Als ich heute bei Christoph (hier) seine Handstudien mit Kohle und weißem Stift auf farbigem Papier sah, bekam ich Lust, es auch mal so zu versuchen. Ich hatte freilich weder farbiges Papier noch einen weißen Stift zum Höhen. Also wurde es etwas Ähnliches, aber doch anders, nämlich Buntstift, um die weiße Fläche einigermaßen gleichmäßig einzufärben, weicher Bleistift für die Zeichnung und ein Radiergummi, um Helligkeiten einzutragen.
Ich sortiere diese Zeichnungen unter „gemeinsam zeichnen“, denn Christoph und ich saßen zwar nicht im selben Raum, wir kennen uns auch nicht persönlich, aber darauf kommt es ja nicht an. Worauf es ankommt, ist die Freude am gleichgerichteten Tun und an gegenseitiger Anregung.
Zwei mal mit Ocker auf geteiltem Zeichenbogen
Einmal mit Blau auf kleinerem Zeichenbogen
Danke, Christoph, für die Anregung. Es hat Spaß gemacht!
Beate Glücks Bild von einem froschähnlichen „Gritter“ ist großartig, eine Herausforderung. Mir kommt die seit Darwin sich verbreitende Überzeugung in den Sinn, dass sich die Arten eine aus der anderen entwickelt haben. Das ist wegen der aufgefundenen Artefakte, die irgendwelche nicht lebensfähigen Zwischenglieder dokumentieren, oder wegen der Stadien der Embryonalentwicklung, die eine Wiederholung der Phylogenese zu sein scheint, auch recht einleuchtend. Und doch: stimmt es? Ist es nicht eine Fehlinterpretation der Funde? wo hat man je gesehen, dass ein Fisch aufs Trockene hüpfte, Schwanz und Flossen ablegte und zum Landbewohner wurde?
Du sagst: du musst dir das mit Zeitraffer vorstellen. Da siehst du es dann. Vermutlich gibt es in naturhistorischen Museen tatsächlich solche Präsentationen, wo Jahrmillionen oder irgendwas in dieser unvorstellbaren Größenordnung in Minuten zusammengerafft werden. Ich aber kann es mir beileibe nicht vorstellen. Ich sehe stattdessen, wie ehemalige Fische als monströse sechsbeinige Frösche herumhüpfen, nicht ahnend, dass ihnen die Beine nur gewachsen sind, damit sie auf Festessen als Leckerbissen serviert werden – eine Sitte, die es einem italienischen Herr namens Luigi Galvani dann auch gestattete, die Elektrizität zu entdecken.
Ich warne sensible Menschen, den nachfolgenden (erfolgreichen) Versuch, das Experiment Galvanis (1737-1798) nachzuvollziehen, anzusehen.
Liebevoll, wie ein hübsches Märchen für Kinder, wird der „Zufallsfund“ von Galvani auch in einem Podcast des Museums für Energiegeschichte vorgetragen. Das kannst du dir, ohne dass es dich graust, gerne anhören. Ob es sich im Wortsinn um einen Zufallsfund handelte, kann man bezweifeln, denn Galvani war Arzt, Anatom und Naturforscher und also mit dem fachgerechten Zerlegen von Lebendem und Totem bestens vertraut. Überhaupt – immer diese Zufälle, die angeblich Natur und Geschichte steuern!
Die Elektrizität ist heute in der verwendbaren Form von Strom allgegenwärtig und gilt als „saubere“ Energie. Sie hat alle unsere Lebensbereiche durchdrungen. Eine Welt ohne Strom können wir uns nicht mehr vorstellen. Und doch gab es diese Welt vor wenigen Jahrzehnten und gibt sie noch gleich um die Ecke…. Das Verspeisen von Froschschenkeln ist immer noch Sitte in der gehobenen französischen Küche – und nicht nur dort. Da wir gesitteten Europäer inzwischen Bedenken haben, ob es sich dabei womöglich um Tierquälerei handeln könnte, fangen wir keine europäischen Frösche mehr, sondern führen sie massenhaft aus Indonesien ein.
Dies ist ein Beitrag zu Myriades „Impulswerkstatt“, den ich mit mulmigen Gefühl im Bauch schrieb. Denn wer weiß, in welche Welt wir uns hineinmanövriert haben, in der unser Wohlsein mit so viel Leid und Abstumpfung erkauft wird.
Fast vorbei ist der September, aber nun kann ich euch endlich auch ein griechisches September-Wolkengrau präsentieren. Die Katastrophen-Behörde hatte eine Unwetter-Warnung aufs Handy geschickt, aber was kam, war nur feiner sanfter Regen. Die ganze Nacht über regnete es sacht. Die ausgedörrte Erde nahm alles Wasser sofort restlos auf.
Nun hat der Regen bereits aufgehört, und die Wolken beginnen, sich zu lichten.
Als ich eben im Archiv nach einem Bild für Heides „Archivbild der Woche“ suchte, stieß ich auf Fotos des Tiber aus dem Jahre 2016, und die alte Rom- und Tibersehnsucht packte mich wieder.
Wir hatten nahe am Tiber Quartier bezogen, und so waren es diese Brücken, die mein Auge am Morgen als erstes suchte…
und am Abend als letztes verabschiedete.
Ich weiß, liebe Heide, dass wir nur ein Bild posten sollen, ich versuchte es auch, aber was soll ich machen? Es wollten wieder mal zwei werden.
Heute abend stellte ich eine Eule vor ein Glas mit Stiften und holte mir ein Glas Rotwein, um mich beim Zeichnen zu entspannen. Die Eule ist aus eingefärbten Glasstücken mithilfe einer metallischen Masse zusammengefügt, sieht aus wie bei Kirchenfenstern. Und so schien es mir angebracht, auch die anderen Formen mit dickem Filzstift zu rahmen. Kann sein, dass ich die Linien morgen noch verstärke und vereinheitliche, so dass eine Art gezeichnetes Vitreau entsteht.
Die Zeichnung passt stilistisch zu drei der vorangegangenen, ist aber die erste im Hochformat:
Heute Nacht zeichnete ich meine Hand mit einem Pfirsich, mit Kugelschreiber auf einfachem Zeichenkarton A4.
Da mich die Pfirsichfarbe so freundlich anlächelte, entschloss ich mich, auch diese Zeichnung zu kolorieren. Die Farbe ist in der Nacht bei Lampenlicht anders als bei Tage (wie im Foto zu „Farben im September“ gezeigt). Ein bisschen blaustichig ist auch das Foto der Zeichnung.
Dieses Mal habe ich mich auf Kugelschreiber und Buntstifte beschränkt.
Ich zeigte meinem Mann die drei Zeichnungen vom gezeichneten Sammelsurium auf dem Schreibtisch. Ihm gefielen die beiden vorigen mit den dicken Filzstiftlinien und den starken Kontrasten besser als das neue. Ich zögerte, bearbeitete die Zeichnung dann aber, um es im Stil anzupassen. Was meinst du?
Die schon veröffentlichte Zeichnung im Vergleich mit der mit schwarzem Filzstift und Markern überarbeitete Fassung:
Heute habe ich das Hauptaugenmerk auf den Teil des gemeinsamen Schreibtisches geworfen, den mein Mann mit seinen Hilfsmitteln bedeckt, Da stapeln sich vor allem Bücher, Hefter und Zeitungsausschnitte – alles überthront von einem Langenscheid-Taschen-Wörterbuch Neugriechisch, das er gelegentlich zu Rate zieht. Natürlich nicht, um Neugriechisch zu lernen, sondern um deutsche Wörter nach Sinn und Rechtschreibung zu überprüfen.
Zum Glück ist der Schreibtisch sehr groß, denn er ist eigentlich ein Klostertisch, wie ihn die Mönche zum gemeinsamen Mahl im Refektorium benutzten. Wir fanden ihn einst in einem Altmöbellager, und ich wundere mich, wie wir es schafften, ihn ins Haus zu bringen. Seither steht er unverrückbar an seinem Platz, fast wie das Ehebett von Odysseus und Penelope, das bekanntlich in einen verwurzelten Olivenbaum gebaut wurde.