Wortmans Fotoprojekt: 25 Wochen – ein Objekt (3): Nur mit dem Herzen sieht man gut

Jeden Sonntag dasselbe Objekt in unterschiedlichem Surrounding fotografieren und posten – das ist der Vorschlag von Wortman. Ich habe als Objekt den „Kleinen Prinzen“ gewählt, der dieses Jahr 2026 inspirieren soll.

Gefunden habe ich den Kleinen Prinzen in einem weihnachtlich dekorierten Schaufenster. Das war am 1. Dezember des vergangenen Jahres, als ich auf der Suche nach vorweihnachtlichen Photomotiven war. Sogleich war ich in die kleine Figur verliebt. Zögerlich ging ich ins Geschäft, ließ sie mir zeigen, fragte nach dem Preis und nach dem Künstler, besah dann noch die anderen Exponate, konnte mich nicht entschließen. Denn ich wollte eigentlich nichts kaufen. Schließlich aber ließ ich sie mir einpacken.

Auf dem Bötchen steht das magische Wort, das alles im Leben verändert: ΑΓΑΠΗ (agape), Liebe, daneben die neue Jahreszahl. Liebe also sollte das Thema des Jahres 2026 sein, und der kleine Prinz sein Repräsentant. Denn was ist es, was den Kleinen Prinzen so besonders macht? Die Liebe zu seiner Rose. Und seine Einsicht, dass man nur mit dem Herzen gut sieht.

Diese Einsicht ist natürlich nicht neu. In gewisser Hinsicht wurde sie erstmals von Sophokles formuliert, als er den Mythos von Ödipus erzählte: Der stach sich die Augen aus, weil er das Offensichtliche nicht gesehen hatte. Erst als Blinder wurde er sehend.

Ich habe diese Geschichte im Rahmen des „Kleinen Welttheaters“ von Trud, der ewig Fragenden, erzählen lassen. Trud erzählt zuerst, warum Ödipus seinen Vater totschlug und wie er das Rätsel der Sphinx löste. Die Lösung war „Der Mensch“ (hier)

 

Es ist der Mensch, der erst auf allen Vieren

ins Leben kriecht und dann auf zweien geht

im Alter wird er seine Kraft verlieren

und braucht den Stock, damit er aufrecht steht.

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Ödipus, die Sphinx und die drei Alter des Menschen.

Jedoch! „Was ist der Mensch?“ das ist die größre Frage

die bis auf heute schwer die Menschheit quält.

Es ist die große Frage, die ich in mir trage

auf die mir immer noch die Antwort fehlt.

Der Mann erschlug den Fremden, der den Weg versperrte.

Er war so klug und war zugleich so blind.

Was wars, das ihm die Wahrnehmung verzerrte

dass er nicht merkte: „Ich bin ja sein Kind!?

Der Fremde ist mein Vater, er hat mich gezeugt.“

So klug im Rätselraten und so blind im Leben?

Drum hat das Schicksal ihn dann schwer gebeugt

er musst sogar sein Augenlicht dran geben

damit er sah, was seine Augen nicht erkannten.

Die Augen sahen einen Menschen, der als Feind

ihm seinen Weg vertrat, sie sah’n nicht den Verwandten.

Die Augen sehn ja nur, was äußerlich erscheint.

Er lernt es schließlich unter großen Schmerzen:

Für unsere Augen ist so manches unsichtbar.

Gut sieht man nur mit einem offnen Herzen

und was verworren war, das wird dann klar.

 

 

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Ödipus auf Kolonos (Sophokles. Aufführung von 1967, aus einem griechischen Blog, ohne Quellenangabe.)

Zitat: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist ...

Diese Erkenntnis hat der Kleine Prinz am Ende seiner Reise, als er sich zum Sterben entschließt.

 

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Archivbild der Woche: Zugvögel

Jeden Sonntag ins Archiv hinabsteigen und schauen, was ich an einem Tag wie diesem in einem früheren Jahr gedacht und gemacht habe – das möchte ich auch weiterhin tun. Denn allzu schnell vergehen die Tage, und es ist schade um so manches, was in Vergessenheit sinkt.

Heute hole ich ein paar Bilder vom 18.1.2016, meinem ersten Bloggerjahr, hervor. Zugvögel nannte ich ein Bild, das ich aus Schnipseln legte. Ist es ein Zufall, dass ich am vergangenen Sonntag an die Zugvögel dachte, die dem kleinen Prinzen seine Flucht ermöglichten? (hier)

 

Vielleicht haben mich damals die Menschen, die über alle Grenzen nach Europa hineinströmten, inspiriert. Ich schrieb:

Die Zugvögel tragen die Farben der Landschaften in ihrem Gefieder. Grenzpfähle kümmern sie nicht. Sie fliegen in den hellen Morgen hinein und …

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… sie fliegen, wenn das Licht schwindet.

Sie fliegen über abgeerntete Felder und aufgebrochene Äcker, gen Süden fliegen sie. Sie fliegen, wenn das Licht schwindet.

Sie fliegen über das Meer, das Homer das weinfarbene nannte.

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Sie werfen ihre Schatten über die ausgedörrten baumlosen Ebenen Afrikas

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Ihre Sehnsucht trägt sie den frischen hellgrünen Saaten zu

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Hier werden sie bleiben, bis sie erneut den Aufbruch suchen.

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Mit den Farben ihrer großen Reise im Gefieder kehren sie zurück in die Länder des Nordens.

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Philippe am Hafen und beim Mandarinenbaum

Ich habe beschlossen, Philippe jetzt öfter bei meinen Ausflügen mitzunehmen und ihn vorsichtig in die menschliche Gesellschaft einführen. Das scheint mir notwendig zu sein, denn er fremdelt immer noch sehr. Am besten, ich beginne mit lieben Menschen. Also fragte ich ihn heute vormittag: „Kommst du mit in die Stadt, eine Freundin abholen?“

Unterwegs schaut er mit großen Augen hinüber zum hellen stillen Meer, über dem ein leichter leuchtender Schleier liegt. Das Meer kennt er inzwischen, aber so verzaubert hat er es noch nicht gesehen, glaub ich.

Zuerst fahre ich mit ihm an den Hafen. Ich erzähle ihm von Dora, und wie gern sie immer auf den Booten rumkletterte.

Auch auf den gelb-blauen Pflöcken sei sie immer rumgeturnt. Ob er nicht auch Lust dazu habe?

Philippe hört mir aufmerksam zu, bleibt aber selbst am Rand des Hafenbeckens stehen. Wird schon werden, denke ich. Kinder soll man nicht drängen.

Dann holen wir Freundin Wasso ab und fahren zu uns.  Unterwegs macht Wasso allerlei Faxen, um Philippe zum Reden und Lachen zu bringen. Sie war früher Schauspielerin.

Nach dem Essen machen wir zusammen einen Spaziergang zu „meinem“ Mandarinenbaum“. Während wir zwei Tüten mit köstlichen Früchten ernten, höre ich Philippe mit einer Blüte wispern. Er erzählt ihr von seiner Rose. Die Mandarinenblüte wendet ihr Gesicht ab und ist verschnupft. Bemerkt er denn nicht, wie hübsch sie ist und wie fein sie duftet? Keine Blüte mag es, wenn andere vor ihr gerühmt werden.

„Schau mal, Kleiner“, sagt Wasso, „all diese Früchte waren mal Blüten! Wie sie das gemacht haben? Das kann ich dir nicht erklären. Es ist ein Wunder!“ Ich glaube, Philippe mag meine Freundin.

 

 

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Kalenderblätter 11-15 (Christophs Zeichenchallenge)

Damit sich nicht zu viel ansammelt, zeige ich jetzt die nächsten fünf Blätter, die ich auf Christophs Anregung hin in einen Jahreskalender zeichne. Jedes Bild erinnert mich an eine besondere Situation des Tages.

Die Hauptkirche des Bergdorfes Megali Mantinia, gesehen von unten. Links drängt sich die ältere kleine Kirche ins Bild. Ich sah auf meiner Wanderung.

Ein Teil der von den Freundinnen mitgebrachten Speisen, aufgetischt in meinem Atelier. Sie waren gekommen, um mit mir die Vasilopita zu schneiden.

Skizze aus dem Auto, mit Sicht auf den Vorplatz des Verschönerungsvereins von Akrogiali und der Bucht. Ich blieb im Auto sitzen, weil es sehr stürmisch war.

Die Treppe zum Atelier, von unten nach oben gesehen. Dies Motiv sehe ich jeden Tag, und ich kenne jede Stufe auswendig.

Heute blieb ich vor einem Schaufenster stehen, in dem allerlei halb fertige Musikinstrumente und Schablonen ausgestellt waren.

Die ersten 15 Seiten des Kalenders im Überblick: die Welt ist vielgestaltig, bunt und lustig!

 

 

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Tägliches Zeichnen: männliches Modell (3)

Nach der Weihnachtspause ging ich heute wieder in die Zeichenschule, um nach Modell zu zeichnen. Derselbe junge Mann, der uns schon zweimal saß, war auch heute da. Ich zeichnete zuerst nur die Umrisslinien mit Buntstiften, ging dann mit den Farben ins Flächige. In der dritten Sitzung überarbeitete ich das Bild mit Kohle.

Erste Phase: eigentlich ist hier schon alles gesagt und alles entschieden.

Am Ende, nach Einsatz auch der Kohle, sieht es so aus:

Nur das Portrait:

Sitzung 14.1.2026

.

Sitzung 11.12.2025

Die Sitzungen mit demselben Modell findest du hier und hier.

Sitzung 17.12.2025

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Geschichten von und mit Philippe (1). Doras Philippika

Ich hätte ja gewarnt sein können. Philippe ist keine Stimmungskanone. Denn wie schreibt sein Autor?

Ach, kleiner Prinz, nach und nach habe ich so dein kleines trauriges Leben verstanden. Lange Zeit blieb dir nur die Lieblichkeit der Sonnenuntergänge, um dich zu zerstreuen. Dieses Detail erfuhr ich am Morgen des vierten Tages, als du mir sagtest:– „Ich mag Sonnenuntergänge. Lass uns einen Sonnenuntergang anschauen…“

Hier gibt es zwar schöne und viele Sonnenuntergänge – also einen am Tag bestimmt! – , Wenn aber ein trauriger Prinz auf deinem Schreibtisch steht, der sich sehnlichst jetzt und sofort einen Sonnenuntergang wünscht, weil sein Herz traurig ist, und es ist zwölf Uhr am Mittag und bis zum Sonnenuntergang dauert es erfahrungsgemäß noch mehrere Stunden …. was tust du dann? Wie kannst du ihm Erleichterung verschaffen?

Ich schlage ihm vor, schon mal ans Meer zu gehen: wer weiß, vielleicht hat die Sonne ein Einsehen und geht ihm zu Gefallen schon um eins unter? (Hoffentlich nicht! Ich möchte  keinen halben Tag verlieren!)

Er schaut mich dankbar an und verschwindet. Eine Stunde drauf ist er wieder da und wirkt etwas heiterer als sonst. Nanu!? sage ich. Fragen stelle ich keine, denn das hat sowieso keinen Zweck. Er antwortet ja nie.

Aber schließlich erfahre ich doch, was passiert ist. Er hatte eine Begegnung mit Dora! Und die war so:

Als er traurig den Horizont betrachtet, der eine scharfe blaue Kante bildet, während die Sonne hoch über seinem Kopf steht, tränzelt plötzlich seine Fast-Schwester heran. In den Händen hält sie zwei Riesenköpfe an Stangen. Schon von Ferne schreit sie: „He, Philippe, wach auf, du sehnsuchtsvoller Hungerleider! Hab ich dich darum auf die Erde geschickt, damit du Trübsinn verbreitest? Soll ich darum deine Rose hüten? (Der gehts übrigens ausgezeichnet). Die Menschen brauchen Spaß und Spiele! Vor allem aber brauchen sie viel Liebe, Philippe! Wenn man ihnen nicht ein bisschen hilft, streiten sie sich vor lauter Langerweile und schlagen sich die Köpfe ein. Also denk nicht nur an dich und deine Rose, sondern denk auch mal an die andern! Unterhalte sie, liebe sie! 

Philippe lächelt schief, als er mir von Doras Philippika* erzählt. Aber er lächelt, und das ist immerhin ein Fortschritt. Außerdem äußert er den Wunsch, nun seinerseits Stockpuppen zu bauen. Ich soll ihm dabei helfen. Aber gern, Philippe! Doch was für Typen wollen wir machen? Solche Streithammel wie Doras Philipp II und Demosthenes?* Oder vielleicht doch etwas liebevollere Wesen? Na, man wird ja sehen. Jetzt müssen wir erstmal ans Meer, denn die Sonne geht unter!

Danke, Dora! Ich hoffe, deine Philippika hat etwas bewirkt. Denn ehrlich, es geht mir auf die Nerven, Philippe so herumhängen zu sehen. Er ist hypersensibel und empfindlich, und sein poetisches Gemüt träumt ständig von Sonnenuntergängen und Mondaufgängen oder er sehnt sich nach anderen Orten als dem, an dem er sich grad befindet. Wieviel erfreulicher war doch das Leben mir dir, kleine Dora!

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*Philippika = Standpauke, benannt nach den berühmten Reden des Demosthenes gegen den König Philipp II von Mazedonien, der die Attische Demokratie bedrohte. Cicero nannte seine scharf anklagenden Reden gegen Marc Antonius orationes Philippicae.

 

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Dienstagsdrabble mit Wortman: Mondgesicht

Wortman sei Dank, ist Dienstag immer noch Drabbletime. Heute gilt es, die Wörter Punkte-Zahn-interessieren in einem Text von genau hundert Wörtern unterzubringen.

„Punktepunktekommastrich

Fertig ist das Mondgesicht“

Mama zeichnete geschwind

Lächelte dabei dem Kind

Freute sich, weil sie so gern

Sich an das, was furchtbar fern

In der Kindheit liegt, erinnert.

*

Doch das Kind find’ das nur spinnert.

Nimmt den Stift und malt nen Zahn

Riesengroß fast wie ein Kran

In den Mund des Mondgesichts

Von dem Munde bleibt fast nichts.

* 

„Wenn’s dich intressiert, Mama,

Waren Menschen schomal da

Auf dem Mond, da gibt es Krater

Und Vulkane, sagt der Vater.“

*

Mama seufzt: „Das stimmt wahrscheinlich.“

Ihre Zeichnung ist ihr peinlich.

Denn die Mama ist erwachsen

Viel zu alt für solche Faxen.

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Beim Verschönerungsverein von Akrogiali (mit Rückspiegelungen)

In Akrogiali („glänzenden Küste“) gibt es einen kleinen Laden, und so fuhr ich hin, um Brot und Schafskäse zu erwerben. Außerdem wollte ich mein heutiges Kalenderblatt zeichnen. Das Licht war herrlich, aber der Wind so stark, dass es unmöglich war, draußen zu sitzen und zu zeichnen. Ich tats dann vom Parking des „Verschönerungsvereins“ aus, im Auto sitzend. Dies war der Ausblick.

Kein so tolles Motiv. Dabei gab es viel attraktivere Ausblicke. Doch hatte ich nur den Kalender und keine anderen Malmittel als ein paar Buntstifte dabei, also war es nichts mit Weitermalen. Fotografieren geht zum Glück immer.

Überrascht war ich, als ich die Fotos betrachtete, die ich vom Rückspiegel machte. Ich wusste gar nicht, dass mein Auto so toll bemalt ist!

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Bilder von unterwegs

Heute machte ich wieder einen großen Rundgang ums obere Dorf und zurück auf der anderen Seite der Schlucht, an der unser Haus steht. Das sind, wie mir der Schrittzähler mitteilt, 5,3 km und 23 „Treppen“. Bei sonniger Kälte kann ich solche Strecken leicht bewältigen.

Als erstes halte ich nach den Schneegipfeln Ausschau: hat es in der Nacht wieder geschneit? Ja, der Schnee bedeckt jetzt auch die niedrigeren Hänge des Bergmassivs, liegt aber nicht sehr dicht.

Taygetosgipfel, herangezoomt

Einen schönen Kontrast bildet das rubinrote Laub des wilden Weins (?). am Hang unterhalb eines Hauses.

Ich sehe eine Frau die Straße herunterspazieren, sie führt ihren Hund aus, denke ich. Aber nein, es ist ihr schwerer grauer Kater Leo, der ihr auf dem Fuß folgt. Eine Deutsche, wie sich herausstellt. Wir reden ein bisschen über das zufriedenstellende Wetter hier, und dass das Wetter in Deutschland, das sie im vergangenen Juni und Dezember besucht habe, eher enttäuschend gewesen sei, wir streifen auch die Weltereignisse, versichern uns, dass alles gut enden wird, und wünschen uns ein frohes Neues Jahr. Dann ruft sie den Kater, um weiter bergab zu spazieren, während ich hinauf zum Bergdorf gehe.

Erstaunlicherweise gibt es in diesem mir wohlbekannten Dorf immer etwas Neues zu entdecken. Diesmal fällt mir ein einst mit Elefant und anderem Getier bemalter, nun verrottender Kleinbus auf. Sicher bin ich schon oft dran vorbeigegangen, ohne ihn zu bemerken…

Die beiden charakteristischen Kirchen des Dorfes beeindrucken mich immer, und immer fällt mir dazu die Geschichte der älteren Kirche links ein: sie wurde nie geweiht, weil sie versehentlich nicht auf der Ost-West-Achse gebaut wurde. Eine neue Kirche musste her. Die wurde dann auch gleich bedeutend größer.

Neben dem alten Kirchlein führt eine mit Gras überwachsene Steintreppe abwärts. Die nehme ich und spaziere nun recht bequem durch einen Hohlweg weiter. Vom bewaldeten Hang her ertönt ein Schuss, und ich beginne, laut zu rufen, mit mir selbst zu reden und sogar zu singen. Die Vögel sollen gewarnt sein! Tatsächlich sehe ich einen großen Raubvogel aufsteigen. Nachdem ich den Ausgang der Schlucht umgangen habe, gelange ich zu einem Komplex aus zusammengeschusterten Gebäuden: Wohnhaus, Kirche, Garten und Umfassungsmauer sind nach und nach offenbar in Eigenarbeit entstanden. Die auffälligsten Bauteile habe ich schon öfter fotografiert, zB diese Engelsputte, die einen Pfeiler schmückt.

Heute fallen mir die Gesteine der hohen Umfassungsmauer auf. Ich mache eine kleine fotografische Gesteinssammlung, um euch ein paar besondere Exemplare zu zeigen, die, so unterschiedlich sie auch sind, alle in einer Mauer Platz finden.

Auf dem Weg hinab begegnet mir noch ein landwirtschaftliches Auto. Es hält neben mir, die Fahrerin grüßt lebhaft und wünscht mir ein gutes Neues Jahr. Dann gehts nur noch abwärts. Auch die Sonne sinkt tiefer und blendet mich. Wunderbar wieder das leuchtende Smaragdgrün des Klees, hier in Nachbarschaft mit einem Johannesbrotbaum.

Obgleich es nun kalt wird, mache ich noch einen kleinen Umweg zum Mandarinenbaum, um ein paar Früchte zu ernten. Sie passen neben den früher gepflückten Qumquatfrüchten und den Salbeistängeln in meine Jacken- und Hosentaschen.

Den Rest des Wegs lasse ich aus, der Text ist eh schon zu lang geworden.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Vasilopita schneiden im Atelier

Heute schnitten wir in unserer Freundesgruppe die Vasilopita. Die Vasilopita (das Wassilios-Gebäck) ist ein besonderer Kuchen, der dem Heiligen Basileos, dem Schutzheiligen des Ersten Januar, geweiht ist. Er wird in der Familie, in Freundeskreisen und Vereinen bis gegen Ende Januar nach einem bestimmten Ritual „geschnitten“, und die Stücke werden verteilt. Im Kuchen versteckt ist eine Münze, und wem diese zufällt, der ist im laufenden Jahr besonders mit Glück gesegnet.

Außer dem Kuchen brachten die Frauen noch allerlei andere Speisen mit, alles natürlich selbstgemacht, selbstgebacken, die Zutaten zum Salat sogar selbst auf dem Balkon gezogen. Mein Tisch reichte nicht aus, um alles auszubreiten, ich musste mit einem Zeichenbrett anbauen.

Erstaunlich, was da so zusammenkommt. Von uns Feiernden gibt es auch ein Übersichtsbild.

Schön wars!

 

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