Dienstags-Drabble: Deutsche Sprache – schwere Sprache

Eingeladen zum Dienstag-Drabbeln hat wieder Heide von der Puzzleblume. Genau hundert Wörter darf/soll der Text haben, und darin müssen die Wörter offen, Verdienst und rächen vorkommen.  Die Überschrift zählt nicht mit.

 

Deutsche Sprache – schwere Sprache

 

Schwer hat man’s mit der deutschen Sprache

Wenn man sie erst erlernen muss

Denn reimt sich Sprache wohl auf Rache?

der Rechen rächt sich wohl zum Schluss?

 

Wenn du im Winter frierst: der Ofen

Kann Wärme spenden dir, nicht wahr?

Doch steht nicht offen, will ich hoffen

Ein Fensterflügel? Wunderbar.

 

So mancher meint, dass das Verdienst

Sich auch in Münze auszahl’n wird

doch wer so denkt, mein Freund, der irrt

denn das ist nicht gleich der Verdienst

 

Wenn rächst und rechts du unterscheiden

mühsam gelernt hast mit viel Fleiß

So wirst du sicher auch vermeiden

zu meinen, Weiße seien weis.

 

https://gerdakazakou.com/wp-content/uploads/2020/10/img_5785-e1603048413759.jpg

 

 

Die Legebilder stammen aus einer Schnipselsendung von Lyrifant (Sabine). Unter diesem Stichwort findest du auch meine anderen Kreationen mit Lyrifant-Schnipseln.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 20 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Minimalistische Kunst am Himmel

Gerhard von KopfundGestalt  fragte mich gestern, worauf ich hinauswolle mit meinem Eintrag über „konkrete Kunst“. Er schrieb dann einen längeren lesenswerten Kommentar zum Thema. Genau darauf wollte ich hinaus! Dass sich Leser und Leserinnen angeregt fühlen, etwas zu dem Thema zu äußern. Ich freue mich, wenn weitgehend unbekannte oder inhaltlich schlecht gefüllte Begriffe der Kunst auf diese Weise besser verstanden werden.

Meine Fotos von geometrisch interessanten Gegenständen (Planken) oder Erscheinuungen (Horizontlinie) wollen einen visuellen Zugang zu dem anbieten, was den konkreten Künstlern im Sinne liegt.

Und heute?

Ich machte meinen gewohnten Abendspaziergang und sah den jungen Sichelmond am noch recht hellen Himmel stehen. Eine einfache, präzise Form in Silber, die weiter nichts braucht, um mich mit großer Freude zu erfüllen. Dann erschien unter der Sichel ein waagrechter goldener Strich – ich zückte das Handy, und fertig war das minimalistische Kunstwerk.

„Der Minimalismus oder englisch Minimal Art ist eine in den frühen 1960er Jahren in den USA als Gegenbewegung zur gestischen Malerei des Abstrakten Expressionismus   entstandene Kunstströmung“, weiß Wikipedia. Und weiter: „Minimalismus strebt nach Objektivität, schematischer Klarheit und Logik. Die eigene Persönlichkeit soll keinen Eingang finden in das Kunstwerk. Typisch … (ist) das Reduzieren auf einfache und übersichtliche, meist geometrische Grundstrukturen…“.

Trennscharf zu dem, was die „konkrete Kunst“ anstrebt und ausmacht, ist diese Begriffsbestimmung nicht. Vielleicht kommt es ja auch gar nicht darauf an. Ich denke und seufze mit Ulli „ach ja all diese Konzepte … “ (Kommentarstrang zum gestrigen Eintrag). Denn wo ist der Unterschied? „Der Minimalismus wurde als eine speziell amerikanische Kunstbewegung verstanden, die sich von europäischen Traditionen (etwa dem Konstruktivismus, der Konkreten Kunst, der Malerei am Bauhaus) abzugrenzen suchte,“ so Wikipedia. Man will sich abgrenzen, unterscheiden, etwas Besonderes sein, eine Marke generieren, wie Nike und Adidas, die beide Sportschuhe produzieren und jede für sich eine treue Kundschaft an sich zu binden sucht. Möge sich damit plagen, wer will.

Aber du verstehst schon, nicht wahr? Der Sichelmond am Himmel wird zum Kunstwerk erst dadurch, dass ich ihn dazu mache, indem ich ihn mitsamt dem waagrechten Strich fotografiere. Nun kannst du das Bild betrachten und dir deine Gedanken darüber machen.

Wie verschieden wirken Mondsichel und Kondensstreifen auf mich, die Betrachterin! Was macht es mit mir, dass die silberne Sichel links oben schwebt und dem Bild den gerundeten Rücken zuwendet, während das unsichtbare Flugzeug nach rechts rast und einen von der untegehenden Sonne golden gefärbten und schnell vergehenden Strich ins Taubenblau zeichnet…..

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Kunst, Leben, Spuren, Technik, Zeichnung, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 9 Kommentare

Eine Episode aus dem Leben des Katers Mauz (kata-strophische abc-etüde)

Eine neue etüden-Runde wurde von Christiane angesagt, und schon stehen alle in den Startlöchern – ich auch. Die Wörter, die es diesmal zu bedienen gilt, sind:

Schokoladenpudding – eklig – verbiegen

Gespendet wurden die Wörter von der „Entengruppe“.


Symposion

 

 Was dem Kater Mauz geschah und was man daraus lernen kann

 

Auf der Schwelle, meine Backe

Liegt ne Pfütze brauner Kacke

Iii wie eklig, meine Güte!

Und ich schimpfe und ich wüte.

 

Doch dann seh ich, wenig später

Den Verursacher und Täter

Armer Mauz, du leidest wohl,

hast genippt am Alkohol?

 

Hast gefressen von den Resten

Hinterlassen von den Gästen

Essen gab es ja zuhauf.

Was war auf den Tellern drauf?

 

Koteletts, Kartoffelbrei

Blumenkohl und Spiegelei

Auch Salate

und Patate

und Gemüseallerlei.

 

Von den Speisen, ungelogen,

hat sich gar der Tisch verbogen 

Es gab auch Schnaps und Bier und Wein,

Doch Schokoladenpudding? Nein!

 

Das Zeug hier ist von allem was

Zudem ist es pitschpatschenass.

Igitt, nun ja, der Kater wusste

Wohl nicht wohin, als er dann musste

 

Und schiss es hin gleich vor die Türe

Auf dass die Welt davon erführe:

So geht’s, wenn man das Maß vergisst

Und sich ganz maßlos überfrisst.

 

Die Arbeit freilich hat die Frau

Der Kater guckt und sagt „miau“.

https://gerdakazakou.com/wp-content/uploads/2024/03/img_6714a.jpg

 

Veröffentlicht unter abc etüden, Allgemein, Erziehung, Katastrophe, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Philosophie, Tiere, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , | 16 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Konkrete Kunst am Meer (Kunst zum Sonntag)

Konkrete Kunst ist – im Gegensatz zu dem, was einem zuerst bei dem Wort einfällt – hoch abstrakt. Oder genauer: nicht einmal abstrakt ist die konkrete Kunst!

„Sie ist im eigentlichen Sinne nicht abstrakt, da sie nichts in der materiellen Realität Vorhandenes abstrahiert, sondern im Gegenteil Geistiges materialisiert, keine symbolische Bedeutung besitzt und mehr oder weniger rein durch geometrische Konstruktion erzeugt ist,“ informiert uns Wikipedia.

Wenn du Substantielles zum Thema erfahren willst, schau bei Lars Hausschild und seinem Blog arte concreta vorbei. Bei mir bekommst du nur Irreführendes zu sehen. Denn die Bilder, die folgen, sind nicht, wie es die „konkreten“ Künstler gern hätten, „vor ihrer Materialisierung zunächst im Kopf“ entstanden. „Im Extremfall werden deren Entstehungsprinzipien so stringent im Kopf vorformuliert, dass sie sich fast wie mathematische Formeln darstellen ließen“. Meine Bilder sind ohne wesentliche Beteiligung des Kopfes und ohne mathematische Formeln entstanden.

Ich machte ein Päuschen in einem Cafe am Meeresstrand. Und sah mich um. Das war alles.

Mein Kleid, die Planken, die Schirmständer, der Horizont … all das brachte Winkel, Kreise, Geraden in mein Blickfeld. Um zur „konkreten Kunst“ zu werden, brauchte ich nur einen geeigneten Ausschnitt zu wählen, zB die Planken, und als wohlkalkulierte Störung der Monotonie ein paar Kiesel einzubeziehen.

Oder ist das schon zu viel? Muss ich mich um größere Enthaltsamkeit bemühen? Wie wärs hiermit?

Ein Merkmal der „konkreten Kunst“ ist ihre Neigung, Serielles herzustellen. Zum Beispiel Quer-Linien, die zu Längs-Linien mutieren, und umgekehrt. Da begreift der wissensdurstige Betrachter auch, was es mit längst und quer auf sich hat. 

In der Natur, so hört man oft, gebe es keine Geraden. Außer dem Horizont … der freilich bei genauerem Nachdenken auch keine Gerade, sondern eine Kreislinie ist. Eine sehr große Kreislinie, so groß, dass sie den Erdball umspannt. Die kleine Kreislinie des Wassers in meinem Wasserglas brachte ich, in die Sonne blinzelnd, mit der großen Kreislinie des Meereshorizonts zur Deckung. Und drückte auf den Auslöser des Handys. Ha! geklappt!

Veröffentlicht unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Fotocollage, kleine Beobachtungen, Kunst zum Sonntag, Leben, Tagebuch der Lustbarkeiten, Vom Meere | Verschlagwortet mit , , , , , | 12 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Nieselregen, Meeresrauschen und Kolokythokoufades

Bei Nieselregen auf das Rauschen des Meeres lauschen und Kolokythokoufades essen – das war eine meiner heutigen Lustbarkeiten. Kolokythokoufades sind, wie der Name sagt  ( 🙂 ), ein Gericht aus kleinen Zycchini und Zucchini-Blüten. Den Rest kennt ihr sicher selbst, aber ein kleines Video mag die Erinnerung auffrischen.

 

Ich hatte das angenehme Gefühl, mich auf einem Schiff zu befinden und von meinem Platz aus dem immer anrollenden Meer zuzuschauen.

Wir waren am Samstag mittag fast die einzigen Gäste. Nur ein italienisches Paar teilte unsere Freuden. Die meisten Tische und Liegen waren bereits weggeräumt, die Saison ist zu Ende.

Bin ich eine Egoistin, wenn mir diese Zeit der leeren Tische besser als die Hochsaison gefällt?

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Leben, Natur, Psyche, Tagebuch der Lustbarkeiten, Vom Meere, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 11 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: das Plakat für „Kunst hilft“ wird ausgehängt

Vor fast genau einem Jahr hatte ich die Idee, meine im Atelier verstaubenden Bilder zu sichten und sie auf Spendenbasis unter die Leute zu bringen. Damit wollte ich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen (pardon, Insektenfreunde, ich meine es nicht wortwörtlich!): mein Atelier entlasten, Hilfsprojekte finanzieren und meinen Bildern eine schönere Heimat geben.

Die Idee reifte hier im Blog, denn ich wollte ursprünglich „aussortieren“ und nur weniges behalten, das andere entsorgen. Ihr aber, liebe hier Mitlesende, fandet meine Bilder zu schade, um sie in den Müll zu werfen, und so entstand die Idee, sie nutzbar zu machen.

Inzwischen ist einiges passiert. Nicht wenige der Bilder haben einen neuen Besitzer gefunden, manche sind nach Deutschland und Österreich gewandert, andere hängen an neuen Wänden in Kalamata und in der Mani, eines schaffte es sogar bis nach Brasilien. Und die Hilfskasse füllte sich.

Meine ursprüngliche Absicht, die Bilder in kleinen Ausstellungen zu zeigen, ist nun auch der Realisierung nahe. Eine befreundete Graphikerin machte das Plakat, eine andere Freundin gab die Datei zum Druck, eine dritte erbot sich, für den Transport der Bilder zu sorgen und beim Hängen zu helfen. Die Plakate werden ausgehängt und in den Social media wird ein „event“ geschaffen. Etwa 40 kleinere Bilder habe ich zum Aushängen vorbereitet. Heute kamen zwei Frauen zu Besuch ins Atelier und fänden es gut, auch große Bilder zu zeigen. Mir soll es Recht sein.

Das Plakat wirkt vielleicht etwas düster – aber ich entschied mich schließlich für das obige, das sowohl herbstlich als auch kraftvoll ist. Die Alternative war die zarte Birke. Jetzt, wo ich beide gegenüberstelle, bin ich unsicher, aber egal: das Plakat ist, wie es ist, und es wird wohl seine Funktion erfüllen.

In einer Woche ist die Eröffnung. Das Begleitprogramm ist noch im Werden (Art Psy-Event, Malen mit Kindern, Theater und Masken machen, Tanzen… stehen zur Diskussion).

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, ausstellungen, events, Kunst, Leben, Malerei, Meine Kunst, Projekt Alternativen | Verschlagwortet mit , , , , | 45 Kommentare

Jünglingsmaske (tägliches Zeichnen, digitale Bearbeitung)

Eigentlich wollte ich die ausgeliehenen Gipsköpfe nur einwickeln, um sie der Zeichenschule zurückzuerstatten. Da fand ich die Jünglingsmaske auf dem blauen Tuch plötzlich so interessant, dass ich sie noch einmal zeichnen wollte.

Die Perspektive war schwierig, da die Maske auf dem Boden lag. Und so schätzte ich den unteren Teil des Gesichts zu groß ein, wie sich beim Überblenden zeigte.

Ich fand die Zeichnung dennoch interessant genug, um sie mit ein paar Filtern in eine eindrucksvolle Maske zu verwandeln, die freilig nichts mehr von der klassischen Schönheit hat.

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, elektronische Spielereien, Meine Kunst, Methode, Skulptur, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , | 6 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Ein Geburtstagslied für Sophia singen

Gestern habe ich mich getraut, für Sophia ein Geburtstagslied zu singen. Heute traue ich mich, es hier zu posten. Mut hat auch der kleine Muck! Das „innere Kind“ braucht mal ne Bühne.

Sophia, die zu unserer Helfergruppe gehört, stellt mir ihr Yoga-Studio für meine Ausstellung „Kunst hilft“ zur Verfügung. Ihr Brot verdient sie nicht so sehr durch Yoga wie durch …Backen. Sie stellt traditionelle Backwaren her: Zwieback, Kekse, „Diples“, „Kourabiedes“, Spezialkuchen – alles in einer Backstube mit angeschlossenem kleinem Geschäft. So verdient sie das Lebensnotwendige für sich und ihre kleine Tochter.

Veröffentlicht unter Allgemein, Leben, Musik, Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , , , , | 6 Kommentare

Dienstags-Drabble: Was ist Unflat? Ein Sachtext

Hundert  Wörter darf und muss ein Drabble enthalten. Drei davon sollen, so will es Puzzleblume, diesmal die Wörter Blicke – unflätig – auftragen sein.

Unflat – ein kurzer Blick auf die kulturelle Relativität des Begriffs

Was bei unseren Vorfahren  wohl unvlāt war? „Unsauberkeit“ – lese ich. Aber was wurde als Unsauberkeit empfunden? Im Mittelalter wars sicher nicht dasselbe wie im prüden 18. Jahrhundert, und heute, im 21. Jahrhundert: was ist schmutzig in deutschen Landen und anderswo?

In manchen Kulturen wird schon ein Blick auf gewisse Körperteile als „unflätig“ empfunden … ach, was sage ich: ein Haar, das unter dem Kopftuch hervorquillt, kann heute dieselben Gefühle von Scham, Provokation und Verstörung auslösen wie ein dick aufgetragener Lippenstift, eine Busenspalte oder ein entblößtes Genital – es hängt ganz ab vom Publikum und kulturellen Kontext. Die Olympiade machte es überdeutlich.  

Veröffentlicht unter Allgemein, Drabble, Erziehung, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst | Verschlagwortet mit , , , , , | 7 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Im Abendlicht

Ich bin zurück in der Mani und machte gegen halb sieben am Abend einen Spaziergang hinunter zu „meiner“ Bucht. Es stürmt, der Himmel ist wolkenleer und tief blau, die Luft sehr trocken. Jetzt, am Abend, leuchten die Farben stärker als am Tag. Die Meerzwiebeln öffnen ihre Blütenstände.

Ich weiß, am klügsten wäre es, nur ein Foto zu zeigen.

Aber geht nicht, denn die anderen wollen auch hier erscheinen. Zum Beispiel die Kater Lin und Lan, die es sich nicht nehmen ließen, mich die halbe Strecke zu begleiten.

Oder der Ölbaum vor der Sonne.

Der Feigenkaktus mit den reifenden Früchten

Der Blätterkranz der verwelkten Artischocke

und natürlich das Meer. Es fiel mir sehr schwer, nicht hineinzuspringen. Aber ich bedachte, dass ich nicht mehr so jung bin und das Herauskommen womöglich schwierig wäre, angesichts der Brandung.

In der Ferne sah ich einen jungen Mann, der diese Bedenken nicht teilte. Glückliche Jugendkraft!

Aber ich beklage mich nicht. Ich hätt es schon noch schaffen können, aber es muss ja nicht sein. Es ist genug der Freude, der Gischt und den glänzenden runden Steinen Gesellschaft zu leisten.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Leben, Natur, Psyche, Tagebuch der Lustbarkeiten, Tiere, Vom Meere, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 15 Kommentare