Tagebuch der Lustbarkeiten: Ackerringelblumentee bereiten

Ich erzählte kürzlich, dass sich auf einer Terrasse unseres Olivenhains calendula arvensis oder auch Ackerringelblumen angesiedelt haben und jetzt blühen. 

In Deutschland, so lese ich, ist diese schöne Blume so rar geworden, dass sie auf der roten Liste steht und nicht geerntet werden darf. Hier ist das anders. Außerdem gehe ich sehr sehr achtsam vor, pflücke nur ein paar der Blüten, um mir einen Tee und eine Essenz zu machen, die ich für Hautprobleme brauche.

Erfahrungen habe ich nicht damit, aber ich lese so schöne Dinge über die Calendula (hier), dass ich schon jetzt ihre wohltätige Wirkung spüre. Was sie nicht alles kann!

Smagy lässt mich wissen:

Heilwirkungen der Pflanze

Stichwörter:
Kopfschmerzen, Schwindel-Zustände, Krampfadern, Verdauungsbeschwerden, Magen-Geschwür, Erbrechen, Bauchschmerzen, Magenbeschwerden, Gallen-Beschwerden, Leber-Beschwerden, Warzen, Sonnenbrand, Haut-Verbrennung, Nagelbett-Entzündung, Wund-Infektion, Haut-Pilz, Haut-Ausschlag, Haut-Ekzem, Akne, Infekt, Erregungszustände, Schlafstörungen, Nervosität, Quetschung, Muskel-Zerrung, Verrenkung, Prellung, Bluterguss, Verstauchung, Menstruations-Störungen, Wechseljahres-Beschwerden, Entzündung, Verkrampfung

Aus den Blüten der Ringelblume kann ein Tee oder eine Tinktur zubereitet werden. Die Pflanze wirkt antibakteriell, Krampf lösend, reinigend, Pilz hemmend und Schweiß treibend. Innerlich stärkt sie die Leber, Galle sowie die Verdauungsorgane, lindert Brechreiz und hilft bei Magengeschwüren. Auch bei Kopfschmerzen, Einschlafstörungen und Schwindelanfällen kann sie helfen. Außerdem kann sie Periodenkrämpfe sowie Beschwerden der Wechseljahre lindern.
Äußerlich angewendet helfen die zerquetschten Blätter als Breiumschlag oder weiterverarbeitet als Salbe bei Kopfschmerzen sowie bei Krampfadern, Quetschungen, Verstauchungen, Warzen, Hautverletzungen, Hautentzündungen, leichten Brandwunden, Sonnenbrand und Ekzemen.

Sehe ich mir diese Liste durch, so finde ich bis auf die „Beschwerden der Wechseljahre“ und ein paar andere so ziemlich alles, wo ich mir Besserung wünschte. Nein, Brechreiz habe ich nicht, und auch keine Brandwunden. Aber zB habe ich mal wieder zwei blutende Wunden am Schienbein. Die hat mir vorhin der Besuchs-Kater geschlagen, weil ich das Fressen nicht schnell genug servierte. Anstatt bescheiden zurückzustehen und sich zu bedanken, dass er überhaupt was abkriegt, macht er sich breit und schikaniert mich. Ich bin so wütend auf ihn, dass ich mit dem Knüppel hinter ihm hersause, sobald er sich sehen lässt (was immer der Fall ist, wenn ich aus der Türe trete). Also denke ich, der Kalendula-Tee wird meine Nerven beruhigen und zugleich auch meine Wunden heilen. 

Ob ich die ganze Blüte oder nur die Blütenblätter verwenden soll, weiß ich leider nicht. Sicher weiß so manche von euch Bescheid und kann mich aufklären. Vorsichtshalber habe ich sie mal auseinander gezupft und für den ersten Aufguss nur die Hälfte der Blütenblätter verwendet. Hier seht ihr, was danach noch übrig war.

Und jetzt werde ich den Tee probieren! Votre santé! 

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Dienstags-Drabble am Mittwoch: Besser nicht abwarten und Tee trinken.

Ich bekam Lust, eine Variante zum gestrigen Drabble zu schreiben. Die Regeln kennt ihr wohl schon: Zu drei vorgegebenen Wörtern – diesmal sind es ohnmächtig, Politik, reifen – ist ein Text zu schreiben, der genau aus 100 Wörtern besteht. Die Überschrift zählt nicht mit.

Weiteres kannst du nachlesen bei Grinsekatz, der diese Schreibaktion organisiert.

Hell Gates, Multibillionärin im Interview: Die Politik ist ein zu ernsthaftes Geschäft, um es den Politikern zu überlassen. Solange es noch Wahlen gibt, sind Regierungen im Grunde ohnmächtig angesichts der Herausforderungen unserer Zeit. Nichts können sie in einer Amtszeit erreichen. Nehmen Sie die Überbevölkerung! Nehmen Sie die Klimakrise! Sollen wir etwa abwarten, bis die Einsicht auch im Dümmsten reift, dass es schlecht fürs Klima ist, Kinder zu bekommen, Vieh zu halten, Fleisch zu essen, zu verreisen, fossile Energien zu verwenden? Da braucht es andere Bandagen. Die habe ich zum Glück. Ich weiß zu kämpfen. Der Planet wird es mir danken.

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Märzenlicht.

Wunderbares Märzenlicht, also trotz Schnupfen und Husten hinaus und ein bisschen nach den Blumen schauen und was es sonst noch so auf den Oliventerrassen gibt. Über Berg und Meer baut sich eine Wetterfront auf, das bringt eine besondere Dramatik in die Landschaft. 

Unter den Blümchen am Wegrand erfreuen mich besonders die reizenden Zyklamen, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte. Und die ersten Mohnblüten gibt es auch schon zu besichtigen.

Sonst? Nun, vor allem reizender Kleinkram, den ich hier zusammengestellt habe.

Eindrucksvoll die Meerzwiebeln, die kraftprotzend die Hänge überziehen, aber erst im Herbst blühen werden,

Eindruck macht mir auch ein prächtiger Johannesbrotbaum, den ich ein paar Terrassen unter mir erblicke und zu dem ich hinuntersteige, um seine Früchte zu fotografieren. Neuerdings werden wieder viele Backwaren mit Karubimehl hergestellt. „Charrūb“ (arabisch خروب) nennt man das Fruchtfleisch. 

Inzwischen zieht sich das Unwetter zusammen, und ich eile, nach Hause zu kommen.

Von der Hausterrasse aus mache ich die folgenden Fotos in drei Richtungen.

dann bricht ein Frühlingsgewitter mit mächtigem Gedonner los, es regnet auch ein wenig … und schon kommt die Sonne wieder hervor. 

 

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Dienstag-Drabble: Abwarten und Tee trinken

Dies ist ein Beitrag zur Schreibaktion von Grinsekatz. Zu drei vorgegebenen Wörtern soll ein Text geschrieben werden,  der exakt aus 100 Worten besteht. Die Überschrift zählt nicht mit.

Die heutigen Wörter sind:

ohnmächtig – Politik – reifen

 

Hast du die neuesten Nachrichten gesehen? –

Ich sehe keine Nachrichten mehr. Ändern können wir eh nichts, wir sind ohnmächtig gegenüber den Entwicklungen.

Aber die sagen, wir sind bereits im Krieg mit Russland!

Quatsch. Siehst du irgendwo Bomben fallen?

Das nicht, aber die wollen nun solche Raketen

Typisch Politik! Sie WOLLEN – das sagt doch schon ALLES. Lass die Dinge reifen, dann stellt sich heraus, was wahr und was fake ist.

Reifen? Du bist gut. Willst du etwa abwarten, bis sie unseren Sohn zu den Soldaten holen?

Das würde ihm nicht schaden.

Du bist ein Ungeheuer und ohne Gefühle!

Ich bin Realist.

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Das Blut des Adonis. Verschlungene Wege in Rot und Gelb

Der Frühling ist nun – nach etlichen Regentagen, die auch eine Menge rötlichen Wüstensand brachten – stark im Kommen. Heute spazierte ich nur auf unseren eigenen Oliventerrassen herum, da ich ein bisschen kränkele. Und freute mich, wie gesund und kräftig dort alles sprießt.  Herzerwärmend die rote Anemone (Anemone pavonina), der man nachsagt, es seien in Blumen verwandelte Blutstropfen des Adonis, den ein Keiler verwundete und tötete. Er war Aphrodites Liebling. Hier habe ich etwas über diesen dem christlichen Ostern verwandten Mythos geschrieben.

Manche freilich behaupten, sein Blut sei zum Adonisröschen geworden. Gelbes Blut?

Foto: Wikipedia

Das wiederum sieht der Acker-Ringelblume (calendula arvensis) ziemlich ähnlich, die auf unseren Terrassen prächtig gedeiht. Wenn man, wie ich, wenig Pflanzenkenntnis hat, kann man sie schon auch verwechseln.

Um sicher zu sein, schaute ich im Internet nach und stieß auf eine liebe- und sinnvoll aufgebaute Bestimmungsseite für die Flora der Peloponnes. Die Seite ist so übersichtlich gestaltet, dass ich keinerlei Schwierigkeiten hatte, mich zurechtzufinden.

Dieser Seite entnehme ich auch das Foto einer Wiese mit roten Adonisröschen (adonis annua), die ja wahrscheinlich eher das transformierte  Blut des Adonis sind als die gelben.

Adonis annua subsp. cupaniana, Griechenland, Peloponnes, Lakonien, Mani, Kap Tenaro (04.04.2011, © Armin Jagel)

Aufgenommen wurde die Wiese am Kap Tainaro – dem südlichsten Punkt Festlandgriechenlands. Von hier aus geht es direkt in die Unterwelt (auch dazu habe ich schon mal was fantasiert: hier).

Und so bin ich unversehens und ohne mich von meinem Platz zu rühren hinabgelangt dorthin, wo Adonis nach seinem Tod hinab musste.  Einen Eindruck von diesem sagenumwobenen finsteren Kap gibt die Darstellung in SCHWEIGER LERCHENFELD, Amand, (Freiherr von). Griechenland in Wort und Bild, Eine Schilderung des hellenischen Konigreiches, Leipzig, Heinrich Schmidt & Carl Günther, 1887 / Kettwig, Phaidon, 1992.

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Gartenskulpturen

Ich freu mich immer, wenn ich an der Pension „Iphigenia“ vorbeikomme, in der vor allem Besucher aus Italien absteigen. Die Attaktion sind für mich die Gartenskulpturen aus gelblichem Ton. Oder wohl eher aus Gips mit gelblichem Tonanstrich. Kitsch? Und wenn schon!  Ich nenne es „die schöne Welt des Scheins“ und sage: Besser gut gemachter Kitsch als schlecht gemachte Kunst!

Ich hätte nicht übel Lust, auch in meinem Garten ein paar solcher Schönheiten aufzustellen. Aber meine müssten nicht so viel tragen wie diese hier.

Und ich würde sie auch nicht so nackicht stehen lassen, sondern Rosen und Efeu dazupflanzen, um sie zu überranken. Oder auch duftendes Geißblatt.

Wahrscheinlich mache ich freilich gar nichts davon, sondern freue mich einfach, wenn ich bei der „Iphigenie“ vorbeikomme und einen Blick auf die netten und meinetwegen auch kitschigen Figuren werfe.

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Überlegungen zu Malerei: Adam und Eva

In dieser kleinen Reihe von Überlegungen zur Malerei hat sich nach Pareidolien, Staffage und Bilddramatik ein weiteres Thema aufgetan:  Wie stellen Maler eigentlich die Beziehung zwischen Mann und Frau dar?

Das Urpaar Adam und Eva wurde eigentlich erst im Mittelalter zum eigenständigen Thema – und auch da nur zögernd. Denn da war die Nacktheit, lockend und verboten zugleich. Wie sollte man die „Verführung“ darstellen, ohne die Sitten zu verletzen?

Zunächst belässt man es bei statuarischen Personen, die links und rechts vom Baum der Erkenntnis stehen, ausgestattet mit den Symbolen Apfel und Schlange. Doch mit ausgehendem Mittelalter und beginnender Renaissance wird das Urpaar ein beliebtes Thema. Ihre Nacktheit, im griechisch-römischen Altertum so freizügig dargestellt und  gerade wiederentdeckt, ist nun kein Hindernis mehr. Die „Blöße“ wird freilich oft hinter einem Feigenblatt versteckt.

Die folgenden beiden Abbildungen sind von Masaccio ( 1401-1428), Frührenaissance. Frau und Mann stehen gleichberechtigt und stark unter dem Baum, aus dem eine weibliche Schlange hervorschaut.  Sie ist sozusagen ein Double der Eva. Der junge Mann, der eben noch mit offenen begierlichen Augen auf die stattliche Eva blickte, bedeckt nun seine sündigen Augen, während Eva Scham und Brust bedeckt. Äpfel kann ich nicht entdecken. Und tatsächlich geht es nicht ums Apfelessen, sondern …

Ja, worum geht es eigentlich?

Man ahnt es, wenn man die „Vertreibung“ betrachtet: Der Mann hält sich die sündigen Augen zu, die Frau verbirgt ihre sündigen Geschlechtsmerkmale. Die beiden haben sich „erkannt“.

Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren (1 Moses 3,7). Vom Erkennen der Nacktheit ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zu einem anderen Erkennen: „Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger…“ (1 Moses 4).

Die im deutschen Raum wohl bekanntesten Darstellungen von Adam und Eva stammen von Lucas Cranach dem Älteren (1472 – 1553) und Albrecht Dürer (1471-1528). Liebreizend, tändelnd, zugewandt und doch jede/r für sich. Die beiden sind gleich groß. Beide halten die „verbotene Frucht“ in Händen, wobei Eva sie nach oben, Adam aber nach unten führt. Dass es sich bei dem Apfel um ein sexuelles Symbol handelt, wird angedeutet, aber nicht expliziert. Eva ist aktiv-passiv: sie stellt sich dar. Adam, noch im Zustand der Unschuld, fühlt ihre Schönheit. Er ist passiv-aktiv: seine Aktivität ist herausgefordert.

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Eine andere Darstellung, ebenfalls von Lucas Cranach d.Ä., zeigt eine vorsichtig-liebevolle Umarmung. Adam wirbt nun um Eva. Das ist so liebreizend dargestellt, dass kein Gedanke an Sünde aufkommt. Zwischen beiden herrscht Einvernehmen. Ist das nicht Liebe? Warum werden sie bestraft? Haben sich nicht sogar Hirsch und Löwe friedlich eingefunden?

Adam und Eva im Paradies

Etwas deutlicher wird es bei dem Holzschnitt von Hans Baldung Grien (1484/85–1545): Die verbotene Frucht ist der Busen der Frau. Und der ist per se eine Verführung zur sexuellen Liebe. Sie hat zum „Untergang der Menschheit“ geführt (Lapsus humani generis). Die Häschen im Hintergrund bestätigen den Verdacht, dass es um die böse Sexualität geht.

Adam and Eve, Hans Baldung (called Hans Baldung Grien) (German, Schwäbisch Gmünd (?) 1484/85–1545 Strasbourg), Woodcut; line block

Rembrandt hingegen inszeniert die Szene als ersten Paarkonflikt: Die Frau will von dem Apfel essen. Der Mann schreitet ein: Tu das nicht! Das ist gefährlich! doziert er mit einer Hand. Die andere Hand fährt zwischen Apfel und Frau, um … sie zu hindern? Oder um den Apfel zu ergreifen und selbst zu verspeisen? Die Verführerin wird zur dickköpfigen Ehefrau umgedeutet, die die Belehrungen des Mannes nicht hören will. Von Verführung keine Spur.

(weitere interessante Bemerkungen zu diesem Bild bei https://www.kunstgeschichte-in-einzelwerken.de/die-buchreihe/blog-archiv-einzelne-k%C3%BCnstler-und-einzelwerke/)

Die Künstler nehmen sich, je tiefer wir in die Neuzeit kommen, immer mehr Freiheit, die altbekannte Szene umzugestalten. Gustav Klimt (1862-1918) etwa lässt den träumenden Mann fast vollständig hinter einer hellwachen Schönheit verschwinden. Kein Apfel, keine Schlange. Es ist der Lobpreis der weiblichen Schönheit, was uns aus Klimts Bild entgegenstrahlt. Das sündige Weib? Oder vielmehr: das wiedergefundene Paradies des Mannes?







 

 

Für die Moderne beziehe ich mich wieder auf Max Beckmann (1884-1950). Für mich ist er besonders interessant, weil er das bei Hans Baldung Grien angesprochene Thema expliziert: die weibliche Brust ist der Apfel. Die Frau zeigt dem Mann den nährenden Busen – und so sehr er auch zurückschreckt, so sehr er sich auch bemüht, nicht hinzuschauen – er wird nicht wiederstehen können und wird von der verbotenen Frucht essen.

Doch was sind die Folgen? Erkennen die beiden nun den Unterschied zwischen Gut und Böse? Was ist gut? Was böse?

Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mithilfe des Herrn. Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann.

Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem Herrn Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. Da sprach der Herr zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist’s nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie. Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.

O, Mutter Eva! Hast du sie nicht beide an deinem Busen genährt? Und doch erschlägt ein Bruder den anderen. Nicht die Schlange und der Apfel und auch nicht Evas Busen haben das Unheil über die Menschheit gebracht, sondern die Wut, weil ein Kind dem anderen vorgezogen wurde.

Ich gebe zu, dass ich Kain verstehe. Ich bin eine Kain-Versteherin, auch wenn ich den Brudermord natürlich nicht billige. Aber soll man nicht zornig werden, wenn die gutgemeinte Opferhandlung zurückgewiesen wird? Ohne den Versuch einer Erklärung? Einfach so? Weil „ich der HERR bin“?

Wen ich definitiv nicht verstehe, ist der HERR. Warum verjagt er die Liebenden aus dem Paradies? Warum nimmt er Kains Opfer nicht an? Nein, ich verstehe ihn nicht. Und mir scheint, auch die Maler haben ihn nicht verstanden, sondern haben entweder die Geschichte einfach nacherzählt, wie sie ihnen überliefert wurde, oder sie haben versucht, irgendeinen Sinn darin zu entdecken. So wie ich auch.

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(Schedelsche Weltchronik 1493)

Die ersten und vorletzten Bilder habe ich aus eigenen Büchern herausfotografiert. Die anderen Darstellungen habe ich Wikipedia oder anderen Internetquellen entnommen.

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Das brodelnde Meer – mein Gemälde mit Babsis Bearbeitung

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Der Zeichner und sein Modell (tägliches Zeichnen)

Gestern fuhr ich zum zweiten Mal zum gemeinsamen Zeichnen nach Kalamata.

In einem kommunalen Kunstclub bemühen sich Lernwillige verschiedenen Alters darum, ein aufgebautes Stillleben nach den Regeln der akademischen Kunst abzuzeichnen. Da ich keine Lust habe, erneut die Statue zu zeichnen (hier), wende ich mich diesmal dem Jünglingskopf zu, der ihr zu Füßen steht, umgeben von einer offenen Obstkiste mit allerlei Kram. Im Hintergrund sitzt ein junger Mann, der sich mit der Statue abmüht.

Die Kombination von antiker Kunst, Gebrauchsgegenständen der Gegenwart und dem lebendigen Zeichner reizt mich.

Ich denke an den Lebenden, der vor mehr als 2000 Jahren dem Bildhauer Modell saß und dessen gipsener Kopf nun einem Nachgeborenen als Modell dient. Dieses Mit- und Ineinander von Kunst und Leben über die Jahrtausende hinweg versuche ich festzuhalten.

 

 

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Nixen, Taucher und der Ring der Nibelungen (Transparenz 16)

Noch einmal widerstehe ich tapfer der Versuchung, mich ins Getümmel der politischen Auseinandersetzungen zu stürzen und „Transparenz, wir wollen Transparenz!“ zu schreien oder, ganz im Gegenteil, mit scharfen Worten vor den zunehmenden Versuchen zu warnen, uns Normalebürger splitternackt und durchsichtig für die Regierenden zu machen.

Lieber bleibe ich noch ein wenig im trauten Reich von Kunst und Mythos.

Und durchblättere die Seiten dieses Blogs. Unter dem Titel Elementargeister: Wassergeister lese ich, was mir damals, im November 2015, dazu einfiel:

Schon die Alten und die ganz Alten waren der Ansicht, dass das Leben aus dem Wasser kommt. Der Mann, der als der erste Philosoph, Mathematiker und Astronom überhaupt geführt wird und den Griechen als einer der sieben Weisen galt – Thales von Milet – hielt das Wasser für die Grundsubstanz, aus der alles geworden ist. Und immer noch bildet es den Grund unserer Seele. Wer wüsste nicht, dass die Untiefen des Meeres denen unseres Unbewussten gleichen?

Wassergeister (c) Gerda Kazakou

Die Untiefen des Meeres und des Unterbewussten zu durchforschen, liegt mir freilich genauso fern wie die der Politik. Schon Friedrich Schiller warnte davor, als er schrieb:

Der Mensch versuche die Götter nicht,
Und begehre nimmer und nimmer zu schauen,
Was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen.*

Und so zeige ich weder den Nix mit den grünen Glubschaugen noch auch die schreckliche Medusa, die zu Stein erstarren lässt, wer sie ansieht. Ich bleibe in der harmlos-transparenten Welt der Undinen, Nixen und Najaden …

 

IMG_5059aIhr Name sei Wellgunde, Woglinde und Floßhilde, wie die Rheintöchter, die durch ihren Zaubergesang so manchen Opernfreund begeistert haben. Mit ihnen schwimmt der inzwischen arg verrostete Ring der Nibelungen**.

*Friedrich Schiller: Der Taucher (1797). Da geht es um einen König, der einen goldenen Becher in einen Meeresstrudel wirft und die Ritter auffordert, ihm nachzutauchen. Doch nur ein Knappe traut sich, und es gelingt ihm tatsächlich, mitsamt dem Becher wieder nach oben zu kommen. Der König wirft den Becher ein zweites Mal, diesmal seine Tochter versprechend. Gold UND Liebe – das ist zu viel der Versuchung….

**4-teiliger Opernzyklus (1848 bis 1874) von Richard Wagner. Natürlich umschwimmen die Rheintöchter nicht den Ring, denn der muss ja erst geschmiedet werden. Undda er aus reinem Gold ist, kann er auch nicht verrosten.

Hier kannst du dich in „Rheingold“ reinhören:

Wikipedia gibt uns folgende Zusammenfassung der entsprechenden Szene:

  • 1. Szene: Auf dem Grunde des Rheins

Die drei Rheintöchter (Nixen) Woglinde, Wellgunde und Floßhilde bewachen spielerisch im Rhein auf Geheiß ihres Vaters das Rheingold. Das lachende Spiel der Wassermädchen wird unterbrochen von Alberich, einem Nibelungen, der aus der Tiefe hervor steigt und den Mädchen mit gierigen Augen zusieht. Er versucht zuerst, sich eine der Nixen durch Bitten und Werben gnädig zu stimmen. Die Rheintöchter scheinen auch jeweils darauf einzugehen, um sich dann aber im letzten Moment lachend seinen Armen zu entziehen. Das reizt Alberich zur Wut und er versucht, sich die Frauen mit Gewalt gefügig zu machen, was ihm, der nur klettern kann, während die Mädchen geschickt schwimmen, nicht gelingt.

Die Sonne geht auf und lässt das Rheingold erstrahlen, die Mädchen umschwimmen es in lautem Jubel (strahlendes Rheingoldmotiv des Orchesters). Alberich, fasziniert vom Glanz des Metalls, erfragt von den Nixen die Bedeutung des Goldes. Sie erzählen ihm leichtsinnigerweise, dass mit dem Gold „maßlose Macht“ und die Herrschaft der Welt demjenigen zuteilwerden könne, der „aus dem Rheingold schüfe den Ring“. Das könne jedoch nur einer, der „der Minne Macht entsagt“. In Bezug auf den „lüsternen Alb“ haben sie keine Sorgen, denn er scheint am wenigsten gewillt zu sein, auf die Gunst von Frauen verzichten zu können. Doch Alberich, wütend über den Spott, den die Nixen mit ihm getrieben haben, und wohl auch wissend, dass er wegen seines hässlichen Aussehens auch bei anderen Frauen keinen Erfolg haben würde, entsagt trotzig der Liebe, mit dem Hintergedanken, sich mit Gold auch Lust kaufen zu können.

Der Welt Erbe gewänn’ ich zu eigen durch dich!
Erzwäng’ ich nicht Liebe,
doch listig erzwäng ich mir Lust?
Das Licht lösch’ ich euch aus;
entreiße dem Riff das Gold,
schmiede den rächenden Ring:
denn hör es die Flut –
so verfluch’ ich die Liebe![14]

 

 

 

 

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