Kalenderblätter 21-24: Kamin, Rose und zwei Boote

Vier neue Kalenderblätter sind im Rahmen von Christophs Zeichenchallenge entstanden.

Am Mittwoch, den 21.1., zeichnete ich das Kaminfeuer kurz nach dem Anzünden. Die Hölzer haben gerade Feuer gefangen.

Am Donnerstag, den 22.1., fand ich eine einzelne ziemlich zerzauste Rose im Garten. Ich schnitt sie ab und stellte sie auf dem runden schwarzen Eisentisch in ein Glas. Damit sie nicht so einsam blieb, legte ich zwei Knoblauchknollen und eine Zwiebel dazu.

Am Samstag, den 23.1., machte ich einen weiten Spaziergang. Im nun geschlossenen Hof der Taverne Akrogialia war ein hübsches Boot aufgebockt, dahinter hohe Zypressen.

.Heute war ich am Segelhafen. Viele Motive gibt es dort zu sehen. Ich wählte diesmal eine Motoryacht, die halb ins Bild ragte und einen spitzen Winkel mit der Kaimauer bildete.

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Erklär mir Liebe. Geschichten von und mit Philippe (6): Liebe und Genie

Wolfgang Amadeus Mozart In A Gala Dress

Wo immer du liest – in einem Buch, einer Zeitung oder in Bloghausen – : unweigerlich wirst du Worte über die Liebe finden. So geht es mir auch heute, als ich in den News-Letter von Epoch Times schaue und dort als erstes das „weise Wort“ lese. Das mache ich immer. Diesmal ist es ein Zitat von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und lautet:

„Weder der erhabene Grad an Intelligenz oder Fantasie noch beides führt dazu, dass man ein Genie wird. Liebe, Liebe, Liebe, das ist die Seele des Genius“. 

Das muss ich dem Philippe zeigen! denke ich sofort. Denn insgeheim bin ich davon überzeugt, dass Philippe ein Genie ist. Doch Philippe ist nicht interessiert. Intelligenz, Fantasie, Genie, Liebe – all das sind Abstrakta für ihn. Was soll er anfangen mit solchen von der Wirklichkeit, dem Sein und Leben abgezogenen Begriffen?

Ich bin ein wenig enttäuscht. Immerhin, denke ich, ist Mozart kein Abstraktum. Wenn der das gesagt hat, lohnt es sich doch vielleicht, ihn kennenzulernen, oder? Also frage ich Philippe:

– „Wie wäre es, wenn du Mozart, also den, der das von der Liebe und dem Genie gesagt hat, kennenlernen würdest?“

– „Einverstanden! Er soll uns mal besuchen kommen“. Philippe fühlt sich offenbar etwas einsam bei mir.

– „Hm, besuchen kann er uns leider nicht“, sage ich. „Mozart ist schon lange nicht mehr hier auf der Erde! Er war ein wunderbarer Musikant, spielte Klavier und Geige und dachte sich herrliche Musik aus. Man nennt das Komponieren. Als er anfing mit dem Komponieren, war er nicht größer als du. Und am Ende hatte er 600 Musikstücke geschrieben, die die Menschen bis heute lieben.

Aber warte mal, es gibt da einen kleinen Jungen, der hat den jungen Mozart in einem Film dargestellt. Der lebt noch und muss heute ungefähr 14 Jahre alt sein. Vielleicht können wir den mal einladen. Der Film wurde vor drei Jahren gemacht. Und weißt du, wie der Junge heißt? Na, rate mal!“ – „Bestimmt Philippe“, antwortet Philippe lachend.

Ich mache große Augen. „Woher weißt du das? Er heißt tatsächlich Philip wie du. Philip Amadeus Hahn, und als er den jungen Mozart spielte, war er elf. Hier, schau mal:

Philippe schaut und wundert sich. „Der sieht ja aus wie ich! Ob ich einen Bruder habe? O, das wäre schön!“

„Der Philip, der im Film den jungen Mozart spielt, hat nur eine ältere Schwester, die auch eine großartige Musikerin ist. Mozart hatte auch eine ältere Schwester, das Nannerl. Die war ebenso musikalisch und reiste mit dem Papa in der Welt herum und gab Konzerte.“

Ein merkwürdiger Zufall, denke ich, dass Mozart und sein heutiger Darsteller im Film beide eine hochbegabte ältere Schwester hatten. Und sie sehen sich verdammt ähnlich: der kleine Mozart im Galagewand und der Philip als junger Mozart. Derselbe Gesichtsschnitt, derselbe selbstbewusste und zugleich seelenvolle Ausdruck…

„Übrigens hatte Mozart eigentlich sechs Geschwister, von denen fünf schon als Kinder starben. Vielleicht bist du eines von denen?“

– „Ich weiß es nicht, leider,“ antwortet Philippe ernsthaft. „Ich kann mich nicht erinnern, wo ich gewesen bin, bevor ich auf meinem kleinen Planeten ankam. Aber möglich ist es ja, dass ich schon mal auf der Erde war…“

– „Schau mal“, unterbreche ich Philippes Gedanken. „Im Film gibt es eine Szene, da spielt Philip die Musik von einem anderen Komponisten und ‚improvisiert‘, das heißt, er führt die Musik nach eigenem Gefühl und Ermessen weiter. Dieser andere Komponist war ein Tscheche, er hieß Josef Mysliveček, und der hatte tatsächlich einen Zwillingsbruder. Der sah aber anders aus als du…“

‚Was hat der Zwillingsbruder des tschechischen Komponisten, der Mozart inspiriert hat, mit meinem kleinen Prinzen zu tun?‘ denke ich ärgerlich. ‚Nichts, absolut nichts! Nur weil Philippe dem Philip und der wiederum dem Wolfgang Amadeus ähnelt, kommen mir lauter Verwandtschaftsbeziehungen in den Kopf….

Andererseits, wer weiß? Vielleicht ist Philippe ja tatsächlich eines der frühverstorbenen Geschwister von Wolfgang Amadeus? Vielleicht war er der Erstgeborene, der Johann Joachim Leopold hieß und nur fünf Monate lebte? Woher soll ich das wissen? Was weiß ich überhaupt?‘

 

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Erklär mir Liebe. Geschichten von und mit Philippe (5): Straßenstrich.

Was hab ich mir eingebrockt! Seit ich Philippe gegenüber erwähnte, dass  Sonia – Töchterchen des saufenden Beamten Marmeladov aus Dostojewskys „Schuld und Sühne“ – auf den Strich ging, um Geld für den Säufervater, die verrückte Stiefmutter und die hungrigen Halbgeschwister zu verdienen, will er wissen, was das sei: „auf den Strich gehen“. Am Abend vor dem Schlafengehen und morgens beim Aufstehen denke ich drüber nach: wie erkläre ich die düstere Welt des Straßenstrichs einem Kinde? „Liebesdienste“ werden dort angeboten. Aber was haben diese Dienste mit Liebe zu tun?

Sonia tut das, was, wie eine Kommentatorin empört feststellt, ja nun gar nichts mit Liebe zu tun hat, aus Liebe. Freilich nicht aus Liebe zu den Freiern, nein, wahrhaftig nicht! Die muss sie, die noch nicht ganz Ausgewachsene, Kindliche, auf und in sich ertragen. Natürlich liebt sie ihren Beruf nicht, obgleich sie ihn freiwillig wählte, als sie „die gelbe Karte“ nahm, die sie als Prostituierte immer bei sich tragen muss. Der alberne Hut und die aufreizenden Fähnchen, die sie trägt, um Freier anzulocken, beschämen sie, und sie zieht sich immer um, bevor sie die Wohnung ihrer Familie betritt, um sie nicht vor der Welt zu kompromittieren. Ihre Liebe gilt den kleinen Halbgeschwistern und ihr Erbarmen gilt der verrückten Stiefmutter und dem verkommenen Vater, für sie opfert sie sich. Ihr Geld hält die Familie am Leben.

Dass Sonia sich in dieser Weise opfert, will dem Mörder Raskolnikov (dem Helden des Romans) durchaus nicht gefallen. Er kritisiert sie heftig, kalt, bösartig, obgleich sie ihn vor allen anderen liebt. Warum liebt sie ihn am meisten? Weil er in ihren Augen der Unglücklichste von allen ist: er kann nicht lieben. Sein Herz ist tot. Sie ist entschlossen, ihn nach Sibirien zu begleiten, um seine Seele retten.

Heute morgen erzählte ich Philippe in groben Zügen die Geschichte von Sonia. Es half aber nichts. Er will immer noch eine Antwort auf seine Frage, die jetzt nicht mehr heißt: „Was bedeutet es, auf dem Strich zu gehen“, sondern „Wieso heißt es, dass Sonia sich opfert? Lieben ist doch kein Opfer.“

Nein, Philippe, Lieben ist kein Opfer. Ich weiß ja, dass du aus Liebe und weil du dich für deine Rose verantwortlich fühltest, sogar bereit warst zu sterben, damals in der Wüste, als du die gelbe Schlage trafst.

Liebe ist das Schönste und Wunderbarste, und die kleine magere Sonia ist in meinen Augen, und sicher auch in deinen Augen, kleiner Freund, der schönste Mensch und besser als alle anderen. Sie bleibt das auch, wenn sie in elenden bunten Flittern herumgeht und sich mit wildfremden Männern in eine armselige dunkle Stube begibt, um Geld zu verdienen. Was sie dort mit ihr treiben, die Männer? Müssen wir so genau hinschauen, kleiner Philippe? Dostojewsky verschont uns damit, er schildert nur eine Straßenszene, und die ist schon fast unterträglich.

Die Liebe, Philippe, gerade auch die zwischen Mann und Frau, kann das Schönste und Herrlichste, aber auch das Schlimmste sein, gerade weil es das Schönste ist. Denn wenn jemand das Schönste zerstört und missbraucht, weil er es kann, dann ist das …Du verstehst das nicht?

Philippe, du liebst deine Rose. Was fühlst du, wenn jemand kommt und reißt ihr die Blütenblätter aus, setzt extra gefräßige Raupen in ihr duftendes Herz, beschimpft sie, wenn sie vertrocknet, reißt sie schließlich aus der Erde und wirft sie weg, weil sie nichts mehr taugt – und all das tut er, weil er es kann. Weil er dafür bezahlt. Er nennt es Befriedigung seiner Bedürfnisse. Er findet das geil. Geld kauft alles, sagt er.

Philippe ist sehr blass geworden, als ich das sage. Aber er will, dass ich weiterrede. Er möchte verstehen. Warum tut ein Mensch das? Was sind das für Bedürfnisse, die er befriedigt, indem er dafür bezahlt, dass er eine Rose kaputtmachen darf?

Darf ich ihm, dem ganz Kindlichen, noch mehr zumuten? Darf ich ihm von der Allgewalt des Geldes, von der Ware Mensch, von der Gemeinheit der Menschen, von ihrer Kälte  reden?  Er versteht ja nicht einmal, was Geld ist, weiß nichts von Tauschwert und Nutzwert, kennt weder den Sexualtrieb noch dessen Perversionen. Für heute muss es genug sein.

Gute Nacht, kleiner Prinz. Die Erde ist ein schwieriger, aber auch ein sehr schöner Ort, um vieles zu lernen. Jetzt aber ist Zeit für den Schlaf. Eine Elfe möge dich in sanfte Gefilde tragen.

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Erklär mir Liebe. Geschichten von und mit Philippe (4): Vom Saufen und Schämen.

Draußen hat sich ein Unwetter niedergelassen und verspricht nun, den ganzen Tag zu bleiben. Schon donnert es gewaltig, und feiner Regen strömt aus dem grauen Gewölk. Jetzt wird der Regen kräftiger, jetzt prasselt er schon, und dazwischen grollt der Donner. Eine gute Zeit, um sich Geschichten zu erzählen. Also entzünde ich eine Kerze und den Kamin – denn bei solchem Wetter fällt der Strom leicht aus, und dann funktioniert auch die Heizung nicht -, setze mich mit Philippe auf den bequemsten Sessel und lasse mir Geschichten erzählen.

Erzähl mir von deinen Reisen, lieber Philippe, sage ich. Ein paar Geschichten kenne ich ja, die hat dein Autor aufgeschrieben und gedruckt. Aber sicher gibt es noch mehr, oder?

Welche kennst du denn? fragt Philippe, der das Buch von Saint-Exupery nicht gelesen hat.

Na, die vom König mit der Ratte und die vom Laternenanzünder, die vom Geschäftsmann und die vom Geometer, und dann noch die vom Säufer…

Ach, die kennst du? unterbricht mich Philippe. Die war schrecklich traurig. Der Arme wohnt ganz allein auf dem Planeten. Er ist ganz bunt angezogen und trägt eine Krone, also ist er wohl eigentlich reich und mächtig, aber das hat er vergessen. Er hat einfach vergessen, was er für Möglichkeiten hat, sitzt da und trinkt Flaschen leer, wovon er genug hat. Manchmal steht er auch auf, seine Augen triefen, seine Nase läuft, er wandelt herum und schluchzt und weint.  Es ist zu traurig.

Warum weint er denn?

Das habe ich ihn auch gefragt. Und was meint du, hat er geantwortet? „Ich schäme mich.“

Und? Wofür schämt er sich denn? Hat er was Schlimmes getan?

Er schämt sich, dass er säuft.

Und weshalb säuft er?

Um zu vergessen, dass er sich schämt.

O weh, rufe ich, der Arme! Der sitzt wirklich in einer Falle. Ich weiß da auch eine Geschichte, die ist von einem anderen Autor, Dostojewsky heißt der, und das Buch heißt „Schuld und Sühne“. Da gibt es einen Mann, Semyon Zakharovich Marmeladov heißt er, der versäuft das ganze Geld der Familie und schämt sich schrecklich dafür. Er ist ganz aufgedunsen und hässlich von der Sauferei und hält, wenn er betrunken ist, große Reden. Er redet darüber, dass er ein schlechter Kerl ist und sich schämt, und gerade weil er diese Scham nicht aushalten kann, immer weiter säuft. Es ist zu traurig. Am Ende wird er von einem Fuhrwerk überfahren. Und seine arme Tochter Sonia, die für seine Sauferei und für die kleinen Geschwister auf den Strich geht, die muss nun…

Was bedeutet: auf dem Strich gehen? fragt mich Philippe. Auf was für einem Strich?

Wie bitte? Ach, die Sonia, ja, so heißt sie, die … , aber das ist kompliziert, Philippe. Es hat was mit der Liebe der Erwachsenen zu tun, also mit der der Männer.

Und? Warum sagst du es mir nicht?

Es ist so … beschämend, stottere ich. Wie soll ich dir das erklären? Du bist so jung und unschuldig.

Philippe sitzt da mit großen Augen und wartet auf meine Antwort. Eine Frage, die er einmal gestellt hat, vergisst er nie. Ich seufze.

Ich glaube, der Regen hat aufgehört, sage ich. Es donnert auch nicht mehr. Lass uns einen Bummel machen, Philippe, ja? Und dann erklär ich dir auch, was das bedeutet: auf dem Strich gehen. Ich will es jedenfalls versuchen.

 

 

 

 

 

 

 

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Dienstags-Drabble

Charme – heilen – Eisen

Das sind Wortmans Vorgaben für das Drabble

In meinem Drabble benutze ich den Songtext zur einst sehr populären Schnulze „Marmor, Stein und Eisen bricht“, gesungen von Drafi Deutscher (1946-2006). Die Platte kam 1965 raus und wurde ein Hit, dem man nicht entgehen konnte.

Süß sang er mit männlichem Charme

So manches Herzlein ward warm:

Marmor, Stein und Eisen bricht
Aber unsere Liebe nicht.

Alles, alles geht vorbei
Doch wir sind uns treu`,

Als dann der Regen kam

Und er von ihr Abschied nahm,

denn er liebte das Reisen

da brach zwar kein Eisen,

doch ihr Herzelein brach

und sie sann gleich auf Rach:

 

„Heilen werden die Wunden mir nur

Wenn ich dir Scheusal vermassel die Tour

Wenn du dann im Regen stehst

Und unter meinem Fenster flehst:

‚Öffne Geliebte mir!

Ick liebe nur dir!‘

Dann leer ich auf deinen Kopf

den ganzen Pinkeltopf.“

Und hier noch das Original:

 

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Kalenderblätter 16-20 (Christophs Zeichenchallenge)

Es sind schon wieder fünf Tage seit dem letzten Kalender-Eintrag vergangen. Christoph hat jetzt 20 Zeichnungen gepostet, und ich eile hinterher. Jedes Bild verknüpft sich für mich mit einem charakteristischen Tagesereignis.

Am Freitag, den 15.1. stattete ich dem Handelshafen von Kalamata einen Besuch ab. Das Wetter war trüb, ganz passend zur Fassade der längst stillgelegten und mit Planen verkleideten Fabrik und dem angerosteten Löschboot davor.

Am Samstag, den 17. 1. machte ich mit Freundin Wasso einen Spaziergang.

Am 18.1. war Sonntag und wir aßen in „unserer“ Taverne. Eine Vase mit ein paar Blumen stand auf einem der noch leeren Tische. Mit gefiel die Schwarz-Weiß-Zeichnung auch, doch kolorierte ich sie, damit alle Januar-Zeichnungen den gleichen Stil haben.

Am Montag, den 17.1., kam der Nachbar und schenkte uns Eier. Ich „notierte“ zunächst das Thema, und auch diesmal gefiel mir die einfache Zeichnung. Dann aber nahme ich wieder die Buntstifte. Ich wunderte mich sehr, wie viele Farben solche Eier haben!

Heute zeichnete ich, wieder bei trübem Wetter, die alte ausrangierte Signallampe, die zusammen mit einem chinesischen sonnengespeisten Lämpchen, einem Feigenbaum und allerhand Gesträuch über Titos Grab wacht. Es liegt nah beim Eingang zu meinem Atelier.

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Geschichten von und mit Philippe (4) Fortsetzung vom Fuchs

Die Begegnung mit der Füchsin Alepou (hier) hatte heute noch eine Fortsetzung. „Diese Alepou ist ganz anders als mein Freund, der Fuchs“, sagt Philippe bekümmert. „Er trug keine Stöckelschuhe und keine Bermudashorts und all das, er war einfach ein Fuchs mit einem schönen Fell und einem buschigen Schwanz….

Vor allem redete er ganz anders. Die Alepou redet nur von sich und ihren Anziehsachen und wie elegant sie ist. Mein Freund der Fuchs aber…“ – „Nun?“ frage ich, „was ist mit deinem Freund dem Fuchs? Was hat er denn gesagt?“ – „O, über vieles hat er gesprochen, und dann hat er geweint.“ – „Geweint?“ Ich bin bestürzt. „Dein Freund der Fuchs hat geweint? Warum denn?“ – „Weil ich nicht bei ihm geblieben bin. Ich wollte weiter, wollte die Menschen kennenlernen, und also bin ich weitergezogen, obgleich der Fuchs traurig war.“ – „Hm“, sage ich. Weiter fällt mir dazu nichts ein. – „Er sagte“, fährt Philippe fort, „er würde weinen, wenn ich weg wäre, und das tat mir sehr leid. Und alles nur, weil ich ihn gezähmt hatte.“ – „Du hast ihn gezähmt?“ frage ich. „Wie denn?“ – „Ach, das ist eine längere Geschichte…. Am Ende waren wir Freunde, und er war traurig, weil ich fortging.“ – „Ja, das verstehe ich“, sage ich. „Wir beide kennen uns bisher ja noch nicht sehr gut, Philippe, aber ich bin sicher, wenn das Jahr um ist und du gehen wirst, werde ich auch traurig sein.  Trotzdem freue ich mich, dass du jetzt bei mir bist. Und wenn du weg sein wirst, werde ich mich an dich und an deine goldenen Haare erinnern. Und jedesmal, wenn ich ein Weizenfeld sehe, werde ich an dich denken, weil es dieselbe Farbe wie deine Haare hat.“ – „Das hat mein Freund der Fuchs auch gesagt. Und wenn ich einen Sonnenuntergang sehe, erinnere ich mich an sein goldrotes Fell und bin traurig.“ – „Ich bin ja gespannt, wann du dich an mich erinnerst. Vielleicht wenn es schneit, wegen meiner weißen Haare?“ frage ich ihn lächelnd. – Da lächelt er auch und umarmt mich und sagt: „Vielleicht, man wird sehen. Bis dahin haben wir ja noch viele viele Tage zusammen.“ – Als er das sagt, strahlt er übers ganze Gesicht. „Ich will auch nicht mehr traurig sein, wenn ich an meinen Freund den Fuchs denke. Es war sehr schön, dass ich ihn kennengelernt habe. Es ist gut einen Freund gehabt zu haben, selbst wenn man sterben muss … Ich bin sehr froh, dass ich einen Fuchs zum Freund hatte.“

„Aber noch musst du ja nicht sterben“, sage ich schnell. „Und ich auch nicht. Noch bleiben wir zusammen, ja?“ – Da nickt er und lacht und kriegt rote Backen, und es ist fast, als sei er jetzt erst richtig angekommen.

 

 

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Vom Fallenstellen (Impulswerkstatt)

Liebe Myriade, der Satz, den du für die laufende Impulswerkstatt zur Diskussion gestellt hast, lautet: „Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.“ (hier)

Dazu fiel mir folgendes Gedichtchen ein:

 

 

 

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Vom Fallenstellen 

Vis-a-vis der Mausefalle

Hockt die Maus und denkt bei sich:

Wenn ich mit meiner kleinen Kralle

Den Stift beweg, erwischt es mich?

*

Den Speck den würd ich gerne fressen

Doch ohne dass die Falle fällt

Soll ich mit ihr die Kräfte messen?

Wer hat sie wohl hier hingestellt?

*

Wenn ich den Fallensteller bäte

Den Speck mir freundlich hinzureichen

Vielleicht dass er es gnädig täte

Denn wem gefallen schon die Leichen?

*

Ich hätt den Speck und er die Speisen

Die er im Lager angesammelt

Ich würde seine Großmut preisen

Und ließ in Ruh, was da vergammelt.

*

Ein jedes Mäuslein braucht ja Speck

Und will am Leben sich erfreun

Was haben Fallen für nen Zweck?

Der Fallensteller wird’s bereun

*

Wenn ihm die Falle selbst gestellt

Und er, der eben noch behaglich

Und sicher fühlt sich in der Welt

Auf einmal findet: das ist fraglich!

*

Die Falle schnappt vielleicht gleich zu

Die ich dem Feinde zugedacht

Und Aus ist es mit meiner Ruh

Und Aus ist’s auch mit meiner Macht.

*

Denn er, der Feind, ist ja auch schlau

Und baut das Gleiche, was ich baute,

er traut mir so, wie ich ihm trau

und er haut mich, wie ich ihn haute.

*

Wärs besser nicht, ich könnte essen

Den Speck des Lebens so wie er?

Warum solln wir die Kräfte messen?

Ist Krieg nicht immer Gegenwehr?

*

So gönn dem Mäuslein doch den Speck

Du hast dann Frieden in dem Haus

Sich streiten hat doch keinen Zweck!

Und Fallen gehn oft grässlich aus.

*

Die größte Falle ist zu hassen

anstatt zu lieben seinen Feind

Er wird dich nie in Ruhe lassen

solang er dich als Feind vermeint.

*

Er wird wie du auf Fallen sinnen

solang du ihn bedrohst, mein Freund!

der Logik kannst du nicht entrinnen.

Drum lieb ihn lieber, deinen Feind!

 

 

*

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Geschichten von und mit Philippe (3): Begegnung mit der Füchsin Alepou

Früher ging ich mit Tito spazieren, und so war mir nie langweilig, auch wenn ich die Wege schon tausendmal gegangen war. Hier sieht man uns beide – den Tito und mich – als Schattengestalten an einer sonnenbestrahlten Schilfwand beim Ausfluss des Sandova ins Meer.

Dann starb Tito, und ich musste allein gehen.

So war es bis jetzt. Doch nun nehme ich Philippe mit auf meine Wege und beobachte, wie er sich in der Welt zurechtfindet.

So wie hier, als wir an eben derselben Stelle landen. Philippe schaut in den Tümpel, der sich dort gebildet hat.

In diesem Moment taucht.. der Fuchs auf. (Alle kursiv gesetzten Texte sind der deutschen Übersetzung des „Kleinen Prinzen“ von Saint Exupery entnommen)

– „Guten Tag“, sagt.. der Fuchs.

– „Guten Tag“, antwortet.. der kleine Prinz höflich, er dreht.. sich um und sieht auf der anderen Seite des Tümpels eine lange Gestalt auf Stöckelschuhen heranstolzieren.

„Wer bist du?“, sagt.. der kleine Prinz. Du bist sehr hübsch …“

– „Ich bin eine Alepou“, sagt.. die Füchsin. (Im Griechischen sind Füchse nämlich weiblich, so wie die Katzen, und heißen nicht Fuchs, sondern Alepou.)

„Komm spiel mit mir“, schlägt der kleine Prinz vor.

„Ich kann nicht mit dir spielen“, sagt.. die Füchsin. „Ich habe meine besten Schuhe an und meine Bermudashorts sind frisch gewaschen, ich würde sie schmutzig machen.“

„Ah, Verzeihung“, sagt.. der kleine Prinz. Er überlegt.. und fügt.. an: „Was sind Bermudashorts?“

„Du bist nicht von hier“, sagt.. der Fuchs, „was suchst du?“

– „Ich suche zu verstehen, was Liebe ist“, sagt.. Philippe.  „Was bedeutet Bermudashorts?“

„Das ist eine fast vergessene Sache“, sagt.. der Fuchs. Es bedeutet: eine lässige Sommerhose, die sowohl sportlich als auch elegant kombiniert werden kann, wobei der klassische Schnitt etwa 3 Zoll über dem Knie endet.“

„Und wozu brauchst du die?“ fragt Philippe. „Man kann mit ihnen in ein flaches Wasser gehen, ohne sich die Hosenbeine nass zu machen“, antwortet Alepou. „Aber du gehst ja gar nicht ins Wasser!“ wundert sich Philippe. „Das stimmt“, antwortet Alepou. „Ich könnte aber ins Wasser gehen, wenn ich es wollte.“ – „Und wozu brauchst du sie?“ wiederholt Philippe, denn er gibt eine Frage nie auf, bevor er eine überzeugende Antwort erhalten hat. „Ohne die Hosen und die Schuhe und mein elegantes Outfit“, antwortet Alepou, wäre ich für dich nur ein Fuchs, der aussieht wie hunderttausend andere Füchse. So aber bin ich auf der ganzen Welt einmalig …“

Mit dem Wüstenfuchs aus dem Märchen hat Alepou nicht viel Ähnlichkeit, auch wenn sich manche Sätze ganz ähnlich anhören. Sie ist selbstverliebt und glaubt, die schicke Kleidung mache sie einmalig. Dabei ist es doch nicht das Äußere, was liebenswert macht!Ein wenig gleicht Alepou, so will mir scheinen, der Rose. Vielleicht, weil auch sie eine Frau ist.  „Sorgfältig wählte sie ihre Farben aus. Langsam zog sie sich an und passte auf, dass ihre Kleidung nicht zerknittert. Sie wollte nur in voller Schönheit in der Welt erscheinen. Oh ja! Sie war sehr eitel! So hatte sie tagelang vor dem Spiegel gestanden. Und dann, eines morgens, als die Sonne aufging, hatte sie sich gezeigt. Und sie, die sich so sorgfältig herausgeputzt hatte…“ 

Nun, ganz dasselbe sagte Alepou nicht, aber dass ihr wunderschöner Schwanz die Farbe der aufgehenden Sonne hatte, das empfand Philippe sehr wohl, und er konnte seine Bewunderung nicht mehr verbergen:- „Wie schön Sie sind!“ – „Das ist wohl wahr!“, antwortete Alepou mit kokettem Augenaufschlag. Und ich bin im gleichen Moment geboren wie die Sonne …“

Und die Moral von der Geschicht?

Aufs Äußere verlass dich nicht.

Trägt jemand hübsche, schöne Kleider

dann hat er einen guten Schneider.

Ob jemand aber lieben kann

das sieht man ihm durchaus nicht an.

Mag sein, dass Ja, vielleicht auch Nein,

die Wahrheit zeigt sich erst im Sein.

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Dreizehn Eier

Einer unserer Nachbarn, der ein Feld hat, auf dem er Tiere aufzieht und dann zum Schlachten verkauft – ich erzählte gelegentlich davon – klingelte eben an der Tür und übergab mir eine Plastiktüte mit frischen frisch gewaschenen Eiern. Der Nachbar ist ein scheuer, wortkarger, hässlicher Mann, und sein Verhalten gegen die Tiere ist von der üblichen Ruppigkeit der einfachen Bauern. Er ist aus Albanien zugewandert und in der Gegend nicht beliebt. Uns aber ist er zugeneigt, seit wir ihn wegen seines Hundes, der durch eine Lücke im Zaun ins Freie gelangte und mich in die Wade biss, nicht anzeigten. Auch hängen wir ihm immer altes Brot an den Zaun. Schon einmal schenkte er uns Eier (hier).

Ich nahm die Eier aus der Tüte, legte sie vorsichtig auf die Matte auf dem Esstisch, zählte sie, freute mich an ihrem Anblick und am unerwarteten Reichtum. Danke herzlich für den Eiersegen, Herr Nachbar!

Dreizehn Eier

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