Kopfzerbrechen

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Leicht ist es, einen Plan zu fassen: „Ich segele nach Ephesos, treffe dort den Alten mit den weisen Sätzen, lasse sie mir von ihm auslegen und kehre voll des Wissens heim, um es mit dir zu teilen“. So dachte ich, so sagte ich. Der Weg ist klar: Von Westen nach Osten, immer der aufgehenden Sonne entgegen.

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Doch geht die Sonne denn immerzu auf? Meine Reise dauert ja, selbst bei bestem Rückenwind. Die Sonne wird, wenn ich grad an einer unbekannten Insel vorbeischippere, womöglich im Meer versinken!

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Doch mir droht noch anderes Ungemach: Sie wird ja nicht am östlichen Horizont bleiben, die Sonne, sondern wird über mein Haupt steigen, wird sich wie ein feuriges Kleid über mich legen….,

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bis sie  schließlich mit großem Getöse und Farbenrausch untergeht. Wo? Im Westen. Aber da komme ich doch her! Wie soll ich mich bei solcher Sonnenunzuverlässigkeit zwischen all diesen Inseln und schroffen Felsen zurechtfinden, ohne mich zu verlieren?

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Und wenn dann gar die Nacht kommt? Denn sie kommt ja gewiss.

Vielleicht sollte ich doch die Karte genauer studieren, bevor ich das Segel setze?

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Huch, da zeigt sich sogleich, es geht gar nicht so ohne weiteres nach Osten! Zuerst muss ich tiefer in den Süden vorstoßen, um das Kap Tainaro am Mittelfinger der Peloponnes  zu umschiffen (rote Linie, das Kap hab ich blau eingezeichnet).

Na und? fragst du schnippisch. Ein Kap mehr im Meer. Was macht es dir aus? Ich aber flüstere dir zu:  Dort, am Kap Tainaro, gehts hinein  in den Hades….

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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24 Antworten zu Kopfzerbrechen

  1. mannigfaltiges schreibt:

    Nu denn, Mast- und Schotbruch!

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  2. kunstschaffende schreibt:

    Vielleicht solltest Du Dich nach der Meeresströmung halten, wenn’s mit der Sonne nicht klappt! Nur so eine Idee!😊😉

    ❤Grüße Babsi

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Ob das zuverlässiger ist? In der Odyssee liest man Schauergeschichten darüber, wie lange der Held auf seinem manövrierunfähigen Boot von Strömungen durchs Mittelmeer getrieben wurde.

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    • gkazakou schreibt:

      Ich merke es, und ich danke dir! An den Mond habe ich auch schon gedacht, als ich heute die schöne neue Sichel sah. Aber dummerweise macht er dieselben Kapriolen wie die Sonne: geht im Osten auf und im Westen unter. Die Sterne, ich weiß, die haben den Alten geholfen, aber wer glaubt heute noch den Sternen? Oder gar den Göttern, die so manchem Schiffbrüchigen die rettende weiße Taube schickten….Ach, pardon, das mit der Taube war Kolumbus. Bei Odysseus war es ein weißer Seevogel, und bei Noah – ich habs vergessen. Ein Rabe vielleicht?
      Ich überschlafe das Problem jetzt erst mal. Vielleicht zeigt sich im Traum eine Lösung. Liebe Grüße von Gerda

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  3. Maren Wulf schreibt:

    Liebe Gerda, darf ich dich kurz daran erinnern, dass du versprachst, da zu sein, wenn ich nach Bloghausen zurückkehre? Es wird doch keine Reise nach Ithaka werden?!? In jedem Fall wünsche ich günstige Winde.

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  4. bruni8wortbehagen schreibt:

    Odysseus hatte mit den männlichen Begieden zu kämpfen, liebe Gerda, und hier liegt Dein Vorteil *g*.
    Der Eingang zum Hades? Ubs, da ists also gefährlich, hüte Dich an dieser Stelle, falls Du sie passierst.
    Vielleicht solltest Du Dich mit einem alten erfahrenen Seebären beraten, wer weiß, welche aufschlußreichen guten Tips zu da bekommen wirst. Aber pass gut auf, daß er Dir kein Seemannsgarn auftischt und daß er seine Pfeife beim Reden aus dem Mund nimmt, damit er besser zu verstehen ist, sonst gibt es vielleicht Mißverständnisse, was die beste Route und Zeitdauer betrifft.

    Lächelnde liebe Grüße von Bruni

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  5. Sabine Oetjen schreibt:

    Liebe Gerda ein wunderschönen Morgen wünsche ich Dir. Du suchst den richtigen Weg, gibt es den überhaupt? Wenn ich Du wäre würde ich auf meine weibliche Intuition und der Natur vertrauen. Außerdem, nicht zu vergessen, der Weg ist das Ziel. Es braucht vielleicht die Irrungen und Wirrungen des Weges um nach Ephesos zu gelangen und die Weisen zu treffen und zu verstehen.Ich wünsche Dir ein spannende und inspiriende Reise.
    LG Bine

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Sabine, wenn du ich wärest, würdest du deine eigene Reise planen, anstatt anderen Reisenden zu sagen, worauf sie sich verlassen sollen😉
      Weißt du denn, ob meine weibliche Intuition mich nicht schon oft im Stich gelassen hat? Was den Weg und das Ziel anbetrifft, so sind wir uns in etwa einig. Wenngleich: ohne Ziel kein Weg, stattdessen nur sinnlose Bewegung womöglich im unendlichen Kreisverkehr.
      Sei lieb gegrüßt von einer, die eine Reise plant, aber sie vielleicht ja niemals antritt😦

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  6. Sabine Oetjen schreibt:

    Liebe Gerda,
    wo Du Recht hast hast Du Recht. Ich glaube ich muß über Deine Zeilen noch einige Zeit nachdenken. Sei ebenfalls lieb gegrüßt.
    Bine

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  7. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, ich bin sehr fasziniert, du kannst es dir denken … der Weg in den Osten geht, wenn du im Westen startest eben auch ünber den Norden, da kommt die Nacht, vielleicht ist es gut dann zu rasten und vor Anker zu gehen, es braucht ja immer wieder neue Kraft für solch einen Weg, immerhin weist du wohin du willst, das wissen ja nicht immer alle und unbedingt. Der Weg in den Osten wird dich vor so einiges stellen und Trickster ist immer dabei, aber lasse dich nicht narren, du weißt wo die Sonne aufgeht, du weißt wo alles beginnt und alles endet, mit Vertrauen und gutem Wind wirst du dein Ziel erreichen, ich bin mir sicher-
    deine Bilder untermalen deinen Text aufs Wunderbarste …
    Ach ja, und dann noch der Hades, manche müssen hinein und schauen wie sie da wieder herauskommen, andere können ihn umschiffen, ich glaube du warst schon oft dort unten, was also fürchtest du?
    Soweit meins zu deinem …
    herzliche Mittaggrüße aus dem grauen Tal (ich hüte seit gestern bis Mittwochnachmittag die lieben Kleinen, heute haben wir Schnibbelbilder geklebt, rate mal wer uns inspirierte😉 )
    Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Ulli, danke dir von Herzen für die guten Worte. Nicht nach Norden muss ich freilich zuerst, da hast du dich verlesen, sondern noch tiefer in den Süden hinab, hinunter an den südlichsten Punkt Europas, wo sich zugleich die tiefste Stelle des gesamten Mittelmeeres befindet – nach Kap Tainaro eben. Warum die Alten hier den Eingang zum Hades sahen? Geologisch leuchtet es ein, wegen des plötzlichen Absturzes des Meeresgrundes. Aber woher wusste es die Alten? Vielmals ist ja das Wasser des Mittelmeers gewichen und hat ein leeres Becken hinterlassen, da mögen sich Erinnerungen an diesen Abgrund bewahrt haben. Es ist allerdings geheimnisvoll, sich vorzustellen, wie in den Mythen Wissen bewahrt ist aus Zeiten, in denen der Mensch in seiner heutigen Gestalt wohl noch nicht auf Erden wandelte.
      Du meinst, ich hätte dem Hades schon des öfteren einen Besuch abgestattet? Ich zögere zu antworten.
      „Immerhin weißt du, wohin du willst“, sagst du. Und das stimmt in gewisser Weise. Jedenfalls für diesen Wegabschnitt. Sei lieb gegrüßt. Gerda
      ps ich habe eben vorsorglich im Spam nachgeschaut und erneut einen Kommentar von dir dort gefunden, den zu den Wandbildern. Ich habe ihn nicht rausbekommen bisher. Ich werde meinen Sohn fragen, was man machen kann.

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      • Ulli schreibt:

        Liebe Gerda, ich habe natürlich vom Rad aus kommentiert, wo der Norden nach dem Westen kommt, was ja immer wieder für Befremdung sorgt- landkartlich habe ich schon gesehen, dass du erst in den Süden mußt- was nun den Hades anbelangt, so dachte ich, dass du doch bestimmt schon in die eine und andere Tiefe deiner Seele getaucht bist?! Ich sehe es mehr bildlich als wörtlich heute …

        Spam … normalerweise reicht es, wenn du unten anklickst, kein Spam, aber was weiß ich, Herr Ärmel musste mich auch gerade befreien, ich weiß ja auch nicht was da los ist- WP mag mich nicht mehr – lach …
        hab einen schönen Abend
        herzlichst
        Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      ich habs genauso mit dem nicht-Spam Klick gemacht, bei den andern hat es geklappt, bei diesem verschwindet dein Kommi aus dem Spam, taucht aber nicht bei den Kommentaren auf, und wenn ich zum Spam zurückgehe, ist er wieder dort. Ich habe meinen Sohn um Hilfe gebeten, der auch Administrator bei mir ist.
      Nach dem Westen kommt der Norden, gut. das verstehe ich. ist ja logisch, nach dem Sonnenuntergang kommt die Nacht. ich komme aber nicht aus dem Westen, sondern … von dem Ort, an dem ich mich grad befinde (Kalamata), und muss weiter in den Süden, also in die Untiefen des Kindes. Und wenn da der Eingang zum Hades liegt, kann einem schon etwas schummrig werden.es. Auch ich meine es natürlich bildlich😉
      Aus dem Westen komme ich nur relativ zum Osten – also vom Sonnenaufgang aus gesehen. Vielleicht ist dir aufgefallen, dass ich auf der ersten Skizze die aufgehende Sonne links platziert habe, wo man auf den Erdkarten normalerweise den Westen hat. Links bedeutet auf Bildern aber auch Vergangenheit, deshalb machte ich es so. Wenn die Sonne bei mir (an meinem jetzigen Standort) aufgeht, ist die aufgehende Sonne im Osten (über Ephesos) längst Vergangenheit. Dort steht sie schon recht hoch, wenn ich starte. Ich reise sozusagen in Richtung Vergangenheit, wenn ich nach Osten reise. Man kann auch sagen? Ich reise zum Ausgangspunkt (zum Punkt des Sonnenaufgangs, der natürlich relativ ist). (Kennst du den Roman von Eco: Die Insel des vergangenen Tages?)

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      • Ulli schreibt:

        Tatsächlich ist es mir aufgefallen, dass die aufgehende Sonne im Westen zu sehen ist und habe mich gewundert- ich danke dir für deins … das Buch von Eco kenne ich leider nicht, kann ja noch werden …
        Jetzt verstehe ich auch besser was du mit dem Weg in den Süden meinst … ich wollte es erst noch ansprechen, ließ es aber, weil ich nicht so viel fragen wollte- du hast meine Fragen trotzdem gelesen, gut so!
        Verbundene Grüße
        Ulli

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