Kalenderblätter 16-20 (Christophs Zeichenchallenge)

Es sind schon wieder fünf Tage seit dem letzten Kalender-Eintrag vergangen. Christoph hat jetzt 20 Zeichnungen gepostet, und ich eile hinterher. Jedes Bild verknüpft sich für mich mit einem charakteristischen Tagesereignis.

Am Freitag, den 15.1. stattete ich dem Handelshafen von Kalamata einen Besuch ab. Das Wetter war trüb, ganz passend zur Fassade der längst stillgelegten und mit Planen verkleideten Fabrik und dem angerosteten Löschboot davor.

Am Samstag, den 17. 1. machte ich mit Freundin Wasso einen Spaziergang.

Am 18.1. war Sonntag und wir aßen in „unserer“ Taverne. Eine Vase mit ein paar Blumen stand auf einem der noch leeren Tische. Mit gefiel die Schwarz-Weiß-Zeichnung auch, doch kolorierte ich sie, damit alle Januar-Zeichnungen den gleichen Stil haben.

Am Montag, den 17.1., kam der Nachbar und schenkte uns Eier. Ich „notierte“ zunächst das Thema, und auch diesmal gefiel mir die einfache Zeichnung. Dann aber nahme ich wieder die Buntstifte. Ich wunderte mich sehr, wie viele Farben solche Eier haben!

Heute zeichnete ich, wieder bei trübem Wetter, die alte ausrangierte Signallampe, die zusammen mit einem chinesischen sonnengespeisten Lämpchen, einem Feigenbaum und allerhand Gesträuch über Titos Grab wacht. Es liegt nah beim Eingang zu meinem Atelier.

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Geschichten von und mit Philippe (4) Fortsetzung vom Fuchs

Die Begegnung mit der Füchsin Alepou (hier) hatte heute noch eine Fortsetzung. „Diese Alepou ist ganz anders als mein Freund, der Fuchs“, sagt Philippe bekümmert. „Er trug keine Stöckelschuhe und keine Bermudashorts und all das, er war einfach ein Fuchs mit einem schönen Fell und einem buschigen Schwanz….

Vor allem redete er ganz anders. Die Alepou redet nur von sich und ihren Anziehsachen und wie elegant sie ist. Mein Freund der Fuchs aber…“ – „Nun?“ frage ich, „was ist mit deinem Freund dem Fuchs? Was hat er denn gesagt?“ – „O, über vieles hat er gesprochen, und dann hat er geweint.“ – „Geweint?“ Ich bin bestürzt. „Dein Freund der Fuchs hat geweint? Warum denn?“ – „Weil ich nicht bei ihm geblieben bin. Ich wollte weiter, wollte die Menschen kennenlernen, und also bin ich weitergezogen, obgleich der Fuchs traurig war.“ – „Hm“, sage ich. Weiter fällt mir dazu nichts ein. – „Er sagte“, fährt Philippe fort, „er würde weinen, wenn ich weg wäre, und das tat mir sehr leid. Und alles nur, weil ich ihn gezähmt hatte.“ – „Du hast ihn gezähmt?“ frage ich. „Wie denn?“ – „Ach, das ist eine längere Geschichte…. Am Ende waren wir Freunde, und er war traurig, weil ich fortging.“ – „Ja, das verstehe ich“, sage ich. „Wir beide kennen uns bisher ja noch nicht sehr gut, Philippe, aber ich bin sicher, wenn das Jahr um ist und du gehen wirst, werde ich auch traurig sein.  Trotzdem freue ich mich, dass du jetzt bei mir bist. Und wenn du weg sein wirst, werde ich mich an dich und an deine goldenen Haare erinnern. Und jedesmal, wenn ich ein Weizenfeld sehe, werde ich an dich denken, weil es dieselbe Farbe wie deine Haare hat.“ – „Das hat mein Freund der Fuchs auch gesagt. Und wenn ich einen Sonnenuntergang sehe, erinnere ich mich an sein goldrotes Fell und bin traurig.“ – „Ich bin ja gespannt, wann du dich an mich erinnerst. Vielleicht wenn es schneit, wegen meiner weißen Haare?“ frage ich ihn lächelnd. – Da lächelt er auch und umarmt mich und sagt: „Vielleicht, man wird sehen. Bis dahin haben wir ja noch viele viele Tage zusammen.“ – Als er das sagt, strahlt er übers ganze Gesicht. „Ich will auch nicht mehr traurig sein, wenn ich an meinen Freund den Fuchs denke. Es war sehr schön, dass ich ihn kennengelernt habe. Es ist gut einen Freund gehabt zu haben, selbst wenn man sterben muss … Ich bin sehr froh, dass ich einen Fuchs zum Freund hatte.“

„Aber noch musst du ja nicht sterben“, sage ich schnell. „Und ich auch nicht. Noch bleiben wir zusammen, ja?“ – Da nickt er und lacht und kriegt rote Backen, und es ist fast, als sei er jetzt erst richtig angekommen.

 

 

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Vom Fallenstellen (Impulswerkstatt)

Liebe Myriade, der Satz, den du für die laufende Impulswerkstatt zur Diskussion gestellt hast, lautet: „Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.“ (hier)

Dazu fiel mir folgendes Gedichtchen ein:

 

 

 

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Vom Fallenstellen 

Vis-a-vis der Mausefalle

Hockt die Maus und denkt bei sich:

Wenn ich mit meiner kleinen Kralle

Den Stift beweg, erwischt es mich?

*

Den Speck den würd ich gerne fressen

Doch ohne dass die Falle fällt

Soll ich mit ihr die Kräfte messen?

Wer hat sie wohl hier hingestellt?

*

Wenn ich den Fallensteller bäte

Den Speck mir freundlich hinzureichen

Vielleicht dass er es gnädig täte

Denn wem gefallen schon die Leichen?

*

Ich hätt den Speck und er die Speisen

Die er im Lager angesammelt

Ich würde seine Großmut preisen

Und ließ in Ruh, was da vergammelt.

*

Ein jedes Mäuslein braucht ja Speck

Und will am Leben sich erfreun

Was haben Fallen für nen Zweck?

Der Fallensteller wird’s bereun

*

Wenn ihm die Falle selbst gestellt

Und er, der eben noch behaglich

Und sicher fühlt sich in der Welt

Auf einmal findet: das ist fraglich!

*

Die Falle schnappt vielleicht gleich zu

Die ich dem Feinde zugedacht

Und Aus ist es mit meiner Ruh

Und Aus ist’s auch mit meiner Macht.

*

Denn er, der Feind, ist ja auch schlau

Und baut das Gleiche, was ich baute,

er traut mir so, wie ich ihm trau

und er haut mich, wie ich ihn haute.

*

Wärs besser nicht, ich könnte essen

Den Speck des Lebens so wie er?

Warum solln wir die Kräfte messen?

Ist Krieg nicht immer Gegenwehr?

*

So gönn dem Mäuslein doch den Speck

Du hast dann Frieden in dem Haus

Sich streiten hat doch keinen Zweck!

Und Fallen gehn oft grässlich aus.

*

Die größte Falle ist zu hassen

anstatt zu lieben seinen Feind

Er wird dich nie in Ruhe lassen

solang er dich als Feind vermeint.

*

Er wird wie du auf Fallen sinnen

solang du ihn bedrohst, mein Freund!

der Logik kannst du nicht entrinnen.

Drum lieb ihn lieber, deinen Feind!

 

 

*

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Geschichten von und mit Philippe (3): Begegnung mit der Füchsin Alepou

Früher ging ich mit Tito spazieren, und so war mir nie langweilig, auch wenn ich die Wege schon tausendmal gegangen war. Hier sieht man uns beide – den Tito und mich – als Schattengestalten an einer sonnenbestrahlten Schilfwand beim Ausfluss des Sandova ins Meer.

Dann starb Tito, und ich musste allein gehen.

So war es bis jetzt. Doch nun nehme ich Philippe mit auf meine Wege und beobachte, wie er sich in der Welt zurechtfindet.

So wie hier, als wir an eben derselben Stelle landen. Philippe schaut in den Tümpel, der sich dort gebildet hat.

In diesem Moment taucht.. der Fuchs auf. (Alle kursiv gesetzten Texte sind der deutschen Übersetzung des „Kleinen Prinzen“ von Saint Exupery entnommen)

– „Guten Tag“, sagt.. der Fuchs.

– „Guten Tag“, antwortet.. der kleine Prinz höflich, er dreht.. sich um und sieht auf der anderen Seite des Tümpels eine lange Gestalt auf Stöckelschuhen heranstolzieren.

„Wer bist du?“, sagt.. der kleine Prinz. Du bist sehr hübsch …“

– „Ich bin eine Alepou“, sagt.. die Füchsin. (Im Griechischen sind Füchse nämlich weiblich, so wie die Katzen, und heißen nicht Fuchs, sondern Alepou.)

„Komm spiel mit mir“, schlägt der kleine Prinz vor.

„Ich kann nicht mit dir spielen“, sagt.. die Füchsin. „Ich habe meine besten Schuhe an und meine Bermudashorts sind frisch gewaschen, ich würde sie schmutzig machen.“

„Ah, Verzeihung“, sagt.. der kleine Prinz. Er überlegt.. und fügt.. an: „Was sind Bermudashorts?“

„Du bist nicht von hier“, sagt.. der Fuchs, „was suchst du?“

– „Ich suche zu verstehen, was Liebe ist“, sagt.. Philippe.  „Was bedeutet Bermudashorts?“

„Das ist eine fast vergessene Sache“, sagt.. der Fuchs. Es bedeutet: eine lässige Sommerhose, die sowohl sportlich als auch elegant kombiniert werden kann, wobei der klassische Schnitt etwa 3 Zoll über dem Knie endet.“

„Und wozu brauchst du die?“ fragt Philippe. „Man kann mit ihnen in ein flaches Wasser gehen, ohne sich die Hosenbeine nass zu machen“, antwortet Alepou. „Aber du gehst ja gar nicht ins Wasser!“ wundert sich Philippe. „Das stimmt“, antwortet Alepou. „Ich könnte aber ins Wasser gehen, wenn ich es wollte.“ – „Und wozu brauchst du sie?“ wiederholt Philippe, denn er gibt eine Frage nie auf, bevor er eine überzeugende Antwort erhalten hat. „Ohne die Hosen und die Schuhe und mein elegantes Outfit“, antwortet Alepou, wäre ich für dich nur ein Fuchs, der aussieht wie hunderttausend andere Füchse. So aber bin ich auf der ganzen Welt einmalig …“

Mit dem Wüstenfuchs aus dem Märchen hat Alepou nicht viel Ähnlichkeit, auch wenn sich manche Sätze ganz ähnlich anhören. Sie ist selbstverliebt und glaubt, die schicke Kleidung mache sie einmalig. Dabei ist es doch nicht das Äußere, was liebenswert macht!Ein wenig gleicht Alepou, so will mir scheinen, der Rose. Vielleicht, weil auch sie eine Frau ist.  „Sorgfältig wählte sie ihre Farben aus. Langsam zog sie sich an und passte auf, dass ihre Kleidung nicht zerknittert. Sie wollte nur in voller Schönheit in der Welt erscheinen. Oh ja! Sie war sehr eitel! So hatte sie tagelang vor dem Spiegel gestanden. Und dann, eines morgens, als die Sonne aufging, hatte sie sich gezeigt. Und sie, die sich so sorgfältig herausgeputzt hatte…“ 

Nun, ganz dasselbe sagte Alepou nicht, aber dass ihr wunderschöner Schwanz die Farbe der aufgehenden Sonne hatte, das empfand Philippe sehr wohl, und er konnte seine Bewunderung nicht mehr verbergen:- „Wie schön Sie sind!“ – „Das ist wohl wahr!“, antwortete Alepou mit kokettem Augenaufschlag. Und ich bin im gleichen Moment geboren wie die Sonne …“

Und die Moral von der Geschicht?

Aufs Äußere verlass dich nicht.

Trägt jemand hübsche, schöne Kleider

dann hat er einen guten Schneider.

Ob jemand aber lieben kann

das sieht man ihm durchaus nicht an.

Mag sein, dass Ja, vielleicht auch Nein,

die Wahrheit zeigt sich erst im Sein.

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Dreizehn Eier

Einer unserer Nachbarn, der ein Feld hat, auf dem er Tiere aufzieht und dann zum Schlachten verkauft – ich erzählte gelegentlich davon – klingelte eben an der Tür und übergab mir eine Plastiktüte mit frischen frisch gewaschenen Eiern. Der Nachbar ist ein scheuer, wortkarger, hässlicher Mann, und sein Verhalten gegen die Tiere ist von der üblichen Ruppigkeit der einfachen Bauern. Er ist aus Albanien zugewandert und in der Gegend nicht beliebt. Uns aber ist er zugeneigt, seit wir ihn wegen seines Hundes, der durch eine Lücke im Zaun ins Freie gelangte und mich in die Wade biss, nicht anzeigten. Auch hängen wir ihm immer altes Brot an den Zaun. Schon einmal schenkte er uns Eier (hier).

Ich nahm die Eier aus der Tüte, legte sie vorsichtig auf die Matte auf dem Esstisch, zählte sie, freute mich an ihrem Anblick und am unerwarteten Reichtum. Danke herzlich für den Eiersegen, Herr Nachbar!

Dreizehn Eier

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Wortmans Fotoprojekt: 25 Wochen – ein Objekt (3): Nur mit dem Herzen sieht man gut

Jeden Sonntag dasselbe Objekt in unterschiedlichem Surrounding fotografieren und posten – das ist der Vorschlag von Wortman. Ich habe als Objekt den „Kleinen Prinzen“ gewählt, der dieses Jahr 2026 inspirieren soll.

Gefunden habe ich den Kleinen Prinzen in einem weihnachtlich dekorierten Schaufenster. Das war am 1. Dezember des vergangenen Jahres, als ich auf der Suche nach vorweihnachtlichen Photomotiven war. Sogleich war ich in die kleine Figur verliebt. Zögerlich ging ich ins Geschäft, ließ sie mir zeigen, fragte nach dem Preis und nach dem Künstler, besah dann noch die anderen Exponate, konnte mich nicht entschließen. Denn ich wollte eigentlich nichts kaufen. Schließlich aber ließ ich sie mir einpacken.

Auf dem Bötchen steht das magische Wort, das alles im Leben verändert: ΑΓΑΠΗ (agape), Liebe, daneben die neue Jahreszahl. Liebe also sollte das Thema des Jahres 2026 sein, und der kleine Prinz sein Repräsentant. Denn was ist es, was den Kleinen Prinzen so besonders macht? Die Liebe zu seiner Rose. Und seine Einsicht, dass man nur mit dem Herzen gut sieht.

Diese Einsicht ist natürlich nicht neu. In gewisser Hinsicht wurde sie erstmals von Sophokles formuliert, als er den Mythos von Ödipus erzählte: Der stach sich die Augen aus, weil er das Offensichtliche nicht gesehen hatte. Erst als Blinder wurde er sehend.

Ich habe diese Geschichte im Rahmen des „Kleinen Welttheaters“ von Trud, der ewig Fragenden, erzählen lassen. Trud erzählt zuerst, warum Ödipus seinen Vater totschlug und wie er das Rätsel der Sphinx löste. Die Lösung war „Der Mensch“ (hier)

 

Es ist der Mensch, der erst auf allen Vieren

ins Leben kriecht und dann auf zweien geht

im Alter wird er seine Kraft verlieren

und braucht den Stock, damit er aufrecht steht.

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Ödipus, die Sphinx und die drei Alter des Menschen.

Jedoch! „Was ist der Mensch?“ das ist die größre Frage

die bis auf heute schwer die Menschheit quält.

Es ist die große Frage, die ich in mir trage

auf die mir immer noch die Antwort fehlt.

Der Mann erschlug den Fremden, der den Weg versperrte.

Er war so klug und war zugleich so blind.

Was wars, das ihm die Wahrnehmung verzerrte

dass er nicht merkte: „Ich bin ja sein Kind!?

Der Fremde ist mein Vater, er hat mich gezeugt.“

So klug im Rätselraten und so blind im Leben?

Drum hat das Schicksal ihn dann schwer gebeugt

er musst sogar sein Augenlicht dran geben

damit er sah, was seine Augen nicht erkannten.

Die Augen sahen einen Menschen, der als Feind

ihm seinen Weg vertrat, sie sah’n nicht den Verwandten.

Die Augen sehn ja nur, was äußerlich erscheint.

Er lernt es schließlich unter großen Schmerzen:

Für unsere Augen ist so manches unsichtbar.

Gut sieht man nur mit einem offnen Herzen

und was verworren war, das wird dann klar.

 

 

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Ödipus auf Kolonos (Sophokles. Aufführung von 1967, aus einem griechischen Blog, ohne Quellenangabe.)

Zitat: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist ...

Diese Erkenntnis hat der Kleine Prinz am Ende seiner Reise, als er sich zum Sterben entschließt.

 

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Archivbild der Woche: Zugvögel

Jeden Sonntag ins Archiv hinabsteigen und schauen, was ich an einem Tag wie diesem in einem früheren Jahr gedacht und gemacht habe – das möchte ich auch weiterhin tun. Denn allzu schnell vergehen die Tage, und es ist schade um so manches, was in Vergessenheit sinkt.

Heute hole ich ein paar Bilder vom 18.1.2016, meinem ersten Bloggerjahr, hervor. Zugvögel nannte ich ein Bild, das ich aus Schnipseln legte. Ist es ein Zufall, dass ich am vergangenen Sonntag an die Zugvögel dachte, die dem kleinen Prinzen seine Flucht ermöglichten? (hier)

 

Vielleicht haben mich damals die Menschen, die über alle Grenzen nach Europa hineinströmten, inspiriert. Ich schrieb:

Die Zugvögel tragen die Farben der Landschaften in ihrem Gefieder. Grenzpfähle kümmern sie nicht. Sie fliegen in den hellen Morgen hinein und …

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… sie fliegen, wenn das Licht schwindet.

Sie fliegen über abgeerntete Felder und aufgebrochene Äcker, gen Süden fliegen sie. Sie fliegen, wenn das Licht schwindet.

Sie fliegen über das Meer, das Homer das weinfarbene nannte.

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Sie werfen ihre Schatten über die ausgedörrten baumlosen Ebenen Afrikas

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Ihre Sehnsucht trägt sie den frischen hellgrünen Saaten zu

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Hier werden sie bleiben, bis sie erneut den Aufbruch suchen.

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Mit den Farben ihrer großen Reise im Gefieder kehren sie zurück in die Länder des Nordens.

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Philippe am Hafen und beim Mandarinenbaum

Ich habe beschlossen, Philippe jetzt öfter bei meinen Ausflügen mitzunehmen und ihn vorsichtig in die menschliche Gesellschaft einführen. Das scheint mir notwendig zu sein, denn er fremdelt immer noch sehr. Am besten, ich beginne mit lieben Menschen. Also fragte ich ihn heute vormittag: „Kommst du mit in die Stadt, eine Freundin abholen?“

Unterwegs schaut er mit großen Augen hinüber zum hellen stillen Meer, über dem ein leichter leuchtender Schleier liegt. Das Meer kennt er inzwischen, aber so verzaubert hat er es noch nicht gesehen, glaub ich.

Zuerst fahre ich mit ihm an den Hafen. Ich erzähle ihm von Dora, und wie gern sie immer auf den Booten rumkletterte.

Auch auf den gelb-blauen Pflöcken sei sie immer rumgeturnt. Ob er nicht auch Lust dazu habe?

Philippe hört mir aufmerksam zu, bleibt aber selbst am Rand des Hafenbeckens stehen. Wird schon werden, denke ich. Kinder soll man nicht drängen.

Dann holen wir Freundin Wasso ab und fahren zu uns.  Unterwegs macht Wasso allerlei Faxen, um Philippe zum Reden und Lachen zu bringen. Sie war früher Schauspielerin.

Nach dem Essen machen wir zusammen einen Spaziergang zu „meinem“ Mandarinenbaum“. Während wir zwei Tüten mit köstlichen Früchten ernten, höre ich Philippe mit einer Blüte wispern. Er erzählt ihr von seiner Rose. Die Mandarinenblüte wendet ihr Gesicht ab und ist verschnupft. Bemerkt er denn nicht, wie hübsch sie ist und wie fein sie duftet? Keine Blüte mag es, wenn andere vor ihr gerühmt werden.

„Schau mal, Kleiner“, sagt Wasso, „all diese Früchte waren mal Blüten! Wie sie das gemacht haben? Das kann ich dir nicht erklären. Es ist ein Wunder!“ Ich glaube, Philippe mag meine Freundin.

 

 

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Kalenderblätter 11-15 (Christophs Zeichenchallenge)

Damit sich nicht zu viel ansammelt, zeige ich jetzt die nächsten fünf Blätter, die ich auf Christophs Anregung hin in einen Jahreskalender zeichne. Jedes Bild erinnert mich an eine besondere Situation des Tages.

Die Hauptkirche des Bergdorfes Megali Mantinia, gesehen von unten. Links drängt sich die ältere kleine Kirche ins Bild. Ich sah auf meiner Wanderung.

Ein Teil der von den Freundinnen mitgebrachten Speisen, aufgetischt in meinem Atelier. Sie waren gekommen, um mit mir die Vasilopita zu schneiden.

Skizze aus dem Auto, mit Sicht auf den Vorplatz des Verschönerungsvereins von Akrogiali und der Bucht. Ich blieb im Auto sitzen, weil es sehr stürmisch war.

Die Treppe zum Atelier, von unten nach oben gesehen. Dies Motiv sehe ich jeden Tag, und ich kenne jede Stufe auswendig.

Heute blieb ich vor einem Schaufenster stehen, in dem allerlei halb fertige Musikinstrumente und Schablonen ausgestellt waren.

Die ersten 15 Seiten des Kalenders im Überblick: die Welt ist vielgestaltig, bunt und lustig!

 

 

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Tägliches Zeichnen: männliches Modell (3)

Nach der Weihnachtspause ging ich heute wieder in die Zeichenschule, um nach Modell zu zeichnen. Derselbe junge Mann, der uns schon zweimal saß, war auch heute da. Ich zeichnete zuerst nur die Umrisslinien mit Buntstiften, ging dann mit den Farben ins Flächige. In der dritten Sitzung überarbeitete ich das Bild mit Kohle.

Erste Phase: eigentlich ist hier schon alles gesagt und alles entschieden.

Am Ende, nach Einsatz auch der Kohle, sieht es so aus:

Nur das Portrait:

Sitzung 14.1.2026

.

Sitzung 11.12.2025

Die Sitzungen mit demselben Modell findest du hier und hier.

Sitzung 17.12.2025

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