Auf dem runden Eisentisch im Gartenstück vor meinem Atelier liegt ein Buch von Stefan Zweig (1881-1942): „Die Welt von gestern“. Es ist angenehm, dort im Halbschatten des Olivenbaums zu sitzen und sich vorzustellen, wie die Welt „damals“, im Wien der Vorkriegsjahre war – das heißt: vor dem Ersten Weltkrieg, als es noch die Hauptstadt der Habsburger Monarchie war. Auf allem liegt ein leichter Goldglanz – genauso wie auf meinem Garten an diesem Maien-Nachmittag.
Grad beendet habe ich die Biografie eines anderen deutschen Dichters und Exilanten: Heinrich Heine (1797-1856). Ludwig Marcuse (1894-1971, Exilant seit 1933), der diesen Dichter sehr liebte, veröffentlichte seine große Studie über Heinrich Heine 1932 und fügte später noch ein paar Kapitel hinzu.
Heines Lebenszeit erstreckte sich von seiner Geburt im kurpfälzisch-bayrischen Düsseldorf bis zu seinem Sterben im Paris der Restauration, wohin er sich selbst exiliert hatte.
Zweigs Lebenszeit erstreckte sich vom Habsburger Wien bis zum Freitod im brasilianischen Exil.
Ich selbst wurde in Zweigs Todesjahr geboren …. und sitze nun im Frieden der südlichen Sonne, sinniere über 228 Jahre deutscher politischer Kämpfe, Katastrophen und Schicksale und versuche, die Linien zusammenzufügen, die Muster zu erkennen.






Die beiden treten in einer abc-etüde auf. Und wie ich eben nachlas, fand Bruni es schade, wenn die beiden sogleich wieder vergehen würden. Sie schrieb:
Diese Damen haben ihr Haar ordentlich unter einer Haube verborgen und die Augen niedergeschlagen. Jetzt dürfen wir sie betrachten, ohne dass die Gefahr besteht, dass sie zurückschauen. Also betrachten wir sie. Und was sehen wir? Nichts. Weiße verschlossene Gesichter. Brav, tugendhaft, glatt vermeiden sie jeden persönlichen Ausdruck, der als Initiative gedeutet werden könnte. Sie sind Erwartende, schlafende Prinzessinnen, und ein Mund wird ihnen erst erblühen, wenn ein Prinz mit dem Herrn Vater eine ordentliche Mitgift ausgehandelt hat.





Dazu schrieb ich:
