden?

Und sie starrt ins Wasser und wie sie so starrt

Erscheint auf dem Grunde sehr schwach und sehr zart

Ein Bild von der Mutter mit Brüderlein Werner

Und ist auch die Picknickdecke noch dort

Mal scheint sie sehr nah, dann wiederum ferner

Und dann ist sie plötzlich… fort.

Da reißt ihr das Herz und sie steigt in den Nachen

Der noch vor der Küste liegt

Ach wie treibt er so langsam, ihr ist nicht zum Lachen

Sie hätte viel lieber nen Vogel  der fliegt.

Ihr scheint nun verwegen, dass sie sich entfernt

Von Bruder und Mutter, vom Wald und der Bucht

Denn egal, was man auf einer Reise so lernt

Man findet zwar viel, doch nicht das, was man sucht.

Ende der abc-etüde

 

Die Erde ist rund

die Menschenwelt bunt

gehst du auch mal fort

es treibt dich zum Ort

an dem du begonnen

und die erste Liebe gewonnen

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abc-etüde: die Picknickdecke und das Meer – eine Kata-Strophe?

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/06/06/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-23-24-21-wortspende-von-nellindreams/Die Wörter für die diesmaligen Etüden stiftete Ellen mit ihrem Blog nellindreams.Die Bilder habe ich mit Kasinas (Leelas) Schnipeln gelegt.

Frau Frenzel  findet  eine Ecke

Für ihre schicke Picknickdecke

(Die sie dies Jahr noch nicht benützt)

Am Meer,  gemütlich und geschützt.

Drumrum stehn Bäume wie Staketen

So dass, selbst wenn heut Winde wehten,

das Picknick völlig ungestört

verzehrt wird, wie es sich gehört.

Die kleine Nicki und der Werner

Sind bei Mamάn mal nah, mal ferner

Denn nicht nur essen und parlieren

Wolln Kinder, vielmehr recherchieren

Was es im Sand für Steine gibt

Und was im Walde lebt und liebt.

So sind die drei auch recht vergnügt

Bis es der Nick nicht mehr genügt.

Denn das Meer

Lockt allzu sehr

Nicki schleicht sich zu dem Schiffe

Macht es los, hört nicht die Pfiffe

Der Mamάn, die lauthals schreit:

Nickilein, sei doch gescheit!

Bitte, Kind, sei nicht verwegen,

So mancher ist dem Meer erlegen!

So mancher ist im Meer ertrunken!

Doch’s Nickilein hat ihr gewunken

Mit seinem Hut, und Schiff ahoi

Ist es am Felsvorsprung vorbei…

Und segelt munter und sehr froh

Nach Tipsiland und anderswo.

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