Bilder bewerten und ausrangieren. Kohlezeichnungen: 157-175

Die dicke seit Jahren nicht mehr angerührte Rolle enthielt eine große Zahl von Kohlezeichnungen, vor allem Menschenstudien und Stillleben.

Portraits und Menschenstudien, Skulpturen

Die meisten Blätter aus grauem Recycling-Papier sind sehr groß (70×100), und so befinden sich oft mehrere Zeichnungen auf einem Blatt. Mich selbst hat dieses Wiederauffinden der Studienblättern sehr gefreut. Das billige Papier hat sich zwar etwas verfärbt, aber die Zeichnungen sind intakt. Hier zunächst die Übersicht (Einzelbilder anklicken, Galerie öffnet sich)

 

Vieler der Blätter sind mit mehr als einem Motiv bezeichnet. Zum Beispiel diese Doppelzeichnung, wo jede für sich eine eigenständige Zeichnung ist.

Oder diese zwei Portraits, die sehr unterschiedliche Ausdrucksmittel verwenden.

fünf Zeichnungen auf einem Blatt

zwei davon

Dasselbe Motiv zweimal gezeichnet (links) – Bewegung durch Überzeichnung (rechts).

Der Vergleich der beiden Figuren lohnt sich.

oder dieses

oder auch dieses

Eine Figurengruppe acht mal verschieden im Raum platziert.

Gesichter aus Figurenbildern herausgeschnitten.

Mensch und Skulptur in Beziehung zueinander gesetzt

oder auch so

Menschenkopf – Skulptur

Doppelportrait mit Schwarz-Weiß-Kontrast –  das linke ist eine Zeichnung in der Zeichnung.

Doppelte Bewegungsstudie

Übereinander gezeichnete Bewegungsstudien

und schließlich noch ein Doppelportrait Vater-Sohn

 

 

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Bilder bewerten und ausrangieren: Regale, Papierrollen, Plakate, Ölkreide 38-40

Ich erzählte gestern von meinem Malheur, als ein Bücherregal sein Gleichgewicht verlor und seinen Inhalt zwischen Regal und Staffelei entleerte. Später räumte ich die Bücher ordentlich zurück ein und sortierte Überflüssiges aus.

           zusammengebrochen                  leergeräumt                                  neu einsortiert.                     

Dann machte ich mich an ein Fach des Metallregals heran, in dem ich dicke und dünnere Papierrollen gelagert hatte.  Die holte ich heraus, neugierig, was sie enthalten. Denn seit ich das Atelier vor 20 Jahren bezog, hatte ich diese Rollen nicht mehr angerührt.

Die dünneren enthielten Landkarten und Plakate von eigenen und fremden Ausstellungen. Das erste hier abgebildete ist vom „Kurshausatelier 1986-1996“, das wir im Dachgeschoss unseres Fremdspracheninstituts eingerichtet hatten, das zweite von einer Ausstellung in Berlin-Charlottenburg. Um die stark gewellten Plakate zu fixieren, beschwerte ich sie mit Kerzen- und Bücherständern. Die benutzte ich dann auch für die folgenden Blätter.

Dann entrollte ich zwei Rollen mit Zeichnungen. Zum Vorschein kamen vier farbige Blätter und sehr viele Kohlezeichnungen, fast alle im Format 70×100 und auf billigem grauem Papier, das teilweise vergilbt und an den Rändern „abgenagt“ ist. Die Zeichnungen sind aber gut erhalten. Ich freute mich sehr, sie wiederzusehen.

Die vier farbigen Blätter – drei Stillleben in Ölkreide, 70×100 cm groß,  und  ein Mensch-Skulptur-Bild mixed media, zeige ich schon mal hier.

Die Kohlezeichnungen folgen in einem Extra-Post.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wolkentanz und Flötentöne

Ich hatte noch die Flötenmusik im Ohr, die Random uns heute vorstellte …

als ich aus dem Haus trat und die ansteigende Straße hinaufging. Am Himmel tanzten leichte weiße schwanengleiche Sturmwolken nach der Melodie der Zauberflöte.

Den ganzen hohen Himmelsraum füllten sie mit ihrem singenden Flügelschlag.

Danke, Random.

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Turbulenzen (Von Kätzchentod, Flieder, Madonnen und Kalikanzari)

Ein wunderschöner klarer Dezembertag. Ich habe gut geschlafen und fühle mich ausgezeichnet. Am Vormittag machen wir einen feinen kleinen Spaziergang den Berg hinauf, zu Mittag gibt es leckere Hackfleischklöse, Pommes und griechischen Salat. Dann gehe ich hinunter ins Atelier, in der Absicht, mit meinen Aufräumarbeiten fertigzuwerden und Bilder für die Ausstellung auszuwählen.

Aber ich fühle, dass etwas nicht stimmt. Da ist ein schwacher unangenehmer Geruch. Meine Nase führt mich zum Heizungskeller. Ich öffne die Eisentür … und ja, da liegt eine der vermissten grauweißen Kätzchen, tot. Blut ist aus einer Wunde am Hals getreten. Ein anderes Tier hat sie getötet. An der weißen Wand sind Spuren von sehr viel größeren Pfoten zu sehen. Was könnte das sein?

Der Heizungskeller hat ein winziges ebenerdiges Fenster, das zwecks Lüftung immer offen stehen muss. Hier hat Prinkipessa einmal Junge bekommen und aufgezogen, aber seither hatte der Raum keinen Katzenbesuch mehr. Dachte ich. Und nun dies.

Beklommenen Herzens hole ich ein ausrangiertes Kleidungsstück und sammele das Tierchen damit ein. Versenke beides in einer Plastiktüte. Trage es den Berg hinunter zu den Mülltonnen. Komme bekümmert zurück. Bleibe an Titos Grab stehen. Da sehe ich, dass der kleine Fliederstrauch, den ich dort gepflanzt habe, blüht. Ich stecke meine Nase in die Blüte, sauge den Fliederduft ein und bin getröstet.

Dann mache ich mich daran, nicht nur den Heizungskeller, sondern auch das Atelier gründlich zu säubern, die Teppiche ins Freie zu schaffen, die Böden zu wischen, die dunklen Ecken zu entstauben….Ganz oben auf einem Bücherregal steht ein großer Druck: Maria mit dem Kind. Ich besteige einen Hocker und hole das Bild, hinter dem  Spinnengewebe hängen, herunter. Da macht es einen gewaltigen Rumms: das Regal kippt nach vorn, findet an der schweren Staffelei Halt. Die Bücher, die ich auf der Abstellplatte gelagert hatte, poltern in die Tiefe, ein Behälter mit Farben folgt ebenfalls dem Gesetz der Schwerkraft.

Beim Anblick dieses Tohuwabuhos kommt mir ein Verdacht: die Wichtel, die ich erschuf, sind vielleicht doch Kalikanzari. Und so treiben sie vor der Zeit ihr Unwesen.

Oder hatte die Madonna die ganze Zeit das Gleichgewicht gehalten, und ihre Entfernung vom angestammten Platz führte zum Chaos?

Nun, egal. Die Bücher habe ich inzwischen woanders gestapelt und werde sie neu einordnen. Die, die ich entbehren kann, könnte ich für Besucher griffbereit hinstellen. Und so noch mehr Luft schaffen.

 

 

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Welttheater, 5. Akt. Wichtelaufmarsch.

Was zuletzt geschah: Domna ist traurig und allein. Da kommt das Kind Clara auf die Bühne. Clara hat die Wünschebox bei sich, die ihr Dora einst im Traum schenkte. Und schon erhellt sich die trübe Landschaft.

Domna fühlt, wie sich ihre Lebenskräfte erneut regen, und ergänzt die Hölderlinverse:

Hölderlin:                                                                   Domna:

Mit gelben Birnen hänget                                      Wie heftig es sie dränget

Und voll mit wilden Rosen                                    Die Sonne will sie kosen

Das Land in den See…                                             Unter dem Schnee


 

Clara:

Und jetzt, liebe Domna, rufe ich Dora heran!

Die brauchen wir jetzt, weil die alles kann!

Dora (von oben)

Wer ruft mich?

Kenn ich dich?

Clara:

Ich bins doch, die Clara, das spielende Kind!

Und bei mir ist Domna, voll Wörter und blind!

Sie seufzt und sie trauert, weiß nicht wo sie sind

die mit uns gezogen. Wo ich sie wohl find?

Dora:

Ich selbst kann nicht runter, doch will ich euch helfen

ich schick dir sogleich ein paar Wichtel und Elfen

Die wissen Bescheid, die kennen die Tricks

die helfen euch sicher in nullkommanix.

(ruft die Zwerge)

Die Dora sie ruft euch, ihr Kleinen und Feinen

erscheint gleich mit Köpfen und Händen und Beinen!

Das Reich des noch nicht Erschaffnen gebe euch frei

Ich bitt euch und zähle auch gleich mal bis drei!

Eins fünf sieben, acht und sechs

hier sind Linien, dort ein Klecks!

sechs sind vier und zwei

Und jetzt ruf ich Drei!

 

Wichtel:

O weh, wir müssen fester werden

sonst sind wir hilflos auf der Erden

Noch eben frei und ungebunden

hat Erdeschwere uns umwunden.

Dora

Aha, ihr seid sechs, und ihr werdet schon dichter

Nun macht mal nicht solche vergrämten Gesichter!

Ein Lächeln machts leichter, egal was es sei

Und ist jetzt auch Winter, schon wird er zum Mai.

Wichtel

Warum solln wir kommen? Kannst du es nicht richten?

Wir mögen die Erdenschwere mitnichten.

Sie reißt an den Gliedern, sie macht uns ganz matt

ach wärn wir doch ungeboren anstatt!

Dora

Was seid ihr so grämlich

das finde ich dämlich!

Die Erde ist rund,

das Leben ist bunt!

Auf auf, seid nur heiter!

ich selbst muss jetzt weiter

Wär gern noch geblieben

zu helfen den Lieben

mit Witz und Charme und Humor

doch da ist Kronos davor.

Er ist sehr genau

und schlägt gleich Radau

wenn ich die Zeitengrenze verwische

und mich in die heutige Welt einmische.

Vorbei, so sagt er, sei vorbei

und was draus wird, sei einerlei.

Nur vorwärts soll die Menschheit leben

da soll es keine Freiheit geben.

Mir passt das nicht, doch ändern kann ichs nicht.

Da hilft kein bisschen mein Latüchtenlicht.

Clara

Ach Dora, bleib! Ich wünsch es mir so sehr!

Dora

Ich darf nicht, Clara, auch mir fällt es schwer!

Die Wichtel sollen dir in allem Beistand sein

Und also bist hinfort du auch nicht mehr allein.

Hobo (Wichtelchef):

Hört nun auf mit dem Geschreie

Kommt und bildet eine Reihe

Lore, Lotte, Lin und Lan

Bodo, stell auch du dich an.

Lasst uns hören, was sie wollen

von uns klugen Gnomentrollen.

Dora

So ists recht, so muss es sein!

Lass ich euch jetzt auch allein,

werd von oben auf euch blicken

und euch weitre Hilfe schicken

sofern ihrs von mir verlangt.

Und den Wichteln sei gedankt!

                                                                                              (Dora verbleicht)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Atelier aufräumen und Fritzi streicheln

Seit gestern abend bin ich nach einer Woche Abwesenheit wieder in der Mani. Die fünf großen Katzen und die beiden goldenen kräftig gewachsenen Nachkömmlinge sind wohlauf, aber die drei Winzlinge (zwei reizende grauweiße und ein buntes) sind verschwunden. Fritzi verlangt erneut Sonderbehandlung und bekommt sie auch.

Heute war wechselhaftes Wetter, sehr schönes Licht, und das Meer von kaltem Blau. Ich arbeitete viele Stunden im Atelier: putzte Gläser und Rahmen, entfernte Spinnweben, sortierte Zeichnungen, die ich aber nicht fotografierte. Vielleicht hole ich es irgendwann nach.

Dann machte ich mich über die Regale her, in denen Gläser, Flaschen, Teller und große Papierrollen lagerten. Tja, die Papierrollen entpuppten sich als großformate Zeichnungen… Es sind sehr viele, und beim ersten Sichten sah ich, dass es einige wirklich gute darunter gibt. Also kann ich sie nicht einfach wegwerfen, sondern muss mich erneut ans Aussortieren machen.

Obgleich es mühsam ist und mein Rücken sich bitter beklagt, tut mir diese Arbeit gut. Ich freu mich schon auf morgen, dann geht es weiter. Jetzt muss ich erst mal Fritzi streicheln. Sie wünscht das. Leider weiß sie noch nicht, dass ihre Krallen nix für mich sind.

 

 

 

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Welttheater, 5. Akt: Clara tritt auf

Was zuletzt geschah: Nach langer Pause öffnete das Welttheater wieder seinen Vorhang. Wir sahen die blinde Dichterin Domna traurig und allein im winterlichen Licht herumspazieren und Hölderlins Gedicht „Häfte des Lebens“ rezitieren.

 

… Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde? …

 

Auftritt das Kind Clara

Clara:

Hier bin ich wieder, ausgeschlafen.

Ach, es war himmlisch bei den Schafen!

Doch wie mir scheint:

die Domna weint.

 

Was ist denn, Domna, warum bist du traurig?

Ich weiß, das Wetter ist heut ziemlich schaurig.

Doch morgen wird es schön!

Du wirst schon sehn!

Domna

O Clara, gut, dich wieder nah bei mir zu spüren!

Komm her, ich bin verwirrt, jetzt musst du, Kind, mich führen!

Die Welt schien mir schon ganz und gar verloren

doch jetzt, mit dir, fühl ich mich neu geboren.

 

Wie geht es dir? Bist du auch warm gekleidet?

Es wäre schlimm, wenn’s Kind an Kälte leidet!

Bist du auch satt? Ich gäb dir Schokolade

doch hab ich keine, das ist wirklich schade.

Clara (lacht und tanzt)

Ach Domna, Domna, mach dir keine Sorgen

ich bin ja jung und überall geborgen

Hab auch ne Box, die schenkte mir, du weißt,

das Mädchen mit dem Licht, das Dora heißt (*)

 

Es ist ne Wünschebox: Ich wünsch was, schon ists da.

Jetzt möcht ich, dass die Sonne kommt, und sie ist nah!

Schon glänzt es golden an den Bergesspitzen

Schon dringt das Licht durch alle feinen Ritzen

Domna

Schon fühl ich Lebenskraft den alten Leib durchdringen.

Schon wird mir warm, schon will die Kehle singen.

„Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See…“

Wie heftig es sie dränget

die Sonne will sie kosen

unter dem Schnee

 

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* siehe hier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Entstehung von Kulissen und Wichteln (tägliches Zeichnen und Legen)

Die Wiedereröffnung der Weltbühne hat eine kleine Vorgeschichte:

Ich wollte mal wieder ein bisschen zeichnen, nahm einen Zeichenkarton und Kohle und legte los. Heraus kam eine recht wilde Kohlekritzelei. Nun nahm ich einen Radierer und auch meine Hand, um die schwarzen Linien zu reduzieren und zu verwischen.



Eine ziemlich trübe Angelegenheit. Also griff ich zur gelben Kreide und heiterte die Szenerie auf.

Das sah schon viel besser aus. Aber es genügte mir nicht.  Und so fügte ich noch Blau und etwas Rot hinzu, nahm auch eine Tube mit schwarzer Farbe… Schließlich griff ich wieder zur gelben Kreide.

Das Ergebnis begeisterte mich nicht, also zerriss und zerschnitt ich es, um Material für eine Legearbeit zu gewinnen. Und was wurde draus? Ein Aufmarsch von Wichteln.

Waren das etwa schon die Kalikanzari – die Geisterchen, die uns zwischen Weihnachten und Neujahr allerlei Streiche spielen? Oder waren es gutartige Helferwichtel? Ich probierte herum, wurde mir aber nicht schlüssig.

Und dann war plötzlich alles da: Das Welttheater öffnete wieder seine Tore! Das verwischte Bild war die Kulisse, vor der Domna auftreten würde (hier).

Dann würde das Kind Clara hinzutreten und Licht in die Düsterkeit scheinen lassen. Dann würden aus dem Holz und den Segeln die Wichtel entsteigen und unseren Helden helfen. Schließlich ….  Aber ich verrate besser nicht, wie das Welttheater weitergeht, zumal ich es ja noch nicht erdichtet habe. Nur die Bilder sind schon da.

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Welttheater: Domna allein (Hälfte des Lebens)

Zur Hälfte des Jahres – der Sommer hatte noch gar nicht recht begonnen – verließen wir die kleine Truppe des Welttheaters beim Hirten Fotis, und alle fielen in einen tiefen Schlaf.

Du hast keine Ahnung, wovon ich rede? Dann schau mal hier vorbei: die letzte Zwischenbilanz des Welttheaters.

Sechs Monate sind seid dem letzten Auftritt vergangen ((https://gerdakazakou.com/2023/06/12/welttheater-vor-dem-5-akt/), und ich rechnete schon gar nicht mehr mit einer Wiedereröffnung des Theaters. Da erscheint plötzlich die blinde Dichterin Domna auf der lichtlos-winterlichen Bühne. Traurig und einsam wandelt sie hin und her.

Während ich ihr zuschaue, erinnere ich mich an ihren letzten Gesang:

Müssen immer weiterfliehen

woher, wohin treibt es uns fort?

Wir lagen flehend auf den Knien

entrannen bösem Brand und Mord.

 

Das Meer verschlang uns und die Berge

sie warfen uns in ihre Klüfte

In Höhlen fanden wir Herberge

und wankten traumlos durch die Grüfte.

 

Wir teilten Speise mit den Toten

und nährten uns von Milch und Kraut

Das Leben wollten wir ausloten

Die Sonn verbrannte uns die Haut.

 

Der Himmel über uns erbleichte

es wurde Licht, es wurde Nacht

Wir nahmen das, was man uns reichte

wir schliefen und sind aufgewacht.

 

Da war ein Mensch, er stand bescheiden

mit seinem Hund und sprach uns an.

Wollt ihr mit mir die Schafe weiden?

Denn Hilfe brauch ich, sprach der Mann.

 

Wenn ihr mir helft, habt ihr zu essen

und habt ein Dach, das euch beschützt

hier könnt ihr eure Flucht vergessen

und tun, was euch und andern nützt.

 

Doch fort, o fort die Wogen rollen

wir müssen immer weiter fliehn

in uns ist Flucht, in uns ein Wollen

ein Jagen, Stoßen, Vorwärtsziehn.

 

Wär ich ein Baum, ich könnte wurzeln

im tiefen Grund und stark und still

die Äste breiten, statt zu purzeln

und stolpern zwischen Soll und Will.

 

Ihr antworteten die Spirits mit schelmischem Singsang:

Lu-Ho-Wa-Ro

Das Oben sinkt runter,

was kraftvoll wird matt

was grün war wird bunter,

die Knospe wird Blatt

 

was jung ist, will werden,

was stillsteht verdirbt

und fällt auf die Erden,

was reif ist, das stirbt.

Leise nähere ich mich der Bühne. Da höre ich, dass Domna nun ein Gedicht von Friedrich Hölderlin rezitiert. O, es ist „Hälfte des Lebens„! Nur dass der Sommer jetzt schon lange vorbei ist und der Winter, den der Dichter fürchtete, Realität wurde.  

Domna

Mitte des Lebens.

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Während ich ihr zuhöre, wird mir beklommen ums Herz. Was ist geschehen? Wo sind ihre Gefährten? Wo die kleine Clara, wo Jenny-the-Kid, wo Danai und Trud? Was ist aus Abud und Hawi, was aus Wilhelm und seiner Sehnsucht nach Isolde geworden? Ich kann sie nirgends entdecken….

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Galeriebummel (3): „Kunstbücher“ von Jannis Psychopedis

Gestern streiften wir auch unterhalb des Lykabettos herum – eine Gegend mit steilen Straßen, die oft in Treppen übergehen, und vielem schönen Grün – , um den Ausstellungsräumen der Griechisch-Amerikanischen Union einen Besuch abzustatten.  IMG_6551Vor vielen Jahren machte ich dort meine erste Einzelausstellung (schau hier). Ich war damals 47 und voller Lebenskraft, fähig, nicht nur eine große Fremdsprachenschule zu leiten, sondern auch eine dritte „Karriere“ als Malerin zu starten. …

Die Räume haben sich seither sehr verändert, auch das Anspruchsniveau ist  gestiegen. Hier der Raum, in dem ich selbst damals ausstellte. Den inzwischen hinzugekommenen Hauptraum habe ich nicht fotografiert.

Gestern sah ich hier die „Kunstbücher“ von Jannis Psychopedis (Jahrgang 1945). Er ist ein in Griechenland sehr bekannter Maler und Hochschullehrer (schau hier), Bruder des uns einst befreundeten, leider früh gestorbenen Bruders Kosmas Psychopedis.  Arbeiten von Jannis Psychopedis, die den Eingangsbereich der Metrostation am Verfassungsplatz schmücken, fotografierte ich vor ein paar Tagen, da mich die Hängung interessierte.


Meistens handelt es sich um Leporellos in verschiedenen Größen, die der Künstler mit gemalten und gedruckten Bildern selbst ausgestaltet hat. Manche der Bücher sind älteren Datums, aber es gibt auch viele aus den Jahren 2022 und 2023. Ein paar Beispiele (zum Vergrößern bitte anklicken):

Die Werkeinheit „Vorschlag für eine Biografie“ mit fasst altmeisterlichen Bleistiftzeichnungen (aus dem Jahre 1979) fand ich besonders interessant: Psychopedis zeichnet hier seine Entwicklung als Maler durch eine Reihe von Abbildungen seiner malerischen und geistigen Vorbilder nach.

 

Trotz der Schwierigkeit, diese kleinen „Kunstbücher“ in Fotos wiederzugeben, hoffe ich, dass ihr einen Eindruck gewinnen konntet.

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