Das Arbeiter- und Bauern-Paradies zu Zeiten Hodschas (documenta 14, Athen).

Anlässlich der abc-Etüden habe ich ein wenig nach Albanien hinübergeschaut. Was war das für ein Land, das sich hinter Meer und hohen Bergen mit hunderttausenden von Bunkern gegen die Welt abzuschotten versuchte?
Im Museum für Zeitgenössische Kunst Athen (EMST) sah ich im Rahmen der documenta 14 einen Saal mit großen Gemälden albanischer Künstler, gemalt in den 70er Jahren. Erstaunlich für ein Land mit traditioneller, vorwiegend muslemischer Bevölkerung die entschiedene Emanzipation der Frauen. Doch welche Emanzipation? und welch hübsche Kinderspiele! Babsi und Myriade ermunterten mich, ein paar der Bilder zu posten. Schaut selbst: links Name, Titel, Jahreszahl, rechts das dazugehörige Bild. Anklicken zum Vergrößern.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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23 Antworten zu Das Arbeiter- und Bauern-Paradies zu Zeiten Hodschas (documenta 14, Athen).

  1. Myriade schreibt:

    Danke ! Das sieht ja nach einer Weiterentwicklung des sozialistischen Realismus aus den 30er-Jahren aus. Bis auf das Bild mit den Kinder, das finde ich geradezu verstörend !!

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  2. Myriade schreibt:

    Ich habe mir den Maler gerade angeschaut. Der hat auch eine Menge kantig verherrlichter Arbeiter und Bauern gemalt, ist aber doch immer wieder etwas aus dem Schema ausgebrochen …. Faszinierend.

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  3. Ulli schreibt:

    Hier ist sooo ein langsames Netz, dass ich noch einmal wiederkommen muss, um die Bilder zu sehen, er schafft et nich … schade!

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  4. kunstschaffende schreibt:

    Das stellt ja die Idealisierung des Systems von Kindesbeinen an dar. Die Frau am Gewehr, als Emanzipation Symbol und Gleichstellung im Beruf.
    Da wird die Frau instrumentalisiert, ich sehe diese Kunst eher als Werbeplakate für das System. Vielleicht wurde ja auch der Künstler instrumentalisiert, keine Ahnung!
    Vielleicht aber auch, wollte er die perfide Erziehung und Verlockung für dieses Unrecht System darstellen, was meinst Du dazu, liebe Gerda?

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    • gkazakou schreibt:

      Ich meine, liebe Babsi, dass es zu allen Zeiten Künstler gegeben hat, die sich gut mit den Mächtigen stellten. Denk nur an die Skulpturen von römischen Imperatoren. In absolutistischen Diktaturen ist der Spielraum für Künstler sehr sehr klein. Vielleicht hat zB der Maler der süßen Kinder absichtlich so übertrieben, dass es schon ironisch wirkt.

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      • kunstschaffende schreibt:

        Ja klar, ich wollte diese Künstler nicht verurteilen, es war nur eine Spekulation.
        Man kann sich auch schwer vorstellen, wie es sein muss in solch einem System künstlerisch tätig zu sein.
        Es erinnert uns aufjedefall daran, wie frei wir leben dürfen!

        Liebe gute Nacht Grüße Babsi

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    • gkazakou schreibt:

      Gute Nacht!🌠

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  5. Agnes Podczeck schreibt:

    Du hast da sehr interessante Beispielsbilder herausgesucht, liebe Gerda!

    Es ist schwierig, über die Künstler und ihre Motivauswahl zu urteilen – ohne genaueste Kontextkenntnis und ohne sich genau mit deren Biografie, sonstigen (auch unveröffentlichten!) Werken, Texten usw. zu beschäftigen und auch da ist es möglich, dass die Menschen nach außen hin das eine sagten, malten, was sie wussten, dass die Staatslenker es hören wollten (also die „Sprache der Macht“ sei es wörtlich oder bildnerisch) gelernt haben, um zu überleben, um weiter künstlerisch tätig sein zu dürfen usw. usw. und das andere dachten. Albanien blieb ja noch lange auf stalinistischem Kurs und so war es möglicherweise für die Künstler eine Art Lebensversicherung, diese propagandistischen Gemälde anzufertigen.

    Natürlich ist es so, dass Schriftsteller, Maler u.a. gerade durch Überspitzung eine versteckte Kritik äußerten und äußern; so halte ich es durchaus für das Gemälde mit Mädchen in rosa Kleidchen und Gewehr möglich, wie es oben diskutiert wird. Vielleicht aber auch nicht.

    Über die Albanische Geschichte weiß ich so gut wie nichts, nur so viel, dass die DDR, in der ich aufgewachsen bin, wesentlich „liberaler“ war als abgeschottete Albanien. Aber auch ich habe wie unzählige andere als Kindergartenkind und Schulkind Panzer gemalt, rote Flaggen, Soldaten und gleichzeitig das Lied von der kleinen weißen Friedenstaube gesungen. Im Nachhinein erscheint mir das fast unwirklich.

    In jedem Fall werde ich heute noch lange über diese Bilder nachdenken.
    Liebe Grüße

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    • gkazakou schreibt:

      danke, liebe Agnes, für deinen abgewogenen Kommentar und deine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema.
      Es gibt übrigens immer auch die Möglichkeit, dass die Künstler aus Überzeugung solche Bilder malten. Man darf ja nicht vergessen, dass das vor-kommunistische Albanien sehr rückständig war, insbesondere auch hinsichtlich der Frauenrolle. Da war das sozialistische Ideal der gleichen Rechte für alle und also auch ihre Rolle als Soldatinnen schon auch fortschrittlich (s.a. die weiblichen Kampftruppen in Libyen unter Ghaddafi, die kurdischen Kämpferinnen in Nordsyrien, die Wehrpflicht für alle Israelinnen), Das ist traurig, ja. Wir im Westen haben uns nur durch das Tragen von Hosen, nicht von Gewehren den Männern angeähnelt.
      Da sich die albanischen Kommunisten nach dem Bruch mit der SU von allen Seiten bedroht sahen und nur im fernen China einen Alliierten hatten, lässt sich ihre paranoide Haltung schon auch verstehen. Vergleiche könnte man anstellen mit Kuba und mit Nordkorea.

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  6. Nadia Baumgart schreibt:

    Diesen Kontrast zwischen der bunten Niedlichkeit des Kinderbildes und dessen, was es darstellt – nämlich Kriegsverherrlichung – erinnert mich an heutige Tage: Reden wir denn nicht ständig von Demokratie und exportieren Waffen in die ganze Welt?

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Nadia, dass du diesen sehr wichtigen Gedanken hinzufügst. Es sind nicht nur die Waffenexporte, sondern auch die endlose Zahl grausamer Kriegsspiele und Filme, die für Kinder produziert werden. Wahrscheinlich gibt es noch keinen westlichen Künstler, der Kinder darstellt, wie sie sich begeistert elektronisch totschießen.

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  7. bruni8wortbehagen schreibt:

    Das sozialistische Ideal zeigt sich in jedem der Bilder, auch im Kinderspiel, das so friedlich hätte sein können, und ich denke, es war für einen albanischen Künstler vielleicht auch die einzige Art, mit seiner Begabung Geld verdienen zu können. Was meinst Du, liebe Gerda?

    Gefällt 1 Person

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