Dienstagsdrabble: In Steinen tuschelt Muschelkalk

Wir sind nur Steine, ganz banal,

den Muschelsammlern piepegal.

Die schaun nur nach den angeschwemmten

von Wellen flüchtig eingeklemmten

intakten Muscheln, und sie bücken

sich eifrig nach den besten Stücken.

Wir Steine liegen nur so rum

Sind schwer und rund und meistens stumm.

 

Vielleicht meinst du, dass du uns hörst

Wenn du mit Schritten uns aufstörst?

Doch was du hörst, ist nur das Kollern

Wenn unterm Fuß wir dir wegrollern.

Nur wenn du völlig ruhig bist

Und Zeit und Raum, dich selbst vergisst

Hörst Muscheln

Leis tuscheln

Hörst Muschelkalk in uns wohl raunen

Und was du hörst, wird dich erstaunen.

 

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Dies ist ein Beitrag zum Dienstagsdrabble, das Heide von der Puzzleblume ausrichtet. Zu erstellen war ein Text von genau hundert Worten, unter denen drei von Heide aus einem Buch ausgewählte sein müssen. Die drei Wörter sind:  Muschelsammler – liegen – ruhig

 

 

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Maske im Atelier (4) mit Hut und Mme Kolokytha

Dies ist nun meine vierte Kohlezeichnung der Gips-Theatermaske, die ich von der Zeichenschule mit heimnahm. Bisher konnte ich meine Vornahme, jeden Tag eine Zeichnung davon zu machen, verwirklichen.

Die an den drei Vortagen gezeichneten

Heute zeichnete ich auf der Rückseite eines Zeichenkartons im Format 50 x 60 cm. Die Maske bekam einen Hut, und ihm zur Seite stand Mme Kolokytha. Manche von euch kennen sie vielleicht noch, sie hatte einige große Auftritte Anfang 2018 und führt seither ein beschauliches Leben auf der Fensterbank.

Ihre heutige Rolle war eher bescheiden, doch wusste sie sich charmant in Pose zu setzen. Und so warf der Griesgram unter seinem Sonnenhut einen begehrlichen Blick auf sie. 

Mit verstärkten Restfarben stellt sich die Szene so dar:

und als Foto so:

 

 

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Maske im Atelier (3) mit Puppe und Widderkopf

Heute machte ich meine dritte Zeichnung „mit der Maske“. Wie ich erzählte, lieh ich sie am Donnerstag in der Zeichenschule aus, fest entschlossen, jeden Tag eine Zeichnung mit stets anderem Aufbau davon zu machen.

Die beiden schon gezeigten Zeichnungen (Kohle auf Leinwand)

Heute nahm ich keine Leinwand, sondern zeichnete auf der Rückseite einer großen schon bemalten Zeichenpappe (70×100 cm). Zu Hause arbeitete ich im Stehen, in der Zeichenschule im Sitzen. Dort ist das Format 50×70. Bei größeren Formaten geht es im Sitzen nicht.

Vor den Erfolg ist der Schweiß gesetzt. Meinen ersten Entwurf hatte ich nach zwei Stunden fertig – mit schmerzenden Füßen und schweißüberströmt. Denn wir haben hier mittags um die 36 Grad – im Atelier zwar weniger, aber es reicht auch so.

 

Ich machte eine Pause, kümmerte mich um einen Mittagsimbiss, und wir aßen. Für die Siesta aber nahm ich mir keine Zeit, denn ich wollte die Zeichnung bei Tageslicht zuende bringen. Tatsächlich war sie gegen 5 Uhr fertig.

Auf der Pappe sind nicht so große Kontraste möglich wie auf der Leinwand. Die Pappe nimmt die Kohle nicht so gut an.  Dadurch wirkt die Zeichnung lyrischer, nicht so dramatisch wie die anderen beiden.

Ein Blick auf die fotografierte Szene.

Die Überblendungen mit dem Foto brachten keine guten Ergebnisse. Hingegen gibt die Verstärkung der Restfarben des Fotos der Zeichnung einen altmodischen Touch, was gut passt.

Schließlich gab ich der Puppe noch ihre blauen Haare.

Und wer erzählt nun das Märchen zur Zeichnung?

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Maske im Atelier (2) mit Puppe (tägliches Zeichnen)

Am Donnerstag nahm ich eine Gispsmaske aus der Zeichenschule mit nach Hause. Die will ich nun täglich in einem anderen Kontext zeichnen. Die gestrige Zeichnung – Maske mit Vase – zeigte ich schon.Heute zeichnete ich auf derselben Leinwand, nachdem ich die gestrige grob abgewischt hatte. Zur Maske setzte ich die blauhaarige Puppe, die ich vor vielen Jahren fand und die mir seither manchmal als Modell diente.

Daraus wurde folgende Zeichnung:

a) erstes Stadium  b) zweites Stadium

 

Die erste Zeichnung habe ich mit dem Foto überblendet. Dabei entstanden interessante Effekte.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Den Marathonlauf in Paris anschauen

Die Technologie hat schon eine große Verführungskraft. Gestern noch las ich mit ziemlichem Entsetzen von einer bei Moskau geplanten Smart City, wo die Familie nicht nur in vollkommen überwachter Bequemlichkeit lebt, sondern auch, ohne sich von der Stelle zu rühren, in tropischem Klima einen Coctail am Palmenstrand trinken kann, wann immer es ihnen beliebt.

Heute sitze ich selbst, freilich nach einer realen Schwimmrunde im Meer, bequem vor der Mattscheibe und renne virtuell durch das in morgendliche Sommersonne getauchte Paris. Und bin fasziniert. Schön ist Paris aus dieser Perspektive, und der Marathonlauf ist sowieso die Königin aller Disziplinen.

Der Rhythmus der Läufer geht mir ins Blut, ihre Leichtfüßigkeit, fast scheinen sie zu fliegen.

Aber nein, sie fliegen nicht, sie kämpfen, Schritt für Schritt auf der schier endlosen Strecke von über 42 Kilometern kämpfen sie sich voran …

geben nicht auf, laufen hinein in die Schatten, ins Licht der Straßen, tauchen in einen Tunnel ein…

laufen vorbei an rufenden Menschen, die ihnen zuwinken, ergreifen Flaschen wie im Flug, sprühen sich Wasser in den Mund, aufs Haar, laufen.

Zwei Stunden laufen sie in atemberaubendem Tempo, dann erscheint in der Ferne die Ziellinie. Einer wird sie als erster überqueren, da ist er schon, winzig klein auf der blauen Fläche.

Er ist für das Land seiner Geburt gelaufen, für Äthiopien, dessen schöne Fahne er sich nun über die Schultern legt. Tamirat Tola heißt er. Er bewältigte die Strecke in 2:06,26 Stunden und stellte einen neuen olympischen Rekord auf.

Schon überquert der zweite die Ziellinie. Bashir Abdi aus Belgien. Er ist ebenfalls ein großartiger Läufer, ein Kämpfer. Doch er läuft nicht für das Land seiner Vorfahren, sondern für ein anderes, das seine Vorfahren versklavte.

Der Sieger im Marathonlauf der ersten modernen Olympischen Spiele 1896 war übrigens Spyridon Louis aus Maroussi – Schafhirte, Rekrut und Wasserträger unter Oberst Papadiamontopoulos, der ihn bewog, am olympischen Marathonlauf teilzunehmen. Die beiden Nächte vor dem Rennen betete Louis und am Tag vor seinem Start fastete er. Die Strecke von Marathon bis zum neu erbauten Marmor-Stadion Panathinaiko in Athen betrug  40,234 km und war natürlich nicht asphaltiert. „Hitze, staubige Straßen, die hügelige Strecke (…) forderten ihren Tribut“. 17 bis 25 Athleten aus fünf oder mehr Ländern nahmen teil, aber viele gaben vor dem Ende auf. Spyros Louis lief die volle Strecke, die der des Boten entsprach, der den Athenern den Sieg über die Perser im Jahre 490 v. Chr. verkündete, in knapp drei Stunden (2:58:50 h). (zitiert nach Wikipedia)

 

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Trainingsfoto April 1896 von Burton Holmes, published 1901, in der Mitte der zweite im Marathonlauf Harilaos Vasilakos
 
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Tagebuch der Lustbarkeiten: Ein Päuschen machen

Zwischen Paneurhythmie-Tanzen im Park des Eisenbahnmuseums und Einkaufen im Supermarkt brauche ich ein Päuschen, um mich abzukühlen. Es gibt da nahebei ein einfaches Straßencafe, wo ich gern sitze und meinen Espresso trinke, diesmal auch zur Stärkung ein Glas frisch gepressten Orangensaft. Beides zusammen plus eisgekühltes Wasser kostet so um die fünfeinhalb Euro. Ich finde, da kann man nicht meckern.

Während ich an meinem Orangensaft nuckele, werfe ich einen Blick in die ausgelegte Lokalzeitung. Die wichtigste Nachricht ist, dass ein Staudamm gebaut werden soll, um so einer drohenden Wasserknappheit zuvorzukommen. Am 16. September müssen die Angebote eingegangen sein, in 36 Monaten soll das Werk vollendet sein. Ich überlege kurz, wie lange 36 Monate sind und wann der Damm also hoffentlich gebaut ist.

Eine andere Meldung weiter unten besagt, dass der Platz vor der Hauptkirche mal wieder gesperrt sein wird, denn die archäologische Gesellschaft macht dort Ausgrabungen. Die Polizei hat die Umleitungen bekannt gegeben.


Nach beendeter Lektüre schaue ich nach rechts und links, was sich da so tut. Ein Paketausträger der Post hat sein Fahrgerät vor dem Büro abgestellt und den roten Courier-Kasten geöffnet, um ihn neu zu befüllen.

Ein anderer Lieferant ich weiß nicht welcher Ware prüft den Inhalt seiner Transport-Box. Alltag eben.

Eine ältere Dame mit einem Hund kommt und geht, lässt sich kurz an einem Nachbartisch nieder und steht wieder auf, das Hundchen hinter sich herziehend. Es ist ein kleiner ulkiger Hund mit Schleifchen im Haar.

Genug der Pause. Ich lasse mein abgezähltes Geld plus Trinkgeld in dem Glas mit dem Kassenbon, sage der Kellnerin, die auch die Inhaberin ist, Bescheid, und mache mich auf die Socken.

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Maske im Atelier 1 (tägliches Zeichnen)

Die Zeichenschule macht für eine Woche zu, doch konnte ich mir eine Skulptur ausleihen. Es ist eine gipsene Theatermaske, die ich schon mal gezeichnet habe.


In meinem eigenen Atelier kann ich das gute Stück nach gusto arrangieren. Und es nach Strich und Faden durchdeklinieren. Heute legte ich sie unter meinen runden Tisch, stellte die bekannte Vase dazu und machte eine erste Kohleskizze auf Leinwand. Kein ängstliches Messen und Schattieren, sondern frisch drauf los!

Als Foto sieht die Szene so aus:

Und das Photo mit der Zeichnung überblendet so:

 

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In der Zeichenschule (21): Kouros, Maske und Pferd

Heute war der Kouros-Kopf dran, der lächelnd über eine Maske und den mit einem Tuch garnierten Pferdekopf hinwegschaut.

Dies mein Ergebnis nach drei Stunden intensiver Bemühung.

Mit dem recht kleinformatigen Ensemble Pferd-Maske links unten habe ich mich ziemlich lange abgeplagt, bis ich damit zufrieden war. Die Zeit fehlte mir dann beim Kouros.

Überblendung, die zweite mit Filter und Farbverstärkung.

Den Kouros habe ich schon zweimal aus anderer Perspektive gezeichnet: einmal im Halbprofil (12.4.24)

und einmal en face (16.5.24)

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Birnen beim Reifen zuschauen

Reif sind sie noch nicht, und weder Rosen noch ein See begleiten sie …

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See …

(Hölderlin, Hälfte des Lebens)

Es ist ein knochentrockener wilder Birnbaum, der an der Landstraße steht. Die Früchte, die er hervorbringt, sind ziemlich holzig. Jedesmal, wenn ich vorbeikomme, prüfe ich, ob sie schon essbar sind. Denn kaum ist es so weit, sind sie auch schon weg. Der Pächter eines Stücks Land, auf dem er Schafe und Ziegen bis zur Schlachtreife heranzieht, holt sie sich als Futter. Also muss ich aufpassen, wenn ich ein paar Birnen erwischen will.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Eulenbecher

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass wir eine riesige Eulensammlung haben, und erinnert sich vielleicht auch, wie es dazu kam: Auslöser war der griechische Militärputsch im April 1967. Damals lernte ich meinen Mann kennen und schenkte ihm die erste Eule: „Wir werden schon noch Eulen nach Athen tragen!“ munterte ich ihn auf. Sieben Jahre und viele Eulen später war es dann soweit: die Junta wurde gestürzt, die Demokratie wieder hergestellt. Und wir trugen all die Eulen, die wir von diversen Reisen mitgebracht oder geschenkt bekommen hatten, nach Athen.

Übrigens ist der Spruch Κομίζω γλαύκας εις Αθήνας (Ich trage Eulen nach Athen) altgriechischer Provenienz. Die Eule war das Symbol Athens und fand sich auf der Rückseite der Drachme, an Wänden und Säulen – kurzum: überall. Wenn man also das, was eh schon jeder weiß und die Spatzen von den Dächern tschilpen, wie eine großartige Neuigkeit am  Ort seiner Entstehung verkündet, dann trägt man Eulen nach Athen.

Das möchte ich natürlich nicht und höre auf, weiter über Eulen zu schreiben. Aber den neuesten Eulenbecher, den möchte ich euch zeigen. Er ist, wie die meisten seinesgleichen,  Industrieware, aber ich habe meine Freude dran. Und trinke gern meinen Morgenkaffee daraus.

Es ist das Geschenk einer Freundin. Jeder weiß von unserer Eulensammlung, ergo schenkt jeder, wenn ihm sonst nichts einfällt, uns noch eine Eule. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele verschiedene es gibt. Wir haben hunderte, und keine gleicht der anderen.

Den neuen Becher habe ich noch nicht gezeichnet, aber das kommt schon noch. Auf meinen Stilleben ist häufig einer seiner Brüder und Schwestern mit von der Partie. 

Diese hier sind vom Januar 2020:

 

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