Tagebuch der Lustbarkeiten: von Katzen, Cafes und Galerien

Heute morgen war ich in Kalamata. Als erstes traf ich mich mit einer Freundin im schönen Gartencafe „Stolidi“ (Schmuckstück), und weil es draußen zu sehr windete, setzten wir uns nach drinnen in eine hübsche Nische, die einem Wohnzimmer Ehre machen würde. Ich wusste gar nichts von diesen Innenräumen und war angenehm überrascht. Die heiße Schokolade war dann die perfekte Ergänzung.

Anschließend suchten wir eine Galerie auf, von deren Vorhandensein ich zwar wusste, die ich aber noch nicht betreten hatte. Eine zweite schöne Überraschung. Die Ausstellung, eine großen Sammlung von Ikonen, gemalt von dem hier bekannten Maler Dimitris Kentakas (1906-2005), interessierte mich zwar nicht sonderlich…

wohl aber die Räume. Sehr gut könnte ich mir meine eigenen Arbeiten darin vorstellen. Doch wird das klappen? Es gibt da mindestens zwei Hürden: die erste ist steuerlicher Art, die zweite der Kunstgeschmack des Galeristen. Er arbeitet mit sehr bekannten Namen, im kommenden Jahr wird er sogar eine Beuys-Ausstellung und eine mit Werken von Jean-Michel Basquiat ausrichten. Bei solcher Konkurrenz mache ich mir kaum Hoffnungen. Aber gefreut habe ich mich doch, den freundlichen Galeristen kennenzulernen und zu erfahren, dass er 10 Jahre in Hannover gelebt hat. Vielleicht hilft das ja ein bisschen….

Der andere mögliche Kunstraum – das Pneumatiko Kentro der Stadt – , den wir anschließend besuchten, zeigte eine Plakatausstellung mit der Geschichte der kommunistischen Partei. Der für Ausstellungen Zuständige war am heutigen Samstag nicht anwesend. Diese Räume mag ich nicht besonders, aber sie liegen an der zentralen Fußgängerzone.

Es gibt noch andere kleinere Kunsträume, die ich gelegentlich aufsuchen werde.

Schließlich fuhr ich zum Tierarzt, um Fritzi abzuholen, die gestern operiert wurde. Alles normal. Sie beklagte sich auf der Rückfahrt bitterlich, fraß zu Hause mit gutem Appetit, was ich ihr an Leckereien vorsetzte, und ist seither verschwunden. Ich denke und hoffe, sie taucht wieder auf, wenn sie ihre Wunden geleckt und ihren Schock verarbeitet hat.

Nun werde ich ins Atelier gehen und die letzten Bilder fotografieren. Danach werde ich die Stapel von Zeichenblöcken und Mappen durchsehen. Und dann? Ja, dann gehts darum, ein Atelier-Ausstellungs-Konzept zu entwickeln. Kurzum, das Projekt entwickelt sich weiter, mit offenem Horizont.

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Bilder bewerten und ausrangieren: Klebestreifenbilder und Collagen 51-82

Diese Rubrik füllt sich gerade mit sehr vielen Bildern. 32 sind es diesmal, und ein weiterer Stapel wartet. Die meisten sind gerahmt und hinter Glas. Etliche hatte ich bei mir an den Wänden hängen oder auch ausgestellt. In der Regel sind sie nicht viel größer als ein Schreibmaschinenblatt. Aber jedes enthält eine ganze Welt. Oder sogar mehrere Welten.

 

Einige möchte ich einzeln herausgreifen. Dabei geht es nicht um Präferenzen, sondern darum, die Aufmerksamkeit zu konzentrieren. Meine Interpretationen sind nicht verbindlich.

Beginnen wir beim letzten: Hier baut sich eine heroische Landschaft auf aus Klebestreifen, Wasserfarbe, Spuren von Ölkreiden, Abdrucken und zwei Bildchen, die ich aus Journalen ausschnitt und die dem Ganzen eine Art message mitgeben. Welche das ist? Das bleibt dem Betrachter vorbehalten.

Felder aus gelbem Ocker und Silberfolie, Klebebänder und kleine Bildausschnitte, einer mit Schrift haben diese Landschaft hervorgebracht.

Hier sind Zeitungsausrisse und schwarze Pinselschrift tonangebend. Ein Auge schaut und sucht den Sinn zu entziffern. Was ist geschehen?

Dieses Bild gehört eigentlich nicht in die Reihe, denn es ist keine Collage, nur mit Pinsel, Wasserfarben undTinte gemalt, doch ähnelt es im Bildaufbau den Klebebildern. Es ist während einer Reise nach Hamburg, der Stadt des Wassers und der Brücken, entstanden.

Sehr leicht der Bildeindruck. Schrift ist hier nicht Sinnträger, sondern Arabeske und Attribut.

Leicht scheint auch dieses zu sein, doch die Fesselung durch die Klebebänder wirkt wie eine Verneinung. Was dahinter ist, muss dahinter bleiben, da hilft auch kein Drängen.

Ähnlich ist dieses in seinem rhythmischen Aufbau, doch die Wirkung ganz anders. Denn hier drängen die großen Formen nach vorn, andere drängen nach, es gibt kein Halten.

Weh und verweht ist hier das Schöne, das einst die Augen entzückte.

Gräberwelten. Schutt und Zerstörung.

Verlassen von Menschen das, was ihnen einmal Heimat war

Auslöschung, Vergessen: das Bild entstand, indem ich die Klebestreiben entfernte. Dahinter entfaltet sich eine Welt, die kaum noch zu erkennen ist, aber vieles verspricht.

Auf diesen Hügel wohnten Menschen, bauten ihre Stadt. Man sieht sie noch als durchsichtige Form, ähnlich den Bodenradar, das die Archäologen benutzen (hier).

Hier kamen auch Sand und Splitter zum Einsatz. Eine verschüttete Siedlung.

Auch dies nächtliche Bild gehört streng genommen nicht in diese Rubrik. Es passt aber vom Ausdruck und Format in die Reihe.

Hier höht und betont die grüne Ölkreide die noch erkennbaren Strukturen einer Bebauung. Npoch frühere oder auch spätere Schichten existieren daneben.

Und noch ein letztes.

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Bilder bewerten und ausrangieren: Zwischenbilanz

Mein Atelier ist noch eine Baustelle, aber viele Ecken und Winkel sind inzwischen von Bildern befreit. Die gerahmten verglasten Bilder, den Fußboden und die frei gewordenen Regale habe ich geputzt. Manches halb Vergessene habe ich hervorgezogen, manches halb Zerrissene ausrangiert. Ausrangiert und in Stücke geschnitten habe ich auch beschädigte Leinwände, einen großen Sack gefüllt und zum Recyceln gebracht. Leere Rahmen behalte ich, zerbrochenes Glas muss ich noch aus den Rahmen entfernen.

Inzwischen haben 2+1+2+1+3, zusammen neun Bilder, mein Atelier in fünf verschiedene Richtungen in Deutschland verlassen, denn fünf meiner wunderbaren Leser und Leserinnen haben sich Bilder ausgeguckt. Zwei großformatige Bilder brachte ich gestern abend zu Nena, denn sie ist gut im Verpacken, und die Post befindet sich in der Nähe ihrer Werkstatt. Sie hatte aber den ganzen Tag so viel geschuftet, dass sie keine Kraft mehr zum Verpacken der Bilder hatte. Heute aber, so schrieb sie mir eben, kam eine andere Frau unserer Gruppe mit ihrem Sohn, verpackten sie und brachten sie zur Post. 

Hier siehst du die beiden großen Bilder in meinem Auto, und in Nenas Werkstatt. Sie selbst und ihren Mann siehst du im Hintergrund. Sie sind grad dabei, eine Schokoladenmischung ins noch warme Gebäck zu füllen.

 

Ich zeige euch mal, welche Bilder es bisher schon geschafft haben, das Atelier zu verlassen und demnächst an Wänden in Deutschland zu hängen. Das allein macht mich stolz und froh und dankbar. Die großzügigen Spenden für unsere Helfergruppe sind natürlich auch nicht zu verachten.

 

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Tagebuch der (Un)Lustbarkeiten: Fritzi unterm Messer

Fritzi ist immer die erste, die mich begrüßt.

Ich habs getan! Habe heute die allerliebste Fritzi in den Transporter gelockt und zum Tierarzt gebracht, auf dass er ihr ihren feinen Bauch aufschneidet. Dabei hat sie zweimal wunderbare Kinder bekommen und vier sogar durchgebracht: die beiden grau-weißen nun halbwüchsigen Kater mit den blauen Augen und zwei noch winzigkleine bildhübsche grauweiße Kätzchen. Auch die Kätzchen ihrer Schwestern und ihrer Mutter hat sie genährt, wenn die sich woanders rumtrieben.

Fritzi ist eine ganz besondere Katze, ich sah es schon, als sie noch winzig war.

Mit Mama Prinkipessa und Dora, Mai 2022 (hier)

Fritzi im Juli 2022

Fritzi hindert mich  am Lesen (August 2022, hier)

Fritzi ist verletzt (September 2022)

Fritzi bezieht den Katzentransporter fürs Wochenbett (April 2023)

Fritzi Mama von Lin und Lan, mit Schwester Theo (Juni 2023)

Fritzi ist als einzige von Prinkipessas Brut zutraulich und streichelbedürftig. Drum war es für mich auch leicht, sie heute morgen einzufangen. Unterwegs im Auto hat sie in allen Tönen protestiert, und wahrhaftig, ich konnte ihr nur recht geben. Aber was sollte ich tun? Meine einzige Ausrede ist: Fritzi ist sehr schlank, fast dünn, und eine weitere Schwangerschaft wäre für sie nix. Aber stimmt das? Als ich heimkam, war ich schlagkaputt und musste erstmal schlafen. Morgen kann ich sie abholen. Hoffentlich geht alles gut, und sie verzeiht mir meine Übergriffigkeit. Wäre es nur nach mir gegangen, hätte ich sie weiterhin tun lassen, was die Natur ihr gebietet.

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Fritzi und die Kater, Januar 2023

 

 

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Bilder bewerten und ausrangieren: Bleistiftzeichnung 36-38 , Kohlezeichnung 40-77, Kugelschreiberzeichnung 1

Und immer noch weiter gehts mit der nun einmal begonnenen Vornahme, Ordnung im Atelier und mir eine Übersicht meines künstlerischen Werdegangs zu schaffen. Schicht um Schicht, so kommt es mir vor, trage ich dabei auch die Erinnerungen ab, und froh bin ich, wenn ich hier und da den Grund sehe.

Die heutigen Zeichungen habe ich nach Art und Entstehungsdatum sortiert.

Die Bleistiftzeichnungen 36-38 sind die ältesten. Leonardos Engel habe ich vom Gemälde „Madonna in der Felsengrotte“ abgezeichnet. Es folgen Selbst und Mann, Beginn der 198oer Jahre.

Die Kohlezeichnungen 40-45 : Selbst, Sohn, Freundin, Kind einer Freundin, später in den 80er Jahren.

Von den nächsten 20 Jahren waren keine Portraits in dem Dossier. Mal sehen, wo sie stecken.

Die Kohlezeichnungen 46-57 sind 2021 entstanden, als ich Bekannte zum „gegenseitigen Portraitieren“ einlud, nicht zuletzt als Maßnahme gegen den Covid-Stress. 

Die strenge Kugelschreiberzeichnung No 1 steckte auch dazwischen.

An den Anfang der nächsten Gruppe stelle ich zwei Bleistift-Skizzen (39-40), die ich einst machte, um die Dynamik eines Bildes von El Greco zu verstehen.

Es handelt sich um Marias Besuch bei Elisabeth, der Mutter des Täufers. Maria ist mit Jesus schwanger …

El Greco

Die Kohlezeichnungen 58-66 stammen wieder von 2021 (gemeinsames Zeichnen).

Die Kohlezeichnungen 67-77  sind, bis auf die beiden ersten, rund um und in meinem Ateliert in der Mani entstanden,das ichseit 2002 betreibe.

Die erste (No 67) ist eine der ältesten Kohlezeichnungen, entstanden zu Zeiten, als ich noch Zeichenkurse besuchte. Ich vergleiche es hier mit einer sehr viel späteren Zeichnung (Treppe zum Atelier)

Die zweite (No 68) zeigt eine Skulptur, die mein Mann von einem Afrikabesuch mitbrachte. Ich habe sie mehrfach in Collagen verwendet, so in Myriades Impulswerkstatt (hier und hier)

Die anderen sind neueren Datums: Studien im Garten

Garten-Idylle

Derselbe Garten, nun aber als gleichsam architektonische Studie.

Tiere: Tito und der Widderkopf

Unordnung im Atelier: zweimal mit geöffneter Tür – wobei das zweite mit Kuli und Ölkreide entstand und hier bei den Kohlezeichnungen nicht mitgezählt wird.

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: erstes Kaminfeuer entzünden (und tägliches Zeichnen)

Die Tage sind noch warm. Ich komme leider grad nicht zum Schwimmen, aber die Temperaturen sind durchaus attraktiv. Wenn ich in der Stadt wegen Besorgungen herumlaufe, suche ich die schattige Straßenseite auf, denn in der Sonne ist es mir zu heiß.

Am Abend jedoch kühlt es stark ab, und selbst mit dicken Socken und Pullover fange ich an zu frösteln. Also entzündete ich gestern das erste Mal in dieser Saison den Kamin. Vorjähriges Schnittholz von den Oliven gibt es noch reichlich, Zeitungspapier auch (mein Mann ist immer noch täglicher Zeitungsleser), und schon brennt das Feuer lichterloh.

Ich setze mich mit einem Glas Rotwein dazu und mache meine „tägliche Zeichnung“.

Die Hitze des Feuers ist freilich so stark, dass ich mich beeile, fertig zu werden.

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Bilder bewerten und ausrangieren: Aquarell und Feder, No 47-91

Trotz Olivenernte und Bilderverschicken ist auch die Sichtung der Bilder im Atelier weitergegangen. Ich habe mir einen Dossier mit kleinen und sehr kleinen Blättern vorgenommen, und als ich sie alle fotografiert hatte, wunderte ich mich doch ein wenig über mich: ich habe im Laufe der Zeit eine enorme Vielzahl von Ausdrucksmöglichkeiten ausprobiert.  Kaum hatte ich einigermaßen verstanden, was sich mit einer Methode erreichen ließ, probierte ich schon die nächste aus. Von manchen gibt es nur wenige, von anderen viele kleine Arbeiten. Ich zeige jetzt erst mal eine Übersicht all dessen, was ich diesem Dossier entnommen und der Rubrik „Aquarell, Feder“ zugeordnet habe. 45 Stücke sind es, und sie stammen mehrheitlich aus den Anfangsjahren, als ich neu in Griechenland. Wohlfühlbilder sind die wenigsten, obgleich das Aquarell ja eigentlich für Licht und reine Farbe steht.

Ich begann mit vierzig zu malen, weil ich mein Ausdrucksmittel, die Sprache, verloren hatte. Ich kannte das Land und seine Sprache, in das ich umgesiedelt war, kaum und suchte ein Medium des Ausdrucks für mich selbst. Das ist wohl der Grund, warum zunächst Bilder der alten Heimat hochquollen: die Windsbraut und das wilde Wetter über einem leicht hügeligen Fruchtland mit Rapsfeldern. 

Das neue Land erschien dagegen nur als feine stille Imagination am Horizont.

Die ersten Menschenbilder zeigen mein Suchen nach geeignetem Ausdruck.

Hierher gehört auch ein Blatt, das ich letzthin zeigte und „Familienausflug“ betitelte: eine leicht ironische Beobachtung eines familiären Spaziergangs unter der  Fuchtel von Liebe und Zwang. 

Als Klee-Fan konnten auch die Farbfelder- Bilder nicht fehlen.

Ich nannte sie meine Tonleiterübungen.

Allmählich begannen dann die Landschaftsaquarelle direkt vor der Natur – die meisten auf der Insel Samothrake, die mir mit ihren eher nördliche Farben vertraut vorkam.

gelegentlich auch als stilistische Übungen, etwa „cezannisch“ …

oder „noldisch“

Dann wieder ersetzte der Pinsel den Zeichenstift…

auch in abstrakterer Auffassung

oder die Federzeichnung mischte sich ins Aquarell ein.

Oder ich ließ den Pinsel einfach erzählen – zB diese „Szenen einer Ehe“ mit einer südostasiatischen und einer Clownspuppe, wobei ich den Part des Clowns spielte.

Feder und Pinsel dienten mir beim Verstehenwollen der Architektur von Leonardos Bild „Heilige Anna Selbdritt“…

genauso wie bei dem eines Apfels

Dieser Apfel ist ein Ausschnitt aus einem Aquarell, das mich ansonsten nicht interessierte. Und so begann eine ganze Serie von Bildschnipseln – wie dieser Bildausriss auf einem weißen Untergrund.

Ich fertigte mir schließlich Passepartouts in verschiedenen Größen an, durchsuchte damit fertige Bilder und entschied, welcher Ausschnitt es verdiente, aufgehoben zu werden. Diese Ausschnitte ließ ich aufwändig rahmen. Ein solches Beispiel zeigte ich schon mal:  

Einige der stillen „Fast-Nichts-Bilder“ blieben mir erhalten. Dieses ist wohl das extremste:

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Herbstfarben-Maler

Bei uns hier in der südliche Peloponnes ist der Herbst nicht so offensichtlich wie bei euch in Deutschland oder gar in Kanada, in Skandinavien oder sonstwo in den nördlicheren Breiten. Herbst findet zwar auch hier statt, aber man muss schon achtgeben, um einen Blick auf ihn zu erhaschen.

Ich erblickte ihn heute am Parkplatz vor der Bäckerei, als die Sonne die vergilbten Blätter einer Palme aufleuchten ließ und sie als Schattenbild auf einer blanken Fläche nachmalte.

Als ich näher trat, schenkte mir der Herbst auch noch ein tolles Rot und Violett.

und durchleuchtete ein Blatt, um dort auch ein Gelb und Rötlichbraun zu enthüllen.

Ein Künstler bist du, Herbst-Farbenmaler!

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Olivenernte beendet

Da stehen sie nun, die dicken Säcke, und warten darauf, in die Mühle gefahren zu werden. Die Ernte ist nach drei Tagen beendet. 680 kg bringen die Säcke auf die Waage, wie ich dann später in der Mühle sehe.

Es ist die Ernte von 38 Bäumen.

Die Bauern haben in diesem Jahr recht früh mit dem Ernten begonnen, denn viele Früchte sind vom Dakos, zu deutsch Olivenbaumfliege, befallen. Bringt man die Oliven nicht rechtzeitig ein, fallen sie zu Boden und taugen nichts mehr.

Wir sind gespannt, wieviel Öl wir auspressen werden. Es war ja lange sehr trocken und heiß, da bleiben die Früchte recht klein und hart und haben wenig Saft.

Es ist schon dunkel, als der Laster der Ölmühle kommt und die Säcke mitnimmt. Wir fahren mit dem PKW hinterher. Es fährt sich angenehm, wenn man nachts auf der engen kurvenreichen Bergstraße hinter einem so kräftigen Gefährt hertrödeln kann.

In der Mühle ist zwar kein Hochbetrieb, aber ununterbrochen rollen neue Säcke an, ununterbrochen werden sie in die Waschanlage gekippt, wo die Blätter von den Früchten getrennt werden, verschwinden die Früchte in unsichtbaren Rohren, um im hellerleuchteten Saal mit der modernen italienischen Pressanlage wieder aufzutauchen und in Becken zu graugrünem Mus zerhackselt, gerührt und umgewälzt zu werden… Drei Stunden wird es dauern, bis wir die Kanister und Flaschen mit unserem „grünen Gold“ ins Auto laden können.

Die Wartezeit verkürzen uns die Mühlenbetreiber, man erzählt, lacht, nimmt Anteil. Wir kommen seit zwanzig Jahren hierher, obgleich der Weg weiter als zur nächstgelegenen Mühle ist. Inzwischen ist der Vater gestorben und die beiden Söhne haben übernommen. Der eine hatte einen Schlaganfall und ist halbseitig gelähmt. Die alte lebensstarke Mutter hilft im Büro. Die Mühle ist schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Familienbesitz, und sie kämpfen bisher erfolgreich ums Überleben.

Zwischendurch drehen wir auch eine Runde durchs nächtliche Dorf Stavropygio. Nach den dröhnenden Maschinen tut mir die  Stille gut. Auch das gehört zu den Momenten, deretwegen ich die Ölernte als Fest erlebe.

Wieviel Öl es geworden ist, willst du wissen? Nun, 19 Kanister a 5 Liter sowie 10 l in 750gr Flaschen. Macht, wenn ich mich nicht verrechnet habe, 105 l Öl. Die Kosten der Ernte? 400 E für die Erntearbeiter, 150 E fürs Pressen und die Mehrwertsteuer, 65 E für die Kanister und Flaschen. Macht 615 E, dazu noch Trinkgelder für die Fahrer sowie das eigene Benzin. Naja, ich will es gar nicht so genau wissen, im Überschlag sind es 6 E Erntekosten pro Liter. Natürlich gibt es noch weitere Kosten: Beschneiden und gelegentliches Düngen, evtl die Stämme weißen, wässern (machen wir nicht). Olivenbäume sind anspruchslos, aber das eine und andere fällt doch an. 

In den vorangegangenen Jahren lag der Produzentenpreis um die 3 E, also nicht mal bei der Hälfte der Herstellungskosten. Das funktioniert nur wegen der staatlichen Subventionen und wenn sämtliche Familienangehörigen bei der Ernte helfen, so dass keine Arbeitskosten entstehen.  In diesem Jahr hat sich der den Produzenten gezahlte Preis sprunghaft erhöht, zeitweise verdreifacht. Der Grund: Das Angebot hängt hinter der Nachfrage her. In den Hauptanbaugebieten rund ums Mittelmeer haben Brände, Trockenheit, Unruhen und Kriege zu einem starken Einbruch bei den produzierten Mengen führte. Und die Konsumenten stöhnen wegen der Teuerung.

 

 

 

 

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Bilder bewerten und ausrangieren: Aquarelle, Feder- und Pinselzeichnungen, 18-46

Zwischen den gestern gezeigten Collagen befanden sich auch Bilder, die in anderen Techniken hergestellt waren. Denn um eine oberflächliche Ordnung herzustellen, sortiere ich die Sachen in Dossiers, und dann landet, je nach Größe, sehr Verschiedenes darin. Jetzt sortiere ich es auseinander. 

Das also fand sich zwischen dem gestern Gezeigten. Es sind klein- bis mittelformatige Arbeiten aus verschiedensten Jahren: viele Aquarelle und Federzeichnungen, zwei Ölpastells in Kratztechnik und zwei Schwarz-Weiß-Pinselzeichnungen

Eines der ersten Aquarelle überhaupt und eine schwarzweiße Pinselzeichnung stellen sozusagen die Außenpfosten dieser Art der Malerei dar. Sie könnten verschiedener nicht sein,

Dazwischen liegen dann die verschiedenen Phasen der Aquarellmalerei.

Drei sind 1984 in Venedig entstanden – nicht vor Ort, sondern im Hotel. Die vor Ort entstandenen habe ich leider nicht mehr. Ein professioneller Maler, der seine Venedigbilder an Touristen verkaufte, schwatzte sie mir ab. Er war neidisch auf meine freie Malerei, weil er nur noch Pseudomaler war, der seine Bilder zu Hause nach Fotos vorbereitete und dann vor Ort ein paar Pinselstriche anbrachte, wenn Touristen guckten. Ich dachte damals, zur Not könnte auch ich mein Geld mit solchen Kunststücken verdienen.

Viele Aquarelle entstanden auf Samothrake, des wir viele Jahre lang besuchten. Da erkennt man dann auch die verschiedenen Weisen des Umgangs mit diesem Malmittel: vom sorgfältigen, mit Feder gerandeten Postkartenstil (1) über Suchbewegungen a la Cezanne (2) und freie Pinselführung (3, 4) bis hin zu eher graphischen Malereien (5) und sparsamen Farbeinträgen auf weißer Fläche (6).

Die zu anderen Anlässen entstandenen Aquarelle zeigen dieselbe Bandbreite.

Der selig lächelnde Clown ist übrigens der Henry-Miller-Erzählung „Das Lächeln am Fuße der Leiter“ entsprungen.

Schwarz-Weiß-Malerei und Federzeichnung: von der sorgfältigen Stadtstudie an meinem damaligen Wohnort in Nea Philadelphia/Athen über eine leichte auf Ägina gefertigte Federzeichnung unseres Pistaziengartens, eine Pinselzeichnung nach einer Moore-Skulptur, zwei Skizzen im Ausgrabungsgebiet von Samothrake, drei Wellenlinien-Blätter bis hin zur abstrakten Pinselzeichnung  liegt auch hier eine große Bandbreite an möglicher Verwendung der schwarzen Tinte vor.

Die beiden Kratzbilder gehören zu den Dingen, die man nebenher macht. Ich habe diese zwei Exemplare aufgehoben, weil sie so schön dekorativ sind.

Zum Abschluss der Winzling: Da hatte ich eine Zeit, in der ich nur noch winzige Bilder herstellte, die mein Rahmenmacher dann in große Passepartouts und ausgewählt schöne Rahmen einbettete. Den Rahmen habe ich auf dem Foto weggelassen.

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