112 Stufen, Nähe (Christian Morgenstern)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Zum Wort „Nähe“ fällt mir ein tiefsinniges genderndes Spaßgedicht von Christian Morgenstern ein.

Legebild mit bemalten zerkratzten Glasscherben

 

Christian Morgenstern

Nähe

Die Nähe ging verträumt umher.

Sie kam nie zu den Dingen selber.

Ihr Antlitz wurde gelb und gelber,

und ihren Leib ergriff die Zehr.

 

Doch eines Nachts, derweil sie schlief,

da trat wer an ihr Bette hin

und sprach: »Steh auf, mein Kind, ich bin

der kategorische Komparativ!

 

Ich werde dich zum Näher steigern,

ja, wenn du willst, zur Näherin!« –

Die Nähe, ohne sich zu weigern,

sie nahm auch dies als Schicksal hin.

 

Als Näherin jedoch vergaß

sie leider völlig, was sie wollte,

und nähte Putz und hieß Frau Nolte

und hielt all Obiges für Spaß.

 

Legebild mit Brunis Schnipseln

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Tolstoi lesen (Vorrede zu „Hadschi Murat“)

Seit ich ein Lesegerät habe, das mir gestattet, auch dicke Bücher zu lesen, ohne zu ermüden, zumal ich die Schriftgröße einstellen kann, habe ich mich wieder an große Romane gewagt. Es begann, angeregt durch die Besprechungen von Alexander Carmele und Xeniana, mit den „Projektoren“ von Clemens Meyer. Dann erstand ich auch die Gesammelten Werke von Tolstoi als e-book und habe schon die drei Romane „Krieg und Frieden“, „Anna Karenina“ und „Auferstehung“ verschlungen. Wer der Übersetzer ist, weiß ich leider nicht.

Ganz und gar fasziniert bin ich von Tolstois Landschaftsschilderungen. Genaueste Beobachtung und Beschreibung treffen da zusammen mit leidenschaftlichem Mitfühlen und erzeugen mit den Mitteln einer ganz unverstellten Sprache eine geistige Atmosphäre, die schon alles enthält, was in der Menschenhandlung dann zur Ausführung kommt.

Und so will ich heute hier einen solchen Text abschreiben, den ich gerade las. Es ist die Vorrede zur Erzählung „Hadschi Murat“.

Leo Tolstoi

Hadschi Murat.

Vorrede

Ich ging quer über die Felder nach Hause. Es war mitten im Hochsommer: Das Heu auf den Wiesen war bereits abgeerntet, und man ging daran, den Roggen zu mähen.

Es gibt um diese Zeit eine köstliche Auswahl von Feldblumen: da sind die in Rot, Weiß oder Rosa prangenden, duftigen, flaumig-weichen Kleeblüten, und die milchweißen, angenehm herb riechenden Sterne der Kamille mit dem grellgelben Kreis in der Mitte, und der gelbblühende Ackersenf mit seinem Honiggeruch, die schlanken, tulpenartigen, lila und weiß gefärbten Glockenblumen, die kriechenden Wicken, die gelben, roten und rötlichen Skabiosen, der ins Bläuliche spielende kolbenförmige Wegerich mit dem leicht rosig angehauchten Flaum und dem kaum merklichen feinen Aroma, die anfänglich,zumal in der Sonne, hellblauen, später nachdunkelnden und zuletzt ins Rötliche übergehenden Kornblumen und die zarten, nach Mandeln duftenden, rasch welkenden Winden.

Ich hatte einen großen, in allen möglichen Farben prangendenStrauß gesammelt und ging nach Hause, als ich im Graben eine prächtige himbeerfarbene, in voller Blüte stehendeDistel erblickte, von der Art, die man bei uns zu Lande „Tatarendistel“ nennt und beim Mähen vorsichtig umgeht, falls sie jedoch zufällig von der Sense getroffen wird, sorgfältig aus dem Heu aufliest, damit man sich an den Stacheln nicht verwunde. Ich kam auf den Gedanken, diese Distel zu pflücken und mitten in meinen Strauß zu setzen. Ich stieg in den Graben hinab, trieb eine zottige Hummel, die sich in der Distel festgesogen hatte und darin süß und sanft entschlummert war, von ihrem weichen Plätzchen und machte mich daran, die Blüte zu pflücken.

Das war jedoch keineswegs leicht: nicht nur, dass der stachelige Stengel#, selbstnachdem ich meine Hand mit dem Taschentuch umwickelt hatte, nach meinen Fingern stach; er war auch so widerstandsfähig und fest, dass ich wohl fünf Minuten lang förmlich mit ihm kämpfte und jede Faser einzeln durchreißen musste. Als ich die Blume endlich gepflückt hatte, war der Stengel schon ganz zerfetzt und zerfasert, und auch die Blüte selbst schien nicht mehr so frisch und schön, überdies passte sie mit ihrer plumpen groben Form nicht recht unter die übrigen zarten Blüten des Straußes. Ich bedauerte, die Blume, die an ihrem Platze recht schön gewesen war, unnützerweise abgerissen zu haben, und warf sie fort. „Welche Energie, welche Lebenskraft steckte doch in dieser Blume!“ ging es mir durch den Sinn, als ich an die Anstrengungen dachte, die es mich gekostet hatte, sie zu pflücken. „Wie verzweifelt hat sie sich gewehrt, wie teuer ihr Leben verkauft!“

Der Weg zum Hause führte über frisch gepflügtes, schwarzes, fettes Brachland. Ich schritt auf der staubigen, dunklen Straße daher, einen flachen Abhang hinauf. Das gepflügte Land gehörte zum Gute und war sehr groß: zu beidenSeiten, wie auch nach vorn, sah man nichts als schwarzes, gleichmäßig durchfurchtes, noch nicht geeggtes Ackerland. Der Pflug hatte hier gute Arbeit geleistet, nirgends auf dem weiten Felde sah man auch nur ein Pflänzchen, einen Grashalm, alles war gleichförmig schwarz.

„Was für ein zerstörungsüchtiges Wesen ist doch der Mensch, wieviel lebende Organismen mannigfachster Art vernichtet er, um sein eignes Leben zu erhalten!“ dachte ich, während ich unwillkürlich nach irgendeiner Spur von Vegetation inmitten dieses toten schwarzen Feldes ausschaute. Vor mir, rechts vom Wege, erblickte ich etwas wie einen kleinen Strauch. Als ich näher heranging, sah ich. dass es gleichfalls eine Tatarendistel war, von derselben Art wie jene, die ich vorhin um ihren Blütenschmuck gebracht hatte.

Die Sistelstaude bestand aus drei Stengeln. An dem einen war die Blüte abgerissen, und der Stumpf starrte in die Luft wie ein Arm, dessen Hand abgehauen war. Die beiden anderen Stengel trugen jeder eine Blüte. Diese Blüten wareneinstmals rot gewesen, jetzt aber waren sie ganz schwarz. Der eine Stengel war geknickt, und die obere Hälfte mit der unansehnlichen Blüte an der Spitze hing herab; der andere Stengel war zwar von schwarzer Erde beschmutzt, doch ragte er immer noch gerade empor. Man sah, dass ein Rad über den ganzen stacheligen Busch hinweggegangen war, dass er sich dann aber wieder aufgerichtet hatte, wenn auch nicht ganz, denn er stand ziemlich schief, aber er stand doch jedenfalls, wie ein Mensch, dem ein Stück Fleisch aus dem Leibe gerissen, dem die Eingeweide umgekehrt, ein Arm ausgerenkt, ein Auge ausgestochen worden, der aber immer noch dasteht und dem Feinde nicht weicht, dessen Hiebe alle seine Brüder ringsum niedergemäht haben.

„Welche Energie!“ dachte ich – „alles hat der Mensch hier besiegt, Millionen von Kräutern und Gräsern ht er vernichtet, und nur dieses eine leistet ihm Widerstand.“ Und ich erinnerte mich einer Geschichte aus vergangener Zeit, aus der Epoche der Kaukasuskämpfe, die ich zum Teil miterlebt hatte, zum Teil aus den Schilderungen anderer Augenzeugen kannte und zum Teil aus der Phantasie ergänzte. Diese Geschichte, wie sie in meiner Erinnerung und meiner Vorstellung sich gestaltet hat, lasse ich nun hier folgen.

Dieses Bild fand ich auf der Seite „Distelblüten – Russenkinder in Deutschland„. Es bezieht sich ausdrücklich auf den oben abgedruckten Text und ist den Kindern deutscher Frauen und russischer Besatzungssoldaten gewidmet. Zur Herkunft des Bildes heißt es erklärend: „Dieses Bild erreichte uns am 4. Mai 2018 als Geschenk von Ursula Scott, Washington State USA.“ Durch diesen Fund erhält der obige Text noch einmal eine neue Deutung.

 

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112 Stufen, 18: Ehrlichkeit (Ringelnatz)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

„Ehrlich!“, sagen wir oft, um zu betonen, dass wir nicht lügen und täuschen wollen. Wir betonen, dass wir bei der Wahrheit zu bleiben belieben. Doch selbst wenn wir tatsächlich diese Absicht haben – kennen wir denn „die Wahrheit“? Werden wir nicht ständig selbst belogen und betrogen, getäuscht und in die Irre geführt, und wiederholen all die Lügen, die uns aufgetischt werden, gutmütig-ehrlich, weil wir sie für die Wahrheit halten?

Natürlich halten wir nicht alles, was man uns sagt, für die Wahrheit, sondern nur das, was uns „einleuchtet“. Und was leuchtet uns ein? Was unseren Interessen und unserem Lebenskreis entspricht. Diese Wahrheit verkünden wir in ehrlicher Absicht und wundern uns sehr, wenn wir dafür kein Lob ernten. Denn ach, andere kommen zu anderen Wahrheiten, die sie mit gleich ehrlicher Absicht vertreten. Und dann gibts Streit.

Streit.

Joachim Ringelnatz

Mächtig ist die Ehrlichkeit.
Glückt es listigen Gewalten,
Sie im Gradweg aufzuhalten,
Immer nur für kurze Zeit.

Doch die kurze Zeit kann lang sein,
Länger als ein Flügelheben,
Länger als ein wartend Leben,
Und das Ehrliche kann bang sein.

Die um Falsch und Ehrlich deuten,
Ältere mit jüngren Leuten,
Irreleitend, irrgeleitet,
Wie’s um Falsch und Ehrlich streitet – –,

All die Zeit, die sie vergeuden,
Könnte die mit Lustspielfreuden
Besser ausgenossen sein?
Ich sag: Nein!

Wenn ich doch so ehrlich wäre
Wie ein neugebornes Kind,
Und mich trüge dann ein Wind –
Freiballons – ins Ungefähre.

Schlag mich einer flach und breit:
Mächtig ist die Ehrlichkeit.

(zitiert nach: Die deutsche Gedichtebibliothek)

Eigentlich bleibt nur: sich selbst gegenüber möglichst ehrlich zu sein. Ehrlich auch in seiner Kunst sein, die Begrenztheit des eigenen Talents, der eigenen Bedeutung anerkennen, und dennoch fleißg sich bemühen und nicht hochstapeln. Das liegt Ringelnatz am Herzen, auch wenn Flunkereien und Seemansgarn durchaus zu seinem poetischen Arsenal gehörten.

Jener kleinsten ehrlichen Artisten
Denk‘ ich, die kein Ruhm belohnt,
Die ihr Dasein ärmlich, fleißig fristen
Und in denen nur die Zukunft wohnt.

In Programmen stehen sie bescheiden,
Und das Publikum bleibt ihnen stumm.
Dennoch geben sie ihr Bestes und beneiden
Größre nicht. Und wissen nicht, warum.

Grober Dünkel drückt sie in die Ecken.
Ihre Grenze ist der Rampenschein.
Aber nachts vor kleinen Mädchen recken
Sie sich auf in Künstlerschwärmerein.

Die ihr bleiben sollt, wo wir begonnen,
Mögt ihr ruhmlos sein und unbegabt,
Doch euch tröstet: Uns ist viel zerronnen,
Schönes, was ihr jetzt noch in euch habt.

Ehrlichkeit ist Kunst und derart selten,
Daß es wenig Wichtigeres gibt.
Euer Schicksal wird euch reich vergelten,
Daß ihr euer Schicksal habt geliebt.

(zitiert nach Projekt Gutenberg)

 

 

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Dienstags-Drabble: Heiligsprechung eine*s/r Soldat*en/in (kata-strophisch ungereimt)

Das heutige Dienstags-Drabble von Heide (Puzzleblume) verlangt, die Wörter Kapelle – schicken – endlich in einem Text von 100 Wörtern unterzubringen. Da fiel mir eine Legende aus Arkadien ein. Dort gibt es eine wundersame kleine Kirche, auf deren Dach große Bäume wachsen. Niemand kann sich recht erklären, wie es möglich ist, dass das Dach solche riesigen Bäume tragen kann (mehr dazu  hier).

Die Legende spielt im 12. Jahrhundert zu byzantinischer Zeit, passt aber auch gut in unsere gender-verwirrte, soldatische Epoche. Ob auch die Heiligsprechung von Trans-Soldat*innen reaktiviert wird?

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An dem Bache der durch Wälder

Seine klaren Wasser schickte

Lebte einstens Theodora

Tapfre Tochter armer Leute

 

Um die Ihren zu entlasten

Von dem Strafgeld, weil sie keinen

Sohn zu der Armee konnt schicken

Ließ sie sich als Mann anwerben

 

Doch verliebte sich ein Weibchen

In den zarten Weib-Soldaten.

Und so kams, dass, als es schwanger

diese/n vor Gericht anklagte:

 

Theodora sei der Vater.

Die blieb stumm, zum Tod verurteilt.

Doch sie betet’, dass ihr Leichnam

eine Waldkapelle werde

 

ihre Haare aber Bäume.

So geschahs. Und als man endlich

Sah dass diese hier kein Mann war

Sprach man Theodoren heilig.

Die Schnipsel zu diesem Legebild hat mir Myriade gespendet.

 

 

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112 Stufen, 17: Lachen (Günther Grass)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Vom Sprechen geht es eine Stufe hinauf zum Lachen. Und sofort fällt mir Günther Grass mit seinem bösen „Kinderlied“ von 1958 ein. Es verbindet sich durch „Sprechen und Schweigen“ mit der vorigen Stufe.  Der hämmernde Rhythmus der ersten Strophe hat sich mir tief eingeprägt.

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Alfred Eistenstaedt, Kinder im Puppentheater, 1963

 

Kinderlied

Wer lacht hier, hat gelacht?
Hier hat sich’s ausgelacht.
Wer hier lacht, macht Verdacht,
daß er aus Gründen lacht.

Wer weint hier, hat geweint?
Hier wird nicht mehr geweint.
Wer hier weint, der auch meint,
daß er aus Gründen weint.

Wer spricht hier, spricht und schweigt?
Wer schweigt, wird angezeigt.
Wer hier spricht, hat verschwiegen,
wo seine Gründe liegen.

Wer spielt hier, spielt im Sand?
Wer spielt, muß an die Wand,
hat sich beim Spiel die Hand
gründlich verspielt, verbrannt.

Wer stirbt hier, ist gestorben?
Wer stirbt, ist abgeworben,
Wer hier stirbt, unverdorben
ist ohne Grund verstorben.

Selbstverständlich wurde immer und wird weiterhin gelacht, auch wenn es den Mächtigen nicht gefällt. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ (Otto Julius Bierbaum (1865–1910) .

Nationalmuseum für Anthropologie,  Mexiko City , Vitrine mit „Lachenden“ der aztekischen Kultur (2006)

Über die Kraft des Lachens habe ich im Dezember 2016 einen Blog-Eintrag gemacht, und zwar im „Griechischen Alphabet des freien Denkens“, das ich parallel zu Ulli Gaus „Alphabet des mutigen Träumens“ entwickelte.

Alphabet des freien Denkens: Γ wie γέλιο

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112 Stufen, 16: Sprechen (Schiller)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Fünfzehn Stufen habe ich bereits erklommen und der erste Treppenabsatz ist erreicht. Aufatmend schaue ich zurück. Das war ein spannender Weg, auf dem ich sehr Unterschiedliches in meinem Gedächtnis fand. Merkwürdig war mir, wie sich die einzelnen Stücke trotz aller Verschiedenheit lebensgeschichtlich verbanden.

Ich rekapitulierere, hinabblickend: Vergeben (Ricarda Huch, Tolstoi) – Gewissen (Degenhardt) – beschützen (Hesse) – Jauchzen (Johann Sebastian Bach) – Ehre (Goethe, Faust) – Familie (Cooper) – Erschrecken (Lukas-Evangelium) – Angst (Kaléko) – Unschuld (Nietzsche) – Heimat (Fontane) – Liebkosen (Tolstoi) – Wärmen (Wolfgang Borchert) – Mutter (Tucholsky) – Streicheln (Steinbeck) – Glück (Goethe).

Und nun gehts zur nächsten Stufenfolge, beginnend mit dem Wort „Sprechen“. Als erstes  kommt mir Schillers Ballade „Die Bürgschaft“  in den Sinn. Hier wird das Sprechen zum mutigen Geständnis (ja, ich war’s) und zugleich zum Versprechen, zum Schwur der Freundestreue, die der Todesdrohung standhält.

Wann gilt es zu sprechen, wann ist das Schweigen die stärkste Antwort? Wann steigert sich das Sprechen zum Rufen, zum flehenden Gebet, wann wird es zum beiläufigen Sagen? Auch die Natur spricht, es donnern die Wogen, die geschwätzige Quelle murmelt…

Der Tyrann Dionys


Friedrich Schiller, Die Bürgschaft (1798)

1. Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande;
Ihn schlugen die Häscher in Bande.
«Was wolltest du mit dem Dolche, sprich
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
«Die Stadt vom Tyrannen befreien!»
«Das sollst du am Kreuze bereuen!»


2. «Ich bin», spricht jener, «zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben;
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
Ich lasse den Freund dir als Bürgen
Ihn magst du, entrinn ich, erwürgen.»


3. Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
«Drei Tage will ich dir schenken.
Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh du zurück mir gegeben bist,
So muss er statt deiner erblassen;
Doch dir ist die Strafe erlassen


4. Und er kommt zum Freund:«Der König gebeut,
Dass ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben;
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit.
So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme, zu lösen die Bande.»


5. Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen;
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.


6. Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen.
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab
Da reißet die Brücke der Strudel hinab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Des Gewölbes krachenden Bogen.


7. Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land;
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.

8. Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
«O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muss der Freund mir erbleichen.»

9. Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
Und Welle auf Welle zerrinnet,
Und Stunde an Stunde entrinnet;
Da treibt ihn die Angst, da fasst er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom – und ein Gott hat Erbarmen.

10. Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte;
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubet Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.

11. «Was wollt ihr?», ruft er vor Schrecken bleich,
«Ich habe nichts als mein Leben,
Das muss ich dem Könige geben!»
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
«Um des Freundes willen erbarmet euch!»
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.

12. Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet, sinken die Knie:
«O, hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!»

13. Und horch! da sprudelt es silberhell
Ganz nahe wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen.
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.

14. Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn
Will eilenden Laufes vorüberfliehn.
Da hört er die Worte sie sagen:
«Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.»

15. Da schimmern in Abendrots Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus
Und entgegen kommt ihm Philostratus
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:

16. «Zurück! Du rettest den Freund nicht mehr
So rette das eigene Leben! Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr;
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.»

17. «Und ist es zu spät und kann ich ihm nicht
Ein Retter willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blutge Tyrann sich nicht,
Dass der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht;
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue.»

18. Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:
«Mich, Henker», ruft er, «erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!»

19. Und Erstaunen ergreifet das Volk umher;
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Auge tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär;
Der fühlt ein menschliches Rühren
Lässt schnell vor den Thron sie führen.

20. Und blicket sie lange verwundert an;
Drauf spricht er: «Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn;
So nehmet auch mich zum Genossen an.
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der Dritte.»

Zuschauer der abgesagten Kreuzigung

 

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112 Stufen, 15: Vergeben (Ricarda Huch, Tolstoi, Matthäus-Evangelium)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Das erste, was mir zu diesem Wort „Vergeben“ einfiel, war das Gedicht von Ricarda Huch: „Mein Herz, mein Löwe“, wo sie schwört, niemals zu vergeben und zu vergessen, sondern weiter zu hassen das Böse, das Verfluchte, das sie nicht benennt, das ich aber stets mit den Verbrechen des Nationalsozialismus assoziiert habe. Das Gedicht wurde 1944 im Band „Herbstfeuer“ veröffentlicht. Ricarda Huch lebte von 1864-1947.

Mein Herz, mein Löwe, hält seine Beute fest,
Sein Geliebtes fest in den Fängen,
Aber Gehaßtes gibt es auch,
Das er niemals entläßt
Bis zum letzten Hauch,
was immer die Jahre verhängen.
Es gibt Namen, die beflecken
Die Lippen, die sie nennen,
Die Erde mag sie nicht decken,
Die Flamme mag sie nicht brennen.
Der Engel, gesandt, den Verbrecher
Mit der Gnade von Gott zu betauen,
Wendet sich ab voll Grauen
Und wird zum zischenden Rächer.
Und hätte Gott selbst so viel Huld,
zu waschen die blutrote Schuld,
Bis der Schandfleck verblaßte –
Mein Herz wird hassen, was es haßte,
Mein Herz hält fest seine Beute,
Daß keiner dran künstle und deute,
Daß kein Lügner schminke das Böse,
Verfluchtes vom Fluche löse.

Dieses Gedicht hat mich schon früh fasziniert und erschreckt. Nein, mein Herz ist kein Löwe, das empfand ich. Ich wollte den blutigen Fetzen nicht im Maul herumtragen, aber ausspucken konnte ich ihn auch nicht. So würgte es mich und würgt mich bis heute. Natürlich hatte ich eigentlich nichts zu vergeben, denn mir war ja nichts Böses geschehen, nicht wahr? Ich persönlich hatte auch nichts Böses getan, da war ja „die Gnade der späten Geburt“, die mich exkulpierte. Und doch, es war „im Namen des deutschen Volkes“ geschehen, und es nutzte gar nichts zu behaupten, ein solches Volk sei eine Fiktion und sogar etwas, dessen Erwähnung der Verfassungsschutz neuerdings als rechtsextrem einstuft….

Ich möchte dem Gedicht von Ricarda Huch, das mich in seiner Radikalität nicht nur fasziniert, sondern auch verstört hat, einen anderen Text entgegensetzen: Tolstois „Auferstehung“, 1899 erschienen.  Diesen dritten großen Roman Tolstois beendete ich gestern abend.

Katjuscha und Matrjana, die alte Dienerin der Tanten, während der Ostermesse in Panowo (Illustration von Leonid Pasternak)

Ich beziehe mich auf die letzten Seiten des Romans. Der Protagonist, Fürst Nechliudow, der einem Zug von Strafgefangenen nach Sibirien gefolgt ist, da er sich an dem Schicksal der Gefangenen Katjuscha schuldig findet, ist verzweifelt über die Einrichtung der Welt, die dazu führt, dass das Böse sich immer fortpflanzt und vermehrt. Die Strafjustiz hilft nicht nur nicht, dass es weniger Verbrechen gibt, sondern sie bringt das Verbrechen oft erst hervor, indem sie straffällig gewordene Menschen durch die Bedingungen der Haft zu Schwerverbrechern macht.

Nach einem schrecklichen Besuch im Gefängnis schlägt er das Evangelium auf, das er gerade geschenkt bekommen hat, und liest bei Matthäus: „21 Da trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist es genug siebenmal? 22 Jesus sprach zu ihm: ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebenzig siebenmal.“

Nun folgt das Gleichnis: „Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechten rechnen wollte.“ Als erstes kommt ein Knecht, der schuldet zehntausend Pfund, und der Herr befiehlt ihm, Haus und Hof und seine Frau und Kinder zu verkaufen, um die Schulden zu begleichen.  Der Mann fleht um Aufschub und Schuldenerlass und erhält sie auch. So von seiner Schuldenlast befreit, geht er hinaus zu einem Mitknecht, der ihm hundert Groschen schuldet. Er erhört nicht das Flehen des Schuldners, sondern lässt ihn ins Gefängnis werfen. Der König ist sehr erzürnt, als er davon hört. . . „32 Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest. 33 Solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?“

Tolstoi beschreibt nun die Wirkung dieser Lektüre auf Nechliudow. „Und es geschah mit Nechliudow, was oft geschieht mit Menschen, die ein geistiges Leben leben. Es geschah, dass der Gedanke, der ihm erst als eine Absonderlichkeit, als ein Paradox, sogar als ein Scherz erschienen war, plötzlich, nachdem er ihn häufiger im Leben bestätigt gefunden hatte, als ganz einfache, unzweifelhafte Wahrheit vor ihm stand. …… Es wurde ihm jetzt klar, dass all das fürchterliche Übel, dessen Augenzeuge er in den Gefängnissen und Kerkern gewesen, und die ruhige Selbstgewissheit derjenigen, die dies Übel hervorbrachten (die Gerichte, Strafverfolgungsbehörden etc), nur daher rührte, dass die Menschen eine unmögliche Sache wollten. Lasterhafte Menschen wollten lasterhafte Menschen bessern und wähnten, es auf mechanischem Wege zu erreichen. ….. Die Antwort, welche er nicht finden konnte, war dieselbe, die Christus dem Petrus gegeben: sie bestand darin, dass man immer allen unendlich verzeihen soll, weil es niemand gibt, der selber unschuldig wäre und darum die anderen strafen und bessern könnte.

Das doppelte Gitter zwischen den Gefangen und ihren Besuchern

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Tanzplatz

Am Strand vor dem Hotel, wo wir uns bisher zum paneurhythmischen Tanzen trafen, ist es jetzt zu voll von Badenden und Ball Spielenden. Also sind wir zum Park des Eisenbahnmuseums zurückgekehrt. Die Bäume spenden Schatten. Der Boden unter den Bäumen ist mit blauen Blüten übersät, die die Bäume herunterregnen ließen.

Ich sammle Blüten und bilde daraus den kleinen Kreis, der die Mitte des Kreistanzes bilden soll.

Die Fontänen des Teichs spenden Kühle und Feuchtigkeit.

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Archivbild der Woche: Emanzipation und Wehrtüchtigkeitserziehung der Frauen

An einem Tag wie heute – am 15. Juni 2017 – besuchte ich die „documenta“, die damals nicht nur in Kassel, sondern auch in Athen ausgerichtet wurde. In einem der Säle wurden Gemälde albanischer Künstler zur Zeit der kommunistischen Arbeiter- und Bauerndiktatur unter Enver Hoxhas (Hodschas) gezeigt.*

Sie geben propagandistischen Ausdruck einem Frauenbild, das die „gleichberechtigte“ Ausbeutung, Instrumentalisierung und Militarisierung der Frauen zu ihrem „Recht“ erklärt.  Die Frauen, vormals durch den Islam ans Haus gebunden, im „atheistischen“ Albanien nun aber unverzichtbar in der Arbeitswelt, wurden zwangs-„emanzipiert“.

 

 

 

Schon als Kinder durften auch die Mädchen die „Verteidigung des Sozialismus“ mit der Waffe üben.

Na, wäre das nicht ein Vorbild für deutsche Verhältnisse? Früh übt sich, wer ein Soldätchen werden will.

Dies ist ein Beitrag zu Heides Blogprojekt „Archivbild der Woche“.


 

*Hoxha war von 1946 bis zu seinem Tod 1985 ununterbrochen Alleinherrscher in dem von der Außenwelt vollkommen isolierten Land: 1948 brach er mit Tito und folgte Stalin, dessen brutale Methoden der „Säuberung“ politischer Gegner er übernahm. Mit Beginn der Entstalinisierung der SU (1961), die er nicht mitzuvollziehen gedachte, erklärte er den Maoismus zur Staatsdoktrin und unterbrach die Beziehngen zu den „sozialistischen Brudervölkern“ Europas. Zugleich intensivierte er den Kult um seine eigene Person. 1978, nach Maos Tod (er hatte zuletzt auch Mao in schärfster Weise kritisiert), sagte er sich auch von China los. Das nun vollkommen isolierte Land ließ der paranoide Diktator durch 750 000 Bunker „schützen“. Flucht aus dem verelendeten Land war kaum möglich. Erst 1981 brach die Arbeiter- und Bauern-Diktatur a la Hoxha und brachen die Grenzen, über die nun die Menschen, oftmals barfuß, drängten. Viele kamen über die Berge nach Griechenland, das im selben Jahr Mitglied der EU wurde. Die Strukturfonds der EU und die billigen willigen Arbeitskräfte aus Albanien halfen,  Griechenlands im Krieg zerstörte Infrastruktur weiter auf- und auszubauen.

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In der Zeichenschule. Ausstellung der Schülerzeichnungen, Umgebung

Gestern abend versammelten sich Schüler und Freunde der Zeichenschule, in der die Zeichnungen des letzten Semestern ausgehängt waren. Man wollte ein wenig zusammen feiern. Die Wände waren mit Zeichnungen gepflastert (darunter auch vier von mir), der Raum eng und schweißtreibend, aber gefreut hat es mich trotzdem.

Zeichenlehrer und Modell vor einer Bilderwand.

Besucher und Bilderwände

 

Wir machten dann noch einen Spaziergang durch die Umgebung.  Witzig fand ich, wie der Wein und andere Gewächse bis auf die Terrassen hochgezogen wurden, um ein bisschen Grün sein eigen zu nennen.

 

 

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