Welttheater: 4. Akt, 14. Szene: Feuer

Was zuletzt geschah: Danai beruhigt den noch kindlichen Hawi hinsichtlich der „Geister“. Jedes Element für sich allein sei zerstörerisch. Die Spirits, erklärt sie, sorgen dafür, dass alle Elemente zusammenwirken und sich gegenseitig begrenzen, wodurch Leben möglich wird.

Feuer allein versengt und verbrennt

Wasser allein überschwemmt und ertränkt

Licht allein blendet, erblindet

Luft allein stürmet und windet

Erde zerfällt zu Staub und Stein

Gemeinsam ist Leben, Tod ist allein.

Das eine des anderen Wesen begrenzt.

im gemeinsamen Spiele das Leben erglänzt.

Danai:

Schau, wie schön das heilge Feuer brennt!

wie es leuchtet, wärmt und erquickt!

Wer die Gesetze der Natur gut kennt

wird durchs Feurige immer beglückt.

 

Wenn Fa das Feuer zu stark entfacht

dass es die Grenzen überschreitet

ruft Ho den Wa und dieser macht

dass sich das Feuer nicht ausbreitet.

So wie die kleinen Geister hier

im Geben und Nehmen das Leben erhalten

so sollen auch Menschen begrenzen die Gier

und gemeinsam das Schicksal der Erde gestalten.

 

Ein jeder hat Rechte, ein jeder darf leben

wie seine Sehnsucht es ihm bestimmt

doch niemals soll er sich überheben

indem er den anderen dieses Recht nimmt.

Hawi:

Bei uns im Dorfe war es so

drum waren alle Leute froh.

Ein jeder half dem andern aus

wenn einer bauen wollt ein Haus

 

und auch, wenn es ans Ernten ging

und auch wenn wer ein Wildschwein fing.

 

Doch dann sind Männer angekommen

die haben uns das Land genommen.

 

Das Feuer kam, es brannte loh!

und niemand in dem Dorf war froh.

Sie haben unser Haus verbrannt

und alle sind schnell weggerannt.

 

Ich musste durch das Feuer rennen

und mich von meiner Mutter trennen.

Weiß nicht, was mit ihr noch geschah.

ich war ja später nicht mehr da.

 

Ich fuhr dann mit dem Boot durchs Meer

und fürchtete mich wieder sehr.

Ich kam hier an und fand Abud

Er ist ein Freund, und er hat Mut.

 

Abud

Das stimmt, Hawi, ich habe Mut

doch noch viel größer ist die Wut

die in mir brennt wie eine Glut

und immer rächen will das Blut

 

der Meinen, die getötet worden.

Wer gab die Waffen diesen Horden?

Wer gab Befehl zu diesem Morden?

Wer hilft, dies Morden zu beenden?

 

Und wer straft die, die Frauen schänden?

Wer holt zurück aus ihren Händen

was sie geraubt und uns entrissen?

Wer appelliert an ihr Gewissen?

 

Du sprichst, Danai, von Harmonie!

Doch Harmonie, die gab es nie!

Noch keinem half das Weh und Klagen!

Ein jeder muss für sich erjagen

 

was er im Leben haben muss.

Das sag ich dir, und damit Schluss!

Danai:

Die Glut in dir, Abud, sie wird entfachen

noch größres Feuer, das noch größre Schrecken

der Erde bringen wird. Du musst bewachen

den Zorn in dir, du musst ihn gut verstecken!

 

Versöhne dich mit dem, was schon geschah!

Sonst bricht die Hölle los, sie ist schon nah.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Marens „Vibrationen“

Im Dezember 2022 postete die geschätzte Bloggerin Maren Sydow („Ich lache mich gesund“) einen Text mit dem Titel „Vibrationen“.

Etwas verspätet möchte ich Marens ausdrücklichem Wunsch folgen, auf ihren Text aufmerksam zu machen, um so zur Verbreitung beizutragen. Du findest den  Text, der die Form eines „autobiografischen“ Romans hat, wenn du auf den obigen link gehst. Angenehme Lektüre!

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Alltägliches Zeichnen: Zypressenzapfen

Die silbrigen weiblichen Zypressenzapfen sind für mich kleine Weltkugeln. Als ich heute einen seit langem vertrockneten und samenlosen Zapfen in die Hand nahm, dachte ich freilich mehr an unsere arme Erde und ihre Plattentektonik, deren immer noch nicht ganz erloschene Dynamik uns dieser Tage so dramatisch vor Augen geführt wurde. Ich nehme an, auch du hast den tiefen Spalt gesehen, der ein wohl bestelltes Olivenland im türkisch-syrischen Grenzgebiet auseinandergerissen hat. Was der Türkei jetzt geschah, ereignete sich 2001 in Tibet, dessen Platte nach Osten abdriftete. Auch in Kalifornien und in vielen anderen Weltgegenden kann man die Wirkung der sich gegeneinander verschiebenden Erdplatten betrachten.

Ich nahm die holzige leere Kugel zwischen die Finger, um sie mitsamt der haltenden Hand zu zeichnen (Schreibmaschinenpapier DIN A4, Tintenstift).

Übrigens bleibt der weibliche Zapfen oft Regel viele Jahre lang geschlossen und öffnet sich unter Feuereinwirkung, um dann, quasi in höchster Not, seine Samen auszustreuen. 

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Alltägliches Zeichnen: Krokodilgott

Alltägliches Zeichnen – ich habe es nun wieder aufgenommen. Diesmal besah ich mir ein Holz, das einem ägyptischen Krokodilgott ähnelt.  Als solcher hat schon im manchem Stillleben mitgespielt, zB hier oder hier. 

Die heutige Skizze habe ich auf einfachem Schreibmaschinenpapier mit Tintenstift gemacht.

Ich finde den nervösen Strich übrigens für dieses Holz durchaus passend.

Zum Vergleich: 2022, eine sorgfältige Zeichnung.

und 2018. Der Krokodilgeist als Erschaffer,  großformatige Bleistift-Studie.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Balkons

Immer wenn ich Almuths schöne Balkonberichte lese und anschaue, denke ich: Schade, auf meinem ist so wenig los. Dafür habe ich natürlich eine gute Ausrede: Ich bin selten hier, in der Athener Wohnung. Außerdem: Es gibt genug Grün rundherum, Bienen und andere Insekten haben also reichlich Nahrung. Also kümmere ich mich nur so weit um die Balkonpflanzen, dass sie von der Gießanlage am Leben erhalten werden, solange ich weg bin. Und kaufe ein paar neue Blumen fürs Auge, wenn ich komme.

Wie anders ist Christinas lebendiger Balkon, den ich vorgestern besuchte! Es ist ein schmaler Umlaufbalkon an einem hässlichen Mehrfamilienhaus, der sich als grünes Band um zwei Seiten zieht. Es gibt Blumen, ja, aber vor allem grüne Pflänzchen in allen Größen vom Keimen bis zur großblättrigen Entwicklung. „Unkräuter“ wie wie die hoch geschätzten Brennesseln gehören selbstverständlich dazu.  Alles ist essbar oder findet Verwendung in den zahlreichen Tinkturen, Salben und Tees, die Christina mit großer Sachkenntnis herstellt (ich erzählte schon davon). Wenn ich dort bin, fühle ich mich ruhig und gesund wie ihre Pflanzen und vergesse Hektik und städtischen Lärm.

Natürlich fehlt auch nicht der Hexenbesen. Ich entdeckte ihn in einer Ecke des Balkons. Wie sonst ließe sich dies üppige Wachstum der Grünoase erklären? Sie ist eine Hexe!

 

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Welttheater, 4. Akt, 13. Szene: Im Sumpf mit Spirits

Was zuletzt geschah: Hawi und Abud möchten am liebsten abhauen, aber Danai überredet sie, Wilhelm weiterhin zu helfen. Dabei geht es auch um die Frage: Was wird Wilhelm als Ausgleich für die geleistete Hilfe geben? Das ist wichtig vor dem Hintergrund der Erfahrungen der beiden Afrikaner mit der Kolonialherrschaft der Weißen.

Abud:

Ich kann diesem Mann hier nicht wirklich vertrauen

Ganz ehrlich, ich möchte am liebsten abhauen.

Danai:

Ich dank dir, Abud, wenn ihr wollt, könnt ihr gehen

Ich könnte das ohne weitres verstehen.

Hawi:

Ich traue mich nicht, es ist schon so dunkel

und nicht geheuer ist das Gefunkel

da zwischen den Büschen, es glitzert im Sumpf

es gluckert und zischelt um jeden Baumstumpf

ich glaub da sind Wesen die sind nicht geheuer

am besten wir machen ein Lagerfeuer

Sie kommen heran und müssen verbrennen

dann sind wir sicher und können wegrennen

Danai:

Hab keine Angst, die kleinen Elfen

und Trolle tuen niemand weh.

Im Gegenteil, sie wollen helfen

und haben mancherlei Idee.

 

Der rote dort ist Feuergeist

der könnte uns gleich nützen

hol etwas Holz und etwas Stroh,

das wird er dann erhitzen

und bald schon brennt es lichterloh.

 

Die Gelbe ist die kleine Lu

die sorgt für Wärme und für Licht

auch dort, wo Menschen so wie du

sich fürchten. Hawi, fürcht dich nicht!

 

Das blaue Kerlchen, Wa genannt,

den brauchen wir, denn ohne diesen

wär unsre ganze Welt verbrannt

er sorgt fürs Feuchte auf den Wiesen.

 

Zusammen halten sie die Waage

der Elemente, die für sich

nichts wären als ne Höllenplage

und in der Wirkung fürchterlich.

 

Feuer allein versengt und verbrennt

Wasser allein überschwemmt und ertränkt

Licht allein blendet, erblindet

Luft allein stürmet und windet

Erde zerfällt zu Staub und Stein

Gemeinsam ist Leben, Tod ist allein.

Das eine des anderen Wesen begrenzt.

im gemeinsamen Spiele das Leben erglänzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: tägliches Zeichnen (Schwemmholz)

Mein „tägliches“ Zeichnen habe ich kläglich vernachlässigt, seit ich meine Kreativität ins „Welttheater“ investiviere. Gestern aber, als ich ein Stück Schwemmholz in die Hand nahm, um es  dem Kaminfeuer zu übergeben, zögerte ich. Es war so eindrucksvoll! Nein, vorher musste ich es zeichnen. Was ich tat. Danach konnte ich es nicht mehr verbrennen. Denn wenn du einStück Holz zu lange in der Hand hattest und es sogar gezeichnet hast,ist es nicht mehr anonym. Und du kannst es nicht verfeuern.

Meine Kugelschreiber-Zeichnungaus einem etwas anderen Blickwinkel:

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Ölbäume

Wieder einmal sind wir für zwei Wochen nach Athen umgezogen. Einen letzten Blick warf ich auf die Ölbäume, bevor es los ging. Sie kamen mir noch präsenter, noch lebendiger vor als an den anderen Tagen.

Das ist natürlich dummes Zeug. Es ist einzig meine Aufmerksamkeit, die gesteigert ist, wenn es ans Abschiednehmen geht. Den Olivenbäumen wird meine Anwesenheit vollkommen egal sein. 

 

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Welttheater, 4. Akt, 12. Szene: Wilhelms Abstieg (Wald und Sumpf)

Was zuletzt geschah: Danai verhalf dem verletzten Wilhelm durch ein Heilkraut zu einer erotischen Wiederbegegnung mit Isolde. Er will sie nun unbedingt finden und bittet Danai sowie die beiden Afrikaner Hawi und Abud um Hilfe.

Wilhelm:

Mein rechtes Bein ist zwar kaputt

Doch wenn ihr zwei, Hawi Abud

Mich stützt, dann wird es gehen.

Das Licht reicht noch zum Sehen.

 

Wir müssen nur den Abstieg zwingen

und durch den Spinnwebwald vordringen,

dann kommt ein Sumpf und wenig drauf

gehts einen kleinen Hügel rauf

 

von dort sieht man dann schon das Meer.

Nun kommt schon her

was wollt ihr mehr

Zum Abschluss gibt’s ein gut Salair.

Sie gelangen in den Spinnwebwald.

Hawi:

Ich mag nicht mehr

der Mann ist schwer.

Abud:

Es ist ein Schlauch

Mir langt es auch.

Wilhelm

Nur noch ein kleines Stück,

ich kann nicht mehr zurück

Ich biete euch ein guts Entgelt

bin sicher, dass es euch gefällt.

Abud:

Was willst du uns denn geben, Boss?

Hawi:

Ich will ein Huhn, gebraten kross.

Abud:

Du spinnst, Hawi, ich will viel Geld

dann kauf ich mir, was mir gefällt.

Nun sag schon, Boss, was wir so kriegen

ansonsten lassen wir dich liegen.

Danai:

Ich bitt euch beiden, seid nicht gierig

der Abtransport ist so schon schwierig.

Kommt, hebt ihn an,

voran, voran!

Sie gehen weiter und geraten in den Sumpf.

Hawi und Abud weigern sich weiterzugehen. Danai stützt Wilhelm, der ohnmächtig ist, mit ihrer Schulter.

Hawi

Ich mag nicht mehr, der Sumpf ist zu gefährlich

ich glaub, ich bin hier sowieso entbehrlich.

Abud

Alleine kann ich ihn nicht tragen

wir sollten ihn noch einmal fragen

was er uns als Salair verspricht

ne Perlenkette reicht mir nicht.

 

Von solchen edelen Geschenken

Hab ich vom Opa ein Andenken.

Sie schleppten damals weiße Damen

Da gings Hühott und kein Erlahmen

 

Wer schlapp macht, kriegt ein dutzend Hiebe

Wollen sie Lohn, nennt man sie Diebe.

Danai:

Helft mir, den armen Mann zu betten

wenn ihr zu feig seid, ihn zu retten.

Dann könnt ihr gehn, denn eure Gier

gefällt mir nicht. Ich bleibe hier.

 

Abud:

Wir sind nicht gierig, gute Frau,

doch kennen wir die Welt genau.

Wenn dieser Mann uns brauchen tut

dann sind wir plötzlich brav und gut.

 

Ansonsten hält er uns für Pack

und haut uns kräftig in den Sack.

Hawi:

Komm Abud, wir legen ihn nieder

betten die zerbrochenen Glieder.

Die Frau kanns nicht alleine tun.

Dann können wir uns auch ausruhn.

 

Die drei betten Wilhelm vorsichtig auf dem Boden.

Danai:

Ich danke euch, ihr zwei, dass euer Herz

gesprochen hat,  und ihr den Schmerz

des Mannes fühltet, und nicht euren Groll,

von dem auch dieses Herz ist übervoll (sie zeigt auf ihre Brust)

 

Doch dieser Mann ist ja nicht selber schuld

am Unglück unsrer Ahnen, habt daher Geduld

wie er, wenn er erwacht, wird unsren Dienst begleichen.

Das soll für uns dann sein ein glaubhaft Zeichen

 

wie er uns sieht und ob er würdig ist

der Freundschaft, oder ob er leicht vergisst

was er in großer Not von uns erhalten.

Ob er vielleicht noch fühlt so wie die Alten

 

die uns, weil wir mit dunkler Haut geboren,

für Tiere hielten oder auch für Toren.

(wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Kontraste, mit Pflanzen

Vier große Kakteen stehen in weißen Krügen an einer Wand direkt am Meer. Noch blühen sie nicht, aber ihre eindrucksvolle Skulptur ist immer einen Extra-Blick wert, zumal an Tagen wie dem gestrigen, wenn das helle Mittagslicht die Formen herausziseliert und schöne Schatten gegen die Wand wirft. Ich mag die Hell-Dunkel-Kontraste dieses Motivs sehr.

Nicht minder schön, aber ganz anders sind die Farbkontraste einer hohen roten Pflanze gegen den blauen Himmel. Sie blüht auf dem Balkon einer Freundin in Kalamata, die ich heute besuchte.

Leider habe ich ihren Namen schon wieder vergessen.

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